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Aus Zensurarchiv
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Inhaltsverzeichnis

Zensierte Auftritte und Konzerte

Beatles und Israel, 1965

1965 wurde ein Auftritt der Beatles in Israel abgesagt, weil die damalige Regierung befürchtete, die Band könnte "die Jugend moralisch verderben." (WN 21.7.2008)

Musical: „Haare“, München 1968

Nach dem bayrischen „Landesstraf- und Verordnungsgesetz“ zählten 1968 „Revuen zu jenen „öffentlichen Vergnügungen“ die einer behördlichen Erlaubnis bedurften. „Theateraufführungen“ hingegen, „bei denen ein höheres Interesse der Kunst vorliegt“, waren solcher Aufsicht nicht unterworfen. Das Musical „Haare“ als „Revue“ auszumachen, gelang den Ordungsbeamten mit Hilfe des „Großen Brockhaus“ („Bühnendarbietung von lose aneinander gereihten Szenen mit Gesang, Tanz und Artistik“). Damit war auch die gesetzliche Grundlage gefunden, um der Aufführung mit Zwangsgeld oder Schließung zu drohen, falls bestimmte Auflagen nicht erfüllt würden. Denn im dem Musical „wälzen (sich) drei Personen am Bühnenboden“, so das „Geschlechtsverkehr- oder Unzuchtshandlungen“ andeutet seien. Dies, so die Verfügung, sei zu „unterlassen“. „Haare“-Produzent Werner Schmid verbarg deshalb die Szene unter einer Decke, auf der zensiert stand. Ferner war zu unterlassen: die „Entblößung von Geschlechtsmerkmalen“ (die Hippies verbargen die nackten „Haare ihrer Schambehaarung hinter schmalen Tüchern). Zugelassen wurde allerdings ausdrücklich die „Entblößung des Oberkörpers“. Außerdem verfügte Münchens Gewerbeaufsicht, dass der Gymnasiast David Heinmann, 15, das Preislied auf die Sodomie nicht mehr singen darf, bevor er 18 Jahre alt ist. Später wurde das Musical als „Theater“ eingestuft und alle Beanstandungen waren damit überfällig. (Spiegel 45 1968)

Jimi Hendrix: USA Konzerte, 1968

Hendrix tourte 1968 mit den Monkees durch die USA. Wegen angeblich obszöner Auftritte („Zunge leckt Gitarre"?) bewirkten einflussreiche amerikanische Frauenverbände, dass die Tournee nach nur 5 Konzerten abgebrochen wurde. (Archiv)

Oh! Calcutta!“, 1969

Das Musical wurde erstmals 1969 im Eden-Theater New York von Kenneth Tynan aufgeführt. Tynan hatte zunächst Künstler wie Godard, Vidal, Polanski oder Lennon gebeten, sich etwas „Erotisches“ von der Seele zu schreiben (Thema: „Die Suche nach dem Glück durch Sex“. Den Show-Titel, ein Wortspiel um einen Körperteil (eine Paronomasie auf „O quel cul t'as“, was übersetzt soviel heißt wie „Was für einen Hintern du hast“), entnahm er einem Bildnis des greisen Surrealisten Clovis Trouille, auf dem ein tätowiertes Damengesäß Brokat umrahmt zu sehen ist. Von den bekannteren Beiträgen blieben nur die von Beckett und Lennon übrig, die Tynan zusammen mit seinen Ergüssen in Teilen zusammen mixt. Wer was verfasst hat, bleibt unklar. Zur Vorführung erscheint auch die Sittenpolizei, die zunächst nichts zu beanstanden hat. Doch durch einen aufgebrachten Einzelgänger wurde das Stück juristisch belang. Das Ganze geriet zum Skandal. (Spiegel 26 1969 und 35 1980)1971 wurde das Musical dann im Hamburger Operettenhaus aufgeführt. Vor dem Haus formierten sich insbesondere Jungmänner der „Aktion Widerstand“, um gegen den Verlust jeglicher Scham zu protestieren. (Spiegel 12 1971)

Calcutta 2.jpg

Bei der Aufführung in Tokio 1993 schlüpften die beiden Hauptdarsteller 24 Jahre später in Tangahöschen: zuviele Japaner hatten sich im Vorfeld über die in Aussicht gestellten Nuditäten empört. Während der Aufführung überwachten von den Bühnenseiten Polizisten das Geschehen: Verboten war es, in der Öffentlichkeit das Schamhaar zu zeigen. (Spiegel 16 1993)

Jesus Christ Superstar, 1971

Christen und Juden versammelten sich gemeinsam zur Uraufführung von „Jesus Christ Superstar“ am Broadway Theatre, um gegen die Aufführung zu protestieren. Während die Juden die Aufführung für antisemitisch hielten, fühlten die Christen sich durch die Darstellung von Jesus beleidigt. (Archiv)

John Lennon, US-Tour und das FBI, 1972

Eine geplante US-Tour von John Lennon sagte der Ex-Beatle 1972 auf Anraten seiner Anwälte ab. Lennon galt in der Nixon-Ära als "Sicherheitsrisiko" und war ins Visier des FBI geraten.. Klassifiziert war der Fall unter "Sicherheitsangelegenheiten/Revolutionäre Aktivitäten". FBI-Chef Hoover fürchtete, dass Lennon "an der Sprengung des Republikanischen Wahlparteitages" mitwirken könne. Bereits 1971 hatten FNI-Agenten einen Lennon-Auftritt in Michigan verfolgt und u.a. dessen Lied über einen örtlichen Aktivisten ("John Sinclair") mitgeschrieben. Der Text, "vertraulich" klassifiziert, wurde als Kopie landesweit verteilt, was allerdings völlig überflüssig war, denn der befand sich für jedermann einsehbar längst auf einem Plattencover von Lennon. Zu Lennon selbst wurde dann vermerkt: "Verdächtiger plant weiterhin Aktivitäten gegen Parteikongreß und wird binnen kurzem Serie von Rockkonzerten beginnen, um dafür Finanzpolster zu schaffen". Hoover gab daraufhin Anweisung, Lennon "auf diskrete Art zu lokalisieren", was sich als schwierig erwies, da Lennons Wohnsitz mit dem St. Regis Hotel in der N.Y. Bank Street angegeben wurde. Das blieb für die nicht gerade ortskundigen FBI-Leute unauffindbar, da sich das St. Regis nicht in der Bank Street, sondern in der Fifth Avenue befindet.

