Fernsehen

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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF)

Im April 1994 nahm die von RTL, RTL 2, Kabelfernsehen, Sat 1, Pro 7, Vox, Premiere, ntv und Kabelkanal gegründete FSF ihre Arbeit auf, um härteren Gesetzen zuvor zu kommen. Erster Fall: die Begutachtung der Krimiserie "Miami Vice". Pro Jahr werden ca. 750 Filme überprüft. An ca. der Hälfte wird Anstoß genommen. Schnitte wurden u.a. verlangt bei "Terminator" oder "California Cops", eine spätere Ausstrahlung bei "Aliens des Grauens" oder Karate Tiger 5" (erst ab 24 Uhr) und etliche Filme wie die Sexstreifen "Centerfold", "Verborgene Leidenschaft", die Todlichen Träume oder "Die Rückkehr der Untoten" ganz verboten. Nicht verboten wurden "Die intimen Momente der Madame Claude", gleichwohl Koitus und Onanie vorkamen, der sich aber "vor allem durch die Verbreitung intensiver Langeweile auszeichnet." (Stern 17 1995)

Szene aus dem abgelehnten Film "Centerfold"
Szene aus dem abgelehnten Film "Prisoners"
Szene aus dem abgelehnten Film "Der Panther 2"

Jugendschützer rüffeln RTL, Kabel1 und Tele5 - "Super Nanny"-Verstoß, 2011

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatet zwischen Januar und Ende März 2011 12 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags im Fernsehen festgestellt - gerüffelt wurden die Privatsender RTL, Kabel1, ProSieben, Vox und Tele5. Bei der Doku-Soap "Die Super Nanny", die bereits am 5. Mai 2010 um 20.15 Uhr auf RTL lief, wurde ein Verstoß gegen die Menschenwürde festgestellt. Eine Folge thematisierte das psychisch und physisch gewalttätige Verhalten einer Mutter gegenüber ihren supernannyzwei- und fünfjährigen Mädchen: Vor laufender Kamera wurde gezeigt, wie die Mutter ihre fünfjährige Tochter anschrie, ihr mit Schlägen drohte, sie ignorierte und sie schließlich schlug - ohne dass das Kamerateam eingriff. Diese Szenen wurden insgesamt dreimal gezeigt, unter anderem auch in einem Teaser zur Sendung. Das Kind werde in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert, urteilten die Jugendschützer. (Sdt. 15.4.2011)

Platzecks Sprecher intervenierte beim RBB - mit Erfolg, 2013

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) fühlte sich von einem Kamerateam des RBB überfallen. Daraufhin intervenierte sein Sprecher und der Rundfunk Berlin-Brandenburg änderte seinen Beitrag über die geplatzte Eröffnung des Großflughafens BER. Das wurde auch durch den Sender bestätigt: Es sei zutreffend, dass der umstrittene Beitrag nach einem Anruf des brandenburgischen Regierungssprechers Thomas Braune geändert worden sei. Regierungssprecher Braune hatte sich nach Schilderung des Senders im Mai 2012 bei RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein offiziell über den Umgang eines Reporters mit dem Ministerpräsidenten beschwert. Der sei von dem Reporter und dessen Kamerateam „gestellt“ worden. Vor allem wurde eine Szene herausgenommen, in der Platzeck unwirsch auf das Kamerateam reagiert. (Spiegel 11 2013)

Kindersendungen

"Sesamstraße", 1969/2007

In den USA erschien 2007 eine Kompilation-DVD zur „Sesamstraße“. Dabei wurden die ersten Folgen in den USA mit einem Warnhinweis wegen „Kinderschädlichkeit“ versehen: „Diese Episoden sind für Erwachsene bestimmt und passen eventuell nicht zu den Bedürfnissen von Vorschülern“. Vieles von dem, was da am 10. November 1969 erstmals über die Schirme verbreitet worden war, ließ rund vierzig Jahre später die DVD-Produzenten erschauern: zwei Puppen, die unter prekären Bedingungen in einer Kellerwohnung hausten, ein grünes Monster mit schlimmster Depression, eine blaues Ungeheuer auf der Überholspur zur Zuckerkrankheit oder Oskar, der in einer Mülltonne lebt und dauernd schlecht gelaunt zynische Sprüche von sich gibt. Die Produzentin Carol-Lynn Parente meinte dazu: „So eine Figur können wir heute nicht mehr einführen“. Auch Rauchen und maßloses Essen wurden von der DVD verbannt. In den aktuellen Folgen der Sesamstraße sind die Probleme längst gelöst. Schon 2005 verordneten die Produzenten dem Krümelmonster eine strenge Diät. (Welt 23.11.2007. Auch in der Erfolgsgeschichte der Kindersendung gibt es zahlreiche Beispiele, dass Ernie, Bert und Co nicht nur Sympathie entgegen schlug: So protestierte der Bayrische Rundfunk gleich zu Beginn der Ausstrahlungen, da die Lebensumstände in den USA und in Deutschland nicht miteinander zu vergleichen seien. Denn einige Szenen der frühen Sesamstraße spielten, so die protestierenden Bayern, unerträglicherweise in New Yorker Slums. Deutsche Lehrerverbände befürchteten eine Bildungskatastrophe und amerikanische Lehrer verwiesen auf die zu schnellen Schnittfolgen, die bestens dazu geeignet seien, Epilepsie auszulösen. In der Heimatstadt des Sesamstraßen-Erfinders Henson warnte man davor, dass das Fernsehpublikum noch nicht reif dafür sei, schwarze und weiße Menschen neben Handpuppen auftreten zu lassen. (Sdt. 10.9.2009)

"Schweinchen Dick", 70er

Anfang der siebziger Jahre wurde die Zeichentrickserie insbesondere auf Betreiben des CDU-Politikers Heiner Geißler aus dem Programm genommen. Ihm erschien die Serie zu brutal. (Prisma Archiv)

"Die Sendung mit der Maus" und der Klassenkampf,1973

Deutschlands Unternehmer fühlten sich in den frühen siebziger Jahren von Funk und Fernsehen verleumdet. In einer medienkritischen „Trend-Analyse“ wurde sogar die Sendung mit der TV Maus angeprangert, weil in ihr der Klassenkampf propagiert würde und Unternehmer nur als Bösewichte erschienen. (Spiegel 8 1973)

“Digimon“- und "Pokemon"-Verbot, Türkei 2001

Eltern forderten bei der Medienaufsicht ein „Digimon“-Verbot, weil sie ein negatives Nachahmungsverhalten ihrer Kinder befürchteten. So sollen Kinder sollen bereits versucht haben, sich wie die kleinen Monster aus dem Fenster oder von Balkonen zu stürzen. Bereits davor hatten türkische Behörden die Ausstrahlung von „Pokemon“-Filmen gestoppt, nachdem sich zwei Kindern aus dem Fenster gestürzt hatten und verletzt worden waren. Auch in Deutschland wurden die Filme gezeigt. (MZ 3.5.2001)

"Basil Brush", England 2008

"Basil Brush", eine Art Fuchs und Liebling vieler Kinder, wurde zum Fall für die Polizei. Angelastet wurde der Kunstfigur eine rassistische Gesinnung, weil er in einen Sketch über Zigeuner (BBC Kinderprogramm März 2008) nach dem Besuch bei einem Zigeuner-Wahrsager, bemerkte, dass seine Werkzeugtasche gestohlen worden sei. Die Aufregung nach der Sendung war unter den Zigeunern riesig. (Netz 17.3.2008)

Spongebob: „schwul“?, 2009

Konservative christliche Kreise lehnen die Zeichentrickfigur als Vorbild ab. Grund: sie halten ihn für schwul, wegen seiner Vorliebe für bunte Farben und seiner fast ausschließlich männlichen Freunde. (WN 30.4.2009)

"Unser Charly" - Einstellung gefordert, 2010

Tierschützer forderten 2010 die Einstellung der Serie "Unser Charly" in der ein Schimpanse die Hauptrolle spielt. zur Begründung gb u.a. der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, an: "wer Kindern vorgaukelt, Schimpansen seien zur Belustigung des Menschen da, handelt grob fahrlässig. zudem wurde auf eine Studie der FU Berlin verwiesen, die Kindern nach dem Ansehen der Serie nach ihrem Affenbild fragten: sie hielten mehrheitlich Schimpansen für liebe Haustiere, die gerne Menschenkleidung tragen und gern mit Menschen zusammenleben. Die Serie läuft seit 15 Jahren. (MZ 10.6.2010)

Jugendsendungen

Jugendsendungen: „Beat-Club“, „baff“, „p“, sechziger Jahre

Das deutsche Fernsehen wendete sich in den sechziger Jahren zunehmend der Jugend mit Sendungen wie „Beat Club“, „baff“ oder „p“ zu. Das aber führte zu Protesten vieler erwachsener Zuschauer gegen diese „ungepflegten Heuler, Schreier und hopsenden Brüller“ gegen „Kommunistenagenten“, „Gossendreck“ und Nuditätensendungen“. Eine Mutter rief für die „gesamte deutsche Jugend, die noch nicht vom Gift der Zersetzung zerfressen ist“ auf gegen die Stuttgarter Sendung „p“ vorzugehen. Über das Kölner „baff“-Jugendmagazin hieß es: „Die Sendung wäre nach Mitternacht noch bedenklich, um diese Kinderstunde aber ist sie teuflisch schmutzig.“ (Spiegel 11 1970)

Jugendmagazin „B.O.X.“, 1973

Das Südfunk kürzte 1973 eine Sendung des Jugendmagazins um sieben Minuten gekürzt: Der geplante Auftritt des Aufklärungs-Autors Günter Amendt entfiel, weil seine Ratschläge zur Selbstbefriedigung von Stuttgarter TV Direktor Horst Jaedicke als „Aufruf zur Onanie“ abgelehnt wurden. „Wenn Selbstbefriedigung zur Verblödung führen würde, wären alle Schulen Irrenhäuser, die Lehrer die Oberirren“, hatte Amendt auf Anfragen von Jugendlichen geantwortet. Jaedicke hingegen war der Meinung, dass „zuviel Selbstbefriedigung“ ebenso schädlich sei „wie zuviel Autofahren". (Spiegel 28 1973)

