Spiele

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Inhaltsverzeichnis

Gesellschaftsspiele/Brettspiele/Internetspiele

"UNO"-Spiel - ohne Entführung eines Weltbankpräsidenten, 1972

Das Gesellschaftsspiel propagiert eine weltwirtschaftliche Arbeitsteilung. Der damalige Entwicklungsminister Eppler förderte das Spiel, kaufte 10000 Exemplare und ließ es an Schulen verteilen. Allerdings wurden zunächst einige Zufallskarten eliminiert: z.B. verschwand die Karte, nach der der Weltbankpräsident "unbemerkt entführt" werden konnte. Auch wurden vorher vorgesehene Pluspunkte gestrichen, die dazu für den Fall gedacht waren, das ein Entwicklungsland "Russen und deutsche geschickt gegeneinander ausgespielt hat." (Spiegel 18 1972)

Monopoly, 2010

Das Spiel wurde 1935 patentiert. Mittlerweile ist es in 111 Ländern und 43 Sprachen erhältlich. Nur in Nordkorea und Kuba ist es verboten. Allerdings war auch das Anti-Monopoly von Ralph Anspach aus dem Jahr 1974, in dem es gerade um die Zerschlagung von Monopolen ging, Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung, diesmal mit dem Monopoly-Hersteller selbst. (Sdt. 25./26.9.2010)

Schachspiel mit Hitler, England 1975

Das Schachspiel mit Hitler als König und Eva Braun als Dame wurde von einem Londoner Taxifahrer kreiert. Proteste sind nicht bekannt. (Spiegel 50 1975)

"Hitler"-Schach

Gesellschaftsspiel: „Provopoli“ - "Aufforderung zu terroristischem Verhalten“, 1980

Auf Antrag des Bayrischen Sozialministeriums indizierte die Bundesprüfstelle das Unterhaltungsspiel „Provopoli“, eine Art antikapitalistische Antwort auf „Monopoly“. Damit darf „Provopoli“ vom Horatio-Verlag nicht mehr an Jugendliche verkauft werden. In jeder der Spielvarianten befehden sich mit Tricks Kapitalisten (in Blau) und Systemgegner (in Rot): so wird u.a. der Dekan der Uni auf einer Toilette eingesperrt und soll von der blauen Polizei befreit werden, oder die Rotpartei organisiert ein “love-in“ im Stadtpark oder plant einen Hochschullehrer-Vortag zu stören. Die CSU sah in „Porvopoli“ deshalb „eine Aufforderung zu terroristischem Verhalten“.Der Frankfurter Spielclub hingegen hatte es als "ein Übungsspiel praktischer Staatsbürgerkunde" angesehen. (Spiegel 18 1972 und 28 1980)

Provopoli


Das Schwarze Auge (DSA), 1984

Da Pen-&-Paper-Rollenspiel, das von Ulrich Kiesow 1984 für Schmidt Spiele in Kooperation mit Droemer Knaur herausgegeben wurde, enthielt als Beilage einige Zeichnungen mit gewalttätigen Szenen. Die wurden später abgemildert.

Belgien empört über Dutroux-Frage, 2003

Die Frage nach dem Beruf des Kinderschänders Marc Dutroux in einer französischsprachigen Ausgabe des Brettspiels "Wer wird Millionär?" löste in Belgien Empörung ausg. Mehrere Käufer des Gesellschaftsspiels protestierten gegen die Fragestellung. "Welchen Beruf übte Marc Dutroux aus? Zahnarzt, Automechaniker, Versicherungsvertreter oder Elektriker?", lautet die Frage zu Belgiens bekanntestem Untersuchungshäftling. Wer sie richtig beantwortet, kann 500 000 Franken Spielgeld gewinnen. Doch manchen Spielern blieben die Worte im Halse stecken. "Meine Freundin, die die Karte gezogen hatte, bekam nicht einmal die Frage über die Lippen", sagte Marie-Thérèse Heusdain der Zeitung "Het Laatste Nieuws". Sie möge sich gar nicht vorstellen, wie sich die Eltern der getöteten Kinder bei dem Spiel fühlen könnten. Der Spielehersteller reichte die Verantwortung an den Produzenten der gleichnamigen Fernsehsendung, die Firma Endemol, weiter. Alle Fragen würden aus der Millionärsshow im Fernsehen übernommen.Der Hersteller versprach, die Frage bei der Neuauflage des Spiels zu entfernen. (MZ 9.1.2013)