Udo Lindenberg: Bodo Ballermann, ARD 1976

Im Abendprogramm der ARD wurde 1976 wurde u.a. der Text von "Bodo Ballermann" (der nicht nur den Fußball "bumst") geändert. Auch einige Rundfunksender speziell im süddeutschen Raum weigerte sich den Song zu spielen. (Moderator: "Liebe Leute, hier würde es ihnen nur die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn wir das weiterspielten. Hier werden eure Töchter verdorben und deshalb streichen wir das." In die Kritik geriet auch der Song "Jeremias". er wurde zwar vom NDR für die "Nordschau" aufgenommen, aber (zunächst) nicht gesendet, da "die Zeit dafür noch nicht reif sei", so ließ man Lindenberg wissen. (Pop 9 1976)

Sex Pistols: "God save the Queen", TV: "Today"..., 1977

Mutig war die Londoner Fernsehstation ITV, die für ihre Show „Today“ eine interessante Band suchte und - nachdem „Queen“ aus Termingründen absagen mussten - die frisch formierten Sex Pistols live vorstellten. Showmaster Bill Grundy gelang es zunächst nicht, etwas Substantielles aus Glen Matlock herauszubringen und so versuchte er die ebenfalls anwesende Sioxsie in "dirty old man-Manier" ins Gespräch zu ziehen. Steve Jones, im berühmten Titten-T-Shirt, und Matlock beschimpften ihn daraufhin mit fuck-Wörtern, woraufhin Grundy die Live-Sendung mit hochrotem Kopfes abbrach und anschließend erst einmal vom Dienst suspendiert wurde. Die Nation aber geriet über die Pistols in Rage, die Presse überschlug sich mit scharfen Vorwürfen und die Konzertagenturen bekamen Angst. Bereits bestehende Auftrittsverbote in den größeren Londoner Clubs wie dem Marquee oder dem Nashville wurden erweitert. Die lang ersehnte „Anarchy"-Tournee schrumpfte unter dem Eindruck des Talkshow-Skandals von 19 Gigs auf die 3 Stationen Leeds, Manchester und Plymoth zusammen. In Derby sollte die Band sogar ein Testkonzert für die Honoratioren der Stadt geben, worauf sich die Pistols nicht einließen. Zudem kündige die Plattenfirma EMI den Vertrag mit der Gruppe. „Anarchy“ hatte gerade die Top 30 erreicht. Die Restauflage der Single wurde eingestampft. Anteilseigner, protestierende EMI-Musiker und streikende Arbeiterinnen, die sich weigerten die Platte zu verpacken, hatten EMI unter Druck gesetzt. Die US-Chefetagen von CBS und WEA waren zunächst interessiert, die Pistols zu übernehmen, aber britische Bedenkenträger setzten sich durch. So kamen sie bei A & M, ansonsten eher auf „Middle-of-the-Road"-Pop abonniert, unter. Im A & M Büro kam es gleich beim ersten Besuch der Pistols zu handfesten Auseinandersetzungen, weil die Pistols Wein auf dem teuren Teppich kippten und die attraktive Sekretärin mit obszönen Angeboten überschütteten. Musiker wie Rick Wakeman oder Peter Frampton forderten angesichts der vielen Eskapaden der Pistols den Rauswurf der Band und drohten andernfalls mit der eigenen Kündigung. Bei der Prüfung der Werbeanzeige für die frischgepresste Single „God save the Queen“ (Ihre Majestät mit dem Songtitel vor Augen und eine Sicherheitsnadel durch die Nase gesteckt) wurde es dem A&M Chef Derek Green zuviel. Die bereits gepressten 25.000 Singles von „God save the Queen“ („Good save the queen, a facist ragime, / It made you a maron, a potential H-bomb / Good save the queen / She ain't no human being / There is no future in England's dream …“) wurden eingestampft und die Gruppe nach einer Woche gefeuert. Im Mai unterschrieben die Sex Pistols bei Virgin. Dort erschien „God save the Queen“ doch noch. Die Platte erreichte den Gipfel der Charts, obwohl über 30% der Läden sich weigerten, die Platte wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu vertreiben. Zugleich belegten die meisten Rundfunk- und Fernsehstationen die Sex Pistols mit einem Bann. Ihre silberne Schallplatte feiern die Sex Pistols auf einer von McLaren organisierten Bootsfahrt auf der Themse. Das Schiff wurde von der Wasserschutzpolizei gestürmt. Acht Boote der Wasserschutzpolizei eskortieren das Pistols-Schiff an den Charing-Cross-Pier und Fans inkl. McLaren wurden in Polizeigewahrsam genommen. Inspiriert von dieser Polizeiaktion nahmen sich auch einige britische Staatsbürger das Recht heraus, die Pistols für ihre anti-monarchistische Propaganda zu strafen: Johnny Rotten wurde Opfer zweier Rasiermesseranschläge, und der Drummer Paul Cook wurde von sechs mit Eisenstangen bewaffneten Leuten überfallen. Danach veröffentlichen die Pistols „Pretty Vacant". Die Platte blieb von Boykott-Maßnahmen verschont. Aber Johnny Rotten ließ es sich nicht nehmen, statt „vacant“ immer „va-cunt“ zu singen. Ein führender Kopf der GLC-Organisation, ohne deren Genehmigung keine Pop-Konzerte in und um London stattfinden können, erklärte daraufhin öffentlich, dass Punk-Rock und insbesondere die Sex-Pistols mit allen Mitteln an Auftritten gehindert werden müssten. Selbst Gruppen, in denen Pistolsmitglieder als Gäste auftreten wollten, wurden mit dem Bannstrahl abgestraft. Iggy Pop durfte mit seiner neuen Band in einigen Londoner Clubs nicht auftreten, weil er Glen Matlock in seinem Gefolge hatte. (Auch Jean Jaques Burnell musste einen Gig absagen, nachdem das Management vom Dury Lane Theatre gemerkt hatte, dass er ein Strangler ist.) Und selbst Jahre nach den ersten Skandalen waren die Restpistols immer noch so gefürchtet, dass geplante Konzerte in Griechenland von der dortigen Regierung 1996 verboten wurden. Die Pistols sagten zu den Auftrittsverboten später: „We've been banned cause we're telling the truth. The councils, they ban my concerts and they take my money". Sid: „Rules are made to be broken." Am 15. Oktober 1977 erschien dann die Single „Holydays in the Sun", erstmals komponiert von Jones/Rotten/Cook/Vicious und es gab wieder Ärger. Das Cover verletzte - so der Vorwurf - das Copyright irgendeiner Reisegesellschaft, aus deren Prospekten die verwendeten Bilder stammten. Das im Text vorkommende Wort „Belsen“ wurde darüber hinaus mit dem ebenfalls vorkommenden „holyday camp“ assoziiert, was Wasser auf die Mühlen, der Faschismus-Verdächtiger goss. Nur wenige Monate später beschwerte sich die American Express Company über das Cover der Sex-Pistols Single „The Great Rock'N‘ Roll Swindle“ sah. Dort prangte auf schwarzem Untergrund das Abbild einer Kreditkarte des American Express. Sie strebte ein Verfahren wegen Verletzung des Urheberrechts und des Warenzeichenschutzes an und erreichte damit, dass alle Singlehüllen eingezogen wurden. (Archiv)