===„Galileo“ von Jugendmedienschützern kritisiert, 2012===. Die ProSieben-Sendung zeigte im Tagesprogramm zwei Sendungen, die nicht für unter 12-Jährige geeignet sind. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) beanstandete die Formate. Kritik musste ProSieben für die Ausgabe „Galileo Spezial - Vampire unter uns?“ einstecken. Diese laut KJM „pseudowissenschaftlichen“ Reportage verstärke den Mythos von Vampiren, die möglicherweise tatsächlich existieren. Immer wieder stellte die Sendung den Bezug zu echten Menschen her, die beispielsweise Blut trinken – dazu wurden Bilder gezeigt, die an Horrorfilme erinnern. Deshalb, so das Urteil, sei die Folge aus Jugendschutzperspektive nicht fürs Tagesprogramm geeignet: „Galileo“ hätte die Szenen erst ab 20 Uhr zeigen dürfen – für Kinder unter 12 Jahren seien die Bilder kaum zu verarbeiten. Die KJM: „Es ist eine nachhaltige Verunsicherung und Verängstigung von unter 12-Jährigen zu befürchten.“ Außerdem beanstandeten die Jugendschützer die Sendung „Galileo Big Pictures“, die zur Oscar-Verleihung „die 50 spektakulärsten“ Bilder aus berühmten Filmen zeigte. Mit dabei: Ausschnitte aus „Der Exorzist“. Der Horrorfilm ist erst ab 16 Jahren zugelassen, lief aber trotzdem im Tagesprogramm. Laut KJM besteht die Gefahr, dass „jüngere Zuschauer durch die drastischen Szenen des Filmausschnitts beeinträchtigt werden.“ Eine weitere ProSieben-Sendung bekam Kritik: In einer Folge der Mystery-Serie „Primeval – Die Rückkehr der Urzeitmonster“ war zu sehen, wie ein Riesen-Wurm spielende Kinder angreift. Tödliche Monster-Attacken im Tagesprogramm sind laut KJM unzumutbar für junge Zuschauer. (Hamburger Morgenpost 23.1.2012)

Kultur

Leichensektion: Gunther von Hagens, Marl 2002

Gemeinsam sprachen sich das Grimme-Institut (Marl) und die Evangelische Kirche gegen eine TV-Übertragung einer Leichensektion Gunther von Hagens aus. Vorher hatten britische Sender diese ausgestrahlt. (dpa 18.12.2002/vermutlich)

Sport

Fußballer Ewald Lienen mit Anti-Atom-Pullover, WDR 1985

„Herr Lienen, was wollen Sie denn am Sonntag anziehen?“, war die Frage, die dem Fußballer Lienen telefonisch gestellt wurde, nachdem er vom WDR als "Torschütze des Monats" zur Sportschau eingeladen worden war. Der zuständige Redakteur erklärte zum Hintergrund der Frage, dass dem WDR sein Lieblingspullover mit dem Abrüstungssymbol und der Aufschrift „Sportler gegen Atomraketen – Sportler für den Frieden“, den er bei den letzten Sendungen getragen habe, missfalle. Lienen verzichtete schließlich auf den Pullover und durfte dafür einen Button mit dem Friedenszeichen tragen und in der Sendung auf seine Aktivitäten für die Friedensbewegung eingehen. (Spiegel 47 1985)

Ewald Lienen mit mißliebigem Pullover

„Martial Arts X-treme“ (MAX), 2006

Seit dem 7.10.2006 sendete das DSF die Aufzeichnungen der in Berlin ausgetragenen Kämpfe, die am Samstag ab 21.15 gezeigt werden. Etliche Zuschauer beschwerten. Grund: Gewaltverherrlichung. Daraufhin überprüften die Verantwortlichen die Sendung. Eine Absetzung stand zunächst nicht steht zur Debatte, wohl aber eine Verlegung auf nach 22.00 Uhr. DSF zu dem Vorgang: „Wir hatten MAX inhaltlich geprüft und nichts zu beanstanden.“ Pressesprecher Sebastian Baron ferner: „Vielleicht wirkt es abschreckend, dass auch auf dem Boden weitergekämpft wird.“ (MZ 22.11.2006)

Szene aus „Martial Arts X-treme“ (MAX)

Dokumentationen

ARD: "Der Drückerkönig und die Politik - Carsten Maschmeyer", 2011

Dass die Dokumentaion über Carsten Maschmeyer überhaupt gezeigt wurde, grenzte an ein Wunder, ging der Hauptprotagonist doch mit allen möglichen juristischen Mitteln gegen die Sendung vor. Schließlich erreichte er sogar juristisch eine Kürzung der Sendung erreicht. Geschwärzt werden musste eine Szene, in der der Journalist Christoph Lütgert Maschmeyer um ein Interview bittet. Zum Hintergrund: Carsten Maschmeyer zeigte sich gern als ein guter Mensch. 1,4 Millionen Euro spendete er kurz vor Weihnachten bei der vom ZDF ausgestrahlten Benefizshow "Ein Herz für Kinder". Die andere Seite: In der Sendung "Panorama -- Die Reporter" kamen 2010 Menschen zu Wort kommen, die heute hoch verschuldet sind, weil sie von AWD-Beratern (Maschmeyer ehemalige Firma)hinters Licht geführt worden waren. Die im Januar 2011 ausgestrahlte Dokumentation "Der Drückerkönig und die Politik" widmete sich den Hintergründen des Geschäftsgebahrens. Auch hier äußern sich Opfer. Im Mittelpunkt des Films, präsentiert von NDR-Reporter Christoph Lütgert stehen Maschmeyers exzellente Beziehungen zu Größen des Politikbetriebs: 1998 unterstützte Maschmeyer mit Anzeigen Gerhard Schröders Kanzlerkandidatur. Bundespräsident Christian Wulff machte in einer Villa des Finanztycoons auf Mallorca Ferien. Als Gründer der Maschmeyer Rürup AG berät Politikerbuddy Maschmeyer heute Versicherungskonzerne. Sein Kompagnon ist Schröders einstiger Rentenguru Bert Rürup -- der Erfinder der Rürup-Rente, den Maschmeyer vorher zu AWD geholt hatte. Auch Familienministerin Kristina Schröder stand Rürup in Sachen Pflegeversicherung bereits beratend zur Seite -- obwohl er die Versicherungsbranche berät. Teil des Geflechts ist auch Walter Riester, Arbeitsminister unter Schröder. Er lässt sich mit AWD-Beratern und vor Firmenlogos fotografieren. Im Film sagt er: "Ich bin noch nie für ein Produkt oder einen Anbieter werbend aufgetreten." Im Vorfeld der Ausstrahlung von "Der Drückerkönig" faxte der Top-Jurist Matthias Prinz den neun Intendanten der ARD rund 60 Seiten. Ein unseriöses Werk planten die Journalisten vom NDR, so der Tenor. (fastprogress.blogspot 15.11.2011)

Wallraff und die "Bild"-Zeitung, 1977-2011

1977 filmte Günter Wallraff alias Hans Esser den Report über seinen Undercover-Einsatz in der Hannoveraner "Bild"-Redaktion. Der WDR sperrte damals die Aufnahmen nach Intervention des damaligen WDR-Fernsehprogrammdirektor Heinz Werner Hübner. Hübners erlassener Sperrvermerk wurde erst im August 2010 aufgehoben und der Film 2011 gesendet. (Sdt. 18.11.2011]]

Daimler und SWR vor Gericht Streit um Niedriglohn-Reportage, 2014

Im März 2013 strahlte der Südwestrundfunk die Reportage „Hungerlohn am Fließbahn“ aus, die den Autobauer Daimler wegen seiner Werkverträge in die Kritik brachte. U.a. wurde mit versteckter Kamera im Werk des Autobauers gedreht. Demzufolge soll Daimler über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Der Konzern weist die Vorwürfe von sich. „Der Film suggeriert unrechtmäßiges Handeln auf unserer Seite und dies war nicht der Fall“, erklärte eine Sprecherin. Die Autobauer hält den Beitrag stellenweise sogar für manipulativ. Die Situation werde anders dargestellt als sie tatsächlich gewesen sei, argumentiert Daimler. Der Sender sieht das anders: „Der SWR ist der Überzeugung, dass die Verwendung der genannten Aufnahmen rechtmäßig war“, betonte eine Sprecherin. Ausgestrahlt wird die Dokumentation momentan aber nicht mehr. Seit der Erstausstrahlung am 13. Mai 2013 sei der Beitrag noch dreimal wiederholt worden, sagte die Sprecherin. „Es sind keine weiteren Ausstrahlungen geplant.“ Der Fall endete vor Gericht. (FAZ 1.8.2014)

„Uranium – Twisting the Dragon’s Tail“ von Derek Muller. 2015/2016

Anläßlich des Jahrestages der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki wurde auf arte die deutsche Version der Dokumentation „Uranium – Twisting the Dragon’s Tail“ von Derek Muller unter dem Titel „Uran und Mensch – Ein gespaltenes Verhältnis“ ausgestrahlt. Die gleiche Dokumentation wurde dann im Kanal ZDF info unter dem Titel „Uran – Das unheimliches Element“ ausgestrahlt (letzte Ausstrahlung am 4.2.2016 und 11.2.2016), allerdings in einer etwa 9 Minuten kürzeren Version als das englische Original. Denn im 2. Teil wurden die Szenen herausgeschnitten, in denen Frau Prof. Thomas aus dem UNO-Bericht über Tschernobyl zitierte und die wahren Zahlen der durch Strahlung/Strahlungsfolgen Verstorbenen darstellte Auch die Aussage, dass 25 Jahre nach Tschernobyl die Krebszahlen der Bevölkerung Tschernobyls nicht höher sind als bei einer „unbestrahlten“ Bevölkerung wurde entfernt. Auch die folgende Szene, in der Derek Muller ein altes Paar, was wieder im Süden Tschernobyls lebt, zeigt, wurde herausgeschnitten. (Quelle: Heiner Bargel)

