Werbung

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Erotik und Pornographie

Werbung für den "Playboy", 1989

Eine Lehrer aus Köln griff 1989 zur Spraydose und schwärzte die Plakat-Rundungen. Er wollte damit nicht gegen die "nackten Tatsachen" per se protestieren, sondern auf die Gefährdung von Verkehrsteilnehmern aufmerksam machen: Er selbst, abgelenkt durch das Plakat, hätte beinahe ein Kind überfahren. (Spiegel 21 1989)


Madonna-Werbung, 1990

Das Magazin Interview wollte auf Plakatwänden der städtischen Bushaltestellen in Los Angeles mit dem Titelblatt-Motiv seiner Juni-Ausgabe 1990 werben: Madonna, sich in den Schritt fassend. Doch die zuständige Reklamefirma fand "durch diese Darstellung in der Öffentlichkeit die Schicklichkeit verletzt" und klebte einen breiten roten Streifen quer über Madonnas Hand-Griff. (Spiegel 24 1990)

Unzensierte und zensierte Fassung

Herrenmagazin „Lui“-Werbung: „aggressiv und vulgär, Frankreich 1991

Vom Pariser Rathaus wurde eine Werbekampagne für „Lui“ untersagt. Wegen des angeblich „aggressiven und vulgären Charakters“ mussten an 330 an Pariser Kiosken die bereits angebrachten Plakate wieder abhängt werden. Das Titelblatt zeigte die mit einer Weltkarte bemalten Brüste einer jungen Frau. (Spiegel 6 1991)

Zurückgezogene Werbung für "Lui"-Titel

"Vogue"-Fotostrecke: Kate Moss und der Kinderpornographie-Vorwurf, 1993/1995

Alexandra Shulman, Herausgeberin von "Vogue", sah sich 1993 mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Im Juni Heft 1993 der britischen Ausgabe was das Top-Model Kate Moss (19) auf mehreren Seiten mal kindlich, mal in einen durchsichtigen Slip, mal im dünnen Hemd oder t T-Shirt und Strumpfhose auf einem Bett posierend, zu sehen. Das Model wirkte verletzlich pubertär. Fotografiert wurde in einem sparsam möblierten Mädchenzimmer. Kinderpsychologen wie auch Modezeitschriften erkannten auf Kinderpornographie: „Kinderschänder können mit diesen Bildern ihre Wünsche verstärken“, sagte ein Psychologe. „Mit diesen Bildern wird der pädophile Markt bedient“, urteilte Marcelle Smith, Herausgeberin von "Cosmopolitan". Auch die Kampangne für das Calvin-Klein-Parfüm "Obesession" geriet in die Kritik. In England wurde sie sogar zurückgezogen, weil man darin eine Aufforderung zum Kindesmißbrauch sah(Spiegel 22 1993/Stern 2 1995)

Umstrittene Fotostrecke mit Kate Moss)
Umstrittene Parfümwerbung mit Kate Moss)

Telefonwerbung mit Dolly Buster, 1997

Teile der Werbung wurden weggepixelt, einzelne Worte durch Pieptöne überblendet und der Busen verkleinert. Der Originalwerbesport wurde dann auf http://www.mkl-online.de unzensiert gezeigt. (Stern 42 1997)

Unzensierte Fassung
Zensierte Fassung

Zigarettenwerbung: "Test it", Polen 1999

Ins Visier polnischer Sittenwächter geriet ein großformatiges Werbeplakat, auf dem eine barbusige Revuetänzerin mit einem rauchenden jungen Mann und dem Spruch. „Test it“ für Zigaretten warb. Die Abbildung überschreite „die Grenze zur Pornographie“ schäumte die national-katholische Rechte im Stadtrat von Warschau. Der Klerus prangerte die Verletzung der öffentlichen Moral an. Unterstützung fanden die Sittenstrengen bei vielen Polen: laut einer Umfrage entblößen sich 93 Prozent der Polen sogar zu Hause nie vor anderen. Warschauer Bürger schlossen sich schließlich in „Kampfkomitees“ gegen unzüchtige Werbung zusammen. Sie über pinselten etliche der Plakate. Die für die frivole Zigarettenwerbung verantwortliche Agentur reagierte ihrerseits und überklebte den anstößigen Busen mit weißen Papierstreifen und der Aufschrift „Zensur“. Den Kreuzrittern wider die Nacktheit war das allerdings nicht genug. Sie verlangten die Entfernung der Plakate. (Spiegel 20 1999)

Verbotene Zigarettenwerbung

Mobilfunk Vodafon-Werbung im Kino, Münster 2005

Eine erotische Werbung von Vodafon wurde in Münster zum Stein des Anstoßes, zunächst in Münster und dann bundesweit: „Da tauchte ein Film auf mit zwei Leuten beim Geschlechtsverkehr“, so eine Mutter, die im Kinderfilm „Charlie und die Schokoladenfabrik“ mit ihrem 7-jährigen Sohn saß. Vodafon dazu: Die FSK hat den Trailer geprüft und ohne Altersbeschränkung freigegeben. Dennoch wurde die Szene nach Protesten nicht mehr gezeigt. (MZ 8.10.2005)


Werbung Schuhmarke „Kangaroos“ vor „Der kleine Eisbär 2“, 2005

Ein Paar wälzt sich nackt auf einem Badesteg. Als es mit dem Sex nicht klappt, zaubert sie einen Vibrator hervor - Die FSK hatte dem Werbespot der Schuhmarke „Kangaroos“ die Freigabe ohne Altersbeschränkung erteilt. Zur Begründung. Die Szene sei „von zärtlichem Zutrauen und Fröhlichkeit“ geprägt. Das sahen die Eltern anders un protestierten. Der Spot wurde zurückgezogen. „Der Spot ist für Kinder nicht geeignet, wir entschuldigen uns“, sagte ein „Kangaroos“-Sprecher. (Focus 47 2005)

Lebende Schaufenster Puppe, Halle 2006

Eine lebende Schaufensterpuppe im roten Dessous und mit rosafarbenen Sonnenhut sorgte in Halle/Saale für Aufregung. Die Gleichstellungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt reagiertet pikiert: „Eine Frau in Dessous in einem Schaufenster zu präsentieren, ist zutiefst anstößig und abwertend", sagte Isolde Hofmann in Magdeburg. „Es gibt geschmackliche und auch in der Würde der Frauen liegende Grenzen für Werbung, die hier überschritten werden." Sie forderte die Stadt Halle auf, ordnungsrechtlich gegen die ungewöhnliche Werbung vorzugehen, denn die wecke auch Assoziationen an die Rotlichtviertel in Amsterdam. (online 24.5.2006)

Lebende Schaufensterpuppe in Halle

"Habt Ihr kein Zuhause", Bams-Werbung 2007

In "Bams" wurde am 29.7.2007 in der Werbung ein Koitus auf einem Tisch dargestellt.Die Werbung blieb unbeanstandet.

Unbeanstandete Werbung in Bams

Reebok: Nackte Kelly Brook als tödliche Gefahr für Autofahrer, England 2010

Bis auf ein paar Reebok-Schuhe hat Kelly Brooks auf den öffentlichen Werbetafeln an Verkehrsknotenpunkten nichts an. Sicherheitsexperten sahen darin eine "tödliches Ablenkungsmanöver" für Autofahrer und forderten eine Rücknahme der Aktion. (daily mail online 6.8.2010)

Beanstandete Reebok-Werbung mit der nackten Kelly Brook


Dolce & Gabbana wegen Pornoästhetik kritisiert, 2010

Ein Werbefoto der Modemacher Dolce & Gabbana löste in Italien heftige Proteste aus. Das Motiv, das sich an pornografische Darstellungen anlehnt, sei eine «Anstiftung zur Gruppenvergewaltigung». (Gleichstellungs-Ministerin Barbara Polastrini)Das Werbeplakat zeigt einen Mann mit nacktem Oberkörper, der eine Frau, die mit entblößten Beinen auf dem Rücken liegt, am Boden festhält. Mehrere Männer betrachten die Szene.Die Werbung müsse zurückgezogen werden, forderte die Ministerin.Auch Gewerkschafter unterstützten diese Forderung und drohten mit einem Aufruf zum Boykott der Modemacher.(netzzeitung März 2010)


Bikini-Spot mit Bar Refaeli zensiert, Israel 2016

Ein Werbespot mit dem israelischen Supermodel Bar Refaeli darf wegen zu aufreizender Einblicke nicht im israelischen Fernsehen gezeigt werden. Vor allem eine Szene, in der auch ihr Po zu sehen, der manchmal nur ansatzweise bedeckt ist, wurde beanstandet. Es war für das Model bereits der zweite Werbefilm für die gleiche Mode-Marke, den die Behörden zu aufreizend fanden. 2014 wurde schon einmal ein Spot aus der Hauptsendezeit verbannt. (focus online 4.5.2016)

Gesundheit

Gefahr für die Jugend: Marlboro muss "Maybe"-Kampagne stoppen, 2015

Das Landratsamt München hat eine umstrittene Werbung der Zigarettenmarke Marlboro untersagt, das Verbot gilt bundesweit. Die "Maybe"-Kampagne sei besonders geeignet, junge Menschen zum Rauchen zu veranlassen, hieß es zur Begründung. Der Marlboro-Hersteller, die im Landkreis München ansässige Philip Morris GmbH, erklärte, der Bescheid entbehre "rechtlich und tatsächlich jeder Grundlage". Die Kampagne solle erwachsene Marlboro-Raucher in ihrer Wahl bestärken und Raucher von Konkurrenzmarken abwerben. Der Konzern prüfe rechtliche Schritte. Die Motive zeigen unter anderem einen coolen Typen mit Gitarre oder eine lachende junge Frau, deren Haar im Fahrtwind weht, kombiniert mit Slogans wie "Maybe never wrote a song" oder "Maybe never feels free". Im Oktober 2015 ließ ein Münchner Gericht dann die Kampagne wieder zu. (FAZ 2.10.2015)

Zigarettenwerbung auf Plakaten und im Kino soll in Deutschland ab Juli 2020 verboten werden, 2016

Das Bundeskabinett beschloss am 20.4.2016 ein Werbeverbot für Tabakwaren. Das Verbot schließt E-Zigaretten mit ein und erstreckt sich auf Plakatwände oder Litfaßsäulen. In Kinos soll das Werbeverbot bei allen Filmen gelten, die für Zuschauer unter 18 Jahren freigegeben sind. "Das Werbeverbot wäre ein Präzedenzfall", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Rauchtabakindustrie, Michael von Foerster. Es sei zu befürchten, dass weitere Verbotsmaßnahmen für "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten und gesundheitlich riskante Produkte" folgen. "Heute geht es gegen Sexismus und Tabak, morgen gegen Alkohol, Zucker, Lebensmittelfette, Extremsportarten und Individualverkehr", sagte von Foerster. (heute de 20.4.2016)

Zigaretten dürfen in Frankreich nicht mehr "Vogue", "Allure" oder "Corset" heißen, 2017

Die französische Regierung verbot 2ß17 zu glamourös klingende Markennamen. Die betroffenen Hersteller müssen die Namen nun innerhalb eines Jahres ändern. "Marken, die attraktiv sind, die das Gefühl vermitteln, Zigaretten zu rauchen sei schick", würden untersagt, sagte Gesundheitsministerin Touraine. Auch Zigarren- und Zigarillomarken mit Namen wie "Cafe creme" werden verboten. Seit Jahresbeginn sind bereits neutrale Zigarettenschachteln Pflicht. (heute de 31.1.2017)

Geschmacksfragen

Publikumsbeschimpfung als Negativ-Werbung, Düsseldorf 1970

Die Düsseldorfer Werbeagentur Team hatte im „Spiegel“ Nr. 9 1970 eine Anzeige platziert, die sich der Methode der Negativ-Werbung bediente: der Publikumsbeschimpfung. Eine dreiköpfige Familie posierte mit Schweineköpfen zwischen den Schultern als Symbol dafür, dass die Deutsche viel zu selten ihre Wäsche wechseln. Die dazu passende Textzeile dazu lautete: „Das ist der Deutschen Sauberkeit. Auch Du gehörst dazu“. Der Düsseldorfer Express machte daraus die Schlagzeile: „Sind die Deutschen wirklich Schweine?“ Das „Handelsblatt“ nannte die Annonce ein „Muster an Geschmacklosigkeit“, die „Schwäbische Zeitung“ nannte es die „geschmackloseste Reklame des Jahres“ und in Leserbriefen wurde die "säuischte Anzeige des Jahres“ in den Kontext „staatsanwaltsreifer Beleidigung“ gestellt.