Die Platte galt als "politisch nicht korrekt", weil die Pistols sie mit dem gesuchten "Posträuber" Ronald Biggs aufgenommen hatten
"Politisch unkorrekte" Platte mit Hakenkreuz

Drahdiwaberl in der Wiener Stadthalle, 1981

Die von Stefan Weber gründete Band (Falco war Bassist) traktierte 1981 bei einem Konzert einen Politiker mit Suppenhühnern traktiert, worauf die Band von der Wiener Stadthalle mit ewigem Hausverbot belegt wurde. (Welt 17.2.2007)


Stranglers Konzert Bettersea Park, 1978

Das Konzert wurde von der Polizei beendet.

Plasmatics, London, 1981

In London hatten sittenstrenge Stadträte moralische Bedenken bzgl. des Konzerts. Zu oft hatte die Amerikanerin Wendy O. Williams auf offener Rockbühne schon ihre blanken Brüste gezeigt. Wendy war früher Sex-Schauspielerin. Vorgeschoben wurde ein Verbot aus Sicherheitsgründen. (Spiegel 8 1981)

Ein Vergleich: Bereits 1967 gab es in den USA die erste Topless-Band der Welt.

Peter Tosh "Legalize it", München 1987)

In seinem Song "Legalize it" bekannte Tosh sich zum Marijuanakonsum, weshalb er 1983 in München mit einem Auftrittsverbot belegt wurde (Spiegel 39 1987). Die Platte selbst landete auf dem Index.

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Grace Jones und "Wetten das...", 1985

Zu keiner Einigung kam es mit der Sängerin in Kleidungsfragen: Sie wurde aus der beliebten Sendung des ZDF wieder ausgeladen, weil sie sich vermummen wollte. (Spiegel 52 1985)

Beastie Boys Konzerte, 1987

Auf der Bühne wurden schon mal nackte Frauen in Käfigen präsentiert oder ein Plastik-Penis über die Bühne geschoben. Politisch unkorrekt wurde dazu in den Konzerten über krebskranke Kinder hergezogen, was u.a. dazu führte, dass Elternverbände Strafanzeigen stellten. (Spiegel 45 1987)

John Moran: Oper „The Manson Family“, New York 1990

Das Projekt über den verurteilten Mörder, bei dem die Beatles als die vier Engel der Apokalypse auftreten und Manson als Vollstrecker des Jüngsten Gerichts wurde scharf kritisiert. (Spiegel 38 1992)

Sinhead O'Connor: Konzert in New Jersey, 1990 und New York 1992

Die irische Rock-Bardin verletzte 1990 die patriotischen Gefühle der Amerikaner, indem sie das in den Vereinigten Staaten vor Großveranstaltungen übliche Singen der Nationalhymne verweigerte. Sie wollte damit „gegen die zunehmende Zensur von Musik und Kunst in diesem Lande“ protestieren. Seither weigern sich US-Radiostationen, Platten der Protestantin zu spielen. Frank Sinatra drohte unter viel Beifall damit: „Zu gerne wäre ich dabei gewesen, dann hätt‘ ich ihr in den Arsch treten können.“ Auch mit Bob Dylan geriet die streitbare Irin aneinander. 1992 beim „Dylan-Tribute“ im New Yorker Madison Square Garden zerriss sie auf der Bühne ein Bildnis von Jesus. O'Connor dazu: „Nach dem Auftritt sah Dylan mich hinter der Bühne und lief auf mich zu. Ich glaube nicht, dass er wusste, wer ich bin. Er wirkte verwirrt und fragte mich etwas wie: „Was hast du getan?“ Ihre Antwort darauf: „Attacke? …. So würde ich es nicht bezeichnen. Meine Aktion sollte den Anlass bieten, wieder öffentlich über Gott und Kirche zu sprechen. Dadurch könnte sich die Kirche von Schuld und falscher Moral selbst heilen." (Spiegel 36 1990, 43 1992 und Archiv)