Fernseh- und Spielfilme

“Mörder von Lebach“, 1969/1972/1996

Am 20. Januar 1969 drangen bewaffnete Männer in die Standortmunitionsniederlage des Fallschirmjägerbataillons 261 ein, töteten vier der fünf diensthabenden Wachsoldaten und verletzten den fünften schwer. Der Kriminalfall wurde 1972 in einem vom ZDF produzierten Dokumentarspiel nachgestellt. Auf Ersuchen der Täter erhielt der Film durch das Bundesverfassungsgericht im sogenannten Lebach-Urteil ein Sendeverbot. Die Produktion wurde bis zum heutigen Tage nicht ausgestrahlt. Eine 1996 von Sat.1 produzierte Dokumentation wurde nach längerem juristischen Tauziehen am 13. Januar 2005 zum ersten Mal ausgestrahlt. (wikipedia und Sdt. 4./5.3.2006)


Alleingänge der Sender beim ARD-Gemeinschaftsprogramm, 1981

Fünfmal hatte sich der Sender Bayrisches Fernsehen bis 1981 schon aus dem Gemeinschaftsprogramm ausgeblendet. Erstmals 1961 bei Kortners „Lysistrata“, letztmals beim Homo-Drama „Die Konsequenz" 1977. 1981 zog dann der WDR einen von ihm mit produzierten Spielfilm aus dem ARD-Programm: "Reinheit des Herzens" vomr Berliner Regiesseur Robert van Ackeren. Der Film w für den 8. November 1981 vorgesehen, doch dann kam der Rückzieher. Hübner, WDR-Programmdirektor, rechtfertigte seine Entscheidung mit Verweis auf eine „Empfehlung der Programm-Konferenz“ über „Gewaltdarstellung im Fernsehen" und zitierte: „Das Programm ist darauf angelegt, jede Verharmlosung und Verherrlichung von Gewalt auszuschließen. Exzessive Darstellungen von Gewalt sind unzulässig. Gleichzeitig soll einer Verrohung der Sprache entgegengewirkt werden.“ Sonderbarerweise schient dies nicht fürs dritte Programm des WDR zu gelten, denn aus dieser Schiene wurde der Sendetermin auf den Januar 1982 geschoben. (Spiegel 43 1981)

Antisemitismus

"Am Stammtisch - ein Heimatfilm", Österreich 1988

"Der Waldheim ist ein armer Hund, wie der gequält wird: Das ist der Jud, der bis heute nur Unfrieden stiftet!" - so grölt eine Runde steirischer Zecher in Trachtenjoppen: Originalton aus einer Fernsehdokumentation, die von Elisabeth Spira, einer preisgekrönten Redakteurin des österreichischen Fernsehens (ORF), im Jahr des Gedenkens an "Anschluß" und "Reichskristallnacht" gedreht worden war. "Am Stammtisch - ein Heimatfilm" nannte Spira ihren Stimmungsbericht aus der österreichischen "Waldheimat", der aktuellen Antisemitismus, Fremdenhaß und Frauenfeindlichkeit zum Thema hat. Viermal wurde der Film angesetzt - und immer wieder aus dem Programm geschmissen. Als sich schließlich Zeitungen für den "Eiertanz" ("Neue Arbeiter-Zeitung") zu interessieren begannen, reagierten Spiras Vorgesetzte sauer. Die engagierte Journalistin, selbst Jüdin, die auf einen Sendeplatz insistierte, wurde in einen unfreiwilligen Urlaub geschickt. Begründung eines Programmachers für die Zensur: Der Film sei nach viermaliger Verschiebung nicht mehr aktuell genug. (der Spiegel 51 1988)

Mel Gibson: Serie über den Holocaust, USA 2006

Der US- Fernsehsender ABC zog kurzfristig eine mit Mel Gibson vereinbarte Serie über den Holocaust zurück. Der betrunkene Gibson hatte nach einer Verkehrsüberprüfung Polizisten beleidigt und geäußert: „Die Juden sind verantwortlich für alle Kriege dieser Welt.“ Nach seiner Entlassung aus der Ausnüchterungszelle entschuldigte sich Gibson zwar, aber selbst die jüdische Liga gegen Diskriminierung ADL stellte fest: „Seine Tirade zeigt sein wahres Gesicht und beweist, dass seine Beteuerungen während der Debatte über seinen Film „Die Passion Christi“ nur Heuchelei waren.“ Kritiker hatten Gibson vorgeworfen, mit seinem Epos das uralte Vorurteil von den Juden als „Christusmörder“ wiederzubeleben. (MZ 2.8.2006)


"Tatort"-Kommissarin Selma Jacobi, 2014

Nach deutlicher Kritik verzichtete der Hessische Rundfunk darauf, seine neue Frankfurter "Tatort"-Kommissarin nach einem Holocaust-Opfer zu benennen. Für ihre Rolle hatte die Schauspielerin Margarita Broich den Namen von einem sogenannten Stolperstein ausgewählt, der vor ihrem Wohnhaus in Berlin an die 1943 von den Nazis nach Theresienstadt deportierte und ermordete Selma Jacobi erinnert. "Offenbar gibt es Menschen, deren Gefühle ich dadurch verletzt habe", sagte Broich. "Das tut mir leid, und dafür möchte ich mich entschuldigen." Sie habe niemanden verletzen wollen. Der Initiator der "Stolpersteine", Gunter Demnig, der in ganz Deutschland die Erinnerungen vor einstigen Wohnhäusern von Holocaust-Opfern in die Bürgersteige verlegt, hatte die Namensgebung kritisiert. Kritik kam auch aus der Jüdischen Gemeinde Berlin. (WN 25.3.2014)

Gewalt, Brutalität und Schock

„heute-journal“: Explosionsunglück am Costa-Brava-Strand, 1978

Entsetzt und verstört protestierten Hunderte von Zuschauern beim ZDF gegen einen Bericht, der vom spanischen Fernsehen überspielt worden war, und der etliche Grausamkeiten von einem Unglück enthielt. Tagesthemen Chef Dieter Gütt argumentierte: „Wir können an schlimmen Bildern nicht vorbei gehen.“ Aufnahmen von einem Guerillagemetzel hielt er für sendefähig, nur „Ekelerregendes“ wie das Bild von einer Frau, die mit der Axt ermordet wurde, wollte er nicht senden. Den spanischen Katastrophenreport mochte Gütt nicht ungekürzt in die Tagesthemen bringen: „Szenen mit verbrannten Leichen haben wir rausgeschnippelt“. Eine entschärfte Fassung wurde dann auch im ZDF wiederholt. (Spiegel 29 1978)

"Das Schwert des Shogun" (ZDF) und "Töte, Amigo" (RTL-plus), 1986

Schon während der Sendung von "Shogun" kam es zu Protestanrufen beim ZDF. Zuschauer beschwerten sich über das "eklige" Schauerstück und zwei Jugendämter beantragen die Indizierung bei der Bundesprüfstelle, die allerdings abgelehnt wurde. Indiziert hingegen wurde der Western "Töte, Amigo", der auf RTL-plus gezeigt wurde. (Spiegel 6 1986)

Filmplakat von "Das Schwert des Shogun"
Filmplakat von "Töte, Amigo"

"Hitcher, der Highway-Killer" und "Night Hunter", RTL, 1989

Die beiden Filme standen auf dem Index der Bundesprüfstelle, wurden aber (in gekürzter Fassung) dennoch bei RTL im Nachtprogramm gezeigt, was zu eine heftigen Auseinandersetzung zwischen der Prüfstelle und dem Sender führte. (Spiegel 51 1989)

Szene aus "Hitcher, der Highway-Killer"
Szene aus "Night Hunter"

Philip Gröning: "Terroristen", 1992

In dem Film wird ein fiktiver Anschlag auf einen Regierungschef thematisiert. Helmut Kohl wollte eine Ausstrahlung verhindern. Der SFW zeigte den Film dennoch. Kohl: "Ein unerträglicher Vorgang, der uns auch menschlich stark belastet." (Spiegel 50 1992)

"Ultimate Fighting, 2010

Im März 2010 entschied der Fernsehausschuss der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien, dass die drei Fromate "The Ultimate Figther", "UFC Unleased" und "UFC Fight Night", die bis dato samstags von 23 Uhr an gesendet wurden, nicht mehr gezeigt werden dürfen. Zur Begründung: "Die darin stattfindenden Tabubrüche, wie das Einschlagen auf einen am Boden liegenden Gegner, widersprechen dem Leitbild eines öffentlich-rechtlich getragenen Rundfunks." (Sdt.20./21.3.2010)

Polizeiruf 110: "Denn sie wissen nicht, was sie tun", 2011

Der Bayerische Rundfunk (BR) verschob im Juli 2011 eine Folge der Serie " Polizeiruf 110" aus Gründen des Jugendschutzes in den späten Abend. Der BR teilte mit, dass die Folge "Denn sie wissen nicht, was sie tun" der ARD-Sonntags-Krimireihe erst ab 22.00 Uhr gezeigt werde. Ursprünglich sollte sie am 25. September um 20.15 Uhr laufen. In dem von Hans Steinbichler inszenierten Krimi verübt ein Selbstmordattentäter einen Bombenanschlag auf ein Münchner Fußballstadion. "Eine Verschiebung der Sendezeit ist keine Zensur", sagte BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs laut BR-Mitteilung. Es handle sich vielmehr um eine Entscheidung zum Schutz von Kindern. Anders urteilte die BR-Jugendschutzbeauftragte Sabine Mader: sie hält die vielen "schrecklichen Bilder" nach dem Anschlag und die durchgängig gehaltene Spannung für problematisch. Hinzu komme die "ständige Panik" vor einem weiteren Attentat. Bei Kindern unter 14 Jahren könne dies nachhaltig Angst hervorrufen, kritisierte Mader. (Sdt. 25.7.2011)