Publikumsbeschimpfung

London Weekly Advertiser-Werbung, England 1973

Das Werbeplakat mit dem Slogan: "Wenn Ihr Heim nicht mehr Ihren Bedürfnissen entspricht, versuchen Sie es mit dem London Weekly Advertiser" wurde von den Londoner Verkehrsbetrieben abgelehnt, weil die Werbedame zu große Ähnlichkeit mit der Königin aufweise: Dies empfand man als "geschmacklos". (Spiegel 10 1973)

Umstrittene London Weekly Advertiser-Werbung

Tennisspieler John McEnroe: zu schmächtig, USA 1980

Der damalige Weltranglistenerste warb mittels einer Fotomontage für den Schlägerhersteller Dunlop, weil er zu schmächtig erschien: der Kopf stammt vom ihm und der Oberkörper von einem unbekannten Athleten. Trotz dieses Tricks wurde zum Boykott aufgerufen, allerdings nicht wegen der Montage, sondern weil der Sportler laut der Zeitung "Litchfield County Times" ein "taktloser Heulpeter" sei, der mit seinem "unerträglichen Benehmen für junge Menschen ein klägliches Beispiel" sei. (Spiegel 30 1983)

Montierte Werbeanzeige und McEnroe in Wirklichkeit

"Jägermeister"-Satire in "Pardon": „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“, 1981

In der Januar Ausgabe von "Pardon" 1981 war eine Anzeige von "Jägermeister" nachempfunden: ein neunjähriges Mädchen mit einer Jägermeisterflasche war mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt“ abgebildet. Der Chef von "Jägermeister", Mast, bestand auf einer Gegendarstellung. Die folgte prompt im nächsten Februarheft 1981: ein an der Brust saugendes Baby wurde mit dem Spruch "Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist" gezeigt. Der Chefredakteur von "Pardon", Henning Venske, legte in einer Kolumne noch einmal nach und bezeichnete Mast als "dealer". (Spiegel 4 1981)

"Jägermeister"-Satire Nr.1 und Nr. 2 1981

Calvin Klein: "Obsession", 1985

Mit provokanten Werbekampagnen löste Calvin Klein in der Öffentlichkeit Proteste aus. Nachfolgende einige Beispiele. (Archiv: 12 1985)

Slip-Werbung
Parfum-Werbung
Hosen-Werbung

Paul ("Gazza") Gascoigne: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", 1991

Das berühmte Foto, auf dem Vinnie Jones seinem Hintermann Gascoigne ans Gemächte geht, sollte als Zeitungsanzeige für das britische Patentamt erscheinen (Werbezeile: "Gazza" schütze seine "anderen wertvollen Aktiva", indem er seinen Spitznamen als Warenzeichen habe eintragen lassen). Das Handelsministerium untersagte die Anzeige mit der Begründung: "Schlechter Geschmack". (Spiegel 9 1991)

Vinnie Jones und "Gazza"

Marky Mark: Calvin Klein Werbung, 1992

Der amerikanische Rapper zeigte sich bei Calvin Klein Werbung mit einer Geste, die Jackson und Madonna bei Live-Auftritten pflegten: dem Griff in den Schritt. Die für den US-Markt entworfene Werbung wurde aber nur bei einigen progressiven Zeitungen wie "Vanity Fair" gedruckt, andere weigerten sich. Einige brachten auch eine dezentere Darstellung, auf der Mark mit dem barbusigen Model Kate Moss posierte. (Spiegel 41 1992)

Zweimal Werbung mit Marky Mark: unzensiert - zensiert


"Drei unappetitliche Vetteln", Hamburg 1992

Hans-Jürgen Krupp, damaliger Wirtschaftssenator und Zweiter Bürgermeister (SPD) von Hamburg, ging 1992 auf Distanz zu eigenen Werken. Bei der Präsentation der von ihm zu verantwortenden neuen Hamburg-Werbekampagne sollte sich Krupp vor einem bestimmten Plakat aus einer achtteiligen Serie fotografieren lassen. Das Plakat zeigt "singende Nixen" (nach Meinung der Welt "drei unappetitliche Vetteln") aus einer Hamburger Theateraufführung, darunter das Motto: "Über Geschmack läßt sich streiten. Aber nicht in Hamburg". Doch der Wirtschaftssenator entzog sich der Bitte, griff lieber zu dem Plakat "Hamburg. Kurz vorm Regen". Krupp sei keineswegs "zu prüde", deutete später sein Sprecher die Weigerung, aber es sei nicht "klug", ein Bild des Senators mit den barbusigen Damen "in den Archiven herumliegen zu haben". (Spiegel 7 1992)

Krupp "kurz vorm Regen" und das Plakat "Über Geschmack lässt sich streiten"

Madonna: "Protect vour Assets", 1992

Der amerikanische Popstar erregte 1992 als Postergirl den Abscheu britischer Feministinnen. Der für Arbeitsschutz in Betrieben zuständige British Safety Council hatte auf mehr als 80 000 Plakaten mit einer gezeichneten Madonna im Bodystocking für Sicherheit am Arbeitsplatz geworben: "Schützen Sie Ihre Aktivposten, Madonna tut dies auch", lautete der Werbespruch dazu. Britische Feministinnen wetterten: "Entwürdigung der Frauen." Der Chef des Sicherheitsbüros, James Tye, verteidigte die Aktion: "Madonna schützt ihre weltbekannten Brüste mit ihrem berühmten Büstenhalter." Er habe berechtigte Hoffnung, daß das Poster "die Arbeiter motiviert, ihre Aktivposten, ihre Augen und Hände, mit Brillen und Handschuhen zu schützen". (Spiegel 3 1992)

Fremdenverkehr Rheinland-Pfalz: "Rockerträume", 1993

Jürgen Kleiber-Wurm, deutscher Tourismuswerber, produzierte für den ansonsten eher bieder darstellenden Fremdenverkehrsverband Rheinland-Pfalz 1993 ein Prospekt, der bei den Verbandsmitgliedern für Empörung und Austrittsdrohungen sorgte. Auf der Titelseite der flotten Werbebroschüre knutschte ein Rocker-Pärchen vor einem Eifel-Maar auf der Harley-Davidson. (Spiegel 20 1993)

Umstrittenes Motiv aus Rheinland-Pfalz

Otto Kern Kollektion: Kohl und Jelzin Motiv, 1993

Der deutsche Modedesigner maskierte zwei überdimensionale Papp-Politikerköpfe, Jelzin und Kohl, und ließ sie die Hände schütteln, um für seine Kollektion zu werben. Für Kerns Antikriegskampagne wurden die beiden zusätzlich mit dem Hippiespruch "Love and Peace" versehen. das Bundeskanzleramt reagierte verärgert und fand die Werbung "geschmacklos, eine Verhöhnung der Politik". (Spiegel 25 1993)

Otto Kern Kollektion: Kohl und Jelzin Motiv, 1993

Katjes: "Verrückte Kühe", 1996

Die Naschereien von Katjes, die 1995/96 unter dem Titel "Verrückte Kühe" vertrieben wurden, führten zu Protesten der Verbraucher. Sie fanden den Titel in Verbindung mit den tanzenden Kühen auf der Verpackung angesichts der damals grassierenden "Rinderwahnseuche" als "geschmacklos. Katjes überlegte, die "Verrückten Kühe" aus dem Sortiment zu nehmen. (Stern 24 1996)

Verpackung "Verrückte Kühe"

Body-Shop-Kette: Fake-it, 1997

Auf der Werbung für einen Selbstbräuner ist ein männliches Model zu sehen, das an eindeutiger Stelle eine Flasche mit dem Produkt gestopft hat. Nach der Veröffentlichung gingen bei der Body-Shop-Zentrale innerhalb kürzester Zeit 18 Beschwerden ein - von Männern. (Spiegel 38 1997)


Michael Goldmann: Wahlkampf mit Goldzähnen, 1997

Der Spitzenkandidat der FDP in Niedersachsen zeigte schon vor Beginn des Wahlkampfs auf Plakaten Zähne. In der Landeshauptstadt Hannover allerdings durfte der Kandidat das in seiner Partei ästhetisch umstrittene Experiment nicht vorführen, die Stadtverwaltung untersagte das Aufstellen der selbstgezimmerten Plakat. Die Landesverwaltung der FDP reichte gegen das Verbot Klage ein. (Spiegel 43 1997)

Citroen stoppt Xsara-Kampagne mit Claudia Schiffer, 1997

Die Citroen Deutschland AG, Köln, stoppte die aufwendige klassische Kampagne, in der Top-ModelClaudia Schiffer als "Crash-Test-Dummy" für das neue Modell Xsara wirbt. Der Marktanteil des Importeurs sank binnen kürzester Zeit um etwa ein halbes Prozent. Die Entscheidung habe nichts mit dem Tod von Lady Di zu tun, wie spekuliert worden sei, so Citroen-Werbeleiterin Heike Kaatz. (horizont.net 11.11.1997)

"Free fast food for babies"-Plakate eingestampft, UK 1998

Tessa Jowell, britische Gesundheitsministerin, ließ nach Mütter-Protesten ein Werbeplakat als "zu sexy" einstampfen. Geworben werden sollte mit dem Poster für das Stillen britischer Babys. Trotz der wissenschaftlich belegten Erkenntnis "Brust ist das Beste" für den Säugling nähren nur 44 Prozent von Großbritanniens Mütter ihr Neugeborenes auf die natürlichste Weise. Unter der Zeile "Free fast food for babies" (etwa: Kostenloser Schnellimbiß für Babys) ist auf dem Poster nichts weiter zu sehen als ein lächelnder Säugling nahe einer weiblichen Brust. Doch Mütter klagten, das Plakat sei zu provokativ. Überdies wirke die Brust unrealistisch, so die mißtrauischen Frauen, gerade so, als sei damit noch nie ein Baby gestillt worden. (Spiegel 1 1998)

Fritz Walter wirbt für VW, 2002

Der Wolfsburger Automobilkonzern VW hatte 2002 den verstorbenen Ex-Nationalkicker Fritz Walter auferstehen lassen. Zusammen mit Rudi Völler und Paul Breitner wurde ein Schwarz-Weiß-Abbild des Weltmeisters von 1954 als TV-Werbefigur verwendet. Vielen Fans jedoch ging das zu weit. In Internetforen äußern sie massenhaft ihren Unmut: VW mache ihr Idol zum „Kasper“, die Werbung sei „pietätlos“, außerdem spreche Fritz Walter im TV-Spot nicht einmal den richtigen Dialekt. Es wurde eine Absetzung gefordert. (Archiv und welt.de 7.10.2010]]

Werbung: Bilder einer Toten, Münster 2007

Bilder einer 26-jährigen Brasilianerin erschienen nach ihrem gewaltsamen Tod in dem Modekatalog einer Münsteraner Boutique. Trotz Protesten wegen Pietätslosigkeit entschloss sich die Boutique zunächst weiter mit den Fotos der Toten werben. Ihr Ehemann hatte das Modell erwürgt. (MZ 13.11.2007)

Werbespot vom Automatenhersteller Kaffee Partner, Wallenhorst, 2009

In dem Spot ist u.a. eine Sekretärin zu sehen, die mit ziemlich angewiderten Gesicht eine Filtertüte aus einer Kaffeemaschine zieht. Dagegen ging der Filterhersteller Melitta mit juristischen Mitteln vor. ( Sdt.12.12/12.2009)

Werbespot "Was wäre die Welt ohne Handwerk", 2010

Die Frage wird in dem Spot des Handwerkerverbandes beantwortet, indem ein Berlin gezeigt wird, das völlig aus den Fugen gerät: Gebäude, Autos, U-Bahnstationen etc. zerbröseln zu Staub: Die Zivilisation wird innerhalb von Sekunden in die Steinzeit katapultiert. Die Werbung war im Anschluss an die Fernsehnachrichten über die Erdbebenkatastrophe in Haiti gezeigt worden. Zahlreiche Zuschauer protestieren. Der Spot wurde zurückgezogen. (RP online 19.1.2010)

