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Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Striptease: mal so, mal so, 1963 - 1969

1962: Nicht erlaubt war es noch 1962 in Hamburg für Stripperinnen auf St. Pauli und St. Georg den letzten Slip fallen zu lassen. 1963 war es erlaubt, aber nur, wenn die Stipperin zu Standbild erstarrte. 1964 durften sie sich bereits auf Podesten drehen. 1965 wurde auch dann nicht mehr eingeschritten, wenn sie sich bewegten. Seit 1966 ist das Mitbringen von Requisiten auf der Bühne erlaubt. Seit 1967 das Masturbieren von Frauen geduldet. 1969 kam der erst Hund auf die Bühne. (Dabei kam es für Oberamtsrat Kurt Falck, den "Säuberer von St. Pauli", darauf an, dass die Mädchen mit dem Tier wirklich nur spielten) 1969 aber wurden "lesbische Liebe", "oral-genitale Kontakte unter verschiedengeschlechtlichen Paaren" und ein "Bühnenkoitus in sechs verschiedenen Positionen" noch mit Geldstrafen belegt. Im Bremer Nachtkabarett „Red Horse“ reagierte im selben Jahr Johann Ehlers, Abteilungsleiter in der Verwaltungspolizei, zudem mit einer Verfügung, weil es zu Berührungen zwischen Tänzerinnen und Publikum gekommen war. Der Beamte, sonst „durchaus nicht prüde“ (O-Ton) ließ die Damen unter Verweis auf die Variete´- und Tanzrichtlinien, „belehren, dass beim Schönheitstanz oder beim Striptease jede Berührung mit dem Publikum zu unterbleiben hat.“ Denn „gerade in der Berührung von nahezu unbekleideten Artistinnen mit männlichen Besuchern … liegt das von der Verkehrsanschauung her missbilligte qualifizierte Moment, durch welches eine absolute Grenze zum sittlichen Erlaubten gezogen wird.“ (Spiegel: 32 1970 und 44 1969)


DDR-Hymne und die "Tonstörung", 1966

Als bei der Leichtathletik-Europameisterschaft die Nationalhymne der DDR gespielt wurde, blendete die ARD einfach den Ton weg und zeigte dafür eine Tonstörung an. (Prisma Archiv)

Missliebige Briefmarken, 1968/69

Ein Brief des Oberhausener Architekten Paul Steven an einen Adressaten in der Sowjetunion wurde aufgrund mißliebiger Briefmarken in einem anderen Umschlag mit anderen Marken zugestellt. Nicht gefallen hatte den Sowjets eine Serie mit Marken "Brandenburger Tor". Der sich in einem anderen Umschlag mit anderen Marken schließlich korrekt zugestellte Brief, war zunächst vom Auslandspostamt in Moskau mit dem roten Stempel "retour" an die deutsche Gegenstelle in Hannover zurückgeschickt und dort ohne die beanstandeten Marken neu versendet worden. Dies war kein Einzelfall. Auch andere Briefmarken wurden zurückgewiesen, so der Einzelwert „Zwanzig Jahre Vertreibung“ (1965), oder die sog. "Vertriebenenmarken". Die Tschechoslowakei schickte Brief mit solchen Marken zurück, Polen beschlagnahmte sie, die DDR überpinselte die Marken mit Farbe, stellt aber die Briefe zu und auch China verweigerte per Stempel die Annahme. Einig in der Ablehnung bestimmter Motive zeigte sich das sozialistische Lager auch im Fall von drei Wertzeichen der Dauerserie „Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten (ab 1964). Polen z.B. protestierte beim Weltpostverein in Bern gegen die Werte "Stettin/Pommern" (5 Pfg), "Königsberg/Preußen (90 Pfg) und Löwenberg/Schlesien (2 Mark), weil diese Briefmarken geeignet seien „Zwietracht zu säen und die Beziehungen zwischen den Ländern zu verschlechtern, indem sie die jetzigen Grenzen in Mitteleuropa in frage stellen“. Als im Spätherbst 1968 die Marken der Serien „Brandenburger Tor" und „Das neue Berlin“ u.a. die West-Berliner Bauwerke wie "Das jüdische Gemeindehaus" (30 Pfennig) und "Die technische Unviversität" (70 Pfennig) zeigten, wurde diese von den Sowjets für "unerwünscht" erklärt. Die Berliner Marken wurden allerdings nur retourniert, wenn sie auf Sendungen aus der Bundesrepublik klebten, da man BRD und Berlin als getrennt betrachtete. Nicht befördert hingegen wurden generell einige Werte aus der Dauerserie „Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten", wie die Makren "Dresden Sachsen" (10 Pfg), "Neubrandenburg" (60 Pfg)und "Wittenberg" (1 DM), weil sie Motive aus der DDR zeigten. Schließlich wurden von den Sowjets auch Motive der Erinnerungsmarken „50 Jahre deutscher Luftpostverkehr“ zurückgewiesen wie eine Marke mit der Ju 52, schließlich flog die abgebildete Ju Nummer D 2201 Hitler 1932 auch zu seinen ein Wahlkampfauftritten. Ebenfalls, aber aus anderen Motiven, fiel der Sonderwert „Jahr der Menschenrechte" 1968 in Ungnade. (Spiegel: 14 1969)

Von der Sowjetunion abgelehnte bundesdeutsche Briefmarken

Nackte Dame mit "Hot Dog", 1968

200 Mark Bußgeld musste "St. Pauli Nachrichten"-Verleger Rosenberger 1968 zahlen, weil er auf einem Poster eine nackte Dame mit einem Hot Dog in der Schenkelgegend abgebildet hatte. (Spiegel: 47 1969)