Kleiderordnung für Cher, 1991

Cher, bekannt für freizügige Outfits, moderierte eine zweistündige Video-Sendung für die amerikanischen Golftruppen. Wegen der saudischen Zensur verhüllte sie sich von Kopf bis Fuß. Selbst die Knie ihrer modisch zerlöcherten Jeans hatte sie mit einem Operation-Desert-Storm-T-Shirt bedeckt. (Spiegel 7 1991 und 14 1992)

American Music Awads: Pieptöne gegen das Fluchen, L.A. 2003

Überschattet wurde die Übertragung der Show im Shrine Auditorium in LA von ständigen Eingriffgen der Zensoren, die ganze Kanonaden obszöner Ausdrücke des Altrockers Ozzy Osbourne mit Pieptönen überblendeten. (WN 15.1.2003)

Marilyn Manson: Konzerte 2000-2003

Die Gerüchte und Horrormeldungen im Umfeld von Marylin Manson, der sich seinen Namen bewusst aus einer Ikone des amerikanischen (Alp-)Traums, nämlich Marilyn Monroe, und dem Anstifter zum Mord von Sharon Tate, Charles Manson, zusammengebastelt hat, füllen Bücher. Mal soll er bei seinen Konzerten Jungfrauenopfer für den Leibhaftigen gefordert haben, mal Entenküken gemeuchelt oder kiloweise Kokain ans Publikum verteilt haben, um anschließend einen Fan zu vergewaltigen. Den inszenierten Skandal immer im Blickfeld geriet Manson in den Verdacht, mit Satan zu paktieren, schlimmer noch, selbst einer zu sein. Nachdem der ultrarechte TV-Talker Pat Robertson in seinen auf religiös gebastelten Sendungen Marylin mehrfach attackierte („Manson ist der Teufel, der eure Kinder vergewaltigen und ermorden will“) mussten etliche Termine der US-Tour abgesagt oder verlegt werden. In Oklahoma verhinderten aufgebrachte Mütter das Konzert und der Gig in Salt Lake City wurde wegen heftiger Proteste ins nahegelegene Park City verlegt. Daraufhin widmete Marylin Manson seinen Song „Get your gun“ den „Scheiß Mormonen". Für das Nicht-Auftreten wurden schließlich sogar Prämien an Manson gezahlt. In South Carolina erhielt er 40.000 Dollar in bar dafür, dass er die Stadt ohne einen Auftritt wieder verließ. Dabei, so belegen glaubhafte Zeugen, sei seine schlimmste Sünde bis 1997 gewesen, dass er sich bei einem Konzert den Hintern mit einer US-Flagge abgewischt hatte. Dazu bekannte er sich ebenso wie zu seinen meist jugendlichen Alpträumen: „Ich fotografierte nackte Frauen und schnitt dann ihre Geschlechtsorgane heraus. Ich hatte ganz brutale Träume, in denen ich das gleiche mit richtigen Menschen anstellte. Das hat mir furchtbar Angst gemacht.“ 2003 wurde Manson juristisch belangt. Während eines Konzertes im Jahr 2000 hatte Manson den Kopf eines Sicherheitsbeamten gegen seinen Schritt gedrückt und dabei die Hüften bewegt. Der so traktierte Mann hatte daraufhin Zivilklage beim US-Gericht St. Paul (Minnesota) eingereicht. Die Klage wegen „vermeintlich sexueller Andeutungen während eines Konzertes“ wurde abgewiesen. Das Gericht war der Meinung von Manson gefolgt, dass seine Aktion ein Teil der Bühnenshow gewesen sei. Manson kommentierte die Entscheidung, die ihm 75.000 Dollar Schadensersatzzahlung ersparte mit den Worten: „Der Weg zur Wahrheit wird durch frivole Klagen verdunkelt, aber er wird erhellt durch die Objektivität von Geschworenen, die den Unterschied zwischen Unterhaltung und Angriff erkennen." (Archiv und WN 10.9.2003

Böhse Onkelz in Münster, 2003/2004

Ein angekündigtes Konzert der Onkelz für 2004 wurde zum Politikum. Die Chefin der Münsterlandhalle Paschke veranlasste ein Überprüfung der Veranstaltung und drei Ratsherren fuhren eigens nach Bremen zu einem Onkelz-Konzert, um sich vom Grad der drohenden Gefahr zu überzeugen. Danach konnte das Konzert stattfinden. (MZ 28.5.2003)

Eminems Po: zensiert, 2004

Weil MTV den Fernsehzuschauern Eminems Po nicht zumuten wollte,wurde die entsprechende Szene von dem Auftritt des Musikers bei den 2004 Movie Awards geschnitten. (Vip News 8.6.2004)

Zwei ähnliche Fälle hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. 1972 musste das Plakat des französischen Popsänger Michel Polnareff überklebt werden. 1987 wurde vor Gericht über Gottfried Helnweins Plakat zum Musical "Andi" vor Gericht gestritten, weil die Mutter des tatsächlichen Andreas, dessen Lebensgeschichte die Vorlage für das Musical war, das Andenken ihres Sohnes durch ein Werbeplakat "beschmutzt" sah. (Spiegel 12 1987). Auch in diesem Fall wurde ein Überkleben in Erwägung gezogen.

Paulina Rubios MTV Auftritt, 2004

Die Sängerin trat bei der MTV-Gala mit einem Kleid auf, dessen Rückseite fast nur nackte haut zeigte. Dafür wurde sie heftig kritisiert. (Stern 22.10.2004)

Britney Spears, China 2004

Ihr geplanter erster Ausflug ins „Reich der Mitte“ 2004 führte bereits im Vorfeld zu erheblicher Unruhe. Das chinesische Kulturministerium sorgte sich um die korrekte Kleiderordnung des Popstars und wollte wissen, was Britney auf der Bühne zu tragen gedenke. Ein „Ooops - I did it again“ sollte mit der vom Veranstalter geforderten Garantie, dass die Sängerin nicht zuviel nackte Haut zeige, auf jeden Fall verhindert werden.(Archiv)