Szene aus dem Werbespot

Werbespot "Paula"-Joghurt-Pudding, 2010

Der Werberat musste über den Spot befinden, weil ein Joghurt-Pudding darin mit der Kuh "Paula" angepriesen wurde. Ein Zuschauer hatte sich beschwert, weil es in seiner Verwandtschaft eine "Paula" gab. Der Werberat wies die Forderung nach einem Verbot zurück. (MZ 17.3.2010)

Szene aus dem Werbespot

Promikidnapping für Dessous: Lady Di wirbt für Strapse, China 2010

Ein chinesischer Dessous-Hersteller ließ 2010 ein Double der ehemaligen Kronprinzessin in seinen Produkten posieren. Diana heißt die Dessous-Linie, die vor allem in Großbritannien für Aufregung sorgte - auch wenn die Marke dort gar nicht präsent ist. Doch im Vereinigten Königreich ist es verboten, mit Bildern von Mitgliedern der königlichen Familie zu werben - entsprechend erschien die chinesische Kampagne, auf die ein britischer Journalist an einem Flughafen zufällig aufmerksam wurde, auf der Insel als Sakrileg. Die britischen Regeln gelten zwar nicht in China, dennoch legt der Hersteller auf seiner Website Wert darauf, dass die Unterwäschelinie Diana von der römischen Göttin des Mondes inspiriert sei. Was die Marketingspezialisten freilich nicht davon abhielt, Werbeplakate zu entwerfen, auf denen etwa ein nahezu nacktes Diana-Double in Unterwäsche Cello spielt, während ihr ein Knabe die Noten hält. Auf einem anderen Motiv posiert ein Model vor Big-Ben-Kulisse - samt dem recht eindeutigen Slogan "Feel the Romance of British royalty". Auch andere Prominente wurden ungefragt für Werbezwecke "gekidnappt": So verriet der ebenfalls gedoubelte David Beckham im vergangenen Jahr chinesischen TV-Zuschauern seine "Geheimwaffe, mit der er Victoria befriedigt", Potenzkapseln mit dem sonderlichen Namen USA Selicon, auf die angeblich auch Sean Connery und Keanu Reeves schwören. Der britischen Schauspielerin und ihrer US-Kollegin Mena Suvari wurde die nicht weniger fragwürdige Ehre zuteil, ihr Konterfei auf Kondompackungen wiederzufinden und Bill Clinton tauchte gar als Immobilienverkäufer auf. Begonnen hat das Promikidnapping zu Werbezwecken vor etwa sieben Jahren. Damals kamen gleich mehrere Immobilienentwickler auf die geniale Idee, ihre Apartments mit den Porträts honoriger Politiker anzupreisen. So empfahl Bill Clinton 2003 in einer Pekinger Zeitungsanzeige vermeintlich eine Wohnanlage und bekräftigte seine "besten Wünsche für das Projekt" mit seiner Unterschrift. Und vor knapp einem Jahr wurde auch der derzeitige US-Präsident zum Anpreiser für Immobilien. Von sechs haushohen Plakaten lächelte Barack Obama, gleich neben einem leicht variierten Originalzitat, das der Postergestalter gleich mit geklaut hatte: "The values upon which our success depends have never changed." Dass die Werbepiraten bei der Auswahl ihrer Opfer nicht immer willkürlich vorgehen, zeigte ebenfalls das Beispiel des amerikanischen Präsidenten: Vor einigen Monaten machte im Internet ein chinesisches Anzeigemotiv die Runde, dass den bekennenden Blackberry-Nutzer Obama als Testimonial für ein chinesisches Smartphone zeigte. (Financial Times Deutschland 7.9.2010)

TV-Spott zu Mc Donald's mit einer Leiche, USA 2010

In den USA starteten 2010 Ärzte eine Kampagne gegen ungesunde Ernährung. U.a. wurde dazu ein Video für die beliebte "The Daily Show". Es zeigt einen übergewichtigen Toten im Leichenschauhaus, der einen halb gegessenen Hamburger in der Hand hält. Dann wird das berühmte gelbe M der Kette und "Ich liebte es" eingeblendet - eine Abwandlung des Werbespruchs "Ich liebe es". "Ein erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Herzinfarkte. Essen Sie heute Abend vegetarisch", sagt eine Stimme aus dem Off. McDonald's reagierte erbost. "Diese Werbung ist skandalös, verlogen und unseren Kunden gegenüber unfair", sagte Sprecherin Bridget Coffing. "McDonald's vertraut darauf, dass seine Kunden sich von dieser haarsträubenden Propaganda distanzieren und vernünftige Entscheidungen in Sachen Ernährung und Lebensweise treffen." (heute online de 15.9.2010) http://www.youtube.com/watch?v=zUxIXQza-dM (Consequences)

„Vögelurlaub“ auf Borkum, 2015

Eine neue Werbeanzeige der Insel Borkum sorgte 2015 im Internet für Furore und wurde auf Facebook heiß diskutiert – und viel geteilt. Während einige die Anzeige niveaulos finden, halten andere sie einfach nur für witzig oder schlicht für einen Fehler beziehungsweise eine Fälschung. Die Werbung wurde als „provokantes Marketing“ ausgegeben, die aber auch viele kritische Kommentare auslöste.. (FAZ 6.8.2015)

Political Correctness

Cognac Werbung: : „Die Französische Revolution“ , 1968/69

Die von der Agentur „Hamburger Markenwerbung International“ vorbereitete Werbekampagne für einen französischen Cognac für den Starttermin Mai 1968 wurde kurzfristig zurückgezogen. Grund: Am Kopf der Anzeige prangte die provozierende Schlagzeile: „Die Französische Revolution“. Just zu dieser Zeit erschüttere aber die Mai-Revolte der französischen Arbeiter und Studenten den gaullistischen Staat. Den ordnungsbewussten Deutschen, so fanden die Cognac-Funktionäre, sei eine Werbung mit Revolutionsparolen zu diesem Zeitung nicht zuzumuten. Die bereits bestellten Anzeigen wurden storniert, was die Franzosen 100 000 Mark kostete. Eine neue Anzeige wurde entwickelt. (Spiegel 23 1969)

Unzensierte Werbung
Zensierte Fassung

Neckermann-Reisen, 1970

(Spiegel 45 1970)

Verbotene Texte

„Spiegel“-Anzeigenkampagne in wissenschaftlichen Zeitungen, 1971

Die Anzeigenserie kombinierte den Guerillaführer Arafat mit dem Grundgesetz aller Staaten in Ost und West, sie zeigte ferner Vertreter der spanischen Gegenwart, den Zivilgardisten, den Priester, die Offiziere zusammen mit einem berühmten Schillerwort, sie zeigte ein charakteristisches Foto aus einem Nato-Manöver in der Bundesrepublik und einen Säugling, die Unschuld in vier Personen. Eine Fachzeitschrift lehnte mit Verweis auf mögliche Folgen für den eigenen Umsatz ab: „Sie werden ja durch die Vorarbeiten…. wissen, dass die (Zeitungxyz) hat ihre festen Beziehungen sehr weitgehend auch im Ausland, in West und Ost und in der DDR. Die von Ihnen vorgesehenen Anzeigen lassen sich damit leider nicht vereinbaren.“ (Spiegel 16 1971)

Zurückgewiesene Werbung
Zurückgewiesene Werbung
Zurückgewiesene Werbung
Zurückgewiesene Werbung

"Tom"-Aufkleber "Nazis ins Museum", 1995

Das Berliner Verwaltungsgericht entschied 1995, dass auf Berliner Taxen besagter "Tom"-Aufkleber nicht kleben darf, weil sonst "mit politischer Werbung gekennzeichnete Taxen benachteiligt oder bevorzugt werden" könnten. (taz 27.1.1995)

Verbotener "Tom"-Aufkleber

Nike-Werbung mit Cantona im Stil von Mussolini, 1998

Der französische Fußballstar ließ sich ebenso wie der Brasilianer Ronaldo für eine dubiose Werbekampagne einspanne: Auf mannshohen Plakaten reckt Cantona seinen Kopf, in Stil und Haltung dem Faschisten Mussolini nicht unähnlich. Die französische Tageszeitung "Le Monde" sah darin den Ausdruck einer totalitären Geisteshaltung (Spiegel 26 1998)

Verbotener "Tom"-Aufkleber

Hautcreme und Nazi-Werbung,2007

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum protestierte 2007, weil eine Kosmetikfirma angeblich mit Nazis wirbt. Das Zentrum forderte den Hersteller auf, die Kampagne zu stoppen. Der beanstandete Werbespot zeigte u.a. eine uniformierte Frau, im Hintergrund schallen Heil-Hitler-Rufe. In der Fernsehwerbung war ferner eine mit Minirock und Trenchcoat bekleidete junge Frau zu sehen, die eine Soldatenmütze in der Hand hält, auf der angeblich ein Hakenkreuz zu sehen ist. Im Hintergrund sind die Rede eines Mannes und eine jubelnde Menge zu hören. In einer ersten Version des Spots hieß es: „Selbst Hitler hatte nicht den Osten und den Westen“. Dann wurde der Spruch in „Noch niemand hatte den Osten und den Westen“ geändert. Der Satz, so verteidigte die Firma sich, beziehe sich auf die Wirkung der Creme, die sowohl Feuchtigkeit spende als auch beruhige. Die Agentur erklärte weiter, der Spot zeige Hitler und einen NS-Soldaten, weil beide für „Revolution“ stünden und damit zur „revolutionären“ Wirkung des Produkts passten. Zudem hab man deutlich machen wollen, dass die Creme sowohl im Osten als auch im Westen Erfolg haben werde. (Netzzeitung 4.4. 2007)

Tchibo/Esso-Werbung: „Jedem den Seinen“, 2009

Die gemeinsame PR-Aktion, die die von den Nazis missbrauchte Redewendung „Jedem das Seine“ variierte wurde nach Protesten schnell gestoppt. Bei der Aktion war bundesweit an rund 700 Tankstellen mit dem Slogan „Jedem den Seinen“ für Kaffeesorten geworben worden. Die Wendung „Jedem das Seine (Suum cuique“) war vor mehr als 2000 Jahren vom Philosophen Cato geprägt worden, der damit zum Ausdruck bringen wollte, dass jeder Mensch das Leben so gestalten solle, wie er es möchte. Die Nazis missbrauchten den Spruch zynisch, indem sie ihn an den Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar schrieben. Tchibo entschuldigte sich für die Aktion. (WN 15.1.2009)

Umstrittene Tchibo-Werbung

Würstchen-Werbung: "Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter", 2010

Der Spruch aus einem Werbesport für Würstchen stieß einem Fernsehzuschauer uangenehm auf, der sich an die NS-Zeit erinnert fühlte und in der Aufzählung der beiden Städte die Einverleibung Österreichs befürchtete. Der Werberat wies die Klage zurück, da es sich um Wurstsorten, nicht um Städte handle. (MZ 17.3.2010)

Rassismus

Tchibo-Kaffeewerbung: "Wer ist der Dicke neben dem Massai?", 1972

Zunächst wurde die Annonce unkritisch abgedruckt. Erst später wurde sie als "rassistisch" verurteilt. (Spiegel 49 1972)

Umstrittene Tchibo-Werbung

“Höchst“-Werbung: „heute wird entschieden“, 1982

Zwei Varianten standen zur Debatte: Bei der einen waren drei Kinder aus drei verschiedenen Erdteilen um einen Teller gruppiert, auf der andern wurde ein Negerkind weggelassen. Im Labortest hatte sich gezeigt, dass die Sympathiewerbung für den Chemie-Konzern wesentlich besser ankommt, wenn auf dem Gruppenbild der Vertreter Afrikas, ein krausköpfiges Negerkind, weg retuschiert ist. (Spiegel 32 1982)

