Musik - Lexikon

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Rockmusik: Interpreten und Zensur (alphabetisch)

AC/DC

In den achtziger Jahren tauchten in den USA Flugblätter auf, in denen zum Boykott von Plattenkäufen und Gigs der Gruppe AC/DC aufgerufen wurde. Vorgeworfen wurde den Schwermetallern, dass sie Satanisten seien. Zwar distanzierte die Gruppe sich umgehend von den Unterstellungen (Angus: „Irgend so ein Spinner hat mir mal 'nen Brief geschrieben, auch an Bon gerichtet, wo dieser ganze Schwachsinn drinstand. Die Leute sind doch krank.“), muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, selbst zum negativen Image beigetragen zu haben. So hatten sie ihr „C.O.D.“ nicht mit „cash on delivery“ (Barzahlung bei Bestellung) oder „cash on demand“ übersetzt, sondern mit „care of the devil". Auch Songs wie „Hells bells", „Evil walks“ oder „Hell ain't a bad place to be“ ließen zumindest eine gewisse Naivität im Umgang mit den dunklen Mächten erkennen. Die selbstgewählten Verkleidungen mit Teufelshörnern und Pentagrammen, etwa auf dem Cover von „Highway to hell", taten ein übriges, um die erhobenen Vorwürfe lebendig zu halten. Vor Gericht zitiert aber wurde AC/DC nicht wegen satanistischer Untriebe, sondern aufgrund obszöner Telefonanrufe, die sinnigerweise ein amerikanisches Ehepaar namens Norman & Marylin White aus Libertyville, Illinois, in Massen erhalten hatte. Ihre Telefonnummer 36 24 36 stimmte exakt mit jener Ziffernfolge überein, die AC/DC in dem Text von „Dirty deeds done dirt cheap“ (1976) besungen hatte. Das Management von AC/DC konterte die Klage mit dem Verweis darauf, das die Zahlen in Zweierblocks gelesen, lediglich die weiblichen Lieblingsmaße (in inches) der Bandmitglieder wiedergeben würden.

Die Ärzte

Laut „Rolling Stone“ hielten die Berliner Fun-Punker den Rekord an Indizierungen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (mittlerweile haben die „Böhsen Onkelz“ wohl noch mehr Index-Platzierungen). Gleich sieben stehen derzeit auf dem Index und dürfen nur „Ab 18“ unter dem Ladentisch verkauft werden. Ihr Song „Geschwisterliebe“ (Textauszug: „Noch sitzen wir hier und spielen Schach, aber gleich lege ich dich flach - das befriedigt meine Triebe ... Geschwisterliebe“) wurde von der Bundesprüfstelle auf Antrag einer besorgten Mutter aus Witten deshalb indiziert, weil der Text „auf Kinder und Jugendliche sozial-ethisch desorientierend wirken“ könne. Sogar das Magazin „Wiener“ (Nr. 3, 1987) wurde allein aufgrund der Tatsache indiziert, dass in ihm besagter Text vollständig abgedruckt worden war. Der öffentliche Bannstrahl mit entsprechenden Aufführungsverboten traf ferner bundesweit den Song „Claudia“ (Textauszug: „Claudia hat jetzt ein Pferd, mit dem sie ziemlich oft verkehrt“) sowie nur für Bayern den Song „Helmut K.“ (Textauszug: „Hannelores Tag ist grau, denn Helmut K. schlägt seine Frau“ oder „Neulich ließ die Hannelore mal was auf dem Teller, zur Strafe lud sie Helmut ein in seinen Folterkeller“). Diese Stücke würden, so befand u.a. das bayrische Innenministerium, „selbstzweckhaft Gewalt bzw. krankhaftes Sexualverhalten“ in drastischen Worten darstellen. Erklärtes Ziel der Texte sei es, „durch möglichst abweichendes bzw. brutales Verhalten Aufmerksamkeit zu erregen und Beachtung zu finden.“ Vor dem Amtsgericht in Kleve fanden sich schließlich Farin Urlaub (d.i. Jan Vetter), „Bela B.“ Felsenheimer und „The Incredible Hagen“ 1989 wieder, weil sie - sozusagen als Wiederholungstäter - und in einer Art Umgehung des Aufführungsverbotes auf einem Konzert die Instrumentalfassung von „Geschwisterliebe“ gespielt und das Publikum indirekt zum Mitsingen des bekannten Textes über den Inzest aufgefordert hatten. Und da keine Alterskontrolle am Eingang stattgefunden hatte, sei - so die Logik der Staatsanwaltschaft - der Tatbestand der Verbreitung von jugendgefährdenden Stücken erfüllt. Neben den Texten war es eine Zeichnung von John Willie, die die „Ärzte“ in Bedrängnis brachte. Die kaum sichtbare Graphik mit dem Motiv der gefesselten Gwendoline auf dem Cover der 1987 herausgekommen Platte „Ab 18“ sorgt mit dafür, dass die Platte sofort auf dem Index landete.

Die Platte „Ab 18“ wurde aufgrund von Text und Covergestaltung indiziert. Insbesondere wurde das Motiv von „Sweet Gwendoline“ aus dem gleichnamigen Comic von John Willie beanstandet, das eine gefesselte weibliche Figur auf der Rückseite (ungefähr 5 cm groß) in der rechten unteren Ecke zeigt. Es taucht in abgewandelter Form auch auf der Maxi und der Single „Gehen wie ein Ägypter“ (eine Verballhornung des Bangles Hits „Walk like an Egyptian“) auf. Die zuletzt genannten Platten hatten keinerlei Probleme mit der Zensur.

Die vorangegangenen Beispiele, sofern es die verwendete Symbolik betrifft, hatten eher zum Gegenstand, dass in Staat und Gesellschaft geächtete Symbole verwendet bzw. akzeptierte verunglimpft wurden. Im Fall der Ärzte-Maxi „Uns geht´s prima“ reichte allein die Darstellung eines allgemein akzeptierten Symbols auf einem Plattencover um abgestraft zu werden. Sie hatten das Cover der besagten Platte nämlich exakt mit jenem „roten Kreuz“ versehen, wie es auch die gleichnamige Hilfsorganisation verwendet. Diese war darüber nicht sonderlich erbaut. Es folgte ein „blaues Kreuz“ und später noch zahlreiche farbliche Abwandlungen davon.

Christina Aguilera

Ihre SM-artige Performance in dem Video „Dirty“ war der Grund dafür, dass die meisten Fernsehanstalten auf diesem Globus sich weigerten, den Clip zu senden. In den USA kam es nahezu zu einem flächendeckenden Ausstrahlungsverbot. Und in Thailand schaltete sich sogar die Regierung ein, die im Video Hinweise auf den Sextourismus im eigenen Land ausgemacht hatte. Aguilera kommentierte den Boykott nur beiläufig: „Der Clip ist sehr sexy, hat einige anrüchige Stellen, aber das ‚Dirty‘-Video ist genau so, wie ich es haben wollte.“ Auch ihr Video zu „Can't hold us down“ wurde von MTV wegen „obszöner“ Gesten nur entschärft gesendet. Das laszive Spiel in knappen Hotpants mit einem Wasserschlauch war den Damen und Herren von der Musikredaktion einfach zuviel, was dem Erfolg der Sängerin allerdings keinen Abbruch tat, wie die Grammy-Verleihung 2004 zeigte.

Marc Almond

Das Album „Mother fist and her five daughters“ - der Titel spielt auf eine Kurzgeschichte von Truman Capote an - gilt als das in England „am wenigsten gespielte“ Album der Popgeschichte. Sogar die Singleauskopplung wurde von der BBC boykottiert. Dem Ex-Soft-Seller wurde zudem empfohlen, besser kein eigenes Portraitfoto auf das Cover drucken zu lassen, weil er „als Schwuler“ die Jugend verderben könne und „bedrohlich auf die britische Bevölkerung“ wirke. Almond amüsierte sich köstlich über so viel Besorgnis: „Es ist wirklich lustig, wie viele Leute sich nicht einmal überwinden können, den Namen meines Albums auszusprechen.“

Ammer Einheit

Auf der CD „Deutsche Krieger“ von Andreas Ammer und FM Einheit werden in elektronischen Text-Klangcollagen aus Orignalaufnahmen, Sprachversatzstücken und Geräuschen Kaiser Wilhelm II, Adolf Hitler und Ulrike Meinhof im Kontext der deutschen Geschichte vorgestellt. In der Sequenz über Hitler ist z. B. das „Stille Nacht“ von Weihnachten 1941 neben der damaligen Kriegsberichtserstattung, Auszügen aus Hitlerreden und Techno-Gedröhn zu hören. Während der Bayrische Rundfunk die Teile über Wilhelm II. und Adolf Hitler produzierte und sendete, wurde der Part über Ulrike Meinhof abgelehnt. In Holland hingegen hatte man keine Probleme mit der RAF-Anführerin wohl aber mit dem Cover der CD, das nicht gedruckt werden sollte. Auf ihm ist Adolf Hitler abgebildet.


Die angefahrene Schulkinder

Mindestens zweimal interessierte sich die Staatsanwaltschaft für die Fun-Combo aus Osnabrück. Zunächst hatten die vier Spaßmacher in ihrem Song „Tötet Onkel Dittmeyer“ die Frage aufgeworfen, ob der aus Fernsehwerbung bekannte „Valensina"-Onkel ein Päderast sei. Das kommentierte der wirkliche Onkel mit den Worten „über Geschmack lässt sich streiten", um schließlich doch noch vor Gericht zu ziehen.Auf der Platte klang es so, als würden angeheiterte Countrysänger sich darüber Gedanken machen, was sie alles mit Steffi anfangen würden, wenn sie denn doch könnten. Strafrechtlich zwar unbedeutend, befand das Gericht, aber die zivilrechtlichen 60.000 DM Schmerzensgeld und die angehäuften Gerichts- und Anwaltskosten machten der Gruppe den Garaus. Selbst eine schriftliche Entschuldigung half da nicht weiter: „Sollte der Eindruck entstanden sein, die Angefahrenen Schulkinder hätten, Gleiche Unbill widerfuhr den Schulkindern mit der nachfolgenden Single „I wanna make love to Steffi Graf". Im Text wird eine sexuelle Beziehung der Tennisspielerin zu ihrem Vater unterstellt. Die Gräfin war „not amused“ und verklagte die Gruppe. Einer Anzeige wegen Beleidigung, Nötigung und Verbreitung pornographischer Schriften folgten länderübergreifende Beschlagnahmeaktionen in den Plattenläden. Die Gruppe reagierte mit einer neuen Version, die eindeutig zweideutiger war. Hatten die Osnabrücker Schulkinder in der ersten Fassung allzu laut über die Verwendung von Tennisschlägern bei der sexuellen Befriedigung nachgedacht, so ließen sie in der folgenden Version ganz ihren Wünschen freien Lauf: „I want to put my dudldi into her onkydonk". mutwillig verleumderische und falsche Tatsachenbehauptungen bezüglich moralisch verwerflicher sexueller Kontakte Steffi Grafs mit ihrem Vater aufgestellt, um sich dadurch zu bereichern, so bedauern die Angefahrenen Schulkinder dies außerordentlich.“ Dafür kam eine anonym herausgebrachte Privatpressung aus dem Untergrund auf den Markt, die das sexuelle Verhältnis auf dem Cover auch noch visualisierte.

Angelyne

Das singende Hollywood Starlet wurde 1986 in den USA nur leicht bekleidet auf übergroßen Werbeflächen präsentiert. Zur Folge hatte die öffentliche Zurschaustellung zahlreiche Verkehrsunfälle und eine Protestwelle ungeahnten Ausmaßes. Selbst Warenhausketten weigerten sich auf einmal harmlose Rock 'n‘ Roll-Blätter wie „Circus“ zu verkaufen, nur weil Angelyne darauf abgebildet war.

American Federal Communications Commission (AFCC)

Die AFCC unternahm als Einrichtung der amerikanischen Bundesländer zur Überwachung aller öffentlichen Rundfunkanstalten in den sechziger Jahren einen groß angelegten, aber letztendlich völlig wirkungsvollen Versuch zur Reinigung von doppeldeutigen Textstellen in Rock- und Popsongs.

Adam Ant

Weil Adam Ant und seine Gespielin in dem Clip zum „Strip"-Song lediglich in Unterwäsche herumturnten, wurde das Video von der englischen BBC boykottiert. Kommentar eines BBC-Sprechers: „Wer sein achtjähriges Publikum vergisst, der hat sein gesamtes Publikum vergessen.“

Anthrax

Bereits 1986, lange bevor das Schreckgespenst von Milzbranderregern in den Händen von Terroristen die Welt in Atem hielt, indizierte die Bundesprüfstelle das gemalte Cover der LP „Fistful of metal“ der Heavy Metal-Band mit dem ungesunden Namen wegen der Gewaltdarstellung.

Anti-Zensur-Kampagne in Deutschland

Sie wurde in den neunziger Jahren vom Alpha-Comic-Verlag ins Leben gerufen. Auf einer Benefiz-CD bezogen Gruppen wie die Die Ärzte, Fettes Brot oder Fischmob Stellung zum Thema Zensur. Alpha Comic ging später aufgrund der durch diverse Zensurfälle ausgelösten Prozesskosten und Vertriebsausfälle trotzdem pleite.

Anton aus Tirol

Auf einer Anwaltsseite im Internet heißt es dazu: „Wer darf sich ‚Anton aus Tirol‘ nennen? Jeder kennt das Lied von DJ Ötzi. Er und sein Manager/Produzent wollten verhindern, dass ein anderer Künstler, A, als ‚Anton aus Tirol‘ bei einem Auftritt auf dem Oktoberfest in München angekündigt wird. Daher haben sie einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung auf Unterlassung gegen den Betreiber der Festhalle in dem A auftreten sollte gestellt. Zu berücksichtigen war, dass der Manager des DJ Ötzi die Marke 'Anton aus Tirol‘ in seinem Namen registriert hat. Hingegen ist A schon seit 1998 unter dem Namen 'Anton aus Tirol‘ in Deutschland und Österreich aufgetreten und heißt mit bürgerlichem Namen Anton und … (stammt) ... aus Tirol.“ Das Landgericht München entschied am 9.11.2000, dass der Verfügungsbeklagte den Künstler A als 'Anton aus Tirol‘ ankündigen darf. Die Marke des Managers stehe dem nicht entgegen. Der A habe prioritätsältere Rechte an dem Namen, weil er ihn nachweislich seit 1998 benutze. Die Marke sei erst im Jahre 2000 angemeldet worden. Der Name sei hinreichend unterscheidungskräftig und diene auch als Künstlername der Identifikation des Namens-trägers. Der Verfügungsbeklagte könne sich auch auf die berechtigte Namensführung des A berufen, denn alles andere sei rechtsmissbräuchlich. Grundsätzlich hätten sie gegen A vorgehen können und dieser hätte sich auf sein Namensrecht berufen können. Eine andere Entscheidung zu Lasten des Verfügungsbeklagten sei nicht tragbar. Des weiteren war für das Gericht maßgeblich, dass bereits bestimmte vertragliche Vereinbarungen hinsichtlich der Namensnutzung zwischen DJ Ötzi, seinem Manager und A getroffen waren. Aus dem Schriftverkehr zwischen diesen Personen war zu entnehmen, dass die Berechtigung des A den Namen 'Anton aus Tirol‘ zu führen von DJ Ötzi und seinem Manager anerkannt worden waren. Ein Unterlassungsanspruch konnte auch nicht nach § 3 UWG begründet werden. Eine Irreführung der Besucher des Festzelts sei nicht glaubhaft gemacht worden. Denn A war aufgrund seiner Auftritte in Deutschland und Österreich nicht völlig unbekannt. Da auch ein erheblicher Teil der Besucher des Oktoberfests Ausländer sind, die das streitgegenständliche Lied nicht kennen, konnten diese nicht in die Irre geführt werden. Weitere Hinweise, dass das Publikum in die Irre geführt worden ist, konnten DJ Ötzi und sein Manager vor Gericht nicht glaubhaft machen.

A+P

Die LP „Same“ der deutschen Punkrock-Band A+P wurde 1981 auf Teldec 6.24616 herausgebracht, dem Label von Ralf Siegel, unserem Grand-Prix-King. Während in der 1. Auflage der Song „Dachau“ noch enthalten war und das Cover den A+P-Stacheldrahtschriftzug zeigte, wurde das Stück in der 2. Auflage gestrichen. Auch das Cover zeigt nun statt des Stacheldrahtes ein Foto der Band. Erst eine Bootleg-Version von 1993 und eine spätere limitierte Club-Auflage enthalten den umstrittenen Song „Dachau“ wieder. Text: In Dachau ist nichts mehr los In Buchenwald ist nichts mehr los In Belsen ist nichts mehr los In Auschwitz ist nichts mehr los Die Lager stehen leer es gibt keine Folterknechte mehr Die Öfen warten still bis einer wieder Menschen braten will Aus den Duschen fließt kein Gas und befriedigt den Rassenhass In Dachau ist nichts mehr los In Dachau ist nichts mehr los Im KZ war es doch so nett, nett, nett, ah Drum wählen sie die NSDAP, die macht alles wieder o.k. Sie werfen Bomben auf Kinder, doch große Ideale stehen dahinter, Sie wollen ein großdeutsches Reich, denn kein anderer kommt dem Deutschen gleich Die Ausländer müssen weg, für sie sind sie nur der letzte Dreck Sie treiben Wehrsport in Ruh, die Regierung drückt die Augen zu Sie haben nichts gelernt diese Idioten, nicht mal von Millionen Toten

Ash Ra Temple

Die 1992 mit Timothy Leary aufgenommene Platte „Seven up“ der deutschen Elektroniker erfreute sich bei der Drogenfahndung keiner besonderen Beliebtheit. Die Platte war programmatisch eigens zum 'anturnen' gemacht und soll unter dem fortwährendem Trip-Einfluß während der Einspielung aufgenommen worden sein

Atari Teenage Riot

Die deutsche Techno-Punk-Band bekam 2002 Ärger mit der Bundesprüfstelle, die auf Antrag des Bayerischen Landesjugendamtes ihre CD „The future of war“ aus dem Jahr 1997 auf den Index setzte. Bandleader Alec Empire fühlte sich missverstanden. Das Album sei eine eindeutig linke Kritik am modernen High-Tech-Krieg und eine Warnung vor einem Deutschland, das aus übersteigertem Nationalstolz die eigene Ausländerfeindlichkeit, den Antisemitismus und Rassismus strategisch ignoriere. Gegenüber dem Online-Magazin www.laut.de meinte er am 5.11.2002: „Die internationalen Medien begrüßten das musikalische, eindeutige Signal aus einem Deutschland, aus dem damals hauptsächlich Bilder von brennenden Asylantenheimen und Skinheads kamen.“ In der 14-seitigen Indizierungsbegründung meinte die Bundes-prüfstelle hingegen, die Songtexte seien von Aggression und destruktivem Verhalten geprägt. Die Aufforderung zu Widerstand und Kampf wirke auf Minderjährige verrohend. Auch das Booklet wurde indiziert, u.a. wegen der „SS-Rune“ im Wort „P.R.E.SS", des Songtextes „Deutschland has gotta die - Let's burn Deutschland“ und eines japanischen Mangas.


Hank Ballard

Fast sämtliche Platten von Hank Ballards Midnighters wurden in den fünfziger Jahren sowohl vom amerikanischen als auch vom britischen Rundfunk boykottiert. Vor allem auch die mit „Work with me Annie“ begonnene Songserie um die der Promiskuität verpflichtete Annie löste Protestwellen aus.

Beach Boys

Im Kampf gegen den Sündenpfuhl Hard Rock gerieten die Strandjungs aus Kalifornien 1983 versehentlich in das Visier der Moralhüter. Der anscheinend taube amerikanische Umweltminister James Watt wetterte im US-Fernsehen über den verderblichen Einfluss von Hard-Rock-Bands auf die Jugend und nannte als Beispiel ausgerechnet die Beach Boys. Watt lag dabei nicht nur musikalisch völlig daneben, sondern ordnete zusätzlich auch noch das politisch-moralische Selbstverständnis der Schön-Wetter-Sänger falsch ein. Schließlich stammte ein Teil des Startkapitals von PMRC (Parents Music Ressource Center) von Mike Love.


Beastie Boys

Ursprünglich war geplant, ihr von Rick Rubin produziertes Debüt-Album unter dem Titel „Don't be a faggot“ ("Sei keine Schwuchtel“) herauszubringen. CBS lehnte dankend ab. Die Platte kam schließlich als „Licensed to kill“ auf den Markt. Auch das im gleichen Zeitraum veröffentlichte Video „Fight for your right to party“ fand moralinsaure Kritiker, diesmal bei der BBC. Es wurde einfach aus dem Programm gestrichen. Und da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, versuchte die Politik auch noch die anstehende Tournee zu verhindern. War doch bekannt geworden, dass ein fünf Meter hoher beweglicher Penis wichtiges Requisit der Bühnenshow werden sollte (die Stones lassen grüßen) und die „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ damit vorprogrammiert sei, was wiederum nach dem 160 Jahre alten sog. Vagabunden-Gesetz verboten sei. Der britische Abgeordnete Peter Bruinvels versuchte gemäß dieser Logik das besagte Gesetz zu revitalisieren, um die anstehenden Konzerte zu verhindern.

The Beat

Einen Hehl aus ihrem politischen Engagement machte The Beat nie und bekam deshalb öfter Probleme mit dem englischen Radio. So eckte ihr Song über Margret Thatcher „Stand down Margret“ bei London BBC an, brachte dafür aber der britischen Anti-Atomkraft-Bewegung umgerechnet rund 80.000 gestiftete D-Mark Einnahmen aus dem Verkauf der Platte.

The Beatles

Lange Zeit weigerte sich in Deutschland der Bayrische Rundfunk überhaupt Platten von den Beatles zu spielen, dann traf die vier Pilzköpfe auch noch der geballte Zorn der christlichen Glaubensgemeinschaft außerhalb des CSU-Stammlandes. Hatte doch John Lennon 1966 politisch unbedarft, aber vielleicht sachlich gar nicht so falsch, in einem Interview mit der Journalistin Maureen Cleave behauptet, die Beatles seien bereits populärer als Jesus. Das ganze Interview wurde im „London Evening Standard“ und in der „Newsweek"-Ausgabe vom 21.3.1966 veröffentlicht und zwar ausgerechnet vor der letzten Beatles-Tournee in den Staaten. Daraufhin wurden Beatles-Platten auch außerhalb Bayerns auf die Schwarze Liste gesetzt und z. T. sogar in öffentlichkeitswirksamen Verbrennungen in den USA entmaterialisiert. Spätere Proteste gegen Stücke wie „Why don't we do it in the road“ (es geht da sicher um Sex) oder „Lucy in the sky“ (es geht da möglicherweise um Drogen) verliefen weitaus harmloser. Zensurhistorisch erwähnenswert ist ferner das sog. „Butcher"-Cover ihrer LP „Yesterday and Today", das ursprünglich die Fab4 mit Fleischstücken und Teilen von Babypuppen dekoriert zeigte. Nachdem Händler dieses Motiv als geschmacklos ablehnt hatten, entschloss sich das Label zu einem alternativen Umschlagfoto, für das die Pilzköpfe nur ungerne posierten. Um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, zogen sie besonders schlecht sitzende Klamotten an und guckten missmutig in die Kamera. Das weitgehend eingestampfte Original erzielt heute hohe Sammlerpreise. Andere Zeiten, andere Sitten: 2003 waren es nicht mehr Fleischstücke die den Zensor auf den Plan riefen, sondern eine Zigarette. Selbige von Paul McCarthney auf dem „Abbey Road"-Cover in der Hand gehalten, wurde auf den neu herausgebrachten Postern mit dem berühmten Motiv wegretuschiert.

Verbrennung von Beatles-Platten

Das erste Cover war nur für kurze Zeit auf dem amerikanischen Markt. Dann liefen die Moralapostel Sturm, weil die Beatles auf der Plattenhülle zusammen mit rohem Fleisch und zertrümmerten Spielzeugpuppen zu sehen waren. Die Hülle wurde sofort aus dem Handel gezogen und teils überklebt oder eingestampft. Die wenigen Exemplare, die zwischenzeitlich auf den Markt gelangten, erzielen heute extreme Preise. Inzwischen ist das sog. Butcher-Cover als Wiederveröffentlichung wieder ohne Beanstandung herausgegeben worden.

In den sechziger Jahren störte es niemand, wenn Pop- und Rockstars rauchend oder mit Zigaretten in der Hand abgebildet wurden. In den USA kämpfen aber mittlerweile Anti-Raucher-Lobbyisten gegen die Zuschaustellung der Glimmstengel in der Öffentlichkeit. So wurde auf dem Posternachdruck von Abbey-Road Paul McCartneys Zigarette kurzerhand wegretuschiert.

Jane Birkin

Zunächst hatte Serge Gainsbourg die Stöhn-Arie „Je t'aime ... moi non plus“ 1967 für Brigitte Bardot aufgenommen. Doch ihr damaliger Angetrauter, der Partylöwe Gunter Sachs, geriet so in Rage über das Vorhaben, dass die Originalversion eingemottet werden musste. Zwei Jahre später kam das Stück mit Jane Birkin auf den Markt und eroberte fast ganz ohne Werbung durch Rundfunkstationen nahezu sämtliche Hitparaden Europas. Ihr mehr gestöhnter denn besungener Beischlaf war die am meisten zensierte Platte des Jahres 1969. In Frankreich wurde der Song meist vorzeitig ausgeblendet, in Deutschland entweder gar nicht gesendet oder mit warnenden Kommentaren versehen und in Italien sogar razziaartig beschlagnahmt. Selbst in England hielt der BBC hartnäckig an einem Sendeverbot fest, was die Platte allerdings nicht daran hinderte innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 der Charts zu schießen. Schließlich bekamen auch die Bosse der Plattenfirma Philips Angst und sperrten ab Mitte September „wegen Druck von oben“ den Verkauf der Schallplatte in ganz Europa. Die Schweizer Musikzeitschrift Pop titelte darauf ihre Dezember-Ausgabe „Zensur“ und forderte allgemein eine „Normalisierung der Sexualität“ und uneingeschränktes Verbreitungsrecht für den „zärtlichsten Song eines zärtlichen Mädchens". In den siebziger Jahren erschien die Platte in diversen Neuauflagen im gleichen Cover und ungekürzt. Sogar eine Cover-Version von Nana Virgin und eine Parodie von Wolfgang Gruner und Edeltraut Elsner erschienen auf deutsch. Später nahm sich Donna Summer die Stöhn-Arie zum Vorbild und dehnte sie in anderer musikalischer Verkleidung als „Love to love you baby“ auf nahezu 17 Minuten aus.

Blasphemie

Ein kleines weißes Teufelchen, das an der Brust einer dunkelhäutigen Frau saugt, brachte dem französischen Zeichner Bruno Théry den Vorwurf der Gotteslästerung ein. Sein Plakatentwurf für das Jazz-Festival von Vienne (bei Lyon), so die Meinung der meisten Politiker des Parlamentes der Region Rhone-Alpes, ziehe die Mutterschaft in den Schmutz und verletzte christliche Überzeugungen. Das Parlament zog deshalb die finanziellen Daumenschrauben an und beschloss, die Festival-Subventionen in Höhe von 65.000 Euro zu streichen, falls das „abscheuliche und diabolische“ Plakat nicht zurückgezogen werde. Der Leiter des Festivals, Jacques Launay, lehnte ab und stellte seine Deutung des Plakats vor: Das saugende Teufelchen stelle den Jazz dar, diese „Musik aus Feuer, Leidenschaft und Rhythmus".


Blondie

Blondie-Frontfrau Debbie Harrys erregte mit ihrem freizügigen Promotion Clip zu „Videodrome“ so starkes Aufsehen, dass die britische BBC die Ausstrahlung des Videos verbot.

Blowfly X-Rated

Der Blowfly- („Schmeißfliege“) Rapper aus Florida ist darauf spezialisiert, Hits berühmter Kollegen mit eindeutig versauten Texten zu versehen. Seine Versionen mit so aussagekräftigen Titeln wie „Zu fett zum vögeln“ sind deshalb im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht zu hören. Und auch die Idee seinem 1988 erschienen 6-Pack eine fiktive Mitgliedskarte für alle Bordelle dieser Welt beizulegen, lieferte reichlich Zündstoff.

Blow Monkeys

Ihr Video mit dem Titel „Out with her“ wurde aus dem Programm der BBC gestrichen.

