Sexismus

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Inhaltsverzeichnis

Sexismus: Objekte, Fotos, Plakate, Titelblätter - beanstandet

Triebe in den fünfziger Jahren: Gesetz gegen „Schund und Schmutz“, 1952

Die klassische Vorstellung vom züchtigen Sex galt als Heilmittel gegen die anti-bourgoise Lasterhaftigkeit der Nazis. Dass Begehren und Triebe irgendwie schmutzig und deshalb einzudämmen seien, darin waren sich der CDU- Familienminister Franz-Josef Wuermeling und der konservative Sexualpädagoge Heinrich von Gagern einig. 1952 beschloss der Bundestag deshalb das Gesetz gegen „Schund und Schmutz“. Der bedeutende „Kuppeleiparagraph“ allerdings, der Vermietern und Eltern mit Strafen drohte, wenn sie duldeten, dass unverheiratete mündige Paare zusammen fanden, war keine Erfindung der 50er, sondern stammte noch aus der Nazizeit. (Sdt. 7.12.2005)


Sexwelle 1965 - 1970

In den sechziger und frühen siebziger Jahren schwabte die sog. Sexwelle über Deutschland. Insbesondere die Kirche zeigte sich sichtlich irritiert. Einige Beispiele: Der evangelische Oberhirte Kurt Scharf wähnte bereits 1964 den Untergang Deutschland nahe, gründete eine „Aktion Sorge um Deutschland“ und rief zum Kampf gegen die „Diktatur der Unanständigkeit“ auf. Ihm sekundierte auf katholischer Seite Münchens Kardinal Döpfner: „Die sogenannte Sex-Welle, die wir heute in so vielen Bereichen des kulturellen Lebens mitmachen, ist nicht Fortschritt und Befreiung, sondern menschenunwürdige, widersittliche Entartung.“ Auch der ranghöchste deutsche Geistliche, Domkapitular Aloys Heck aus Speyer, warnte davor, dass „unsere Jugend auf diese Art in unverantwortlicher Weise manipuliert wird“, weil „die Gefahr einer sittlichen Anarchie zugleich eine gesellschaftliche Anarchie nach sich zieht.“ Das Rothenburger Bistumsblatt wollte die „Schlammflut, die alles versaut“ eindämmen und erkannte den „Ungeist unser Zeit“ u.a. an Oben-Ohne-Mädchen beäugte aber auch die Politik das „schamlose“ Geschehen. Der NRW Minister für Arbeit und Soziales Figgen (SPD) warnte vor der „Auflösung der sittlichen Grundlagen unserer Gesellschaft“. (Spiegel 32 1970)


Abbildung eines "Badeshauses" aus dem Mittelalter, 1966

Entschärft wurde 1966 eine Abbildung im "Spiegel", die ein Badehaus aus dem Mittelalter zeigt: die Frau im Hintergrund rechts wurde schwarz "übermalt". (Spiegel 21 1966)

unzensierte (Original) und zensierte Fassung

"Pardon"-Titel 1968: "Die Pille enthemmt"

"Weil die Abbildung auf dem Titelblatt unsittlich" sei, wurde die Pardonzeitschrift mit dem Arzt, der eine Nakcte auf dem Rücken trägt, von der Bundesprüfstelle wegen Jugendgefährdung indiziert. (Spiegel, 36 1968)

Indizierte "Pardon"-Ausgabe von 1968

Filmwerbung: „Grimms Märchen von lüsternen Pärchen“ – ohne Busen, Münster 1969

In den „Westfälischen Nachrichten“ wurde 1969 eine Anzeige zum Film „Grimms Märchen von lüsternen Pärchen“ von Rolf Thiele retuschiert: Der Busen musste damals verschwinden. (Spiegel 36 1969)

Unzensierte und zensierte Fassung

“Spontan“-Titel: jugendgefährdend, 1969

Adolf Glöckner, damaliger Regierungsdirektor für Jugendschutz fand den abgebildeten „Spontan“-Titel für so jugendgefährdend, dass er die Indizierung des Blattes beantragte: „Die Abbildung dient ersichtlich nicht dem Bestreben, weibliche Körperformen in ihrer natürlichen Schönheit zur Weckung ästhetischer Empfindungen darzustellen, sondern einem spekulativen Exhibitionismus und der Schaffung eines Kaufanreizes. Das Modell posiert in unnatürlicher, gestellter Körperhaltung. Die Spreizstellung der Beine, die zwischen den Oberarmen zur Schau gestellten entblößten Brüste und der sich dem Betrachter aufdrängende Gesichtsausdruck sind typische Gestaltungsmittel, mit denen ein auf Sex getrimmtes Anregungsphoto in das Blickfeld gebracht wird.“ (…) „Das Titelbild … wirkt so … als gefährlicher Regulator und Schrittmacher einer normativen Kraft des Faktischen.“ (…). „Der Inhalt des Heftes erfüllt nur zum geringen Teil die Erwartungen, die das Titelbild auslösen soll.“ (Spiegel 36 1969)

Kritisierter "Spontan"-Titel

“Bild“ und die Diskussion um die Freigabe von Pornos, 1970

„Bild“ reagierte mit einer Serie über „Pornos“ auf die aufkommende Diskussion um eine generelle Freigabe. Dabei wurden alle Abbildungen mit nackten Details mit schwarzen oder weißen Balken u.ä. versehen. Als Folge davon erschienen kuriose Fotos, wie etwas eine Dame, die nur deshalb nicht mehr onanieren kann, weil der „Bild“-Seitensatz durch ihr Geschlecht geht, oder eine andere, die nur deshalb beim Fellatio behindert wird, weil Bild fast den ganzen Penis schwarz abdeckte. (Spiegel 43 1970)

Zensiertes Foto aus „Bild“

“Virgin-Pack“-Äpfel, England 1971

Nachdem das Londoner Wochenblatt „Parade“ die Oberweite von Photomodell Sally Dixon mit den Worten „frisch, fest und knusperig“ abgebildet hatte, wollte der Obstzüchter David Neve davon profitieren. Seine Apfelkisten sollten mit dem Brust-Bild des Mädchens versehen und als „Virgin-Pack“ auf den Markt gebracht werden. Der Versuch scheiterte, weil die Druckerei den Auftrag ablehnte. Begründung: „Das Photo könne ihre Arbeiterinnen verärgern.“ (Spiegel 14 1971)

Busen-Bild als Vorlage für Apfelverpackungen

Klage gegen Herbert Wehner wegen „Verbreitung unzüchtiger Schriften“, 1971

Weil die Hamburger SPD-Druckerei Auer jede Woche rund 1 Million Sexpostillen (u.a. St. Pauli Nachrichten, St. Porno, Sex Report) druckte, verklagte ein Rechtsanwalt den damaligen SPD-Vize Herbert Wehner wegen „Beihilfe zur Verbreitung unzüchtiger Schriften“. (Spiegel 20 1971)