Werbung mit und ohne Negerkind

Zigarettenwerbung: Peter Stuywesant "Come together", 1990

"Eindeutig rassistisch" fanden amerikanische Schwarze ein Benetton-Bild auf dem ein weißes Kind an der Brust einer schwarzen Frau saugt. 1990 deklinierte der Hamburger Reemtsma-Konzern das Motiv durch und zeigte für seine Zigaretten-Werbung weiße und schwarze Personen als Liebespaar. Man selbst feierte die "Provokation" als "Tabubruch. (Spiegel 34 1990)

Reklame-Liebespaar: "Tabubruch"

Shampoon: "Schwarzkopf-Asylant" (Poster), 1993

In einem Prospekt des Arndt-Buchdienstes wurde das nachfolgend gezeigte Poster mit dem Untertitel "Schwarzkopf-Asylant" angeboten. Ob es kritisiert oder gar zurückgezogen wurde, ist nicht bekannt. (Spiegel 47 1993)

Persil-Werbung mit Dalmatiner verboten, England 1996

In einem Persil-Spot wurde gezeigt, wie sich ein Dalmatiner die weißen Flecken abschüttelt, sowie ein weißes Pferd, das aus einer Gruppe von Rappen ausbricht." Darüber empörten sich viele Zuschauer: die Werbung sei rassistisch, weil sie so tue, als sei Weiß besser als Schwarz. Der Spot wurde zurückgezogen. (Stern 42 1996)

Tourismus-Werbung für Mecklenburg-Vorpommern: "Hier ist MV. Blond. Blauäugig. Blöd", 1997

Die Werbekampagne, der Idee Idee zugrunde lag, Vorurteile mit Vorurteilen zu bekämpfen, führte zu einem PR-Gau. Es hagelte Proteste. Selbst die Grünen stuften sie als "nationalistisch" und "primitiv" ein und fühlten sich an "schlüpfrige" Kontaktanzeigen erinnert. Aber auch die ewig-Gestrigen zogen zu Feld und beschwerten sich mit Fragen wie: "Wohnen bei Euch nur Neger?" oder "ob das Geld" für die Anzeige "etwa aus Senegal oder Belgisch-Kongo" komme? (Spiegel 34 1997)

Umstrittene Tourismus-Anzeige

L´Oreal: Schwarze Models aufgehellt, 2008

Kritik gab es 2008 an Werbefotos, auf denen schwarze weibliche Models so ausgeleuchtet oder retuschiert waren, dass die Hautfarbe heller erschien, wie etwa bei Produktion von L´Oreal. Bei Beyonce´ oder Diana Ross wurde zudem auch noch das Haar geglättet. (Mail online 14.8.2008)

Beyonce´ normal
Beyonce´ aufgehellt
Diana Ross normal
Diana Ross aufgehellt
Eva Longoria normal
Eva Longoria aufgehellt

Super Bowl: VW-Werbespot löst Rassismus-Debatte aus, 2013

Ein Weißer aus Minnesota spricht wie ein Jamaikaner und verbreitet dank seines VW-Autos gute Laune im Büro: So hatte sich VW eine Werbung vorgestellt, die beim Super Bowl in den USA gezeigt werden sollte. Kritiker warfen VW aber vor, der Film sei rassistisch. "Ich war schockiert - das ist rassistisch", sagte z.B. Barbara Lippert von Mediapost.com dem US-Sender NBC. Allerdings sagte Lippert auch, sie habe von Tausenden Leuten gehört, sie solle das alles nicht so ernst nehmen. Der schwarze "New York Times"-Kolumnist Charles Blow ging auf CNN ebenfalls auf Distanz dazu, dass einem hellhäutigen Mann die Stimme eines Schwarzen unterlegt wurde. (FAZ 31.1.2013)

Rechte

Rival stoppt Kampagne, 2003

Der Berliner Starfotograf André Rival hat 2003 das Hauptmotiv der aktuellen Anzeigenkampagne des Hamburger Energieunternehmens Hein Gas per einstweiliger Verfügung stoppen lassen. Die Hein-Gas-Werbeagentur Feuer auf St. Pauli hatte für die Kampagne eine Fotoproduktion nachgestellt, die zu Rivals bekanntesten Bildern gehört. Das Foto war 2002 Leitmotiv einer Ausstellung. Die Agentur hatte ursprünglich bei Rival angefragt, ob sie das Motiv verwenden oder nachstellen könne, der aber hatte abgelehnt. Rival forderte Schadensersatz in mindestens fünfstelliger Höhe. (Spiegel 17 2003)

Religion

Afri-Cola-Werbung: Nonnen im Rausch, 1968

Die All-Orgasmus-Formel „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola“ mit den berauschten Nonnen brachte dem Getränkehersteller 1968 eine Rüge der Kichre ein. Die Weltformel sechziger Jahre stammte von Charles Wilp. (Sdt. 4.1.2005)
Nonnen im Afri-Cola-Rausch

Spenden-Werbung: "Zum Teufel mit den Vorurteilen", 1971

Um sich von den Klischees anderer Spendenwerber abzuheben, schlug die Berliner Werbeagentur Dorland ihren katholischen Auftraggebern für eine Spendenkampagne eine Photomontage: ein Raffael-Engel mit Negerkopf und dem Spruch "Zum Teufel mit den Vorurteilen". Den Auftraggeber lehnten dies ab und wählten statt dessen eine schmucklose Textanzeige mit dem Slogan "Damit die Welt nicht zum Teufel geht ... sondern ein wenig menschlicher wird". Auch die entschärfte Anzeigen-Version stieß auf Kritik: ein Pfarrer aus der Eifel zum Beispiel ließ die Missionsbrüder in Aachen wissen, er könne die Sammlungsaktion in seinem Kirchspiel diesmal nicht unterstützen. Der Landprediger monierte die allzu weltlichen Texte, in denen von Gott nicht mehr die Rede sei. (Spiegel 42 1971)

Verkleidete Nonne soll für Schmerzmittel werben, Italien 1973

Chiara Parravicini durfte 1973 nicht für eine Nonne sprechen. Die örtliche Werbeagentur CPV hatte für eine Anti-Schmerzmittel-Kampagne das Gelegenheits-Modell in eine Kloster-Kluft gesteckt und dazu getextet: "In gewissen Dingen ist sie eine Frau wie die anderen. Dieselben Kopfschmerzen ... Dieselbe Schlaflosigkeit ... Deshalb gibt es auch in ihrem Leben einen Mann ... den Apotheker." Doch die Pharmazeutik-Firma Pierrel, die mit der Kampagne (Kosten: 600 000 Mark) zunächst das Image der Apotheker aufpolieren wollte, lehnte die Idee ab" denn "eine Nonne, in deren Leben es einen Mann gibt, und sei es auch nur ein Apotheker, das ist in Italien wahrscheinlich noch zu stark". (Spiegel 11 1973)

"Playboy"-Reklame mit Priester, 1987

Nach Protesten und einer Rüge des Werberats wurden die Reklameposter für den "Playboy" vorzeitig zurückgezogen. Sogar ein Gerichtsverfahren wurde von kirchlicher Seite aus angedroht. Auch der Werbefilm für "Langnese"-Eis mit den Nonnen und ihren hochgewirbelten Trachten wurde angeprangert. (Spiegel 18 1987)

"Playboy"-Reklame: "Gotteslästerung"
Szene aus dem "Langnese"-Werbefilm

Jeans-Werbung: Das letzte Abendmahl - nackt, 1993/2005

Die Jeans-Werbung mit einem Jesus und barbusigen Schönheiten als Jünger wurde nach Kritik der Kirche zurückgezogen. Gleiches galt für Fotos, bei denen die Jünger durch mehr oder minder nackten Frauen ersetzt wurden. Das Poster wurde 2005 von der Stadt Mailand nach Rücksprache mit dem Institut der freiwilligen Selbstzensur der Werbebranche (IAP) verboten "weil es die Grundlagen des christlichen Glaubens berührt". (Sdt. 12./13.2.2005)

"Das letzte Abendmahl" als Jeans-Werbung
"Das letzte Abendmahl" mit Frauen

Jeans-Werbung mit Naomi Campbell: "Das kostet Sie zehn Ave Maria", 1995

Der Slogan in Verbindung mit einem Bild, das Campbell zeigt, wie sie dem Betrachter den Po entgegenstreckt, erzürnte den Vatikan 1995. (Stern 43 1995)

"Das kostet Sie zehn Ave Maria"

Benetton zieht Kuss-Montage von Papst nach Vatikan-Protest zurück, 2011

Das italienische Modehaus Benetton zog die Werbekampagne mit der Fotomontage eines Kusses zwischen dem Papst und dem ägyptischen Imam El Tajjeb zurückgezogen. Auf dem Bild sieht man Papst Benedikt XVI., den Kopf leicht nach links geneigt, wie er seine Lippen an die des ägyptischen Imams presst, der einen Arm von hinten um den Hals des Papstes legt. Benetton ließ das riesige Plakat vorübergehend unweit des Vatikans an einer Brücke vor der Engelsburg aufhängen und fotografieren.Es habe die "Gefühle der Gläubigen" nicht verletzen wollen, hieß es. Die katholische Kirche hatte sehr verärgert auf die Schock-Kampagne reagiert und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Weitere Bilder der Kampagne unter dem Titel "Unhate" ("Nicht-Hass") zeigen ähnliche Küsse zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao sowie zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy geben sich einen leidenschaftsarmen, eher spitzmündigen Kuss. Ein Entwurf mit einem Kuss zwischen Merkel und dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde nach der Bekanntgabe von Berlusconis Rücktritt am Wochenende nicht in die Kampagne aufgenommen. Die "Unhate"-Bilder sind weltweit in Filialen der Modekette sowie in Zeitungen, Zeitschriften und auf Internetseiten zu sehen. (heute.de 17.11.2011)


Ikea löscht "Pussy-Riot"-Foto von homepage, 2012

Auf dem Foto waren vier Jugendliche mit bunten Strumpfmasken im Stil der Punkrock- Band Pussy Riot zu sehen, wie sie lässig auf den Möbeln von Ikea, in einer Filiale in Russland, sitzen. Das Foto stand zunächst auf der russischen Homepage des schwedischen Möbelkonzerns. Dann wurde das Foto gelöscht. Bei einer Werbeaktion konnten sich Ikea-Kunden in einem Einrichtungshaus in Russland fotografieren lassen und so ihr eigenes Cover gestalten. Diese personalisierten Katalogcoverfotos wurden auf der russischen Webseite veröffentlicht und von den Nutzern per Mausklick bewertet. Mit 1431 Klicks war das Foto der vier Pussy-Riot-Sympathisanten der eindeutige Sieger des Wettbewerbs – bis es von Ikea gelöscht wurde. „Wir sind ein demokratisches und unpolitisches Unternehmen. Wir lassen nicht zu, dass unser Werbeprojekt für politische Ziele ausgenutzt wird“, erklärte eine Sprecher des Konzerns. (welt online 27.9.2012)


"Kein Fußabtreter": Bahn entfernt Jesus-Plakate vom Bahnhof-Boden, 2015

Nach Protesten gegen Plakate mit Jesus-Konterfei auf dem Fußboden einiger NRW-Bahnhöfe hat die Bahn die umstrittenen Werbemotive entfernt. Die Klebeposter der aktuellen Kampagne des Theaterfestivals Ruhrtriennale mit gekreuzigtem Gottessohn hatten bei einigen Gläubigen in Essen und Bochum Empörung hervorgerufen, wie die Deutsche Bahn bestätigte. Um Störungen durch den Protest zu vermeiden, seien die Motive zunächst in Essen und Bochum, später auch in Duisburg, Dortmund und Köln entfernt worden. Eine Gruppe Demonstranten hatte in Essen laut "WAZ" mit "Jesus ist kein Fußabtreter"-Transparenten verhindern wollen, dass Passanten weiterhin buchstäblich auf dem Gottessohn herumtrampeln können. In Bochum gab es laut Bahn eine Unterschriftenaktion. Die Ruhrtriennale teilte mit, weder mit dem Motiv noch mit der Platzierung zu Füßen der Reisenden habe man religiöse Gefühle verletzen wollen. Mit dem Plakat wirbt das Festival für ein gesellschaftskritisches Musiktheaterstück mit Passionsbezügen.