Städtewerbung Berlin – Hannover: „Was macht ihr nun?“, 1968/70

Mit einer teuren Werbekampagne wollte die Stadt Berlin das eigene Image aufpolieren. Über eine Frankfurter Werbeagentur wurde deshalb u.a. Ende 1968 eine überregionale Anzeige mit dem Titel „Berlin, was machst Du nun?“ geschaltet. Darauf waren die Postwertzeichen mit den Köpfen von Ebert, Reuter, Hindenburg und Hitler treuherzig nebeneinander montiert. Nach entsprechenden Reaktionen auf diesen Fauxpas wurde die Anzeige zurückgezogen. Ein ähnliches Problem hatte die Stadt Hannover. Im Sommer 1970 wollten die Stadtoberen die Leine Metropole entgegen dem herkömmlichen Image („ländlich und provinziell“/ ihre Bürger „prüde, frigide und kontaktschwach“) ein wenig „sexy“ aufmöbeln. Heraus kam die Aktion „Ihr Mädchen von Hannover“: 30 Mädchen und Frauen im eher jugendlichen Alter stellten sich Ortsfremden als Briefpartnerinnen und Begleiterinnen zur Verfügung. Der Begleittext der Stadtväter versprach allerhand: „Alle sind begeistert von der Aufgabe, und jede hat auch ihre eigenen Vorstellungen, wie sie sie lösen würde.“ Die auch in westdeutschen Herrenmagazinen geschalteten Anzeigen erwiesen sich als voller Erfolg: Prompt meldeten sich 2000 deutsche Männer, die ebenfalls ihre eindeutig zweideutigen Vorstellungen hatten und gern die Dienste der jungen Damen aus Hannover in Anspruch nehmen wollten. (Spiegel 15 1971)

Städtewerbung Berlin 1968

Farbig beschriftetes Auto = Verbreitung unzüchtiger Schriften, 1970

Wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften" wurde 1970 ein Stuttgarter Student angeklagt. Er hatte sein Auto angemalt und auf dem Kotflügel den Satz "Der Unbekannte ließ die Hände über ihre ... gleiten" und auf dem andern " "... er sagte ihr, sie solle ihre Beine..." geschrieben. Der Student interpretierte vor Gericht die fehlenden Worte mit "Schläfen und übereinanderschlagen". Dennoch erhielt er eine richterliche Rüge. (konkret 4 1970)

Verlorene Unschuld und der Anspruch auf Kranzgeld, 1972

Bis 1972 konnte laut Richterspruch eine Frau für ihre verlorene Unschuld Kranzgeld verlangen. Diese Rechtssprechung ging auf ein Gesetz (Paragraph 1300 BGB, Recht auf „Kranzgeld“) aus dem Jahr 1900 zurück, dass vorsah, falls „eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung“ gestatte und er sie dennoch im Stich lasse, könne sie für die Preisgabe einen Preis vorschlagen. Doch 1972 wurde entschieden mehr, dass das sog. Kranzgeld ist verfassungswidrig. Der Fall: eine Siebzehnjährige war nach einem Jahr Verlobung und der zitierten "Beiwohnung" verlassen worden. In erster Instanz war ihr noch 1500 Mark Schadensersatz zugesprochen worden. Bereits dieser Preis signalisierte, dass mit der Moral auch die Preise gesunken waren, denn noch vor dem Krieg waren in einem solchen Fall mehrere tausend Mark üblich. Jetzt entschieden die obersten Richter, dass es gar nichts mehr gab. So wurde auch im Jahre 1993 eine Klage auf ein Kranzgeld in Höhe von 1.000 DM mit der Begründung neuerlich abgewiesen, dass der § 1300 BGB wegen der gewandelten Moralvorstellungen gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes (Art. 3 GG) verstoße und deshalb nicht mehr anzuwenden sei. Durch das Gesetz zur Neuordnung des Eheschließungsrechtes vom 4. Mai 1998 wurde er zudem ersatzlos gestrichen. Das gleiche Gesetz wurde in der DDR bereits 1957 abgeschafft. (Spiegel: 45 1972 und wikipedia)

Nackte "Bonanza"-Puppen, 1973

Eine TV-Fibel für Kinder erschien 1973, um TV-Anfänger zum kritischen Umgang mit dem Medium zu verhelfen. Die darin abgedruckten nackten "Bonanza"-Puppen gerieten dann selbst in die Kritik. (Spiegel 42 1973)

Nackte "Bonanza"-Puppen, 1973

Nicht zensiert: fiktive Porno-Briefmarke, 1974

Unbemerkt von der Post wurde wurde fiktive Pornobriefmarke abgestempelt und der Brief dem Adressaten zugestellt. Motiv der Marke: eine Gruppensex-Szene. (Spiegel: 28 1974)

Fiktiv-Briefmarke mit Gruppensex-Motiv

Pornofilme: mit und ohne Bier, 1975

Die Ermittlungen gegen eine Kinokette waren 1975 eine knifflige Rechtsfrage auf, nämlich, ob ein spezieller Service strafbar ist oder nicht. Anlaß war die Beschlagnahme des Pornos "Angel Number Nine", der in einem Düsseldorfer Kino gezeigt wurde. Dem Kinobetreiber wurde Verstoß gegen § 184 des StGB (Verbreitung pornographischer Werke) vorgeworfen. Laut Gesetz dürfen Pornos zwar in Nachtlokalen mit Getränkeausschank, aber nicht in Lichtspielhäusern gezeigt werden. Der Betreiber hatte versucht, das Verbot zu umgehen, indem er zu dem Film auch Alkohol ausschänken ließ. Zudem wies der Betreiber daraufhin, dass mit der Neuformulierung des "Pornogesetzes" zwar entsprechende Hefte am Kiosk zu erwerben sind, aber Filme nicht gezeigt werden dürfen, gleichwohl darauf geachtet würde, dass keine Jugendlichen Zugang zur Vorführung hätten. Die Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, die schließlich mit der Problematik bemüht wurden, gaben dieser Argumentation recht und sahen abschließend keinen „vernünftigen Grund“ für die Unterscheidung zwischen Heft und Film und noch weniger zwischen Film mit und ohne Schnaps. (Spiegel: 36 1975)


"Faust"-Briefmarke 1979

Der Fuldaer Graphiker Heribert Burkert wurde 1979 von der Bundespost mit der Gestaltung einer Sonderbriefmarke zu „Doctor Johannes Faust" beauftragt. Angeblich lehnte er seine Deutung des Mephisto an einen Holzschnitt aus dem Jahr 1616 an. Nach Sichtung durch den Kunstbeirat wurde Burkert empfohlen, den deutlich erigierten Penis des Satans etwas unauffälliger zu gestalten. Der Künstler entsprach der Auflage der Jury und kürzte das besagte Objekt um "schätzungsweise vier Zentimeter“. Damit nicht genug: Die eigentliche Vorlage stammt nicht aus dem Jahr 1616, sondern aus dem Jahr 1566 und die hatte nichts mit Faust zu tun. (Spiegel: 48 1979 und 50 1979)

Unzensierte (mit Penis) und unzensierte Fassung einer Briefmarke der Bundespost zu "Faust"
Vorlage zum "Faust"-Motiv: Ludovicus Milichius, Zauber-Teuffel", 1566