Blue Jeans

Die sog. Blue Jeans oder Nietenhosen lieferten in den fünfziger Jahren reichlich Stoff für Diskussionen, die mit Verbotsandrohungen einhergingen. Prominentestes Beispiel dürfte der Fall des Dieners des Marquis von Hertford gewesen sein, der einen Kinobesuch ausgerechnet in dem beanstandeten Kleidungsstück abstattete und damit eine Pressedebatte über ordentliche Kleidung auslöste. Schließlich sah sich der vornehme Marquis selbst zu einer Stellungnahme genötigt: „Ich trage selbst Blue-Jeans und bin deswegen noch lange kein Halbstarker. Der Gedanke, dass Jungens mit Röhrenhosen unbedingt auch Halbstarke sein müssen, ist völlig albern und abwegig." Auch in Deutschland kam die legere Hosenbekleidung ins Gerede. In der Jugendpostille Bravo wurde 1959 regelrecht eine Diskussion „Pro und Contra“ Blue Jeans geführt. In der Kolumne „Heute spricht Steffi über: Die häufigsten Fragen der Teenager“ führte die Redakteurin zum Thema „Warum sind die Eltern gegen Bluejeans?“ aus: „Ich glaube, der (unbewusste) Haupteinwand der meisten Eltern ist, dass die Bluejeans aus Amerika kommen. Sie glauben, wir Teenager würden alle schlechten Eigenschaften der verrufenen amerikanischen Teenager annehmen, wenn wird in ihren Hosen stecken. Das heißt aber doch, die 'charakterliche‘ Bedeutung von Hosen stark zu überschätzen. ... Ich bin überzeugt, dass die Vorurteile gegen die Blue-Jeans eines Tages ebenso überwunden sein werden wie die Vorurteile unserer Urgroßmütter gegen kurze Haare.“

Böhse Onkelz

Ende der siebziger Jahre begannen die „Onkelz“ als eine Frankfurter Punkband der ersten Stunde. In dieser Zeit entstand das später oft zitierte Stück „Für Mustafa (Türken raus)", in dem es u.a. heißt: „Türken raus, Türken raus, Türken raus, alle Türken müssen raus! Türkenfotze nassrasiert, Türkenfotze glattrasiert, raus du alte Schlampe ... Haut'se auf die Schnauze ... .“ Stefan Weidner, Texter, Bassist und Kopf der „Onkelz", neigt in Interviews dazu, diesen Song als Jugendsünde darzustellen. Er entzieht sich jeglicher Verantwortung für dessen ausländerfeindlichen, gewaltverherrlichenden und frauenverachtenden Inhalt und die mögliche Wirkung. Erst 1983 erschien das erste Demo-Tape der „Onkelz", welche zu dem Zeitpunkt von der Punk-Szene zu den Skinheads konvertiert waren. 1984 folgte das erste Album „Der nette Mann“ auf dem rechten Label Rock-O-Rama Records. Die Platte wurde im August 1986 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. LP und später die inhaltsgleiche CD wurden wegen Gewaltverherrlichung verboten (Textauszug: „Kleine Kinder habe ich gern zerstückelt und in Scheiben, warmes Fleisch, egal von wem, ich will's mit allen treiben, ob Tiere oder Menschen, ich seh'gern alles leiden, blutverschmiert und mit großer Lust wühl‘ ich in Eingeweiden“). Seitdem verfolgt sie der Ruf, nicht nur die Gewalt zu verherrlichen, sondern auch rechtsradikal zu sein. Früh vertontes Gedankengut von rechtsaußen wie das zitierte „Türken raus“ oder „Ja , wir sehen uns auf jeden Fall / im Sommer '84 beim Frankreichüberfall“ hatte mit zu einem Ruf beigetragen, der noch in den neunziger Jahren dazu führte, dass z. B. ihre CDs und Platten etwa „Schwarz“ und „Weiß“ im Angebot der großen Seller wie „Wom“ oder „Saturn“ nicht auftauchten. Der DGB (NRW) rief sogar zu einem Handelsboykott auf. Auch eine geplante Tournee zur Promotion der CD „Heilige Lieder“ platzte, weil die Politik vorort Auftrittsverbote erwirkt hatte. Fans berichten, dass die Band wegen einer Zugabe bei einem Konzert in den 1990er Jahren, die aus als gewaltverherrlichend verbotenem Liedgut bestand, DM 50.000.- Strafe zahlen mussten. Noch zehn Jahre später machte sich eine Delegation des Münsteraner Stadtrats auf den Weg nach Bremen, um eine Konzert der Onkelz in Augenschein zu nehmen. Die Stadtoberen wollten im Vorfeld eines für 2004 in Münster geplanten Konzerts prüfen, ob eventuell die „'Onkelz‘ zu bö(h)se für Münster?“ seien. Nach dem in Augenschein genommenen Konzert stufte die Kommission die Onkelz als „unbedenklich“ ein.

Dieter Bohlen

Auch wenn es sich viele wünschen würden - nicht die Musik des Pop-Phänomens wurde verboten, sondern seine mit Bild-Klatsch-Kolumnistin Katja Kessler zu Papier gebrachten Bücher „Nichts als die Wahrheit“ und „Hinter den Kulissen“ mussten per einstweiliger Verfügung um einige Stellen gekürzt werden. Was dem Erfolg freilich keinen Abbruch tat. Und angesichts der „Mega-Auflage“ ist es ein leichtes, bei eBay für wenig Geld an die Erstausgabe zu kommen.

Bon Rivage

Die Maxi „Tod durch Sterben / Genf (instrumental)“ ließ Uwe Barschel noch einmal sein Ehrenwort sprechen und kommentierte es u.a. mit Wassergluckern aus der Badewanne, was zusammen mit dem „Leichen"-Cover die Staatsgewalt einschreiten ließ. Die Platte wurde vollständig aus dem Verkehr gezogen.

Pat Boone

Noch 1996 urteilte Boone, dass „Heavy Metal eindeutig der Sound des Satans“ sei. Ein Jahr später geriet er selbst in Verdacht, mit dunklen Mächten Kontakt zu haben. Sein 1997 erschienenes Album „No More Mr. Niceguy“ besteht nur aus Bigband-Versionen von Metal-Hits. Nachdem er die Platte auch noch im Lederdress und Hundehalsband bei den „American Music Awards“ promotete, wurde ihm endgültig die christliche Publikumsgunst entzogen. Der religiös angehauchte Sender „Trinity Broadcasting“ kippte Boones TV-Show „Gospel America“ nach massenhaften Zuschauerprotesten kurzerhand aus dem Programm.


David Bowie

Das Chamäleon des Rock-Business trat des öfteren so richtig böse ins Fettnäpfchen. Bereits 1971 wurde seine Platte „The Man Who Sold the World“ (sog. „dresscover“) unverzüglich wieder aus dem Verkehr gezogen, weil Bowie den verantwortlichen Plattenbossen „zu tuntig“ („drag“) angezogen war. In den USA erschien die Platte dann mit einem Cover, auf dem ein Cowboy als Cartoon abgebildet war. Fünf Jahre später rückte ihn die öffentliche Meinung via Presse zurecht, weil er Adolf Hitler zum „ersten Rockstar“ ernannt hatte. Und in den achtziger Jahren richtete die Zensur insbesondere ihr Augenmerk auf seine Videos. Sowohl das Video zu „China Girl“ rief bei BBC und MTV die Zensur auf den Plan (verantwortlich war dafür wohl seine Turnerei im Bett mit einer Asiatin und der kurze Augenblick, in dem sein Allerwertester in einer Strand-Szene zu sehen war) als auch der Clip „Day in, Day out". Neuerliche Probleme mit einer Plattenhülle gab es dann 1991. Rund 60 Prozent der US Plattenläden weigerten sich, Bowies „Tin Machine II“ ins Sortiment aufzunehmen, weil auf dem Cover die unverhüllte Männlichkeit zu sehen war. Weder der Hinweis auf den kulturhistorischen Wert der Abbildungen, immerhin wurden vier griechische Jünglingsstatuen aus dem sechsten J. v. Chr. gezeigt, noch der Kompromissvorschlag der Plattenfirma, die Nuditäten mit einem Papierstreifen zu verdecken, konnte die Händler besänftigen. Die Genitalien auf dem Cover wurden schließlich übermalt und bescherten Bowie unangenehme Erinnerungen an die Inquisition.

Boy George

Im frömmelnden Mormonen-Staat Utah wurde der Frontman des „Culture Club“ in den achtziger Jahren Opfer einer gezielten Kampagne. Seine Platten wurden von der Universität von Salt Lake City ebenso verbannt wie sein Fanclub und die hauseigene Collage-Band „Guy George". Auf dem Campus der Universität soll es sogar zu Vernichtungsaktionen von Culture-Club-Platten und -Büchern gekommen sein. Insbesondere Boy Georges Spiel mit seiner Geschlechterrolle fanden die Mormonen gar nicht lustig.

Bravo

Bereits in den frühen siebziger Jahren bekam die Teenie-Postille Ärger mit der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften", weil u.a. in einer Story über T.Rex der kurvenreiche Lebensweg von Marc Bolan geschildert worden war. Das Beispiel, so befand die Prüfstelle, sei nun gerade nicht besonders vorbildhaft. In den neunziger Jahren hagelte es dann regelrecht Indizierungsverfahren. Mal sahen die Prüfer rot bei einem etwas schlüpfrigen Songtext von Mark Óh, ein anders Mal waren die abgebildeten Shots eines „Take-That"-Videos jenseits der sittlichen Verträglichkeitsgrenze: Ein ans Bett gefesselter Jüngling suggeriere Sadomasochismus und Gewaltverherrlichung. Zur gleichen Zeit allerdings war das vollständige Video im Handel noch frei und ohne Alterbeschränkung erhältlich.

Jacques Brel

"Eine Beleidigung des flämischen Volkes“ so ereiferte sich die „Antwerpener Katholische Studentenbewegung“ und die flämische Kulturorganisation „Große Junge Familie“ sekundierte mit einem Boykottaufruf. Mit schwerem Geschütz reagierte der flämische Teil Belgiens auf Brels „Les Flamigants". Es handelt von Knokke und Gent, also von „belanglosen Belgiern“ (Brel), jenen Menschen, denen Brel „verbietet, unsere Kinder zu zwingen auf flämisch zu bellen". Das Lied wurde im wallonischen Teil ein Hit und im flämischen Teil boykottiert.

Michael Brenner

Aus Sorge um die Menschen, die Umwelt und die Tiere gründete der bekennende „Fan von Erzengel Michael“ (Orginalton Brenner), seinen gemeinnützigen Verein „MUT e.V.". Mit einfachen Statements („Pornographie ist, wenn nur rumgefickt wird.“) und noch mehr Gotteseifer führte der gelernte Schlosser vor allem in den neunziger Jahren einen Kreuzzug gegen die „moralische Zersetzung der Gesellschaft". Pro familia, der er vorwarf, Kinder zu „sexualisieren", geriet dabei ebenso ins Visier wie die Rockband „Klein". Die hatte in ihrem Lied „Ein Herz für Kinder“ die zunehmende Gewaltbereitschaft von Kindern thematisiert (Textauszug: „Als Hansi Lieses Ärmchen greift, bricht es entzwei. Mit seinem Eisenschippchen haut er ihren Kopf zu Brei.“) und wurde prompt von Brenner bei der Heidelberger Staatsanwaltschaft angezeigt. CD und Booklet wurden kurzzeitig beschlagnahmt.

Arthur Brown

Zu seiner Hochzeit geriet der „God of Hell Fire“ vor allem bei seinen Konzerten des öfteren mit der Staatsgewalt aneinander. In Miami wurde 1969 ein Konzert von der Polizei gestoppt, weil die Behörden Brown für „jugendgefährdend“ hielten und bereits ein Jahr später wurde er nach einem Nacktauftritt anläßlich des Festivals in Palermo verhaftet.

Bruce & Bongo

Ihr Video zu „Geil“ erregte die Fernsehgewaltigen so sehr, dass es von den bundesdeutschen Bildschirmen verschwinden musste.

Cannibal Corpse

Nachdem einige Tonträger der Death-Metaller in Deutschland indiziert und „Butchered at Birth“ sogar beschlagnahmt wurde, brachte das Label Metal Blade schließlich entschärfte Cover für den deutschen Markt heraus (z. B. im Jahre 1999 „Bloodthirst“). Auch die Scheibe „The Wretched Spawn“ gibt es in einer eher harmlosen Hülle, worunter sich ein Cover-Artwork à la Alien verbirgt.

Johnny Cash

Der unlängst verstorbene „Man in Black“ sah sich als Vertreter der einfachen Leute und der von der Gesellschaft ins-Abseits-Gestellten. 1967 wurde bei seinem Nummer-Eins-Hit „A Boy Named Sue“ die Passage über einen „son of a bitch“ („Hurensohn“) mit Pieptönen zensiert. Unzensiert wäre das Stück damals von keiner Radiostation gespielt worden.


Charlie

Die 1978 erschienene LP „Lines“ machte auf dem Cover plakativ sichtbar, um was es ging: eine spärlich bekleidete Frau mit Spiegel und Stick zieht sich gerade eine „line". Entsprechend groß war die Aufregung in der Öffentlichkeit. Überaus anspielungsreich war auch das Cover der LP „No second chance". Auf ihm ist zu sehen, wie sich eine spärlich bekleidete Frau auf einem Bett rekelt. Neben ihr liegt aufgeschlagen das Buch „Howl“ von Alan Ginsberg, das bei seinem Erscheinen „einen öffentlichen Skandal“ (Kindlers) ausgelöst und seinen Verleger wegen des Verkaufs „obszöner Schriften“ vor den Kadi gebracht hatte.

Cher

In guten wie in schlechten Zeiten war Cher dafür bekannt, stets etwas mehr Haut zu zeigen als andere Frauen. Doch ihre freizügigen Auftritte wurden in den neunziger Jahren jäh gestoppt, als sie eine zweistündige Videosendung für die amerikanischen Golftruppen moderieren sollte. Sie wurde von der saudischen Zensur von Kopf bis Fuß eingehüllt. Selbst die Knie ihrer zerlöcherten Jeans musste sie dabei mit einem T-Shirt („Operation Desert Storm“) bedecken.

verhüllt
enthüllt

Clash

Einige Mitglieder der Band stammten von der Formation „London SS". Vielleicht war das mit einer der Gründe dafür, dass die Debütsingle „White Riot“ von den englischen Rundfunkstationen boykottiert wurde. Jahre später hatten die Clash noch einmal kräftigen Ärger und zwar mit der Firma Flushco Incorporated, die Klosettbecken und Zubehör herstellt. Sie verklagte die Gruppe, weil in deren Platte „Inoculated City“ deutliche Auszüge aus der TV-Werbung für das Reinigungsmittel „Two Thousand Flashes“ eingearbeitet waren. Und weil zugleich in dem Song „klar antimilitaristische", das „führende Militär verunglimpfende“ Aussagen enthalten seien, müsse man sich - so die Firmenleitung - davon distanzieren.

Checkpoint Charlie

Mit dem Plattencover zu „Grüß Gott mit hellem Klang“ war es um den Seelenfrieden von Checkpoint Charlie geschehen: Die katholische Kirche rief Zeter und Mordio.

Alice Cooper

Der Schockrocker der ersten Stunde garnierte zu seiner besten Zeit seine Bühnenshow mit Schweineblut, simulierten Hinrichtungen oder auch einer echten Boa Constrictor. Was ihm jede Menge Anfeindungen einbrachte, verteidigte der Musiker selbst vehement: „Die Kids brauchen mich. In ihrem Unterbewusstsein wollen sie auch Puppen zerreißen, mit Schlangen spielen und den Horrormax markieren. Sie brauchen das als Ventil.“ Songtitel wie „Dead Babies“ (Thema: Kinderschändung), „I Love the Dead“ (Thema: Nekrophelie) oder die LP „Killer"(Thema u.a.: Exekution) taten ein übriges, um Coopers Ruf nachhaltig zu ramponieren.

Julian Copes

Mord und Totschlag sind im Video zur Single „Sunshine Playroom“ von Julian Copes (Teardrop Explodes) zu sehen. Auf Wunsch des Künstlers wurden aber sofort zwei Fassungen von dem Video gemacht: die genannte „harte“ und eine „weiche“ Version ohne allzu viel Blut.

Country Joe McDonald

Bekannt wurde McDonald u.a. dadurch, dass er auf Konzerten den sog. „Fish-Cheer“ (übersetzt: „gebt mir ein F, ein I, ein C und ein K“) populär machte. Weniger bekannt ist, dass er mit dem Song „Porpoise Mouth“ (Meerschweinchenmund) eine Tabu-Grenze überschritt, weil erstmals ganz unverblümt das weibliche Geschlechtsorgan zum Hauptthema einer Platte machte. Entsprechende Verbote waren die Folge.

Crackers

Ihre im Rock 'n‘ Roll-Stil gehaltene Single „Pornokino“ (D 1982, Textauszug: „da kannst du Tittis sehen und Popos wackeln schön“) wurde von den meisten Rundfunkstationen in Deutschland nicht gespielt.

Cream

So richtig Ärger bekam die Supergruppe um Eric Clapton, als sie sich schon längst aufgelöst hatte. Im Jahr 1971 erschien nämlich ihre LP „I feel free“ mit diversen Hits aus der Frühzeit und einem Cover, dass jedes Drogendezernat provozieren musste: auf dem Plattenhülle ist neben viel Rauch und den Konterfeis der Gruppenmitglieder reichlich „dope“ und zwei Hände, die gerade einen Joint drehen, zu sehen.

Cherill Crow

Die Sängerin kommentierte den Feminismus auf einem Konzert in New York 1997 wie folgt: „Wenn ihr euren Freund anmachen wollt, dann zieht euch nackt aus und hängt euch ein Akkordeon um.“ Später gab Crow zum Irak-Krieg einen weiteren deutlichen Kommentar. Schon im Vorfeld der Grammy-Verleihung 2003 wurde ihr vom Grammy Komitee ein Maulkorb verpasst und die Warnung ausgesprochen, man werde ihr bei Anti-Kriegs-Statements das Mikro abdrehen. Daraufhin erschien Crow mit einem Schriftzug „No war“ auf dem Riemen ihrer Gitarre. Bei den American Music Awards sowie in der Show „Good Morning America“ trug sie zudem ein T-Shirt mit der Überzeugung: „War is not the answer“ bzw. „I don't believe in your war, Mr. Bush". Die New York Post rief daraufhin zum Boykott von Crow Konzerten und Platten auf.

Cure

Ihre Single „Killing an Arab in Cairo“ (1979) zeugte zwar von einer gewissen literarischen Grundkenntnis (sie war von Albert Camus Novelle „Der Fremde“ inspiriert), aber nicht unbedingt von „political correctness". Die Proteste von Arabern diesseits und jenseits des British Empire waren so nachhaltig, dass die Platte auch aus dem britischen Rundfunk verbannt wurde.

Dave Dee, Dozy, Beaky, Mich und Tich

"Skandal um Dave Dee“ echauffierte sich 1966 die beliebte Zeitschrift „Musikparade". Das in jeder Beziehung belanglose Stück „Bend it“ war weder in musikalischer oder in textlicher Hinsicht besonders aufregend. Dennoch ereiferten sich amerikanische Frauenverbände gegen die vermeintliche Reduzierung der Frau auf ein Sexualobjekt. Ihre Losung „Nieder mit Dave Dee“ zeigte auch offiziell Wirkung. Das Stück der Teenie-Schwärme wurde aufgrund des Textes in den USA verboten und durfte nicht mehr gespielt werden. Ein Regierungssprecher über den Text: „Unsittlicher geht's nicht.“

Dave Matthew Band

Die Terroranschläge des 11. Septbember 2001 führten auch dazu, dass etliche Songtitel, Texte oder Videos verändert wurden. So war ursprünglich von der Dave Matthew Band geplant, den Song „When the world ends“ als Single aus dem Debüt-Album „Every-day“ auszukoppeln. Die Gruppe verzichtete aber auf die Veröffentlichung, weil sie keinen Zusammenhang zu den terroristischen Attacken herstellen wollte.

DDR-Rockmusik

Die Ausbürgerung des Ostberliner Liedermachers Wolf Biermann in den siebziger Jahren markierte nur die Spitze des Zensur-Eisbergs im real existierenden sozialistischen Deutschland. Sowohl die sog. „Geräuschplatten“ (Rock'n'Roll etc.) als auch andere Erzeugnisse des Kapitalismus waren offiziell nicht einmal geduldet - vor allem aber wurden die eigenen Musiker genauestens unter die Lupe genommen. Lange Haare durften gar nicht sein und beim staatseigenen DDR-Label Amiga konnten nur Bands veröffentlichen, die staatstragend genehme Texte und Rhythmen produzierten.


Dead Kennedys

Zunächst musste sich Jello Biafra von den „Dead Kennedys“ sich Anfang der 1980er Jahre in den USA den absurden Vorwurf durch PMRC („Parents Music Resource Center“) gefallen lassen, seine Songs „Nazi Punks Fuck off“ und „California über alles“ würden Nazis verherrlichen. Dann weigerten sich verschiedene Plattenläden in der Bundesrepublik auch noch die LP „Frankenchrist“ zusammen mit der vom Schweizer Künstler HR Giger stammenden Posterbeilage in ihr Sortiment aufzunehmen. Das Poster „Penis Landscape“ zeigt eine Landschaft, die hauptsächlich aus männlichen Hartteilen besteht. Sänger Jello Biafra rechtfertigte die Beilage wie folgt: „It's the greatest metaphor I've ever seen for consumer culture on parade. The painting portrayed a vortex of exploitation, that vicious circle of greed where one of us will exploit another for gain and wind up looking over our schulder lest someone do the same to us in return ... I felt that we should include this piece of artwork as a kind of crowning statement of waht the record was trying to say musically, lyrically, and visually.“ Zunächst konnten all diejenigen, die die LP ohne Poster erstanden hatte, die Penis-Landschaft gegen Freiumschlag und 2,- DM in Briefmarken bei Wall City Records, Berlin nachträglich ordern. Dann wurde am 31.7.1986 das Poster in der Bundesrepublik indiziert und in den USA strafrechtlich verfolgt. Sowohl bei der Neuauflage als auch bei der CD-Version fehlte es fortan. Das gleiche Werk wurde aber fast zeitgleich in der Giger-Monographie vom Taschenverlag abgebildet. Besagtes Werk firmierte allerdings unter dem Begriff „Kunstbuch". Schließlich wurde auch das Verfahren wegen der „Verbreitung jugendgefährdender Materialien“ im September 1987 mit einem Freispruch beendet, was Kennedy-Chef Jello Biafra mit den Worten kommentierte: „Ich hoffe, dass unser Prozeß dazu beigetragen hat, die Manipulation der Gesetze politisch ein bisschen unpopulärer zu machen. Wir dürfen denen nicht in die Hände spielen, die behaupten, Geschlechtsverkehr auf Platte oder im Kino sei gefährlicher als Bullen, die Verdächtige im Fernsehen totschießen.“ Danach konnte er nur noch das Ende einer wegweisenden Band bekannt geben, die der Prozess psychisch und finanziell ruiniert hatte.

Death and Horror

Ausgerechnet zwei BBC-Scheiben mit dem klangvollen Namen „Sound Effects of Death and Horror“ and „More Death and Horror“ kamen hierzulande 1985 wegen der „Verherrlichung von Gewalt“ auf den Index. Die comicartig gezeichneten Cover mit Darstellungen aus dem Gruselkabinett und diverse Geräuscheffekte zu so anheimelnden Themen wie „Schrei eines Erhängten“ oder „Hinrichtung“ waren nach Meinung der Sittenhüter durchaus dazu angetan, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung nachhaltig zu schädigen. Dabei war in Wirklichkeit manches arg harmlos. Um die „Ratten im Abwasserkankal“ aufzunehmen, ließen die Produzenten aus einer BBC-Teekanne Wasser in ein Gefäß tropfen. Das Trippeln der Ratten wurde durch Fingerklopfen erzeugt und das Nagen an Knochen entstand einfach durch das Zerdrücken von Cornflakes.

Deflorator

Von der Band Deflorator wurde 1985 das gemalte Cover zu „T.N.T.“ indiziert, da die freigelegten Unterarmknochen als jugendgefährdend angesehen wurden.

Ina Deter

Die Auffassung, dass Songtexte politisch je nach Zeit und Situation missverständlich gewertet werden können, hatte sich 1983 der Saarländische Rundfunk zu eigen gemacht. Aus Angst davor, dass Ina Deters frauenbewegtes „Neue Männer braucht das Land“ auch als parteipolitische Aussage gewertet werden könne, durfte das Lied vor dem Wahltag am 6. März 1983 nicht gespielt werden

Deutsch Katholische Feindschaft

Die Gruppe erklärte auf ihrer LP/Single „Schmerzgrenze“ der Katholischen Kirche den Krieg. Zum Bandnamen hieß es auf der Rückseite des Covers: „The name and the game of DKF / Deutsch Katholische Feindschaft is a powerful structure of irony, hate and our own reality."

Vorderseite
Rückseite

Divine Right

Auch ein T-Shirt kann zuweilen gefährlich sein, vor allem wenn es die britische Königin Elizabeth II als fixende Punkerin zeigt. Die königliche Familie reagierte ganz und gar menschlich auf das provokante Kleidungsstück und forderte kategorisch, den Verkauf des 4-Pfund-Hemdes der britischen Gruppe Divine Right zu verbieten. Da halfen auch die Bekenntnisse der Gruppe nichts, es wäre ja alles nicht so gemeint gewesen. Keyboard-Spieler Fred Brown beteuerte sogar „Wir sind keine Anti-Royalisten“ und die Band wolle doch eigentlich nur zeigen, dass „niemand davor gefeit ist, drogenabhängig zu werden.“

Dixie Chicks

Natalie Maines Ausspruch: „Wir schämen uns, dass Präsident Bush aus Texas kommt“ führte zum Boykott der erfolgreichen Countryband durch Clear Channel.

Dominique

Am 5.2. 1966 hatte Rolf Eschenbach, Leiter der Hamburger regionalen Fernseh-Show „Aktuelle Schaubude“ in seiner Sendung das Antikriegslied „Der ewige Soldat“ (Text: Max Colpet) mit der Sängerin Dominique präsentiert. Die Wiederholung dieses Beitrages im Deutschen Fernsehen in der Sendung „Magazin der Woche“ sah zufällig ein Hauptmann der Bundeswehr aus Frankfurt. Dieser erstattete sogleich Anzeige gegen Rolf Eschenbach. Eschenbach entschuldigte sich dann bei der Vernehmung durch die Kripo: „Die Schallplatte ist in den USA unter dem Titel „The Universal Soldier“ seit langem bekannt. Sie steht dort nicht auf dem Index.“

Doors

Im März 1969 gab es in den USA viele Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und eine gegen die Doors. Organisiert worden war sie von einer „Liga für den Anstand“ in Miami und immerhin 30.000 US-Bürger beteiligten sich an ihr. Vorher war insbesondere Doors-Leader Jim Morrison aus der Rolle gefallen. Wegen seiner Bühnenshow, die auch vor der Präsentation seines Allerwertesten keinen Halt machte, wurden Doors-Konzerte in mehreren US-Bundesstaaten verboten und Morrison wegen „Entblößung in der Öffentlichkeit“ zeitweise arretiert. Vor Gericht kam er mit einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung davon.

Drogen

Die Frage, ob es politisch korrekt ist, mit Bluesmusik für eine stimmungsaufhellende Droge zu werben, wurde 1966 mit der Platte „Symposium in Blues“ aufgeworfen.Eine wirkliche Trip-Platte mit der Aufforderung zum Abheben gab es dann im gleichen Jahr noch obendrauf. Jefferson Airplans Debüt „Takes Off“ erfüllte alle Forderungen einer psychedelischen Grundlegung. Xhol Caravan („Electrip“), Electric Flag („The Trip“), und viele andere Gruppen legten in Richtung spezieller High-Fidelity-Genüsse später nach. Solche Attacken erfreuten die Bundesprüfstelle selbstredend nicht. Indiziert wurden jedenfalls 1982 Linval Thompsons LP (inkl Cover) „I Love Marijuana“ (im Gegensatz zu Single „I like Marijuana“ von David Peel) und 1980 die Singleauskopplung „Get up, Stand up“ von Peter Toshs „Legalize it". Dagegen wurde aber nicht indiziert etwa Jah Wooshs LP „Marijuana World Tour", die u.a. Dope-Pflanzen als Tourpunkte auf der Weltkarte zeigt.

Duffo

Mit aufgesetzten Intimkörperteilen wie etwa Plastikbrüsten parodierte der Australier sein Vorbild David Bowie und trug in den siebziger Jahren zur „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ bei.

Ian Dury

Der englische Sender BBC verbannte die Single „Spasticus Austicus“ von Ian Dury aus dem Programm, weil „unpassende“ Vokabeln wie „Spastiker“ als nicht sendefähig bewertet wurden. Schließlich zog die Plattenfirma Polydor das Stück in England zurück. In Deutschland allerdings blieb die Platte weiter auf dem Markt und wurde hier in einer französischen Pressung sogar als Maxi-Single verkauft. Bereits zuvor war die Hit-Single „Sex & Drugs & Rock'n'Roll“ von den Briten aufgrund des angeblich zweideutigen Textes mit einem totalen Spielverbot belegt worden.

Sheena Easton

Die schottische Sängerin Sheena Easton, in der Regel eher für Schmusekurse geeignet, forderte mit ihrer Single „Sugar Walls“ die US-Zensoren heraus. Aussagen wie: „... the blood races to your private spots, that let's me know that there's a fire, you can't fight passion, when passion is too hot, temperature rises, inside my sugar walls“ waren vielen Rundfunkstationen zu heiß. Dem Verkauf schadete die Zensur nicht.

