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Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Indizierte und beschlagnahmte Zeitungen und Magazine

Beschlagnahme von Pardon-Erstausgabe, 1962

Am 29.8.1962 erschien erste Ausgabe der Satirezeitschrift „Pardon“. Sofort erwirkte der katholische Volkswartbund die Beschlagnahme eines Teils der Auflage wegen des Verdachts der „Verbreitung unzüchtiger Schriften“. (Spiegel 38 1990)

Beschlagnahmte Pardon

“Spiegel“-Verbot: Titel zur „Kuba-Krise“, Nr. 44 1964

Einmal in der „Spiegel“-Geschichte wurde ein komplettes Heft auf Betreiben der Bundesrepublik vorzensiert: Am 27.Oktober 1962 beschlagnahmte die Polizei Manuskripte des „Spiegels“ zur „Kubakrise“, der vier Tage später erschienen sollte (Spiegel 2 2007)

Beschlagnahmter "Spiegel"-Titel 1962

Indizierter Stern 7 1968 wegen der Serie "Der nackte Affe"

Der "Stern" Nr. 7/1968 wurde auf Antrag des Bundesfamilienministeriums wegen Jugendgefährdung indiziert. Als offizieller Grund wurde der Abdruck der Serie "Der nackte Affe" angegeben. In der Begründung wurde darauf verwiesen, dass von der Serie ein „verrohender Einfluß“ ausgehe und sie sich darin „gefällt", so das Familienministerium "ausgehend von der Darwinschen Abstammungslehre, das menschliche Sexualverhalten mit der Paarungstätigkeit der Affen zu vergleichen“. Allerdings begann der Abdruck der Serie bereits mit "Stern" Nr. 6 1968, ohne Beanstandung. So darf darüber spekuliert werden, ob es noch einen weiteren inoffiziellen Indizierungsgrund gab: Denn in "Stern" 7/1968 wurde auch eine Folge von vier Bildern veröffentlicht, die zeigt, wie ein gefangener Vietcong abgeführt und vom Chef der südvietnamesischen Polizei erschossen wird. (Spiegel 10 1968)

Indizierter Stern 7 1968

Schülermagazin „Underground“ in Beichtstühlen, 1969

Das Schülermagazin testete Beichtstühle und Priester. Dazu waren Jugendliche mit der Geschichte „Ich habe eine Freundin, mit der habe ich seit zwei Monaten Verkehr. Ich komme nicht mehr los von der Sache“ beichten gegangen. Die Beichtväter fragten daraufhin alle zunächst nach der Heiratsabsicht und dann nach der Häufigkeit. Schließlich wurde die Fleischeslust verurteilt und Triebverzicht wie folgt angemahnt - Pater Gründwald (München): „Wenn Sie sich mit dem Mädel nicht zu oft und nicht allein treffen und nicht an Orten, wo es zu einfach wäre, dann kommen Sie nicht in Versuchung“ oder Pater Taubenberger (München): „Schluss, damit! Schluss. Schluss. Schluss.“ Fazit der Schülerzeitung: Priester sind „verklemmte Apostel“. Bundespräsident Lübke empörte sich darauf. Das „steht in ihrer Gemeinheit einzigartig da.“ Der Presserat wurde ebenso eingeschaltet, wie das Bundesfamilienministerium und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die dem Antrag des Ministeriums folgte und „Underground“ indizierte. Die Indizierung wurde allerdings vom Kölner Verwaltungsgericht wieder aufgehoben. Ganz neu war die Beichtstory nicht. Die Satirezeitschrift „Pardon“ hatte im März 1967 den Reporter Wallraff mit der Geschichte, ob er als „katholischer Unternehmer mit Gewissensbissen“ Napalm für die US-Streitkräfte in Vietnam liefern dürfe, in katholische Beichtstühle geschickt. Die meisten Priester äußerten keine Bedenken, wenn es „gegen die Roten“ angewendet würde. (Spiegel 19 1969)

Beanstandete Nummer von "Underground"

Spontan-Titel, 1969

Adolf Klöckner, im Bundesfamilienministerium Regierungsdirektor für Jugendschutz (Fachgebiet: Literatur), fand 1969 das unten abgebildete "Spontan"-Titelbild so jugendgefährdend, daß er die Indizierung des Blattes beantragte. Klöckner: "Die Abbildung dient ersichtlich nicht dem Bestreben, weibliche Körperformen in ihrer natürlichen Schönheit zur Weckung ästhetischer Empfindungen darzustellen, sondern einem spekulativen Exhibitionismus und der Schaffung eines Kaufanreizes. Das Modell posiert in unnatürlicher, gestellter Körperhaltung. Die Spreizstellung der Beine, die zwischen den Oberarmen zur Schau gestellten entblößten Brüste und der sich dem Betrachter aufdrängende Gesichtsausdruck sind typische Gestaltungsmittel mit denen ein auf Sex getrimmtes Anregungsphoto in das Blickfeld gebracht wird." Durch solche "Nuditätendarstellungen" werde das "bereits im Kindesalter vorhandene humane Grundverständnis der Nacktheit und Geschlechtlichkeit ... einer empfindlichen Störung ausgesetzt". "Das Titelbild ... wirkt so ... als gefährlicher Regulator und Schrittmacher einer normativen Kraft des Faktischen." Klöckner kam dann zu dem eigenwilligen Ergebnis: "Der Inhalt des Heftes erfüllt nur zum geringen Teil die Erwartungen, die das Titelbild auslösen soll." (Spiegel 36/69=

Hamburger ASTA.Zeitung ZAS: Bericht über Polizeistrategie, 1969

Die Zeitung wurde u.a. beschlagnahmt, weil in einem Bericht über die Polizeistrategie 24 Polizeispitzel in Zivil abgebildet wurden. Dies wertere die Staatsanwaltschaft in Verbindung mit dem Text "Die Polizei hat drei Weichmacher: Einschüchtern, Schlagen, Festnehmen" als Aufforderung zu strafbaren Handlungen wie Körperverletzung, Nötigung zum Landfriedensbruch und Staatsverleumdung. (konkret 15 1969)

Beschlagnahmte ZAS und der beanstandete Artikel

St. Pauli Nachrichten, 1969/70

- Nr 11 1969 wurde u.a. aufgrund einer Anzeige „Blaustrumpf 22 J. ... möchte auf seriöse Art Unsch. verl.“ wegen Jugendgefährdung indiziert. - Nr. 12 1969 (beantragt)wegen der Anzeige „seid nett aufeinander“. In der Begründung des Familienministeriums wurde auf die „teilsweise ohne die üblichen Tarnumschreibungen der Vermittlung von Partnern für geschlechtliche Handlungen“ verwiesen. - Nr. 2 1970 (beantragt) wegen Überschriften wie „französisch – billiger?“ oder „Ich halt´ nicht viel von Vöglen“. Laut Familienministerium habe das Blatt damit „die geschlechtliche Betätigung ausschließlich als Mittel der Genußerziehung“ dargestellt wereden und banrage dritte Indizieurng. Bild von beanstandeter St. Puli im Spiegel s.o. - gleich dreimal in acht Tahren ordnete der Düsseldorfer Richter Hans Kempe die Beschlagnahme von 72000 Exemplaren verschiedener Ausgaben der St. Pauli Nachrichten an. Grund: Die Schriften „sind unzüchtig“, sie „gefährden Kinder und Jugendliche offensichtlich sittlich schwer“. (Spiegel 4 1970 und Spiegel 29 1970) - 1971 wurde vom Deutschen Kinderschutzbund Strafanzeige wegen der Herstellung jugendgefährdender Schriften gestellt.