(WN 09.06.2016)

Schockwerbung

“Münchner Kindl“ – „Verunglimpfung des Münchner Stadtsymbols“, 1971

Der heimische Siebdrucker Werner Templin hatte eine Greisin als „Münchner Kindl“ ausstaffieren lassen und mit Olympiaringen und welkem Rettichkraut versehen. Die Deutsche Städte-Reklame hatte zunächst 500 Exemplare geordert, um sie in der City zu verkleben. Dann kam die Intervention aus dem Rathaus und das Plakat wurde zurückgezogen. (Spiegel 4 1971)

Zurückgezogen

Werbung: Margaret Thatcher, Neil Kinnock und David Owen als Gehängte, England 1990

Yellowhammer erntete für den Entwurf drastischer Plakate, die die drei Politiker Margaret Thatcher, Neil Kinnock und David Owen als Gehängte zeigt, heftige Kritik. Das Bild der Gehängten war durch die Frage begleitet: „Wäre eine Hängepartie im Parlament nicht besser für Großbritanien?“ (Spiegel 34 1990)

Margaret Thatcher, Neil Kinnock und David Owen als Gehängte

Toscani-Werbung Benetton, 1991

Ein Kind in der Werbung, noch an der Nabelschnur hängend, blutbedeckt und verschmiert, löste weltweite Empörung aus: In Italien legte die Selbstkontrolle der Werbeindustrie Protest ein, ein Stadtrat in Palermo ließ das Plakat abreißen, weil er sich um das Seelenheil seiner Mitbürger sorgte, in England, Frankreich und Österreich wurde das Reklame-Baby aufgrund von Einsprüchen wieder abgehängt und der Marketing-Chef von Benetton quittierte empört den Dienst. Seinen ersten Skandal löste Toscani 1974 aus, als er seine Verlobte von hinten in äußerst kurz abgeschnittenen Jeans Marke „Jesus“, die ihr formschönes Hinterteil nur dreiviertel bedeckte, fotografierte. Das Jesus-Wort „Wer mich liebt, soll mir nachfolgen“ flimmerte in Weiß über die sichtbaren Wölbungen. Der Vatikan und Feministinnen empörten sich gemeinsam. Dann erarbeitete Oliviero Toscani, der seit 1984 Werbung für Benetton betreibt, vergleichsweise harmlose Entwürfe. Doch schließlich wurden seine Plakate und Anzeigen wieder provokanter. 1989 gab es erste Proteste in den USA, als auf einem Foto ein schwarzer Busen, an dem ein weißes Baby saugt, zeigte. Das brachte ihm den Vorwurf ein, „rassistische“ Werbung zu betreiben. Auf dem Höhepunkt des Golfkrieges 1991 störte sein Foto eines endlos großen Soldatenfriedhofes unter dem Motto der „United Colors of Benetton“ das sittliche Empfinden der Werberäte. Auf weiteren skandalträchtigen Bildern waren bunte Kondome, die durch das Bild schweben, und ein Priester, den eine junge Nonne küsst, zu sehen. Die Veröffentlichung der Fotos eines Aids-Kranken für Werbezwecke hatte einen besonderen Hintergrund:David Kirby starb an Aids, die Krankheit hatte sein Fleisch verzehrt und seine Muskeln schrumpften, die Hat war rot und wund und fleckig und aus seinen Augen war der Glanz verschwunden. Sein Vater stützte Arm, die Mutter und Schwester dabei: Das Bild erschien im Life Magazin und wurde auf einer Ausstellung in Amsterdam prämiert. Zum Entsetzen aller Kunstfreunde bekam Oliviero Toscani, der Fotograf und Werbe-Designer der Firma Benetton den toten Kirby zu Gesicht und kaufte die Rechte, klebte das grüne Firmenlogo an den rechten Rand und warb mit Strickwaren dafür, zusammen mit den Fotos von Natur- und Verkehrskatastrophen, einem verblutenden Opfer von Mafia-Killern und einem afrikanischen Bürgerkriegssoldaten, der in seinen Fäusten einen menschlichen Knochen hält. Es hagelte Proteste: In der britischen Welle erschienen zwei leere Seiten, die Chefredakteurin befürchtete das Bild des Aids-Toten könnte ihr ganzes Blatt mit Unmoral infizieren. Der Deutsche Werberat, das Selbstkontroll-Organ der Reklame-Wirtschaft empörte sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Autorität und das deutsche Feuilleton von "Tempo" bis zur "Frankfurter Allgemeinen" hielt die Anzeigen für "moralisch verwerflich" und die Ästhetik für fragwürdig. Aids Aktivisten fühlten sich in ihrer Krankheit bösartig verhöhnt Später wurden auch andere Bilder zurückgewiesen. So weigerte sich die amerikanische Zeitschrift "National Review", die Benetton-Anzeige in der ein nackter menschlicher Körperteil mit dem Stempelaufdruck H.I.V. gezeigt wurde, zu veröffentlichen: „Anzeigen mit Nackten“ so begründete Capano die Ablehnung „druckt die National Review nie." (Spiegel 39 1993 und Zeitmagazin 11 1992) Vom Werberat verboten wurde ebenfalls eine Werbung 1990, die als sexistisch galt. Zur Diego Della Palmas Parfum Werbung wurde eine Theaterszene im Zuschauerraum gezeigt: zwischen lauter Zuschauern im Smoking umringen fünf wohl gebaute nackte Männer eine Frau im kleinen Schwarzen. Diese erwidert den Kuss des einen von ihnen deutlich. Der Werberat sah darin eine surreale Orgie. Auch die H.I.V.-Motive mit nacktem Hintern wurden diskutiert und mitunter nicht veröffentlicht. So weigerte sich die amerikanische Zeitung "National Review" die Annonce zu veröffentlichen. Herausgeber Capano begründete dies damit, dass seine Zeitungen "Anzeigen mit Nackten" niemals drucke.(Spiegel 42 1991 und 39 1993)

Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung:Kampagne mit 2000 Häftlingen aus Todeszellen der US-Gefängnisse
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung mit menschlichen Herzen
Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung
Ein Vergleich: "Volkswohl"-Werbung 1972 - nicht beanstandet

Die Zeit: "Platz für neue Gedanken", 1998

Eine Anzeigenkampagne der "Zeit" löste 1998 Diskussionen aus. Seinen "Platz für neue Gedanken" (Eigenwerbung) umwarb das Hamburger Wochenblatt mit dem ausgestreckten Revolverlauf in der Hand eines Mädchens. Dieses Anzeigenmotiv, kurz nach den Kinderschießereien in den USA erschienen, sorgte für Aufruhr unter den Lesern: "Der absolute Bodensatz der Geschmacklosigkeit" sei erreicht, schrieb ein Leser, "nehmen Sie meine Abscheu zur Kenntnis", ein anderer. Für eine Leserin "ist es höchste Zeit, sich nach einer neuen Donnerstagslektüre umzusehen!!!" Der Proteststurm zwang "Zeit"-Geschäftsführer Axel Gleie, der das Motiv gegen den Willen des Chefredakteurs Roger de Weck durchgesetzt hatte, zum Rückzug: Die Irritation "bedauere ich sehr", schrieb er in der Leserbriefspalte. Kinder würden zur Gewalt erzogen, und damit müsse Schluß sein, sei die klare Botschaft des Anzeigenmotivs. Jedoch: "Was gut gemeint war, wurde schlecht umgesetzt." (Der Spiegel 24 1998)

Beispiele für kritisierte Benetton-Werbung

Vogue: Nachgestellte Fotos aus Abu Ghraib, 2006

Steven Meisel, Modefotograf aus New York, stellte mit Fotos die Folterszenen aus Abu Ghraib nach und sorgte damit für einen Skandal und Zensurforderungen. Die Aufnahmen wurden in der italienischen „Vogue“ in einer 30-seitigen Bildfolge „Ausnahmezustand“ veröffentlicht. Gezeigt wurden Kleider von Modermachern wie Yves Saint Laurent oder Louis Vuitton. Eines der Bilder zeigte ein am Boden kniendes Fotomodell mit Minikleid und Wachhund. Im „Guardian“ wurden die Bilder als Beleg für den „derzeitigen moralischen Ausnahmezustand“ gewertet, in dem Folterphantasien „in Mode“ kommen. (Spiegel 39 2006)

Umstrittenes Werbefoto

Sexismus und Frauenfeindlichkeit

Pirelli-Werbung, 1965

Die ersten Werbeplakate des Reifenherstellers, auf denen weibliche Beine die Hauptrolle spielten, erschien 1963. Der ADAC reagierte aufgewühlt und Leserbriefschreiber fanden die Reklame "anstößig" und "entwürdigend". Auch die 1965 erschienene Reklame mit zwei langbeinigen Frauen vor einem Reifen wurde beanstandet. (Spiegel 7 1987)

Beanstandete Pirelli-Werbung von 1965

"Be a Voyeur", 1969

Werbeplakate für den Roman "Der Voyuer", auf denen das Akt-Modell Sarah Smith weitgehend unbekleidet zu sehen war, brachten 1969 den Verkehr am Times Square in New York zum erliegen. Ursprünglich sollte das Plakat dort vier Monate hängen, die Polizei musste es aber bereits nach 10 Minuten entfernen. (Spiegel 8 1969)

Entferntes Plakat "Be a Yoyeur"

Städtewerbung: "Ihr Mädchen von Hannover", 1971

Feil geboten wurden auf einer Städtewerbung für Hannover die Mädchen der Stadt, die interessierten Besuchern "das Vergnügen an dieser Stadt weitervermitteln wollen". Entsprechende Anfragen von Männern folgten nach der Veröffentlichung umgehend. Das Plakat geriet in die Kritik und wurde zurückgezogen. (Spiegel 15 1971)

"Ihr Mädchen von Hannover"

"Deutsche Bahn" Kalender: "Ich verkaufe auch Fahrkarten", 1973

Das Werbeplakat wurde nach einem Einspruch des Deutschen Frauenrats zurückgezogen. Denn "wir fanden, dass der Busen zu hübsch, das Gesicht zu dämlich und die Haltung zu eindeutig war."

"Deutsche Bahn" Kalender, 1973

Lufthansa-Werbung mit Sex-Shop-Motiv, 1973

Weil die Lufthansa ihren Kunden "mal etwas zeigen wollte, was ungewöhnlicher als eine lächelnde Stewardess ist" rückte sie in eine Anzeige für Zeitungen in Europa ein Photo des Frankfurter Flughafen-Sex-Shops ein. Die Londoner "Times", der "Daily Telegraph" sowie die Fachblätter "Travel News" und "Interline News" lehnten eine Veröffentlichung mit der Begründung ab: Für einige unserer Leser beleidigend." (Spiegel 11 1973)

Städtewerbung: "Berlin wir freuen uns auf Dich!", 1979

Diskutiert mit Blick auf eine mögliche "sexistische" Darstellung wurde 1979 ein Werbeplakat für die Stadt Berlin, auf der u.a. eine Frau ihren nackten Hintern dem Betrachter entgegenreckt. Kritik gab es aber auch von den Alternativen, die sich durch das Plakat nicht repräsentiert sahen. Die brachten ihr eigenes Plakat heraus: allerdings auch mit nacktem Hintern. (Spiegel 11 1979)

Offizielles Werbeplakat für Berlin
Alternatives Werbeplakat für Berlin

Frauenfeindliche Werbung 1980: „Welche würden Sie lieber anfassen?"