Eela Craig

Die 1978 veröffentlichte liturgische Messe im Rock-Gewand „Missa Universalis“ verunsicherte schon bei der Uraufführung anlässlich des Bruckner-Festivals die Musikpresse und trug der Gruppe vom österreichischen Klerus den Vorwurf ein, sie transportiere gotteslästerliches Gedankengut.

Eisregen

Der „Metal Observer“ schrieb zu dem Album „Farbenfinsternis", das die Bundesprüfstelle Ende Februar 2004 indizierte: „Sie sind ohne Zweifel eine der umstrittensten, wenn nicht gar DIE umstrittenste Black Metal-Band Deutschlands: EISREGEN. Weniger musikalisch, sondern vor allem ihre Texte sind der Grund für sich scheidende Geister, denn sie machen nicht nur recht krasse Texte, sondern, und das dürfte es wohl sein, sie bringen sie auch noch auf Deutsch. [...] Dabei geben sich die Thüringer sehr abwechslungsreich und was irgendwie beinahe erschreckend ist, je melodiöser die Songs sind, desto extremer sind die Texte, '13‘ ist dafür ein sehr gutes Beispiel, sehr, sehr melodiös und eingängig (und auch mit reduzierter Härte, dafür sehr gut eingesetzter Geige). Aber auch 'Im Reich der Fleischlichkeit‘ ist ein guter Anspieltip für den EISREGEN-Sound. Und dass man wesentlich mehr kann als nur geradlinig vor sich hin zu prügeln (wie in ihrer Frühzeit), zeigt der in fünf Kapitel aufgeteilte 'Zyklus Farbenfinsternis'."

Enigma

Das Michel Cretu-Projekt hatte 1991 mit „Sadeness Part 1“ (Textauszug: „Sade, befiehl mir ... Sade, gibts mir“) einen Riesenhit. Die gregorischen Gesänge mit unterlegten Disco-Rhythmen erfreuten zwar das Publikum, nicht aber die Gruppe „Capella Antiqua", die unter Verweis auf ihre Platte „Pasquale Mysterium“ Cretu des Plagiats bezichtigte. Leiter Konrad Ruhland reichte Klage ein, wobei nicht nur die Produktpiraterie sondern auch die Verletzung von Persönlichkeitsrechten verhandelt wurde. Denn Ruhland sah sein gottgefälliges Werk nun mit schauderhaftem Sado-Disco-Sound in Verbindung gebracht und sorgte sich um seinen guten Ruf. Sein Rechtsanwalt: Mit dem „Ansehen unserer Mandanten“ wird „Schindluder getrieben".

Eminem

Der Bad Boy des weißen Rap provozierte als Tabubrecher mit Macho-Pose sehr erfolgreich die Öffentlichkeit. Als frauendiskriminierend, schwulenfeindlich oder als rassistische 'hate language‘ werden seine Songs angeprangert. Der Interessenverband GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation) bezeichnete seine CD „Marshall Mathers“ (übrigens sein richtiger Name) als „gewalttätigste und schwulenfeindlichste der letzten 20 Jahre". Doch der US-Rapper wird nicht nur von manch Radiostation oder Musiksender zensiert, sondern tut es auch selber, wenn er etwa untersagt, alte Songtexte nochmals zu veröffentlichen. Seine früheren, oft rassistischen Sprüche sind ihm offenbar peinlich. Per einstweiliger Verfügung hat der Künstler der New Yorker Hip-Hop-Zeitschrift „The Source“ verboten, einen rassistischen Song aus seiner Jugend zu veröffentlichen. In einer Erklärung kritisierte „The Source“ die Entscheidung eines New Yorker Bundesrichters als „Zensur". Sie sei „ein weiterer Schritt in dem Bemühen, rassistische Vorurteile zu verschleiern, die die Hip-Hop-Kultur zerstören". (siehe dazu auch www.onyx.tv und www.netzeitung.de vom 18.12.2003) Nicht peinlich hingegen war es dem Rapper, beim 2004 Movie Award dem honorigen Publikum seinen Allerwertesten zu präsentieren. MTV zeigte für diese in Popkreisen seit Jim Morrison hinreichend bekannte Geste keinen Humor. Ein Sprecher des Musiksenders ließ über die Medien verbreiten, dass man den Fernsehzuschauern den ungewohnten Anblick auf jeden Fall ersparen wolle und die beanstandete Präsentation aus der Show-Übertragung herausgeschnitten habe.

Erste Allgemeine Verunsicherung

"Verspottet die EAV Behinderte?", fragte 1988 „Bravo". Just zum zweiten Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl hatte die österreichische Ulk-Truppe den Song „Burli, Burli, Burli“ veröffentlicht, in dem es um die Folgen der atomaren Reaktorkatastrophe ging. Der Bayrische Rundfunk reagierte mit harscher Kritik. Ulrich Paasche, Sprecher des Senders, kommentierte den Text mit den Worten: „Das Lied ist eine absolute Geschmacklosigkeit und geht weit über die Schmerzgrenze hinaus.“ Hiernach wurde er nicht mehr im Radio gesendet. =Burli, Burli, Burli" • Erste Allgemeine Verunsicherung • (Textauszug) Herr Anton hat ein Häuschen mit einem Gartenzwerg und davor, da steht ein Kernkraftwerk. Da gab es eines Tages eine kleine Havarie: Die Tomaten woarn so groß wie nie. (und a da Sellerie!) Und seine Frau die Resi, die nix versteht vom Cäsium und vom Plutonium, die haut's vor Glück mit samt dem Toni um. ... Die Hebamm sogt:"Ans waaß i g'wieß: Daß der Bua was ganz was bsonders is!“ Burli, Burli, Burli. Mein Gott, is unsa Burli siaß. Der Burli hot links und rechts drei Uhrli, am Kopf hot er a Schwammerl, fünf Zechn auf die Fiaß, Mein Gott, is unsa Burli siaß. Mein Gott, is er net siaß.


Exhibitionismus

Kraan (1980) und Lo Budet and the Raincoats (1981) versuchten sich zu Beginn der achtziger Jahre als Exhibitionisten auf ihren Plattencovern, ohne das der Staatsanwalt einschritt.

Exodus

Von dem Originalcover ihrer Platte „Bonded by blood“ (1985) mit zwei am Rücken zusammengewachsenen siamesischen Zwillingen waren viele Händlern so entsetzt, dass sich das Label CBS entschied, die Hülle durch eine akzeptablere zu ersetzen.

Extrabreit

Sie seien „geistige Brandstifter“ lautete der Vorwurf, mit dem Eltern und Lehrer die Gruppe 1980 bedachten. Ihr Song „Hurra, hurra, die Schule brennt“ wurde deshalb trotz Hitqualitäten von einigen Sendern nicht mehr gespielt.

Marianne Faithfull

Als 1979 „Broken English“ von der gleichnamigen LP erschien, weigerten sich die meisten deutschen Rundfunkstationen den Song zu spielen. Der Stück handelt von Faithfulls persönlicher Auseinandersetzung mit der Terroristin Ulrike Meinhof und mündet in der Klarstellung: „What are you fighting for - it's not my security.“ Dennoch bekannte Faithfull in späteren Interviews eine gewisse Sympathie für Meinhof. Faithfull: „Ulrike Meinhofs Ziele/Absichten waren berechtigt! Ihre Motive waren rein! Das ist verrückt, ich spreche darüber und ich bin keine Deutsche. Ich fühl mich wie ein Outsider, und das bin ich auch. Ich habe in diesem Song nicht Nordirland erwähnt - sondern Ulrike Meinhof! ... Ich stimme nicht unbedingt mit ihr überein, aber ich empfinde große Sympathie für sie! ... Der Song ist über Ulrike Meinhof und über mich! Wenn ich nicht in die Drogen eingestiegen wäre, vielleicht würde ich heute ein Terrorist sein. Und dann wäre ich tot!“

Falco

Zunächst war der Österreicher wegen seines Drogensongs „Der Kommissar“ mit dem Bannstrahl des österreichischen Rundfunks belegt worden. Dann erschien 1985 „Jeanny“ und sorgte mit seinem kalkulierten Tabubruch für einen noch größeren Skandal. Dabei war die Platte zunächst unbeanstandet gespielt worden: allein in den ARD-Anstalten innerhalb einer Woche 71mal. Mehr als 325.000 Exemplare wurden innerhalb kürzester Zeit verkauft. Schließlich mußte die Plattenfirma täglich 30.000 neue Platten pressen lassen, um die große Nachfrage zu bedienen. Erst nachdem das Werk weithin bekannt war, machte man sich Gedankenüber den Inhalt. „Deutlichen Widerwillen“ gegenüber dem Song empfand auf einmal der Unterhaltungschef des NDR-Hörfunks, Wolfgang Knauer. Und Gregor Rottschalk vom Rias Berlin legte nach, indem er den Text von „Jeanny“ als „menschenfeindlich“ bezeichnete. Angedeutet wird in dem Song die Möglichkeit eines Sexualmordes, der durch den Sänger aus der Täterperspektive beschrieben wird (Textauszug: „Sie werden dich nicht finden, niemand wird dich finden“). Nachgestellte Radiodurchsagen der Polizei sollten eine gewisse Authentizität des Geschehens suggerieren. „Aus moralischen und geschmacklichen Gründen“ verzichtete der Bayrische Rundfunk deshalb auf eine Ausstrahlung. Es folgten weitere Sendeverbote u.a. vom NDR, von Rias und vom SFB. Sogar der liberale WDR sah sich zu Konsequenzen gezwungen. WDR-Musikredakteur Rudolf Heinemann betonte zwar: „Für uns gibt es keinen Index und keine schwarzen Listen, und wir werden sie auch nicht wegen eines Liedleins wie 'Jeanny‘ einführen.“ Allerdings war auch Heinemann dagegen, „ein derartiges Stück den Hörern unvorbereitet um die Ohren zu knallen.“ WDR und Hessischer Rundfunk sendeten zwar, aber sie versuchten möglichen Schockeffekten durch begleitende Kommentare bereits im Vorfeld zu begegnen. Den weiteren gigantischen Verkaufserfolg verhinderten weder das Sendeverbot noch die Kommentare. Er war so riesig, dass sogar der „Musikexpress“ von einem „Frankie-Relax-Effekt“ sprach. Mit dem Video zur Platte verstärkte Falco die Ansicht, dass ein Sexualverbrechen besungen und visualisiert wird. Prompt erging bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bonn ein Antrag auf Indizierung ein, der allerdings abgelehnt wurde. Offiziell verstößt das Video damit nicht gegen das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften". Gleichwohl wurde es im Fernsehen von den meisten Sendern entweder gar nicht oder mit einer entsprechenden Distanzierung gesendet. Derweil lief die PR-Maschinerie weiter. Falco ließ von seinem Urlaubsort Rio de Janeiro durch seine Plattenfirma ein Communiqué verbreiten, in der die 15jährige Wienerin Theresa Guggenberger (Darstellerin der Jeanny im Video) kundtat, dass sie lebe, während Falco im Irrenhaus sitze. Damit war eine Fortsetzung der Geschichte möglich geworden. Auch „Jeanny Part 2“ verkaufte sich prächtig.

Szenen aus dem Video


Die Fantastischen Vier

Die Maxi-CD „Frohes Fest“ wurde im November 1993 wegen blasphemischer und moralisch desorientierender Texte auf den Index gesetzt. In dem Song - eine Auskoppelung aus der ersten LP - malen sich die Musiker ironisch aus, was am Heiligen Abend so alles passieren kann.

FBI

In den USA gerieten des öfteren Rockmusiker oder Gruppen in das Visier des FBI. Verbürgt ist der Fall der Kingsmen. Nicht minder spektakulär verlief die Observierung von Ex-Beatle John Lennon in den siebziger Jahren. Klassifiziert wurde der Fall in der Rubrik !100!, den FBI-Code für „domestic security". Speziell betraf er dort die Unterabteilung „IS-NL“ Kürzel für „Innere Sicherheit - Neue Linke", weil FBI-Chef J. Edgar Hoover unter dem Namen des Verdächtigen die ominöse Bezeichnung „SM-REVACT“ hatte setzen lassen, was entschlüsselt schlicht „Sicherheitsangelegenheit/Revolutionäre Aktivitäten“ bedeutete. Die abstruse Geschichte begann im Februar 1972. Der konservative Senator Strom Thurmonddas hatte das Weiße Haus darauf aufmerksam gemacht, dass „radikale Führer der Neuen Linken“ die Absicht hätten, den im Sommer stattfindenden Wahlparteitag der Republikaner empfindlich zu stören. Zur finanziellen Vorbereitung der Aktion seien Rockkonzerte geplant, an denen auch Lennon teilnehmen wolle. Der besorgte Senator schlug vor, als „strategische Gegenmaßnahme“ dem Ex-Beatle sein US-Visum zu entziehen. Daraufhin eröffnete die Einwanderungsbehörde ein „Deportationsverfahren", das juristisch unzureichend abgesichert war und zusätzliche Hilfe vom FBI verlangte. Beim FBI allerdings war Lennon kein Unbekannnter. Bereits 1971 hatten Agenten des FBI einen Lennon-Auftritt in Michigan beobachtet, um dessen Song über einen örtlichen Aktivisten mitzuschreiben, weil im Text umstürzlerische Tendenzen vermutet wurden. Die Mitschrift - als „streng vertraulich“ klassifiziert und per Kopie landesweit verteilt - war allerdings unnötig, weil der Text von „Jon Sinclair“ ohnehin bald auf einem Plattencover veröffentlicht wurde. Ähnlich überflüssig und ergebnislos verliefen die anschließenden Versuche von Einwanderungsbehörde und FBI, Lennon los zu werden. Am 6. März 1972 ordnete die Einwanderungsbehörde die Abschiebung Lennons an. Im April gab Hoover einen Zwischenbericht in Sachen Lennon: „Verdächtiger plant weiterhin Aktivitäten gegen Parteikongress und wird binnen kurzem eine Serie von Rockkonzerten beginnen, um dafür ein Finanzpolster zu schaffen.“ Auf Anraten der Anwälte verzichtete Lennon auf die besagte Tour. So blieb als Vorwurf seitens des FBI nur noch, dass Lennon ein „intensiver Benutzer von Rauschgift sei". Das Abschiebungsverfahren wurde im 1975 mit positivem Ausgang für Lennon beendet.

Fischmob

Ihre CD „Doors for passion“ brachte den norddeutschen HipHoppern Ende der 1990er Jahre polizeilichen Ärger, da auf ihr eine „Schlumpf-Tekkno-Version“ des Slime-Klassikers „Bullenschweine“ gecovert worden war. Das „Polizei-Osterei“ - so der Titel führte zu mehreren Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmeaktionen. Zu einem bundesweiten Verbot kam es trotz einiger Anzeigen nicht.

Fisher Z

Mit einem Sendeverbot belegte die englische BBC den Superseller von Fisher Z „Remember Russia", weil die Verantwortlichen ihn für anti-russisch hielten und Proteste der sowjetischen Regierung befürchteten. Die gegenteilige Beteuerung von John Watts („Der Song bezieht sich sowohl auf den russischen Sateliten, der vor einiger Zeit über Kanada abstürzte, als auch auf die Skylab-Trümmer.“) half da nicht.

Die Form

Im Jahr 1990 wurde die Plattenbeilage zu „Archives & Dokuments“ indiziert.

Frankie Goes To Hollywood

Ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Zensurskandal in klingende Münze umwandeln lässt, lieferten „Frankie Goes To Hollywood". Die fünf Briten mischten bereits seit Anfang der 80er den gesamten Musikmarkt auf. Bombastische, manchmal fast opernhafte Klänge, angereichert mit dem gezielt gestreuten Image schwuler Orgien und Obsessionen, verhalfen der Band schon beim Erscheinen ihrer ersten Single „Relax“ Ende 1983 zum publicityträchtigen Skandal. Am 11.2. 1984 weigerte sich der besorgte BBC-Disjockey Mike Read, den gerade auf Platz 6 der Charts angekommenen Song im Morgenprogramm zu spielen. Als Grund gab er an, dass der Text mit seinen Zweideutigkeiten („Relax, don't do it when you want to suck it out, relax don't do it when you want to come“) „offenkundig obszön“ sei. Weitere biedere britische Radiomacher folgten ihm beim Boykott. Auch das dazugehörende Video bekam ein Sendeverbot verpasst. MTV z. B. sandte es viermal zurück, bevor es mit einem Kommentar versehen doch noch gesendet wurde. Die ganze Diskussion erwies sich als Glücksfall für die Band: Skandal-Geschrei, Zensur und eine ungemein clevere Selbstinszenierung der Band trieben die Verkaufszahlen so richtig in die Höhe. Die Gruppe wurde auf einen Schlag berühmt - und berüchtigt. Am 24.Januar 1984 wurde „Relax“ die Nr. 1 der Charts und am gleichen Tag auch aus dem Abendprogramm und vom Bildschirm verbannt. Auch der folgende Politsong „Two tribes“ erreichte Platz 1 der UK-Charts. Bei „Two Tribes“ war es nicht der Text mit dem die Gruppe aneckte, sondern das Cover der Platte und das den Song promotende Video. Der ins Bild gesetzte blutige Catch-Ringkampf zweier Stammeshäuptlinge, Reagan für Amerika und Tschernenko für Russland, stieß im Moskauer Kreml auf wenig Gegenliebe. Der sowjetische Botschafter in London überreichte Regierungschefin Thatcher deshalb eine Protestnote: sein Volk, so der Botschafter, fühle sich durch die verleumderische und unsittliche Darstellung des ZK-Vorsitzenden insbesondere in dem Video zutiefst in seiner Ehre verletzt. Nicht viel anders fühlte man sich in Amerika, wo das besagte Video nur nach drastischen Schnitten der Zensur auf den Bildschirm zu sehen war. Frankie Goes to Hollywood bewegten sich mit ihrer Attacke nebenbei bemerkt in guter Gesellschaft, denn 1972 hatten John Lennon und Yoko Ono einen ähnlichen Tabubruch vollzogen: sie hatten Richard Nixon und Mao Tse Tung beim Nackttanz auf dem Cover der DLP „Sometime in New York City“ abgebildet.


Fuck

Eines der Tabuwörter, dass schon Country Joe zu der Hippie-Hyme „Give me a F, give me an U ...“ veranlasste. Bootleger brachten später die Steigerung auf Hülle und veröffentlichten Frank Zappas Platte „Freaks & Motherf.....", was wohl antörnen sollte, denn die Platte selbst brachte nichts Neues und kopierte nur das schon regulär herausgebrachte Fillmore-East-Konzert. Mutiger waren da die „Leaving Trains", die ihre 1987 erschienene LP einfach „Fuck“ nannten. In den neunziger Jahren entspannte sich anscheinend der Umgang mit dem unaussprechlichen Wort. Eine amerikanische Gruppe aus Kalifornien nannte sich 1996 schlicht „Fuck“ und hatte keine Probleme damit. Auch dass „No Doubt"-Chefin Gwen Stefanis während eines Konzertes per Ausruf aufforderte: „Und jetzt singen alle schön laut: Fuck you - ich bin ein Mädchen“ zeugte von einem neuen selbstbewussten Umgang mit dem Wort. Das erste Wort der Textzeile „Fick dich und deine ganze Show“ aus Sabrina Setlurs „Du liebst mich nicht“ wurde allerdings auch zu dieser Zeit noch im deutschen Fernsehen regelmäßig weggepiept.


Fugs

Oft genug griffen die „Fugs“ in ihren Platten, die zunächst bei der kleinen Firma E.S.P. erschienen, Themen auf, die unterhalb der Gürtellinie zielten: ein Mann, der aufs Klo muss und keine passende Münze findet, gehörte ebenso dazu wie die Geschichte von jemandem, dem die Kondome ausgegangen sind und der sich mit Klebestreifen behelfen muss. Selbst das Abschlecken einer Dame, die sich unterwärts mit Cola gewaschen hatte, wurde mit Detailfreude von den Fugs besungen. Als sie dann zu Reprise wechselten, veranlasste die Firma, dass die allerschlimmsten Passagen der Songs abgemildert wurden.

Fußball

Fußballer, die die Nationalhymne singen, sind ohnehin ein Thema für sich und äußerst sensibel zu behandeln. Richtigen Ärger bekam der WDR-Mitarbeiter Rolf Breuer, der sich an der Heiligen Kuh der Deutschen in ironischer Absicht vergangen hatte. 1982 wurde zum Auftakt des Magazins „Monitor“ ein Film gezeigt, in dem Völler, Klinsman & Co auf dem Rasen stehen und in üblicher Manier zur Melodie der Nationalhymne mehr oder weniger ihre Lippen bewegen. Doch der dazu eingespielte Text stammte nicht von Hoffmann von Fallersleben, sondern vom besagten Rolf Breuer:

„Adidas und Ziess und Pfanni für das deutsche Fußballspiele. Daimler lässt uns alle strahlen, Beck's-Bier macht das Hirn mobil. Adidas und Zeiss und Pfanni und Lacostes Krokodil; Müller-Milch, Dual und Grundig - blühe Deutsches Fußballspiel!" Viele Zuschauer fühlten sich in ihrer nationalen Ehre derart gekränkt, dass sie den Sender noch am gleichen Abend mit Protestanrufen bombardierten. Der Vorwurf „nationale Symbole würden in den Dreck gezogen", zeigte Wirkung bei den Verantwortlichen. Der ironische Seitenhieb erlebte nur eine einmalige Aufführung.

Peter Gabriel

Die Single des Ex-Genesis-Frontmanns „The Barry Williams Show“ wurde für die Ausstrahlung im englischen Radio „angepasst"; das dazugehörige Video mit Sean Penn durfte erst ab 21 Uhr im Fernsehen gezeigt werden. In dem Clip verwandelt sich eine von Gabriel beobachtete Talkshow langsam in ein Blutbad. Sein Kommentar: „Es ist eine kleine Fabel über Reality-TV, darüber, wohin es führen kann und was es den Menschen antut."

Gebrüder Engel

Die Single „Fassade/Skandal“ war bereits bei EMI gepresst, aber zur Auslieferung kam es nicht. Namhafte CDU-Politiker zeigten sich entsetzt über die angebliche „Verunglimpfung“ eines der ihren. Der NDR legte noch eins drauf und setzte gleich die ganze Gruppe auf die „Schwarze Liste". Eine Drohung von CDU-Hartliner Gerhard Stoltenberg, notfalls den Staatsvertrag mit dem Norddeutschen Rundfunk zu liquidieren, hatte die Verantwortlichen umgehend auf Kurs gebracht. Dabei hatten sich die Gebrüder Engel anlässlich einer Serie von Lauschangriffen nur einige Gedanken darüber gemacht, wie es wohl einem Politiker ergehe, der heimlich bei einen kleinen Privatorgie fotografiert würde.

Fassade "Da gibt es wirklich Typen aus dem Schaugeschäft Die geben vor sozial zu sein Sie lassen sich herab in den Proletensumpf Und die Medien steigen ganz groß ein Fassade - Fassade Schlag sie ein und Dir wird besser sein Sie machen dann auf Kumpel und für jedes Problem Kommt gut trainiert ein frommer Spruch Und die Betroffenen von soviel Engagement tief bewegt Unterstützen selbst den ganzen Betrug Fassade … Die meisten sind gerührt, dass so ein großer Star Sie sucht in Ihrer kleinen Welt Sie schildern ihm die Scheisse Ihrer Situation Allein der Macht daraus noch sein Geld Fassade - Fassade Schlag sie ein und Dir wird besser sein"

German Blue Flames

Die Gelsenkirchener Beater hatten bereits am 17. März 1966 ein Konzert in Moers gegeben. Eine Wiederholung war im selben Jahr geplant, doch das Gastspiel wurde kurzfristig abgesagt. Eine um Moral und Anstand besorgte Allianz aus Lehrern und Geistlichen hatte vehement gegen das Nachfolgekonzert Einspruch erhoben, da „Beat sinnloser Krach“ sei. Die Stadtoberen schlossen sich dieser Meinung an und verboten das Konzert. Auch der Kinobesitzer, der zunächst seinen Saal zur Verfügung stellen wollte, zog nach den gewichtigen Argumenten der Beat-Gegner seine Genehmigung zurück.

Gewalt

Sex und Gewalt sind evolutionsbiologisch archaische Schlüsselreize, was ein Grund dafür sein mag, dass auch popkulturelle Medien sie als 'eye-catcher‘ und dramaturgische Ingredienzien verwenden. Die Diskussion um die Grenzen des Tolerierbaren sowie die Rolle von Gewalt in den Medien flammte angesichts von Schulmassakern wie in Littleton 1999 oder Erfurt 2002 immer wieder auf, da bei den Amokläufern häufig entsprechende PC-Spiele wie „Doom“ oder „Counter-Strike“ und Musikstücke z. B. der US-Band „Slipknot“ gefunden worden waren. Auch wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen extremen Texten dieser von der FAZ als „Hassindustrie“ bezeichneten Popkultur und realen Handlungen wissenschaftlich nur schwer zu beweisen sein dürfte und empirische Untersuchungen zeigen, dass 98% der Jugendlichen durch den Konsum solcher Medien nicht zu delinquentem Verhalten neigen (vergleiche dazu auch Thomas Krüger, in: Die Welt, 30.4.2002, S. 27), schuf man nicht zuletzt wegen Erfurt 2003 in der Bundesrepublik das neue Jugendschutzgesetz.

Grand Prix 2003 in Deutschland

Schon bei der Vorstellung der Bewerber provozierte Joachim Deutschland die Anwesenden mit seinem entblößten Hinterteil. Als es dann ernst wurde, schlossen die Verantwortlichen vom Norddeutschen Rundfunk den Sänger ganz aus dem Wettbewerb aus. Mit seinem „in keiner Weise akzeptablen“ (NDR) Song „Die Stoibers“ beleidige, so der Vorwurf, Deutschland die Ehefrau des bayrischen Ministerpräsidenten, mit sexuellen Anzüglichkeiten. Joachim Deutschland meinte dazu: „Ich bin sauer, ich finde das eine Frechheit. Die haben mir ins Gesicht gespuckt. Ich bin denen zu heiß geworden.“

Die groben Popen

Der Nürnberger Pfarrer und Rocksänger, Ernst Cran, eckte mit seinem Trio „Die groben Popen“ bei der Evangelischen Kirche in Bayern an. Stein des Anstoßes war sein Video zum Album „Die Erste", das von Abendmahl handelte und in dem die Gruppenmitglieder auch noch in Amtstracht auftraten. Die Kirchenleitung empfahl den Schwarzen Schafen das Video vom Markt zu nehmen.

Herbert Grönemeyer

Tief im Westen erwirkte Herbert Grönemeyer im Oktober 2003 ein umfangreiches Verbot gegen das im Verlag Hoffmann und Campe erschienene Buch „Grönemeyer“ von Ulrich Hoffmann. Zunächst verpflichtete sich der Verlag in der letzten Woche freiwillig in 27 Punkten, Darstellungen und Behauptungen zum Leben von Herbert Grönemeyer nicht zu wiederholen, da sie nicht der Wahrheit entsprächen. Weiterhin verbot das Landgericht Berlin mit einst weiliger Verfügung vom 2. Oktober 2003 in weiteren 12 Punkten Schilderungen zu Herbert Grönemeyer in dem als „Biografie“ bezeichneten Buch. Tatsächlich war das Buch niemals autorisiert worden. Herbert Grönemeyer hatte mit dem Autor auch nie gesprochen. Das Gericht verbot mit der einstweiligen Verfügung die weitere Auslieferung von Büchern, die die verbotenen Behauptungen enthielten. Auch große Buchhandelsketten und Sortimenter haben sich zur Unterlassung verpflichtet.

Guns and Roses

Die Amerikaner gerieten aus unterschiedlichen Gründen mehrfach mit der Zensur in Konflikt. Zunächst schreckte 1987 Graphiker Robert Williams die Zensurbehörde mit seinem Motiv von „Appetite For Destruction". Dann gab es 1993 Ärger mit der CD „The Spaghetti Incident?", weil der in St. Quentin einsitzende Massenmörder Charles Manson an einer Aufnahme mitgewirkt hatte. Das Album mit Cover-Versionen von mehr oder minder bekannten Punk- und Rockstücken wurde schließlich neu ohne das beanstandete Stück „Look at your game ...“ veröffentlicht. Ein Vertreter der Plattenfirma äußerte dazu, dass es „unerträglich“ sei, wenn Manson aufgrund seines Verbrechertums auch noch Kapital schlagen würde. Unbeeindruckt davon trat die Gruppe auf ihrem Konzerten mit T-Shirts auf, die das Gesicht von Manson auf der Vorderseite zeigten.

Gwar

Die bisherigen Show der schwermetallischen Ekelerreger gelten als ebenso legendär wie nicht jugendfrei. Jede Menge Kunstblut und Gedärme ergossen sich regelmäßig über die Bühne, die stets mit Plastikfolie ausgekleidet war. Auch einige Songs wie „Dead Dog“ wurden auf Konzertvideos (natürlich mit „ab 18“) nur zensiert veröffentlicht.

Haarewaschen

Moral, gutes Benehmen und Ästhetik spielten gemeinsam eine wichtige Rolle, als es in den sechziger Jahren um die Frage ging, wie lang und wie sauber denn die Haare sein dürften. Begrenzt lang, aber gepflegt und sauber lautete eine der Kompromissformeln für das Aussehen von Jugendlichen. In der Diskussion meldete sich auch Brian Jones kurz vor seinem Tod zu Wort, der stark für ein häufiges Haarewaschen plädierte.