Beanstandete Zeitung "St. Pauli Nachrichten"

konkret 20 1971

1971 versuchte F.K. Strauß das Politmagazin zweimal zu beschlagnahmen. (konkret 21/71)

Indizierungen: Sexblätter um 1970

Verschiedene Sex-Blätter waren zu dieser Zeit von Indizierungen bedroht. Zum Hintergrund: Wurde ein Blatt von der Godesberger Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ dreimal indiziert, so durfte es je nach Entscheid 3 bis 12 Monate lang nicht mehr ausgehängt und damit quasi nur noch unter dem Ladentisch verkauft werden. Die wirtschaftlichen Folgen waren z.T. fatal: „Sylt intim“ gab trotz einer Auflage von fast 500000 schon nach der zweiten Indizierung auf. Auch der bereits dreimal indizierte „St. Pauli Anzeiger“ kürzte sofort seine Auflage von 750000 auf 250000 und brachte vorsorglich den „St. Pauli Express“ mit 650000 heraus. Der wiederum unterschied sich fast nur durch den Namen vom Anzeiger. Um weiteren Unbill zu entgehen, setzten die Herausgeber der „St- Pauli“-Zeitschriften auf eine Ausnahmeregelung. Laut Gesetz galt die Index-Klausel „nicht … für Tageszeitungen und politische Zeitschriften“. Flugs gründete man deshalb eine eigene „Deutsche Sex-Partei“ und erklärte die „St. Pauli Zeitung“ zum Zentralorgan dieser. Paragraph 1 Satz 2 der Satzung: „Das Emblem der Partei ist eine goldene Träne in einem roten gleichseitigen, senkrecht auf der Spitze stehenden Dreieck…“ Punkt 6 „Eine Ehe kann aus verschiedenen oder gleichgeschlechtlichen, zwei oder mehreren Partnern bestehen.“ (Spiegel 32 1970)

Spontan Mai 1978

Die Titelseite der Mai-Ausgabe von Spontan wurde 1978 auf Druck der Bundesprüfstelle retuschiert. (Spiegel 23 1978)

“Playboy“-Interview mit Henri Nannen nicht gedruckt, 1981

Henri Nannen Interview wurde aus dem Playboy 5 1981 gekippt. Auf dem Titel war ein Interview mit Nannen bereits angekündigt, aber gerade mal 50 Ansichtsexemplare verließen vorab die Druckerei. Über den 11-Seiten Beitrag war der „Playboy“-Verleger Heinz Bauer so in Rage geraten, dass er das „offene Gespräch mit dem Mann, der drei Jahre Schlagzeilen schrieb und Schlagzeilen machte“ aus dem Blatt werfen und alle noch verfügbaren Exemplare einstampfen ließ. Abgedruckt wurde schließlich ein Gespräch mit Frederico Fellini, gleichwohl der Titel immer noch Nannen ankündigte. Die Gründe für die Absetzung waren möglicherweise persönlich. (Spiegel 18 1981)

Playboy: 220 000 Exemplare eingestampft

"Titanic": "Die Nazi-Methoden der Grünen", Nr. 1 1985

Eine Karikatur mit Helmut Kohl bot Anlass zur Beschlagnahme des Blattes. Auf dem Titel ist Kohl flankiert von zwei "Szene"-Typen zu sehen. Um den Hals baumelt ein Plakat mit dem Spruch "Ich bin die dümmste Nuß im Reiche, weil ich Grün mit Braun vergleiche." Damit war auf eine antisemitische NS-Kampagne aus den dreißiger Jahren angespielt. (Spiegel 3 1985]

Beschlagnahmte "Titanic" Januar 1985

Frauenzeitschrift „Vogue“ wegen Fotostrecke „Märchenspiel“ indiziert, 1999

Die Dezemberausgabe landete 1999 auf dem Index, weil in dem Luxus-Blatt eine sechsseitige Fotostrecke zum Thema „Märchenspiel“ des dänischen Fotografen Torkil Gudnason zu sehen war. Der hatte seine beiden Töchter Anna (7) und Eva (5) größtenteils nackt und stark geschminkt abgebildet. „Die Abbildungen sind geeignet, Kinder und Jugendliche sittlich zu gefährden“, urteilten die Jugendschützer, die über einen Antrag des Bundesfamilienministeriums zu entscheiden hatten. Bestätigt wurde „die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche der Bildsprache folgend sich selbst als geschlechtliche Anschauungsobjekte erkennen, ihre Rolle akzeptieren und möglicherweise Opfer sexueller Übergriffe werden“. (Focus 50 1999)

Ausriss aus der indizierten Vogue

Zensur und Moral

"Spiegel"-Titel: "Sex", 1966

Der Titel löste u.a. durch seine Abbildung eine Welle der Empörung aus, die sich auch in sehr kritischen Leserbriefen ausdrückte. (Spiegel 21 1966)

Kritisierter "Spiegel"-Titel

"Der nackte Affe" - "Stern" Nr. 6 1968 - ausgetauschtes Titelblatt

Nachdem der "Stern" vom Londoner „Sunday Mirror“ Text- und Bildrechte zum Abdruck der Serie "Der nackte Affe" gekauft hatte, verzichtete die Redaktion kurzfristig auf die Veröffentlichung des „Mirror"-Bildes, weil „ihr die Modelle nicht deutsch genug aussahen“ und weil „die Modelle so lange Haare und Sommersprossen hatten“ (O-Ton "Stern"). Für das neue Titelbild posierten in Hamburg stattdessen zwei eilig aus Paris eingeflogene Modelle und die Tochter eines "Stern"-Redakteurs. Die drei vom „Sunday Mirror“ fotofrafierten, ausgestopften Schimpasen allerdings, ließ der "Stern" zur neuerlichen Aufnahme per Flugzeug nach Hamburg bringen. (Spiegel 6 1968)

Ursprüngliches Bild zur Serie "Der nackte Affe"
Tatsächliches Titelblatt "Stern" 6 1968

Jasmin - die Zeitschrift für das Leben zu zweit, 1968-73

Ungewöhnlich war an diesem Magazin für Eheleute das Lexikon der Erotik, dass am Rand geschlossen war und zum Lesen aufgetrennt werden musste.

St. Pauli Nachrichten: Beschlagnahme, 1970

Dreimal in acht Tagen ordnete der Düsseldorfer Richter Hans Kempe die Beschlagnahme von 72 000 Exemplaren verschiedener Ausgaben der "St. Pauli Nachrichten" an. Zur Begründung zitierte Kempe einschlägigen Gesetzestext: Die Schriften "sind unzüchtig". sie "gefährden Kinder und Jugendlich offensichtlich sittlich schwer". Gleichzeitig setzte sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bad Godesberg im dritten Indizierungsverfahren damit auseinander, ob die "St. Pauli Nachrichten" endgültig unterm Ladentisch und unbesehen gehandelt werden müssen. (Der Spiegel 29 1970)

"Pardon" Nr. 2 1971: Titelblatt (klein) - ja / Plakat (groß) - nein

Der Geschäftsführer der Hamburger Außenwerbung, Carl Meyer-Klaeden, verweigerte den Aushang der Plakate mit dem "Pardon"-Titel, "weil es einen Unterschied macht, ob ich nackte Frauen in einer Illustrierten zeige oder ob sich sie in wesentlich größerem Format an die Säulen im öffentlichen Verkehr bringe." Die Deutsche Städtereklame hatte zuvor das Werbeplakat genehmigt.