"Playboy"-Werbung geschwärzt: Unfallgefahr, 1989

Der Kölner Lehrer Johannes Franzen griff 1989 zur Spraydose und schwärzte Plakat-Rundungen, mit denen der "Playboy" geworben hatte. Dabei ging es nicht um Sittlichkeit und Moral (Franzen: ("Ich bin Sympathisant von Nackedeis"), sondern um die Vermeidung von Unfällen. Bei einer Autotour durch Köln war vom Anblick des Plakatgirls so abgelenkt worden, dass er fast ein Schulkind überfahren hätte. "Die Plakate dürfen nicht so angebracht werden, dass sie Verkehrsteilnehmer irritieren", empörte sich Franzen und sprayte das Plakat an den entscheidenden Stellen schwarz. (Spiegel 21 1989)

Strafbar: Pornohefte im Müll,1991

Wer ein Pornoheft achtlos in den Müll wirft, kann sich ebenso strafbar machen, wie der umweltbewusste Entsorger, der sie im Altpapiercontainer zum Recyceln freigibt. Jugendschutzbeauftragte wiesen 1991 auf die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche in beiden Fällen prinzipiell Zugriff auf die anstößigen Hefte bekommen könnten. Damit sei bereits der Straftatbestand der Verbreitung pornographischer Schriften erfüllt. Um solcherart die Gefahr einer Anzeige zu vermeiden, empfahl der ehemalige Vorsitzende der Bonner Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften, Rudolf Steffen, die Sexhefte in Kartons oder dicken Plastiktüten zu verhüllen und als Sondermüll abzuliefern.(Spiegel 2 1991)

Kleidervorschriften in der Bundestagsverwaltung, 1998

Per Rundschreiben wurden vor allem die weiblichen Schreibkräfte der Bundestagsverwaltung „aus gegebenem Anlaß“ darüber informiert, dass eine „der Würde des Hauses angemessene Kleidung“ zu beachten sei. Künftig seien deshalb „Auffälligkeiten zu vermeiden“ wie etwa „kurze Röcke und schrille Farben.“ ("Stern"-Artikel/Privatarchiv o.Nr. 1998)

Verbot langer Haare bei der Polizei, 2003

Das Oberverwaltungsgericht Koblenz entschied, dass ein uniformierter Polizeibeamter seine Haare nicht in Form eines schulterlangen Pferdeschwanzes tragen darf. Begründung: Beamte sind verpflichtet, das Ansehen der Polizei zu wahren. Dies sei mit dem Tragen langer Haare bei männlichen Polizeibeamten unvereinbar. (WN 1.10.2003)

Lübke-Zitat führt zum Rauswurf, 2003/2005

Der deutsche Chef des schwedischen Medienunternehmer MTG, Hans-Holger Albrecht, musste 2005 sinen Aufsichtsratsposten bei der schwedischen Gratiszeitungskette Metro nach Rassismus-Vorwürfen aus den USA abgebeben. Seine Festrede für Aufsichtratsmitlieder im August 2003 hatte er mit der Begrüßung „Good evening, ladies and gentlemen ... Guten Abend, meine Damen und Herren und liebe Neger" eingleitet. Er wollte damit lediglich ironisch auf ein angebliches Zitat des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke anspielen, der 1962 in Liberia "Meine Damen und Herren, liebe Neger" gesagt haben soll (FAZ 14.1.2005)

Erotischer Kalender mit Bibelmotiven,2005

Die evangelische Pfarrjugend aus Nürnberg hatte die Idee: Zur Aufbesserung der Finanzen wollte man einen eigenen Kalender 2006 heraus zu geben. Nachgestellt werden sollten Bibel-Szenen mit Models in erotischer Aufmachung unter dem Titel „Akt wie Gott sie schuf“. So entstanden Fotos mit König David als Spanner, der eine Frau beim Bade beobachtet oder Salome in Stringtanga und mit Bodypainting. Die Reaktionen waren heftig: zum einen wurde das Projekt ein gewaltiger Medien- und Verkaufserfolg, zum anderen gab es heftige Proteste, die auf ein Verbot des Kalenders zielten. Schließlich wurde die Internetseite, auf der die Fotos zu sehen waren, abgeändert und teilweise gesperrt. (Spiegel 51 2005)

Erotischer Bibelkalender, 2005/6

Fotografierverbot: "Verrichtungsboxen" der Fußball-WM, 2006

Um dem Triebstau fußballbegeisteter Fans Abhilfe zu schaffen, wurden extra zur Fußballweltmeisterschaft u.a. in Köln sog. Verrichtungsboxen aufgebaut. Damit Huren und Freier aber vor der Öffentlichkeit geschützt ihrem Regungen ungestört nachgehen konnten, wurde das Fotografieren der Lustcontainer untersagt. (Sdt. 18/19.2.2006)

Sog. Verrichtungsboxen, Köln 2006

Bordell-Werbung mit den Flaggen der Fußball-WM-Teilnehmer, 2006

Mit einer üppingen Blondine, den Fahnen der aller 32-Teilnehmer der Fußballweltmeisterschaft und dem leicht abgeänderten Slogan der Großveranstaltung "Zu Gast bei Freundinnen" hatte ein Bordell für seine Dienste geworben. Nach massiven Drohungen mutmaßlicher Moslems wurden die Flaggen von Saudi-Arabien und Iran geschwätzt. (Stern online 2006)

Zensierte Bordellwerbung Fußball-WM 2006

Google: "Hitler"-Berg umbenannt, 2007

Google bereinigte seine eigene Landkarte um eine historische Episode. Der sog Hitler-Berg südlich von Bad Tölz wurde von google nach zahlreichen Protesten auf Google Earth korrigiert, indem der zweifelhafte Zweitname für den Berg Heiglkopf ersatzlos gestrichen wurde. Google hatte für das Programm zunächst auf alte Quellen zurückgegriffen, in denen der Heiglkopf noch falsch geschrieben als „Adolf Hitler Berg“ verzeichnet war. Tatsächlich hatte der Gemeinderat von Wackersberg, den Berg im April 1933 in „Hitler Berg“ umbenannt. Außerdem wurde damals ein rund 10 Meter hohes Hakenkreuz aus Eisen errichtet, das nachts beleuchtet war. Mit dem Ende der Nazi-Herrschaft endete allerdings auch diese Episode. (Ddp 21.3.2007)

Ehrung für Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck durch die deutsche Post, 2008