- „Welche würden Sie lieber anfassen?“ fragte ein Chemiefabrikant, der in einer Anzeige, auf dem straffe und weniger straffe Frauenbrüste abgebildet waren. Geworben wurde für ein Beschichtungsverfahren für Photopapier. - "Da ist was dran“. Auch der „Wienerwald“ ließ um 1980 für seine Hähnchen-Werbung Brüste sprechen – großflächig und stramm im Dirndl-Dekolte´. - Ich hab´ zwar den Numerus Clausus nicht geschafft, dafür aber die Nummer mit Claus“ ließ Brennerei-Besitzer Günter Mast seine potenziellen Jägermeister-Trinker wissen. Die Bielefelder Pädagogik-Professorin Christiane Schmerl, kam ob solcher und ähnlicher Anzeigen nach sechsmonatigem Studium zu dem Ergebnis: Frauen würden zunehmend als „Sexprodukt, hilflos, verwöhnt, maßlos und modisch überdreht diskriminiert.“ (Spiegel 22 1980)

Werbung ohne Sex: Familienministerin Huber, 1980

Erst wollte sie Sex in der Werbung verbieten, dann wieder nicht: Familienministerin Antje Huber verlangte in der "Bild" ein neues Gesetz „damit Frauen mit ihren körperlichen Merkmalen nicht länger in der Werbung missbraucht werden.“ (Spiegel 22 und 53 1980)

Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht
Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht
Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht
Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht/Werbung für Kameras
Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht/Werbung für Duschen
Beispiele von Familienministerin Huber; Frauen für Werbung mißbraucht/Werbung für Einkaufscentren

Monatsblatt: „Gut Speisen und Reisen“ - „Frauen sind wie Kaviar: nutzlos und wunderbar“, 1981

1981 erschien in dem bunten Monatsblatt der Wienerwald Holding des Münchner Hähnchenbraters Friedrich Jahn auf der Kuriositätenseite die Weisheit des Monats: „Frauen sind wie Kaviar: nutzlos und wunderbar.“ Der Urheber war unbekannt. Dennoch stellte eine Anwältin Strafanzeige gegen den Verleger, den Chefredakteur vom Dienst und den Konzernchef Jahn, weil sie sich als Frau durch die Behauptung „nutzlos“ und damit in ihrer Ehre gekränkt fühle und ihr „ethischer und sozialer Wert mißachtet werde.“ Die Anwältin führte ferner eine ganzseitige Zeitungsanzeige der Deutschen Bundespost ins Feld, in der ein dralles Mädchen im Badeanzug in einer Telefonzelle steht („Machen Sie mal Ihre Kollegen heiß“) und das Plakat eines Strumpfhosenherstellers, das bundesweit auf großen Werbeflächen zu sehen war: Eine Hübsche im Freizeit-Look, die Beine freigestellt, die Blicke einer Soldatengruppe auf sich ziehend. Gegen die Anzeige der Bundespost hatten auch Mitstreiterinnen einer FDP-Frauenvereinigung protestiert, weil sie sich als „Scharf- und Heißmacherinnen abgestempelt“ fühlten. Ein Arwa-Plakat für Strumpfhosenwerbung wurde von der Frauengruppe der Uni Stuttgart als „grobe Frauenfeindlichkeit und Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen“ verurteilt. Vom Gericht aber wurden die Vorwürfe nicht bestätigt. (Spiegel 34 1981)

Werbung der Post:"frauenfeindlich"
Werbung für Strumpfhosen:"frauenfeindlich"

Zigarettenwerbung für West: Domina, 1991

Der Werberat empörte sich über eine Plakatwerbung für Zigarette „West“ mit einer Domina, die er als „frauendiskriminierend“ empfand. „Die Abbildung einer derartigen Prostituierten“ verstieße gegen die guten Sitten, empörte sich der Werberat. (Spiegel 31 1991)

Werbung für West

Fahrradwerbung: "Frauengerechtes Fahren",1992

Stefan Ostendorf, Mitglied des Berliner Fahrradladenkollektivs "Velophil" hatte in der "taz" um weibliche Kunden werben wollen und dazu ein freizügiges Prospekt herausgegeben. Auf den Doppelseiten machte sich jeweils ein männlicher Unterleib mit flottem Nonsens für „frauengerechtes Fahrradfahren“ stark: z.B. „Meine Frau behauptet, ihre Gehaltserhöhung hängt von der Rocklänge ab. Ich dagegen finde, das ist doch alles nur eine Frage des Absatzes“. Die "taz" befürchtete Abokündigungen. ("Wir haben schließlich eine zum Teil stark moralistische Leserschaft.“ Das Kollektiv vom Fahrradladen war empört, schließlich bestand es aus 4 Männern und 2 Frauen. (Spiegel 23 1992)

Fahrradwerbung - Vorwurf: "sexistisch"


König Pilsener Werbung, 1993

Vom Werberat wurde die König Pilsener Werbung beanstandet, bei der ein Mann von Frauenbrüsten umrahmt war. (horizont.net.2.11.2012)

Werbung für pay-TV Premiere: "Wollen Sie der erste sein?" mit Sharon Stone, Schwerte 1995

Auf dem Werbeplakat im öffentlichen Raum war der Filmstar Stone in eindeutig zweideutiger Pose und dem aufreizenden Spruch "Wollen Sie der Erste sein?" abgebildet worden. Das Plakat wurde vom Gleichstellungsausschuß Stadt Schwerte als "sexistisch und menschenverachtend" bezeichnet und der Rechtsdezernent Bernd Wehling hielt "Die Grenze des Zumutbaren .. (für) längst überschritten." Der Vertragspartner NGA wurde aufgefordert, in Zukunft mehr darauf zu achten, was an Plakatwänden in Schwerte hängt. Das Problem mit der Stone-Werbung hatte sich da schon von selbst gelöst, weil die Werbeflächen an andere Firmen vermietet worden waren. (Schwerter Nachrichten 3.3.1995)

British Airway: "Lullaby not included", 1996

In der Anzeigenkampagne wollte British Airway für ihre angeblich behaglichen Sitze in der Business Class werben.Auf den Postern war eine Frau zu sehen, die im Stil der vierziger Jahre gekleidet ist und ein Baby im arm wiegt. An die Stelle des Babykopfes war war das Konterfei eines schlafenden Mannes montiert. Insbesondere amerikanische Frauen äußerten sich empört ob der Kampagne: sie sei "sexistisch und erniedrigend für Flugbegleiterinnen". (Spiegel 25 1996)


Musiksender Viva: "Life in progress", 1996

Das Bild-Arrangement als Werbung für den Musiksender Viva Zwei sollte 1996 eigentlich überall plakatiert werden und als Anzeige in Zeitungen und Zeitschriften erscheinen. Aber die bayerischen Plakatierer wollen sie nicht kleben, die Frauenzeitschrift Amica nicht drucken: Die Motive, so hieß es, seien frauenfeindlich und pervers.(Spiegel 52 1996)

„Laßt Euch nicht verarschen“: frauenfeindlich, 2004

2004 haben sich 929 Bürger beim Deutschen Werberat über Werbespots im Fernsehen oder Radio über Anzeigenkampagnen, Zeitschriften oder das Internet beschwert. Allein 115 Beschwerden bezogen sich auf die Kampagne eines Elektronikkonzerns mit dem Motto: „Laßt Euch nicht verarschen“. Häufigster Vorwurf war, dass die Werbung frauendiskriminierend sei. (FAZ 16.3.2005)


Ikea Werbung: nackter Po und Sofa, 2004

Camilla Isene, norwegische Fotografin und gelegentliches Aktmodell, brachte das Möbelhaus Ikea in den Ruf, "frauenfeindlich" zu sein. Für eine Sofa-Kampagne hatte die junge Werbeexpertin ihren Po entblößt und der strahlte in allen größeren norwegischen Städten von überdimensionalen Werbeplakaten. Norwegische Frauenverbände protestierten: Die Rückenansicht einer unbekleideten Frau, zudem fotografiert durch ein geöffnetes Autofenster, wecke beim Betrachter „Assoziationen mit der Prostitution“. Die Werbung präsentiere die Frau als „käufliches Sexualobjekt“. Ikea wehrte sich mit dem Hinweis, die Firma sei „nicht der Auffassung, dass ein normaler Po anstößig ist – es handelt sich einfach um den nahe liegensten Körperteil, wenn man an Sofa denkt.“ (Spiegel 47 2004)

Ikea-Werbung fürs Sofa: nackter Po

Jerry Hall: Angeleinte Herren, London, 2005

Das Werbeplakat für die Reality-TV- Show der Ex von Mick Jagger, des texanischen Modells Jerry Hall, missfiel den Verantwortlichen der Londoner U-Bahn. Die angeleinten Herren erinnerten vom Motiv her nicht nur an eine Szene aus „Die 120 Tage von Sodom“, sondern erschienen laut Kritikern auch „als sexuelle Objekte“. Die Plakate wurden entfernt. (Focus 2005)

Hall als Domina

Außenwerbung „Novum“-Erotik-Markt, Münster 2005

Die Werbung wurde als „pornographisch“ eingestuft. Nach einem Außentermin erklärte sich der Novum-Geschäftsführer Lothar Schwier bereit, seine Außenwerbung zu entschärfen. Vor allem Pendler hatten die Werbung als „Degradierung der Frau zum bloßen Sex-Symbol“ und forderten mehr Rücksichtnahme auf Kinder. (MZ 24.5.2005)

Erotikmarkt-Werbung

Joseph Corre: Werbung für Unterwäsche, 2005

2005 machte der Unternehmer Joseph Corre mit einer Agentur Provocateur Werbung für Unterwäsche und musste hernach vor Gericht. Denn die Plakate seiner Dessousfirma zeigten Mädchen in raffinierter Pose und hatten außer schwarzen halterlosen Strümpfen nichts an. „Die Zensur kam damit nicht klar. Ich fragte die Zuständigen, ob sie etwas gegen Busen, Po, die Stellung der Beine hätten. Nein! Es war der Gesichtsausdruck der Mädchen, der als unpassend empfunden wurde“, sagte Corre. (Spiegel 36 2006)

"Es liegt am Gesichtsausdruck, hier: Kate Moss

Kampagne für das Magazin „Deutsch“ von Jung von Matt/Meckar: Frau mit Hund, 2007

Für viel Empörung löste die Werbung für das Magazin „Deutsch“ 2007 aus. Vorwurf: Frauenfeindlichkeit. (online 2007)

Werbung für "Deutsch²

Amnesty versus Dolce & Gabbana: Sexismus, 2007

Amnesty International verurteilte die Werbekampagne des Nobellabels 2007. Zu sehen war , ein halb nackter Mann, der sich über eine sich wehrende Frau zu Boden drückt. Weitere nur spärlich bekleidete Männer beobachten die Szene regungslos. Neben Amnesty verurteilte ein spanischer Frauenverband die Werbung als „sexistisch“ und auch in Italien lief /man/frau Sturm gegen die „aggressive“ Werbung. In Spanien wurde die Kampagne gestoppt. Bereits im Januar 2007 musste Dolce eine „unverantwortliche“ Kampagne, bei der Messer und Verletzungen eine wichtige Rolle spielten, in England nach Protesten absagen. Umstritten waren ferner drei die Kampagnen von Benetton, die u.a. 2000 Häftlinge in amerikanischen Todeszellen oder ein mit menschliches Herz zeigten. (Welt 5.3.2007)

Umstrittene Dolce & Gabbana Werbung

Werbung für die Armani-Kinderkollektion (Armani Junior), 2007

Zwei niedliche achtjährige Mädchen lächeln verträumt in die Kamera und halten sich umschlungen. Beide Kinder haben asiatische Gesichtszüge. Ein Mädchen trägt ein Bikini-Oberteil für Erwachsene, das sich auf dem mageren Körper wölbt und die Lippen sind rot geschminkt. „Das Foto ist am Limit dessen angelangt, was in der Werbung erlaubt ist“, so urteilte Arturo Canalda, der Kinderschutzbeauftragte der Region Madrid. Für ihn ist die Werbung eine klare Verherrlichung von Kinderprostitution, eine „Einladung zum Sextourismus“. Er forderte die Armani-Verantwortlichen in Mailand auf, das Plakat zurückzuziehen. (Welt 12.3.2007)

Armanie-Werbung und der Sextourismus


Sexismus-Vorwurf: Werberat rügt frivole Frischfleisch-Werbung, 2008

Eine nackte Frau, die für Frischfleisch wirbt - dieses Motiv brachte dem Großhändler G&M in Zusammenhang mit dem Slogan "Schönheit kommt von innen - G&M Fleischwaren Frischdienst" eine Rüge wegen Sexismus ein. Begründung: Das Motiv sei menschenunwürdig und frauenfeindlich. Und es gebe eine "nahe gelegte Gleichstellung einer Frau mit Frischfleisch". Die Firma distanzierte sich von dem Vorwurf: "Wir distanzieren uns von der Rüge", sagte eine G&M-Sprecherin. "Wir haben die Werbung nie als sexistisch angesehen und zu keinem Zeitpunkt an einen Zusammenhang zwischen der Frau und dem Begriff Frischfleisch gedacht." (Spiegel online 11.9.2008)

Paris Hilton wirbt für Bier, Brasilien 2010

Mit dem Werbespot, bei dem Hilton sich lasziv eine Dose Bier über den Körper reibt, zog sich die Hotelerbin den Unmut des brasilianischen Familienministeriums zu: das sei "erniedrigend für alle Blondinen". (stern de 28.2.2010)

Paris Hilton wirbt für Bier

Mester Kunstbaue "Füchse stehen drauf...", 2010

Eine Anzeige aus der Zeitschrift "Wild und Hund" wurde als unangebracht zurückgewiesen, weil sie ein "demütigendes Frauenbild" zeigt: zu sehen war eine nackte Frau über einem Fuchsbau und dem Spruch: "Jäger stehen drauf, Füchse sowieso." (MZ 17.3.2010)

Verbotene Werbung Mester Kunstbaue "Füchse stehen drauf..."