Plakat (nein) - Cover (ja)


"Mutter fand ihr Kind (14) wieder, als Pornomodell" - Münchner Abendzeitung, 1971

Zu der Überschrift wurde ein retuschiertes Aktbild präsentiert. Durch ein versehen kam die unbearbeitete Fassung dann noch noch in die Spätausgabe. (Spiegel 46 1971]]

retuschierte und unretuschierte Fassung

"Spiegel"-Titel über Homosexuelle untern Ladentisch, 1973

Aufgrund des "Spiegel"-Titels über Homosexuelle „Befreit – aber geächtet“ (Nr. 11/1973) wurde dieser mitunter nur unterm Ladentisch verkauft. (Spiegel 13 1973)

"Spiegel"-Titel über Homosexuelle

"Spiegel"-Titel über "Die verkauften Lolitas", 1977

Aufgrund des Titelbildes wurde "Der Spiegel 1977 vom Deutsche Presserat gerügt. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft allerdings wurde mit dem Vermerk "Keine Pornographie" zurückgewiesen. (Spiegel 22 1977) Das Cover des „Spiegels“ wurde später in der Online-Version des Hausarchivs gelöscht. (FAZ 7.8.2015)

US-Hustler, 1977

Mit einem Paparazzi-Poster von Jackie O. oder Rubriken wie "Arschloch des Monats" hatte Flynt 1974 "Hustler" gestartet. Das Blatt, aus dem Stand erfolgreich. wurde zum Vorreiter eines neuen Typs von Sex-Magazinen, von denen sich mittlerweile fast zwei Dutzend in den USA durchgesetzt haben und die mit "genitalen" Nahaufnahmen aufwarteten. 2,5 Millionen Exemplare verkaufte Verleger Flynt 1977 monatlich von seinem "Hustler" (Preis in der Bundesrepublik: 13 Mark). 1977 wurde er aber wegen der Detailaufnahmen verurteilt. (Spiegel 9 1977)

sexualität konkret, Bd. 1, 1980

Das Heft wurde in Bayern 1980 beschlagnahmt. (konkret 8 1980) Auch das zweite Heft der Reihe geriet in das Visier der Ermittler, u.a. wurde ermittelt wegen der "Verbreitung jugendgefährdender Schriften" (konkret 9 1981).

"Mobil" - "Sexualität und Rheuma", 1984

Herbert Vesper, ehemaliger Präsident des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der Deutschen Rheuma-Liga, versuchte einen Artikel zum Thema "Sexualität und Rheuma" im Bundesverbandsblatt "Mobil" zu verhindern, weil ihm die "offenen Worte zu einem verschwiegenen Problem" nicht paßten. Auszug: "Sexualität ist Körperlichkeit, ist Streicheln, Wärme, hat zu tun mit Festhalten und Gehaltenwerden, mit Angenommen- und Getragenwerden, mit Tanzen, Bewegungen und Bewegtsein. Vieles hiervon ist dem, der in der Beweglichkeit durch eine rheumatische Krankheit behindert wird, nicht mehr möglich ... Der Geschlechtsverkehr ist zumeist mit Bewegung verbunden. Das gerade ist das Dilemma des Rheumatikers." Als die Redaktion sich weigerte, die entsprechenden Seiten im bereits gedruckten Heft zu schwärzen, kündigte der Präsident kurzerhand die "Mobil" Abonnements für die 10 000 Mitglieder seines Landesverbandes - ohne vorher mit der Basis Rücksprache gehalten zu haben. (Spiegel 20 1984)

Emma: Porno-Ausgaben, 1987

Drei Ausgaben von "Emma" wurde 1987 vom Fachhandel weitgehend boykotiert - wegen "beispielloser pornographischer Darstellungen". * Die Frauen der "Emma"-Redaktion hatten die Ergebnisse ihrer Recherche in Pornostudios und den Produkten der Sexindustrie im Oktober, November und Dezember veröffentlicht. Dargestellt und gezeigt wurden u.a. "Eine Frau, die einer anderen den After leckt. Eine Frau, die in allen zur Verfügung stehenden Löchern Schwänze stecken hat." Gefordert wurde ein verbot der Pornographie. Doch trotz oder gerade wegen dieser mit drastischen Bildern unterlegten Aufklärungsarbeit weigerten sich viele Pressegrossisten und Händler die brisanten Nummer zu vertreiben, zumal die Münchner Anwälte Wolfgang Auer und Wolfdieter Kuner die Zeitschriften-Händler wissen ließen, dass insbesondere der Vertrieb der November-"Emma" strafbar sei. Das Frauenblatt, taten die Anwälte kund, verbreite bei seinem Kampf gegen den Sittenverfall selbst "harte Pornographie". Und dafür gelte nach Paragraph 184 Absatz drei Strafgesetzbuch ein "generelles Vertriebsverbot". Vor allem die Abbildungen auf der Seite 24, Spalten eins und zwei, erregten die Herren. Dort werden, wie der dazugehörige Text richtig vermerkt, "illegale Pornos mit Kindern und Tieren" gezeigt, die sonst nur "unter der Ladentheke" und in Sexshops zu haben sind. "Die gezeigten Bilder sind doch nur Zitate aus einschlägigen Magazinen", verteidigte sich "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer, "die Frauen gemeinhin nicht vertraut sind - aber deshalb zeigen wir das ja." Verunsichert verzichteten Großhändler bundesweit auf die Auslieferung der "Emma". Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) machte Front gegen die Ausgaben. Keine deutsche Publikumszeitschrift stellte VDZ-Sprecher Winfried Reske die "an sich begrüßenswerte" Antiporno-Kampagne, habe jemals "derartige oder auch nur annähernd vergleichbare Bilder" gezeigt. Die zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften sah das aber anders und verzichtete, "Emma" auf den Index zu setzen. "Eine kritische Auseinandersetzung mit der Pornographie ist erwünscht", sagte Oberprüfer Rudolf Stefen. Ob dazu Sodomie-Bilder sinnvoll seien, müsse der Staatsanwalt entscheiden. Aber auch die schritt nicht ein.(Spiegel 47 1987)

Emma 11 1987

Parodiezeitschrift "Tunte": Prinzessin Diana beleidigt, 1987

Die Staatsanwaltschaft in München stellte nach der Prüfung des Titel-Photos der Parodiezeitschrift "Tunte" fest, dass Diana sich möglicherweise beleidigt fühlen könnte. "Rein vorsorglich" (Behördenleiter Karl-Heinz Stocker) wurde deshalb der "Tunte"-Verlag telephonisch auf die Möglichkeit einer Beschlagnahme hingewiesen, falls die Prinzessin, innerhalb von drei Monaten, Strafantrag stellt. Die Prinzessin reagierte aber nicht.

Emma 11 1987

Das Magazin "Profil" mit Rubbelaufkleber,1991

Eine Art von Selbstzensur guakelte das österreichische Nachrichtenmagazin Profil 1991 den Käufern vor. Auf dem Titel war kopulierendes Paar zu sehen, dessen Genitalbereich mit einem Rubbel-Aufkleber abgedeckt war. Fußnote: „Das Rubbeln ist für Jugendliche unter 18 nicht gestattet". Die Zeitschrift fand reißenden Absatz und enttäuschte die Voyeure: Unter dem Rubbel-Balken war nichts Nacktes zu sehen, sondern nur der Satz: „25% aller Österreicher sind Voyeure.“ (Spiegel 35 1991)

Magazin "Profil" mit Rubbelbild

Pin-up im Bundeswehrmagazin „W 12 – das Magazin für junge Soldaten“, 1991

Erstmals wurde 1991 in dem Magazin ein Pin-up-girl mit blanken Busen veröffentlicht. Nach dem Protest einer bayrischen Frauenbeauftragten wurde die Redaktion angewiesen, keine „blanken Busen“ mehr zu zeigen. Das nächste Poster zeigte eine verhüllte Balletteuse. (Spiegel 21 1991)

Bundeswehr Pin-ups vorher - nachher

"Love and Sex Reprot 1995" (Bravo 21 1995): indiziert, 1995

Die Bravo wurde indiziert, weil u.a. in dem Artikel "sich ein 13jährige (juristisch noch ein Kind) nackt ablichten und ausfragen läßt". Eine weitere Indzierung von einer Bravo mit einem Fotoroman über eine rituelle Vergewaltigung durch Satanisten scheitere nur knapp.(Endpunkt Nr. 27)


Stern Nr. 8 1995 und 45 1995: Die Wahrheit über den Untergang der Estonia und Teenager-Sex, 1995

Die Titelbilder wurden öffentlich gerügt.