Tatort: Franziska zu brutal für 20.15 Uhr, 2013

Der Tatort "Franziska" durfte 2013 nicht wie üblich um 20.15, sondern erst um 22.00 Uhr gezeigt werden. Eine Sprecherin des WDR äußerte dazu, dass die Gründe für die Verschiebung der Ausstrahlungszeit in der ausgesprochenen Härte von „Franziska“ liegen würden. Deswegen hätten sich die Redaktion und die Jugendschutzbeauftragten des Senders darauf geeinigt, dass der betreffende Fall erst zu späterer Stunde gezeigt werden würde. In über 40 Jahren „Tatort“ war dies das zweite mal, dass der Krimi auf einen späteren Sendezeitpunkt verschoben werden muss. Dies war bereits in dem Tatort „Ein Hauch von Hollywood“ aus dem Jahr 1998 der Fall gewesen. Etwas ähnliches gab es auch in der Schwesternserie „Polizeiruf 110“. Im Jahre 2011 durfte sich das Münchner Ermittlerduo aus Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Anna Burnhauser (Anna Maria Sturm) ebenfalls erst nach 22.00 Uhr an die Arbeit machen, um den grausigen Fall „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ aufzuklären. Hier bekamen es die Gesetzeshüter nicht nur mit einem sich selbst erschießenden Kindsvergewaltiger zu tun, sondern auch noch mit einem furchtbaren Bombenanschlag. (Serienjunkies.de. 22./23.8.2013)

Drogen

HB-Männchen Bruno, 1974

Zunächst durfte das HB-Männchen in der "erbung noch "in die Luft gehen". Die Werbung wurd nach und nach zurückgefahren und verschwand 1974 im Fernsehen mit dem allgemeinen Werbeverbot für Zigaretten dann gänzlich: mit Blick konkret auf Bruno schien die Gefahr zu groß, dass der Sympathieträger Jugendliche zum Rauchen verführen könnte.

Bruno mit und ohne Zigarette

Rauchverbotsforderung in Film und Fernsehen, 2006

Im Vergleich internationaler Produktion wird in Deutschland dopppelt so oft zum Glimmstengel gegriffen wie anderswo, kritisierte 2006 die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Laut einer Studie wurde in drei Viertel der Kinofilme von 1994 bis 2004, die erstmals gezeigt wurden, geraucht. In 45% aller deutschen Fernsehproduktionen und in 77 Prozent der Spielfilme tauchten Zigaretten auf. Das wurde vehement kritisiert. (MZ 30.11.06)

Serie:„Mord mit Aussicht“: Rauchverbot, 2008

In der ARD Serie durfte Hauptdarstellerin Caroline Peters anfangs noch qualmen, ab der vierten Folge war Schluss damit. Grund: Die Programmdirektoren hatten die fertigen Folgen vorab gesehen und Alarm geschlagen. WDR-Redakteurin Lucia Keuter: „Das Rauchen wegzulassen, war meine redaktionelle Entscheidung.“ Ein Mitarbeiter: "Die ARD fürchtete heftige Zuschauerreaktionen, da die Serie erst nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots gesendet wird.“ Peters hingegen sieht sich durch das TV-Rauchverbot in ihrer künstlerischen Freiheit beraubt. (Bild 2.12.2007)

Noch-Rauchende Peters in "Mord mit Aussicht"

„Galileo“ von Jugendmedienschützern kritisiert, 2011/12

Die ProSieben-Sendung zeigte im Tagesprogramm zwei Sendungen, die nicht für unter 12-Jährige geeignet sind. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) beanstandete deshalb die zwei Formate. Kritik musste ProSieben für die Ausgabe „Galileo Spezial - Vampire unter uns?“ einstecken. Diese laut KJM „pseudowissenschaftlichen“ Reportage verstärke den Mythos von Vampiren, die möglicherweise tatsächlich existieren. Immer wieder stellte die Sendung den Bezug zu echten Menschen her, die beispielsweise Blut trinken – dazu wurden Bilder gezeigt, die an Horrorfilme erinnern. Aus Jugendschutzperspektive erschien das der Kommission fürs Tagesprogramm nicht geeignet: „Galileo“ hätte die Szenen erst ab 20 Uhr zeigen dürfen – für Kinder unter 12 Jahren seien die Bilder kaum zu verarbeiten. Die KJM: „Es ist eine nachhaltige Verunsicherung und Verängstigung von unter 12-Jährigen zu befürchten.“ Außerdem beanstandeten die Jugendschützer die Sendung „Galileo Big Pictures“, die zur Oscar-Verleihung „die 50 spektakulärsten“ Bilder aus berühmten Filmen zeigte. Mit dabei: Ausschnitte aus „Der Exorzist“. Der Horrorfilm ist erst ab 16 Jahren zugelassen, lief aber trotzdem im Tagesprogramm. Laut KJM besteht die Gefahr, dass „jüngere Zuschauer durch die drastischen Szenen des Filmausschnitts beeinträchtigt werden.“ Eine weitere ProSieben-Sendung, die in die Kritik geriet, war eine Folge der Mystery-Serie „Primeval – Die Rückkehr der Urzeitmonster“ war zu sehen, wie ein Riesen-Wurm spielende Kinder angreift. Tödliche Monster-Attacken im Tagesprogramm sind laut KJM unzumutbar für junge Zuschauer. (Berlin Morgenpost 23.1.2012)

„Jenke Experiment“: Medienwächter sehen bei RTL-Drogentrip keine Jugendgefährdung, 2016

Nach dem Drogen-Selbstversuch von RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff in der neuen Staffel von "Das Jenke Experiment" hat die deutsche Medienaufsicht keine Jugendgefährdung festgestellt. Der Konsum von Drogen sei weder verharmlost noch verherrlicht worden, sagte eine Sprecherin der für den Kölner Sender zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt in Hannover am Montag. Einen Verstoß gegen den Jugendmedienschutz habe es nicht gegeben. Der 50-jährige RTL-Reporter hatte in einer Reportage Drogen genommen, um ihre Wirkung zu testen – unter anderem Ecstasy, Ritalin, K.-o.-Tropfen und Speed, außerdem in Portugal LSD. Die Sendung war teilweise heftig in den Medien kritisiert worden, weil sie angeblich drogenverherrlichend sei.(Meedia 12.9.2016)

Political correctness

Fernsehfilm: "Tote Fahnen sieht man besser", 1971

Der Film setzt sich kritisch mit den bundesdeutschen Arbeitgebern auseinander. Unter ihrem Protest sah sich Radio-Bremen bezwungen, den Film nur in einer zensierten Fassung zu zeigen. (Spiegel 51 1971)

Polit-Magazin „Panorama“ zeigt eine Abtreibung, 1974

Zunächst nur im Einzugsbereich der Regionalprogramme von NDR und Radio Bremen wurde im Polit-Magazin „Panorama“ eine illegale Abtreibung gezeigt. Daraufhin brachen vor allem von kirchlicher Seite Proteststürme los, noch bevor die geplante bundesweite Ausstrahlung erfolgte. Als „Gipfel der Geschmacklosigkeit“ und „unerhörte Brüskierung des sittlichen Empfindens von Millionen Mitbürgern“ bewertete die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion den Beitrag. Es folgte die Androhung einer Strafanzeige durch den Münchner Kardinal Döpfner, der in dem Beitrag eine „Aufforderung zum Rechtsbruch“ erkannte. Die Frage nach der Absetzung des verantwortlichen Journalisten Peter Merseburger wurde öffentlich diskutiert.(Spiegel 12 1974)

"Gebrauchsanweisung für einen Reichsverweser" (Fernsehspiel) von Oswald Döpke, ZDF 1975

Die Politparabel über einen möglichen Staatsstreich von rechts wurde, nachdem es bereits "entschärft" worden war, vom ZDF selbst in der zensierten Fassung endgültig abgesetzt, weil Parallelen zu Franz-Josef Strauß gefürchtet wurden (Begründung: "politische Bezüge auf die gegenwärtige Situation in der Bundesrepublik Deutschland könnten beim Zuschauer zu gravierenden Mißverständnissen führen.").

Kommissar kränkt türkische Diplomaten, 1975

Deutschlands TV-"Kommmissar" verärgerte die Türken in Wien. In dem auch vom Österreichischen Rundfunk (ORF) regelmäßig ausgestrahlten ZDF-Krimi war, in der Folge "Das Goldene Pflaster", ein Angehöriger der türkischen Botschaft in Wien in dunkle Geschäfte verwickelt. Diesen Makel wollten die Diplomaten nicht auf sich sitzen lassen. Der Botschafter persönlich ließ beim ORF ausrichten, die Sendung hätte "allen Türken in Wien sehr weh getan". Vergebens versicherte der zuständige Abteilungschef Lorentz, es habe sich schlicht um Krimi-Fiction gehandelt. Dennoch: Vor dem nächsten "Kommissar" wurde im ORF eine Ehrenerklärung für die Türken verlesen. (Spiegel 4 1975)

Bernd Clüver: "Mike und sein Freund", 1976

Der Song handelt von der tragischen Liebe zweier Jungen. Aufgrund der Thematik wurde er sowohl von den Rundfunkanstalten in Hamburg, Stuttgart und Bremen, sowie der ZDF-Drehscheibe abgelehnt. (Bravo-Archiv 1976)

"Informationen aus dem Hinterland": Walraffs Report über die "Bild-Zeitung", 1977/2010

Der WDR plante für 2011, den Film der 30 Jahre unter Verschluss war, doch noch zu zeigen. Er handelt von den verdeckten Recherchen Günter Walraffs, der 1977 als "Hans Esser" bei "Bild" gearbeitet hatte. daraus entstand damals das Buch "Der Aufmacher". Der Sperrvermerk wurde vom WDR mit ungeklärten rechtlichen Fragen begründet. (Sdt. 13.8.2010)

"Zählt nicht uns, sondern Eure Tage" (Spruch Hafenstraße Hamburg), ZDF 1987

In den ZDF Nachrichten wurde mehrfach über die Hausbesetzer in der Hamburger Hafenstraße berichtet (u.a. 17.11.1987). Stets erschien im Hintergrund ein Bild, auf dem der aktuell auf die Häuserfront gemalte Spruch gegen die sog. Volkszählung "Zählt nicht uns, sondern Eure Tage" fehlte. Während das ZDF von einem Fehler ("altes Bild") sprach und erst am 23.11.1987 das Bild mit dem Spruch zeigte, vermuteten viele eine bewußte Zensur. (Spiegel 49 1987)