2008 wollte die Deutsche Post mit einer „wertvollen Silber-Gedenkprägung“ an die „Vereinigung“ von SPD und KPD zur SED erinnern. Deren erste Vorsitzende, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck, so sah es der Entwurf vor, sollten auf der Vorderseite der Medaille „plastisch und detailreich herausgearbeitet“ sein, wie im Begleitschreiben der Deutschen Post zur fünften Lieferung der Silber Edition „60 Deutsche Jahre“ formuliert war. Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Verkehrsminister Tiefensee, forderte daraufhin die Post auf, die „skandalösen Münzen“ einzuschmelzen und stattdessen der SED-Opfer zu gedenken. Die Post stoppte daraufhin (Kommentar zu der Münze: „Das war vermutlich nicht besonders sensibel“) die Auslieferung. (FAZ 23.11.2008)

Proteste gegen Buddha-Figuren bei Bayern München,2008

Die erst kürzlich aufgestellten Buddha-Figuren auf dem Trainingsgelände von Bayern München ließ Trainer Jürgen Klinsmann im September 2008 wieder entfernen. Die katholische Kirche hatte die religiösen „Energielieferanten“ heftig kritisiert. (MZ 3.8.2008)

Schalker Vereinslied: "islamfeindlich?", 2009

Das Lied stammt aus dem Jahr 1924. Doch erst 2009 geriet das Vereinslied von Schalke 04 „Blau und Weiß wie lieb ich dich“ in das Visier empörter Muslime. In der dritten Strophe der Fußballhymne heißt es „Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.“ Aufgrund dieser Textzeilen wurde nach über 80 Jahren Sangeskultur auf einmal „eine Verhöhnung des Propheten Mohammed“ ausgemacht. Der Gelsenkirchener Verein wurde, nachdem der Vorwurf über türkische Medien publik gemacht worden war, mit wütenden Mails, Briefen und Telefonaten überzogen. Schalke beauftragte schließlich einen Islamwissenschaftler damit, das Lied "eingehend zu analysieren“. Er sah kein Problem in den zitierten Zeilen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hatte aber vorher mitgeteilt, er könne die Sorgen und Ängste und die Verunsicherung in der muslimischen Gemeinschaft verstehen. (MZ 4.8.2009)

Wettbetrug im Fußball: Autogrammkarten entfernt, Verl 2009

Zwei Spieler des Flußballclubs Verl standen im Verdacht, in einen Wettskandal verstrickt zu sein. Daraufhin wurden ihre "Autogrammkarten" aus einer Tafel im Clubheim entfernt. (Sdt. 28./29.11.2009)

Tafel mit Autogrammkarten: zwei Spieler fehlen

Würstchen-Werbung: "Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter", 2010

Der Spruch aus einem Werbesport für Würstchen stieß einem Fernsehzuschauer unangenehm auf, der sich an die NS-Zeit erinnert fühlte und in der Aufzählung der beiden Städte die Einverleibung Österreichs befürchtete. Der Werberat wies die Klage zurück, da es sich um Wurstsorten, nicht um Städte handle. (MZ 17.3.2010)

Hasen-Mobbing-Klage, Vechta 2010

Auf Unterlassung wurde eine minderjährige Schülerin 2010 von einer Lehrerin an einer Haupt- und Realschule angezeigt, weil diese einen Hasen an die Tafel gemalt hatte. Außerdem habe die Schülerin behauptet, dass die Pädagogin beim Anblick von Hasen "durchdrehe". Bereits 2008 war es zu einem ähnlichen Fall vor Gericht gekommen, der mit einem Vergleich endete: Die Schülerin verpflichtete sich, es zu unterlassen, gegenüber Dritten zu behaupten, dass die Klägerin beim Anblick eines Hasen oder beim Hören des Wortes einen Tobsuchtsanfall bekommen, anfange zu weinen, zu schreien und den Klassenraum verlasse. (zdf online 19.5.2010)


"AmMachWerk": "Alter, isch mach´disch platt, Alter", Herdecke 2010

Auf Bitten des Ordnungsamtes Herdecke wurde die Klanginstallation am Hengsteysee entschärft. Zahlreiche Beschwerden waren beim Ordnungsamt über die mit Sensoren gesteuerte Arbeit eingegangen, vor allem, weil Spaziergänger nachts über die ausgelösten Sprüche wie "Alter, isch mach´disch platt, Alter" erschrocken waren. Schließlich wurde die Installation vom Dauer- auf Tagesbetrieb umgestellt und zusätzlich Warnschilder aufgestellt. (MZ 7.9.2010)

Richter verbieten iPod-Eierbecher,2010

Apple, die Inhaber der Marke iPod und des Designs des MP3-Players, hatten eine in Erbach/Odenwald ansässige Firma mit einer einstweiligen Verfügung belangt und und ihnen die Verwendung des Begriffs "eiPott" in Zusammenhang mit dem Verkauf ihres Eierbechers untersagt. Die Richter gaben Apple Recht. Zwar sei die Namensgebung “eine witzige Idee und man muss auch erstmal darauf kommen. Eine humorvolle oder parodistische Auseinandersetzung [...] vermag der Senat aber nicht erkennen.” Den Begriff “eiPOTT” darf koziol auch weiterhin verwenden, allerdings nicht im Zusammenhang mit einem Eierbecher. (blog ausgefallene Ideen)

Mieterin darf Piratenflagge aufhängen, Chemnitz 2011

Vor Jahren hatte eine Mieterin eine Piratenflagge in Chemnitz eine Piratenflagge am Kinderzimmer-Fenster aufgehängt. „Die Flagge hing vier Jahre – ohne dass sie jemanden gestört hätte“, so die Mieterin. Doch dann nahm der Eigentümer des Wohnhauses Anstoß an dem Totenkopf. Nach Ansicht des Vermieters und Münchner Promi-Anwalts Volker Thieler verunstalte die „Gardine“ das ästhetische Erscheinungsbild. Mit dem Argument „Zwei Mieter wurden bereits abgeschreckt!“ zog Thielers Rechtsbeistand Andreas Möckel (38) vors Amtsgericht, bekam zunächst Recht. Doch das Urteil des Amtsgerichts wurde vom Landgericht aufgehoben. Die Piratenflagge durfte ab sofort wieder als Fenstervorhang benutzt werden.