Nina Hagen

In einer Plattenbesprechung des „Musik Express“ zum Debüt „Unbehagen“ hieß es: „Anstößiges für Moralapostel und Jugendschutz findet sich genügend im Text („Wau-wau, die Sexualität gehört der Frau, Ahoi, du einsamer Boy, dir würd ich sein mein ganzes Leben treu, denn Du siehst so locker aus, hol doch mal Dein Ding da raus...“ oder „ich hätt genug Verkehr, wenn ich ein Junge wär.“). Einige Jahre später gab Nina Hagen den überraschten Zuschauern in der Sendung „Club 2“ des ORF anschaulichen Nachhilfeunterricht in weiblicher Selbstbefriedigung. Und schon während der Sendung hagelte es Protestanrufe, die eine Unterbrechung bzw. Absetzung der Sendung forderten. Zwischenzeitlich hatte sie zur Abwechslung an christlichen Werten gerüttelt. Auf dem Cover von „In Ekstase“ präsentierte sie sich als Madonna und warf mit Textzeilen um sich wie „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Runter auf die Knie und ihr betet wie noch nie ... (es erklingt der Säbeltanz) ... Vater Unser, der Du bist im Himmel, hallo! Geheiligt werde Dein Name". Beim Rezensenten des „Musik Express“ ließ die Verbalattacke die Frage aufkommen, ob das nicht vielleicht blasphemisch sei.

Hair

Das Musical „Hair“ (Autoren: Ragni, Rado und McDermot) hatte seine Premiere und den ersten Skandal am 29. April 1968 in New York. Unverhüllte Nacktszenen, überdeutliche Texte und das moderne 'laissez-faire‘ der jungen Generation schockten einige Besucher so sehr, das eine Absetzung gefordert wurde. Davon unbenommen trat das Musical seinen Siegeszug rund um die Welt an. Am 27. September 1968 fand die europäische Uraufführung in London statt, knapp einen Monat später in München dann die deutsche. Als musikalische Konserve gibt es inzwischen zahlreiche Versionen. Besonders erwähnenswert ist die deutsche „Box“ von Polydor, für die mit einem beigelegten Text-Bild-Faltblatt „Ungekürzte Originalaufnahme in Deutscher Sprache - nicht zensiert -“ geworben wurde.

Hakenkreuz

Mit wohl keinem anderen Symbol lässt sich ohne große Anstrengung soviel Aufsehen erregen, wie mit dem Zeichen des größten Verbrecherregimes und Massenmörders der Neuzeit. In Deutschland ist es als verfassungsfeindliches Zeichen einer verbotenen Organisation strafrechtlich verboten und darf nicht auf Plattencovern o. ä. abgedruckt werden. Eine der wenigen Ausnahmen, wo es keine strafrechtlichen Folgen hatte, war die Verwendung auf Mel Brooks Single „To Be Or Not To Be - The Hitler Rap“ aus dem Jahr 1983. Allerdings ist Brooks selbst Jude, und die Single wurde in England hergestellt, wo Swastikas in populärkulturellen Zusammenhängen spätestens seit des Tragens durch die „Sex Pistols“ und „Siouxie and the Banshees“ in den späten 1970er Jahre keine wirklichen Skandale mehr hervorrufen.

Halbwelt

Szenen aus dem Halbweltmilieu sind oft ein Thema der Covergestaltung und sie sind zugleich vielfacher Stein des Anstoßes. In geschmäcklerischer und moralischer Hinsicht diskutiert wurden etliche. Die bekanntesten sind nachfolgend abgebildet.

Screaming Jay Hawkins

Lange bevor Alice Cooper oder Marilyn Manson den Schockrock erprobten, gruselte sich Screaming Jay Hawkins mit Voodoo-Zauber, Totenköpfen und Särgen durch seine Konzerte. Um dies zu verhindern, verbot der Dachverband der US-Bestattungsunternehmer seinen Mitgliedern, diesem „Zombie“ überhaupt noch einen Sarg zu verkaufen.

Hawkwind

Im Winter 1972/73 erschien das Doppelalbum „Space Ritual". Die Auskoppelung „Urban Guerilla“ - ein Top 50 Hit - wurde von den Medien wegen der wachsenden Terrorismusgefahr in Großbritannien auf den Index gesetzt. Später bekam die Gruppe noch einmal Probleme mit einem Pressefoto, das die einzelnen Mitglieder im Adamskostüm zeigte. Es wurde zurückgezogen und gegen eines mit deutlich mehr Kleidung ausgetauscht.

Heavy Metal

Wegen Gewaltphantasien und einem gelegentlich fragwürdigen Frauenbild wurde diese Musikrichtung mit ihren Spielarten wie Death Metal, Dark Metal und Thrash Metal vor allem in den 1980er und 90er Jahren häufig indiziert. Neben den Texten waren es die Cover, die oft zu Verboten oder Vertriebsbeschränkungen führen. (Wir verweisen auf das Standardwerk „Verteufelter Heavy Metal“ von Reto Wehrli, dessen 2. Auflage 2004 erscheint).

Heilsarmee

Serge Gainsbourghs und Jane Birkins Intimszenen („Je t'aime ...) brachten 1969/70 die Heilsarmee in Rage. Aus Protest griffen die Mitglieder selbst zur Klampfe, was nicht minder bedrohlich war.


Jimi Hendrix

Hendrix tourte 1968 mit den Monkees (!) durch die USA. Wegen angeblich obszöner Auftritte („Zunge leckt Gitarre"?) bewirkten einflussreiche amerikanische Frauenverbände, dass die Tournee nach nur 5 Konzerten abgebrochen wurde. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es auch weiterhin Ärger. "Electric Ladyland", das dritte Album vom Gitarrenheroen, wurde wegen der unbekleideten Damen auf dem Cover in den USA aus dem Verkehr gezogen. Dort erhielt es ein anderes Cover, während es in England mit dem ursprünglichen Foto erscheinen durfte. Rund dreißig Jahre später setzen sich die „Toten Hosen“ für ihre „Reich&Sexy"-Einspielung in ähnliche Pose, ohne dass es in Deutschland zu Beschwerden gekommen wäre (siehe auch Bildteil).

Nona Hendrix

Nona Hendrix hatte als Sängerin von Labelle in den siebziger Jahren einen Riesenhit mit „Voulez-vous coucher avec moi …?". Die eindeutige Frage brachte den drei äußerst attraktiven Sängerinnen Nona, Patti Labelle und Sarah Disch selbstverständlich viele positive Antworten, rief aber auch die Zensur auf den Plan. Viele Radiostationen weigerten sich, das „obszöne Machwerk“ zu senden.

HipHop/Rap

Das Verhältnis Amerikas zu seiner Subkultur ist gespalten: Zum einem werden in der HipHop-Scene nicht gerade staatstragende Ideale vermittelt, zum anderen aber sind ihre Fans eine der umsatzstärksten Zielgruppen der US-Konsumindustrie. Vor allem religiöse Eiferer wie Bill O'Reilly wetterten in der Vergangenheit eifrig gegen den Sittenverfall durch die „Negermusik". Das führte z. B. dazu, dass Pepsi Werbeverträge mit Rappern wie Ludacris kündigte und selbst in der Weihnachtsausgabe der Muppets-Show Snoop Dogg aus der Aufzeichnung wieder herausgeschnitten wurde. Wegen oftmals provozierender Macho-Texte und nackter Haut wurden viele Hip-Hop-Songs im Fernsehen häufig nur zensiert gezeigt und erst auf DVD 'uncut‘ veröffentlicht. So zum Beispiel: Jadakiss: „Knock yourself out“ (unzensiert ein komplett anderes Video); Eminem: „Just don't give a fuck"; Afroman: „Because I got high"; Shaggy: „Freaky girl; Sir mix a-lot: put'em onglass“ (lief wegen der unbekleideten Damen nicht im TV); Dr. Dre feat. Snoop Dogg: „The next episode“ (im TV wurden die Brüste weggepixelt); Jay-Z: „I just wanna love U / Give it 2 me“ (auch hier für die TV-Ausstrahlung mit Pixeln entschärft); BG featuring Big Tymers: „Hennesy & XTC“ (wegen strippender Frauen im TV nur zensiert gezeigt); Dutch & Spade: „If you want it“ (sehr krasses Video und von allen Musiksendern abgelehnt); D-12 (mit Eminem): „Shit on you". Die Bundesprüfstelle indizierte zwei Alben von Kool Savas, u.a. „LMS“ („Lutsch Meinen Schwanz“). Gegen die drei CDs „Ansage 1-3", die bei Aggro Berlin erschienen, wurden Anfang 2004 Indizierungsanträge gestellt, u.a. wegen Textpassagen der Band „Die Sekte“ (siehe dort) und von „Bushido". Seit Anbeginn weigerten sich deutschsprachige Radiostationen und Fernsehsender, Aggro-Produktionen ins Programm aufzunehmen. Zu abschreckend wirkten die provokanten Texte. Ein Problem, das auch Kool Savas bremste. Österreichs FM4 boykottierte ihn wegen seiner homophoben Reime. Dass bereits damals EMINEM viel deutlicher „Schwulenfeindlichkeit“ mit seinen Zeilen formulierte, schien zunächst niemanden zu beunruhigen.

Buddy Holly

Wie Hank Ballard versuchte sich auch Buddy Holly an den in Acht und Bann stehenden „Annie"-Songs. Sein „Annie's been working on the midnight-shift“ beschreibt die Erlebnisse von Annie in der Welt der Prostituierten (Textauszug: „Wenn Annie sich den Hut aufsetzt, die Lippen sich ganz rot benetzt, das enge Kleid trägt, das ihr so gut steht, und um Mitternacht hinaus auf die Straße geht, Bruder, dann gibt es ein Wenn und Aber nicht, denn Annie arbeitet in der Mitternachtsschicht.“) und wurde deshalb im Rundfunk kaum gespielt.

Honesty 69

Lieferte mit „French Kiss“ eine Stöhnenarie in bester Manier von Jane Birkin und Donna Summer ab, ohne allerdings ähnliche Stürme der Entrüstung zu ernten. Auf dem Cover war aber auch eine Warnung für zart besaitete Gemüter angebracht: „Warning! This Recording contains unbelievably HEAVY GROANING!"

Honka

Massenmörder aus Hamburg, der seine Opfer nach der Tat zerlegte. Nun haben schreckliche Bluttaten schon immer irgendwelche Moritatensänger inspiriert. Erinnert sei an den Hannoveraner Schlächter Haarmann, auf dessen zahlreiche Morde in den zwanziger Jahren das ungemein populäre Lied „Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu dir“ folgte. So war es kaum verwunderlich, dass im Jahre 1975 in westdeutschen Diskotheken auch eine Honka-Moritat für volle Tanzflächen sorgte. Zwar mag der Text (Auszug: „Bum, bum bum, mit dem Hammer auf den Kopf. Eins zwei drei, mit dem Beil den Rest zerkloppt. Dann ruck, zuck noch die Knochen durchgesägt und das zerteilte Fräulein in den Pappkarton gelegt.“) nicht überall Anklang finden (die Plattenfirma RCA wollte den von Harry Horror (ein Pseudonym) gesungenen Song aus Geschmacksgründen zunächst nicht veröffentlichen), doch davon unbeschadet entwickelte sich das merkwürdige Stück „Gern hab'ich die Frau'n gesägt“ zu einem echten Hit.

Johnny Horton

In den Staaten war „The Battle of New Orleans“ von Johnny Horton 1959 wochenlang die Nummer 1 in den Charts. In England fiel der Song beim Publikum durch. Der Grund dafür lag im verletzten Nationalstolz der Briten. In der besungenen Schlacht von New Orleans hatten die Truppen des amerikanischen Generals Andrew Jackson die Engländer vernichtend geschlagen. An diese Niederlage wollten die Engländer nur ungern erinnert werden. Das Lied wurde im britischen Rundfunk regelrecht boykottiert.

Hüften

Zur Hochzeit des Rock 'n‘ Roll in den fünfziger Jahren war es im amerikanischen Fernsehen allgemeine Praktik, die kreisenden Hüftbewegungen von Elvis Presley oder Bill Fury nur von der Hüfte an aufwärts zu filmen. Man befürchtete, dass der Anblick der beweglichen Unterleiber beim jugendlichen Zuschauer zu animalischen Triebausbrüchen führen könnte. Presley wurde bei einem Konzert in Florida vom örtlichen Poliziechef gar untersagt mehr als nur „einen Finger kreisen“ zu lassen. Ansonsten würde er direkt auf der Bühne wegen obszönen Verhaltens verhaftet.

ICE-T

Als ICE-T 1992 sein Album „Cop-Killer“ bei Warner veröffentlichte, prangerte halb Amerika das Major-Label an. Vorgeworfen wurde Warner, dass dem Black Gangsta-Rappa ein Forum zum Polizistenmord gegeben worden sei. Dies war zwar eine ebenso oberflächliche wie falsche Interpretation des Songs; der Imageschaden reichte aber dem Label, den Song dann in Nachpressungen zu canceln. Nach dem Desaster von „Cop Killer“ von Body Count weigerte sich Warner Music 1993 auch „Home Invasion“ zu veröffentlichen. Vor allem das Cover wurde beanstandet. Kurzerhand gründetet ICE-T sein eigenes Label und vertrieb die Platte selbst.

Ideal

Beim Berliner Sender Rias zeigte man sich des Öfteren empfindlich, wenn es um die Gefühle von Amerikanern ging. So griff beispielsweise Programmdirektor Prof. Kundler zur Feder um „Ideal"- Manager Conny darüber zu informieren, dass das Stück „Keine Heimat (Wer schützt uns vor Amerika)“ im Programm kaum eine Chance habe. Schließlich sei die Gefahr, dass das „Agitprop-Geplärre“ von den Hörern als „politischer Unsinn“ missverstanden werden könnte, beträchtlich.

Billy Idol

Dass die Geschichte - auch wenn sie sich wiederholt - nicht immer langweilig ist, musste Billy Idol erfahren. Bei einem Konzert in Massachusetts wollte Idol bei der Zugabe seine Verehrung für den toten „Doors"-Sänger Morrison ausdrücken, stimmte „L.A. Woman“ an und ließ wie seinerzeit Morrison die Hosen herunter. Das gefiel der Polizei schon 1969 nicht und sie nahm Idol konsequenterweise erst einmal in Gewahrsam.

Ihre Kinder

Der politische Anspruch und die deutschen Texte waren Markenzeichen der Gruppe. Ihre Mitglieder hielten auch nach der Auflösung daran fest. Auf Hennings LP „Tränengas“ und Schultz‘ LP „Paranoia Picknick“ wurden Vietnamkrieg, christliche Doppelmoral oder TV-Verbrecherhatz à la Zimmermann angeprangert. Der WDR bedankte sich mit einem Sendeverbot der Stücke. Begründung: „Die Lieder sind unscharf, stark moralisierend und von einer gewissen Larmoyanz". An den Plattenhüllen wurde die Zensur konsequent fortgesetzt.

Insane Clown Posse

Ganze sechs Stunden war das Album „The Great Malenko“ der Detroiter Hardcore-Rapper auf dem Markt. Dann ließ der Disney Konzern alle Tonträger von den Händlern wieder zurückgerufen. Als Grund wurden die nicht gerade familienfreundlichen Texte benannt, die durch einen „Fehler im internen Prüfungssystem versehentlich durch gerutscht“ seien.


Irak-Kriege: Anti-Kriegs-Songs

Platten gegen den Irak-Krieg der Amerikaner oder auch allgemein Friedenslieder waren 2003 insbesondere bei US-Radiosendern nicht wohl gelitten. Weil „Anti-Kriegslieder ... für Programmdirektoren in Kriegszeiten keine populäre Wahl“ sind, so Rich Meyer, Präsident der Firma Mediabase (einem Ableger des US-Radiosenders Premiere) und den Hurra-Patriotismus stören könnten, wurde besagte Songs wohlweislich aus dem Programm gestrichen. Die Beastie Boys („A world gone mad“), John Mellenkamp, R.E.M. und Ex-Rage-Against-the-Machine-Sänger Zack de la Rocha waren davon ebenso betroffen wie Lenny Kravitz. Letzterer hatte bereits während des Golfkrieges 1991 mit der Zensur Erfahrung gemacht, als er Lennons „Give peace a chance“ coverte, im US-Radio aber nicht gespielt werden durfte. Auch sein mit dem irakischen Musical Star Kadim el Sahir im März 2003 aufgenommener Song „We want peace“ wurde kaum von amerikanischen Programmen gesendet. Nicht viel besser erging es den Superstars der US-Country-Szene, den Dixie Chickens. Als sie öffentlich die Irak-Politik von George W. Bush kritisierten, war ihre Musik in den Radios ein Drittel weniger häufig zu hören als zuvor. Die Machtkonzentration in den Medien erklärt solche und ähnliche Einbrüche. Allein Clear Channel versorgt 7800 Stationen mit Programmen. Dazu dann die oft konservative Führung der Medienkonzerne: Glenn Beck, einen der führenden Köpfe des Mediengiganten Clear Channel hatte selbst Pro-Kriegs-Demonstrationen organisiert. Folgerichtig wurden die meisten Antikriegslieder über das weniger steuerbare Internet etwa unter Adressen wie www.protest-recordes.com und www.rockthevote.com verbreitet.

Iron Maiden

Die ständige Gewaltverherrlichung, ein vorübergehender Flirt mit dem Satanismus und eine Parodie auf die Eiserne Lady in Großbritanien ließen Iron Maiden öfter ins Visier der Zensurbehörden kommen. Fast jedes Maiden-Cover erregte mit bluttriefenden Äxten, einer Welt voller Zombies und regelrechten Gewaltorgien Aufsehen diesseits und jenseits des Atlantiks. Geographisch genauer zu orten war der immer wieder erhobene Satanismusvorwurf. In Vorbereitung auf die anstehende „World Piece Tour“ gaben amtliche Stellen in den amerikanischen Bundesstaaten Arkansas und Kalifornien frühzeitig entsprechende Warnungen heraus. Per Gericht wurde zusätzlich verfügt, das sämtliche Exemplare von „Number of the beast", das bekanntlich im Titelsong mit der Nummer 666 das biblische Zeichen für den Satan erwähnt, als auch von „Piece of mind“ mit einer ausdrücklichen Warnung vor „dämonischen“ Anspielungen zu erscheinen haben. In England hingegen ereiferte sich die öffentliche Meinung über das Cover der Single „Sanctuary", das das Maiden-Monster beim Schlachten einer Frau - der damals amtierenden Regierungschefin Maggie Thatcher nicht unähnlich - zeigt. Der britische Rundfunk weigerte sich deshalb, die Platte überhaupt zu spielen. Unbeschadet davon erreichte sie Platz 34 der Charts. Auf den Spuren von Iron Maiden wandelten später The Exploited, die auf ihrer LP „Death before dishonour“ die Eiserne Lady in engster Liaison mit dem Tod zeigen.

Janet Jackson

Die Schwester von Michael löste 2002 den sog. Nipplegate-Skandal aus, als sie sich vor laufender Kamera während der Super-Bowl-Übertragung vom Kollegen Justin Timberlake die rechte Brust freilegen ließ. Die Szene, ohne Vorwarnung im US-TV live ausgestrahlt, brachte die amerikanische Volksseele zum Kochen. Janet zeigte sich reuig und versprach, so etwas Böses nie wieder zu tun. Doch bereits einige Wochen später trat sie in der Comedy-Show „Saturdays Night Live“ als Doppelgängerin der US-Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice auf, wiederum das edle Körperteil dem Publikum zeigend, allerdings sorgfältig gepixelt, so dass es nur zu erahnen war.

Michael Jackson

Dass Michael Jackson Probleme mit kleinen Jungen hat, ist hinreichend bekannt. Weniger bekannt ist, dass ihm zunächst die Zeugen Jehovas und dann einflussreiche jüdische Organisationen mit Protesten überschüttet haben. Sein Video zu „Thriller“ enthielt nach Meinung der Zeugen viel zu viel Horror. Jackson versprach Besserung und gelobte dem offiziellen amerikanischen Organ der Zeugen Jehovas „Awake", nie wieder so ein grässliches Zombie-Video wie „Thriller“ zu drehen, denn „eine Menge Leute ühlten sich dadurch verletzt - und so etwas macht mich sehr traurig.“

Ähnlich einsichtig zeigte sich Jackson gegenüber den jüdischen Glaubenseiferern. Seinen Song „They don't care about us“ entschärfte er um die Ausdrücke „jew me“ und „kike me“ (kike ist ein pejoratives Wort für Jude), die als antisemitisch eingestuft wurden. Wie schnell aber aus einem Täter ein Opfer werden kann, belegen computergenerierte Fotos, die Michael Jackson (und auch Boy George) mit weiblichen Brüsten und Schamhaaren zeigen. Jackson war entrüstet und verlangte ein Verbot. Noch schlimmer aber kam es im November 2003 für ihn. Massiv wurden wieder einmal Vorwürfe gegen Jackson wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erhoben wurden. Sogar mit Schlaftabletten und Rotwein soll er einen Zwölfjährigen gefügig gemacht haben. Nicht nur die Justiz reagierte, sondern auch der Fernsehsender CBS. Ein geplantes Musik-“Special“ wurde kurzfristig aus dem Programm genommen. Und die ersten Radiosender kündigten an, im Falle einer Erhärtung der Vorwürfe, werde man Platten von Jackson nicht mehr spielen.

James Blast Orchester

Die Fun-Metal-Band aus Erlangen veröffentlichte 1995 ihren ersten Longplayer mit dem Titel „Explizite Lyrik". Eine CD randvoll mit den Gehirnblähungen der ersten 6 Jahre - 20 Tracks, 74 Minuten; erschienen beim Independent Label „Musical Tragedies". Als die CD im Sommer '96 in die deutschen LP-Charts gelangte, kam ihnen das James Last Orchester auf die Spur. Dessen Anwälte wollten den James Blastern ihren Namen verbieten. Die Band kürzte ihn aber dann selber ab und nennt sich seither entweder Jameszensiert!chester oder kurz J.B.O.

Jane's Addiction

Auf Drängen ihres Plattenlabels sollte Jane's Addiction eine entschärfte Coverversion ihrer LP „Ritual de lo Habitual“ kreieren, da viele Großmärkte sich weigerten, die Originalfassung zu vertreiben. Aus Protest verzichteten sie ganz auf künstlerische Gestaltung und druckten stattdessen das First Amendment ab.

Unzensierte Fassung
Selbstzensierte Fassung

Jefferson Airplane

Die Zusammenarbeit von Jefferson Airplane und ihrer Plattenfirma RCA war eine Geschichte von ständigen Auseinandersetzungen. Insbesondere die Verwendung von tabuisierten Wörtern wie trip, shit, fuck etc. durch die Gruppe führte zu andauernden Querelen mit der Plattenfirma. Als die Gruppe das Wort „motherfuckers“ in ihren Song „We shall be together“ einbauen wollte, nahm RCA in den Aufdrucktext der Plattenhülle eine abgeschwächte Formulierung auf. Wegen solcher und ähnlicher Vorfälle reichten die Mannen um Grace Slick Klage gegen RCA ein, nachdem diese auch noch andere Wörter auf der LP „Volunteers“ (1969) unverständlich gemacht hatte. Die Musiker gewannen den Prozess und bekannten sich zu ihrem Außenseitertum auf „Volonteers“ noch lauter. Im Text von „We can be together“ heißt es: „Wir sind Außenseiter in den Augen Amerikas. Wir stehlen, betrügen, lügen, fälschen, verstecken und handeln mit Rauschgift, um zu überleben. Wir sind obszön, ungerecht, scheußlich, gefährlich, dreckig, gewalttätig und jung. Wir sind die Vollstrecker von Chaos und Anarchie. Alles, was man über uns sagt, sind wir wirklich.“ 1971 gründeten sie ihre eigene Plattenmarke Grunt. Nun konnten aufgrund von anstößigen Textstellen bisher unveröffentlichte Singles bzw. Rückseiten wie „Runnin‘ Round This World“ oder „Mexico“ auf dem Sampler „Early Flights“ 1974 veröffentlicht werden.

Karen Jensen

Die Single „I need Love“ (1969) unterschied sich kaum von Jane Birkins drei Minuten Gestöhn, fand aber weniger Käufer, hatte weniger Aufmerksamkeit und verursachte keine Aufregung unter den Sittenhütern.

Jesus Lizard

Wie erst Jim Morrison und später Billy Idol ließ auch David Yow, Frontmann von Jesus Lizard, während eines Konzertes die Hosen herunter. In Cincinnati brachte dies wieder einmal die Ordnungshüter in Rage und den Sänger in Arrest. Wenigstens kam er recht bald gegen eine Kaution von 1500 Dollar wieder frei.

Elton John

Nicht wegen seiner Musik, obwohl das aus Geschmacksgründen vielleicht angebracht wäre, wohl aber wegen einer von ihm organisierten Ausstellung geriet der „Single Man“ in die Fänge der Zensur. Elton John hatte 1999 fünfzig Künstler, Designer und Modeschöpfer eingeladen, Arbeiten zu erstellen, die zu Gunsten seiner Aids-Stiftung versteigert werden sollten. Darunter war auch der britische Maler und Bildhauer Marc Quinn. Vor Ausstellungsbeginn an die Öffentlichkeit geratene Gerüchte, wonach Quinn eine Barbie Puppe enthauptet, blutrot angemalt und den Kopf der Puppe aufgespießt in einem Kühlschrank zur Schau gestellt habe, führten schon im Vorfeld der Eröffnung zu Protesten. Barbie Hersteller Mattel verhängte ein Ausstellungsverbot für das Kunstwerk, weil eine enthauptete Barbie die Gefühle kindlicher Besucher verletzen könne.

Jonestown

Die sog. Volkstempelsekte wurde 1956 in Indianapolis gegründet. Eine krude Mischung aus Evangeliumszitaten, vermeintlichen Wunderheilungen und verschrobener Sozialromantik zog insbesondere viele schwarze Mitglieder an. Über die Zwischenstation Kalifornien landete die Sekte schließlich in Französisch Guyana, wo ihr Führer Jim Jones am 18.11.1978 den kollektiven Selbstmord anordnete und - nachdem nicht alle Mitglieder seinem Willen folgen wollten - mit seinen engsten Vertrauten dem befohlenen Massensuizid nachgeholfen haben soll. 914 Mitglieder starben bei dem Massaker, das durch mitlaufende Tonbänder vom Sektenchef dokumentiert wurde. Die DCD „The Peoples Temple“ enthält angeblich diese vom CIA beschlagnahmten Live-Mitschnitte des Sterbens, die nur im Untergrund vertrieben wird.

Grace Jones

Nicht - wie so häufig - weil sie zu wenig, sondern weil sie zuviel anziehen wollte, wurde Grace Jones überraschenderweise aus dem TV-Programm gestrichen. In der Fernsehsendung „Wetten das“ vom Dezember 1985 wollte sie ihren damaligen Hit „Slave to the rhythm“ mit einer Kapuze auf dem Kopf präsentieren, so dass das Gesicht nicht erkennbar war. Sie flog aus der Sendung, und „Der Spiegel“ mutmaßte sogar ein „Vermummungsverbot im ZDF".

Judas Priest

Einen Tag vor dem Heiligabend 1985 beging in den Vereinigten Staaten der Jugendliche Ray Belknap (18) Selbstmord. Sein Freund James Vance überlebte den Selbsttötungsversuch mit einem Jagdgewehr nur knapp. Die Eltern der beiden lebensmüden Rockfans klagten daraufhin gegen die britische Schwermetall-Band Judas Priest und deren Plattenfirma CBS. Denn kurz vor ihrem Tod hatte beide eine Judas Priest LP gehört und - so vermuteten die Eltern - den Texten (u.a.: „Leave this life with all it’s sin / It's not fit for living in“) die Aufforderung zur Selbsttötung entnommen. In der Klageschrift wurden „die suggestiven Texte, kombiniert mit dem beständigen Beat“ für die Bluttat verantwortlich gemacht, worauf der britische „Economist“ entsetzt fragte: „Kann Musik killen?". Zur Beantwortung der Frage wurde im Prozess in Reno (Nevada) als Gutachter der Marketingprofessor Wilson Bryan Key herangezogen. Er hatte bereits Erfahrungen mit der Enttarnung geheimer satanischer oder sexueller Botschaften gemacht und Zeichen des Bösen auch auf Knabber-Crackern und Fünf Dollar Noten entdeckt. Im Falle eines neuerlichen Nachweises sollte, so der Vorschlag der Anwälte, zukünftig auf jeder Judas Priest Ausgabe von „Stained Class“ ein Warnaufkleber mit folgendem Hinweis stehen: „Wenn Sie emotional verwirrt sind, dürfen Sie sich dieses Album nicht anhören".

Judge Dread

Der britische Ska-Musiker gilt als einer der am meisten zensierten Musiker, dessen Rekord nur deswegen nicht im Guinness-Buch steht, da das gegen die guten Sitten verstoßen würde.