Pornodarstellerin und ihr Job (Bravo Girl 17 1995): indiziert, 1995

Die Ausgabe wurde indiziert, weil eine angeblich 18-jährige Porno-Darstellerin zu ausführlich über ihren Job berichtet hatte. U.a. sagte sie: Sex mit Liebe ist wunderschön, aber Sex ohne Liebe ist einfach geil." (Endpunkt 27)

"Stern"-Titel über die Fotos von Jock Sturges von jugendlichen Nackten, 1996

"Skandal oder Kunst?" lautete der Titel des Stern 25 1996zu den Fotos von Jock Sturges, der nackte Jugendliche ablichtet. Die Reaktionen u.a. in zahlreichen Leserbriefen fielen eindeutig aus: "Sexueller Mißbrauch beginnt bei Fotos wie denen von Hamilton und Sturges" oder "Toller Tip für sonnenheiße Pädophile. so können sie unter dem Deckmäntelchen der Kunst an Frankreichs Küsten ihr schäbiges Ding machen." (Stern 27 1996)

Umstrittener "Stern"-Titel

Max: "Erogene Zone" statt Streit zwischen Verlegern", 1998

Milchstraße-Verleger Dirk Manthey ließ 1998 die Rotationsmaschinen stoppen, auf denen gerade sein Lifestyle-Magazin "Max" gedruckt wurde. Er warf eine Fünf-Seiten-Story aus dem Blatt. Darin hatte sich im Manthey-Auftrag Autor Andreas Odenwald über den Streit zwischen der "Bunte"-Chefredaktion und dem Klatschreporter Michael Graeter ausgebreitet. Statt dieser Medienstory durften "Max"-Käufer in der neuesten Ausgabe unter dem Titel "Erogene Zone" lesen, was junge Menschen übers Leben denken. Hintergrund der teuren Gefälligkeitsaktion: Manthey möchte den Bunte-Verleger Hubert Burda nicht verärgern, der gemeinsam mit dem italienischen Rizzoli Verlag mehrheitlich an der Milchstraße ("TV Spielfilm", "Amica") beteiligt ist. (Spiegel 10 1998)


Britney Spears fast nackt auf "Rolling Stone"-Titel, 2003

Heftige Kritik erntete die Musikzeitschrift "Rolling Stone" im September 2003, als Britney Spears fast nackt auf dem Titel abgebildet wurde. (news.ch 12.9.2003)

Barnes & Noble und Borders zensieren Bild des androgynen männlichen Modell Andrej Pejic, 2011

Zwei große US-Buchhändler haben ein Cover-Bild von Andre Pejic auf dem Magazin "Dossier" zensiert, indem sie forderten, es in Kunststoff zu verpacken. Begründung: Kunden dachten, er sei eine Frau. (mail online 17.5.2011)

Jürgen Teller: Fotos für "032c", 2011

Die Fotos schockierten den Zeitschriftenhandel so sehr, dass sie als "pornographisch" eingestuft wurden. Folge: Der Handel durfte das Heft nur in separaten Räumen anbieten. (FAZ 12.6.2011)

Sıla Şahin im Playboy, Mai 2011

Sie war im Mai 2011 die erste türkischstämmige Deutsche, die auf der Titelseite des deutschen Playboy-Magazins abgebildet wurde. Şahin begründete die Aktfotos als „totalen Befreiungsschlag“. Die Reaktionen waren gemischt und reichten von Zustimmung bis hin zu kategorischer Ablehnung und persönlichen Diffamierungen. Im Netz tauchte das Titelblatt in einer unzensierten und einer zensierten Fassung auf.

Neymar lässt Playboy-Ausgabe verbieten, Brasilien 2014

Brasiliens Fußballstar Neymar hat auf gerichtlichem Weg den Verkauf der Juni-Ausgabe des Männermagazins Playboy in Brasilien gestoppt. Das Blatt sollte in diesem Monat mit einer vermeintlichen Ex-Geliebten des 22-Jährigen auf dem Titelblatt an die Kioske kommen. Neymar hat immer bestritten, dass es die vom Model Patrícia Jordane an die Öffentlichkeit gebrachte Affäre überhaupt gegeben hat. In einer offiziellen Stellungnahme des Neymar-Clans heißt es, dass Jordane, für die sich der Seleção-Star Anfang des Jahres angeblich intensiver interessiert habe, "eine Lüge über das Privatleben von Neymar Jr. verbreitet" und "unerlaubt seinen Namen benutzt". Ein Gericht in São Paulo legte deshalb fest, dass der herausgebende Verlag umgehend alle Exemplare einsammeln müsse. Bei Zuwiderhandlung drohe ein tägliches Bußgeld von umgerechnet 3.300 Euro. Eurosport 29.6.2014)

Gewalt

Leitfaden für Berichte über Amokläufe vom Presserat, 2010

Der Deutsche Presserat, die freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Presse, brachte 2010 einen "Praxis-Leitfaden: Berichterstattung über Amokläufe - Empfehlungen für Redaktionen" heraus. Zum Hintergrund: Die Berichterstattung über den Amoklauf von Winnenden hatte damals viele Menschen verstört. Insgesamt gingen 90 Beschwerden beim Presserat ein. Zu brachial, zu rücksichtlos empfanden viele die Artikel vor allem der Boulevardpresse, die das Blutbad in der Albertville-Realschule zum Teil mit Comic-Lageplänen und fiktiven Illustrationen ausschmückte. Der erste Teil des 50-seitigen Leitfadens umfasst zahlreiche Beispiele von Beschwerden - inklusive der Entscheidungen des Presserats und Empfehlungen, wie es anders besser geht. Der zweite Teil dokumentiert die Befunde zweier "Expertenkommissionen", vor allem jener aus Baden-Württemberg, dem Bundesland, in dem sich die Tragödie von Winnenden ereignete. Als "Leitsatz" für Journalisten heißt es da: "Eine extensive, täterzentrierte und detaillierte Amokberichterstattung ist Katalysator für Nachahmungsphantasien und -absichten amokgeneigter junger Menschen." Natürlich müsse über Amokläufe berichtet werden, sagt Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Presserats. Es komme aber auf die Art und Weise an. Im Falle von Winnenden hätten viele Zeitungen persönliche Daten von Opfern veröffentlicht: "Ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex", so Tillmanns. Das Thema beschäftigt ihn und den Presserat gerade wieder. Nach der Berichterstattung über die tödliche Massenpanik bei der Loveparade sind so viele Beschwerden eingegangen wie nie. (Sdt. 8.9.2010)


Rolling Stone: Vom Boston-Terroristen zum Coverboy, 2013

Das Magazin "Rolling Stone" zeigte 2013 einen Attentäter vom Boston-Marathon Dschochar Zarnajew auf dem Cover. - Kritiker empörten sich über das Cover - sie sehen darin die Glorifizierung eines Mannes, der nicht davor zurückschreckte, eine Nagelbombe inmitten einer Menschenmenge zu platzieren und damit noch viel mehr Todesfälle in Kauf zu nehmen, als es am Ende waren. Vor allem die Art der Präsentation erregt die Gemüter. Der ehemalige Polizeifotograf Sean Murphys zum Beispiel reagiert wütend auf das Cover des Rolling Stone und hat seinen eigenen Weg gewählt, um dagegen vorzugehen. Zarnajew, wie er blutüberströmt aus dem Boot steigt. (Sdt. 13.7.2013)

Politische Zensur

Der Spiegel 23.10.1948: Verbot, 1948

Ein Bericht über Prinz Bernhard der Niederlande löste 1948 den Protest der niederländischen Regierung aus, da der Artikel in einem "allgemein beleidigenden Ton" gehalten gewesen sei. Auf Druck der Politik wurde deshalb die Ausgabe "vom Erscheinen suspendiert". (Spiegel 43 1998)