Plakat: Hamburger Polizei wirbt mit mutmaßlichem Dieb, 2011

Mit Plakaten wollte die Hamburger Polizei Werbung in eigener Sache machen. Doch das abgebildete Fotomodell wurde als mutmaßlicher Dieb ausgemacht. Die Plakate wurden abgehängt und eingestampft, nachdem das „Hamburger Abendblatt“ hatte berichtet, dass gegen den jungen Mann wegen Diebstahlverdachts ermittelt werde. Er war nach Schilderung eines Polizeisprechers von einem Bekannten erkannt worden, dem er Geld gestohlen haben soll. Der Verdächtige sei eins von vier Fotomodels, mit denen in S- und U-Bahnhöfen der Hansestadt für eine Ausbildung bei der Polizei geworben wurde. Die Kampagne kostete laut Zeitung 50 000 Euro.


Parfümgeruch:"Fierce" bei "Abercrombie & Fitch", 2012

Der süßliche Duft des Parfüms "Fierce" pustete das Geschäft "Abercrombie & Fitch" zwecks Kundenbindung vor seinen Laden in Hamburg. Etliche Passanten, andere Gewerbetreibende und Umweltschützer fühlten sich durch den Duft gestört und das zuständige Bezirksamt informiert. Das ließ verlauten: Zur Zeit laufen Prüfungen, ob zugelassene Emissionswerte überschritten sind. Wenn diese abgeschlossen sind, wird man die weitere Vorgehensweise entscheiden." (Hamburger Abendblatt 15.8.2012)


Zugspitze: Gipfelkreuz vor arabischen Touristen versteckt, 2012

In einem Werbekatalog für Urlauber wurde die Zugspitze ohne Gipfelkreuz gezeigt, um auch Muslime für einen Ausflug zu gewinnen. Die Kirchen zeigten sich empört. Es könne der Eindruck entstehen, man wolle die religiösen Wurzeln Bayerns verleugnen, sagte Weihbischof Wolfgang Bischof laut einer Mitteilung des Erzbistums München. Dass auf dem Foto das Gipfelkreuz nicht zu sehen ist, bezeichnete er als "unnötig und irreführend". (welt online 30.8.2012)

Zugspitze mit und ohne Gipfelkreuz


Ein Bulle verletzte einen Bauern tödlich. Eine radikale Tierschützerin erklärte das Tier zum Helden und handelte sich zwei Strafanzeigen ein, 2015

"Und wieder steht ein Held aus unserer Mitte auf - Ein Bulle nimmt Rache", ist der Artikel überschrieben, den die Tierrechtsorganisation Animal Peace auf ihrer Webseite viva-vegan.info veröffentlichte. Sie kommentierte damit ein Unglück, das sich vor drei Wochen in Nümbrecht zutrug. Ein Bauer wollte gerade eine Stalltür reparieren, als er von einem Bullen angegriffen und getötet wurde. Während die Familie trauert, glorifiziert Silke Ruthenberg, die Vorsitzende des Vereins Animal Peace, den Stier: "Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen." Den Bauern bezeichnete sie als "Sklavenhalter". Die Landwirtschafts-Zeitschrift "Top Agrar" und Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bauernverbands berichteten über den Artikel. Und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis erstatteten beide Strafanzeige bei den Staatsanwaltschaften München und Köln gegen Ruthenberg. Sie berufen sich auf Paragraf 189 des Strafgesetzbuches: "Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." (FAZ 27.1.2015)

Australien

Zigarettenrauchverbot,2006

Robbie Williams wurde 2006 in Australien zu einer Geldstrafe von 150 Dollar verurteilt, weil er sich verbotenerweise bei zwei Konzerten auf der Bühne eine Zigarette angesteckt hatte. (WN 16.12.2006)]]

DDR

Hymne ohne Text, 1970

Die DDR-Hymne hatte zwar einen Text, der durfte aber seit etwa 1970 nicht mehr offiziell gesungen werden, weil "Deutschland, einig Vaterland" im "Arbeiter- und Bauernstaat" nicht mehr angesagt war. (FAZ 7.7.2010)

England

Clash-Song "London Calling" mitgesungen: verhaftet, Durham Tees Valley 2006

Der Brite Harraj Mann wurde 2006 wegen Terrorverdachts von der Polizei festgenommen. Mann hatte im Taxi auf dem Weg zum Flughafen den Clash-Song "London Calling" mitgesungen, in dem es u.a. heißt: "Now war is declared - and battle com down". Der Taxifahrer informierte die Polizei und holte Mann aus dem Flugzeug. Nachdem sich die Angelegenheit geklärt hatte, wurde er wieder freigelassen. das Flugzeug war inzwischen weg. (Sdt. 6.4.2006)

Logo für Olympia: Stilisierte Zahl 2012 oder Hakenkreuz?, 2007

Ein Jahr lang hatte das Designer Büro Wolff Olins am Entwurf für Logo der Olympischen Spiele 2012 in London gearbeitet. 600 000 Euro waren bereits in Rechnung gestellt worden. Dann löste es einen Sturm der Entrüstung aus. Im Wesentlichen zeigt es die stilisierte Jahreszahl 2012. Viele Engländer glaubten aber, darin ein „zerbrochenes Hakenkreuz“ oder einen „Affen auf dem Klo“ zu sehen. Schließlich verhöhnte die britische Zeitung "The Sun" das Logo, indem sie einen Gegenentwurf von einer blinden Frau erstellen ließ. Die Debatte mündete schließlich in einer Diskussion um die Gesundheit, denn etliche Personen berichteten von Kopfschmerzen beim Anschauen des Logos. Als das Vorstellungsvideo des Logos im Fernsehen gezeigt wurde, erlitten 22 photosensible Personen wegen der stimulierenden Lichteffekte epileptische Anfälle. „Es hätte mich umbringen können“ berichtete ein Opfer der "Sun". Fairerweise muss ergänzt werden, dass ein solcher Streit um die künstlerische Verpackung großer Sportereignisse Tradition hat. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen erregte sich das Publikum, weil bei der Eröffnungsfeier auch Techno gespielt wurde. Und das Logo der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde mit Ecstasy-Pillen verglichen. (Spiegel: 24 2007)