“Stern“: Playgirl der Woche, 1975

Henris Nannen Stern wurde 1975 der Verbreitung „harter Pornographie“ bezichtigt. Anzeige erstattet hatte Karin Engelhardt, Inhaberin der Hamburger Sex-Shop Kette „Tiffany“, bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Hamburg: Als Playgirl der Woche war im „Stern“ vom 27.2.1975 ein gefesseltes nacktes Mädchen zu sehen. (Spiegel 11 1975)

Klagegrund: Playgirl der Woche

Oberweite der FDP-„Lisa“, 1976

Vehemente Diskussionen gab es in der FDP, weil die Parteijunioren mittels „nackter Damen“ geworben hatten. Hatte man früher die „sexistische“ Werbung analytisch noch angeprangert („Die Frau soll Männer durch sexuelle Stimulierung zum Kauf verschiedenartiger Produkte anregen.“), so setzten die Junioren 1976 selbst auf eine hüftenschwingende, busenstarke Zeichen-Figur Lisa, die auf Flugblättern und in Schülerzeitungen zu sehen war. Entsprechend groß war die Empörung über „Liberale Schüler-Aktion“. Als Folge davon produzierten überall im Lande Schüler, die die Werbung mit Sex als politisch zu anstößig empfanden je nach Gusto eigene, meist entschärfte LISA-Gestalten – mal pummelig (Gruppe Köln), mal picklig (Gruppe Bonn) oder mal nur mit Durchschnitts-Oberweite, aber dafür leichtem Mona Lisa Lächeln (Gruppe Aachen). (Spiegel 19 1976)

Lisa-Variationen


Der Stern: St. Pauli - das deutsche Reich der Sinne, 1978

Mit kollektiver Klage wollten 1978 zehn Frauen, geführt von Alice Schwarzer, die Illustrierte "Stern" zur "Unterlassung" zwingen. Die Klägerinnen wehrten sich dagegen, "daß auf den Titelseiten ... Frauen als bloßes Sexualobjekt dargestellt werden und dadurch beim männlichen Betrachter der Eindruck erweckt wird, der Mann könne über die Frau beliebig verfügen und sie beherrschen". aufgefallen war: "Eine Schwarze, nackt, in der Hand ein phallisches Mikrophon und um die Fesseln schwere Ketten", wie "Emma" erklärte. In den letzten Monaten hätten dann immer mehr Frauen an "Emma" geschrieben, "daß sich das beim "Stern" verschärft hat". Das "ewige Damenhinterteil", das "Emma" auf "Stern"-Bildern mal "anzüglich plaziert auf einem Fahrradsessel"" mal "sandbedeckt an den entscheidenden Stellen" registrierte, "übertraf das Maß des leider Gewohnten". Als die Illustrierte Anfang Juni einen Bericht über "St. Pauli -- das deutsche Reich der Sinne" mit einem Plakat des Nachtklubs "Rote Katze" auf dem Titel versah, schien das Maß voll: Eine Dame mit roten Strapsen hatte sich da rittlings einen Herrn im Sessel untertan gemacht. Die Nummer, "unglaublich geschmacklos", gefiel auch Henri Nannen nicht. Er ließ den Andruck stoppen und nahm für den Rest der Auflage zwei nackte Mädchen vom "Chérie" auf das Cover. (Spiegel 3.7.1978)

Ausgetauschte Titelbilder
Klageobjekte

"Spiegel"-Titel 10 1981: "Poona"

Das Titelblatt des "Spiegel (Nr. 10 1981) zum Thema Poona wurde von Leser in Briefen als "sexistisch" eingestuft.

"Spiegel"-Titel 10/1981

Karl Lagerfeld und Helmut Newton: „Nordfleisch“, 1982

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld erfand den Namen und der Fotograf Helmut Newton lieferte die Bilder: „Nordfleisch“ hieß eine Ausstellung von Nacktfotos, manche davon überlebensgroß die unbeanstandet in München gezeigt wurde. In der „Ostdeutschen Galerie“ in Regenburg aber scheiterte die Schau, weil die Würde der Frau verletzt würde. (Spiegel 29 1982)

„Nordfleisch“-Akt

Werbebroschüre für landeseigene Ferienhotels: frauenfeindlich, Hessen1986

Die von der Hessischen Landesregierung 1986 veröffentlichte Broschüre zeigte u.a. Äpfel, auf denen ein Mann ruht. Sie wurde zum Streitfall, weil die hessische Bevollmächtigte für Frauenangelegenheiten, Marita Haibach, die Druckschrift als „sexistische Werbung“ einstufte. Die Äpfel würden „offenkundig den Busen einer Frau symbolisieren“, auf dem „der darauf liegende Mann seine Form der Entspannung“ finde, lautete ihr vernichtendes Urteil. Das Finanzministerium gelobte Besserung und versprach, zukünftig auf die Werbung zu verzichten. (Spiegel 46 1986)

Kritisierte Werbebroschüre

Anti-Sexismuskampagne von Alice Schwarzer, 1987

Der Vorstoß unter Führung von Alice Schwarzer zielte darauf, den Strafrechtsparagraphen 184 (Pornographieverbot) zu verschärfen bzw. durch das BGB zu ergänzen. 1978 hatte Schwarzer einen Prozess verloren, den sie gemeinsam mit der Schauspielerin Inge Meysel, der Psychologin Margarete Mitscherlich-Nielsen und acht weitere prominenten Frauen wegen eines ihrer Meinung nach sexistischer Titelbilder des „Stern“ geklagt hatten. Die Klägerinnen fühlten sich u.a. „dadurch zu beleidigt, dass auf den Titelseiten … Frauen als bloßes Sexualobjekt dargestellt werden und dadurch beim männlichen Betrachter der Eindruck erweckt wird, der Mann könne über die Frau beliebig verfügen und sie beherrschen.“ Beleidigt sah frau sich durch Titel mit: „Einer Schwarzen, nackt, in der Hand ein phallisches Mikrophon und um die Fesseln schwere Ketten“, einem Hintern „anzüglich platziert auf einem Fahrradsessel“, nackte Frauen „mal sandbedeckt an den entscheidenden Stellen“. Die „Schwarze“ war nebenbei bemerkt Grace Jones, die selbst nackt auf einem ihrer Plattencover posiert hatte. (Spiegel 27 1978) Schwarzers Entwurf sah vor, dass als Pornographie nicht nur Darstellungen gelten, die „die Grenzen des sexuellen Anstandes“ überschreiten, sondern auch „verharmlosende oder verherrlichende, deutlich erniedrigende sexuelle Darstellungen von Frauen und Mädchen in Bildern und/oder Worten“. Jede Frau, „die mit einer pornographischen Darstellung konfrontiert“ werde, solle dann auf „Ersatz materieller und immaterieller Schäden“ klagen können. Ferner sah der Entwurf vor, dass wer „Frauen oder Mädchen gegen deren Willen, vorsätzlich oder fahrlässig, der Wahrnehmung von Pornographie aussetzt“ mit Schadensersatzklagen zu rechnen habe. Mit Schadensersatz bedroht werde zudem der, der „nachweislich aufgrund des Konsums von Pornographie Frauen/Mädchen in ihrem Recht auf Würde, Leben, körperliche Unversehrtheit oder Freiheit verletzt“. Dabei meinte Schwarzer nicht nur brutale Pornos, sondern entwickelte ein breit gefächertes Feindbild, das „von den leider immer noch gewohnten ´Stern´-Bildern über die nuttig aufgemachten Mädchen in ´Bravo´ über die winselnden Hündinnen in ´Lui´ bis hin zu den neuen Zeitgeist-Pornographen“ wie „Wiener“ (dort waren im Juni 1986 gefesselte nackte Frauen präsentiert worden) reichte. (Spiegel 50 1987)