„The War of Terror, The Boardgame“, England 2006

Das satirische Gesellschaftsspiel „The War of Terror, The Boardgame“ wurde von der britischen Polizei beschlagnahmt. Seit dem Erscheinen 2006 hatte sich das provokante Brettspiel 10 000 Mal online oder in kleinen Läden verkauft, während große Warenhäuser sich geweigert hatten, es in ihr Sortiment aufzunehmen. Ziel des für 2 – 6 Personen konzipierten „War of Terror“ ist laut Beschreibung „die Befreiung der Welt“: es geht um Öl, Macht, Waffen. Manche Spieler agieren als Imperium, manche als Terrorstaat. Wer die Terroristenrolle einnimmt, muss eine Skimütze mit dem Wort „Evil“ tragen. (Spiegel 34 2008

War of Terror, 2008

Fatwa: Saudi-Arabiens Großmufti verbietet Schach, 2016

Der Großmufti von Saudi-Arabien Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh hat 2016 Schach für unislamisch erklärt. Al al-Sheikh begründete seine Fatwa damit, dass Schach süchtig machen könnte. Die Spieler könnten ihre Gebete vergessen. "Es ist eine Verschwendung von Zeit und Geld und verursacht Rivalität und Feindschaft", dozierte der Großmufti. Es mache reiche Leute arm und arme Leute reich. (spiegel online 22.1.2016)

Saudi-Arabien erneuert Fatwa gegen Pokémon Go, 2016

Saudi-Arabien hat Pikachu und seine Freunde 2016 in einer Fatwa als unislamisch verdammt. Die Religionsgelehrten ärgern sich besonders über drei Symbole in der Handy-App. Bereits 2001 waren die japanischen Fantasiefiguren, die es damals als Fernsehserie, Karten- und Videospiel gab, ins Visier des Ständigen Ausschusses für Forschung und Fatwas geraten. Am 20.7.2016 wurde das islamische Rechtsgutachten nun in überarbeiteter Form auf die Website gestellt, nachdem der Ausschuss nach eigenen Angaben wegen des neuen Handy-Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte. In der Fatwa wird Pokémon Go mit einem Glücksspiel verglichen. Zudem würden die Figuren auf der Evolutionslehre von Charles Darwin basieren. Erschwerend komme hinzu, dass Symbole wie ein sechszackiger Stern, ein Kreuz und ein Dreiecke zu sehen seien, die mit dem Judentum, dem Christentum und den Freimaurern in Verbindung gebracht würden. (n24 21.7.2016)

Kartenspiele

Kartenspiel mit Valéry Giscard d´Estaing, Frankreich 1976

Der damalige französische Staatspräsident ließ ein Kartenspiel verbieten, das ihn u.a. als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix karikierte. Ein Gericht Gericht bestätigte das Verbot. (Spiegel 43 1976)

Valéry Giscard d´Estaing als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix

"Das Führer-Quartett", 2008

Das in Berlin herausgegebene Kartenspiel mit 32 Diktatoren (u.a. Hitler und Stalin) war nach Ansicht der Spielefirma rein "ironisch" zu verstehen. Die Proteste ließen nicht lange auf sich warten. (mail online 17.7.2008)

"Das Führer-Quartett"
Karten aus dem "Führer-Quartett"

Reality

Street-Wars-Cologne, Köln 2006

Das Spiel, bei dem die Teilnehmer auf Gegner mit Wasserpistolen auf Jagd machen, sollte in Köln stattfinden. Bis zu 200 Leute sollten Jagd aufeinander machen. Ziel des Spiels ist es, alle Mitspieler in einem Zeitraum von drei Wochen zu eliminieren und dann als Überlebender 500 Euro zu kassieren. Nach dem Amoklauf in Emsdetten und dem öffentlichen Druck wurde das Spiel abgesagt. Das Kölner Ordnungsamt hatte bereits ein Verbot in Erwägung gezogen. Ob das Spiel allerdings „Gewalt verherrlichend“ ist, scheint eine Interpretationsfrage. Das Profil der 50 Interessierten sprach damals dagegen: 70% waren Zivildienstleistende, Altenpfleger oder Beschäftigte aus dem Krankenhausbereich. In New York und London war die Menschenjagd schon „gespielt“ worden. Auch dort hatte es heftige Kritik gegeben. (WN 1.12.2006)