Udo Jürgens

1975 wurden die traditionell guten Deutsch-Türkischen-Beziehungen aufgrund einer Platte von Udo Jürgens auf eine harte Probe gestellt. Der Grund war eher harmlos und dürfte selbst den Vorzeige-Österreicher überrascht haben. Anlässlich einer Staatsvisite des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher war für die musikalische Untermalung einer Gartenparty der Deutschen Botschaft in Ankara eigens die Starfighter Jazzband vom Jabo Geschwader 36 aus Rheine eingeflogen worden. Die spielte zum Entsetzen der geladenen türkischen Kabinettsmitglieder ausgerechnet den in der Türkei wegen der türkisch-griechischen Querelen um Zypern nur schlecht gelittenen Hit von Udo Jürgens „Griechischer Wein". Kurz vorher noch war Udo Jürgens in Griechenland gerade wegen dieses Schlagers vom Athener Premier Konstantin Karamanlis mit einer Sonderaudienz honoriert worden. Nach den Türken schoss sich Jahre später die Katholische Kirche auf „Merci Chérie"-Jürgens ein. Anno Domini 1988 ordneten die Programmdirektoren des BR und des Südwestfunk, Udo Reiter und Hubert Locher, auf Druck der Katholischen Kirche eine Verbannung seines Liedes zum Thema Empfängnisverhütung „Gehet hin und mehret euch“ aus ihren Sendern an.

Kampflieder - Deutschpunk

Der bei Sanctuary Records in Berlin erschienene Sampler versammelt allerlei alte Kämpen der deutschen Punk-Szene der 80er-Jahre wie Slime und Canalterror. Indiziert wurde der Tonträger, um das neue Jahr auch richtig einzuläuten, Silvester 2003.

Katholische Kirche

Aus der irischen Diözese Kerry ist der Fall überliefert, dass 2003 eine Verordnung erlassen wurde, wonach während der kirchlichen Trauung keine Popsongs mehr gespielt werden dürfen. Nach den neuen Richtlinien ist es ausschließlich erlaubt, nur „auf der Bibel“ basierende Lieder zu singen. Denn „Musikstücke aus Hitlisten, Musicals oder Shows würden die hochheilige Feier abwerten, heißt es in den bis heute gültigen Richtlinien. Auch auf Solo-Gesänge wie das „Ave-Maria“ soll zukünftig verzichtet werden, da das „gemeinsame Singen wichtig sei."

Katja O Kay

Kam auf die Verbots- und Boykottliste sämtlicher bundesdeutscher Rundfunkstationen, weil ihre CD „Coming Out“ das freimütige Bekenntnis „Helmut“ enthielt. Darin ließ die Sängerin sich detailliert und drastisch über ihre sexuellen Phantasien mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl aus. Meine Freundin Susie, ich erzähl Dir was Ich kann nachts nicht schlafen, ich bin dauernd naß Meine Freudin Susie, sprich mit keinem drüber Ich werde ihn bald treffen Und dann zieh ich ihn über mich rüber

Refrain: Ohohoh, Helmut Ich komme, ich komme, ich komme - Zu Dir

Neulich im Bundestag Da hast Du mich so angeguckt Und dann hat's bei mir so richtig losgejuckt Ich konnte nicht anders, ich mußte an mir reiben und später Dir einen Brief schreiben: Jetzt sitz ich hier völlig nackt Und denke an unsern ersten Blickkontakt. (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Nächstes Wochenende fahre Zu Dir nach Bonn Und da koalieren wir, da kenn'ich kein Pardon Oh Helmut Kohl, mein Sexidol Auf dass ich Dir bald einen runterhol Und Hannelore schicken wir ins Sauerland Und da macht's sie'sich mit der Treuhand (Refrain: Ohohoh, Helmut ...) Du kommt's raus aus dem Präsidium Und da siehste mich und dann fliegst um Und wenn Du mich zum ersten Mal küsst Soagst Du: Geil, dass Du gekommen bist Und der Schweiß der Lust Steht Dir auf der Stirne Und ich spür in Deiner Hose Deine heiße Birne (Refrain: Ohohoh, Helmut ...)


Keks

Für ein Werbeplakat hatte die Ost-Berliner New Wave Band „Keks“ sich in ziemlich punkigen Klamotten ablichten lassen. Als es in den Druck gehen sollte, wurden die Behörden aufmerksam: Die weigerten sich, die für den Druck erforderliche Lizenznummer zu verteilen. Ein neues Plakat wurde entworfen, auf dem die Musiker zwar brav gekleidet zu sehen sind, aber die Punk-Accessoires zusammengekehrt zu einem Müllhaufen, nebst Schaufel und Handbesen, zu ihren Füßen liegen. Auch diesen Entwurf fand die Stasi nicht genügend sozialistisch. Die inkriminierten Symbole westlicher Dekadenz mussten ganz vom Bild getilgt werden. An ihrer Stelle prangte nun in der linken unteren Ecke des neuen Farb-Posters eine weiße Fläche.

unzensiert
zensiert

Kingsmen

Das absurde Drama um die Kingsmen begann im April 1963 in einem einfachen Studio in Portland (Oregon). Die Kingsmen, eine lokale Schülerband, hatte dort eine Stunde für 50 Dollar gemietet, um das von Richard Berry komponierte Stück „Louie, Louie“ aufzunehmen. In dem Song geht es um einen Jamaikaner in den USA, der seinem Freund Louie von einem Mädchen erzählt, das er zurückgelassen hat. Er träumt davon, wieder nach Hause zufahren, um sie zu treffen. Leider hatten die Kingsmen bei der Aufnahme ein Handikap: Das starre Mikrofon in dem winzigen Studio hing so hoch, dass der Sänger Jack Ely es nur auf Zehenspitzen erreichen konnte. Zu allem Überfluss trug er auch noch eine Zahnspange, so dass der Text genuschelt auf die Platte kam. Von diesem Ergebnis sichtlich beeindruckt stellte der legendäre Bostoner Diskjockey Arnie Ginsburg das Stück in seiner Radiosendung als „Schlechteste Schallplatte der Woche“ vor und machte es dadurch umgehend zum absoluten Hit. Das anständige Amerika reagierte geschockt. Ein erster Hinweis auf die sexuelle Anzüglichkeit des Stückes kam von einer Frau aus Indianapolis, die beim örtlichen FBI behauptete, auf der Platte seien pornographische Verse zu hören - wenn man sie mit 33,1/3 anstelle von 45 Umdrehungen in der Minute abspielen würde. Das Corpus Delicti hatte sie sogleich mitgebracht. Diese windige Unterstellung wurde bis zum Gouverneur in Indiana hochgereicht, der ebenfalls rote Ohren beim Hören des Songs bekommen haben soll. Die Platte wurde zur Begutachtung nach Washington geschickt. Dort nahmen Techniker des FBI sie auseinander: vorwärts und rückwärts, schnell und langsam wurde das verdächtige Teil mit dem Ergebnis durchgecheckt: „Unverständlich, bei jeder Geschwindigkeit, Wortlaut nicht feststellbar.“ Gleichwohl verhängte der Gouverneur ein Spielverbot der Platte, die mittlerweile die Nummer zwei der US-Charts erreicht hatte.Nun kamen von überall zweckdienliche Hinweise zur Gefährlichkeit des Stückes: Beim FBI in Detroit wurde der Song angeschwärzt, weil er angeblich mit den Worten beginnen würde „Grab her way down low“ („Grabsch sie weiter unten“) und aus Tampa (Florida) meldete ein FBI-Agent, Schüler würden singen. „Get her way down low“ („Fass ihr zwischen die Beine“). Erst Jahre später, am 10. Oktober 1966, schloss das FBI die Akte aufgrund der dürftigen Beweislage. Eines allerdings hatten die Sittenwächter überhört: „Wenn man genau hinhört", verriet Sänger Jack Ely, nachdem sich die Turbulenzen gelegt hatten, „dann haut der Schlagzeuger am Anfang die Trommelstöcke zusammen und sagt 'Oh fuck'.“

Kiss

Vielleicht war es die ständige Maskerade, die mit dazu führte, dass Kritiker auch hinter dem Gruppennamen eine versteckte Botschaft zu erkennen glaubten. Zunächst geriet Kiss in den USA in Verdacht, Satanisten zu sein. Ihr Bandname wurde als Abkürzung für „Knights in Service of Satan“ gedeutet. Wegen der angeblichen „SS"-Rune im Bandnamen/Logo wurden aber auch in Deutschland zahlreiche Platten und Videos, z. B. das 1992 in Detroit mitgeschnittene Tape „Konfidential". Es erhielt zwar eine Freigabe „ab 16", kam 1993 aber bereits komplett zensiert auf den Markt. Auf dem Cover und im Video selber wurde das Logo unkenntlich gemacht. Ähnliches findet man auch bei den Kiss-Videos „Exposed", das 1988 mit zensiertem Logo erschien sowie bei „X-Treme Close-Up", das 1992 veröffentlicht wurde. Auch „MTV Unplugged“ kam 1996 mit unkenntlichem Logo heraus. Wohl nicht ohne Grund, denn noch 2002 durchsuchte die Polizei einige Plattenläden nach Kiss-Platten. Oberstaatsanwalt Wolfgang Kneip kommentierte die Aktion mit den Worten: „Wir ermitteln gegen mehrere Händler wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.“

klein

Am 18.9.1996 wurde die CD inkl. Beiheft „Ein Herz für Kinder“ der Gruppe „klein“ beschlagnahmt. Insbesondere die Zeichnungen von Ulf Keyenburg im Comic dieser Bonus CD, die als Auskoppelung des klein-Albums „kriminell“ kostenlos in den Plattenläden verteilt worden war, hatte die Gemüter erregt.

Doris Köpf

Einen TV-Skandal besonderer Art hatte die „Bildzeitung“ im Zusammenhang mit einem Song über Doris Köpf ausgemacht. In der Satire-Sendung „Extra 3“ des NDR war ein Spottlied über die Kanzlergattin gespielt worden. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust ließ es sich nicht nehmen, das Textblatt vor Augen (Textauszug: „Doris Schröder-Köpf, du Kanzlergattin. Zartgliederig Geschöpf willst auch am Rad drehn, und dein kleiner Mund tut schlimme Worte kund. Rote Lippen dein, die böse reden. Muss das wirklich sein? Und verdirbt den Teint, den rosig-edlen. Du nimmst einfach teil, die Leute mögen dich nicht. Nennen dich Fallbeil, aber das findest du ungeil. Doris Schröder-Köpf, oh, du blond Geschöpf. Glaubst du denn, der Gerd liebt dich nicht, wenn du hälst die Klappe dicht?“) die eingängige Melodie mitzusummen. Das wiederum missfiel dem damaligen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz so sehr, dass er in einem offenen Brief den Hamburger Christdemokraten aufforderte, sich für den Auftritt im Fernsehen zu entschuldigen: „Ich habe Ihren Auftritt als stillos empfunden", teilte er Beust mit, und dass der Text „frauenverachtend“ sei.

Kool Savas

2001 indizierte die Bundesprüfstelle nicht nur seine CD „Warum rappst Du?", sondern auch die Vinyl-Maxi-Platte „LMS". Das verwundert in sofern kaum, da das Kürzel in diesem Zusammenhang „Lutsch Meinen Schwanz“ bedeutet.

Kreator

Bekamen schon mal Schwierigkeiten mit dem einen oder anderem Cover ihrer Platten, so mit „Endless Pain", auf dem Titel wie „Total Death", „Son of Evil“ oder „Dying Victims", den Eindruck von Horror und Gewalt unterstrichen.

Heinz Rudolf Kunze

Der deutsche Barde mimte bekanntlich des Öfteren auf intelligent. So forderte er 1996 in einem „Spiegel"-Interview eine gesetzlich vorgeschriebene Quote, um deutsche Rockmusik in Rundfunk und im Fernsehen zu promoten. Die Zwangsquote für die Sendung „einheimischer deutschsprachiger KünsterInnen“ sollte nach Ansicht von ihm ca. 40 Prozent betragen. Sekundiert wurde die Forderung von seinen Kollegen vom „Deutschen Rock- & Popmusikerverband". Eine entsprechende Deklaration unterschrieben neben Kunze auch einheimische Brüder im Geiste Wolfgang Niedecken oder Udo Lindenberg.

Labelle

1975 hatte „Labelle“ einen Riesenhit mit „Lady Marmelade". Insbesondere der französische Refraintext „Voulez-vous coucher avec moi ce soir?“ - („Wollen Sie heute abend mit mir schlafen?“) fiel in den USA durch. Zahlreiche Proteste von Hörern führten zu einem Rundfunkverbot.


Landser

Erstmals in der deutschen Rechtssprechung verurteilte ein Gericht Ende 2003 Mitglieder einer Band als kriminelle Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen. Das Berliner Landgericht sah es als erwiesen an, dass die Band „Landser“ Musik mit volksverhetzenden Inhalten produziert habe, um rechtsradikales Gedankengut in der Jugendszene zu verbreiten. Sie hätten sich als „politische Gruppe mit Kampfauftrag“ gesehen. Acht ihrer CDs mit so programmatischen Titeln wie „Berlin bleibt Deutsch", „Das Reich kommt wieder“ oder „Deutsche Wut/Rock gegen oben“ waren bereits indiziert oder beschlagnahmt worden. Besonders die musikalische Qualität mache sie gefährliche, da ideologische Texte technisch versiert vertont würden, hieß es über die Gruppe.

Timothy Leary

Neben diversen theoretischen Schriften zur Bewusstseinserweiterung pries der LSD-Papst Leary die Vorzüge halluzinogener Trips auch im Film und auf Platte an, was die Staatsgewalt in den Staaten lauthals ein Verbot fordern ließ. Auf der 1967 erschienenen Platte „Turn on, tune in, drop out“ ist musikalisch und inhaltlich das Programm der Hippie- und Dopefreaks komplett verewigt.

Led Zeppelin

Die Mannen um Jimmy Page hatten sich gleich mehrerer Vorwürfe zu erwehren. In den Medien war die Band heftig umstritten, weil viele ihrer anspielungsreichen Texte als „obszön“ galten. Aber auch die zeitweilige Koketterie mit der „Schwarzen Magie“ gab Anlass zur Besorgnis und entsprechenden Zensurforderungen. In der Juniausgabe des Jahres 1975 der US-Zeitschrift „Crawdaddy“ hatte Page bekannt: „Im Led-Zeppelin-Konzert ist das Ziel Energie bei den Spielern und beim Publikum. Um das zu erreichen, muss man die Quellen magischer Kraft anzapfen, so gefährlich das auch sein mag.“ Im selben Jahr komponierte er die Musik zu Kenneth Angers unvollendetem Film „Lucifer Rising". Unterstrichen wurde der Verdacht ferner dadurch, dass Page nebenbei in London eine Buchhandlung für okkulte Publikationen betrieb. Zudem besaß er ein Haus, in dem früher der 1947 gestorbene Magier Aleister Crowley seiner dunklen Passion nachgegangen war. Da passte es ins Bild,dass Led-Zeppelin-Schlagzeuger Bonham in Pages Haus am 25. September 1980 nach einer mystischen Orgie mit Drogen an seinem Erbrochenen starb.


John Lennon

Yoko Ono und John Lennon waren bereits mit ihrem Nackt-Cover zu „Two Virgins“ angeeckt. Nicht ganz so dramatisch, aber doch spürbar war die Entrüstung über das Cover der Platte „Seasons of Glass“ von Yoko Ono. Dort hatte die Witwe jene blutverschmierte Brille abbilden lassen, die Lennon trug, als er ermordet wurde.

Letkiss-Verbot

Der Tanz aus den sechziger Jahren sollte aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland verboten werden, so meldete es zumindest die amerikanische Zeitschrift „Billboard", die möglicherweise einer Zeitungsente aufgesessen war. Auf jeden Fall wurde als Grund für das mögliche Verbot genannt, dass nach Meinung medizinischer Sachverständiger der Tanz die Ausbreitung der Grippe und anderer Erkältungskrankheiten fördern würde: „Vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen ist diese Mode ein gefährliche Unsitte, die zu einer Katastrophe führen kann“ lautet die Diagnose der Doktoren. Mag sein, kann aber auch sein, dass die Autoren auf einen Faschingsscherz hereingefallen sind.

Limp Bizkit

Nach der Grammy-Verleihung 2003 rief die New York Post zum Boykott der Platten und Konzerte von Limp Bizkit auf, weil insbesondere Frontman Fred Dust sich kritisch zum Irak-Krieg geäußert hatte.

Udo Lindenberg

Mitte der 1970er Jahre wurde der „Panik-Rocker“ Lindenberg in Funk und Fernsehen zensiert. Bei einer ARD-Fernsehshow namens „Lieder mit anderen Worten“ sowie in der Sendung „Hits A Gogo“ wollten die verantwortlichen Redakteure in seinem Song von „Bodo Ballermann“ die folgende Passage nicht hören: „...als die Damen ihm seinen Samen nahmen.“ Stattdessen wurde der Samen durch „Kräfte“ ersetzt. Der Engel-Song „Jeremias“ von seiner „Andrea Doria"-LP wurde zwar für die „Nordschau“ des NDR aufgezeichnet, jedoch nicht gesendet. Auch im Rundfunk wurden viele seiner Songs nicht oder nur zensiert gespielt, so etwa sein Song „Sex im Radio“ (von der LP „Panik Panther", 1992).

Little Willie John

Auf dem Originalcover von der Platte „Fever 1956 LO“ des Farbigen Little Willie John ist eine weiße Krankenschwester zu sehen, was die Plattenbosse dann doch nicht so lustig fanden: die weiße Frau musste verschwinden. Fortan prangte auf dem Cover nur noch das Wort „Fever".

Little Richard

Wurde in den fünfziger Jahren in Texas verhaftet, weil er die Haare zu lang trug.


Lumbee

Ihre Platte „Overdose“ wurde verboten, weil sie als Beilage ein Spiel enthielt, mit dem Drogenfreaks eine Art Trip-Monopoly spielen konnten.

Madonna

Rund 5 Millionen Dollar bezahlte Pepsi-Cola für das Privileg, in einem Zwei-Minuten-Commercial das Premieren-Video „Like a prayer“ zeitversetzt rund um den Globus senden zu dürfen. Geschätzte 250 Millionen Zuschauer in aller Welt waren begeistert. Allerdings rief ein zweites Video zum gleichen Song, produziert von Warner Brothers, religiöse Fundamentalisten auf den Plan. In Italien und Spanien kam es zu heftigen Protesten und zu einem Sendeverbot. Etliche europäische Fernsehsender folgten und verzichteten auf eine Ausstrahlung. Der Tanz der leicht bekleideten Madonna zwischen brennenden Kerzen und die Erweckung einer Christusstatue in einer Kirche, die vom Altar herabsteigt und Madonna küsst, galt als blasphemische Provokation. In Italien schaltete sich der Staatsanwalt ein und ermittelte wegen „Gotteslästerung". In der Bundesrepublik entschlossen sich zwei öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten, nämlich der Bayrische Rundfunk und der Westdeutsche Rundfunk, das Video nicht auszustrahlen. Nicht viel besser erging es Madonnas sado-masomäßigem „Erotica"-Clip, der hierzulande den meisten Sendern zu „scharf“ war und deshalb meist nur in einer gekürzten Version gesendet wurde. Wiederum MTV weigerte sich standhaft, den Clip zu „Justify My Love“ zu senden. Das stattdessen vom Label veröffentlichte Video verkaufte sich prächtig und wurde auf ABC's Nightline ausgestrahlt. Als Madonnas Video zu „Open your heart“ erschien, fragte sich sogar das Jugendmagazin „Bravo": „Treibt sie es zu toll?". Zuerst wurde das Video in England ausgestrahlt und löste Proteststürme aus. Nicht genug damit, dass Madonna sich in gewagten Posen und hautenger Korsage in einer Peepshow rekelte, zum Schluss gab sie auch noch Mitspieler Felix Howard einen Kuss - und der war erst dreizehn. In den verschiedensten Tageszeitungen wurde schließlich die Behauptung aufgestellt, sie habe den minderjährigen Knaben „vernascht". „Bravo“ hingegen startete eine Leserumfrage: „Was meint ihr dazu? Findet ihr Madonna besser, wenn sie brav auftritt? Oder zählt einfach nur, ob ihre Musik gut ist?". Und auch das Video zu „What it feels like for a girl“ brachte die Moralapostel in Rage. Der Musiksender MTV lehnte eine erste Fassung ab, weil sie „zu gewalttätig sei". Die Verantwortlichen befürchteten, das Video könne Jugendliche zur Nachahmung anregen. Madonna Sprecherin Liz Rosenberg wies diese Überlegung zurück. Sie könne sich nicht vorstellen, dass jemand sich nach dem Anschauen ins Auto setze und bewusst einen schweren Unfall herbeiführe. In dem Video mimt die Sängerin ein missbrauchtes, von der Welt enttäuschtes Mädchen, das bei einem Unfall ums Leben kommt. So viele Skandale blieben nicht ohne Wirkung auf den Erfolg und das Image von Madonna. Ihre Platten verkauften sich millionenfach, aber die Ehrerbietung, die sie in ihrer Heimatstadt erfahren sollte, blieb auf der Strecke. Der Bürgermeister von Bay City, Illinois, Tim Sullivan, war entsetzt über Madonnas Eskapaden. Ursprünglich war geplant, dem bekanntesten Kind der Stadt, die Schlüssel ihres Heimatortes zu überreichen. Als es aber zu deutlichen Enthüllungen in verschiedenen Herrenmagazinen kam, wollte der Bürgermeister davon nichts mehr wissen. Mit der Begründung: „Diese Auszeichnung bekommen nur moralisch einwandfreie Personen“ wurde die Schlüsselübergabe abgesagt. Schließlich tauchten zu allem Überfluss auch noch alte Pornofilm mit Madonna auf, in denen sie sich offenkundig der Fleischlust hingibt Die Filme wurden öffentlich in den Kinos von New Yorks 42. Straße gezeigt. Der Erfolg soll - was ständig ausverkaufte Vorstellungen belegen - überwältigend gewesen sein. 2004 brachte dann der Irak-Krieg Madonna in Erklärungsnot. Ihr Video zur Single ihres neuen Albums zeigt u.a. Models in tarnfarbenen Kampfanzügen und Madonna als Che Guevara kombiniert mit Bildern von F-18-Kampfjets und Giftgaswolken. Sie wirft in dem Video u.a. eine Handgranate nach einer männlichen Person, die Präsident Bush ähnlich sieht. Das Video wurde in voller Länge nur einmal von MTV Deutschland gesendet und der Sender musste es auf Geheiß von Madonna aus dem Programm nehmen. In den USA hatte die Sängerin es bereits vorher zurückgezogen. Inzwischen scheint Madonna ein wenig geläutert. In ihren jüngsten Konzerten haucht sie zur Textzeile „I'm a material girl“ ins Mikro „Nicht wirklich“ und über ihre Mitarbeiter heißt es, dass sie mittlerweile für jeden Fluch hinter der Bühne 5 Dollar Strafe zu zahlen hätten.

Frühe Aktfotos
Peepshow-Szenen aus dem Video "Open your heart"

Male

Da das Signalwort „Zensur“ immer auch ein Hingucker ist, der im Zweifel für erhöhten Absatz sorgt, bringen es einige Bands gleich selber im Titel oder Song unter, auch wenn die Stücke nicht wirklich von Zensur bedroht waren. Als eins von vielen Beispielen sei hier die Ende 1976 in Düsseldorf von Jürgen Engler und Bernward Malaka gegründete Band „Male“ erwähnt. Sie hatten ihren ersten Auftritt im März 1977, spielten 1978 bei der Eröffnung des S.O. 36 in Berlin und auf den legendären Hamburger Punkfestivals „Into The Future". 1979 erschien ihre Debüt-LP „Zensur & Zensur". Gleich darauf löste sich „Male“ auf, und Jürgen Engler gründete „Die Krupps". Nach einer kurzen Reunion zu Studioaufnahmen 1990 reformierte sich die Band erst Ende 2002 wieder.

Charles Manson

Wie sehr das Spiel mit den Formen ernst werden kann und sich die Grenzen verwischen, belegt der Fall Charles Manson. Der Flirt mit dem Bösen nahm in seiner amerikanischen Hippiekommune reale Formen an. Als ihr Anführer und 'spiritus rector‘ wurde er im Zusammenhang mit der Ermordung von Sharon Tate, der Frau von Roman Polanski, und deren Freunden lebenslänglich verurteilt. Bereits 1970 hatte Manson eine Platte herausgebracht, die nachträglich so etwas wie einen Kultstatus erreichte „Lie - The Love and Terror Cult, US 1970". Die Platte, in den USA verboten, gehört heute zu den am meisten gesuchten Platten überhaupt.

Marilyn Manson

Die Gerüchte und Horrormeldungen im Umfeld von Marylin Manson, der sich seinen Namen bewusst aus einer Ikone des amerikanischen (Alp-)Traums, nämlich Marilyn Monroe, und dem Anstifter zum Mord von Sharon Tate, Charles Manson, zusammengebastelt hat, füllen Bücher. Mal soll er bei seinen Konzerten Jungfrauenopfer für den Leibhaftigen gefordert haben, mal Entenküken gemeuchelt oder kiloweise Kokain ans Publikum verteilt haben, um anschließend einen Fan zu vergewaltigen. Den inszenierten Skandal immer im Blickfeld geriet Manson in den Verdacht, mit Satan zu paktieren, schlimmer noch, selbst einer zu sein. Nachdem der ultrarechte TV-Talker Pat Robertson in seinen auf religiös gebastelten Sendungen Marylin mehrfach attackierte („Manson ist der Teufel, der eure Kinder vergewaltigen und ermorden will“) mussten etliche Termine der US-Tour abgesagt oder verlegt werden. In Oklahoma verhinderten aufgebrachte Mütter das Konzert und der Gig in Salt Lake City wurde wegen heftiger Pro-teste ins nahegelegene Park City verlegt. Daraufhin widmete Marylin Manson seinen Song „Get your gun“ den „Scheiß Mormonen". Für das Nicht-Auftreten - welch verkehrte Welt - wurden schließlich sogar Prämien an Manson gezahlt. In South Carolina erhielt er 40.000 Dollar in bar dafür, dass er die Stadt ohne einen Auftritt wieder verließ. Dabei, so belegen glaubhafte Zeugen, sei seine schlimmste Sünde bis 1997 gewesen, dass er sich bei einem Konzert den Hintern mit einer US-Flagge abgewischt hatte. Dazu bekannte er sich ebenso wie zu seinen meist jugendlichen Alpträumen: „Ich fotografierte nackte Frauen und schnitt dann ihre Geschlechtsorgane heraus. Ich hatte ganz brutale Träume, in denen ich das gleiche mit richtigen Menschen anstellte. Das hat mir furchtbar Angst gemacht.“ Davon unbeschadet, verkaufte sich z. B. sein Album „Antichrist Superstar“ hervorragend und stieg direkt auf Platz 3 der Billboard Charts ein. Im Jahre 2003 wurde Manson dann doch noch vors Gericht gezerrt. Während eines Konzertes im Jahr 2000 hatte Manson den Kopf eines Sicherheitsbeamten gegen seinen Schritt gedrückt und dabei die Hüften bewegt. Der so traktierte Mann hatte daraufhin Zivilklage beim US-Gericht St. Paul (Minnesota) eingereicht. Die Klage wegen „vermeintlich sexueller Andeutungen während eines Konzertes“ wurde abgewiesen. Das Gericht war der Meinung von Manson gefolgt, dass seine Aktion ein Teil der Bühnenshow gewesen sei. Manson kommentierte die Entscheidung, die ihm 75.000 Dollar Schadensersatzzahlung ersparte mit den Worten: „Der Weg zur Wahrheit wird durch frivole Klagen verdunkelt, aber er wird erhellt durch die Objektivität von Geschworenen, die den Unterschied zwischen Unterhaltung und Angriff erkennen."

Marky Mark

Anfang der neunziger Jahre warb der amerikanische Rapper für Unterwäsche von Calvin Klein: mit dem berühmten Griff in den Schritt und dem barbusigen Model Kate Moss. Die Provokation gelang nur bedingt: Die meisten Zeitungen in den Vereinigten Staaten boykottierten die Annonce. Nur die beiden progressiven amerikanischen Zeitschriften „Interview“ und „Vanity Fair“ bewiesen hinreichend Mut und druckten die Annonce ab.

Howard Marks

Der Drogenking aus England wurde wegen 'dealens‘ mit sieben Jahren Haft bedacht und durfte dafür sein Konterfei auf dem CD-Cover von „Fuzzy Logic“ der „Super Furry Animals“ präsentieren, was wiederum die britische Volksseele zum Kochen brachte.

Massenmörder

Die LP „V.A.: Death Dealers“ ist ein obskures Teil aus den späten neunziger Jahren. Sie wartet u.a. mit den Stimmen von Massenmördern wie Charles Manson oder Jeff Dahmer, Ed Kempur und John Wayne Gacy auf und zirkulierte mehr oder minder nur im Untergrund.