Bild mit dem Spruch/23.11.1987
Bild ohne den Spruch/17.11.1987


Satire-Bundesadler: abgesetzt, 1990

Die Zeichentrickfigur, die seit 1983 die "Aktuelle Stunde" (WDR 3) mit ironisch-spöttisch Kommentaren begleitete, wurde Ende Januar 1990 abgesetzt. Bereits 1989 war es zu einem Eklat gekommen, als der Adler DDR-Flüchtlingen neben Freiheitsdrang auch die "Sehnsucht nach Feinkost" unterstellte, woraufhin unterschiedliche Gruppen intervenierten. (Spiegel 7 1990)

Star Trek: "Patterns of Force", 1996

Die Episode war die einzige, die nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Der Grund: Sock und Kirk traten in Uniformen auf, die denen der Nazis sehr ähnlich waren. Dies wollte man dem deutschen Publikum nicht zumuten. Die Episode erschien dann 1996 als Kassette unter dem Titel "Schablonen der Gewalt"]]

"Schablonen der Gewalt" im nicht-realisierten Cover

Milchtüte ist kein Fahndungsplakat, 1997

Margarethe Schreinemakers mußte bei ihrer publicityträchtigen Initiative "Vermißte Kinder - Wir helfen suchen" auf die Hilfe der Polizei verzichten. Nach amerikanischem Muster wurde mit Fotos etwa auf Milch- oder Brötchentüten nach "mittel- bis langfristig verschwundenen Kindern" gefahndet. Von der Polizei verlangte Schreinemakers TV die Schaffung einer "Schnittstelle, die Fotos und Informationen bundesweit sammelt und zur Verfügung stellt". Nach Prüfung durch Polizeiexperten erteilte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Armin Jäger, dem Unternehmen eine Absage. Die "institutionalisierte Zusammenarbeit mit einem einzelnen Medium", schrieb Jäger an Schreinemakers, biete keinen Fahndungsvorteil, da die Polizei bei der Suche nach vermißten Kindern "von den Medien insgesamt in optimaler Weise unterstützt wurde". Neben der Verpflichtung zur Gleichbehandlung der Medien habe die Polizei auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zu berücksichtigen und hier speziell auch die Rechtsprechung zur "sogenannten gefühlsbetonten Werbung". (Spiegel 22 1997)

“Wut“, 2006

Die ARD-Intendanten beschlossen 2006 mehrheitlich das realitätsnahe Drama nicht um 20.15 Uhr sondern erst um 22.00 Uhr zu zeigen. Der damalige Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, dazu: „Ich bin über die Entscheidung mehr als bekümmert, ich bin zornig.“ Die Hauptfigur in „Wut“ ist Felix, der aus einer typischen Mittelstandsfamilie stammender Jugendlicher. Er hat Ärger mit dem türkischen Mitschüler Can, dessen Bande ihn seiner neuen Turnschuhe beraubt und ständig drangsaliert. Sein Vater Simon ist Literaturprofessor, seine Mutter Christa Immobilienmaklerin, sie versuchen zu vermitteln. Der Film unter der Regie des deutsch –türkischen Regisseurs Züli Aladag löst z.T. auch die Grenzen zwischen gut und böse auf. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber begründete die Verlegung unter Verweis auf den Jugendmedienvertrag und die Kriterien zum Jugendschutz: „Das und nur das ist der Grund, weshalb die vom WDR eingebrachte Produktion „Wut“ nicht vor 22 Uhr im Ersten gezeigt werden kann.“ Spekuliert wurde allerdings auch im Sinne einer political correctness darüber, ob der Film „ausländerfeindlich“ sei. (WN 27./29.9.2006)

"Gnadenlos gerecht – Sozialfahnder ermitteln“, 2008

Schon vor dem eigentlichen Beginn rief die Serie (SAT 1)über „Hartz-IV-Betrüger“ heftige Proteste hervor. Der Arbeitslosenverband Deutschland in Berlin sprach von einer „öffentlichen Hetzjagd auf "Hartz-IV-Empfänger“. Sat 1 konterte, die Sendung berichte „in ausgewogener Form über die gesellschaftliche Realität“: ein Kamerateam begleitete zwei Sozialamtsmitarbeiter vom Kreis Offenbach auf der Suche nach Leistungsempfängern, die diese möglicherweise zu unrecht erhielten. (WN 20.8.2208)

Tatort: "Schatten der Angst", 8.2.2008

Der vorgesehene Tatort um einen Mord im deutsch-türkischen Milieu von Ludwigshafen wurde im Februar 2006 verschoben und soll erst . am 6.4.2008 ausgestrahlt werden, aus „Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen“, sagte SWR-Intendant Boudgoust.

"Basil Brush", England 2008

"Basil Brush", eine Art Fuchs und Liebling vieler Kinder, wurde zum Fall für die Polizei. Angelastet wurde der Kunstfigur eine rassistische Gesinnung, weil er in einen Sketch über Zigeuner (BBC Kinderprogramm März 2008) nach dem Besuch bei einem Zigeuner-Wahrsager, bemerkte, dass seine Werkzeugtasche gestohlen worden sei. Die Aufregung nach der Sendung war unter den Zigeunern riesig. (Netz 17.3.2008)

"Tatort"-Folgen: „Wem Ehre gebührt“, 23.12.2007 und „Der Kormorankrieg", 9.1.2008

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen wurde eine "Tatort"-Folge zur Zielscheibe eifernder Proteste. Zunächst sah die alevitische Glaubensgemeinschaft ihre Religion durch den "Charlotte-Lindholm"-Fall „Wem Ehre gebührt“ vom 23. Dezember 2007 verunglimpft. Das alles durch einen fiktiven Plot, dem – ungewöhnlich genug – sogar der Hinweis vorangestellt war, es sei nicht beabsichtigt, die Aleviten zu diskriminieren. Vielleicht war dieser in vorauseilendem Bangen erfolgte Fingerzeig, der religiöse Toleranz signalisieren sollte, genau die falsche Strategie, weil er die Zuschauer indirekt dazu aufforderte, den Krimi um eine alevitische Familie und ihre Ehrenkodizes als realitätsnah zu rezipieren. Dann war ein weiter Höhepunkt des Betroffenheitslamentos im Namen partikularer Zuschauerinteressen zu verzeichnen, die vermeintliche Diskreditierung eines ganzen Berufsstandes. Der Landesfischereiverband Baden hatte die Konstanzer Tatort-Folge „Der Kormorankrieg" mit Eva Mattes angefeindet, weil die Fabel um Bodensee-Fischer, die aus Angst um ihre Fangquote Kormorannester abfackeln, ein ehrenwertes Metier diffamiere. „Inhalt und Handlung waren an den Haaren herbeigezogen“, barmte Ingo Kramer, Geschäftsführer des Verbandes. Die Fischer würden „als brutale Trottel“ dargestellt, monierte der Neufernsehkritiker. Ironischerweise sind beide Folgen ins Gerede gekommen, obwohl sie sich prophylaktisch abgesichert hatten, um gar nicht erst als politisch inkorrekt angesehen zu werden. Die Mordmotive hatten nichts mit dem zu tun, was die Kritiker monierten. So wird in dem Bodensee-Casus, dem Opfer, einem Umweltschützer, nicht etwa sein Engagement für die gefiederten Fischräuber zum Verhängnis, sondern die Eifersucht des Mannes seiner Geliebten. Und in dem Hannoveraner Kirmi mit Maria Furtwängler als Ermittlerin ist der Mord an einer jungen Alevitin nicht religiös begründet, sondern dient dem Kaschieren eines Inzests. Das überhaupt auf den fiktionalen Charakter eines Spielfilms hingewiesen werden muss, stimmt nachdenklich und wirft die Frage auf, wie das Medienkonsumverhalten im 21. Jahrhundert so anachronistisch, unreflektiert und wirkunsmächtig werden kann, dass, wie Ende Dezember in Köln geschehen, 15ooo Mitglieder der alevitischen Gemeinde gegen einen Film auf die Straße gehen, dem man allenfalls zum Vorwurf machen kann, dass er dramaturgisch misslungen ist. (Welt 9.1.2008)

Aleviten demonstrieren in Berlin gegen den "Tatort"


Fußball-WM 2010: Katrin Müller-Hohenstein und der "Reichsparteitag", TV 2010

In der Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Australien hatte die Journalistin formuliert, es sei nach dem Tor des lange glücklosen Stürmers Klose für ihn wohl wie ein "innerer Reichsparteitag" gewesen. Im Internet kam es daraufhin zu heftigen Proteststürmen. ZDF und Journalistin entschuldigten sich. (MZ 15.6.2010)

Tatort Internet, 2010

Die RTL-II-Sendung "Tatort Internet" wurde von der für den Privatsender zuständigen 'Hessischen Landesanstalt' genau unter die Lupe genommen. Geprüft wurde u. a., ob medienrechtliche Vorgaben eingehalten werden. In erster Linie ging es dabei um die Themen Jugendschutz, sowie um die Persönlichkeitsrechte von Opfern und mutmaßlichen Tätern. Mit dem Magazin, bei dessen Premiere Stephanie zu Guttenberg als Präsentatorin zu sehen war, will man unter anderem vor Sexualstraftätern warnen, die im Internet lauern. Die dabei an den Tag gelegten Methoden werden von Kritikern jedoch vereinzelt als zweifelhaft eingestuft. In der Kritik steht unter anderem, dass sich das Format reißerisch auf das Internet konzentriere. In Frage gestellt wird darüber hinaus, ob ein Fernsehpranger mit versteckten Kameras für Eltern und Kinder eine Hilfe beim Schutz vor Pädophilen sein kann, berichtet Die Landesanstalt selbst ist den eigenen Angaben zufolge wegen der Vorberichterstattung über die Sendung aus eigenen Stücken heraus aktiv geworden. Mit dazu kamen allerdings auch Beschwerden aus den Kreisen der Zuschauer. (WN 16.10.2010)