Klageobjekt "Stern"
Klageobjekt "Stern"
Klageobjekt "Stern"
Klageobjekt "Stern"
Klageobjekt Verkehrswerbung des Hamburger Verkehrsverbundes
Klageobjekt Stadtwerbung Basel

“Emma“ selbst pornographisch, 1987

Emma, das Feministinnenblatt, wurde 1987 selbst vom Fachhandel wegen „beispielloser pornographischer Darstellungen“ boykottiert. Angewidert hatten sich Frauen der „Emma“- Redaktion für eine Pornostudie mit einschlägigen Videos und Magazinen der boomenden Pornoindustrie beschäftigt. Das Ergebnis wurde in den letzten Nummern des Jahres 1987 veröffentlicht. Die mit Bildern unterlegten Berichte wurden u.a. folgende Beispiele vorgestellt: „Eine Frau, die einer anderen den After leckt. Eine Frau, die in allen zur Verfügung stehenden Löchern Schwänze stecken hat.“ Daraus leitete frau zwar ein Verbot der Pornographie her. Die Zeitung selbst aber geriet in den Verdacht. Viel Händler weigerten sich die Nummer zu vertreiben. Vorab hatten die Münchner Anwälte Wolfgang Auer und Wolfdieter Kuner in einem eiligen Fernschreiben an die Zeitschriften-Händler wissen lassen, dass der Vertrieb der Novemberausgabe strafbar sei. Dem Frauenblatt taten die Anwälte kund, das es bei seinem Kampf gegen den Sittenverfall selbst „harte Pornographie“ vertreibe. Auch für „Emma“ gelte der Paragraph 184 Absatz drei des Strafgesetzbuches bzgl. eines „generellen Vertriebsverbotes.“ Vor allem die Abbildungen auf Seite 24 erregten die Herren. Dort wurden Bilder von „illegalen Pornos mit Kindern und Tieren“ gezeigt. Die Bundesprüfstelle allerdings sah keinen Anlass Emma auf den Index zu setzen. (Spiegel 47 1987)

Verklagte "Emma"-Ausgabe

Gabriela Sabatini: "sexistisch" fotografiert, 1987

Die Aufnahme wurde als "sexistisch eingestuft und verurteilt. Sinnigerweise wurde sie exakt so von der Sdt. Zeitung noch einmal abgedruckt mit der Unterzeile "Dieser ebenso überflüssige wie sexistische Schnappschß..." (Spiegel 24 1988)

“Tempo“ und der „Verfall der Sitten, November 1987

Ärger wegen des „Verfalls der Sitten“ bekam 1987 das Hamburger Zeitgeistmagazin Tempo zu spüren. In der November- Ausgabe war ein Bericht über das Geschäft mit harten Video- Pornos veröffentlicht worden. O-Ton: „In fünf Millionen Wohnzimmern wird täglich gevögelt und geblasen – auf dem Bildschirm“. In der Folge durfte „Tempo“ z.B. in Bayern einen Monat lang nur unter dem Ladentisch gehandelt werden. Damit verschwand gleichzeitig eine ein Bericht über die Verbindung zwischen den Münchner Kommerzsender „TV Weiß-Blau“ und Franz Georg Strauß, dem Sohn des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten. Überschrift: „Strauß jr. – Alpen-Dalles im Bayernland.“ (Spiegel 47 1987)

Indizierte "Tempo"

Gottfried Helnwein: „Lulu“, Hamburg 1988

„Die Vereinigung Deutschsprachiger Bürgerinitiativen zum Schutz der Menschenwürde in Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Luxemburg, Österreich und Schweiz“ erstattete 1988 Strafanzeige gegen ein Helnwein-Plakat für Peter Zadeks „Lulu“- Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus. Es zeigt einen kleinwüchsigen Mann, der einer Frau in den entblößten Schritt blickt. Die "Leitstelle Gleichstellung der Frau" beim Hamburger Senat" wertete das Plakat als "eindeutig frauendiskriminierend". (Spiegel 7 1988)

Helnweins "Lulu"

Architekturzeitschrift Bauwelt Nr. 4 1986

Das traditionsreiche Wochenblatt "Bauwelt" hatte sich den Spaß erlaubt, einen Bericht über schräge Innenarchitektur am Wiener Börseplatz mit Fotos von leicht bekleideten Frauen (Dollarnoten in Dekollete und Strumpfband) zu garnieren. Die beanstandeten Annoncen zeigten noch weniger: Knie und Wade flotter Geschäftsfrauen, dazu die Empfehlung: "bauweltlesen". Daraufhin setzte der Protest ein: "Zum Kotzen" sei die jüngste Ausgabe gewesen, hieß es in Zuschriften an die Redaktion, "saublöd" und "reaktionär". Das Heft mit den "geilen Weibern" gehöre den Redakteuren "um die Ohren geschlagen" - so "extrem frauenverachtend", so "geballt frauenfeindlich" sei es. Und die Werbung dafür, in Faltblättern und Annoncen verbreitet, sei gleichfalls eine "dicke Sauerei": "sexistisch". (Der Spiegel 8/88)

Frankfurter Peepshows sittenwidrig, 1989

Das rot-grüne Frankfurt schloss sämtliche Peepshows wegen Sittenwidrigkeit. Denn, so das Ordnungsamt in Frankfurt: die Zurschaustellung komme einer „entpersonifizierten Vermarktung der Frau“ gleich und müsse deshalb verboten werden. Dem Amt missfiel, dass „durch das System der Einzelkabine bewusst die Möglichkeit der Selbstbefriedigung und deren kommerzielle Ausnutzung“ geschaffen werde. (Spiegel 28 1989)

Sittenwidrige Peepshow in Frankfurt

"Sexistische" Nudelwerbung, 1989

Die Grünen-Abgeordnete im bayrischen Landtag, Ingrid Psimmas, empörte sich über ein als PR-Gag gedachtes Plakat, „welches zum Verzehr ihrer Nudeln gleichsam zumindest den optischen Verzehr eines Busens mit anbietet.“ Dies stufte sie als „frauenfeindliche sexistische Werbung“ ein. (Spiegel 32 1989)

Schnaps: Busengrapscher und Schlüfperstürmer, vermutlich neunziger Jahre

Wegen "Frauenfeindlichkeit" der Etiketten wurden die kleinen Schnapsflaschen geächtet.