Pfadfinder spielten Entführung von Kate Middleton, England 2011

Eine von Pfadfindern gespielte Entführung von Kate Middleton, der Verlobten des britischen Prinzen William, sorgte in England für Unruhe. Knapp 300 britische Pfadfinder im Alter zwischen elf und 15 Jahren spielten eine Entführung der künftigen Prinzgemahlin nach, um durch das Geländespiel ihren Orientierungssinn zu trainieren. Eine Pfadfinderin spielte dabei Middleton, nach der die andern der Gruppe suchen musste. Die Lokalpolitik reagierte z.T. empört und geschockt: Ros Aitken, eine Stadträtin aus Amersham: "Ich bin entsetzt, dass so etwas stattgefunden hat. Es klingt unangemessen." (WN 14.2.2011)

Spielzeug

Kriegsspielzeug mit Nazisymbolen, 1979

In vielen Städten kam es 1979 zu einer Beschlagnahmeaktion: Beschlagnahmt wurde Kriegsspielzeug mit Runen, Hakenkreuzen oder andern Nazi-Symbolen. Doch die Aktion hatte juristisch nur bedingt Bestand: Während in Marburg und Karlsruhe ganze Kampfgeschwader in den Asservatenkammern verschwanden, befand ein Staatsanwalt in Frankfurt, dass nicht erkennbar sei, ob es sich "um eine gezielte Verbreitung von NS-Kennzeichen um ihrer selbst willen handele." (Spiegel 4 1979) Die Bundesrichter allerdings verboten das Spielzeug, da der massenhafte Verkauf „von Beobachtern des Geschehens in der Bundesrepublik Deutschland dahin verstanden werden“ könnte, „das innenpolitische Leben sei durch eine Duldung der durch das Hakenkreuz angezeigten Bestrebungen gekennzeichnet“. (Spiegel 20/1980)

Kriegsspielzeug mit NS-Symbolen

Del Prado: Me 109, 2004

Bei dem Sammelheft "Ein Jahrhundert Luftkrieg - legendäre Flugzeuge im Modell" für den deutschen markt lag eine originalgetreue Druckguss-Nachbildung der Me 1009 bei. Auf dem Leitwerk klebte - historisch korrekt - ein Hakenkreuz. Daraufhin gab es Strafanzeigen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Es erfolgte ein Beschlagnahmebeschluß und Besuche von der Staatsanwaltschaft. (WN 9.2.2004)

Ferrero: rosa Schoko-Eier für Mädchen, 2012

Auf übergroßen Plakaten warb Ferrero 2012 für eine Variante des Überraschungs-Eis mit dem Slogan "Ei love rosa". Darunter war ein mit rosa Blumen verziertes Schokoladen-Ei zu sehen und der Spruch "Nur für Mädchen". Im Innern der speziellen Ü.Eier befanden sich Plastikfiguren der TV-Serie "WinX-Club": Dünne, langbeinige Püppchen in Miniröcken und Hot Pants. Feministinnen protestierten vehement dagegen. Denn so Genderforscherin Stevie Schmiedel: "Die Puppen haben ein total sexualisiertes Image." Sie sah in den Figuren gar die Einstiegsdroge in den Magerwahn.(Std. 21.8.2012)

„Breaking Bad“-Spielzeugfiguren verschwinden aus dem Handel, 2014

Der amerikanische Spielzeughersteller „Mezco Toyz“ hatte 2014 die Hauptfiguren der Serie, Walter White, seinen Gehilfen Jesse Pinkman und Anwalt „Better call Saul“ Saul Goodman als Sammelfiguren auf den Markt gebracht. Die Firma, die auch Figuren aus alles andere als jugendfreien Filmreihen wie „Armee der Finsternis“ oder „Nightmare on Elm Street“ im Sortiment hat, hat die „Breaking Bad“-Helden sogar stilecht auf einen Sockel aus Crystal Meth-Kristallen montiert. Sie besitzen einen abnehmbaren Rucksack oder eine Tasche für das Crystal Meth beziehungsweise das Drogengeld. Die aus Florida stammende Susan Schrivjer beschwerte sich bei dem Spielwarenhändler „Toys'R'Us“, weil das Unternehmen diese Sammelfiguren verkauft. Sie startete außerdem eine Unterschriftenaktion, der sich zahlreiche Menschen anschlossen. Darin hieß es, die Figuren seien eine „gefährliche Abkehr" von den "familienfreundlichen Werten“ des Händlers, da sie Gewalt und Drogen verherrlichen würden. Spielwarenhändler zogen daraufhin die Figuren aus dem Verkehr Focus onlin 22.10.2014)