Olympia Logo 2012

Verbot von kurzen Badehosen in England, 2009

Im britischen Alton Towers wurde 2009 das Tragen von Speedos (sehr kurze Badehose) im Freibad verboten. weil man die „familienfreundliche Atmosphäre“ des Erholungsparks nicht gefährden wollte und um „peinliche Situationen“ zu vermeiden. Umgekehrt machte man es im Laguna Badeland (Weil am Rhein, Südbaden). Dort wurden im selben Jahr „lange Shorts“ und Boxershorts auf den Index gesetzt und entsprechende Verbotsschilder aufgestellt. Grund: Die Betreiber sorgte sich gleichermaßen um das Binnenklima in den Badehosen als auch um das Weltklima. „Aus hygienischen Gründen“ darf die Shorts nur bis zum Gesäß reichen" und da „Durch die (langen) Hosen sehr viel Wasser in den Bereich um die Becken getragen (wird), der dann in die Abgüsse läuft. Das bedeutet einen erhöhten Energieverbrauch.“ (Laguna-Hausordnung/Sdt. 12.8.2009)

Hochverrat: Briefmarken mit Motiven der Königen umgedreht geklebt, England, 2009

Aufgrund des Treason Falony Acts von 1848 kann in England immer noch als Hochverrat gewertet werden, wenn man eine Briefmarke mit dem Porträt der Königin auf dem Kopf stehend aufklebt. Die Bestimmung sollte Monarch und Krone schützen und wurde nie offiziell aufgehoben. Als Strafe droht im Höchstfall lebenslange Haft. (Sdt. 13.8.2009)

Tier-Sex-Videos verletzen Privatsphäre, 2010

der englische Filmexperte Brett Mills behauptete, dass Naturfilmer häufig das Recht von Tieren auf Privatsphäre verletzen, wenn sie etwa intime Geschehnisse wie die Paarung zeigen. Er berief sich dabei u.a. auf die 1994 vom Europaparlament veröffentlichte "Entschließung zum Wohlergehen und dem Status von Tieren in der Gemeinschaft. (online kurier 2.5.2010)

Verletzung der Privatsphäre von Tieren!?

Airbrush-Bilder von Stars mit Warnaufkleber, 2010

In einem Regierungsreport wurde angeregt, Schauspielerinnen und Sängerinnen mit einem Warnzeichen zu versehen, wenn diese per Airbrushverfahren ein falsches Schönheitsideal (z.B. superdünn, viel Dekoltee, Falten weg etc) bei jungen Mädchen suggerieren könnten. (dailymail online 20.2.2010)

Twiggy wirbt nach Airbrush-Bearbeitung für Anti-Falten
Twiggy, wie sie wirklich aussieht

Iran

"Busenbeben" - leicht bekleidete Frauen verantwortlich für Naturkatastrophen, Iran 2010

Ein iranischer Geistlicher behauptete, dass leicht bekleidete Frauen für Naturkatastrophen wie Erdbeben mit verantwortlich seien: "Viele Frauen, die sich nicht zurückhaltend kleiden, führen junge Männer von ihrem Weg ab, korrumpieren ihre Keuschheit und verbreiten Unzucht in der Gesellschaft, die die Gefahr von Erdbeben erhöht". (Prediger Sedighi, Teheran 16.4.2010). Daraufhin starteten Frauen eine Gegeninitiative und riefen den "Boobquake-Day" aus, an dem möglichst viel Haut gezeigt werden solle, um zu beweisen, dass die Erde dann doch nicht bebt. (zdf online 27.4.2010)

Busenbeben 2010


Irland

Verbot von Popsongs während der kirchlichen Trauung, 2003

In der irischen Diözese Kerry wurden 2003 neue Richtlinien für die musikalische Begleitung von Hochzeiten herausgegeben. Nur noch „auf der Bibel basierende Lieder“ durften fortan gesungen werden. Popsongs hingegen wurden verboten, da sie die Feier herabwürdigen würden. (WN 10.4.2003)

Italien

Barbusige Postbeamtin vom Dienst suspendiert, 1973

Die Postbeamtin Concettina Sciascia wurde in Rom vom Dienst suspendiert, weil sie sich mit nacktem Busen vor der Engelsburg hatte fotografieren lassen. Darin sah das Postministerium einen Verstoß gegen die Beamten-Pflicht, die vorsieht, dass man auch in der Freizeit "mit Würde" aufzutreten habe. Mit der Aktion wollte die Beamtin, die auch Mitbegründerin der "Italienischen Liga zum Schutz der Prostituierten" war, die Liga bekannter machen.(Spiegel 39 1973)

Trikots von Inter Mailand: islamfeindlich?, 2007

2007 ging ein türkischer Rechtsanwalt aus verletztem Ehrgefühl gegen den italienischen Fußballmeister Inter Mailand vor. Baris Kaska waren die Trikots, die die Interstars während des dritten Sieges in der Champions League am 27.11.2007 in Mailand gegen Ferenbace Istanbul trugen, zu provokant. Die weißen Hemden mit dem roten Kreuz erinnerten ihn zu sehr an die Kluft der Tempelritter während der Kreuzzüge in der Türkei. Das Gericht in der türkischen Stadt Smirne nahm Kaskas Antrag ernst und reichte ihn an den Weltverband FIFA und die Europäische Fußball Union UEFA weiter. Gefordert wurde nicht nur ein Punktabzug, sondern auch eine Strafe für Inter. „Dieses Kreuzt erinnert mich an blutige Tage unserer Vergangenheit. Während ich das Match verfolgte, spürte ich einen tiefen Schmerz. Inter wollte mit diesem Trikot auf explizite Weise die Überlegenheit einer Religion manifestieren", sagte der Rechtsanwalt. Tatsächlich ist das rote Kreuz auf weißem Grund aber nur das Symbol der Stadt Mailand und ist auch Bestandteil des Firmenwappens von Alfa Romeo, dem Autounternehmen, das ebenfalls in Mailand gegründet wurde. (Bild/MZ 12.12.07 und Welt 13.12.2007)

Provokantes Inter-Mailand-Trikot

Verbot von Radio- und Schallplattenhören am Strand von Capri, 2009

Schon in den sechziger Jahren wurde auf der Insel Capri im Golf von Neapel das öffentliche Radio- und Schallplattenhören verboten. Daneben gilt bis heute ein Verbot, nachdem das Tragen von Zoccoli (Holzschuhe) in den Straßen der Gemeinde mit 50 Euro Strafe belegt.(Sdt. 13.8.2009)

Japan

Matheaufgabe: "Wie viele Tage dauert es, 18 Kinder zu töten, wenn man jeden Tag drei umbringt" Japan 2010

Ein Grundschullehrer stellte diese makabre Matheaufgabe. Die Schulbehörde bekam davon Wind und mahnte den Lerer ab. Er versprach es nicht wieder zu tun. (WN 16.9.2010)