Niki Lauda: 'Stoppt die schwule Show', Österreich 2011

Niki Lauda, ehemaliger Formel 1-Fahrer wütete 2011 gegen eine vom Österreichischen Fernsehen geplante 'Schwulen-Show': die. Wiederauflage des Fernseh-Tanzwettbewerbs 'Dancing Stars' mit dem Entertainer Alfons Haider, der plante mit einem Mann übers Parkett zu fegen. Haider, bekennender Homosexueller, moderierte von 2005 an die ersten Staffeln der Show, und plante für die Wiederauflage eine aktive Teilnahme am Tanzwettbewerb mit männlichem Partner. Lauda war erbost: Ihm ging es gleichsam ums Kulturerbe. 'Es gibt so was wie gute Traditionen in unserer Kultur - dazu gehört, dass Männer mit Frauen tanzen. Bald kommt die Zeit, da werden wir uns noch alle öffentlich dafür entschuldigen, dass wir heterosexuell sind', so Laudas Kritik. 'Ich fordere,' polterte Lauda, 'dass der Herr Generaldirektor Alex Wrabetz, der ja in aufrechter Ehe lebt, diese schwule Tanz-Nummer stoppt - und dass man dem PR-geilen Alfons Haider nicht gestattet, im öffentlich-rechtlichen ORF eine schwule Show abzuziehen. Und ich fordere, dass auch der Stiftungsrat und die Politiker hier ein klares Wort sprechen.' Wie in solchen Fällen üblich, betont Lauda, 'nichts gegen Homosexuelle' zu haben. 'Ich will nur nicht, dass Kindern und jungen Leuten ein völlig falsches Rollenbild beim Tanzen vermittelt wird." (Sdt. 26.1.2011)

"Germany’s next Topmodel": Tierschützer missbilligen die Sendung, 2011

Ein Affe musste in der März-Staffel mehrmals mit den angehenden Models in Los Angeles eine Spielszene proben. Tierschützer protestierten gegen die Zurschaustellung des Schimpansen in Anzug und mit Krawatte. Der verantwortliche Sender ProSieben hingegen wies die Kritik zurück: der “Affe Kenzie habe mehr Hollywood-Erfahrung als die meisten deutschen Schauspieler”. Zudem seien alle Auflagen zum Tierschutz erfüllt, während die Models sich bei einer werbespotartigen Einstellung mit dem Affen zeigen. “Ein Affe hat in einer Fernsehkulisse nichts verloren”, erklärt Vier-Pfoten-Wildtierexperte Thomas Pietsch hingegen. “Allein die alberne Kostümierung zeigt, dass die Programmmacher den bedauernswerten Schimpansen lediglich als Witzfigur verstehen.” (u.a. WN 1.4.2011)

RTL-Bericht über die gamescom, 2011

Die Landesmedienanstalt sah in der Ausstrahlung keinen Verstoß gegen das Medienrecht. Zahlreiche Nutzer hatten vorher über das Beschwerde-Portal programmbeschwerde.de ihrem Unmut über den kontrovers diskutierten Beitrag des RTL-Boulevard-Magazins explosiv über die gamescom 2011 kundgetan. Mehrere Tausend Beschwerden wurden so an die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) weitergeleitet, die im Rahmen eines Prüfverfahrens zu dem Schluss kam: Der am 19. August 2011 ausgestrahlte Bericht des Kölner Privatsenders RTL über die gamescom 2011 verstoße nicht gegen geltendes Medienrecht: "Der Beitrag ist durch seine unverblümte Tendenz sicher ärgerlich, aber keinesfalls rechtswidrig. In einer freiheitlichen Medienordnung können und müssen derartige Berichte toleriert werden. Ich hoffe sehr, dass die Gamer-Szene, die ja selbst für Freiheitsrechte eintritt, dies am Ende akzeptieren kann", so Andreas Fischer, Direktor der NLM. (u.a. online Welten Aug. 2011)

Rauchverbot im ZDF, 2012

Weil in diversen ZDF-Talkshows wie etwa "Stuckrad Late Night" und "Roche & Böhmermann" geraucht wurde, legte eine Anti-Rauch-Initiative 2012 Beschwerde vor dem ZDF-Fernsehrat ein. (Sdt. 16/17.2012)

Schmidts Raucherei bringt der ARD eine Anzeige ein, 2012

Sandra Maischberger ließ Helmut Schmidt über die gesamte Sendezeit ihrer Talkshow rauchen, während er über seine neue Liebe und die Weltpolitik plauderte. Das "Forum Rauchfrei" zeigte daraufhin die ARD an. "Das Rauchverhalten Helmut Schmidts in der Sendung ist eine geradezu unbezahlbare Werbung für die Tabakindustrie", wettert die Vereinigung. Es bestehe die Gefahr, dass die Zuschauer durch die Qualmerei des Altkanzlers glaubten, dass Rauchen die Lebenserwartung noch steigere. Maischberger und ihre Mannschaft würden so zu Passivrauchern, das sei ein "eklatanter Verstoß gegen die Arbeitsstättenverordnung". Das "Forum Rauchfrei" hatte schon nach Schmidts Auftritt bei Günther Jauch eine Anzeige erstattet. (10.08.2012 t-online.de)

ZDF zeigt Blutlache in Form der Schweiz, 2012

Während Moderator Theo Knoll im "Auslandsjournal" des ZDF eine Sendung über die Gewalt in Honduras ankündigte, wurde im Hintergrund eine Blutlache in der Form der Schweiz gezeigt. Daneben waren eine reglose Hand und zwei Patronenhülsen zu sehen. Während die Sendung im deutschen Fernsehen normal weiterlief, baute sich in der Schweiz ein Sturm der Entrüstung auf. Nach Recherchen stellte sich heraus, „dass die Umrisse der Blutlache (tatsächlich) genau die gleichen sind wie die der Schweiz“, denn die Macher hatten als Vorlage ein Plakat der Organisation „Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee“ genommen. Diese hatte den Blutfleck absichtlich in der Form der Schweiz gestaltet, was der ZDF-Redaktion allerdings nicht aufgefallen war. „Da uns die Umrisse der Schweiz nicht geläufig sind, hat niemand etwas gemerkt“, erklärte ein Redakteur Claus. Es sei auf keinen Fall eine versteckte Botschaft ans Nachbarland gewesen. (Berliner Kurier 7.9.2012)


MDR wirft auf SPD-Wunsch kritischen Film aus Mediathek, 2013

Nachdem ein Film aus der Mediathek entfernt wurde, wurde MDR-Intendantin Karola Wille von Thüringer Rundfunkräten kritisiert. "Wenn ein journalistischer Beitrag sauber recherchiert und juristisch einwandfrei ist, dann erwarte ich von einer öffentlich-rechtlichen Institution wie dem MDR, dass er Kritik auch standhält." Der Sender dürfe "sich keinesfalls parteipolitisch einspannen lassen", sagte CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring . Sein Parlamentskollege Carsten Meyer , der für die Grünen dem Gremium angehört, sagte: "Der Beitrag hätte drin bleiben müssen. Ein solcher Konflikt wird nicht aus der Welt geschafft, indem man den Beitrag löscht." In dem zensierten Film wurde die Unterwanderung der Leipziger SPD durch eine Gruppe mutmaßlicher Islamisten thematisiert. Im MDR hieß es, Wille habe sich dem Druck der Partei gebeugt, berichtete der "Spiegel". Der Leipziger SPD-Chef Michael Clobes hatte dem MDR Desinformation vorgeworfen. Der Beitrag schildert, wie Kader des muslimischen Predigers Fethullah Gülen versuchen, Einfluss auf die Jusos in Leipzig zu nehmen. Die Gülen-Bewegung gibt sich moderat, Aussteiger berichten aber von sektenähnlichen Strukturen. Wille verteidigte in einer Antwort an die SPD ihre Redakteure. Diese hätten in "einwandfreier Weise" berichtet. Trotzdem habe der MDR "entschieden, den Beitrag nicht nochmals zu wiederholen und auch aus der Mediathek zu entfernen". Der Beitrag sei rechtlich nicht zu beanstanden, so ein MDR-Sprecher. Die juristische Direktion habe die Entfernung nach Beschwerden jedoch empfohlen, "um einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken". (tlz.de 7.11.2013)

Daimler verklagt SWR wegen Beitrag zu Dumpinglöhnen, 2014

Daimler verklagte 2014 den Südwestrundfunk (SWR) wegen einer Reportage über Dumpinglöhne in einem Werk des Autobauers. »Der Film suggeriert unrechtmäßiges Handeln auf unserer Seite und dies war nicht der Fall«, sagte eine Daimler-Sprecherin dazu in Stuttgart und bestätigte einen Bericht der »Stuttgarter Zeitung«. Daimler hatte beim Landgericht Stuttgart eine Unterlassungsklage erhoben und wollte erreichen, dass der Sender den Beitrag nicht mehr ausstrahlen darf. Der Autohersteller war in die Kritik geraten, weil er demzufolge über Werkverträge an den Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Daimler monierte, die Aufnahmen seien heimlich entstanden und zum Teil manipulativ. (Gea.de 17.2.2014)


„hart aber fair“-Sendung zur Geschlechterdebatte gelöscht, 2015

Am 2. März 2015 lief im ersten Fernsehprogramm der ARD eine Sendung, die der Westdeutsche Rundfunk ein halbes Jahr später für immer aus seinem Online-Archiv verbannt hat. Sie war „von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten als unseriös empfunden worden und hatte zu Programmbeschwerden und zahlreichen Protestbriefen geführt“. Diese Beschwerden wies der Rundfunkrat des Senders zwar ab, empfahl aber, die Sendung nicht mehr vorzuhalten. Hernach wurde sie gelöscht. (FAZ online 24.8.2015)

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und die "Neger"-Debatte, 2015