Janet Jackson: Nippelgate-Skandal, 2004

Der Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake geriet zum Desaster: Erst riß der Sänger Jackson die Kleider so vom Leib, dass ihr Busen zum Vorschein kam: dann hagelte es Proteste von vor allem besorgter Eltern, die mit ihren Kindern vom Fernseher gesessen hatten und den "Angriff auf die Moral" verurteilten. Janet Jackson umschrieb ihren legendären Auftritt beim Superbowl 2004 mit einer "wardrobe-malfunction" ("Fehlfunktion ihrer Garderobe"). Später zeigte sich Jackson noch mal mit nackter Brust, die wurde weggepixelt. (Spiegel 17 2004) (Spiegel 9 2004)

"Fuck for forest"-Konzert, Kristiansand 2005

Die beiden norgwegisch-schwedischen Umweltaktivisten Tommy Hol Ellingsen und Petra Leona Johansson starteten 2005 einen unkonventionellen Versuch, den Regenwald zu retten. Vor über 3000 Zuschauern vögelten sie auf einer Open-air-Bühne im norwegischen Kristiansand für Spendengelder. Das Geld des "Fuck for forest"-Unternehmens aber wollte die hierfür vorgesehene Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) nicht annehmen. Damit nicht genug. Schließlich mussten sich die beiden auch noch vor Gericht wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" verantworten. Enttäuscht zog das Paar nach Berlin um und betreibt nun eine eigene "Fuck for forest"-Internetseite, auf der man gegen eine monatliche Schutzgebühr u.a. dem nackten Treiben der beiden zusehen kann. (Spiegel, 2 2005)

Peter Kraus: Konzert in Castrop-Rauxel: Tanzverbot, 2005

Möglicherweise in Erinnerung an die wilden Auftritte in den fünfziger Jahren wurde die Halle bestuhlt und ein striktes Tanzverbot erlassen, über das zahlreiche Sicherheitskräfte wachten. (MZ 4.3.2005)

„Jesus Christ Superstar“-Verbot, KZ Majdanek, 2006

Auf Druck jüdischer Organisationen wurde die geplante Aufführung der Rockoper im ehemaligen Konzentrationslager abgesagt. (Sdt 21.4.2006)

Konstantin Wecker: Kein Antifa-Konzert, Halberstadt 2006

Ein geplantes Konzert von Wecker wurde kurzfristig abgesetzt. Es war als Antifa-Konzert geplant. Daraufhin hatte die NPD, selbst Veranstaltungen mit rechten Gruppen durchzuführen und das geplante Konzert zu stören. Daraufhin wurde das Konzert vom Landrat untersagt. (Sdt. 10.3.2006)

Madonna Confessions-Tour, Rom, Moskau, Düsseldorf 2006

Im Rahmen ihrer „Confessionstour“ trat Madonna auch in Rom direkt in der Nähe des Vatikans auf. Der empörte sich sofort über die Kreuzigungsszene, und Kardinal Ersilio Tonini forderte sogar die Exkommunikation, weil das Konzert „blasphemisch“ sei: „Sich in der Stadt der Päpste und der Märtyrer kreuzigen zu lassen, ist ein Akt der offenen Feindseligkeit.“ Ein weiterer Sprecher des Vatikans äußerte sich wie folgt: „Dieses Mal hat sie nun wirklich eine Grenze überschritten.“ Madonna hingegen lud den Papst zu dem Konzert ein: „Dem Papst würde die Show gefallen, und er würde Madonna applaudieren, vermeldete eine Sprecherin Madonnas. Doch auch in Moskau auf dem Roten Platz durfte sie die Show nicht zeigen, sondern möglichst weit entfernt von den orthodoxen Heiligtümern im Zentrum. Dennoch gab es Proteste: Madonna sei vom Teufel "besessen", skandierten religiöse Demonstranten: U.a. wurde ein Bild der Musikerin gepfählt. Denn die damals 48-jährige stehe unter dem Einfluss von Satan persönlich, meinte ein Anführer der Gegner, Leonid Simonowitsch-Nikschich. „Wir rufen eine neue heilige Inquisition aus gegen die, die gegen Gott kämpfen“, sagte der Vorsitzende eines russisch-orthodoxen Glaubensbundes. Die Begründung der Organisatoren für die Verlegung hinsichtlich Zeit und Ort für das Madonna-Konzert lautete: Sicherheitsbedenken. (Netzzeitung 7.9.2006) In Düsseldorf stellte eine Bürger Strafanzeige gegen Madonna wegen Blasphemie, weil die US-Sängerin sich während ihres Auftritts in der NRW-Landeshauptstadt u.a. ans Kreuz hängen ließ und zeitweise eine Dornenkrone trug. Sekundiert wurde die Anzeige durch die Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), die die besagten Stellen der Bühnenshow scharf kritisierte. Die Staatsanwaltschaft jedoch stellte fest, dass die Tour äußerst provokativ sei, aber nicht strafbar. Madonnas Auftritt sei durch die Kunstfreiheit gedeckt und man werde nicht wegen Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses ermitteln.(MZ 21.8.2006, Netzzeitung 22.8.2006, Focus online 4.8.2006))

Lordi: Song Contest Athen, 2006

Die finnische Gruppe, die gern mit wüster Verkleidung und Masken auftraten erregten die Gemüter vieler Finnen: schließlich repräsentierte die Band das eigne Land. Viele Finnen schrieben sogar an ihre Präsidentin, mit der Bitte, sie müsse dem Treiben der Monster-Rocker Einhalt gebieten. (Std. 28.4.2006)