Neuseeland

Fleischesser = Friedhof der Tiere = kein Sex zwischen Veganern und Fleischessern

Nach einer Untersuchung verzichten viele neuseeländische Veganer nicht nur auf alle tierischen Produkte, sondern auch auf sexuellen Kontakt mit Nichtveganern, berichtete die stellvertretende Leiterin des Zentrums für Studien über Menschen und Tiere an der neuseeländische Canterbury-Universität. Denn Fleischesser würden als „Friedhof für Tiere“ angesehen. (Welt 1.8.07)

Niederlande

"Fußballgott": Klage über Sportreporter, NL 1996

Der niederländische "Bund gegen das Fluchen" bezichtigte 1996 Sportjournalisten der Gotteslästerung. Er forderte sie 1996 in einem offenen Brief auf, Begriffe wie "Fußball-Gott" oder "Erlöser" zu verzichten. Der Bund wurde 1917 gegründet und hatte 1997 18000 Mitglieder. (WN 14.5.1996)

Österreich

Kußverbot an Gunskirchener Schule, 2008

Der Direktor der Gunskirchener Hauptschule in Oberösterreich verhängte ein generelles Kußverbot unter seinen Schülern. Dies wurde den Eltern in einem Brief mitgeteilt und begründet: Man wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, nicht unternommen zu haben, falls es einmal zu einem „ernsteren Vorfall“ (O-Ton Direktor) komme sollte. (WN 20.11.2008)

Polen

Internetauftritt von Microsoft - aus schwarz mach weiß -, Polen/USA 2009

Microsoft änderte für seinen polnischen Internetauftritt das Foto, das in Amerika die Präsentation begleitete: aus dem in der Mitte einer Dreiergruppe sitzenden älteren Schwarzen wurde ein jüngerer Weißer gemacht. Das ganze fiel auf, weil man vergessen hatte, die auf dem Tisch ruhende Hand rechte Hand wegzuretuschieren. Sie blieb schwarz. (Sdt. 27.8.2009 und chip.de 26.8.2009)

Seychellen

Banknoten mit dem Wort "Sex"

Auf einer Banknote der britischen Kronkolonie Seychellen konnte man aus den abgebildeten Palmenzweigen das Wort Sex herauslesen. Dies war außerdem noch direkt neben der Konigin Elizabeth platziert. Deshalb ließ die Regierung der Inselgruppe das amtliche Zahlungsmittel nicht mehr außer Landes. Sammler bieten inzwischen horrende Preise für die ungewöhnliche Banknote. (Spiegel 1972, Privatarchiv ohne Nummer)

Banknote mit Königin und dem Wort "Sex"

Thailand

Majestätsbeleidigung durch Herumtrampeln auf Geldscheinen, 2009

Wer den thailändischen König Bhumibol beleidigt, kann sehr schnell in Haft kommen. So ist es verboten auf Geldscheine, auf denen das majestätische Antlitz prangt herumzutrampeln. Noch 2007 wurde ein Schweizer zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil der das Porträt des Königs beschmiert hatte. Er wurde allerdings begnadigt und dann des Landes verwiesen.(Sdt. 13.8.2009)

UN

Briefmarke zur Verbrechensbekämpfung,1990

Heftige Vorwürfe mußten sich die Vereinten Nationen gefallen lassen, nachdem sie eine Briefmarke aus der Serie "Verbrechensbekämpfung" herausgegeben hatten, auf der orthodoxe Juden mit schwarzen Hüten zu sehen waren, wie diese gerade Diebesgut wegschafften. „Millionen von Juden in der ganzen Welt“, so lautete der Protest, würden dadurch beleidigt. (Spiegel 38 1990)

UN-Briefmarke zur Verbrechensbekämpfung

USA

Test: Das Schamgefühl des amerikanischen Durchschnitts-Mädchens, 1957/63/66

Auf Anthony Comstock (1844 - 1915) geht ein Gesetz zurück, dass den Postversand "obszöner Schriften" noch in den fünfziger und sechziger Jahren in den USA unter Strafe stellte. Comstock war Präsident der einflußreichen "Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters", die unter dem Motto arbeitete: "Lust besudelt den Körper, macht den Geist korrupt, den Willen schwach - die Seele geht zum Teufel." Er selbst behauptete von sich, 160 000 Tonnen erotischer Drucksachen aus dem Postverkehr gezogen zu haben. Von Büchern verlange er "Moral, keine Kunst". Die Frage, was nun Moral oder "obszön" sei, wurde in seiner Nachfolge durch den sog. "Schulmädchen-Test" ermittelt: Bücher und Bilder, die eine Pennälerin erröten lassen, galten als obszön.. Erst 1957 nahm das Oberste Gericht der USA Abstand von dieser Praxis. Fortan wurde der "Errötungstest" durch das Ermitteln eines "lüsternen Interesses" ersetzt. Dieses wurde 1966 dem Verleger Ralph Ginzburg zum Verhängnis. Der hatte eine Zeitschrift 1963 unter dem Titel "Eros" herausgegeben, 40 Mark teuer, "den Wonnen der Liebe und des Sexus geweiht", zeigte erotische Stiche alter Meister oder meisterliche Fotos von Marylin Monroe und ließ sich auch schon mal über das Liebesleben von Napoleon aus. 1966 bestätigte das Oberste Gericht eine Verurteilung Ginzburgs durch untere Instanzen und deren Strafe von fünf Jahren Gefängnis und 112000 Mark Strafe. Die Richter betonten zwar, dass der Inhalt der Zeitschrift vergleichsweise harmlos sei, aber sie prangerten zugleich eine "lüstern-sensualistische" Werbung die "kupplerisch-erotische Neigungen seiner Abonnenten verstärkt" an. Der Beweis: Ginzburg hatte die Zeitschrift auf zwei unbedeutenden Orten namens Middlesex und Intercourse - zu deutsch "Geschlechtsverkehr" verschickt. (Spiegel 23 1966)

Vorlagen zum Test für das Schamgefühl des amerikanischen Durchschnitts-Mädchens

Büstenhalter-Werbung, 1976

1976 scheiterte der Versuch des Miederproduzenten Playtex, seinen Büstenhalter auf amerikanischen Bildschirmen hautnah zu präsentieren am Einspruch der freiwilligen TV–Selbstkontrolle. Playtex muß seine BHs in den Werbespots weiterhin Geister gleich durch den Raum gleiten lassen oder an züchtig mit einem Trikot bekleideten Photomodellen demonstrieren, bekräftige die Television Authority. Denn Unterwäsche auf lebenden Körpern in der Werbung verdürbe die guten Sitten. (Spiegel: 43 1976)