Karstadt-Werbung: "Größe zählt", 2010

Die Werbung wurde vom Werberat als "sexistisch" gerügt. (MZ 17.3.2010)

Verbotene Karstadt-Werbung

"Suit Supply"-Werbung von Facebook verboten, 2010

Facebook zwang die Modefirma 2010, Bilder einer Werbekampagne von der Facebook-Fansite zu nehmen: Die Fotos seien "anstößig". Die Serie zeigt Männer in Anzügen, die in eindeutigen Szenen mit leichtbekleideten Frauen posieren. Bis zu der Zensur interessierte sich niemand kaum jemand für die Kampagne, dann titelten Fachzeitschriften: "Zu sexy für Facebook"; RTL-"Explosiv" berichtete über die "schlüpfrigen Motive". Resultat: "Seit Facebook unsere Bilder gesperrt hat, sind die Verkaufszahlen gestiegen." Ohnehin kann der Chef der Firma, de Jong, die Kritik an den Bildern nicht verstehen: Die Frauen würden doch als "respekteinflößende Musen" dargestellt. (Spiegel 47 2010)

Verbotene Karstadt-Werbung

Hope-Werbespot, 2011

Frauenrechtlerinnen wollten durchsetzen, dass der Spot abgeschafft wird, da er das Bild einer Frau völlig falsch darstellt. Nach Ansicht des Frauenministeriums werden mit diesem Werbespot viele Errungenschaften in Sachen Feminismus der letzten Jahre zunichte gemacht, weil sich das Model Gisele Bündchen als Sexobjekt präsentiert. Mit ihren Reizen versucht sie, davon abzulenken, dass sie das Auto zu Schrott gefahren und die Kreditkarte überzogen hat. (siehe http://www.rockefeller-news.com/26209/giseles-heisser-werbespot/)


Ikea löscht Frauen aus Katalog, Saudi-Arabien 2012

Aus der saudi-arabischen Version des Ikea-Katalogs wurden 2012 Frauenbilder einfach wegretuschiert. Der Konzern entschuldigte sich dafür: "Wir bedauern sehr, dass das passieren konnte und hätten schneller reagieren müssen", sagte eine Unternehmenssprecherin nach der Veröffentlichung von Vergleichsbildern aus den ansonsten identischen Katalogen. Hintergrund für das Verschwinden von Frauen aus der saudi-arabischen Version sind die strengen Vorschriften in dem arabischen Land für das Abbilden unbedeckter weiblicher Haut. Die größte Möbelkette der Welt hatte bereits eine Woche vorher von ihrer russischen Webseite ein Foto im Stil der Polit-Punkband Pussy Riots gelöscht. Begründet wurde der Schritt damit, dass Ikea nicht "als Ort der Agitation jeder Art" ausgenutzt werden wolle. (zdf online 2.10.2012)

"Noch unten ohne???", 2012

Den jüngsten Fall einer öffentlichen Rüge vom Werberat wegen herabwürdigender Werbeform fiel dem Unternehmen Car Clean (Hoyerswerda) zu. Dieses wirbt auf seiner Facebook-Seite mit einer Abbildung weiblicher Beine - zwischen deren Fußknöcheln strafft sich ein Slip. 
Text dazu: "Noch unten ohne???". Das Angebot der Firma betrifft "Unterbodenversiegelung". (one to one 25.3.2013)

Proteinpulver, London 2015

In der Londoner U-Bahn hat ein Werbeaktion für Diätmittel für Aufregung gesorgt. Der Vorwurf: Die Werbung sei diskriminierend und treibe Frauen in die Magersucht. Mehr als 60.000 Menschen protestierten, woruafhin die Plakate entfernt wurden. Die Werbe-Kontrollbehörde ASA hatte Untersuchungen gegen die Kampagne eingeleitet, die auf Plakaten eine leicht bekleidete, schlanke Frau im Bikini zeigt und dazu die Frage: "Are you Beach Body ready?" ("Hast du schon deinen Strandkörper?"). Kritiker fanden die Kampagne sei sexistisch.


Erster Männerparkplatz löst Kopfschütteln aus, Triberg 2015

Eine Frau räkelt sich mit leicht gespreizten Beinen, streckt ihre Brüste in die Luft, das lange Haar fällt nach unten. Ein Schild mit der Aufschrift "1. Männer-Parkplatz" verdeckt die Rundungen etwas. Über der Frauensilhouette steht der Schriftzug "Steile Berge, feuchte Täler". Tribergs Bürgermeister nennt die Werbung im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur einen "Beitrag zum Humor in der Gesellschaft". Doch viele Menschen sehen das anders. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in Baden-Württemberg kommentierten: "Diese Art der sexistischen Werbung, die den nackten Körper einer Frau als Blickfang nutzt und die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen allgemein suggeriert, ist frauen- und menschenverachtend." Strobel allerdings will das Bild auf keinen Fall entfernen: "Es geht um die Freiheit der Kunst, die provozieren darf und soll." Auch der Künstler Werner Oppelt, der mehrere Tage lang im Parkhaus am umstrittenen Bild gearbeitet hat, verteidigt seine Arbeit: "Es sind immer wieder Leute vorbeigekommen - auch Holländer, Italiener und Spanier - da hat sich niemand negativ geäußert." Die Designerin Selina Haas hatte 2014 mit einem ähnlichen Spruch und Frauensilhouette die Anzeige des Tourismusvereins Ferienland Schwarzwald im Bordmagazin einer Fluggesellschaft entworfen - und viel Aufsehen erregt. "Große Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald" war da unter einem Frauenumriss zu lesen. Nach Kritik wurde die Anzeige zurückgezogen. (FAZ 17.8.2015)


Heiko Maas: Sexistische Werbung verbieten, 2016

Maas will 2016 geschlechterdiskriminierende Werbung unterbinden. Ein entsprechender Entwurf zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb soll in der Regierung in Kürze beraten werden. Ziel sei – auch als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht – ein "moderneres Geschlechterbild" in Deutschland. Künftig könnten Plakate oder Anzeigen unzulässig sein, die Frauen oder Männer auf Sexualobjekte reduzieren. Im Streitfall müsste ein Gericht entscheiden. Der Vorschlag wurde schon im Vorfeld heftig kritisiert. (Spiegel online 14.4.2016)

Müllermilch-Werbung: sexistisch, 2016

Die gezeigte Werbung wurde nach einer Umfrage der FAZ als sexistisch eingestuft. (FAZ 17.4.2016)

Sexismus und Frauenfeindlichkeit - unbeanstandet

Werte- und Moralvorstellungen wandeln sich. Nachfolgend werden Werbungen vorgestellt, die heute vermutlich als sexistisch eingestuft würden, die aber zu ihrer Zeit - soweit bekannt - nicht zensiert, kritisiert oder beanstandet worden sind.


MM-Sekt, vermutlich später 60er

MM-Sekt, 1970

Esso-Sauna, 1970

Black and White, 1970

Plakat der Wiener Stadtverwaltung: "Oben ohne", 1970

"Tarracos", 1970

"Martell", 1971

Lufthansa-Werbung, 1971

Akai, 1971


DB, 1971

Anzeige der Informationsstelle "Der deutsche Mann", 70er

Ausschnitt


"Wicu-Rohr"-Werbung, 1971/72




"Yashica"-Werbung, 1972

"Yashica"-Werbung, 1972

"Stock"-Werbung, vermutlich 70er

Pilot, vermutlich 70er

"Grohe-Armaturen"-Werbung, 1972

"Grohe-Armaturen"-Werbung





Grand marnier, 1972

"Colt"-Werbung 1972

"Colt"-Werbung, 1972

"Goldschmuck"-Werbung, 1973

"Goldschmuck"-Werbung, 1973

Attila Kopàcsy Marketingservice, 1973

Slogan: "18 Prozent aller Auto fahrenden höheren Beamten würden eine Anhalterin in Hot Pants mitnehmen."

"Lift"-Limonaden-Werbung, 1973

"Lift"-Werbung, 1973


Goldschmuck, 1973

"Boco"-Werbung, 1974

"Boco"-Werbung, 1974


Wüstenrot, 1974

"Volvo"-Werbung, 1974

"Volvo"-Werbung, 1974

"Australien", 1974

"Australien"-Werbung, 1974

Handelsblatt, 1975

(Spiegel 48/75)


Österreich Tourismus, 1975

(Spiegel 38/75)


Neckermann Reisen, 1975

(Spiegel 44/75)

Bamberg Sauna, 1975

(Spiegel 43/75)

Crawford-Tore, 1975

(Spiegel 43/75)

Cointreau, 1975

(Spiegel 11/75)

Filter "Rillos", 1975

Trans-Europa, 1976

Klafs-Solarium, 1976

Boco: Dabei interessieren zwei Dinge ganz besonders, 1976

Duscholux, 1976

Gauloises, vermutlich 70er

Heinrich DryGin: Der Kultivierte, 70er

1972
1977

Ruf Computer, 1977

(Spiegel 16,17 und 18 1977)

JPS-Kalender, 1978

Amaretto "Florio", 1979

Amaretto "Florio", 1979

Hans Grohe Werbung, 1980

Olympus, 1980

Penthouse, 1980

Tui, 1982

(Spiegel 11/82)


Canon, 1982

(Spiegel 45/82)

Agfa, 1983

(Spiegel 15/83)

Bemberg Sauna: "Fit bleiben für alles!", 1984

Sebamed, 1984

(Spiegel 10/84

Kaldewei Badewannen, 1983/85/87

(Spiegel 39/1983)

Nina Ricci Parfüm, 1985

Städtewerbung: Köln, 1985

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Care, 1986

Condor, 1986

(Spiegel 10/86)

Städtewerbung Köln, 1986

(Spiegel 31/86)

Toshiba: "Die Zensur macht Ihnen unser neuer Kopierer ohne Probleme rückgängig", 1987

Toshiba-Werbung für die CeBIT 1987

LTU:"Lieber braun als down", 1988-89

"Schlüpfen Sie doch einmal....