Sizzla, Reggae und Homosexuelle, 2005/2007

2005 wurden von 14 geplanten Auftritten des jamaikanischen Reggae-Stars Sizzla 13 wegen homophober Songtexte abgesagt. Als Sizzla drei Jahre später in Stuttgart und Dortmund auftreten wollte, wendete sich der Lesben- und Schwulenverband an die jeweilige Staatsanwaltschaft, um die Konzerte zu verhindern. Die Stadt Essen sagte in diesem Zusammenhang auch ein Konzert des Dance-Hall-Stars Bounty Killer ab. Beide Musiker formulieren in ihren Liedern den Hass auf Homosexuelle und rufen direkt zur Gewalt auf („Erschießt die Schwulen“). Zwar hatte Sizzla eine Unterlassungsklage des englischen Schwulenverband Outrage unterzeichnet, die beinhaltet, dass der Musiker auf der Bühne keine homophoben Texte mehr singen dürfe. Doch im Juli 2007 betonte Sizzla auf einer Pressekonferenz seine Meinung neuerlich: „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein richtiger Mann.“ (WN 27.2.2008 vermutlich)

Rolling Stones beim Superbowl, USA 2006

Der Auftritt der Rolling Stones in der Halbzeitpause des Superbowls wurde 2006 zensiert. Einige Texte mit sexuellen Anspielungen erschienen den sittenstrengen Medienmachern in den USA zu gewagt. Da man bereits im Vorfeld die Befürchtung hatte, es könne mit den Stones nicht gut gehen, strahlte der TV-Sender ABC die Halbzeit-Show aus dem Ford-Field-Stadion mit fünf Sekunden Verzögerung aus. Während der Übertragung wurden dann tatsächlich einige Worte aus zwei der drei Songs ausgeblendet. Im Stones Klassiker „Start me up“ heiß es u.a. „You can make a dead man come“ und in „Rough Justice“ kommt das Wort Cock vor. Beides wurde gestrichen. (Max online 7.2.2006)

Rolling Stones in China, Shanghai 2006

Bei einem Konzert in Shanghai durfte folgende Songs nicht gespielt werden: Brown Sugar, Honky Tonk Woman, Beast of Burdon und Let´s spend the night together, da die sexuellen Anspielungen zu eindeutig waren. (WN 8.4.2006)

Protest gegen Beyoncé Konzert, Kuala Lumpur 2007

Ursprünglich war für November 2007 ein Konzert von Beyoncé in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur geplant. Doch aufgrund von angekündigten Protesten muslimischer Eiferer, die ein zu freizügiges Auftreten der für ihre bauchfreien Oberteile und Miniröcke bekannten Pop-Diva befürchteten, wurde das Konzert abgesagt. Offizielle Begründung: Terminschwierigkeiten. (Die Welt, 2.10.2007

Elsrocjk Heavy Metall Festival : Fluchverbot, NL Rijssen 2007

Weil Vertreter christlicher Parteien Blasphemisches befürchteten herrschte auf einem niederländischen Heavy Metal Festival striktes Fluchverbot. Die Veranstalter hatten nur unter dieser Bedingung die Genehmigung für ihr Konzert bekommen. "Es dar nicht geflucht werden", erklärte der Bürgermeister der Ortschaft Rijssen, Bort Koelewijn, in seinem Genehmigungsschreiben und „das keine blasphemischen Wörter gebraucht werden und dass die Ehre von Gottes Namen nicht beschmutzt wird.“ „Sollte es zu Blasphemie kommen, werde ich den Bezirksanwalt auffordern, dies strafrechtlich zu verfolgen,“ schrieb der Bürgermeister weiter. Das Elsrocjk Festival hatte 2006 unter Christen Empörung ausgelöst, als es 2006 zum ersten mal in Rijssen stattfand. Die Ortschaft, 120 Kilometer von Amsterdam, liegt im so genannnten niederländischen Bibelgürtel. (Netzzeitung 20.3.2007)

Gwen Stefani in Malaysia, 2007

Die ehemalige Frontfrau von „No Doubt“ wurde aufgefordert ihre Konzerte in Malaysia abzusagen, da moslemische Gruppen ihr neustes Video als „obszön“ eingestuft hatten. (31.7.2007 online)

Verka Serduchka Konzert verboten, Russland 2007

Russische Konzertveranstalter sagten 2007 ein Konzert des ukrainischen Stars ab. Der schrille, als Frau verkleidete Sänger hatte beim „Eurovison Song Contest 2007“ mit seinem Beitrag „Lasha Tumbai“ den zweiten Platz belegt. Grund für Auftrittsverbot: Die Russen behaupteten, der Musiker sänge statt „Lasha Tumbai“ immer „Russia, goodbye“, was den russischen Nationalstolz verletze. Dutzende Mitglieder der Kreml treuen Jugend „Junges Russland“ demonstrierten damals gegen den georgischen Beitrag.(MZ 5.7.2007 und MZ 11.32009)

Pete Doherty´s Babyshambels im Gefängnis Pentonville in London, England 2007

Das geplante Konzert vor Häftlingen wurde untersagt, weil Doherty mit seinen Drogeneskapaden ein schlechtes Vorbild sei, hieß es als Begründung bei der Strafvollzugsbehörde. (Netz)

Auftrittsverbot der Stones aufgehoben, Blackpool 2008

Nach 44 Jahren entschloss sich der Rat der englischen Stadt Blackpool das Auftrittsverbot gegen die Stones vom 24.7.1964 aufzuheben. Das Verbot war damals ausgesprochen worden, nachdem während eines Auftritts der Stones Fans den Konzertsaal komplett zertrümmert hatten und über 50 Verletzte gezählt worden waren.