In der ARD-Sendung "Hart aber fair" von Frank Plasberg diskutierten die Gäste im August 2015 über das Thema Flüchtlinge. Als "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz Erfolgsgeschichten von Einwanderern einbrachte, sagte Herrmann: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat." Beim FC Bayern spielten auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit, und das fänden die Fans von FC Bayern auch gut, fügte der CSU-Politiker hinzu. Im ZDF morgenmagazin nahm Herrmann zu seiner umstrittenen Äußerung Stellung und erklärte: "Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht ... Ich halte in der Tat die Aussage, wir wollen keine Neger in Bayern haben, für völlig inakzeptabel und das wollte ich mit den positiven Beispielen, die wir haben, deutlich machen." Die Aussage über den Sänger Roberto Blanco hatte im Internet einen Shitstorm ausgelöst, in dem Herrmann Rassismus vorgeworfen wurde. (Zdf online 1.9.2015)

"Germany's Next Topmodel": Klum-Show verstößt nicht gegen Jugendschutz, 2015

Heidi Klums Sendung "Germany's Next Topmodel" verstößt nach Ansicht von Medienwächtern nicht gegen den Jugendschutz. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte sich nach Zuschauerbeschwerden mit mehreren Folgen der jüngsten Staffel befasst, wie sie am Dienstag in Berlin mitteilte. Dabei kam sie zu dem Schluss, "dass diese gemäß den Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) nicht entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder und Jugendliche sind". Die KJM hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit dem umstrittenen Format auseinandergesetzt. Ein Verstoß gegen den Jugendschutz wurde aber nie festgestellt. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Sendung zwar eine Berufsrealität darstelle, in der ein kritikwürdiges Schlankheitsideal vorherrsche. Wie dieses Schlankheitsideal in der Sendung dargestellt werde, sei aber nicht als Gefährdung für Kinder und Jugendliche zu werten. Im April 2015 hatte eine Studie für Aufsehen gesorgt, die einen Zusammenhang zwischen "Germany's Next Topmodel" und Essstörungen bei jungen Mädchen sah. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), das dem Bayerischen Rundfunk in München unterstellt ist, und der Bundesfachverband Essstörungen hatten dafür 241 Patienten zur Rolle von Fernsehsendungen im Kontext von Essstörungen wie Magersucht und Bulimie befragt. Fast ein Drittel der Betroffenen gab dabei an, die Castingshow sei entscheidend für die eigene Krankheitsentwicklung. (Spiegel online 3.11.2015)

Religion

Rosa von Praunheim: "Axel von Auersperg", 1974

Das ZDF beschnitt den Film um die erste halbe Stunde, weil der Filmer darin "den religiösen Glauben verächtlich" gemacht habe. U.a wurde der Bischof von der Schauspielerin Evelyn Künneke gespielt.

Evelyn Künneke als Bischof

Wolfgang Kirchner "Die heilige Hure", RTL 1998

In dem Film wird die Erneuerung der katholischen Kirche durch Sadomasochismus empfohlen. Zugrunde liegt dem Film das Buch "Credo an Gott und sein Fleisch" von Heide-Marie Emmermann. RTL strahlte den Film, der bereits Buß- und Bettag 1997 gezeigt werden sollte, erst ein Jahr nach hinreichender Prüfung später aus, da der Sender aufgrund der drastischen erotischen Darstellungen im kirchlichen Umfeld Proteste erwartete. (Spiegel 7 1998)

Szene aus "Die heilige Hure"

Interview mit Kurt Westergaard zu den sog. Mohammed-Karikaturen, ZDF 2010

Das ZDF sagte im Mai 2010 ein bereits festgezurrtes Interview mit einem der Zeichner der sog. Mohammed-Karikaturen ab. Westgaard sprach von Selbstzensur. Nach öffentlicher Kritik ruderte das ZDF zurück und kündigte öffentlich Überlegungen an, das Interview zu wiederholen. (Sdt. 8./9.5.2010)


"heute-show" versus katholische Kirche, 2013

Ein Team der satirischen ZDF-"heute-Show" brachte die Spitze der katholischen Kirche in Deutschland 2013 auf.Auslöser war ein Zusammentreffen der "heute-show"-Komikerin Carolin Kebekus mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner. Bei einer Pressekonferenz der deutschen Bischöfe in Trier hatte Kebekus den Würdenträger vor laufender Kamera nach Aufstiegschancen von Frauen in der Kirche gefragt - und mit einer Bewerbungsmappe in der Hand erklärt: Sie wolle Päpstin werden. Meisners Antwort: "Da haben Sie nicht die Figur dazu." Noch vor Ort soll ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz darauf hingewirkt haben, dass die Szene nicht ausgestrahlt werde, ließ das ZDF verlauten. Er habe sich zwischen Kamera und Kardinal gestellt. Nach dem Vorfall soll die katholische Kirche sich bei der Senderspitze über die "heute-show" beschwert haben. In der von Oliver Welke moderierten Sendung wurde der Beitrag wie geplant gezeigt. (Der Spiegel 9 2013)


Kebekus wirft WDR Zensur vor, 2013

Kabarettistin Carolin Kebekus hat dem WDR 2013 vorgeworfen, ihre Comedy-Show „verstümmelt” zu haben. Man habe ein bereits abgenommenes Rap-Video in ihrer neuen Show „Kebekus” nicht gesendet. Kebekus hatte bereits Ende Mai 2013 in ihrem Youtube-Kanal ein Video veröffentlicht, in dem sie sich kritisch mit der katholischen Kirche auseinandersetzt. In „Dunk den Herrn!“ schlüpft die 33-Jährige in verschiedene Rollen, mal rappt sie als Nonne „Er ist eine Bank, nur für ihn zieh ich blank“ und schleckt dabei ein großes Kruzifix ab. Dann ist sie als kleiner Messdiener zu sehen: „Ich danke dir Herr, denn ich bin dabei, bei der Aftershow-Party in der Sakristei“. Und singt in Anlehnung an ein bekanntes Kirchenlied: „Danke für meine Angst vor Schwulen, danke für das Kondomverbot, danke, dass mir für jede Sünde gleich die Hölle droht.“ Das Video wurde vom WDR nicht gezeigt und die Kabarettistin erhielt Drohbriefe. (WN 18.10.2014)

„Nikab-Nora“: NDR-Rundfunkrat befasst sich mit dem Skandal-Auftritt der Vollverschleierten bei „Anne Will“, 2015

Der NDR-Rundfunkrat wird sich in seiner Sitzung am 2. Dezember 2016 mit dem Auftritt von Nora Illi („Nikab-Nora“) bei „Anne Will“ befassen. Illi ist Schweizerin und Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS), ein Verband, der nur wenige Muslime in der Schweiz vertritt und wegen radikaler Ansichten umstritten ist. Nora Illi, die in der Öffentlichkeit stets mit Vollverschleierung, einem so genannten Nikab, auftritt, vertrat in der Talksendung radikale Ansichten zum Islam und distanzierte sich auch nicht von dem Terror-Regime des so genannten Islamischen Staates. 2013 war sie schon einmal bei „Anne Will“ zu Gast und zwischendurch auch bei „Menschen bei Maischberger“. Der jüngste Auftritt Illis bei „Anne Will“ zog massive Kritik nach sich. In Medien war von „IS-Propaganda“ und einem „Skandal“ die Rede. Der NDR verteidigte den Auftritt als „sorgfältig abgewogen„. (Meedia 8.11.2016)

Spiel-Shows und Reality

"Heute Abend mit Peter Frankenfeld", 1959

In der Sendung gab es eine sog. Herzensrunde. Dort trafen sich Menschen, die sich länger nicht gesehen hatten und sich dann vor laufender Kamera gerührt in die Arme fielen. Das sei ein "geschmackloser Seelenstriptease" befanden die Verantwortlichen. Die Sendung wurde deshalb abgesetzt. (Prisma Archiv)

Gottschalk heute: Mann in Waschmaschine, 1992

Heftige Proteste vor allem vom Kinderschutzbund gab es im Vorfeld der Sendung, weil Gottschalk angekündigt hatte, Rock Maisel zu präsentieren. Der Mann in der Waschmaschine wollte sich an Händen und Füßen gefesselt und ohne Sauerstoff eine Minute lang in einer Maschine durchschleudern lassen. (WAZ 24/1992)

"Reality-TV", 1994

Gezeigt wurden sog. "Augenzeugen-Videos": Unfallopfer, Menschen die ihren Selbstmord auf Band festhielten oder Rettungsaktionen von Nothelfern in drastischen Bildern. Aufgrund von Zuschauerprotesten wurden die Sendung eingestellt. (Zeit 12.8.1994)

"Bärbel, für Geld würde ich alles tun", RTL 2000

In der Live-Sendung wollte ein Frührentner eine Sex-Nacht mit seiner Frau für 1 Million Mark anbieten. Aufgrund von Warnungen der Niedersächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) und einer Bußgeldandrohung von 500 000 Mark wurde die Sendung zunächst verschoben (unseres Wissens nach wurde sie auch später nicht ausgestrahlt). Stattdessen wurde eine Sendung unter dem Titel "Mit Dir schlafen? - Da vergeht mir die Lust". (MZ 26.1.2000)

"Big Brother": Schönheitsoperationen im TV, 2004

Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten im Wiesbaden beschloß, Filme und Berichte über Schönheitsoperationen fortan erst ab 23.00 Uhr zu senden. Ein Privatsender reagierte und veranlasste einen Stopp der Ops aus der "Big Brother WG" zeigen. Der Plan, einen Kandidaten kostenlos operieren zu lassen, hatte für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. (MZ 21.7.2004)

„I want a famous face“, 2004/5

Junge Menschen ließen sich in dieser Show in den USA von plastischen Chirurgen operieren, um Prominenten wie Brad Pitt oder Jennifer Lopez ähnlich zu sehen. MTV wollte die Reihe übernehmen und umgehend meldete sich der Jugendschutz. Es folgten heftige Diskussion und die von den Bundesländern eingesetzte Kommission für Jugendmedienschutz KJM fasste einen Grundsatzbeschluss, der besagt, dass generell Sendungen, die Schönheitsoperationen zu Unterhaltungszwecken zeigen, nur nach 23 Uhr laufen dürfen – ansonsten drohe ein Zwangsgeld. (MZ 19.8.2004)Im April 2005 erschien dann der erste Kontrollbericht der Kommission für Jugendmedienschutz. U.a. war die MTV-Sendung wegen Sendezeit und Inhalt kritisiert worden. Ein bayrisches Verwaltungsgericht musste sich schließlich mit der Sendung auseinandersetzen.(WN 7.4.2005)