Etiketten von Schnapsflaschen

Tomi Ungerer: Werbeplakat für den Blumenkorso des elsässischen Sélestat, Frankreich1990

Eine Frau, die sich nur leichtbekleidet auf einen Gorilla stützt, brachte den französischen Familienverband in Rage. Der Vorwurf: "ein demütigendes und erniedrigendes Bild der Frau", das an die "niedrigsten Instinkte" appelliert. Das Werbeplakat wurde dennoch verteilt und ausgehängt. (Spiegel 30 1990)

Tomi Ungerer: Werbeplakat für den Blumenkorso des elsässischen Sélestat

Werbeplakate der "Bild": "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex." 2002

Die Werbung der "Bild"-Zeitung mit einer freizügig bekleideten Lolie an Münsteraner Bushaltestellen rief die Frauenbeauftragte der Bischofsstadt auf den Plan und zeigte sich solidarisch mit vorwiegend Beschwerde führenden Frauen: „Die Anruferinnen weisen vor allem darauf hin, dass hier das Bild von Frauen entworfen wird, die sexuell ständig zu Verfügung sind und nichts anderes als Sex im Kopf haben. Gerade der Lolita-Typ auf dem Plakat scheint den `Papi` animieren zu wollen, haben mir Frauen gesagt, die solche Erfahrungen machen mussten. Die Plakate forderten zu sexuellem Missbrauch geradezu auf und das in einer Stadt, wo man viel zur Abwehr von Gewalt gegen Frauen tue. Und schließlich könnte z.B. Ausländern vermittelt werden, dass in Deutschland ´alles und alle zu haben seien`“. (MZ 12.11.2002)

"Bild"-Werbeplakat "Lolita", Münster 2002


Caritas feuert Mitarbeiterin: Zu nackt für den guten Zweck. 2003

Ihr Vergehen: Sie hatte sich für einen Kalender ausgezogen, dessen Erlös einem guten Zweck zukommen wird. "Der komplette Erlös geht an die Kinderkrebs-Station der Uni-Klinik", erklärt sie. Der Fotograf verzichtete auf sein Honorar, die Druckerei stellte den Kalender auf eigene Kosten her. Die Caritasleitung der Diözese Würzburg teilte zu dem Rauswurf mit: Zwar sei die Entscheidung der Dienstleiterin nicht mit dem Verband abgesprochen gewesen - aber man "respektiere" sie. Die Aktion der Mitarbeiterin entspreche nicht den "Zielen und Wertvorstellungen der katholischen Krankenhaushilfe", hieß es in einer knappen Erklärung. ((WN 18.12.2003)



“Bild“-Glückwunsch and die „taz“, 2004

Kai Kiekmann, damals Chefredakteur der „Bild“ hatte der Berliner „taz“ zum 25. Geburtstag eine Anzeige mir einem Pin-up geschickt: die wurde nicht gedruckt. Der Text lautete: „Zum Geburtstag schenkt euch „Bild“ eine Mieze“. Auf dem Aktfoto war eine Blondine zu sehen. Statt des Bildes erschien ein grauer Text: „Bild gratuliert der tageszeitung zum 25. Geburtstag.“ (Spiegel 17 2004)

"Bild"-Glückwunsch an die taz

Kampagne für ein gebührenfreies Erststudium: „Auf die Länge kommt es an“, NRW 2005

Sylvia Löhrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag NRW, sorgte mit einer Kampagne für das gebührenfrei Erststudium unter männlichen Parteifreunden und überzeugten Feministinnen für Unbehagen. Eine E-Card, die im Internat auf das Studienthema aufmerksam machen sollte, zierte eine ansehnliche junge Frau und dem besagten Slogan: „Politisch unkorrekt“ grummelten die Gegner, der provokanten Aktion. (Spiegel 4 2005)

Plakat zur missverständlichen Kampagne

„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“, 2005

Die Aktion des Veranstalters „25peaces“ wurde in Österreich heftig diskutiert. SPÖ, FPÖ, Feministinnen und die Boulevardpresse entrüsteten sich über großformatige Plakate, die im öffentlichen Raum anlässlich des turnusmäßigen EU-Vorsitzes Österreichs gezeigt wurden. U.a. wurden die Queen, George W. Bush und Jacques Chirac in eindeutigen Posen präsentiert und in Anlehnung an Courbet eine Frau mit weit gespreizten Beinen und nur mit einem knappen, 15 EU-Sterne tragenden Slip bekleidet, gezeigt. Der österreichische Staatssekretär für Kunst verurteilte die Plakate der Europa-Kampagne als „sexistisch“ und „die Menschenwürde verletzend“. (Welt 30.12.2005)

Plakat aus der Serie:„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“

“Penthouse“-Werbung sexistisch, Münster 2006

2006 verurteilte in Münster die Bezirksvertretung Münster-Mitte eine Werbekampagne des Magazins „Penthouse“. Einstimmig votierten die Politiker für eine von der CDU eingebrachte Resolution gegen die Werbeposter die „auf städtischen Werbetafeln (Bushaltestellen, freistehende Werbetafeln) ausgehängt waren“ als eine „Herabwürdigung von Frauen“. Auch sollte zukünftig vertraglich vereinbart werden, dass keine Werbekampagnen mehr, „die Personen auf ihre sexuelle Funktion reduzieren und / oder deren ständige sexuelle Verfügbarkeit nahe legen“ ausgestellt werden. Auf dem Poster sei „eindeutig eine Frau zu sehen, die sich sexuell andient,“ urteilte CDU-Politikerin Antje von Ungern-Sternberg. (WN 17.8.2006)

CDU-Frauenunion gegen „Bravo“-Witze, Coesfeld 2008

Die CDU-Frauenunion des Kreises Coesfeld beklagte sich 2008 über die Seite: „Darüber lachen Jungs“ in „Bravo Girl“ und schickte deshalb Protestbriefe an Chefredaktion: Die Witze verherrlichten Gewalt gegen Frauen, seien diskriminierend und extrem frauenfeindlich, lautete der Vorwurf. (WN 22.1.2008)

Fotos von Delegiertenfrauen im Türkischen Bad, Türkei 2009

Walter Hill, der britische Generalsekretär der Internationalen Handelskammer ICC wetterte gegen die „grobe Verletzung der Intimsphäre“ durch türkische Boulevard-Zeitungen und drohte mit Strafanzeige. Der Hintergrund: Die Ehefrauen von Delegierten waren in ein Türkisches Bad eingeladen worden. Eine türkische Fotografin hatte diese dann beim Bad und Tanz aufgenommen und in den Zeitungen „Son“ und „Günaydin“ präsentiert. (Vermutlich Spiegel 26 2009)

Private Fotos vom Baden

Fete der Wirtschaftswissenschaftler der WWU Münster laut ASTA "sexistisch", Münster 2009