Tübinger Studentenzeitung "notizen" Nr. 87/88 1969 beschlagnahmt

Aufgrund des Titelblattes wurde die Zeitung 1969 beschlagnahmt. Vorwurf: Verunglimpfung der bundesrepublikanischen Farben. (konkret 5/1969)

Siegener Polit-Jugendzeitung "Europaclub" Nr. 1/1969 beschlagnahmt

Aufgrund des Titelblattes wurde die Zeitung 1969 beschlagnahmt. Vorwurf: Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Die Lübke-Heinemann-Karikatur wurde dem "Europaclub" von der Berliner Zeitschrift "Agit 883" zur Verfügung gestellt. (konkret 14/1969)

Springer-Presse lehnt "Spiegel"-Anzeigen ab, 1972

Ohne Angabe von Gründen wurden im Wahlkampf Anzeigen des "Spiegel" abgelehnt, bei denen u.a. auch die Titelblätter der jeweils aktuellen Ausgabe zu sehen waren. (Spiegel 47 1972)

Abgelehnte Anzeige (Ausschnitt)

Spezialausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“ über den „Irischen Konflikt“ zurückgezogen, 1973

Die bereits druckreife Spezialausgabe vom Bundespresseamt und der Bundeszentrale wurde nicht wie vorgesehen im August 1973 veröffentlicht, weil man fürchtete, sie könne als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes“ (Irland/Großbritanien) angesehen werden. (Spiegel 44 1973)

Anaracho Zeitschrift „Radikal – Zeitung für Freiheit und Abenteuer“, 1983

Das Berliner Szene Blatt geriet 1983 in das Visier der Staatsanwaltschaft, weil es u.a. Bekennerschreiben, Strategiepapiere und Mitteilungen der "Roten Zellen" veröffentlicht hatte und sich damit dem Vorwurf ausgesetzt sah, für eine „terroristische Vereinigung geworben“ zu haben. (Spiegel 33 1983)

Deutsche Ausgabe von "L´Espresso": Hitler-Karikaturen, 1987

Die deutsche Ausgabe wurde um einen achtseitigen Artikel zum Historikerstreit gekürzt, insbesondere weil der Artikel auch zahlreiche historische Karikaturen mit Hitler u.a. von Grosz (mit insgesamt fünf Hakenkreuzen) enthielt. Der Importeur befürchtete einen Verstoß gegen das Gesetz bzgl. der "Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen". (Spiegel 3 1987)

Karikatur von Grosz aus "L´Espresso"

Spiegel-Titel "Barschels schmutzige Tricks", 1987 und Stern Nr. 44/87

Aufgrund des Titels wurde "Der Spiegel" 1987 und der Stern vom Deutschen Presserat gerügt. (Spiegel 38 1987)

"Bayernkurier" gegen Anzeigenwerbung für Berlin als Hauptstadt,1990

Das CSU-Organ "Bayernkurier" verweigerte als einzige von 30 Zeitungen den Abdruck von Anzeigen, in denen sich Prominente für „Berlin, Die Hauptstadt“ aussprachen. Eigens für den "Bayernkurier" ließ der Berliner Senat ein Anzeigenmotiv mit den Worten des Streibl-Vorgängers Franz-Josef Strauß fertigen, wonach Berlin „für und .. die Hauptstadt Deutschlands nach der politischen Wirklichkeit von morgen wieder sein wird.“ (Spiegel 37 1990)

Beanstandete Werbung für Berlin

Sadams Hinrichtung, Irak 2007

Die Hinrichtung von Sadam Hussein wurde gefilmt und anschließend ins Netz gestellt. In den Medien wurde sowohl die Frage aufgeworfen, ob dieses Video veröffentlicht werden durfte als auch ob das „Ende des Tyrannen“ in einzelnen Bildern mit dem Strick um den Hals wirklich in der Berichterstattung über den Tod gezeigt werden sollte. (Stern 4 2007)

“The New Yorker“: Obama als Muslim, 2008

Das Titelblatt „The New Yorker“, auf dem der damalige Präsidentschaftskandidat Obama zeichnerisch als Muslim karikiert wurde, sorgte für helle Empörung. „Die meisten Leser werden es als geschmacklos und beleidigend sehen, dem stimmen wir zu“, sagte ein Sprecher Obamas. Der „New Yorker“ konterte mit dem Verweis auf die Funktion von Satire: Man wolle „den Vorurteilen, dem Hass und dem Absurden den Spiegel vorhalten“, wobei „Satire … manchmal anstößig und beleidigend“ sein kann.(Sdt. 16.6.2008)

"The New Yorker“: Obama als Muslim, 2008

"Financial Times" stoppt Anzeige von Amnesty International, 2010

Eine Anzeige von Amnesty wurde gestoppt, weil er auf die negativen Folgen der Ölförderung des Konzerns Shell im Niger-Delta (Nigeria) für die Umwelt hinwies. (Sdt. 22./23./24.5.2010)

"Südlink"-Magazin: Greenwashing, 2012

2012 wollte das entwicklungspolitische Magazin einen Artikel über da sog. Greenwashing von Konzernen berichten. Dem Bundesentwicklungsministerium, dass das aktuelle Heft mitfinanziert hatte, war der Artikel zu unausgewogen und stellte die Fördergelder zur Disposition. Die Südlink-Macher ließen deshalb zwei Seiten des Magazins leer und verwiesen auf die Website, wo die Gründe für den ungewöhnlichen Schritt benannt wurden. Der Artikel selbst wurde auf eigene Kosten gedruckt und dem Heft beigelegt. (Sdt. 14.9.2012)

"The New Yorker“: Obama als Muslim, 2008


»taz«-Chefredakteurin verhindert kritischen Artikel über Grüne und Pädophilie,2013

Ein Artikel von Christian Füller, in dem er den Grünen vorwirft, dass Pädophilie in ihrer Ideologie angelegt war, wurde im August 2013 von der Chefredakteurin Ines Pohl verhindert. Das Ressort der Wochenendbeilage »Sonntaz« hatte den Artikel bei Christian Füller bestellt. Der arbeitete in dem Artikel heraus, dass Päderasten in den 70er und 80er Jahren Verbündete sahen und z.T. auch fanden. Den Grünen von heute wirft er vor, die Opfer immer noch zu verraten. Zu lesen bekamen die Grünen die Abrechnung nicht: Ines Pohl verhinderte es. Sie wies die Ressortleitung an, den Artikel aus der Wochenendausgabe zu entfernen. Er strotze vor falschen Tatsachenbehauptungen und habe keinen aktuellen Kontext. Pohl blieb allerdings Belege für die falschen Tatsachenbehauptungen schuldig. »taz«-Justiziar Peter Scheibe hatte den Text freigegeben. (Niggemeier-blog 18.8.2013)

Persönlichkeitsrechte

"Ölscheichs gegen Europa" - "Spiegel"-Titel 46 1973

Ein Interview mit dem saudischen Öl-Minister Jamani wäre beinahe am Einspruch von Jamanis Sekretär gescheitert. Für das Titelblatt hatte man den Kopfschmuck des Königs von Saudi-Arabien Feisal verwendet, ohne dessen Gesicht zu zeigen. (Spiegel 14 1975)

Titelblatt und Vorlage

Sophia Loren und die nackte Doppelgängerin in "lui", 1977

Die Schauspielerin erwog gerichtliche Schritte gegen die Zeitung, die eine nackte Doppelgängerin auf dem Titelblatt und auf zehn Innenseiten unter der Überschrift „Sophia und ihr Double“ posieren ließ. Anders als ihr Vorbild zeigt Abbild Naduika auf den Photos in nachempfundenen Szenen aus vier Loren-Filmen nahezu alles. (Spiegel Archiv vermutlich 1977)

Doppelgängerin von Loren
Doppelgängerin von Loren

R.O.M.E.:Claudia Schiffer Nackt, 1992

Die Zeitschrift R.O.M.E. zeigte in der Öffentlichkeit bisher weitgehend Ungesehenes: die blanke Brust von Claudia Schiffer. Der Fotograf David Hurley hatte das Model beim Umkleiden hinter der Bühne erwischt. Nach der Veröffentlichung stieg die Auflage des Underground Magazins wie verrückt. Schiffer zeigte sich „entsetzt“, fühlte sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und drohte mit einer einstweiligen Verfügung (Spiegel 22 1992)

Fotos aus R.O.M.E.
Fotos aus R.O.M.E.