MC 5

Der Streit der Detroiter Revoluzzer mit Plattenfirma Elektra begann schon bei der Herausgabe der ersten Single. An der Frage, ob die Zeile „Kick out the jams, motherfuckers“ im Text bleiben durfte oder nicht, schieden sich die Geister. Elektra änderte die Zeile schließlich eigenmächtig in „Kick out the jams, brothers and sisters“ um, woraufhin die Gruppe 1970 eine Anzeigenserie gegen die eigene Plattenfirma startete. In ihr wurden zugleich jene Plattenhändler rüde beschimpft, die das MC5-Album nach wie vor boykottierten. Pikanterweise waren die Annoncen auch noch mit dem Namen von Elektra versehen, wohin auch die Rechnung geschickt wurde.Ihren Ruf als Rüpel der Nation festigten sie auf ihrer Europa-Tournee. Der Auftritt im Londoner Marquee Club begann mit der besagten Hyme „Kick out the jams, motherfucker", was schon schlimm genug gewesen wäre. Aber der gleichzeitige Hinweis auf Prinz Charles brachte die Royalisten so in Rage, dass ein Auftrittsverbot gefordert wurde. Noch dicker kam es in den USA. Des revolutionären Gehabes überdrüssig, schoss die Staatsgewalt mit allen Mitteln zurück und steckte John Sinclair, den Manager der Gruppe, wegen ein paar Gramm Cannabis für 10 Jahre hinter Gitter. Nach zwei Jahren wurde er zwar vorzeitig entlassen, aber die MC5 waren gewarnt.

Paul McCartney

"Give Ireland back to the Irish“ schrieb McCartney aus Protest über den sog. „Bloody Sunday“ vom 31. Januar 1972. An diesem Tag waren bei einer Demonstration in Londonderry 13 irische Zivilisten von britischen Soldaten erschossen worden. Das Lied wurde in Großbritannien aus politischen Gründen auf den Index gesetzt und durfte im Rundfunk nicht gespielt werden. In den USA galt dieses Verbot nicht und die Single wurde ein Riesenhit. Ein Jahr später erschien „Hi, Hi, Hi". Auch dieses Single wurde in England aufgrund angeblicher Anspielungen auf Sex und Drogen verboten. Mit zum Verbot beigetragen hatte, dass McCartney den Text nicht schriftlich an seinen Musikverlag weitergeben hatte. So wurde in der Redaktion jemand beauftragt, den Text direkt von der Platte abzuhören, was prompt zu Missverständnissen führte. In Umlauf kam eine falsche Textfassung, die u.a. ein „Get ready for my body-gun“ enthielt. Als Paul den Fehler bemerkte, gefiel ihm „body-gun“ so gut, dass er es dabei beließ. 1990 geriet der Ex-Beatle dann noch einmal in Erklärungsnot, weil er seine Platte „All my trials“ samt Video zum Anti-Thatcher Song erhob, was dem Song diverse Boykottdrohungen einbrachte.

Mediaeval Baebes

Die britischen Gruppe mit Girlie Attitude bestand aus zwölf leichtbeschürzten Mädchen, die in weltlicher Manier geistliches Liedgut aus dem Mittelalter zum Lobe des Herrn sang. Doch das passte den Kirchenoberen gar nicht. Eine geplante Tour durch britische Gotteshäuser wurde auf die Abschussliste gesetzt, weil weder die leichte Kleidung, noch die zahlreichen Tattoos und insbesondere die Herkunft der jungen Damen wohlgefällig genug war: Immerhin gab ein Mädchen als gelernten Beruf Hexe an und die andern hatten ihr Geld bis dato u.a.mit Nackttanzen, Feuerschlucken oder in der in der mäßig erfolgreichen Punkband „Miranda Sex Garden“ verdient. „Die Kirche scheint ein Problem damit zu haben, dass wir Gottesmusik mit einem sexy Image verkaufen", mutmaßte Gruppenmitglied Rachel Van Asch. Das rechtzeitig zu Weihnachten 1998 erschienene Debütalbum „Salva Nos“ verkaufte sich vielleicht gerade deshalb innerhalb kürzester Zeit allein in England über 100.000 mal.

Reinhard Mey

1996 sorgte ein Song des deutschen Liedermachers für dicke Luft in den Niederlanden. Die Nichtrauchervereinigung CAN beschwerte sich über das Lied „Gute Nacht Freund", das zum Programmausklang der öffentlich-rechtlichen Radiosender gespielt wurde. CAN-Sekretär Nijpels verwies unter Hinweis auf die Textzeile: „Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette“ darauf, dass Rauchen heute kritischer bewertet werden müsse.

George Michael

Mit „Wham“ war er bis 1986 der Lieblingsschwiegersohn der Pop-Nation. Danach gelang ihm auch als Solo-Künstler eine Top-Karriere, bis er 1998 auf einer Toilette „in flagranti“ als Solist ertappt wurde. Michael bekannte sich zu seiner Homosexualität und erhielt für seine LP „Ladies and Gentlemen“ acht Mal Platin. Das skandalträchtige Video zu seiner Platte „Freek“ allerdings wurde 2002 in einigen Ländern nur zensiert ausgestrahlt und die Single-Auskopplung „Shoot the dog“ samt Cartoon-Clip führte in den USA zu beinahe hysterischer Empörung, da in ihm Bush und Blair kräftig durch den Kakao gezogen wurden. So zeigte es den Premierminister als grinsenden Pudel, der als Schoßhündchen dem Präsidenten dient. Seitdem gilt Michael in den Staaten als „persona non grata“ und darf bislang nicht mehr einreisen. Auch von der Londoner BBC soll Michael in die Zange genommen worden sein. Sein Auftritt in der Show „Top of the Pops“ soll von der Anweisung begleitet gewesen sein, sein T-Shirt mit der Aufschrift „no war, blair out“ gegen ein anderes auszutauschen. Von der BBC gab es ein Dementi dazu.

Alanis Morissette

Nachdem Janet Jackson den sog. Nipplegateskandal in den USA ausgelöst hatte, weil sie während einer Live-Sendung ihren entblößten Busen gezeigt hatte, veräppelte die kanadische Sängerin Morisette die US-Zensur. Zum Juno Music Awards erschien sie in einem superengen Bodysuit, der mit Brustwarzen und Schamhaaren an den entsprechenden Stellen garniert war. Ihr Kommentar dazu: Sie sei „überfroh wieder in (ihrem) Heimatland“ zu sein, „dem wahren Norden, stark und ohne Zensur."

Move

Während ihrer frühen Konzerte zerstörten Roy Wood und seine Gefolgsleute schon mal Hitlerbilder und malträtierten Fernsehgeräte mit handfesten Äxten. Das sorgte für erste kleine Skandale. Richtig mulmig aber wurde es für die Move, als sie eine Werbepostkarte herausgaben, die den damaligen britischen Premierminister Harold Wilson in verfänglicher Situation im Bad zeigte. Im darauf folgenden Beleidigungsverfahren wurden die Move dazu verurteilt, die Postkarte zurückzuziehen und sämtliche Einnahmen der damit promoteten Single „Flowers in the Rain“ wohltätigen Zwecken zur Verfügung zu stellen.

Marius Müller-Westernhagen

Beigebracht hat es ihm eine, „die hatte 'nen Gang, den du dich nie traust“ und „rote Haare unten". Auf der LP „Sekt oder Selters“ besingt Müller-Westernhagen mit deutlichen Worten einige seiner Liebesaffären. Und die passten so gar nicht ins Konzept der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die seine Ergüsse für „nicht rundfunkgeeignet“ erklärten. Ein anderes Mal legte der Barde sich gleich mit einer ganzen gesellschaftlichen Gruppe an, als er „Dicke“ mit Häme bedachte. Die rächten sich mit dem Versuch, dass Lied komplett zu verbieten.

Musikvideos

Mit der steigenden Popularisierung von Musikvideos und deren gezielten Einsatz zum promoten von Musikstücken ab ca. den achtziger Jahren, tat sich ein ganz neuer Bereich für zensorische Eingriffe auf. Danach wurden hunderte von Clips verändert, manipuliert, entschärft oder erst gar nicht gesendet.

Erotische Videoclips wie die von Queen, den Tubes oder Duran Duran wurden in Deutschland schon in den achtziger Jahren auf einer eigenen Compilation „Sexy Shorts“ veröffentlicht und waren bald nur noch unter dem Ladentisch zu erwerben. Andreas Thiesmeyer, der Produzent von „Formel Eins", einer der ersten Videosendungen im deutschen Fernsehen, sah sich vor allem mit Beschwerden zu Michael Jacksons „Thriller“ konfrontiert.

In Österreich lief das Video beinahe jeden Tag, aber in Deutschland fiel angeblich die Tochter eines Rundfunkrat-Mitgliedes in Ohnmacht, so dass es aus dem Programm genommen wurde. Ebenso beanstandet wurde Frankie Goes To Hollywoods „Two Tribes“ und „Wild Boys“ von Duran Duran. Das Video zum Hitler-Rap „To be or not to be“ von Mel Brooks, im dem Brooks in Hitlerverkleidung davon erzählt, wie ein Verrückter Deutschland fertigmacht, wurde prompt als Verherrlichung des Nazi-Regimes miss-verstanden und musste aus dem Programm gestrichen werden. Hingegen konnte „It-s raining men“ von den Weather Girls, das in den Staaten zensiert wurde, in Deutschland völlig problemlos gesendet werden.Einige weitere Beispiele belegen die unterschiedliche Praxis in den verschiedenen Ländern. So schnipseln die amerikanischen MTV-Macher zuweilen selbst an Clips herum: Aus „Fire in the City“ von den Elvis Brothers wurde die Szene herausgeschnitten, in der eine Frau mit hochhackigen Schuhen über das Gesicht eines Mannes läuft. Das Video zu „Up the Creek“ von Cheap Trick gibt es in drei Versionen: eine mit ganz nackten Frauen, eine mit halbnackten Frauen und eine ohne nackte Frauen. Viele Fernsehstationen in den Staaten zeigen zudem Heavy-Metal-Clips erst zu später Abendstunde. Linda Rosenfeld vom „Video 22“ in Los Angeles schmiss die Streifen dann raus, wenn sie anstößige Wörter enthielten oder sich wie George Thorogoods „I drink alone“ mit dem Trinken beschäftigten. Aber auch Bryan Ferrys „Don't stopp to dance“ flimmerte bei ihr nicht über den Äther, weil zuviel Nacktes gezeigt wurde. Gleiches passierte Sandra Bernhards „Every-body's young“ und Barbara Streisands „Left in the dark".

Napalm Death

Bekam schon Probleme mit dem Cover zu „Scum", auf dem eine Schädelstätte zu sehen ist und gleichzeitig die Markenzeichen von Coca Cola, Ford, IBM und andern 'global playern'. Der in England bei Earache Records erschienene Concert-Film namens „The DVD“ wurde Silvester 2003 in Deutschland indiziert.

Nice

Die Bernstein Adaption „America“ aus dem Musical „West Side Story“ war 1968 zugleich der erste größere Hit und Skandal der Nice. Als Tastenmagier Keith Emerson am Ende eines Konzerts die USA-Flagge verbrannte und die „America"-Single von der Plattenfirma mit einem Werbeposter angepriesen wurde, das in einer Collage die Köpfe von Martin Luther King sowie John F. und Robert Kennedy zeigte, gab es harsche Reaktionen. Bernstein verhinderte in den Vereinigten Staaten die Veröffentlichung von „America“ und in London in der „Royal Albert Hall“ wurde das Trio mit einem lebenslangen Auftrittsverbot belegt.

Niggaz With Attitude

Das Wort „Nigger“ war lange Zeit im Zuge der 'political correct-ness‘ tabu, bis es Gruppen wie „Niggaz With Attitude“ (übersetzt etwa: rotzige Nigger) schafften, das vormals unaussprechliche Schimpfwort zum Bestandteil der Popkultur zu machen. Gerade „Gangsta-Rapper“ begrüßen sich häufig mit der Anrede „Nigga". Das zweite Album der Band „Straight Outta Compton", sorgte vor allem wegen des Stückes „Fuck Tha Police“ für reichlich Zündstoff. Das FBI protestierte in einen Brief an die Band wegen des Songs und drohte mit Arrest, wenn NWA ihn in der Öffentlichkeit spielen sollte.

Nine Inch Nails

Die provokante US-Band um Trent Reznor wurde wegen ihres nihilistischen Ansatzes immer mal wieder für den ein oder anderen Amoklauf von frustrierten Teenagern verantwortlich gemacht und von vielen Radiostationen nicht gespielt. Auch die Ästhetik der Band-Clips ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem das SM-artige Video „Closer“ wurde von MTV nur in einer zensierten Version gesendet.

Nirvana

"In Utero", das zweite Studio-Album der Grunge-Rocker um Kurt Cobain, wurde für den Discount-Verkauf entschärft, indem das Stück „Rape Me“ in „Waif Me“ umbenannt wurde. Zudem „glättete“ das Label einige Details des Covers, damit es ohne Warn-Sticker bei Wal-Mart feilgeboten werden konnte.

Oasis

Wegen Oasis liefen bei der BBC schon mal die Telefone heiß. So machten tausende entrüsteter Hörer des Popkanals „Radio 1“ 1997 ihren Unmut über den Flegel Liam Gallagher Luft, der zur besten Sendezeit dermaßen obszön fluchte, dass Kinder schreiend bei ihren Müttern Schutz gesucht haben sollen. Sechzehn Mal, soviel ist verbürgt, hatte der Unhold das F-Wort in den Mund genommen und dann auch noch den Beatles Prügel angedroht. . „They're jealous and senile. If they want to fight I'll beat them up.“ Und dem zweiten nationalen Heiligtum, den Rolling Stones versprach er: „I will be at the fucking living daylight shit out of them“ ... „and that other cunt that gives me shit".

Billy Ocean

Die britische Musicians Union erreichte 1986 ein Verbot des neuen Billy Ocean Videos „When the going gets tough". Diesmal ging es bei dem Verbot nicht um zuviel Sex oder Gewalt. Das Verbot erfolgte, weil in dem Video einer Saxophon spielte, der es gar nicht kann.

O'Connor

Sindhead O'Connor, die irische Rock-Bardin, verletzte 1990 die patriotischen Gefühle der Amerikaner. Bei einem Konzert in New Jersey verbat sie sich das in den Vereinigten Staaten vor Großveranstaltungen übliche Singen der Nationalhymne. Sie wolle, so ihre Begründung, damit „gegen die zunehmende Zensur von Musik und Kunst in diesem Lande“ protestieren. Seither weigern sich US-Radiostationen, Platten der kahlgeschorenen Protestantin zu spielen. Oldie Frank Sinatra drohte andernorts unter Standing Ovations sogar: „Zu gerne wäre ich dabei gewesen, dann hätt‘ ich ihr in den Arsch treten können.“ Auch mit Bob Dylan geriet die streitbare Irin aneinander. 1992 beim „Dylan-Tribute“ im New Yorker Madison Square Garden zerriss sie auf der Bühne ein Bildnis von Jesus und rief damit einen vielstimmigen Chor ins Leben, der die Künstlerin aus dem Geschäft entfernen wollte. Selbst der gläubige Bob Dylan schien angesichts dieser Attacke konsterniert. O'Connor dazu: „Nach dem Auftritt sah Dylan mich hinter der Bühne und lief auf mich zu. Ich glaube nicht, dass er wusste, wer ich bin. Er wirkte verwirrt und fragte mich etwas wie: „Was hast du getan?“ Ihre Antwort darauf: „Attacke? …. So würde ich es nicht bezeichnen. Meine Aktion sollte den Anlass bieten, wieder öffentlich über Gott und Kirche zu sprechen. Dadurch könnte sich die Kirche von Schuld und falscher Moral selbst heilen."

Mark O'h

Wegen ihm bekam Bravo ein Indizierungsverfahren an den Hals. Die Zeitschrift hatte es nämlich gewagt von ihm einen schlüpfrigen Songtext abzudrucken.

Ozzy Osbourne

Wie Judas Priest wurde auch Osbourne angeklagt, mit seiner Musik Beihilfe zum Selbstmord eines Teenagers geleistet zu haben. Insbesondere bezog sich die Anklage auf das Stück „Suicide Solution“ vom Album „Blizzard of Ozz", das sich auf den Tod des AC/DC Sängers Scott bezieht und vor den Gefahren des Alkohols warnt. Zwar wurde Osbourne freigesprochen, doch meinte die Justiz, immerhin hätten die Texte von Osbourne die labile Psyche des Jugendlichen in Richtung Selbstmord gedrängt. Aber auch dieser Vorwurf konnte Osbourne nicht dauerhaft bändigen. Ausgerechnet zur Verleihung der American Music Awards 2003 lief er wieder einmal zur Höchstform auf und ließ eine ganze Kanonade von Schimpfwörtern los. Als Folge davon geriet die Übertragung der Show im Shrine Auditorium in Los Angeles zur Farce. Von den ständigen Eingriffen der Zensoren, die die obszönen Ausdrücke der für ihren rüden Umgangston bekannten Gastgeber-Familie um Altrocker Ozzy Osbourne einfach mit nervenden Pieptönen überblendeten, wurde die Sendung zerhackstückt. So wurde sie ein Piepfestival.

Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis

Die mexikanische Grind-Core-Death-Metal-Band mit dem unaussprechlichen Namen zeigt nicht nur anhand der Titel auf ihrer LP „Satyriasis and Nymphomania“ medizinische Grundkenntnisse, sondern offenbart mit ihrem Coverfoto, das offensichtlich eine Erektion zeigt, anatomisches Interesse. Bis zur Indizierung des bizarren Covers am 31.12.2003 dürften Band und Platte hierzulande praktisch unbekannt gewesen sein. Im Google-Zeitalter besteht die größte Herausforderung allerdings nur noch darin, den Bandnamen korrekt in die Suchmaske einzutragen, um einen Blick auf das jugendgefährdende Foto werfen zu können. [[Image:|satyriasis_and_nymph.jpg250px|thumb|none|]]

David Peel

Die Platte „Have a Marijuana“ galt als „drogenverherrlichend“ und wurde z. T. nur unter dem Ladentisch gehandelt. Ähnlich erging es der Singleauskoppelung „I like Marijuana".

Peter, Paul & Mary

Das Trio protestierte mit ihrem Stück „The Deserter“ gegen den Vietnam-Krieg so vehement, dass es prompt verboten wurde.

Pink Floyd

In einem ihrer ersten Single-Hits „Arnold Layne“ (1967) erzählen Pink Floyd die Geschichte eines alternden Transvestiten, der auch schon mal Damenunterwäsche von der Leine klaut. Die Platte durfte von der englischen BBC nicht gespielt werden und selbst etlichen der halblegalen Piratensender war die Kost zu „heiß". Bekanntlich landete Pink Floyd in den siebziger Jahren dann noch mal mit „Another Brick in the Wall“ einen Mega-Hit. Er wurde zur internationalen Hymne der Schüler.

Als allerdings südafrikanische Kinder in Soweto ihren Protest mit diesem Lied Ausdruck gaben, wurde es von den dortigen Behörden auf den Index gesetzt. Andern Ärger gab es mit demselben Stück in Großbritannien, denn ausgerechnet die 23 Kinder einer vierten Klasse, die den Refrain „We don't need no education“ gesungen haben, gehörten einer Schule an, die bekannt für ihr niedriges Bildungsniveau war. „Another brick in the wall“ wurde schließlich auch von Rundfunksendern wie der BBC boykottiert.

PMRC

In den USA gründeten sich Ende der siebziger Jahre zwei Elternvereinigungen, die PMRC (Parents Music Ressource Center) und die PTA (Parents/Teachers Association), die sich gegen die „Verrohung und Sexualisierung“ der amerikanischen Jugend durch Rockmusik zur Wehr setzten. Sie forderten u.a. von den Plattenfirmen, dass die Scheiben mit mißliebigem Inhalt oder aufreizenden Hüllen mit speziellen Stickern zu versehen seien. Die Forderung richtete sich an solche Produkte mit sexuellen oder gewalttätigen Inhalten, okkulten Themen Bereich und allen Formen der Suchtförderung. Ein Teil des Startgeldes für die PMRC stammte von Sunny-Beach-Boy Mike Love und weitere Prominenz, nämlich Tipper Gore, Frau von Al Gore, forcierte die „Parental Advisory"-Kampagne Mitte der 80er Jahre. Die Plattenfirma Phonogram reagierte sofort auf die brodelnde Diskussion und kann seitdem den Ruhm aufweisen, das erste Album der Plattengeschichte mit einem Sticker versehen zu haben: es erwischte die neue LP der BarKays. Große Handelsketten wie Wal-Mart und Target verkündeten, sie würden keine Tonträger mit Sticker mehr verkaufen. Musiker, die große Absatzzahlen erzielen wollten, mussten deshalb entweder „entschärfte“ Fassungen herausbringen oder ihre Platten auf alternativen Wegen verbreiten. Im Gegenzug schlossen sich acht Plattenfirmen in einer „Musical Majority“ zusammen, um sich gegen den zunehmenden Druck der moralisierenden Rechtsausleger zu wehren. Zu ihnen gehörte Zappas Barking Pumpkin Label. Frank Zappa, dessen Texte schon in den sechziger Jahren der Prüderie seiner Landsleute zum Opfer gefallen waren, avancierte zum Wortführer der Opposition und wechselte von MCA mit der Begründung: „MCA war schon dabei, das Dreifach-Album Thingfish zu pressen, das sich mit dem Thema Aids beschäftigt, da hat sich so ein Frauchen in der Qualitätskontolle über die Texte beschwert. Als nächstes weigerte sich ein christlicher Drucker, die Texte zu printen.“ Aber auch deutsche Stars litten unter der aufbrandenden Moralwelle der frühen achtziger Jahre in den USA. So beschwerte sich Rudolf Schenker von den Scorpions darüber, dass Platten seiner Gruppe aus zensorischen Gründen kaum im US-Rundfunk gespielt würden, obwohl sich die Fans doch die Tickets für Konzerte aus der Hand reißen würden. In den 80er Jahren erstellte die PMRC ihre Liste der „Filthy Fifteen“ (‘Schmutzige Fünfzehn’). Unter den Kategorien: X für „explicit sexual references", D/A für „the glorification of drug or alcohol ubuse", V für „violence“ und O für „occult". Die Liste sah wie folgt aus:

Judas Priest: Eat me alive Mötley Crue: Bastard Prince: Darlin Niki Sheena Easton: Sugar Walls W.A.S.P: (Animal) F-U-C-K like a beast Mercyful Fate: Into the coven Vanity: Strap on Robby Baby Def Lepard: High 'n'dry Twisted Sister: We're not gonna take it Madonna: Dress you up Cyndia Lauper: She bop AC/DC: Let me put my love into you Black Sabbath: Trashed Mary Jane Girls: My house Venom: Possessed

CD mit PMRC-Sticker
Die Damen von PMRC

The Pogues

Nachdem sich Shane McGowans Vorläuferband „Nipple Erector“ aufgelöst hatte, trug die irische bzw. englische Folk-Punk-Band ursprünglich den Namen „Pogue Mahone", was sich allerdings als nicht massenkompatibel herausstellte, da es soviel wie „leck‘ mich am Arsch“ bedeutet. So änderte man den Bandnamen in „The Pogues". Noch mehr marktgängig versuchte später die amerikanische Plattenfirma die Band zu machen. Sie ließ beispielsweise dem ständig betrunkenen Pogues-Aushängeschild Shane McGowan auf Hochglanzfotos ein intaktes Gebiss retuschieren, um mehr Akzeptanz beim Teenager-orientierten Schallplattenmarkt der USA zu erreichen.

Police

„Roxanne“ stieg im Juni 1979 bis auf den elften Platz der Hitparaden auf, obwohl die britische BBC den Song über eine Prostituierte auf den Index gesetzt hatte. Gleiches widerfuhr zwei Monate später „Can't stand losing you". Das Lied, das vom Selbstmord handelt, kletterte trotz Boykott auf Platz 2 der Charts. Zwei Jahre später gab es neuerlich Ärger in ihrer britischen Heimat. Die BBC wollte das für die Sendung „Top of the Pops“ eingereichte Video für „Invisible Sun“ nicht senden. Die Veranwortlichen hatten Sorge, dass die im Clip gezeigten Szenen aus Belfast als politisches Statement gewertet werden könnte. Und zuguterletzt geriet die „Polizei“ auch noch in Verdacht, satanistisch angehaucht zu sein. Auf dem im gleichen Jahr erschienen Album „The Ghost in the machine“ war auf dem Cover eine Art digitalisierte Zeichen zu sehen. In der Spiegelung, so die Unterstellung, sei die Ziffer 666 dargestellt, um den Satanisten ein geheimes Zeichen zu übermitteln. Tatsächlich wurde die Zahl des Teufels 1982 dann von Iron Maiden aufgegriffen, als sie ihre Platte „The Number of the Beast“ herausbrachten.

gespiegeltes Cover
Originalcover

Iggy Pop

Darf in bestimmter Hinsicht auch als eine Art Nachfolger von Jim Morrison bezeichnet werden. Pop wurde 1970 in Romeo, Michigan verhaftet, weil er sich die Hosen heruntergezogen hatte. „Ich zog mir beim Auftritt die Hose aus und begann einen schönen Striptease hinzulegen. Ich war einfach berauscht und hatte keine Kontrolle mehr über mich", kommentierte der Sänger seine exhibitionistische Einlage mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Pretty Things

Im Oktober 1964 erschien „Don't bring me down". Der erfolgreiche Song schaffte die Top 10 in England, wurde in den USA aber wegen des Textes verboten.

Prince

Seine Songs handeln auch schon mal von den Freuden der lesbischen Liebe oder propagieren die Vorteile vom oralen Sex oder beschreiben ganz einfach wie frau sich unter Zuhilfename einer Vorlage mit sich selbst beschäftigt. Diverse Radioversionen z. B. von „Sexy Motherfucker“ wurden deshalb schrecklich verstümmelt. In Deutschlands Wohnstuben wurde aus dem „Motherfucker“ ein unverfängliches „uhuh". Andere Platten, insbesondere Auskopplungen seiner dritten LP „Dirty Mind", wurden komplett mit Rundfunkverboten versehen. Prince darf für sich sogar in Anspruch nehmen mit der Textzeile aus „Purple Rain“ „I saw you masturbating with a magazine“ sowie seinem Album „1999", Tipper Gore dazu veranlasst zu haben, die PMRC zu gründen, der die Menschheit bekanntlich die „Parental-Advice"-Sticker verdankt. Als 1986 das Video „Kiss“ in der Clip-Sendung „Formel-eins“ gezeigt wurde, legten besorgte Eltern die Telefonleitungen der Redaktion lahm, die im Gegenzug eine umfassende Prüfung weiterer Ausstrahlungen versprach. Prince hatte sich in dem Video mit einem Transvestiten rumgeräkelt und zuguterletzt den Musiktitel auch noch in Szene gesetzt. In den USA blieb das Video bei MTV unbeanstandet. Nach der Ausstrahlung wurde der Song auf Platz 1 der Billboard-Charts katapultiert. Kritik erntete Prince aber auch von Musikerkollegen. So meinte Rick James über ihn: „Der ist ja geistesgestört. Singt Songs über Inzest mit seiner Schwester! Das ist noch nichts als Marktschreierei. Gefährlich ist nur, dass alle Prince für den Repräsentanten des jungen schwarzen Amerikas halten.“ Prince rechtfertigte sich damit: „Ich verwende anstößige Texte, um uns alle von der Repression zu befreien, die unsere früheren Generationen kaputtgemacht haben.“

Prinzen

Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, äußerte sich nach der Wende zum Thema Zensur in Ost und West: „Früher haben wir singen können, was wir singen wollten, wenn es nicht gerade „Honecker ist blöd“ war. Würden wir jetzt einen Song aufnehmen, in dem zum Beispiel das wunderschöne Wort „Ficken“ vorkommt, würde ihn keine Radiostation spielen. Es gibt eben auch im Westen eine Zensur, auch wenn die Mechanismen auf ganz andere Weise greifen."

P.J.Proby

Liebte chaotische Auftritte mit einstudierten Parodien auf einen Transvestiten und Hüftschwungexzessen, bei denen ihm manchmal die hautengen Hosen bis zum Schritt platzten. Insbesondere dieser Programmteil brachte Proby den Bannfluch der Konzertveranstalter und Massenmedien ein.

The Prodigy

Die Dark-Grunger mit einem Hang zu ekeligen Videos werden von den Musiksendern gern und immer mal wieder boykottiert.

Public Enemy

Das HarcoreRapsextett aus Harlem überbot sich in den neunziger Jahren mit frauenfeindlichen Sprüchen, gewalttätiger Pose und volksverhetzenden, antisemitischen Ausfällen, für die sich insbesondere der sog. Propaganda-Minister Professor Griff verantwortlich zeigte. Sprüche wie: „Die Juden sind verantwortlich für das Böse in der Welt; sie finanzieren AIDS-Experimente mit Schwarzen in Südafrika", „Katzen miauen, Hunde bellen und Weiße sind ihrer Natur nach Mörder und Betrüger“ oder „Schwule tragen nichts zum Aufbau der schwarzen Gesellschaft bei, sie haben keinen Platz in unserer Kultur“ und „Wenn sich die Palästinenser ein Gewehr greifen würden, nach Israel einmarschierten und alle Juden töteten, wäre das schon toll“ führten dann schließlich dazu, das der Minister of Information selbst in die Wüste geschickt wurde.