Auf der besagten Fete tanzten u.a. ein paar Gogo-Girls und eine weibliche Schönheit entblätterte sich bis hin zu gänzlich nackten Tatsachen. Der ASTA reagierte mit einem offenen Brief: Frauen würde durch solche Party zu "Werbe- und Sexualobjekten" herabgewürdigt. (WN 27.11.2009)


Ärger mit Stones-Toiletten in Lüchow, 2012

Für die Rolling Stones hat der ehemalige Banker Ulrich Schröder in Lüchow ein eigenes Museum errichtet, das aufgrund seiner Toiletten für reichlich Wirbel sorgte: Die seien nämlich angeblich frauenfeindlich. Die Diskussion begann mit einem Bericht über das Museum in einer lokalen Zeitung begann. Was folgte war eine Welle von Leserbriefen, in denen von „unverhohlener Diskriminierung“ und „frauenverachtender Entgleisung“ die Rede war. Weil die Stadt auch noch 100 000 Euro für die Verwirklichung von Schröders Museum zugeschossen hatte, wurde auch noch Steuerverschwendung vermutet. Ausgelöst haben den Wirbel zwei Pissoirs in der Herrentoilette des Museums. Die „Kisses“-Urinale der niederländischen Künstlerin Meike van Schijndel sind eng an das Logo der Rocker angelehnt – geformt wie weit aufgerissene Münder, die Öffnungen eingerahmt von knallroten Lippen. Nur die Zunge fehlt. Vor Jahren gab es wegen dieser Becken bereits wütende Proteste von Feministinnen in New York und Wien. „Es ist ein Aufschrei durch die Bevölkerung gegangen – allein bei mir hat sich etwa ein Dutzend Frauen beschwert“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Marianne Jönsson-Olm von der Samtgemeinde Lüchow. Die Urinale halte sie für nicht zumutbar, betonte sie. „Das ist Kunst“, verteidigte Schröder seine Becken. Und frauenfeindlich seien sie auch nicht: „Beim Originalmund der Stones mit der berühmten Zunge ist auch gar nicht klar, ob das ein Männermund oder ein Frauenmund sein soll“, so Schröder. Und während in New York die Urinale nach Protesten von Frauenrechtlerinnen entfernt wurden, sollen sie in dem Stillen Örtchen im ruhigen Lüchow noch immer zu finden sein: „Das bleibt alles so, wie es ist“, erklärt Schröder: „Da wird nix abgebaut, die bleiben dran!“ (u.a. Focus online 29.1.2012)

Ford-Werbung: Gefesselte Frauen im Kofferraum, Indien 2013

Der Autobauer Ford musste in Indien Abbitte leisten: Versehentlich sei eine Werbe-Karikatur veröffentlicht worden. Darin sitzt der für seine sexuellen Eskapaden bekannte ehemalige italienische Premier Berlusconi am Steuer eines Ford. Im geräumigen Kofferraum: gefesselte Frauen. Autobauer Ford:. „Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst und stimmen mit unseren Agenturpartnern darin überein, das dies nie hätten passieren dürfen“, hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung von Ford India. Die große indische Werbeagentur JWT hatte die Cartoon-Werbestrecke für Ford entworfen, am Wochenende war diese dann ohne Zustimmung des Autokonzerns vorab im Internet erschienen. Für Empörung hatte vor allem eine Zeichnung gesorgt, die mehrere gefesselte Frauen im Kofferraum eines Ford Figo zeigten, an dessen Steuer der feixende italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sitzt. Darüber stand der Slogan: „Lass deine Sorgen hinter dir mit Figos extra-großem Kofferraum“.(Focus online 26.3.2012)


"Tagesschau": Wirbel um Bein-Aufnahmen von FDP-Politikerin Katja Suding, 2015

Ein kurzer Kameraschwenk in der ARD-"Tagesschau" sorgte im Januar 2015 für Wirbel: In einem Bericht über das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP wurde Katja Suding, Hamburger Fraktionsvorsitzende der Liberalen, gezeigt. Ein Kameramann filmte dabei für mehrere Sekunden die Beine der 39-Jährigen - erst danach bekamen die Zuschauer das Gesicht von Suding zu sehen. Die Altherren-Ästhetik der ARD sorgte u.a. bei Twitter und auf Facebook für heftige Kritik. Danach reagierte der Sender. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, schrieb in einem Blog-Eintrag selbstkritisch: "Es ist einer dieser Schwenks, die wir in den 80er und frühen 90 Jahren noch gesehen haben und der gerne mal die Vorlage für Altherrensprüche lieferte." Er nehme an, der Kameraschwenk sei von einem Menschen aus der Schule und der Geisteshaltung vergangener Jahrzehnte produziert, der diese Darstellung besonders apart fand. "In jedem Fall aber, und dies ist mein selbstkritisches Fazit, hätten wir diese Einstellung in dem Beitrag beanstanden und austauschen sollen." (WN 8.1.2015)


Tilo Jung: Sexismus per Instagram, 2015

Die Bilderserie zeigt eine junge Frau, die im Bikini am Strand geht und schließlich - den Fuß eines Mannes im Rücken, im nassen Sand landet. Zum Weltfrauentag verwendete der Journalist Tilo Jung diese Bildfolge. "Women's Day", schrieb Jung unter die Bilder, und schickte diese Botschaft via Instagram raus. Kurze Zeit später entlud sich ein Shitstorm via Twitter über Jung, in dem er als Sexist verurteilt wurde. (FAZ 13.3.2015)


Mitarbeiter muss Firmenauto mit sexy Motiv hinnehmen, Mönchengladbach 2015

Ein Lieferwagen mit auffälliger Werbung sorgte in NRW für Ärger. Das Bild auf der seitlichen Schiebetür suggerierte einen Blick ins Innere – auf die nackten Beine einer anscheinend auf Kaffeebohnen liegenden Frau, die gerade ihre roten Pumps abstreift. Einmal fuhr der 49-Jährige Zulieferer mit diesem auffälligen Kastenwagen und hatte direkt den Unmut einer Kundin abbekommen: "Wie kann man mit so einem sexistischen Fahrzeug fahren?!", habe die gesagt. Am nächsten Tag stand der Wagen schon fertig beladen parat. Es kam zum Streit, bei dem der Fahrer sagte: "Mit so einem Puffauto fahre ich nicht." Es folgte die Kündigung, die vor Gerichts als rechtens angesehen wurde. (WN 15.10.2015)

Sexismus: Objekte, Fotos, Plakate, Titelblätter - nicht beanstandet

Stern Titel Nr. 34 1997

Stern Titel Nr. 17 1998

Stern Titel Nr. 31 1998

Spiegel Titel Nr. 12 1999

Männerstrafen

Teilnahme an einer Schönheitskonkurrenz: aus der Armee entlassen, England 1970

Sue Bowater, weiblicher Offizier der britischen Royal Airforce, musste ihren Dienst quittieren. Die junge Frau hatte bei einer Schönheitskonkurrenz im einteiligen Badeanzug auf dem Laufsteg zuviel Haut gezeigt und war deshalb von ihrem Kommandeur gerügt worden: ein Offizier dürfe nicht „halbbekleidet in der Öffentlichkeit“ auftreten. (Spiegel 45 1970)