Claudia Schiffer nackt, 1993

Als im Urlaub heimlich aufgenommene Fotos der fast nackten Claudia Schiffer veröffentlicht wurden, drohte diese mit einer Millionenklage. (Stern 35 1993)

Claudia Schiffer von Paparazzi fotografiert

Madonna nackt, 1995

Heimlich aufgenommene Fotos von Madonna kamen an die Presse. Die Sängern sah ihre Persönlichkeitsrechte eingeschränkt und drohte mit Klage. (Stern 35 1993)

Madonna nackt

"Deneuve - The Lesbian Magazin" ("für die schicke Lesbe"/Eigenwerbung) 1995

Die Schauspielerin Catherine Deneuve ging mittels Schadensersatzklage und einer Klage auf Verbot des Vertriebs in Frankreich gegen das amerikanische Blatt vor, weil sie fand, dass Schindluder mit ihrem Namen getrieben werde. (Stern 17 1995)


Maximilian Pieper Hanfanbau, 2003

Der Sohn von Cornelia Pieper, 2003 Generalsekretärin der FDP war seinerzeit aktiv in der Jugendorganisation der FDP und Kandidat für ein Mandat in seinem Heimatort. Ende Oktober 2003 erschien im "stern" ein Artikel über Cornelia Pieper und ihr häusliches Ambiente: "Sie ist extrem nett, sehr lebenslustig, ein bißchen unbedarft und hat manchmal leider keine Ahnung." Scheinbar beiläufig berichtete das Blatt auch über eine Hanfpflanze, die der 18jährige Sohn Max in einem Topf kultivierte, ohne daß die Mama daran etwas Anstößiges fand. Daraufhin durchsuchte die Staatsanwaltschaft das Haus und stellte die Hanfpflanze sicher. Kubicki nahm dies zum Anlaß, um die Generalsekretärin als naiv zu bezeichnen und ihren Rücktritt zu fordern. Cornelia Pieper ließ dem Parteifreund ausrichten, er habe "nicht den Arsch in der Hose, einem direkt ins Gesicht zu sagen, was er von einem hält". In der Folge wurde versucht, per Einstweilige Verfügung die Berichterstattung über Hanf und Hausdurchsuchung bestmöglich zu unterbinden. Letztendlich wurde die Berichterstattung als zulässig erklärt.(Archiv und u.a. FAZ 24.4.2014))

Die Schauspielerin Sibel Kekilli und die „Bild-Zeitung, 2004/05/10

Als im Februar 2004 auf der Berlinale der Film „Gegen die Wand“, in dem Kekilli die Hauptrolle spielt, den „Bambi“-Preis gewann, enthüllte „Bild“, dass die Schauspielerin früher in Pornofilmen mitgearbeitet hatte. Diverse Nacktfotos reicherten die Story an. Daraufhin protestierte der Presserat, und Kekilli erwirkte gegen „Bild“ vor dem Kammergericht Berlin eine einstweilige Verfügung mit Strafandrohung bei neuerlichem Abdruck von Fotos aus Pornofilmen (250 000 Euro oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten). Das Gericht sah in einem im veröffentlichten Foto von „Bild“ (2. November) eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Kekilli ist darauf beim Geschlechtsakt zu sehen. Das Foto wurde mit einem Zitat der Jury des „Bambi“-Preises versehen: „Eindringliche Darstellung“. Auch hier urteilte das Gericht eindeutig, Kekilli sei in „höhnischer Weise herabgesetzt“ worden. Sie selbst bezeichnete den Vorgang bei der „Bambi“-Gala als „Medienvergewaltigung“. (Spiegel 9 2004/Sdt. 29 und 30.1.2005)

Sibel Kekilli: Szene aus einem Porno

2010 wurde damm dem Sender RTL gerichtlich verboten, Szenen aus den Pornofilmen mit Kekilli zu zeigen. RTL hatte in dem Magazin "Exklusiv eine Szene gezeigt, in der Kekilli Sex hat. In der einstweiligen Verfügung gegen den Sender hieß es, dass Kekilli es nach so vielen Jahren nicht mehr zu dulden habe, dass diese Szenen im Fernsehen ausgestrahlt werden. (Spiegel 39 2010)

Halbnackte Bundeskanzlerin Merkel in „The Sun“, 2006

Von Paparazzis aufgenommene Urlaubsfotos, auf der die Bundeskanzlerin halbnackt zu sehen ist, wurden von „The Sun“ unter der Überschrift „I´m big in the Bumdestag“ (der englische Bum steht umgangssprachlich für Hintern) sorgten in der Bundesrepublik für Verstimmungen und Protest. (Spiegel 17 2006)

Merkel in "The Sun" (Ausriss)

Die tote Lady Di, 2007

Der Abdruck von Fotos der sterbenden Prinzessin Diana in italienischen und spanischen Zeitungen löste in Großbritanien eine Welle der Empörung aus. Auch ihre Söhne William und Harry kritisierten die Veröffentlichung. Bis dato hatte es eine international geltende stille Vereinbarung in der Medienbranche gegeben, keine Bilder vom Todeskampf der Prinzessin abzudrucken. (MZ 15.7.2007)


Prinz Harry nackt: "Strip Billiard" in Hotelzimmer, 2012

"The Sun" hatte im August 2012 trotz Protests aus dem Buckingham-Palast Nacktfotos von Prinz Harry veröffentlicht. Die Bilder zeigen den jüngeren Sohn des britischen Thronfolgers Prinz Charles nackt mit einer unbekleideten Frau am Rande eines "Strip Billiard"-Spiels in einem Hotelzimmer in Las Vegas. Das Königshaus hatte die zunächst versucht, die Veröffentlichung zu verhindern. Die "Sun" verteidigte sich: die Leser hätten ein Recht, die Bilder zu sehen. Zudem sei es "lächerlich", dass die Bilder "von hunderten Millionen Menschen im Internet" angeschaut werden könnten, nicht aber in "der beliebtesten Zeitung der Nation". Allerdings verurteilten 61 Prozent der Briten die Veröffentlichung. (Augsburger Allgemeine 27.8.2012)


Gabriele Pauli gegen "Bild", 2014

Das Bundesverfassungsgericht stellte in dem Prozess gegen die Bild-Zeitung fest: Die Pressefreiheit endet, wenn in den „Intimbereich übergegriffen“ und die Privatperson verächtlich gemacht wird. Mit der Entscheidung hat die Ex-Landrätin Gabriele Pauli aus Fürth einen späten Sieg gegen die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung errungen. Pauli war in Bild.de als „durchgeknallte Frau“ beschrieben worden, die höchst frustriert sei und deren Hormone derart durcheinander seien, dass sie nicht mehr wisse, „was wer was ist: Liebe, Sehnsucht, Orgasmus, Feminismus, Vernunft.“ (FAZ 22.1.2014)

Umweltbeamter Wedekind erschießt Elefanten, 2014

Erst hat er einen Elefanten mit mehreren Schüssen getötet, dann brüstete sich der Beamte damit vor Kollegen. Schließlich musste der Thüringer Spitzenbeamte mit den Konsequenzen leben: Umweltminister Reinholz entband seinen Zentralabteilungsleiter Wedekind von seiner Funktion. In den Medien wurde ein das Abschussfoto mal mit erkennbarem, mal mit verschwommenen Gesicht gedruckt.