Ärger um Nazi-Puppe "Bastian", 2015

Die Puppe "Bastian" der chinesischen Firma DiD in einer Fantasie-Uniform, die mit Hakenkreuz und Reichsadler auf der Mütze deutlich an eine Nazi-Uniform angelehnt ist, sieht aus wie Bastian Schweinsteiger. Der leitete deshalb rechtliche Schritte gegen die chinesische Firma ein. Die Ähnlichkeit mit Schweinsteiger - zusätzlich zum identischen Vornamen - sei allerdings reiner Zufall, erklärte ein Mitarbeiter der Firma DiD der Bild: "Wir bieten keine Figur an, die auf einem Fußballspieler basiert." Die Figur sei ein Angehöriger einer Wehrmachts-Versorgungseinheit, heißt es in der Beschreibung des Händlers.Und weiter: "Die Figur basiert auf dem typischen Deutschen. Wir glauben, dass alle Deutschen so aussehen." Bastian sei zudem ein sehr häufiger Name in Deutschland. (FAZ 25.10.2015)


Lego verweigert Ai Weiwei Bausteine, 2015

Der Künstler wollte für die Ausstellung „Andy Warhol/Ai Weiwei“ Ende des Jahres in Melbourne die Porträts von 20 australischen Bürgerrechtlern in Lego nachbauen. Das Unternehmen hatte die Großbestellung mit Hinweis auf den politischen Charakter des Projekts zurückgewiesen. Der Künstler wirft Lego Zensur vor „Wir verzichten weltweit darauf, die Nutzung von Legosteinen für politische Projekte aktiv zu befördern oder zu unterstützen. Das Prinzip ist nicht neu“, erklärte die Firma in einer Stellungnahme. Auf Instagram warf Ai dem Unternehmen „Zensur“ und „Diskriminierung“ vor. Beim Pressegespräch sagte er: „Ich war ziemlich geplättet, denn es handelte sich doch um einen ganz respektablen Auftrag.“ (FAZ 27.10.2015)

Spielzeugpistolen verboten, L.A. 1988

Spielzeugpistolen, die richtigen Waffen zu sehr ähneln, wurden 1988 in L.A. verboten, weil Polizisten und andere Bewaffnete beim Anblick sogenannter look-alike-guns zu häufig selbst zur Waffe gegriffen und sogar deren Besitzer erschossen hatten. Die größten Hersteller der Branche, die mit Spielzeugknarren auf einen Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar kommen, reagierten prompt - sie wollten nur noch Pistolen in bunten Farben herstellen. (Spiegel 3 1988)


Kinder-Überraschungseier, USA 2012

Die Überraschungseier, mit dem Spielzeug im Innern, ist in den USA verboten. Grund dafür ist ein Gesetz aus dem Jahr 1938, das ungenießbare Gegenstände in Süßigkeiten verbietet. Damals gab es die Schokoeier noch nicht.

Ströbele fordert Böller-Verbot und knallfreie Zonen, 2015

Nach den Anschlägen von Paris forderte der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, den Verkauf von Silvesterfeuerwerk einzuschränken. "Sinnvoll ist ein Verbot von größeren Feuerwerkskörpern mit der drei- bis zehnfachen Knallkraft normaler Böller", sagte Ströbele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Viele Menschen seien angesichts der latenten Terrorgefahr auch in Deutschland verunsichert und würden durch extrem laute Silvesterkracher in Schrecken versetzt: "Die Leute wissen ja nicht, was das ist, was so fürchterlich bumst." Außerdem sprach sich Ströbele für die Ausweitung knallfreier Zonen aus. Bereits nach den Anschlägen in New York war in Deutschland ein Verbot von Silvesterfeuerwerk diskutiert worden. 2007 hatte die belgische Hauptstadt Brüssel wegen Terrorgefahr das Zünden von Knallkörpern zum Jahreswechsel untersagt. (Die Welt 7.12.2015)

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