Foto, das zum Rauswurf führte

Freizeit-Nacktmodell: College Rauswurf, England 1973

Chloe Armstrong, Kinderpflege-Schülerin hoffte auf eine neue Karriere: Das Freizeit-Nacktmodell hatte für Oxfords Unversitätszeitung „Cherwell“ Rücken an Rücken mit deren Chefredakteur David Soskin posiert. Während der Blattmacher mit einer Rüge und einen Geldbuße von einem Pfund davon kam, wurde die Hauptdarstellerin vom College verwiesen. (Spiegel 6 1973)

Foto, das zum Rauswurf führte

Fiona Richmond nackt mit Fußballern, England um 1980

Die britische Nackt-Akrtice ließ sich gleich mit der gesamten Elf des englischen Drittligisten Crystal Palace bei Wasserspielen ablichten. Das erhitzte die Gemüter der Fußballverbandsfunktionäre so sehr, dass mit Sanktionen drohten, weil das Foto der gemischten Wannen-Mannschaft „dem Ansehen des britischen Fußballs schade“.

Gemischtes Bad

Polizistin Carol Shaya im Playboy, USA (80er vermutlich)

Weil sie für den Playboy posiert hatte, wurde die rotblonde Schönheit aus dem New Yorker Polizeidienst entlassen. Sie habe, so hieß es, die Würde des Amtes verletzt Kurz darauf tauchte mit Eddie Mallaia ein nachlässig gekleideter Cop in der Fachpresse auf: er durfte im Dienst bleiben. (Stern und online)

Polizistin Carol Shaya im Playboy

Börsenmaklerinnen als „Playmates“: gekündigt, NY 2009

Lisandra Trujillo, Ex-Börsenmaklerin, und sechs weitere Frauen von der Wall Street hatten sich für die August-Titelgeschichte (1989) des amerikanischen „Playboy“ unter dem Titel „Women of Wall Street“ weitgehend ausgezogen. Das war den mächtigen Herren der Wallstreet zuviel: Sechs der sieben Börsianerinnen verloren nach der Photosession ihren Job. (Spiegel 31 1989)

Foto aus dem "Playboy": Robin Mormelo
Foto aus dem "Playboy": Lisandra Trujillo

Barbusige Soldatin unter Arrest, Israel 1995

Eine israelische Soldatin der Luftwaffe (Name geheim) posierte 1995 barbusig mit Schlamm, Maschinenpistole. Die Vorgesetzten waren nicht entzückt. Weil sie gegen das "Armeeverbot" verstoßen habe, stellten sie die junge Dame unter Arrest. (Stern 10 1995)

Beanstandetes Foto der Soldatin

Forschung und Lehre

Kriegshistoriker Martin van Creveld von der Uni Trier freigestellt, 2011

Nach van Crevelds ersten Vortrag entließ die Uni ihren berühmten Gastdozenten. Studenten hatten sich über frauenfeindliche Thesen des Kriegsfachmanns beschwert. Es folgte ein formaler Beschwerdebrief des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), in dem werden van Crevelds Thesen als "frauenfeindlich, militaristisch, latent antiisraelisch, nicht zuletzt vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv" bezeichnet. Zusammen mit einer Reihe linker Hochschulgruppen forderte der Asta vier Tage nach dessen Einstandsvortrag die Entlassung des Gastdozenten.Kurz darauf gab die Uni Trier bekannt, dass die Zeit des Historikers als Visiting Fellow vorzeitig beendet werde. Der Vortrag, der den Ärger auslöste, trug den Titel "Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur". Van Creveld hatte darin unter anderem die These aufgestellt, viele Frauen würden es "genießen, dabei zuzuschauen, wie Männer sich gegenseitig abschlachten". (Spiegel online 27.10.2011)

Werbung

Werbung für Fluglinien: "Fly me", 1972

Malaysia-Singapore-Airline warb mit "This girls in love with you", National Airlines (USA) mit "Fly me", die Ethiopian-Airlines mit "Wir haben die Hostess erfunden. 3000 vor Boing" und die englische Gesellschaft BOAC mit "Wollen Sie bei mir landen?" (wobei eine attraktive Hostess die Frage stellte). Alle Anzeigen stießen massive Kritik in der Öffentlichkeit. Die englische Gesellschaft zog ihre Anzeige nach einer Intervention eines britischen Unterhausabgeordneten zurück und in Amerika gingen sogar Hausfrauen auf die Straße und gegen das "Fly me" zu demonstrieren. Transparente mit Aufschriften wie "Stoppt den Mißbrauch der Frauen als Sexköder" oder "National-Werbung erniedrigt die Frauen" wurden dabei geschwenkt. (Spiegel 34 1972)

Umstrittene Airlines-Werbung
Umstrittene Airlines-Werbung
Umstrittene Airlines-Werbung

Unbeanstandet hingegen blieben (als Vergleich) 1968 Pin-up-Plakate der britischen Fischerei Gesellschaft "Ross Trawlers Group", die damit ihr Unfallquote auf den Schiffen senken wollte. Aufschrift: "Suzy liebt einen `vorsichtigen`Mann. Geh keine Risiken ein. Suzy will noch mehr von dir." (Spiegel 15 1968)

Plakete zur Unfallvermeidung

Frauenfeindliche Code-Werbung für Bordelle, 1975

Auf Geheiß der Polizei mussten West-Berliner Prostituierte und der Axel Springer Verlag den Code für Bordell-Anzeigen ändern. Aus Masseusen wurden Modelle,, Dienstleistungen, die sonst unter dem Codewort Massage angeboten wurden („zart oder streng“ oder „französisch total“ oder „bis zu totalen Entspannung“) mussten nun von Modellen „vorgeführt“ oder „photographiert“ „mit Können“ „sehr vielseitig“ heißen. Die neue Sprachreglung war aufgrund der Neufassung des „Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten“ vom Januar 1975 notwendig geworden. Danach handelt ordnungswidrig, wer etwa „entgegen einem Verbot eine militärische Anlage betritt“ oder „ein gefährliches Tier einer wild lebenden Art sich frei umherbewegen lässt“ und auch der, der „durch Verbreiten von Schriften Gelegenheit zur endgeldlichen Handlungen anbietet, ankündigt, anpreist.“ . Weitere Folgen der neuen Sprachregelung waren: Aus „zierliches Dingelchen, anschmiegsam“ wurden ein „zartes Aushilfsmodell, romantisch“ die „selbstlose Anfängerin“ mutierte zum „Amateurmodell, vielseitig“ die „Sado-Therapeutin“ zum „dominanten Supermodell“, statt „vollbusig, schlank“ hieß es jetzt „große Oberweite; Konfektionsgröße 38“, statt „reizende Gespielinnen massieren verführerisch“ nun „rassige Modell führen elegante Moden vor“. (Spiegel 28 1975)

Alte und neue Sex-Anzeigen

Andere Länder

England

“Playboy“-Cover-Girl Lily Cole, 2008

Das britische Fotomodell sorgte in der Heimat für handfesten Skandal. Cole hatte mit nichts als weißen Söckchen bekleidet und einer Schulmädchenzopffrisur auf dem Cover der Oktober Ausgabe des französischen Playboys posiert. Christliche Vereinigungen riefen wegen des schlüpfrigen Fotos zu einem Boykott der Warenhauskette Marks & Spencer auf, bei der Cole als Hauptwerbeträger unter Vertrag stand.(Spiegel Oktober 2008).