spiegel online
bild de

Angelika Büter versus Stern, 2014

Die Ehefrau von Jürgen Trittin, hatte die Zeitschrift Stern verklagt, weil diese im Wahlkampf ein Trittin-Portrait mit einem Foto illustrierte, auf dem auch sie und Trittins Mutter zu sehen waren. Das Kammergericht Berlin hielt die Nutzung des Photos für zulässig, da sich Büter auch zuvor schon öffentlich mit Trittin gezeigt hatte. Die Richter beriefen sich dabei auf die Caroline-Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. (FAZ 24.4.2014)

Simone Thomalla: Dekollete´-Steit, 2014

Das Dekolleté von Schauspielerin Simone Thomalla beschäftigte 2014 erneut die Justiz. Das Oberlandesgericht München verhandelte in zweiter Instanz über die Frage, ob ein Bericht darüber einen schwerwiegenden Eingriff in Thomallas Privatsphäre darstellt. Die Zeitschrift "Closer" hatte in einer Ausgabe vom Dezember 2012 eine Narbe in Thomallas Brustbereich zum Anlass für Spekulationen genommen, ob die "Tatort"-Kommissarin sich einer Brustoperation unterzogen habe. Thomalla fordert deshalb vom Herausgeber der Zeitschrift 20.000 Euro Schmerzensgeld sowie 1600 Euro Anwaltskosten. Das Landgericht München I hatte die Forderung im vergangenen Jahr abgewiesen. Daraufhin ging Thomalla in Berufung. (Spiegel 28 2014)


Religion

Osterhase zu Weihnachten, 1962

Aufgrund des Titelblattes wurde 1962 Strafanzeige gegen Pardon gestellt. Begründung: "Verunglimpung der christlichen Glaubensgemeinschaft". (Pardon 12 1962)


Satire

Elle-Satire: Jean-Paul Belmondo, 1990

Eine Fotomontage der Frauenzeitschrift Elle zeigte Belomonod gemeinsam mit dem Filmschauspieler Gerard Depardieu. Belmondo erhob Klage wegen "Image-Schädigung". Auf der Montage ist der Film-Cyrano zu sehen, wie er seinen Rivalen "Facheux" ohrfeigt. An dessen Stelle hat der Grafiker ein Bild Belmondos platziert, versehen mit einer wenig schmeichelhaften, übergroßen Plastiknase. Doch nicht das lächerliche Attribut erzürnte den Star, sondern die "Position der Unterlegenheit" gegenüber Depardieu. Belmondo sei als Draufgänger bekannt, der Schläge austeile und nicht einstecke, argumentierte der Anwalt des Klägers: "Die Fotomontage ist eine Demütigung." (Spiegel 9 1990)

"Kalle"-spot: "Bild" gegen "taz", 2005/2009

Im Sommer 2005 hatte die "taz" Werbespots geschaltet, die auch in Programmkinos zu sehen waren. Darin erscheint u.a. ein mit Jogginghose und Unterhemd bekleideter Mann vor einem als Trinkhalle bezeichneten Kiosk und es kommt zu folgendem Dialog mit dem Verkäufer: M: "Kalle, gib mal Zeitung." V: "Is aus." M: "Wie aus?" V: Schiebt eine taz rüber. M: Mach mich nicht fertig, Du!" Dann bekommt Kalle seine Zeitung und beide lachen. In dem zweiten Spot will der Mann von Kalle eine "taz", erhält eine "Bild" und beide lachen. Beides Spots enden mit "taz ist nicht für jeden. Das ist OK so." Der Springer-Verlag fand das gar nicht komisch, ging vor Gericht und verlor schließlich nach mehreren Instanzen vorm Bundesgerichtshof. (Sdt. 2./3./4.10.2009)

Sexismus

"Spiegel" Nr. 32 1970: "Zuviel Sex?"

"Spiegel"-Titel: "Widerlich"


"Spiegel" Nr. 37 1975: "Kino der Lüste"

"Widerlich" oder "unerträgliche Zumutung" waren nur einige Urteile, mit denen das Titelblatt (Szene aus "Geschichte der O") des "Spiegels" vom September 1975 in Leserbriefen bedacht wurde. (Spiegel 40 1975)

"Spiegel"-Titel: "Widerlich"

"Extrablatt"-Titel: "sexistisch", Wien 1978/79

Der Chefredakteur des österreichischen linksliberalen Monatsmagazins "Extrablatt" hatte auf dem Dezembertitel 1978 eine Frau halbnackt mit Christbaumketten drapiert abgebildet. Damit wollte man auf die Doppelvermarktung von Frauen und Weihnachten aufmerksam machen. Das "Wiener Frauenzentrum" fand diese Idee nicht so witzig. 23 Frauen suchten den Chefredakteur Irnberger zu Hause auf, zogen den sich heftig wehrenden aus und machten reichlich Fotos vom nackten Journalisten. Eins davon war für das Titelblatt der nächsten Ausgabe der Frauenzeitschrift "Auf" vorgesehen. (Spiegel 1 1979)

"Extrablatt"-Titel
Nackter Irnberger
Nackter Irnberger


Der Stern: St. Pauli - das deutsche Reich der Sinne, 1978

Mit kollektiver Klage wollten 1978 zehn Frauen, geführt von Alice Schwarzer, die Illustrierte "Stern" zur "Unterlassung" zwingen. Die Klägerinnen wehrten sich dagegen, "daß auf den Titelseiten ... Frauen als bloßes Sexualobjekt dargestellt werden und dadurch beim männlichen Betrachter der Eindruck erweckt wird, der Mann könne über die Frau beliebig verfügen und sie beherrschen". aufgefallen war: "Eine Schwarze, nackt, in der Hand ein phallisches Mikrophon und um die Fesseln schwere Ketten", wie "Emma" erklärte. In den letzten Monaten hätten dann immer mehr Frauen an "Emma" geschrieben, "daß sich das beim "Stern" verschärft hat". Das "ewige Damenhinterteil", das "Emma" auf "Stern"-Bildern mal "anzüglich plaziert auf einem Fahrradsessel"" mal "sandbedeckt an den entscheidenden Stellen" registrierte, "übertraf das Maß des leider Gewohnten". Als die Illustrierte Anfang Juni einen Bericht über "St. Pauli -- das deutsche Reich der Sinne" mit einem Plakat des Nachtklubs "Rote Katze" auf dem Titel versah, schien das Maß voll: Eine Dame mit roten Strapsen hatte sich da rittlings einen Herrn im Sessel untertan gemacht. Die Nummer, "unglaublich geschmacklos", gefiel auch Henri Nannen nicht. Er ließ den Andruck stoppen und nahm für den Rest der Auflage zwei nackte Mädchen vom "Chérie" auf das Cover. (Spiegel 3.7.1978)

Ausgetauschte Titelbilder
Klageobjekte

Titelblätter: politisch inkorrekt

Stern Nr. 16 1995: Kirche und Sex

Der Titelbild führte zu kritischen Leserbriefen.

Stern Nr. 27 1996: Ärztepfusch

Der Bild einer Komapatientin auf dem Titel löste bei den Lesern erheblich Kritik aus. Insbesondere wurde die Frage aufgeworfen, ob damit nicht die Würde der Dargestellten verletzt werden.