Pungent Stench

Die Wiener Aktionisten Otto Mühl, Hermann Nitsch und Richard Schwarzkogler hätten ihre Freude an der österreichischen Rock-Band „Pungent Stench“ gehabt, arrangieren sie auf dem auf Postergröße auseinanderfaltbaren Cover ihrer CD „Club Mondo Bizarre - For Members Only“ diverse Materialien vorzugsweise in der weiblichen Schamgegend. Die Selbstzensierung der 'private parts‘ durch Pixelungen oder Balken konnte aber nicht verhindern, dass die Bundesprüfstelle die CD- und LP-Cover 1995 wegen der schwarzweißen SM-Fantasien indizierte. Wegen jugendgefährdender Texte wurde auch ihre Platte „For God Your Soul, For Me Your Flesh“ 1995 indiziert.


Stacey Q

Hatte mit ihrer Gruppe SSQ einen Skandal als sie „Screaming in my Pillow“ wisperte. Das dazugehörige Video zeigte sie beim Akt und wurde in Videosendungen wie „Formel Eins“ nie gesendet. Erst später tauchte es auf der Video-Kompilation „Sexy Shorts“ zusammen mit andern Videos von u.a. Duran Duran und The Tubes auf, die dort auch ihre nichtsendefähigen Clips zeigen durften.

Quiet Riot

Das Cover von „Condition Critical“ wurde aufgrund gewaltverherrlichender Tendenzen indiziert, während ihre Platte „Metal Health“ unbehelligt blieb.

Quintessence

Die Hippie-Ikonen mit dem ausgeprägten Hang zu fernöstlicher Weisheit erhielten nach einem Auftritt in Colsten Hall in Bristol Hallenverbot. Im Publikum war es zu dem üblichen Abbrennen von Räucherstäbchen gekommen. Quintessence wurden deshalb als potentielle Brandstifter eingestuft und weitere Konzerte wegen der möglichen Brandgefahr durch die Hallenverwaltung untersagt.

Radio in den sechziger Jahren

In den sechziger Jahren fand in der Bundesrepublik eine Art Vorzensur darüber statt, was im Radio gespielt werden sollte oder nicht. Dabei gab es drei Hauptrichtlinien für die Plattenauswahl: „Lieder in deutscher Sprache müssen in einem vernünftigen Deutsch gesungen werden. Die Texte dürften nicht zweideutig (moralisch und politisch) oder blödsinnig sein. Die Platte muss technisch perfekt sein.“ So kam es, dass die Stones oder die Rattles Schwierigkeiten bekamen und von Drafi Deutschers „Drafi“ nur ein paar Stücke gesendet werden durften. Sein „Waterloo“ fiel wegen des Textes überall durch und auch „Eve of Destruction“ von Barry McGuire stand vorm Sendeverbot. Die deutsche Version von „Shame and Scandle“ wurde ebenso abgelehnt wie Vickis „Messer, Schere, Gabel, Licht".

Rammstein

Die öffentlich-rechtlichen Sender nahmen Anstoß an dem Text von „Herzeleid", der Handel an dem Cover der CD „Mutter", weil man meinte, es sei ein Fötus abgebildet.

Rechtsextreme Musik

Die meisten Tonträger auf dem Index der Bundesprüfstelle stammen aus dem rechtsextremen Musikbereich, vor allem der Skinhead-Szene. Auch die meisten der Musikverbote wurden wegen rechtsradikaler, gewaltverherrlichender und/oder ausländerfeindlicher Texte verfügt. Fällt die Identifikation bei sprechenden Bandnamen wie „Rassenhass“ oder „Gestapo“ sehr leicht, da die Bezeichnung keine Fragen offen lässt, so ist es bei Namen wie „Tonstörung“ oder „Störkraft“ deutlich schwieriger.

Gleichwohl ist im Verfassungsschutzbericht regelmäßig von einer Zunahme der Fans dieser Musikrichtung - vor allem in den neuen Ländern - zu lesen. Für Staatschützer und Pädagogen stellen solche Konzerte gewissermaßen eine „Einstiegsdroge“ in NS-Ideologien dar, gerade wenn die Musik auch technisch gut gemacht, was sich allerdings nur bei wenigen Bands feststellen lässt. Besonders „Landser“ (siehe dort) besticht durch musikalische Fertigkeiten und einen Sinn für eingängige Texte.

Bei der häufigen und unkritischen Rezeption solcher Musik sei die Gefahr groß, so die Meinung der Jugendschützer, dass dumpf rassistische und gewaltauffordernde Parolen verinnerlicht werden können. (Siehe dazu: www.ida-nrw.de/html/Hmusi.htm). Allerdings zeigt sich gerade hier, dass eine Indizierung oder Beschlagnahme eher als Werbung und Auszeichnung in der Szene gilt und die Neugier auf das Verbotene fördert.

Dies zeigte sich auch am Beispiel der Band „Zensur". Ihr Debüt-album „Wir sind dagegen“ (1996, Funny Sounds) vom AG Koblenz am 19.10.1998 beschlagnahmt und vom AG Sinzig am 23.11.1999 eingezogen, wurde nach der Aktion erst richtig bekannt. Die Tracklist nennt folgende Songs: Alptraum, Nur eins, Mein Leben, Liebessong, Mordlust, Traumfrau, Chaostage, Enttäuschte Liebe, Modemensch, Kinderficker, Wir sind dagegen, Seid Ihr noch bei Verstand?, Und Tschüß. In Szene-Kreisen wird die Musikrichtung wie folgt beschrieben: „Gesunde Mischung aus Metal Skinhead Oi Hardcore Hatecore mit deutlichen Einflüssen der Böhse Onkelz + anderen szenetypische Gruppen. Ich sag nur oi! skin hatecore oi skinhead renee lonsdale fred perry thor steinar ben sherman doc martens hardcore“ (Zitat entnommen aus einer Angebotsseite bei ebay.de. Erwartungsgemäß wurde diese Auktion aber vorzeitig von kontrolle@ebay.de beendet).

Religion

Am DJ-Projekt „Der Verfall“ scheiden sich die heiligen Geister. Peter Grabowski, Musikredakteur beim WDR Jugendsender „Eins Live“ kritisierte: „Im Vorspann wird eine Tötungsszene beschrieben, und anschließend spricht der Täter ein 'Vater-unser'.“ Aus diesem Grund boykottierten Sender wie Radio Bremen den Song nebst sämtlicher Werbung.

Rennicke, Frank

Der nationaldeutschtümelnde Sangesbarde aus der rechten Szene hat es bislang auf neun Indizierungen seiner Veröffentlichungen wie „Wir singen Kampf- und Soldatenlieder". gebracht.

Rockbitch

Trotz der Zusage des Konzertveranstalters, nur Volljährige in das Publikum zuzulassen, untersagte im August 1997 das Kreisverwaltungsamt in München das Konzert der britischen Metallband. Hauptgrund dürfte gewesen sein, dass während der Bühnenshow sechs Frauen und ein Mann größtenteils unbekleidet auftreten und zumindest so tun, als würden sie kräftig rummachen. Nachdem eine Schadensersatzklage im Raume stand, änderte das Verwaltungsreferat seine Meinung und genehmigte die Veranstaltung unter Auflagen.

Diese bestanden neben dem Jugendverbot u.a. darin, die „Ausübung des Geschlechts- oder Oralverkehrs, insbesondere durch Einführen von Gegenständen", das „Urinierens in das Publikum“ sowie der „Verwendung religiöser Symbole in Verbindung mit sexuellen Handlungen“ zu unterlassen. Nach Ein- und Widersprüchen u.a. durch die Regierung von Oberbayern entschied schließlich der „Bayrische Verwaltungsgerichtshof“ das Konzert unter strengen Auflagen zu genehmigen. Ein großes Polizeiaufgebot riegelte bei dem nachfolgenden Gig die Eingänge der Bühne ab, um Jugendliche vor der drohenden Gefahr zu schützen.

Rolling Stones

Die Skandalgeschichte der Stones mit ständigen Boykott- und Zensurmaßnahmen ist so lang und abwechslungsreich wie ihre Karriere.

Schon bei der US-Tournee 1964 kam es nach Worten ihres Managers zu Boykotten von Konzerten: „Besonders die Bürgermeister von Cleveland und Milwaukee taten sich dabei hervor. Der eine sprach zu einer Zeitung von Kulturschande, der andere warnte sogar über den Rundfunk vor einem Besuch des Konzertes: Sie erreichten, dass bei den Shows Hunderte von Plätzen leer blieben!“ Drei Jahre später brachten die Stones ihre Single „Let's spend the night together“ auf den Markt. Sie durfte etwa bei Radio Luxemburg nicht gespielt werden, gleichwohl sie Spitzenplätze in den Hitparaden erreichte.

Und als die Stones einen Auftritt im amerikanischen Fernsehen in der berühmten Ed Sullivan Show hatten, musste Mick Jagger die anstößige Textzeile in ein „Let's spend sometimes together umwandeln. In Amerika weigerten sich ohnehin viele Rundfunktstationen den Song zu spielen und in England protestierten die Frauenverbände vehement. Die Zeitschrift „Musikparade“ titelte daraufhin: „Neue Stones Platte verboten".

Die Single war bei der Plattenfirma Decca erschienen, mit denen die Stones ohnehin im ständigen Clinch lagen. Als der Vertrag mit der Live-Platte „Get Yer Ya Ya's Out“ fast erfüllt war mussten die Stones noch eine letzte Single abliefern. Zum Abschied schenkten sie Decca den „Cocksucker Blues“ zur freien Verwertung. Der besondere Blues erschien nie auf Platte und selbst der „2001"-Versand wagte es nicht, den Text in seinem Rolling-Stones-Songbook abzudrucken, sondern legte lediglich einen Handzettel mit der Textfassung dabei.

Den gleichen Titel erhielt dann ein Film von Robert Frank, der die US-Tournee der Stones 1972 dokumentieren sollte. Er gewährte so manche Innenansicht in das Treiben der Stones. So wurde u.a. eine Szene mitgefilmt, in der Keith Richard sich bei einer Gruppensex-Party im Tourneejet einen Heroinschuss setzen ließ. Auch dieser „Cocksucker Blues"-Film mit den gewagten Szenen blieb unter Verschluss. Der offizielle, harmlose Konzertfilm hingegen kam in die Kinos und fiel beim Publikum durch. Erst 1984 wurden einige Sequenzen der ursprünglichen Fassung in das 60 Minuten Video „Rewind“ eingebaut.

„Starfucker“ von der LP „Goats Head Soup“ war der nächste Titel, der geändert werden musste. Auf Druck der Industrie wurde er kurzerhand in „Star Star“ umgetauft. Mit der Posterbeilage zu der LP „Black and Blue“ brachten die Stones dann amerikanische Frauenverbände in Rage. Platte und Poster waren bei der Firma Warner erschienen, die sich unter dem Druck der anhaltenden Proteste einsichtig zeigte und das Poster zurückzog. Über die Presseabteilung wurde zugleich bekanntgegeben, dass Warner, zukünftig keine „sexistischen“ Motive im Zusammenhang mit Platten und Plattenverkäufen veröffentlichen werde. Bootleger haben dafür anschließend dem Sex-Image der Stones ein Denkmal gesetzt, indem sie das Cover der Raubpressung „Tour of the Americas 81“ mit diversen Pin Ups garnierten.

Auch der Arbeitstitel dieser (offiziellen 28.) Stones LP konnte nicht durchgesetzt werden. Er lautete „Fucking Girls", was der Plattenfirma überhaupt nicht gefiel. Die Platte erschien als „SteelsWheels". Bei der LP bzw. CD „Bridges to Babylon“ musste ebenfalls der Titel geändert werden, zumindest in Dubai. Da in dem Emirat das Wort „Babylon“ aus religiösen Gründen verpönt ist, erschien das Album dort unter dem schlichten Titel „Bridges".Zwischendurch hatten die Stones Probleme mit diversen Videos. Zu „She was hot“ etwa drehten die Glimmer Twins ein Video, dass sogar dem amerikanischen MTV zu heiß war. Da wandelte die Schauspielerin Anita Morris als „Miss Curvaceous“ mit überdimensionalen Körperteilen durchs Bild und es passieren außerordentliche Dinge: Keith spielt Gitarre, die beim Anblick von Miss Morris explodiert. Gleiches passiert Ronnies Thermometer, mit dem er gerade seine Temperatur misst.

Während die englische BBC das Video als „zu sexistisch“ verbannte, gab's in Deutschland keine Probleme mit der Zensur. Mitte März 1984 flimmerte „Miss Curvaceous“ erstmals über die bundesdeutschen Bildschirme. Durchfiel bei der britischen BBC auch das Video „Undercover of the Night", das mit Regisseur Julian Temple in Mexiko gedreht worden ist. Der vierminütige Polit-Thriller, im umkämpften El Salvador, wurde wegen Parteilichkeit mit einem Bann belegt. Auch in diesem Fall zeigte man sich in der BRD großzügiger und sendete das Video unzensiert.

Die Stones selbst wiesen immer wieder alle Vorwürfe zurück. Auf die Frage, ob Songs der Stones mitverantwortlich seien für Drogenmissbrauch, Gewalt oder sexuelle Ausschweifung meinte Mick Jagger in einem Interview dazu: „Einzelne Songs oder Gruppen kann man dafür nicht verantwortlich machen. Wenn man nur ein einzelnes Element betrachtet, ist der Einfluss überhaupt nicht groß. Man ist Teil einer Bewegung. Und die Bewegung verändert langsam die Köpfe einiger Leute.“

Rumble Militia

Wegen vermeintlicher Staatsfeindlichkeit wurde die Platte insbesondere wegen des Textes von „Wieviel Hass wollt ihr noch?“ der gemischt türkisch-griechischen Gruppe aus dem Vertrieb genommen wurde.

Schlachthaus

Wegen gewaltpornographischer Texte ist die CD „Rot-Weiß-Rotes Wunschkonzert“ seit 1998 verboten.

Schlachtrufe BRD II

Die gleichnamige CD wurde zensiert und kam nur in der Erstauflage mit „WIZO"-kein Gerede- auf den Markt. Angeblich soll der Text zur Gewalt gegen die deutsche Demokratie aufrufen. Spätere Fassungen des Samplers enthalten das Stück nicht mehr.


Schroeders Roadshow

Schroeders Roadshow vertrieb ihre Platten zunächst alternativ im Trikont Verlag. Dann wechselte die Band zur größeren WEA, was nicht ohne Einfluss auf die politischen Inhalte der Songs blieb. Die LP „Wir lieben das Land“ wurde von WEA abgelehnt. „Es gab auch politische Bedenken, aber die waren nicht der Hauptaspekt", kommentierte WEA Mitarbeiter Peter Köpcke die schwierigen Verhandlungen. Anders sah es die Gruppe selber. „Es ging uns doch ganz eindeutig um einige Textzeilen, die korrigiert werden sollten. Die haben uns von der Rechtsabteilung unterjubeln wollen, das sei zum Teil verfassungsfeindlich und Aufruf zur Gewalt.“ Vor allem bei Textzeilen wie „Komm, komm wir reißen die Stadt an die Erde/jetzt gleich/ und machen sie dem Erdboden gleich“ zeigte sich Siggi Loch (ehemals Geschäftsführer der WEA) knüppelhart: „Dieses Ding kommt nur über meine Leiche.“


Scorpions

Die deutschen Hardrocker hatten neben ihrem in Deutschland „klassischen“ Virgins-Zensurfall mit anderen Platten auch in den USA Probleme: So schuf Polygram für ihre Scheibe „Love at First Sting“ ein unverfänglicheres US-Cover, nachdem Wal-Mart protestiert hatte.

Die Sekte

Die deutschen HipHopper und ihr Berliner Label Aggro Berlin bekamen Anfang 2004 Post von der Bundesprüfstelle: Ihre CDs „Die Ansage“ Teil 1-3 sollen auf Antrag des Jugendamtes wegen moral-ethisch desorientierender Texte indiziert werden.

Severe Torture

Ihr 2003 bei Hammerheart Records erschienenes Album „Misanthropic Carnage“ veröffentlichte die Death-Metal-Band vorsichtshalber mit einem neutral schwarzen Einleger, der neben Bandnamen und CD-Titel den Hinweis „Censored Coverartwork!“ enthält. Darunter kommt dann das Original in voller Pracht zum Vorschein.

Sex Pistols

Mutig war die Londoner Fernsehstation ITV, die für ihre Show „Today“ eine interessante Band suchte und - nachdem „Queen“ aus Termingründen absagen mussten - die frisch formierten Sex Pistols live vorstellten. Showmaster Bill Grundy gelang es zunächst nicht, etwas Substantielles aus Glen Matlock herauszubringen und so versuchte er die ebenfalls anwesende Sioxsie in dirty old man-Manier ins Gespräch zu ziehen. Steve Jones im berühmten Titten-T-Shirt und Matlock knallten ihm daraufhin eine Kanonade von fuck-Schimpfwörtern an den Kopf, woraufhin Grundy die Live-Sendung mit hochrotem Kopfes abbrach und an-schließend erst einmal vom Dienst suspendiert wurde. Die Nation aber geriet über die Pistols in Rage, die Presse überschlug sich mit scharfen Vorwürfen und die Konzertagenturen bekamen Angst.

Bereits bestehende Auftrittsverbote in den größeren Londoner Clubs wie dem Marquee oder dem Nashville wurden erweitert. Die lang ersehnte „Anarchy"-Tournee schrumpfte unter dem Eindruck des Talkshow-Skandals von 19 Gigs auf die drei Stationen Leeds, Manchester und Plymoth zusammen. In Derby sollte die Band sogar ein Testkonzert für die Honoratioren der Stadt geben, worauf sich die Pistols natürlich nicht einließen.

Zudem kündige die Plattenfirma EMI den Vertrag mit den Pistols. „Anarchy“ hatte gerade die Top 30 erreicht. Die Restauflage der Single wurde eingestampft. Anteilseigner, protestierende EMI-Musiker und streikende Arbeiterinnen, die sich weigerten die Platte zu verpacken, hatten EMI unter Druck gesetzt. Den Pistols brachte der Vertragsbruch 50.000 Pfund Abfindung. Die US-Chefetagen von CBS und WEA waren zunächst interessiert, die Pistols zu übernehmen, aber britische Bedenkenträger setzen sich durch. So machte A & M, ansonsten eher auf „Middle-of- the-Road"-Pop abonniert, das Rennen. Die Skandale gingen weiter. Im A & M Büro kam es gleich beim ersten Besuch der Pistols zu handfesten Auseinandersetzungen, weil die Pistols Wein auf dem teuren Teppich kippten und die attraktive Sekretärin mit obszönen Angeboten überschütteten. So ehrenhafte Musiker wie Rick Wakeman oder Peter Frampton forderten angesichts der vielen Eskapaden der Pistols den Rauswurf der Band und drohten andernfalls mit der eigenen Kündigung der bestehenden Verträge.

Bei der Prüfung der Werbeanzeige für die frischgepresste Single „God save the Queen“ (Ihre Majestät mit dem Songtitel vor Augen und eine Sicherheitsnadel durch die Nase gesteckt) wurde es dem A&M Chef Derek Green tatsächlich zuviel. Die bereits gepressten 25.000 Singles von „God save the Queen“ („Good save the queen, a facist ragime, / It made you a maron, a potential H-bomb / Good save the queen / She ain't no human being / There is no future in England's dream …“) wurden eingestampft und die Gruppe nach einer Woche mit einer Abfindung von 75.000 Pfund gefeuert.

Im Mai unterschreiben die Sex Pistols bei Virgin, wo am 27. des Monats „God save the Queen“ doch noch erschien. Sie erreichte den Gipfel der Charts, obwohl über 30% der Läden sich weigerten, die Platte wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu vertreiben. Zugleich belegten die meisten Rundfunk- und Fernsehstationen die Sex Pistols mit einem Bann.

Ihre silberne Schallplatte feiern die Sex Pistols auf einer von Mc.Laren organisierten Bootsfahrt über die Themse. Das Schiff wird von der Wasserschutzpolizei gestürmt. Acht Boote der Wasserschutzpolizei eskortieren das Pistols-Schiff an den Charing-Cross-Pier und Fans inkl. McLaren wurden in Polizeigewahrsam genommen. Inspiriert von dieser Polizeiaktion nahmen sich auch einige britische Staatsbürger das Recht heraus, die Pistols für ihre anti-monarchistische Propaganda zu strafen: Johnny Rottenwurde Opfer zweier Rasiermesseranschläge und auch Drummer Paul Cook erwischte der Mob nahe der Shepards Bush-U-Bahnstation, als sechs Leute mit Eisenstangen über ihn herfallen. Danach veröffentlichen die Pistols „Pretty Vacant". Die Platte blieb von Boykott-Maßnahmen verschont. Aber Johnny Rotten ließ es sich nicht nehmen, statt „vacant“ immer „va-cunt“ zu singen. Ein führender Kopf der GLC-Organisation, ohne deren Genehmigung keine Pop-Konzerte in und um London stattfinden können, erklärte daraufhin öffentlich, dass Punk-Rock und insbesondere die Sex-Pistols mit allen Mitteln an Auftritten gehindert werden müssten.

Selbst Gruppen, in denen Pistolsmitglieder als Gäste auftreten wollten, wurden mit dem Bannstrahl abgestraft. Iggy Pop etwa durfte mit seiner neuen Band in einigen Londoner Clubs nicht auftreten, weil er Glen Matlock in seinem Gefolge hatte. (Auch Jean Jaques Burnell musste einen Gig absagen, nachdem das Management von Dury Lane Theatre gemerkt hatte, dass er ein Strangler ist.) Und selbst Jahre nach den ersten Skandalen waren die Restpistols immer noch so gefürchtet, dass geplante Konzerte in Griechenland von der dortigen Regierung 1996 verboten wurden. Die Pistols sagten zu den Auftrittsverboten später: „We've been banned cause we're telling the truth. The councils, they ban my concerts and they take my money". Sid: „Rules are made to be broken." Am 15. Oktober 1977 erschien dann die Single „Holydays in the Sun", erstmals komponiert von Jones/Rotten/Cook/Vicious und es gab wieder Ärger. Das Cover verletzte - so der Vorwurf - das Copyright irgendeiner Reisegesellschaft, aus deren Prospekten die verwendeten Bilder stammten. Das im Text vorkommende Wort „Belsen“ wurde darüber hinaus mit dem ebenfalls vorkommenden „holyday camp“ assoziiert, was Wasser auf die Mühlen, der Faschismus-Verdächtiger goss. Nur wenige Monate später lief die American Express Company Amok als sie das Cover zu der Sex-Pistols Single „The Great Rock'N‘ Roll Swindle“ sah. Dort prangte auf schwarzem Untergrund das Abbild einer Kreditkarte des American Express, und das gefiel der Gesellschaft überhaupt nicht. Sie strebte ein Verfahren wegen Verletzung des Urheberrechts und des Warenzeichenschutzes an und erreichte damit, dass alle Singlehüllen eingezogen wurden. Die bereits verkauften erreichten folglich beachtliche Sammlerpreise. Aber auch die Pistols wurden ruhiger. Lydon trägt mittlerweile ein T-Shirt auf dem „sorry“ steht. (• siehe auch Bildteil)

Sheila E

Wurde von diversen Frauenverbänden abgestraft, weil sie Oralverkehr auf der Bühne angedeutet hatte. [[Image:sheila_e_buehne.jpg>300px|thumb|none]]

Flora Sigismondi

Die Videoexpertin für Endzeitvisionen eckte 2004 mit ihrem Clip „Megalomantic“ für Incubus an. Entsprechend ihrer düsteren Gefühlslage („Ich wollte meiner Frustration über das aktuelle politische Klima in der Welt Ausdruck verleihen. Der Songtitel inspirierte mich, mit Bildern von Diktatoren aus Vergangenheit und Gegenwart zu zeigen, wie uns Redefreiheit genommen wird, während wir schlafen.“) schuf sie eine trashige Bilderflut mit üblen Diktatoren und einem Pseudo-Bush in der Hauptrolle, der sich als Raubvogel auf demonstrierende Kriegsgegner stürzt. Der Politclip war MTV zu heiß und wurde deshalb aus dem Verkehr gezogen. Begründung: Die Zuschauer seien bereits durch den Janet-Jackson-Nipplegate-Vorfall hoch sensibilisiert und man wolle neuen Ärger vermeiden.

Siouxie & the Banshees

Sie pflegten zu Beginn ihrer Karriere einen provokanten Trip zwischen Davidsstern und Hakenkreuz, was der Band den Faschismusvorwurf einbrachte.


Slime

Die 1978 gegründete Punk-Band Slime bot mit dem Stück „Polizei SA/SS“ den Anlass dafür, dass die gesamte Platte „Soundtracks zum Untergang“ am 22.5.1982 indiziert wurde. Formulierungen wie „Bullenschweine", „Ihr seid moderne Nazis", „Scheiß-Staat“ und „Baader-Meinhof hingerichtet im Stammheimer KZ“ ließen nach Ansicht der BPS eine gewisse Staatsfeindlichkeit erkennen. In der zensierten Fassung wurden missliebige Worte durch allerlei Pfeiftöne ersetzt, so dass z. T. nur völlig zusammenhanglose Satzfetzen zu hören sind. Noch Ende 2003 wurde der (allerdings schon ältere) Sampler „Kampflieder-Deutschpunk“ indiziert, da auch dort das beanstandete Stück sowie „Bullenschweine“ enthalten war. 2003 brachten die Hamburger Punkrocker mit ihrer Doppel-DVD „Slime - Wenn der Himmel brennt“ ihre „endgültige Band-History“ heraus. Im beigelegten Booklet werden die inkriminierten Texte von „Bullenschweine“ und „Polizei SA/SS“ nicht abgedruckt. Stattdessen steht auf S. 43 folgender Hinweis: „Dieser Text wird seit über 20 Jahren von Staatsseite aus als Aufruf zur Gewalt und Anleitung zum Waffenbau eingestuft und kann deshalb nicht abgedruckt werden.“ Obwohl sich die Band bereits Ende 1994 auflöste, kam es auch 2002 und 2003 zu Haussuchungen und Beschlagnahmen ihrer Platten. Die DVDs haben übrigens eine FSK-Freigabe „ab 16 Jahren“ (Weitere Infos unter www.slime.de).

Slipknot

Auch weil die Ami-Band mit ihren destruktiven Gewaltphantasietexten und einem bizarren Bühnen-Outfit zu den Lieblingsgruppen des Amokläufers von Erfurt gehörte, regten sich Stimmen, derlei Musik in Deutschland ganz zu verbieten.

Smashing Pumpkins

Ihr Song „Disarm“ durfte beim BBC nicht gespielt wird, weil er die Zeile „Killer is me is killer in you“ enthält.

Sniff 'N‘ the Tears

Das Cover der LP „The Game's up“ wurde für die traditionell eher prüden US-Konsumenten entschärft.

Snoopy Doggy Dogg

Snoopy wurde wegen Mordversuch angeklagt, was sich in entsprechenden Boykottforderungen und einem klingelnden Geldbeutel einbrachte. Seine Plattenfirma „Death Row“ (Todes-Trakt) stellte eine Million Dollar Kaution zur Verfügung und nur drei Monate nach den Schüssen im Woodbin Park, für die Snoopy verantwortlich gemacht wurde, veröffentlichte er sein Debüt „Doggystyle“ (Textauszug aus „Serial Killer“ - „Massenmörder": „Spät in der Nacht. Ich bin auf der Straße, keine Scheu, einen Nigger umzulegen. Und wenn ich töte macht es ratatata“), das in kürzester Zeit 4,5 Millionen mal verkauft wurde. „Ist die amerikanische Jugend verrückt nach Musik von potentiellen Mördern", fragte die „New York Times". Daraufhin strich der Sender MTV eine Rap-Show, etliche Radiostationen setzen Gansta-Rap auf die schwarze Liste, der Republikaner Bob Dole überredete Time Warner seine Anteile an einem Gangsta Rap Label zu verkaufen und vor Kirchen zertraten Geistliche und Gläubige Gangsta Rap Platten. Das wiederum heizte den Verkauf an.

Söllner, Hans

Der kiffende bayrische Liedermacher hat nicht nur wegen seines Drogenkonsums des öfteren Ärger im Freistaat. Seine Songs werden fast regelmäßig zensiert (z. B. „Heil“) und kaum im Radio gespielt. Die meisten seiner raren CDs wie „Bayerman Vibration“ sind mittlerweile vergriffen und praktisch nur noch bei eBay zu Liebhaberpreisen erhältlich.

Jimi Sommerville

Kurz nachdem der Sänger die Band „Bronski Beat“ verlassen hatte, gründete er „The Communards". Gleich deren Debüt-Single „You are my world“ wurde wegen „homosexueller Anspielungen“ vom britischen Radiosender Channel One nicht ins Programm aufgenommen.

Britney Spears

Ihr geplanter erster Ausflug ins „Reich der Mitte“ 2004 führte bereits im Vorfeld zu erheblicher Unruhe. Das chinesische Kulturministerium sorgte sich um die korrekte Kleiderordnung des Popstars und wollte wissen, was Britney auf der Bühne zu tragen gedenke. Ein „Ooops - I did it again“ sollte mit der vom Veranstalter geforderten Garantie, dass die Sängerin nicht zuviel nackte Haut zeige, auf jeden Fall verhindert werden.