Krankenschwester auf den Werbeflächen von Bussen, 2010

Die Berufsvereinigung der Krankenschwestern sah sich durch eine Werbekampagne auf den Fahrzeugen einer englischen Buslinie als "sexy" verunglimpft und forderte den Stopp der Kampagne. (Daily Mail Online 16.2.2010)


Rat schlägt Verbot von Schwiegermutterwitzen ("offensiv sexistisch"), UK 2010

Schwiegermutterwitze, einmal das Fundament der britischen Komödie, wurden von dem Londoner Borough of Barnet verboten, weil sie "offensiv sexistisch" und "respektlos" gegenüber den Familienälteren seien zu "Familie Ältesten": "Humor kann unglaublich kultur-spezifisch sein und zu Fehlinterpretationen oder gar Straftaten von anderen Kulturen führen." (daily mail 26.9.2010)

EU

EU will sexistische Wörter vermeiden: Broschüre für "geschlechtsgerechten Sprachgebrauch", 2009

Polizeikraft statt Polizistin, fahrendes Personal statt Fahrer: Die Parlamentsverwaltung der Europäischen Union brachte 2009 eine Broschüre für "geschlechtsgerechten Sprachgebrauch" heraus mit dem Ziel, sexistische Wörter und Formulierungen in offiziellen Papieren zu vermeiden. Dafür hatte eine "hochrangige" Arbeitsgruppe unter der Leitung von acht Vizepräsidenten mit "der Anleitung für eine geschlechtergerechte Sprache" gearbeitet. Wörter in den Parlamentsveröffentlichungen, die als "einseitig, diskriminierend oder herabsetzend ausgelegt werden können", waren jahrelang gesucht und gefunden worden: "In manchen Sprachen ist das Element Mann in Ausdrücken enthalten, mit denen Frauen ebenso gemeint sind wie Männer: Fachmann, Staatsmann, Seemann," was für die Experten untragbar erschien: "Mit etwas Bemühung und Umsicht lässt sich zumeist eine auf die Geschlechter bezogene neutrale Ausdrucksweise finden." So fordern sie, in offiziellen Texten das Wort "Fahrer" durch "fahrendes Personal", den Begriff "Polizist" durch "Polizeikraft" und die Bezeichnung "Lehrer" durch "Lehrkraft" zu ersetzen. (Welt online 1.4.2009)

Frankreich

Werbung für „Lui“, Paris 1991

Anne Sinclair, Star-Journalistin im französischen Fernsehen, verwahrte sich gegen einen Aushang an Pariser Kiosken und Metro-Stationen. Auf Antrag von ihr untersagte das Pariser Amtsgericht dem französischen Herrenmagazin „Lui“, mit der auf Plakate gezogenen Titelseite der Juni-Ausgabe zu werben. Auf dem „Lui“-Cover hatte der französische Zeichner Melki die attraktive Moderatorin als leicht bekleidete Interview-Amazone karikiert. Außerdem wurden die Macher gezwungen, aus dem Heft eine Doppelseite zu entfernen, auf der die Brünette mit dem tiefblauen Blick von Melki als peitschen schwingende Domina dargestellt war. Den Antrag der Journalistin, das ganze Heft vom Markt zu nehmen, lehnte das Gericht ab. (Spiegel 25 1991)

Beanstandete „Lui“ mit Anne Sinclair

Japan

Stewardessen von Skymark Airlines: Outfit im Sixties-Look, Tokio 2014

Stewardessen der japanischen Fluggesellschaft Skymark fürchteten 2014, dass die knappen blauen Kleider ihnen mehr Aufmerksamkeit bescheren, als sie sich wünschen. Die superkurzen Kleider seien sexistisch, hieß es a in Kommentaren im Internet. Auch die Gewerkschaft der Flugbegleiter bemängelte, dass die Kleider im Sixties-Look nicht einmal die Oberschenkel bedeckten und zeigte sich besorgt, dass es dadurch zu sexuellen Belästigungen an Bord kommen könne.Die Fluggesellschaft Skymark wolle nach eigenen Angaben mit dem neuen Outfit mehr Kunden anlocken, konstatierte die Gewerkschaft. "Das zeigt nur, dass die Airline Frauen wie eine Handelsware betrachtet." Auf der Gewerkschafts-Website äußerten Flugbegleiterinnen die Angst, dass Passagiere sie anstarren oder mit Handys unter ihr Kleid fotografieren könnten."

Kanada

Pamela Anderson: "Alle Tiere haben die gleichen Teile", 2010

Die Vegetarierin posierte für ein Plakat der Tierschutzorganisation Peta in einem Bikini. Dazu war ihre ganzer Körper wie auf einer Schautafel beim Schlachter beschriftet: "Alle Tiere haben die gleichen Teile." Die Behörden in Montreal klassifizierten die Anzeige als sexistisch und untersagten die Plakatierung. (Spiegel 31 2010)

Neuseeland

Werbung Air New Zealand: Jagd nach Frischfleisch, 2010

Wie Raubkatzen, die auf der Jagd nach beute sind, wurden Frauen in einem Video bei der Fluglinie Air New Zealand dargestellt. Aufgerufen waren ältere Frauen, die "hinter jüngeren Männern her sind" (Vorliebe für "Frischfleisch"), sich für einen Wettbewerb entsprechend in Pose ablichten zu lassen. Die Werbung löste heftige Kritik vor allem bei der Organisation "Rape Prevention Education" (einer Organisation zum Kampf gegen Vergewaltigungen) aus, die die Werbung als rassistisch und Frauen abwertend empfand. (welt online 20.1.2010)

Frauen mit Vorliebe für "Frischfleisch²

Österreich

"Hirter"-Bierwerbung mit nackten Damen: "sexistisch", 2010

Drei Damen als Werbesujet erzürnten 2010 ob ihres Verzichts auf Oberbekleidung die SPÖ-Frauen. Auf einem Plakat waren nämlich die Oberkörper dreier Damen zu sehen, die bis auf ein Bierglas nichts tragen und deren Haarfarbe der jeweiligen Biersorte wie zufällig gleicht. Kritik kam von Frauenverbänden und aus der Politik: "Da die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft in Sachen Sexismus nicht ausreichend ist, wird Wien hier eine Vorreiterrolle einnehmen." Konkret wurden auf der Homepage frauen.wien.at zwei Musterformulare (unter entsprechendem Logo, siehe links) bereit gestellt, die peinlich berührte oder schwer verärgerte Bürger an betroffene Unternehmen und den Werberat senden können. Für Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des Linzer Meinungsforschungsinstituts Market, war die Aufregung rund um die bierige Werbung mit nackter Frauenhaut "nichts als heiße Luft" . Beutelmeyer: "Viel Lärm um nichts. Es ist eine freche Werbung und sicher kein Eigentor für die Brauerei. Vielmehr eine gelungene Kommunikationsstrategie." (DER STANDARD; Printausgabe, 29.7.2010)