Budweiser, 1988

(Spiegel 46 / 1988)


Kampagne der Sanitär-Industrie, 1989

(Spiegel 15 / 1989)

Relax, 1990

(Spiegel 48/90)

Hoesch Duschen, 1990

(Spiegel 46/90)

Perrier: "Wonderbulles", 1997

Die Werbung für das Mineralwasser wurde als "frauenfeindlich" eingestuft

Claudia Schiffer und Citroën Xsara Coupé, 1998

121 britische TV-Seher hatten sich bei der Independent Television Commission über den bekannten Schiffer-Werbespot für den Citroën Xsara Coupé beklagt. Darin entledigt sich die Blonde aus Deutschland nach und nach ihrer Kleidung. Zunächst fällt das Abendkleid, dann streift sie die eleganten Sandaletten ab, auch die Dessous sind ihr zuviel, zu guter Letzt fliegt ein Slip aus dem Autoseitenfenster. Nackt fährt die Schiffer los: Der Wagen genüge. Die Werbung sei "beleidigend und herabwürdigend für Frauen", behaupteten die Beschwerdeführer. Die TV-Kommission wies die Proteste zurück. Der Spot sei "fröhlich und unbeschwert" und Schiffers Blöße "nicht explizit gefilmt". (Spiegel 6.7.1998)

Bull: Perfekt abgestimmt, 1998

(Spiegel 12/1998)

Mey, vermutlich 90er

Protector: The feel of Smart Desing, 1999

(Stern 19 1999)

Pharo, 1999

(Spiegel 10 1999)

Iglo: "Mir geht´s Vinactiv", 1999)

(Stern 8 1999)

Shape: "Liebe Deinen Körper", 1999

(Stern 17 1999)

Zigarette West: "Test it", 1999

(Stern 10 1999)

Barnes & Noble und Borders zensieren Bild des androgynen männlichen Modell Andrej Pejic, 2011

Zwei große US-Buchhändler haben ein Cover-Bild von Andre Pejic auf dem Magazin "Dossier" zensiert, indem sie forderten, es in Kunststoff zu verpacken. Begründung: Kunden dachten, er sei eine Frau. (mail online 17.5.2011)

Tiere

Afri-Cola-Werbung mit Affen, 1987

Der Getränkemulti Pepsi ließ 1987 einen Werbefilm von Afri verbieten, in dem zwei Affen ironisch einen Geschmackstest mit Cola machen. Hintergrund: Pepsi hatte vorher mit einem Film geworben, bei dem reale Menschen angeblich ernsthaft Cola testen.

Szenen aus der verbotenen Afri-Cola-Werbung

VW-Werbung: „Singing Dog“, England 2008

Das Commercial von VW wurde vom britischen Fernsehen zurückgezogen nachdem Hunderte von Zuschauern gegen den "Tiermißbrauch" protestiert hatten. Gezeigt worden waren u.a. Hunde die zittern. (Netzzeitung 6.4.2008)

Umweltschutz

Greenpeace gegen Nestle´, 2010

Greenpeace hatte dem Unternehmen vorgeworfen, es trage zu Abholzung der indonesischen Regenwälder bei, weil es für bestimmte Nahrungsmittel Palmöl verwende. Ein entsprechender Spot auf youtube wurde mit dem Verweis auf das Urheberrecht vom Konzern in England gestoppt. Darauf brach ein Sturm der Entrüstung in der Internetgemeinde ein. Der Konzern gab aufgrund des drohenden Imageverlustes nach. Nestlé wechselte den Lieferanten. (Sdt. 19.8.2010) http://www.youtube.com/watch?v=IzF3UGOlVDc Video: Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung!

Andere Länder

England

TV-Werbespot für Orangenlimonade mit Ohrfeigen: verboten, England 1992

Der Spot wurde verboten, weil ihn viele Kinder wörtlich genommen hatten. In der Werbung machte ein Orangengeist erschöpfte Menschen mit kräftigen Schlägen auf die Wangen wieder fit. Bei der Nachahmung ohrfeigten sich Kinder in mindestens zwei Fällen so heftig, dass die Trommelfelle platzen. (MZ 13.3.1992)

Werbung für Unterwäsche: The Loin King, 1996

(Spiegel 47/96) Zu sehen war auf der Werbung ein männlicher mit einer Baumwollunterhose bekleideter Torso: "Der Lenden-König". Die Advertising Standards Authority (ASA), eine Art freiwillige Selbstkontrolle der Werbewirtschaft, untersagte die Verwendung des Motivs. Die Dessous-Werbung mit dem Model Eva Herzigova und der Zeile "Hello Boys" hingegen wurde nicht beanstandet. Die Sprecherin der Internationalen Frauen-Konferenz, Julie Bindel, beklagte daraufhin Parteilichkeit: "Bei Frauen ist es offensichtlich in Ordnung, wenn sie als sexuell verfügbar dargestellt werden, beim Mann nicht. Was für eine Heuchelei!" Die Firma für männliche Unterwäsche erhielt von den ASA-Tugendwächtern eine Empfehlung: Sie möge für ihre Unterwäsche mit einem "kleineren Model" werben.

Radiospot: Deutscher als tyrannischer Chef, 2010

Eine britische Jobbörse wollte mit einem Spot werben, in dem ein Deutscher als tyrannischer Chef dargestellt wurde, doch der britische Werberat legte sein Veto ein: der Spot lege nahe, dass deutsche "sich unverschämt oder aggressiv gegenüber anderen verhalten." (welt online 20.1.2010)

"Clean and Clear": Anti-Akne-Salbe, England 2010

Zurückgezogen wurde eine Werbekampagne, bei der die angebliche Wirkung der Anti-Akne-Salbe durch übertünchendes make-up "herbeigemogelt" wurde. (daily mail 6.1.2010)

"Clean and Clear"-Werbung

Krankenschwester auf den Werbeflächen von Busen, 2010

Die Berufsvereinigung der Krankenschwestern sah sich durch eine Werbekampagne auf den Fahrzeugen einer englischen Buslinie als "sexy" verunglimpft und forderte den Stopp der Kampagne. (Daily Mail Online 16.2.2010)

Zu schön: Make-up-Kampagne mit Julia Roberts wurde eingestampft, 2011

Für die britische Werbeaufsicht war Julia Roberts für eine Werbekampgane etwas zu schön. Sie wurde zurückgezogen weil die Werbeaufsicht (ASA) meinte, L’Oréal führe die Verbraucher mit bearbeiteten Fotos in die Irre. (Sdt. 28.7.2011)

Zurückgezogene Werbung

Frankreich

"Kommt, wie ihr seid" - McDonald´s-Werbung mit Asterix, 2010

Dass Asterix und Obelix in Frankreich nicht für Wildschwein und Bier, sondern Big Mac und Pommes Werbung machten, erhitzte zahlreiche Gemüter. Die Werbekampagne wirkte wie ein Angriff auf die Ess-Kultur der Franzosen. Entsprechend heftig vielen die Reaktionen insbesondere in vielen Internetforen aus. Sogar zum Boykott wurde aufgerufen.

McDonald-Werbung in Frankreich

Israel

Jessica Parker-Plakat entschärft, 2004

Um einen Teil der israelischen Kundschaft nicht zu vergraulen wurde ein freizügiges Plakat von Sarah Jessica Parker entschärft. Die Waschmittelfirma veranlasste, dass Parker fortan in langen Ärmeln, mit bedecktem Rücken und verhüllten Beinen zu sehen war. Offiziel wurde die Veränderung wie folgt begründet: "Wir wollten ihr Outfit dem beginnenden Winterwetter anpassen." (Spiegel 49 2004)

Jessica Parker-Plakat entschärft

Gesetz gegen bearbeitete Werbefotos, 2010

Israel plante 2010 mit Hilfe des sog. "Photoshop-Gesetzes" Werbeplakate zu kennzeichnen, auf denen die Model-Körper digital bearbeitet wurden, um gegen das "verfälschte Bild der Idealfrau" der Modeindustrie anzugehen. Die hatte z.B. aus einer "aufgeschwemmten" und sichtlich gealterten Britney Spears eine schlanke "Lolita" gemacht. (welt.de 18.6.2010)

Bearbeitetes Spears-Bild für die Werbekampagne des Modelabels Candies´s
Spears wie sie zu der Zeit wirklich aussah

Italien

Venedigs historische Gebäude durch Plakate verschandelt, Venedig 2010

Führende Architekten und Museumsleiter kritisierten die italienische Regierung in einem offenen Brief dafür, das weltberühmte Gebäude in Venedig durch Plakate für Werbezwecke und gegen Geld verhängt worden waren. (Observer 3.10.2010) [[Image:A-Coca-Cola-hoarding-over-006.jpg|300px|thumb|none|Palazzo Ducale mit Cola-Werbung]

Österreich

Sölden: „Sex-Krieg“, Österreich 1991

Der Bürgermeister der Gemeinde Sölden hatte das Vorwort geschrieben für eine Werbebroschüre geschrieben, indem halbnackte Mädchen um die Gunst der Urlauber buhlten. Daraufhin riefen Frauen dazu auf „das Sölder Skigebiet zu boykottieren“. Der „Kurier“ sprach vom „Sex-Krieg“. (Spiegel 16 1991)

Werbung zum "Sexkrieg"

Polen

Microsoft empfand Farbigen als Werbeträger ungeeignet, 2009

Ursprünglich war für die Werbung für Microsoft in Polen ein Farbiger vorgesehen, der an einem Konferenztisch sitzt. Den hielt man dann aber doch für ungeeignet und ersetzt ihn kurzerhand durch einen Weißen. (chip de 26.8.2009)

Unzensierte (Farbiger in der Bildmitte) und zensierte Fassung der Microsoft-Werbung


Rußland

Werbung verboten Blockadefeier ohne deutsche Marken, 2014

Auf Weisung der Behörden darf in Sankt Petersburg während der Feierlichkeiten zum siebzigsten Jahrestag des Endes der Leningrader Blockade auf wichtigen Straßen keine Werbung für deutsche Waren zu sehen sein. Reklamebüros mussten ihre Außenwerbung für in Russland beliebte deutsche Haushaltselektronik, Automarken, Körperpflegemittel an Hauptstraßen, aber auch in der Nähe von Friedhöfen entfernen. ( FAZ 23.1.2014)

USA

“Obszöne“ Werbung

Calvin Klein: "Obsession"-Werbung, 1987=

Die Anzeigenkampagne sorgte in den USA für helle Empörung. (Spiegel 51 1987)

"Obsession"-Werbung

Beyonce Knowles im Bikini, Las Vegas 2007

Auf riesigen Werbeplakaten zeigte Beyonce im Bikini zu viel Haut und verstörte damit die Anwohner in Las Vegas. Mittels einer Petition forderten sie, die „obszöne“ Schönheit wieder entfernen zu lassen. (Netz 13.11.2007)

Beyonce Knowles im Bikini, Las Vegas 2007

Kurioses

Bier-Werbung „Sol“, USA/UK 1993

Der amerikanische Modefotograf Herb Ritts hatte für die Biermarke „Sol“ Werbeaufnahmen gemacht, deren Motive (Frau mit zwei Muskelmännern durch die Brandung laufend oder in inniger Umarmung verkeilt) der britischen Aufsicht zur Einhaltung von Standards in der Werbung (Advertising Standards Authority/ASA) nur bedingt gefielen. Sie untersagte die Benutzung des ersten Meeres-Motivs, hatte aber keine Einwände gegen das Trio im lasziven Clinch. Die Werber der Bierfirma zeigten sich über diese Entscheidung verblüfft: „Wir hatten geglaubt, dass vielleicht das zweite Motiv nicht durchgehen würde.“ Die ASA klärte auf: Das erste Bild „verbindet mit dem Genuss von Alkohol das Herumtoben im Wasser und legt nahe, dass das ungefährlich sei“. (Spiegel 41 1993)

Bier-Werbung „Sol“, USA/UK 1993 (beanstandet)
Bier-Werbung „Sol“, USA/UK 1993 (nicht beanstandet)

Kondomwerbung mit Lady Di, Norwegen, 1995

Im „Dagbladet“ Norwegens mahnte ein Kondomhersteller neben dem Konterfei der Prinzessin: „Es ist einem Menschen nur schwer anzusehen, ob er Sex mit zufälligen Partnern hatte.“ Der Buckinghampalast tobte. (Stern 49 1995)

Kondomwerbung

“Red Bull“ Werbung zur Weihnachtsgeschichte, 2007

Ein Priester aus der sizilianischen Stadt Agrigent machte 2007 gegen den „Red-Bull“-Hersteller mobil. Stein des Anstoßes war ein Werbespot, der laut Don Marco Damanti die Weihnachtsgeschichte veralbert. In dem Werbe-Filmchen tritt neben den Heiligen Drei Königen ein weiterer König mit einer Dose des Drinks auf. Auf die Engelchen zeigend sagt Josef zu Maria: „Was meinst Du, wie die es schaffen, zu fliegen?“. Das Unternehmen wirbt mit dem Spruch „Red Bull verleiht Flügel“. Inzwischen hat sich Konzern entschuldigt und das Ende der Kampagne angekündigt. (WN 1.12.07)

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