Specials

Ihr Hit „Too much too young“ wurde von der BBC aufgrund fragwürdiger Lyrik nicht gespielt, was allerdings nicht verhindern konnte, dass die Platte im Februar 1980 den ersten Platz erreichte. Ein Jahr später eckten die Specials mit den Protestsong „Ghost Town“ erneut an. Die Platte erschien passend zur Zeit der Rassenkrawalle in Brixton und Liverpool und erreichte unbeeindruckt vom BBC-Boykott Platz eins der Verkaufscharts.

Spider Murphy Gang

Die Gang hatte 1981 ihren ersten Nr. 1 Hit mit „Skandal im Sperrbezirk", der sich ziemlich unverblümt mit der Abschiebung einer Prostituierten aus dem Stadtgebiet beschäftigte. Das erregte die Gemüter in den öffentlich-rechtlichen Radiostationen so sehr, dass viele bundesdeutsche Sender sich weigerten, die Platte zu spielen. Auch der Nachfolge-Single „Ich schau Dich an", ein kleiner Einblick in die Peep-Show, ward ein ähnliches Schicksal beschieden.

Bruce Springsteen

Amerikanische Patrioten forderten einen Boykott der Erfolgsplatte „Born in the U.S.A.", da sie auf dem Cover einen pinkelnden Boss zu erkennen meinten und das auch noch auf die amerikanische Flagge.

Ingrid Steeger

Erfreute in den siebziger Jahren durch freizügige Auftritte in der Comedy-Show „Klimbim“ die eine Hälfte der bundesdeutschen Fernsehnation und ärgerte die andere. Ihre gleichnamige Platte wurde ob des angekratzten Schamgefühls zuweilen nur unter der Ladentheke gehandelt.

Stranglers

Im Sommer 1978 stoppte die Polizei ein Konzert der Würger in Londons Battersea Park. Eine Nackttänzerin und der ausgezogene Bassist Jean-Jacques Brunerl wurden als Gefährdung der öffentlichen Ordnung betrachtet. Und auch ihre Single „All day and all of the night“ wurde aufgrund des Covers zum öffentlichen Ärgernis.

Straßenjungs

Ihre Platte „Dauerlutscher“ geriet ins Visier der BPS und wurde wegen der Darstellung von oralem Verkehr tatsächlich aus dem Verkehr gezogen.


Stray Cats

Die Single „Jeannie, Jeannie, Jeannie", eine Cover-Version von Eddie Cochrans gleichnamigen Titel, dürfte den Weltrekord in der Aneinanderreihung von „unanständigen Wörtern“ innehaben.

Ein amerikanisches Gericht jedenfalls befand, dass die Platte „pervers“ sei und erließ die Auflage, 85 der 91 Worte, die voller „Sauereien und sexueller Anspielungen“ seien, auszuwechseln.

Stryper

Die Gruppe machte sich mit der LP „To hell with the devil“ einen Namen als kirchentreue Antisatanisten und Moralapostel. Die Brüder Robert und Michael Sweet dazu: „Mit dem Album-Titel wollen wir ein für allemal klarstellen, dass der Teufel in die Hölle gehört, und es uns allen weit besser ginge, wenn er endlich dahin verschwinden würde. Wir glauben durchaus, dass es ihn gibt, genauso wie die Hölle. Uns wird immer wieder bestätigt, wie viele Leute erst durch uns auf den rechten Weg gefunden haben. Wir betonen bei jeder Gelegenheit, dass wir Jesus Christus lieben, und verteilen deshalb bei unseren Konzerten Bibeln im Publikum."

Styxx

Hatten nicht nur einen Superhit mit „Boat on a River", sondern profilierten sich auch als Heavy Metal-Gegner. Gegen das vermeintlich musikalische Gift wurde bekanntlich in L.A. in den achtziger Jahren eine Kampagne gestartet, die von Styxx mit initiiert worden sein soll.

Donna Summer

Egal ob es wie die einen meinen 21 oder 32 wie die anderen meinen deutlich unterscheidbare Orgasmen waren, die die Disco-Queen bei „Love to Love you Baby“ zum Besten gab, das 16 Minuten und 50 Sekunden währende Kopulationsspektakel sprengte 1975 alle bis dahin gekannten Grenzen und galt im Rundfunk aus Zeit- und Geräuschgründen für unspielbar.

Swinging Erudites

Die Bangles verstanden keinen Spaß als die Punk-Kapelle „Swinging Erudites“ eine Parodie auf ihren Hit „Walk like an Egyptian“ auf den Markt bringen wollte und drohten mit Klage. Die neue Nummer sollte nämlich „Walk with an Erection“ heißen.

Symposium

Merkwürdigerweise unbeanstandet blieb eine Platte, die in den fünfziger Jahren in den USA als sozusagen medizinische Blues-Adaption auf den Markt kam. Auf der Rückseite wurde doch tatsächlich mit einer stimmungsaufhellenden Droge geworben, die bei Depressionen helfen soll.

System of a Down

Ihr Video zur Single „Boom!“ zeigt einen Zusammenschnitt sämtlicher am Friedensdemonstrationen, die am 15.2.2003 stattgefunden haben. Die Botschaft, den Irak-Krieg abzulehnen, kam aber in weiten Teilen Europas nicht an, weil das Video aufgrund der politischen Parteinahme nicht gesendet wurde.

Tabu-Wörter

Für den englischen Wortschatz ermittelte Timothy B. Jays von der Kent-University eine „Hitliste“ der Bad-Words, die nicht in der Öffentlichkeit und den Medien gebraucht werden sollen. Die Top-Ten lauten: „motherfucker", „cocksucker", „fuck", „pussy", „cunt", „prick", „cock", „bastard", „son of a bitch“ und „asshole". Unnötig zu erwähnen, dass gerade diese bösen Wörter von vielen Pop-Stars, vor allem der Rap-Szene, verwendet werden, um Aufmerksamkeit zu erregen oder sich vom Mainstream abzugrenzen. Erstmals traute sich übrigens 1969 die Band „Jefferson Airplane“ auf ihrer LP „Volunteers“ solche rude words wie „fuck“ und „shit“ auf Platte zu pressen.

Take That

Die Pubertierenden-Bibel „Bravo“ hatte es 1996 doch tatsächlich gewagt, freizügige Szenen-Fotos aus einem „Take-That-Video“ abzudrucken. Das fanden einige Eltern nicht so nett und sahen die Fotos jenseits der sittlichen Verträglichkeitsgrenze angesiedelt. So suggeriere ein ans Bett gefesselter Jüngling Sadomasochismus und Gewaltverherrlichung. Zwar war das Video zur gleichen Zeit im freien Handel ohne Altersbegrenzung erhältlich, aber das schütze „Bravo“ nicht vor einem Indizierungsverfahren.


t.A.T.u.

Traten am 25.2.2003 in der von NBC produzierten Show mit Jay Lenos auf. Vorher war ihnen untersagt worden, sich über den Irak-Krieg zu äußern. Julia und Leno trugen aber T-Shirts, die in kyrillischer Schrift die Worte „Xuj Vojne“ („Fuck War“) trugen. Als ihr Song zu Ende war, kommentierten sie ihren Auftritt noch augenzwinkernd auf russisch mit den Worten: „Wir sind sicher, dass uns Russland verstehen wird.“ Der Sender kam den beiden Russinnen erst nach begeisterten Zuschaueranrufen auf die Schliche.


Teenager Love

Das sechziger Jahre Musical kam aus Dänemark, hieß ursprünglich „Das süße Lied vom Sex", und sorgte auch nach der Änderung des Titels hierzulande für so manchen handfesten Skandal. Auf dem Cover der gleichnamigen Platte hieß es entsprechend warnend: „Für Empfindsame und Prüde ist das dänische Erfolgs Musical ungeeignet. Ungeeignet aber auch für Leichtfertige und Dickfällige. Zwar kommen Worte und Sätze über die Bühne, die selbst einer altgedienten Souffleuse nur schwer über die Lippen gehen dürften, jedoch wer nur erotischen Kitzel empfindet oder sich an einer scheinbaren Disko-Pornographie ergötzen zu können glaubt, ist eben jener Oberflächlichkeit ...., die in diesem Musical zu sozial-kritischen Anklage erhoben wird."

Maggie Thatcher

Renaud Sechan, französischer Chansonier, sorgte mit seiner persönlichen Liebeserklärung an die Frauen, für diplomatische Verwicklungen zwischen Großbritannien und Frankreich. Sein Song „Miss Maggie", in dem er sich lobend über die Frau an sich auslässt, aber als Negativbeispiel die damalige britische Premierministerin benennt, wurde in Frankreich ein Hit und in England zerrissen. Der schottische Tory-Abgeordneten Nichola Fairbairn ließ sich in einer Retourkutsche gar zu der Bezeichnung „Pissarist“ hinreißen, um Sechan zu klassifizieren. Der Sänger beteuerte dagegen immer wieder, er habe nichts gegen England.

Theodorakis

Galt in seinem Heimatland Griechenland lange als „Komponist ohne Vaterland“ und wurde zur Zeit der Athener Militärjunta im eigenen Land verboten.

Justin Timberlake

Sein Auftritt in der Pause des US-Superbowl 2004, in der er mit Janet Jackson ein Duett sang, sollte zu einem teuren Skandal für den Sender CBS werden. Während der Songdarbietung riss er (wohl verabredungsgemäß) Jackson einen Teil ihres Bustiers herunter, worauf Millionen Zuschauer einen kurzen Blick auf ihre entblößte und nur mit einem Piercing dekorierte Brust werfen konnten. Ein Skandal im prüden Amerika, da zur Hauptsendezeit viele Minderjährige zuguckten. Obwohl sich die beiden Sänger für ihren Act entschuldigten, drohten Millionenklagen auf den Sender zu zukommen. Daraufhin entschlossen sich mehrere Sender, künftig andere Showveranstaltungen (z. B. die Grammy-Verleihung im Februar 2004) mit 5- minütiger Verzögerung auszustrahlen, damit die Zensur eventuell auftauchende Nacktheit, „bad language“ oder anderes Skandalträchtiges vorher zensieren könne. Selbst die Oscar-Verleihung 2004 wurde aus diesem Grund mit leichter Verzögerung übertragen. Und MTV beschloss, zahlreiche erotisierte Video- Clips u.a. von Britney Spears („Toxic“) und Blink 182 ins Nachtprogramm zwischen 22 und 6 Uhr zu verbannen.


TNM

Im französischen Toulon wurden im November 1996 zwei Musiker der Rap Gruppe „TNM“ („Nique ta mère“) wegen Autoritätsbeleidigung zu sechs Monaten Gefängnis, Konzertverbot und 50.000 Francs Geldstrafe verurteilt. Sie hatten auf einem Konzert das Stück „Police“ aus ihrem Album „Ich drücke auf den Abzug“ gesungen („Was kann ich von den Flics erwarten, die für mich nur Ärgernis sind? Gib mir Kugeln für die Stadtpolizei, gib mir ein Gewehr“) und dazu noch improvisierte Statements abgegeben, die den Staatsdienern überhaupt nicht gefielen: „Polizisten sind Faschisten. Sie sind es, die töten. Sie warten nur darauf, auf uns einzuschlagen. Unsere Feinde, das sind die Männer in Blau. Solche Leute sind gefährlich für unsere Freiheit. Wir pissen auf sie."

Tonio K.

Bei den Aufnahmen zur der Platte „Hatred“ wurde im Zuge der Soundanreicherung ein Keyboard von einer Maschinenpistole zersiebt. Das rief die Nachbarschaft und die Polizei auf den Plan. Tonio K. dazu: „Es war eine Nato HK 91, 20er Satz Munition, 10erStöße, panzerknackend.“ Er wollte eine alte Orgel, die es nicht mehr tat, damit erschießen. Ein Vietnamveteran hatte am Sound der Waffe deren Gefährlichkeit erkannt und die Polizei gerufen; er glaubte nämlich, ein Verrückter laufe Amok.

Vico Torriani

Im Jahre 1958 verhandelte das Jugendgericht von Ravensburg gegen mehrere Oberschüler, die im September des vorhergehenden Jahres ein Konzert von Vico Torriani durch Pfiffe, Sprechchöre und Stinkbomben gestört hatten. Sechs der Demonstranten wurden zu geringen Geldstrafen verurteilt. Bei der Untersuchung der Angelegenheit stellte sich heraus, dass zwei Lehrer an der Anstiftung der Zwischenfälle beteiligt gewesen waren. Sie hatten die Jungen aufgefordert, „gegen diesen Kitsch“ zu protestieren.


Peter Tosh

Der frühere Mitstreiter von Reggae-Legende Bob Marley landete gleich mit seiner ersten Solo-Platte „Legalize it“ 1976 auf dem deutschen Index. Auch die entsprechende Musikkassette sowie die Singleauskopplung „Get up, stand up / Legalize it“ wurden auf Initiative des Bonner Bundesamtes in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen. Das bedeutet, dass das 'Legalize Paket‘ zwar weiterhin im Handel ist, jedoch nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden und auch nicht ausgestellt werden darf. Wegen der Platte wurde Tosh bei einer Deutschlandtournee zusätzlich abgestraft. In München erhielt er 1983 Auftrittsverbot.

Die Toten Hosen

Bei der Erstauflage ihrer LP „Unter falscher Flagge“ zeigt dass Motiv auf der Flagge im Cover Logo der Plattenfirma EMI, den sog. „EMI-Hund“ vor einem Grammophon, der später zensiert wurde und dem typischen Hosenadler weichen musste. Ein weiterer Zensurfall ereignete sich im November 1996. Jan Timke, Politiker der „Statt-Partei", erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung gegen die Düsseldorfer Punkband. Insbesondere die Textpassage ihres Songs „Bonnie and Clyde“ auf ihrer CD „Opium fürs Volk“ (Textauszug: „Wir rauben ein paar Banken aus oder einen Geldtransport, wir schießen 2,3,4,5 Bullen um“) rief aufgeregten Widerspruch hervor. Die Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft später zurückgewiesen. Auch mit ihrer Single „Sascha“ sorgten die Fun-Punks für Ärger, da die Verhohnepipelung des Nationalstolzes nicht jeder lustig fand.

unzensiert
zensiert

Trash Grove Girls

Die Trash Grove Girls aus Düsseldorf schwärmten zu ihren besten Zeiten vor allem für St. Pauli, was jedoch der Staatsanwaltschaft arg missfiel. Als sie ihre Punk-Peepshow im verruchten „Salambo“ durchführen wollten, (Trash Grove Girls: „Wir freuen uns schon auf den Live Fick“), drohte die Obrigkeit mit einem Verbot. Die Girls zeigten sich einsichtig, versprachen ihre Show zu entschärfen und durften doch noch auftreten. Geboten wurde hernach zum Vorspiel drei leckende und schleckende Pärchen, dann senkte sich dichter Nebel über die Bühne und die Mädchen sangen ganz gesittet nur noch von „Arbeit, Sport und Spiel".

Troggs

Der britische Radiosender BBC setzte als erster die Hit-Singles „With a girl like you“ und „I can't control myself“ wegen angeblicher Zweideutigkeiten auf den Index. Australien und Deutschland folgten zumindest bei dem zweiten Stück. „Troggs wegen Unzucht streng verboten“ titelte daraufhin die Zeitschrift „Musikparade".

Tupac Shakur

Hitverdächtig mit Blick auf die meisten F-Wörter war die Single „Hit Ém Up". Im Text heißt es u.a.: „I fucked your bitch"und „You want to fuck with us, you little young-ass motherfuckers? You better back the fuck up. We ain't singin, we bringin'drama. We gonna kill alyou motherfuckers. Fuck Biggie, fuck Bad Boy. And if you want to be down with Bad Boy, then fuck you, too ... Die slow, motherfucker... You think you mob, nigga? We the motherfuckin'mob … You niggas mad because our staff got guns in their motherfuckin'belts … We bad-boy killers, We killém".

Type-O-Negative

Von der Scheibe „The origin of the feces“ gibt es zwei Versionen mit unterschiedlichen Covern: das unzensierte Original mit einem schwarzweißen, praktisch gynäkologischen Foto, und eine 1992 bei Roadrunner herausgekommene harmlose Version mit einem fluoreszierendem Totentanz vor schwarzem Hintergrund.

unzensierte Version
zensierte Version

Velvet Underground

Das berühmte Bananen-Album musste aus dem Handel genommen werden, weil Eric Emerson's Bild ohne Erlaubnis auf der Hülle war. Die Sache beschäftigte 5 Direktoren von MGM.

Der Verfall

Die 1999 bei Warner erschienene CD „Vater unser“ weist die Stücke „Radiopredigt“ und „Clubpredigt“ sowohl in „zensierter“ und „unzensierter“ Version auf. Dabei handelt es sich aber um einen Werbegag, der lediglich die Aufmerksamkeit erhöhen sollte.

Gene Vincent

Sein Song „Woman Love“ (Frauenliebe) gilt als erste Rock 'n‘ Roll-Platte, die offiziell Sendeverbot im amerikanischen Rundfunk erhielt. Vincents ekstatische Schreie und sein Bekenntnis, er „wolle eine Frau impfen“ und sei ohnehin nur auf der Suche nach einer Frau, die „immer nur an das eine denkt“ hatten die amtlichen Stellen derart aufgeschreckt, dass sie eine Ausstrahlung verhinderten.

Vicki Vomit

Claudia Nolte, ehemalige Bundesfamilienministerin, sah durch Vicki Vomit ihre Intimsphäre verletzt. Deshalb ließ sie den Song „Liebe mit Claudia“ des Erfurter Rocksängers Vicki Vomit per einstweilige Verfügung verbieten. Der Thüringer Musiker hatte in dem Stück seiner jüngsten CD „Bumm/Bumm“ beschrieben, wie ihn die christdemokratische Politikerin nach einem Prominentenball mit nach Hause nimmt und verführt. „Ich machte Liebe mit Claudia Nolte, wir machten Liebe, nur weil sie es wollte". Hernach drohten dem Punkrocker, seiner Vertriebsfirma und der Zeitschrift „Musikexpress", die eine CD mit dem beanstandeten Lied beilegte, je eine halbe Million Mark Strafe bei Zuwiderhandlung.

Wallenstein

Jürgen Dollase von „Wallenstein“ ging Anfang der siebziger Jahre etwas zu offenherzig mit seinen Groupie-Geschichten um. Nachdem er im Pressedienst seines Produzenten zunächst aus dem Bettkästchen geplaudert hatte und dann auch noch für die SPD auf Wahlveranstaltungen um Stimmen warb, wurde es dem Branchen-Dienst „Discotheken-Rundschau“ zu viel. Denn die Bettgeschichten wären nach Meinung von „Rundschau"-Chef Klaus Quirini „selbst in den St.-Pauli-Nachrichten wahrscheinlich nicht abgedruckt worden.“ Als Konsequenz wurde von Quirini den Multiplikatoren des Musikgeschäftes eine Art Boykott nahegelegt: „Es liegt an den Disc-Jockeys, ob sie solchen Vertretern des deutschen Show-Geschäfts ihre Unterstützung gewähren."

"Der wahre Heino"

Norbert Hähnel, der Mann, der sich in den 80er Jahren „Der wahre Heino“ nannte, betrieb eigentlich einen Plattenladen in Berlin namens „Der Scheißladen", der als Label auch einige Scheiben produzierte. Auf der Single „Dem Deutschen sein Lied“ furzt Hähnel etwa die deutsche Nationalhymne, was zu einigen Irritationen führte. Bekannt wurde er aber durch seine Auftritte mit blonder Perücke, Sonnenbrille und Blazer 1983-1985 im Vorprogramm einiger Toten Hosen-Konzerte, bei denen die Punks im Publikum zu Heino-Musik vom Band „Caramba Caracho!“ pogten. Da sich der echte Heino in seinem Marken- bzw. Namensrecht nach BGB § 12 (siehe Neue Juristische Wochenschrift 1987, S. 1413) verletzt sah, klagte er 1985 gegen das Plagiat auf Unterlassung und erhielt Recht. „Der wahre Heino“ bzw. der falsche wurde zu einer Geldstrafe von DM 10.000 verurteilt. Da er das Geld nicht zahlen wollte/konnte, saß er die ersatzweise verhängten 20 Tage Zivilhaftstrafe in Berlin-Moabit ab. (vgl. dazu auch : www2.dietotenhosen.de/fdh_heino.htm)


W.A.S.P.

Auf sie hatten es die Senatoren-Gattinnen von P.M.R.C (Parents Music Resource Center) besonders abgesehen. Blackie Lawless, Sänger der Hevy Metal Grupp W.A.S.P., schlug zurück. Er verklagte die Organisation auf 50.000 Dollar Entschädigung, nachdem in einem vom P.M.R.C. herausgegebenen Buch für besorgte Eltern das W.A.S.P. Cover „Fuck like a beast“ (das pietätvoll als „F**K“ kaschiert werden musste) abgedruckt worden war. Aber auch auf andere Weise profitierten W.A.S.P. und andere Gruppen vom der PMRC-Arbeit. (Andreas Thiesmayer: „Da werden sich einige Gruppen extra einen Sticker auf ihr Album kleben, damit sie es besser verkaufen!“). Black Lawless bestätigte dazu: „Fucks ... immerhin haben wird mit dem Beginn der Diskussion gleich 50.000 Alben mehr verkauft.“ In Deutschland wurde das Cover 1986 indiziert und darf - wie alle „ab 18"-Medien - auch nicht über eBay gehandelt werden.

Wiener Brut

Auf der gleichnamigen Maxi wurde das Marihuana-Blatt ebenso deutlich dargestellt wie bei Peter Tosh. Sanktionen blieben bisher aus, vielleicht weil kein „Legalize it“ dabei stand.

J. Frank Wilson and the Cavaliers

Von der Platte „Last Kiss“ existieren zwei Versionen. Auf der ersten leckt sich das abgebildete Mädchen Blut vom Gesicht. Der rote Lebenssaft wurde dann auf der zweiten Fassung wegretuschiert.

Robbie Williams

Sunnyboy Williams bekam mit seinem Clip „Rock DJ“ Ärger mit MTV, da auf dem Video zu sehen ist, wie ihm die Fans die Haut vom Leib reißen.

Witchfinder General

Die Platte „Death Penalty“ wurde aufgrund des Covers verboten. Später erschien eine CD, die das gleiche Cover zeigt. Diese CD blieb - jenseits aller Logik - unbeanstandet.

Lynn Wynette

Die Nixon Anhängerin Tammy Wynette veröffentlichte 1974 den Song „Woman to Woman", in dem sie den keuschen „Mach-die-Augen-zu-und-lass-es-über-dich-ergehen"-Sex als Ideal verkaufen wollte. Als Antwort darauf brachte Lynn „The Pill“ heraus, das von vielen konservativen Radioprogrammen mit einem Bannfluch belegt wurde.

Xenia

Ausgerechnet die CD „Ohne Zensur“ erhielt bei Ö3 Sendeverbot, was Xenia sofort veranlasste den Boykott als Aufkleber auf dem CD-Cover sichtbar zu machen.

Frank Zander

„Oh, Susi“ hieß der zensierte Ulk-Song vom ihm. Piepstöne ersetzen die Wörter, die ohnehin jeder ahnte.


Frank Zappa

Im Jahre 1967 hatten die Mothers gemeinsam mit 10 Mitgliedern des Philharmonic Orchestra einen denkwürdigen Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall. Auf der großen Orgel der Halle spielten sie „Louie Louie", was nicht nur ganz England schockte, sondern die Mothers zugleich wegen „Obszönität“ auf die schwarze Liste der Albert Hall brachte. In der Folgezeit setzte Zappa gemeinsam mit den 'erfindungsreichen Müttern‘ seine Karriere als Oberschreck der Zensoren fort. In dem Titel „Brown shoes don't make it“ z. B. wird die Geschichte eines korrupten Beamten erzählt, der ganz besonders heiß auf junge Mädchen ist und es am liebsten mit seiner blutjungen Geliebten auf dem Grün vor dem Weißen Haus treiben möchte. Um mehr Zeit für seine Lolita-Passion zu haben, schmiedet er gar Pläne zur Beseitigung seiner Angetrauten. Auch weitere Themen wie Penisgrößen oder Sex mit Groupies waren nicht gerade dazu angetan, im prüden Amerika der späten sechziger Jahre viele Freunde bei den amtlichen Prüfstellen zu gewinnen. Mit Bann und Acht wurde auch das Stück „Dinah-Moe Hum“ von der LP „200 Motels“ belegt. Denn Dinah-Moe Hum geht mit dem Erzähler der Story eine merkwürdige Wette ein: „Ich wette mit dir um vierzig Dollar, dass du es bei mir nicht schaffst.“ Nach über drei Stunden gelingt es doch, weil der Typ es mittlerweile mit der Schwester treibt, was wiederum Dinah-Moe unheimlich anmacht. Zappas Plattenfirma wurden solche Eskapaden schließlich zu nervenaufreibend. Als 1968 das dritte Mothers-Album herauskam, wurde Zappa von MGM gezwungen, ganze Textpassagen zu überarbeiten. Zappa machte es auch, sorgte aber dafür, dass am Ende der Platte ein entscheidender Satz wieder eingeschmuggelt wurde. Der ließ sich allerdings nur rückwärts entziffern. Den vollen Text gab es dann aber doch noch für alle, die keine Sprachakrobaten waren, auf der Anthologie „The Best of the Mothers of Invention".

1971 startete Zappa einen neuerlichen Versuch mit dem Londoner Philharmonischen Orchester in der Royal Albert Hall klar zu kommen. Die Filmmusik zu dem bereits erwähnten „200 Motels“ sollte in einer gemeinsamen Aufführung gespielt werden. Die Leitung des Hauses bestand aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit darauf, vorab eine Abschrift der Texte zu bekommen. Nach deren Lektüre wurde die Veranstaltung sofort abgesagt. Zappa und seinem Manager Herb Cohen blieb nur der Gang vor den Kadi, um wenigstens Schadensersatz zu bekommen. In den achtziger Jahren wurde er dann selbst ob seiner lebenslangen Attacken auf Moral und Werte zu einer offiziellen Stellungnahme genötigt. Er musste vor dem Senatsausschuss zum Thema Zensur in der US-Musikindustrie aussagen. Stockkonservative Senatoren-Gattinnen hatten ihn herzitiert und erlebten einen vergleichsweise zurückhaltenden Zappa.

Kam er da noch einmal ungeschoren davon, so nahm ihm die jüdische Gemeinde dafür umso mehr sein „Jewish Princess“ von der DLP „Sheik Yerbouti“ übel. Die jüdische Organisation B'nai B'rith protestierte bei der Zensurbehörde „Federal Communcations Commission“ wegen Obszönität und Blasphemie insbesondere aufgrund der Textzeile: „I want a funky little jewish princess… with titanic tits". Fast zum Ausgleich verguckte sich „Joe“ Zappa auf der LP „Joe's Garage“ dann in ein katholisches Mädchen, und die Musikpresse befürchtete, dass es diesmal Ärger mit der katholischen Kirche geben könnte. Der blieb zwar aus, aber dafür ereilte die spätere Platte „Thingfish“ wieder einmal der Bannstrahl der Zensur. Zappa dazu: „MCA war schon dabei, das Dreifach-Album Thingfish zu pressen, das sich mit dem Thema Aids beschäftigt, da hat sich so ein Frauchen in der Qualitätskontrolle über die Texte beschwert. Als nächstes weigerte sich ein christlicher Drucker, die Texte zu printen."

Zappa Bootleg mit "f..k"


2 Live Crew

Sogenannte F-words führten zu einem Jugendverbot von Tonträgern, die dann wegen „obscenity“ oder als „harmful to minors", seit 1990 mit dem offiziell freiwilligem Sticker „Parental Advisory - Explicit Lyrics“ versehen werden mussten und weder frei verkäuflich waren, noch in öffentlichen Radiosendungen unzensiert gespielt werden durften.

Die richterliche Verurteilung von Musiktexten führte in manchen Fällen dazu, dass sogar Händler vor den Kadi zitiert wurden, sofern sie sich nicht an die Beschränkung hielten. Bekannt wurde 1990 der Fall der Rap Band „2 Live Crew". Nachdem ihr Album „As Nasty as they wanna be“ von einer konservativen Organisation names „Omaha for Decency“ angezeigt worden war, Sheriff Navarro es beschlagnahmte und durch ein Gericht in Fort Lauderdale die Platte als obszön eingestuft wurde (bestätigt vom Supreme Court) - wurden Plattenhändler und Bandmitglieder verhaftet. Die hatten während eines Konzertes einige der verbotenen Stücke gespielt und das Publikum auffordert, mitzusingen.


Die 3 Tornados

Mit der Kirche konnten sie es besonders schlecht. Ihr Song über „Maria und Josef“ durfte beim WDR zunächst doch und nach dem öffentlichen Skandal nicht mehr gespielt werden. Insbesondere die Textzeile, dass Josef Maria „von hinten gebumst“ habe, galt als arg gotteslästerlich und war ein Grund mit dafür, dass die Blödeltruppe 1982 vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Allerdings wurden sie später dann am Kölner Landgericht „sehr zu unserem Bedauern“ (Tornado Arnulf Rating) freigesprochen.

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