Schweden

Sexismus: Frau als „Blickfang“ benutzt, 1991

Helen Wellton, Chefin einer schwedischen Computerfirma wurde wegen „Frauendiskriminierung vom ethischen Rat Schwedens gerügt. Die Unternehmerin hatte in Zeitungsanzeigen mit einer „sexy“ aufgemachten Frau (Löwenmähne, tief ausgeschnittenes Dekolleté) geworben. Ihr wurde vorgeworfen, die Frau nur als „Blickfang“ genutzt zu haben. (Spiegel 39 1991)

Gerügte Werbung


Spanien

Tennis-Ballmädchen als „Dekoration“, Madrid 2004

Beim Masters Turnier in Madrid sorgten 2004 die Ballmädchen für Diskussionen. Als Werbegag hatten die Veranstalter Models engagiert, die einmal am Tag beim „Topspiel des Tages“ die Bälle aufsammeln sollten. Das spanische Arbeitsministerium sah darin eine Form des Sexismus und forderte den sofortigen Abzug: „Die Frauen werden als bloße Objekte der Dekoration missbraucht“, beschwerte sich die Beauftragte für Gleichstellung. (WN 22. 10 2004)

Heftig diskutiert: Ballmädchen

Soledad Sánchez wirbt für die Demokratische Partei, Spanien 2011

Spitzenkandidatin der winzigen "Demokratischen Partei" für Die Spitzenkandidatin der DP hatte sich für das Bürgermeisteramt auf Menorca beworben. Ein Wahlplakat zeigte sie mit entblößtem Oberkörper und dem griffigen Wahlkampfmotto: "Zwei große Argumente". Die Mitbewerber der Republikanischen Linken sorgten für ein Verbot, "wegen sexistischen Missbrauchs eines Frauenkörpers für unangemessene Zwecke". Sánchez zeigte empört: "Ich mache mit meinen Brüsten, was ich will." (Sdt. 16.17.4.2011)

Zensierte Fassung
Unzensierte Fassung

USA

Lucifer´s friend: "Sneak me in", 1980

Nach Protesten amerikanischer Frauenverbände wurde das ursprüngliche Cover für den US-Markt entschärft. Auch der deutsche "Musikexpress" (Nr. 9 1980) verurteilte das Cover als "sexistisch".

Unzensierte deutsche Fassung
Zensierte amerikanische Fassung

“Newsweek“: „Busenfreier“-Titel, 1982

Eine busenfreie Frau auf dem Titel des Nachrichtenmagazins „Newsweek“ empörte 1982 Amerika. Das Titelblatt der 2,95 Millionen-Auflagestarken Zeitschrift vom 7.Juli 1982 zeigte ein busenfrei William Baileys „Porträt der S“ . Überall im Land weigerten sich Geschäftsleute das Nachrichtenmagazin mit einem solchen Schocker anzubieten. Allein 131 Geschäfte der Giant-Kette weigerten sich im Raum Washington die Newsweek zu verkaufen. Mit dem „Porträt der S“ erschien zum ersten mal in der amerikanischen Pressegeschichte ein unbekleideter Mensch auf der Titelseite eines amerikanischen Nachrichtenmagazins. (Spiegel 24 1982)

Umstrittene Ausgabe von Newsweek


Feuerwehr-Kalender, USA 1988

Dan Haeck, Chef der Freiwilligen Feuerwehr von Pleasant Hills bei Pittsburgh, sorgte mit einer neuen Kalenderidee für Proteste durch Feministinnen: Ein Kalender mit Einsatzphotos, die durch freizügige Models angereichert wurden. Der Kalender fand zwar reißenden Absatz, führte aber auch zu Protesten. Den Sexismus-Vorwurf konterte Haeck mit dem Hinweis: "Besser, die Gemüter der Leute erhitzen sich an dem Kalender, als daß ihre Häuser ohne ihn abbrennen." (Der Spiegel 47 1988)

Foto aus dem Kalender
Fotos aus dem Kalender

„Old Milwaukee Beer“- Werbung, 1991

Lori Peterson, Anwältin aus Mineapolis, verklagte eine amerikanische Großbrauerei wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Die Brauerei hatte mit einem leicht geschürzten “schwedischen Bikini-Team“ für ihr Bier geworben. Die Begründung für die Klage lautete: „Diese Anzeigen signalisieren den männlichen Angestellten, dass Frauen, dumme, scharfe Betthasen sind.“ (Spiegel 48 1991)

Umstrittene Bierwerbung

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: T-Shirts und Hot Pants, USA 1993

Lori Peterson, Rechtsanwältin USA Minnesota, vertrat 1993 eine Klage in einem „besonders krassen“ Fall von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Ihre Mandantinnen, drei Kellnerinnen der amerikanischen Restaurant-Kette „Hooters“ behaupteten, Manager hätten ihnen extrem knappe T-Shirts und Hot Pants als Dienstkleidung verpasst. U.a. waren dabei T-Shirts mit dem Aufdruck „More than mouthful“, wobei die beiden „Os“ eine weibliche Brust symbolisierten. In einem weiteren Klagepunkt verlangte Peterson, dass die Restaurantkette ihren Namen ändere: Hooters bedeutet im Slang soviel wie „Titten“. (Spiegel 20 1993) „Sexistisches“ T-Shirt

Beanstandetes T-Shirt von Hooters

Saturday Night Life-Sketch über eine "Sprach"-Reise nach Thailand, 2013

In dem Sketch wird gezeigt, wie Männer auf einer "Sprach"-Reise mittels eines Computerprogramms Phrasen lernen wie "Wie viel?" oder "Ist das für die ganze Nacht?". Die Kulturministerin von Thailand Khunploem beschwerte sich daraufhin bei der UN-Botschaft und verlange, dass das Video von der Plattform Youtube entfernt werden sollte, da es den Sextourismus unterstütze. (FAZ/ 17.2.2013)


Kiss Cam wegen sexueller Belästigung abgeschalter, 2015=

Die Kiss Cam, die Zuschauer in den uSA zu den Sitznachbarn bewegen soll wurde an der Syracruse University ausgeschaltet. Begründung: "Die Kamera verhamrlost sexuellen Mißbrauch und vermittelt Männern den Eindruck, Frauen auch gegen ihren Willen küssen zu dürfen", schrieb ein Leserbriefschreiber in der Presse. (FAZ 24.9.2015)

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