“Beatles“-Konzert wieder erlaubt, 2008

43 Jahre nach einem Auftrittsverbot durfte Ex-Beatle Paul McCartney erstmals am 25.9.2008 wieder ein Konzert in Israel gegen. Die israelischen Behörden hatten 1965 den Beatles ein Konzertverbot ausgesprochen, weil sie befürchteten, die Beatles könnten die Moral untergraben. (MZ 28.8.2008)

Konzert von Avril Lavigne abgesagt, Malaysia Kuala Lumpur 2008

Begründung: die Show passe nicht zur malaysischen Kultur und könne die unmittelbar bevorstehenden Feiern zum Unabhängigkeitstag überschatten, sagte ein Regierungssprecher. In dem mehrheitlich muslimischen Land dürfen Künstler auf der Bühne keine nackte Haut zeigen, nicht hüpfen, schreien oder Menschen umarmen. Schließlich hieß es in einer andern Meldung, dass Konzert könne doch stattfinden. (WN 21. und 26.8.2008)

Madonna-Konzert, Sankt Petersburg, 2009

Vor dem Konzert wurde der Sängerin in einem offenen Brief auf der Internetseite des KP-Verbandes ein Forderungskatalog präsentiert: So wurde verlangt, dass sie keine „Revolutionslieder“ singen, keine frivole Kleidung tragen und nicht mit dem Po wackeln dürfe. (ZDF heute 28.7.2009)

Grand Prix Finale, Moskau 2009

Zwei Auftritte sorgten beim Finale in Moskau für Aufregung und Zensurforderungen: Swetlana Loboda (Ukraine), trat mit auf geschminkten Platzwunden im Gesicht und am Körper auf, um damit gegen häusliche Gewalt zu protestieren. Und Georgiens Beitrag der Band Stefane & 3G „We don´t wanna put in“ zog den Beitrag sofort zurück, nachdem der Veranstalter Textänderungen beantragt hatte. Grund: eine im Refrain versteckte, durch das Wortspiel „put in Putin“ herbeigeführte Kritik am russischen Regierungschef Wladimir Putin. (WN 16.5.2009) Auch die Europäische Rundfunkunion (EBU) in Genf als Veranstalterin des ESC hatte Georgien aufgefordert, den Text von „We don´t wanna put in“ zu ändern oder ein anderes Lied zu wählen. Die Band Stefane & 3G selbst räumte, dass sich das Lied gegen Putin richtet. Zur Begründung der EBU hieß es: Titel und Text seien nicht mit den Statuten des Wettbewerbs vereinbar, da in den Texten und während der Auftritte keine politischen Botschaften vermittelt werden dürfen. (WN 20.2.2009)

AC/DC Konzert in Wels, Österreich 2009

Gegen ein für den 22.5.2010 geplantes Konzert der australischen Hardrockband auf dem Welser Flugplatz machten Umweltschützer wie der Naturschutzbund Oberösterreich mobil, weil auf dem Areal viele seltene Vogelarten zu finden seien und ein "Desaster für die Brutkolonien" befürchtet wurde. (Kurier Nachrichten 22.12.2009)

"Rammstein"-Konzert, Weißrußland 2010

Da die Band "Homosexualität, Masochismus und andere Widerwertigkeiten" propagiere, befürchtete der Gesellschaftsrat für Sittlichkeit eine Zersetzung der Moral und einen Angriff auf die Landesehre. Die Forderung: Das Konzert solle verboten werden. (Sdt. 23.2.2010)

Zeynep Mansur und das trägerlose Kleid, Türkei 2010

Die türkische Popsängerin hatte für ihren Auftritt in der TV-Sendung "Ceyiz Show" (Aussteuer-Show) ein trägerloses Kleid gewählt. Das befanden die Programmverantwortlichen für zu freizügig, insbesondere da die Sendung auch noch während des Ramadan gesendet werden sollte. Mansur wurde gebeten, sich einen Schal über die Schulter zu legen und nicht zuviel Haut zu zeigen. (Spiegel 36 2010)


Menschenrechtler kritisieren Bob Dylans Asienkonzerte, 2011

Menschenrechtsaktivisten haben Bob Dylan für seine Bereitschaft kritisiert, vor seinen Konzerten im sozialistischen Asien seine Setliste von Zensurbehörden absegnen zu lassen. Nach seinen beiden Konzerten in Peking und Shanghai trat Bob Dylan erstmals in Vietnam auf. Wie schon in China, musste Dylans Management auch in Vietnam den Behörden eine verbindliche Liste der Songs vorlegen. Nach dessen Angaben gab es keine Beanstandungen. Allerdings bestand die Setliste auch vor allem aus politisch unverdächtigen Klassikern, sowie Songs seiner letzten Alben. Brad Adams, Leiter der Asien-Abteilung bei Human Rights Watch, kritisierte außerdem, dass Dylan sich seit Beginn seiner Asienreise nicht zur politischen Lage dort geäußert habe. 'Er sollte sich schämen', sagte Adams. 'Dylan hatte eine historische Chance, eine Botschaft des Friedens und der Freiheit zu überbringen. Stattdessen lässt er die Zensoren seine Playlist auswählen. (Sdt. 12.04.2011)

Eklat in Istanbul: Kurdische Sängerin Aynur wird ausgebuht, Istanbul 2011

Die kurdische Sängerin Aynur Doğan wurde auf dem 18. Jatzz-Festival in Istanbul im Juli 2011 von Nationalisten ausgbuht und mit Wasserflaschen beworfen als sie während ihres Konzertes im Cemil Topuzlu Open-Air Theater am Freitag kurdische Stücke vortrug. Im Zuge dessen musste die Künstlerin ihre Darbietung vorzeitig abbrechen und die Bühne verlassen. Aynur Doğan, so die Forderung, sollte Kurdisch auf dem Jazzfestival singen. (u.a. Sdt. 19.7.2011)

Rammstein-Konzert am Totensonntag verboten, München 2011

Die Stadt München hat ein Konzert der Band Rammstein am Totensonntag verboten, da die Bedeutung des Totensonntags als "stiller Tag" gefährdet. (heute.de 21.10.2011)


Lady Gaga Konzert, Indonesien 2012

Islamisten in Indonesien verhinderten 2012 erfolgreich, Konzerte von Lady Gagax "Born this way Ball"-Tour. Sie hielten die Auftritte der Sängerin für pornografisch. (top.de.news 29.5.2012)