Andere Länder

China

Penthouse-Ausgabe gestoppt, 1990

Die sino-amerikanische Schauspielerin Joan Chen, konnte 1990 die weitere Auslieferung der Hongkong-Ausgabe des amerikanischen Nacktblattes Penthouse verhindern. Sie war auf der Titelseite abgebildet und erhob dagegen erfolgreich Einspruch, weil sie im prüden China "nicht mit solch einer Publikation in Verbindung gebracht werden" wollte. (Der Spiegel 53 1990)

Richmond als Lady Godiva zu Pferd

England

Fiona Richmond: „Men only“: Report über die Liebeskraft europäischer Männer, England 1975

Für das Sex-Magazin „Men only“ hatte Fiona Richmond, strippende Pfarrerstochter aus Cornwall, einen Selbstversuch unternommen: sie hatte die Liebeskraft verschiedener europäischer Männer getestet („Der deutsche Mann ist sehr aufregend und leidenschaftlich“). Das Ergebnis, in einer Art Potenzreport vorgestellt, fiel so leidenschaftlich aus, dass die Ausgabe von „Men only“ beschlagnahmt wurde. Vor einem Geschworenengericht wurde schließlich die Angelegenheit mit dem inkriminierten Heft als Beweisstück verhandelt. Nach drei Stunden Beratung kamen die Geschworenen zu dem Urteil, dass das Heft eingestampft werden müsse. (Spiegel 3 1975)
Richmond als Lady Godiva zu Pferd

"The Sun": Das Mädchen von Seite 3, 1986

In der auflagenstarken Boulevardzeitung räkelten sich seit 1930 auf der Seite 3 Pin-ups, die allenfalls mit einem Slip bekleidet waren. Dagegen ging 1986 die Abgeordnete Clare Short mit einem Gesetzentwurf vor, der vorsah, den Abdruck von Fotos unter Strafe zu stellen, wenn diese Modelle "ganz oder teilweise nackt in sexuell aufreizenden Posen" posieren. Short begründete ihr Vorgehen mit dem Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Zahl von Sexualdelikten. Ihr Gesetzentwurf wurde zurückgewiesen. Daraufhin machten sich die Feministinnen in London zum Kampf bereit. Motto: "Wir wollen unseren Seite-3-Pimmel". (Spiegel16 1986)

Mädchen von Seite 3: "Es besteht ein Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Anzahl von Sexualverbrechen."

Rommel: "elegant auch dann, wenn alles zusammenbricht", 1999

Im britischen Herrenmagazin "GQ"wurde Rommel ausgerechnet in der Woche als stilbildend und -sicher ("elegant auch dann, wenn alles zusammenbricht") vorgestellt, in dem der erste große Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten Weltkrieg in Großbritanien stattfand. Daraufhin wurde der Chefredakteur James Brown wegen "philosophischer Differenzen" entlassen. (Spiegel 9 1999)

Rommel in "GQ"

Golfzeitschrift GCNI mit neuem Image: Models in Bikins, England 2006

Mit Models in Bikini-Tops auf die Frontseite wollte die Golfzeitschrift ihr biederes Image aufpolieren. Doch Anzeigenkunden sprangen ab und verschiedene Golfclubs wollten das Magazin nicht mehr verkaufen. Die Redaktion kehrte zur harmlosen Aufmachung zurück. (Spiegel 39 2006)

GCNI--Titel

Frankreich

Verbot des „Spiegel“, Frankreich 1951 - 1960

In Frankreich eckte der Spiegel im französischen Saarland ständig an. Von März bis April 1951 war das Heft total verboten, weil, so lautete der Vorwurf, das Magazin „Umsturz“ oder „Anschluss“ betrieben habe. Zwei weitere jeweils dreimonatige Verbote wurden 1952 bis 1954 verhängt. Auch das Mutterland schlug gern zu. 1957, 1959 und 1960 durften einige Ausgaben wegen „Frankreich“-kritischen Inhaltes nicht erscheinen. (Spiegel 2 2007)

L´Express" - Zwei Titelbilder, 1972

Um den vorangegangenen Schwierigkeiten mit vor allem arabischen und afrikanischen Ländern zu entgehen, brachte das französische Nachrichtenmagazin 1972 zwei Titel-Bilder zum Thema "Liebe im 20." heraus: für Frankreich mit nackter Brust - fürs Ausland entschärft. (Spiegel 13 1972)

Zensierte und unzensierte Fassung

"Lui": Hitler mit Pin-ups, 1973

Im Herrenmagazin "Lui" wurde 1973 der „größte Feldherr aller Zeiten“ bloßgestellt. Dafür ließen Mannequins einer französischen Modellagentur die Hüllen fallen und Dressmen zogen Wehrmachtsuniformen an. Als Führer posierte der deutsch-schweizer Billy Frick auch mit Hakenkreuz. Die Aufnahmen führten zu lebhaften Debatten. (Spiegel 36 1973)

Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"
Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"
Bilder aus dem Herrenmagazin "Lui"

Griechenland

"Focus"-Stinkefinger, 2010/2011

Am 22. Februar 2010 betitelte das Nachrichtenmagazin "Focus" seine Ausgabe mit "Betrüger in der Euro-Familie“ und meinte damit die Griechen. Auf dem Titelbild war eine Fotomontage der Statue der Aphrodite von Milos zu sehen, die dem Leser den „Stinkefinger“ zeigte. Sechs Griechen stellten deshalb Strafanzeige.Daraufhin ermittelte die griechische Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung gegen den Herausgeber Markwort, weiteren neun Redakteuren sowie Mitarbeitern von Focus. Den Angeklagten könnten bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafen drohen. (Welt Online vom 20.04.2011)

Indonesien

“Spiegel“-Zensur: Frauen im Bikini, 1976

Der „Spiegel“-Titel wurde zensiert, weil dort Frauen zuviel Haut gezeigt hatten. (Spiegel 53 1976)

Unzensierte und zensierte Fassung

Spanien

Verbot des „Spiegel“, Spanien 1952 – 1955

In „Franco“-Spanien wurden 1952 und 1955 drei Ausgaben des Nachrichtenmagazins verboten, weil sie Franco, seine Regierung oder den Papst kritisierten. Die vermeintliche Schmähung des katholischen Kirchenoberhaupts (Nr. 34 1955) stammte ausgerechnet aus dem Mund des evangelischen Kirchenvaters Hanns Lilje und lautete: „Der Heilige Vater war schlecht beraten.“

In Spanien verbotene "Spiegel"-Titel"
In Spanien verbotene "Spiegel"-Titel"

Zensierte "Spiegel"-Ausgabe: zuviel Nacktes, 1976

Ein "Spiegel"-Titelblatt wurde 1976 in Spanien mit Balken überzogen, weil darauf zuviel Nacktes zu sehen war. (Spiegel 43 1976)

Zensierte "Spiegel"-Ausgabe von 1976

USA

Sex-Magazine: „Hustler“ und „Chic“, USA 1977

Der Verleger Larry Flynt dieser Sexmagazine wurde mit einem Strafmaß von 7 bis 25 Jahre und 11000 Geldstrafe Dollar bedacht. Er war schuldig befunden worden u.a. wegen der „Verbreitung obszönen Schrifttums.“ Seine Magazine seien angefüllt mit „kruden, eher gynäkologisch photographierten Nuditäten“ (Newsweek). Heimlich aufgenommene Fotos z.B. von Jackie O. oder Rubriken wie „Arschloch des Monats“, Berichte über Tittenfick oder Gruppenbums waren nicht angetan, die Richter milde zu stimmen. Zudem hatte Verlegerin Sue Richards in der Hochglanzbroschüre „High Society“ zu Weihnachten selbst die Beine breit gemacht. (Spiegel 9 1977)

New Yorker Times Magazine: Matuschka "You can´t look away anymore", 1994

Die brustamputierte Bildhauerin schockierte 1994 die amerikanische Nation, als die Künstlerin sich per Selbstauslöser entblößt fotografiert hatte und das Bild auf dem Titel des New York Times Magazine erschien. (Spiegel 34 1993)


Der Spiegel Nr. 10/2012: Kees-van-Dongen-Gemälde "Akt mit Hut", 2012

Die Abbildung des o.g. Bildes im "Spiegel" 10/2012 führte dazu, dass das Nachrichtenmagazin nicht an die inhaftierten Abonnenten des Gefängnisses von Huntsville, Texas ausgeliefert wurde. Die Gefängnisleitung begründete dies mit Verweis auf das van-Dongen-Gemälde: "sexuell eindeutige Bilder". (Spiegel 17 2012)

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