Sammelbilder "Berühmte Mörder", 1992

Sehr beliebt waren in den USA zunächst Sammelbilder-Serien wie „Berühmte Mörder“ oder oder „Wahre Verbrechen“, auf denen prominente Killer aus Vergangenheit und Gegenwart abgebildet wurden. Die Motive, wie etwa Richard Speck, der 1966 in Chicago 8 Schwesternschülerinnen ermordet hatte, kamen drastisch daher: Speck zückt z.B. ein schweres Messer gegen eine leicht bekleidete Schöne. Auf der Rückseite der Karten wurden Tathergänge und Haftstrafen beschrieben wie sonst nur die Leistungen bekannter Sportler. Viele Kritiker hielten Motiv und Art der Darstellung für jugendgefährdend und gründeten die Initiative „Die Freiheit hat ihre Grenzen, wo sie auf Kosten der Opfer ausgeübt wird.“ (Spiegel 18 1992)

Sammelbilder "Berühmte Mörder", 1992

Boston Zoo: Anschauungsunterricht über das Liebesleben der Tiere, vermutlich um 1995

Um die Zoos attraktiver zu machen wurde ein neues Event-Programm kreiert: "Das Liebesleben der Tiere - von der Fliege bis zum Flusspferd" sollte anschaulich in Filmen, Vorträgen, Videos und Führungen an einem Wochenende Thema sein. Die Veranstaltungen waren ausdrücklich nur für Erwachsene ausgewiesen. (Privatarchiv)

Porno-Report, USA 1996

Elf Damen und Herren erhielten 1996 den Auftrag, "Wesen und Ausmaß der Pornographie in den USA" sowie deren "Einfluß auf die Gesellschaft" zu untersuchen. Heraus kam ein 2000 Seiten dicker Untersuchungsbericht, in dem u.a. Fragen diskutiert wurden, welche Bedeutung die Intimität von einem Mann mit einem Huhn hat oder ob man "Sex mit einer Leiche haben darf, mit der man verheiratet ist?". Als Empfehlung gegen die fortschreitende "Sexualisierung der Gesellschaft" und der damit verbundenen verheerenden Folgen wurde u.a. empfohlen, bei Peepshow zukünftig die Kabinentüren auf zu lassen und Bürgerwehren zum Einsatz gegen Pornohändler einzusetzen. (Spiegel 29 1986)

Namensverbote für Wirbelstürme, 2006

Nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“ (29.8.2005) beschloss das internationale Meteorologen-Gremium nie wieder den gleichen Namen für einen Wirbelsturm zu verwenden. Gestrichen für eine zukünftige Verwendung wurden auch die Namen Rita, Wilma, Dennis und Stan. (WN 8.4.2006)

Verbot von Baggy-Jeans, Michigan 2008

David Dicks, Polizeichef in Flint (bei Detroit, Michigan) entdeckte als erster das Vergehen: Das Tragen von tief sitzenden Jeans, eine Modeerscheinung, die viele zwar als Geschmacksverirrung einstufen, aber nicht als „unmoralischer Ausdruck der Persönlichkeit“ (Dicks). Die sog. Baggy-Jeans seien „unanständig“ und dazu angetan, öffentliches Ärgernis hervorzurufen. Das aber wird im Staat Michigan mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder 500 Dollar Geldstrafe geahndet. Der Polizeichef lieferte auch gleich noch genaue Instruktionen zum Umgang mit den Gesetzesbrechern nach: Derjenige, dessen Hose zwar soweit unten hängt, dass die Boxershorts zu sehe sind, aber kein Hintern, bekommt nur eine Verwarnung ausgesprochen. Ist der Allerwerteste sichtbar, gilt der Tatbestand als Erregung öffentlichen Ärgernisses als erfüllt. Dies war kein Einzelfall: Zwei weitere Städte des konservativen Südens, Alexandria und Shreveport (beide Louisana) verboten ebenfalls das Tragen der bei Teenagern so beliebten Baggy-Pants (weit unterhalb der Hüfte sitzende Hosen) aus moralischen Gründen. „Wir haben das Verbot einstimmig verabschieded nachdem sich so viele Bürger beschwert haben, dass sie junge Männer nicht mit derart tief sitzenden Hosen sehen wollen, die die Unterwäsche und in manchen Fällen auch das Hinterteil sehen lassen, begründete z.B. Stadtrat Louis Marshall aus Alexandria das Verbot. Dem Verbot wollte man mit einer Geldstrafe bis zu 25 Dollar Nachdruck verleihen. Im Wiederholungsfall sollte sie höher ausfallen. In England hingegen entschied ein Richter in Bedford lehnte ein Richter das von einem Staatsanwalt geforderte Verbot von Baggyhosen als Verstoß gegen die Menschenrechte ebenso ab, wie das geforderte Verbot zum Tragen von Kapuzenpullis. (Spiegel: 32 2008 und Welt 31.8.2008/Sdt.6.5.2010)

Illustration zum Verbots der Baggy-Jeans

Nackte Venus als Schneefrau angezeigt, New Jersey, 2010

Nach heftigem Schneefall hatte eine Familie in New Jersey im Vorgarten ihre eigene Venus aus Schnee gebaut - nackt, wie das Vorbild. Aufgrund einer anonymen Anzeige schritt die Polizei ein: Die Venus musste angezogen werden und erhielt einen Bikini. (Mail Foreign Service 4.3.2010)

Nackte Venus
Venus mit Bikini nach Polzeieinsatz

Verwendung vom FBI-Siegel in wikipedia verboten, USA 2010

Das FBI schrieb an die Wikimedia Foundation 2010: "Bitte entfernen Sie innerhalb von 14 Tagen das FBI-Siegel von allen Wikipedia-Seiten, oder wir leiten juristische Schritte ein." Das FBI berief sich dabei auf ein gesetzt zur Verwendung amtlicher Siegel, das u.a. für die unrechtmäßige Verwendung 6 Monate Haft vorsieht. (online Juli 2010)

Plants vs. Zombies: Zombie-Tanz nach Michael Jackson, 2010

Die Firma PopCap zog den nach Michael Jackson inspirierten Tanz eine Zombies aus dem PC-Spiel "Plants vvs. Zombies" mit Rücksicht auf die Familie zurück und ersetzte den Jackson-Zombie durch einen Star von Saturday Night Fever. (web 1.8.2010)

Zurückgezogener Jackson-Zombie
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