„Pussy Riot“ in Moskauer Kathedrale, 2012

Die russischen Feministinnen der Frauenband Pussy Riot drangen am 21.2.2012 in die Christi-Erlöser-Kathedrale, der wichtigsten Kirche Russlands, ein. Dort setzten sie mit einem Muttergottes-Jungfrau-schlag–Putin-in-die-Flucht-Geschrei zu einem improvisiertes Konzert an. Es dauerte keine Minute, bis die Aktion vom Sicherheitsdienst der Kirche abgebrochen wird. Am zweiten März leitete die Moskauer Polizei ein Strafverfahren wegen des Straftatbestandes „Rowdytum“ ein. Das russische Strafgesetzbuch sieht für dieses Delikt Freiheitsentzug bis zu sieben Jahren vor. Die Frauen landen auf der Fahndungsliste. Am 4. März werden Nadjeschda Tolokonnikowa und Maria Alechina, zwei mutmaßliche Aktivistinnen von Pussy Riot, festgenommen. Kurz darauf folgte Jekaterina Samuzewitsch, eine weitere Tatverdächtige. (Sdt. 6./7.6.2012)

Auftritt der Heilsarmee nur unter Auflagen, 2012/13

Die Heilsarmee soll die Schweiz nach Abstimmung am Eurovision Song Contest 2013 im schwedischen Malmö vertreten. Die religiöse Band darf nach Auskunft der Verantwortlichen aber nur auftreten, wenn sie den Namen ändert und keine typische Heilsarmee-Uniform trägt. Das will die Freikirche so nicht akzeptieren.(FAZ 28.12.2012)

Antisemitismus-Vorwurf: Jüdische Gemeinde fordert Boykott von Roger Waters The Wall, 2013

Wegen seiner Bühnenshow sah sich Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters heftigen Vorwürfen ausgesetzt - vor seinem Konzert in Düsseldorf rief die Jüdische Gemeinde zum Boykott auf."Roger Waters ist ein geistiger Brandstifter, für den es in unserer Stadt kein Forum geben darf", erklärte Gemeindeverwaltungsdirektor Michael Szentei-Heise. Und weiter: "Das gesamte Bühnenbild weckt eindeutige Assoziationen an die Reichsparteitage und die Propaganda der NSDAP", sagte Szentei-Heise. "Es macht Angst, wenn Zehntausende diese Veranstaltung besuchen und trotz antisemitischer und nationalsozialistischer Symbolik zu Roger Waters Musik feiern, tanzen und applaudieren." Damit wurde u.a. verweisen auf die Szenenfolge, in der der Star einen schwarzen Ledermantel mit roter Armbinde trägt und mit einer Maschinengewehr-Attrappe ins Publikum ballert. In der Luft schwebt dazu ein aufblasbares Schwein. Darauf projiziert: ein Davidstern. Auch in Belgien hatte es heftige Proteste gegen die Rockshow gegeben. Der Musiker hatte sich daraufhin in einem offenen Brief Anfang August gegen den Vorwurf gewehrt, er sei Antisemit. Waters betonte, er benutze auch Symbole wie ein Kruzifix, Hammer und Sichel und Firmenlogos. Er habe viele enge jüdische Freunde, seine Schwiegertochter sei jüdischen Glaubens, und sein Vater sei als britischer Soldat 1944 im Kampf gegen die Nazis in Italien gestorben. Seine "The Wall"-Show sei gegen Krieg und Faschismus gerichtet. Das aufblasbare Schwein habe er auf fast 200 Shows seit 2010 eingesetzt. Bei seinem Auftritt in Frankfurt hatte Rogers gesagt, er widme die Show allen Terroropfern weltweit und zeigte unter anderem Bilder des Irak-Krieges und des Anschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. (Spiegel online 29.8.2013)


Miley Cyrus: Konzertverbot Dominikanische Republik und Probleme in Mexiko, 2014

Der Regierungs-Ausschuss der Dominikanischen Republik verbot 2014 ein Konzert mit Miley Cyrus. Das für den 13. September geplante Konzert der Pop-Diva wurde abgesagt – aus moralischen Gründen. Im Statement hieß es über Miley: „Sie unternimmt oft Dinge, die gegen Moral und Sitte verstoßen und die im dominikanischen Gesetz strafbar sind.“ Cyrus sorgte mit ihren freizügigen Auftritten schon mehrfach für Diskussionen. (Bild.de 1.9.2014)

Danach erhitzte Miley Cyrus bei einem Konzert im mexikanischen Monterrey patriotische Gemüter. Die 21-Jährige ließ sich von einem Tänzer ein angeheftetes Hinterteil mit Mexikos Nationalflagge versohlen. Nach dem Konzert wurden in sozialen Netzwerken Stimmen laut, ob die Sängerin nicht gegen das Gesetz verstoße, welches Respektlosigkeiten gegen nationale Symbole verbietet. Kongressabgeordnete legten einen Antrag vor, demzufolge Cyrus eine saftige Geldstrafe zahlen oder 36 Stunden in Haft gehen solle, wie die Tageszeitung "Excélsior" berichtete. Mexikos Innenministerium wollte den Vorfall nun untersuchen.(FAZ 20.9.2014)

Madonna provoziert Chinesen mit Taiwan-Flagge, 2016

Während der Zugabe bei einem Konzert in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh am Donnerstag zeigte sich die US-Sängerin demonstrativ mit einer Flagge Taiwans auf der Bühne. Da die Regierung in Peking Taiwan als abtrünnige Provinz ansieht, wurde dies in China als Provokation aufgefasst.

Madonna entblößt Brust von 17-Jähriger während eines Konzerts der Rebel Heart Tour, Brisbane 2016

Madonna macht 2016 in Australien mit einer skandalträchtigen Geste Schlagzeilen. Bei einem Konzert in Brisbane holt die 57-jährige eine junge Frau auf die Bühne und sagt: "Sie ist die Art von Mädchen, das man einfach auf den Hintern hauen möchte. Und ziehen ..." Madonna fasst an die Korsage der Konzertbesucherin und entblößt für einen winzigen Moment deren linke Brust. "Oh, tut mir leid, sexuelle Belästigung, du kannst dasselbe mit mir machen, wenn du willst", kommentiert die Sängerin. Die Fan-Gemeinde reagiert mit Empörung. (WN 19.3.2016)