Spatz erschossen: RTL-Mitarbeiter erhält Todesdrohungen, Leeuwarden 2005

Bei der Vorbereitung des RTL-Fernsehspektakels "Domino Day 2005" hatte ein verirrter Spatz 23000 von 4 Millionen Dominosteinen umgeworfen. Diese waren aufgebaut worden, um in besagter Sendung live einen Weltrekordversuch zu starten. Nach vergeblichen Versuchen, den Spatz einzufangen, wurde er - möglicherweise von einem Mitarbeiter - mit dem Luftgewehr erschossen. Der erhielt danach Morddrohungen. Tierschützer liefen Sturm. (WN 16.11.2005)


Anzeige gegen Elstner: Lehrer versteht keinen Spaß, 2005

Ein bayerischer Lehrer hat „Verstehen Sie Spaß?“-Moderator Frank Elstner wegen „vorsätzlicher sexueller Nötigung in mehreren Fällen“ angezeigt. In der kritisierten Ausgabe der ARD-Show vom 16. April 2005 hatte Elstner unter einem Bodengitter auf einem Gehweg ein Luftgebläse installieren lassen, das vorbeilaufenden Frauen und Mädchen die Röcke nach oben pustete - zum Spaß der Fernsehzuschauer. Die Verantwortlichen hätten bewußt in Kauf genommen, daß der „Großteil der Betroffenen nicht hat öffentlich ausgezogen werden wollen“, begründete der Lehrer am Donnerstag seine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München. Man habe unberücksichtigt gelassen, „daß die Belästigung um so größer sein mußte, wenn die betroffenen Frauen unter ihrer Bekleidung beispielsweise keine Unterwäsche oder Inkontinenzhilfsmittel getragen hätten“. „Vorbild für diesen Einspieler ist die berühmte Szene mit Marilyn Monroe, über die Millionen Kinozuschauer in aller Welt geschmunzelt haben“, sagte Elstner. „Wie bei "Verstehen Sie Spaß" zu sehen war, haben sich auch die gezeigten Frauen köstlich amüsiert. Alle haben dem Produzenten des Streifens, Werner Kimmig, ihr Einverständnis zur Ausstrahlung gegeben. Über sechs Millionen Fernsehzuschauer haben über diesen Streich herzlich gelacht, nur ein bayerischer Lehrer nicht.“ (WN 22.4.2005)

Szene aus dem Film mit Monroe

"Big Brother": Bestrafungszimmer, 2006

Die Medienaufsicht hat zwei Jahre nach der Ausstrahlung eine Tageszusammenfassung aus dem "Big-Brother-Haus" beanstandet. Die Sendung war am Nachmittag des 3.12.2004 von früheren "MTV 2"-Sender ausgestrahlt worden und hätte aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gesendet werden dürfen, teilte die Hamburger Anstalt für Neue Medien (HAM) mit. In der Show musste die Bewohnerin Franziska nach HAM-Angaben zehn Stunden lang in einen leeren „Bestrafungszimmer“ unter Bedingungen verbringen, die „an eine Art Isolationshaft erinnerten“. Unter anderem wurde die Kandidatin (damals 25 Jahre alt) ständig mit dem selben Musikstücke „Mana Mana“ beschallt. Der Grund für die Strafe sei gewesen, das Franziska wiederholt versucht habe, Botschaften an ihren Freund aus dem Container zu schmuggeln. Nach Bewertung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) war die Sendung geeignet, Zuschauer unter 16 Jahren „sozial-ethisch zu desorientieren.“ (WN 22.12.2006)

"Germany´s Next Topmodel" mit Heidi Klum, 2006

Politiker und Experten für Essstörungen forderten 2006 die Absetzung der Show, in der sich junge Mädchen in einer Art Model-Casting für den vermeintlichen Traumjob Model präsentieren konnten. Es wurde befürchtet, dass die Bewerberinnen sich "verbiegen" würden und dem "übertriebenen Schlankheitswahn" verfallen könnten. (Max-Online 2.2.2006)

Bohlen-Ausschnitte DSDS: Tagung in Tutzingen, 2007

Auf der Tagung wurden u.a. Zusammenschnitte der hemmungslosesten Urteile aus der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gezeigt. U.a.: „Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen“, sagte Bohlen zu einer Kandidatin, eine andere demütigte er für ihr Übergewicht. (Sdt. 20.12.2007)

Dieter Bohlen: Sprüche und DSDS, 2007/2008/2010

Der Ex-Modern Talking Sänger bekam Ärger mit der Behindertenbeauftragten in NRW, Angelika Gemkow. Bohlen habe Behinderungsbegriffe als Schimpfwörter benutzt. So habe er das Vorsingen eines Kandidaten vor laufender Kamera als „epileptisches Singen“ abgetan. Auch Jugendschützer kritisierten Bohlens Sprüche in der RTL-Show DSDS als "beleidigend". Nach einer Anhörung teilte die Kommission für Jugendmedienschutz KJM der Landesmedienanstalten mit, dass die für den Sender zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt jedoch lediglich eine Beanstandung gegen die Ausstrahlung am Nachmittag ausspreche, da die Sendung zu dieser Zeit gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoße. Zugleich stellte die Kommission fest: Die Art und Weise wie Dieter Bohlen die Auftritte der Kandidaten kommentiere, sei „unterstes Sprachniveau“. Es wurde sogar ein Prüfverfahren gegen die RTL-Casting-Show eingeleitet. Die Sendungen seien gekennzeichnet von "Beleidigungen und Bloßstellungen“. Eine der von Bohlen kritisierten Kandidatin erwog Schadensersatzklage. Auch wurde ein Verfahren wegen möglicher „sozial-ethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen“ eingeleitet. Kritisiert wurden auch die redaktionellen Verstärkungen der Sprüche, etwa, indem einer Kandidatin bei der Angabe ihres Alters eine lange Nase auf dem Bildschirm wächst oder stampfende Musik signalisiert, dass die Frau den Raum betritt. Sprüche wie „Wenn du deine Stimmbänder in Säure schmeißt, dann haben wir ein Problem gelöst“ oder "Kann man das noch irgendwie verhindern, dass du Musiklehrer wirst?“ (Dieter Bohlen zu eine Kandidaten der Musik auf Lehramt studiert) brachten die Jugendschützer in Rage. (WN 24.1.2007, MZ 9.3.2007 und WN 1.2.2007)RTL reagierte auf die Kritik an der Sendung gelassen und gab 2008 bekannt, dass der Sender nicht das Konzept verändern wolle. Insbesondere die Nachmittagssendungen waren seit der ersten Folge der Staffel 2008 nach Einwänden von Jugendschützern sehr umstritten. Wiederholungen allerdings würden bei Bedarf mit einem Piep-Ton überblendet, gab RTL-Sprecher Christian Körner bekannt. Jugendschützer hatten die Sendung wegen menschenverachtender Häme kritisiert und wollten gegen RTL ein Bußgeld in Höhe von 100 000 verhängen. Der Grund: „weil aufgrund der Inszenierung durch RTL eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern unter zwölf Jahren vorliegt“, teilte die Kommission für Jugendmedienschutz mit. Das Lächerlichmachen durch Einblendungen von Untertiteln und Animationen durch die Redaktion sowie „beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten werden genau wie in der letzten Staffel als Normalität dargestellt“, sagte KJM Vorsitzender Wolf-Dieter Ring. (WN 21.2.2008 und MZ 11.2.2008) Im Januar 2010 beanstandeten Medienwächter wieder eine Szene, in der Dieter Bohlen sich über einen Kandidaten lustig macht, der mit durchnässter Hose zum Vorsingen kam. Bohlen erklärte ihm detailliert, wie man sich auf der Toilette zu verhalten haben, damit so ein Malheur nicht passiert. (WN 22.1.2010)

Quizsendung "Besserwisser": Sky du Mont tritt gegen Schimpansin Sina an

Im Finale der Sendung traten Schauspieler wie Sky du Mont gegen die Schimpansin Sina an, um bestimmte Behauptungen per Knopfdruck als wahr oder falsch zu klassifizieren. Bei den Aufzeichnungen gewann der Affe sehr oft. Von Tierschützern wrude die Sandung kritisiert: "Wenn Tiere nicht in ihren normalen Lebensbedingungen gezeigt werden, gehören sie nicht vor die Kamera." Außerdem bedeute der Auftritt vor Scheinwerfern Stress für die Tiere.

"Wie klug ist meine Katze?", "Bams" 5.8.2007

Realityshow: “Herr der Fliegen“, 2008

Channel 4 plante 2008 eine Realityshow mit 20 Kindern zwischen 8 und 11, die analog zu Goldings „Lord of the Flies“ ohne Gesetze kämpfen und leben. Das rief den Jugendschutz in England auf den Plan. (Netz 22.8.2008)

Doku-Soap: „Erwachsen auf Probe“, 2009

Der Verein „Verantwortung für die Familie“ stellte Strafanzeige gegen RTL wegen der geplanten Sendung. In der Serie vertrauen Eltern ihre Babys Teenager-Paaren mit Kinderwunsch an. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener, so der Verein, da RTL die Entstehung einer „Bindungsstörung bei Kindern billigend in Kauf“ nähme. Die Anzeige richte sich auch gegen Eltern, die ihre Kinder zur Verfügung stellen. Hernach prüfte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) die umstrittene RTL-Serie „Erwachsen auf Probe“ hinsichtlich der Verletzung der Menschenwürde verletze. (WN 29.5.2009)

"50 pro Semester", 2009

Die geplante Sendung von Pro Sieben sorgte bereits im Vorfeld für heftige Kritik von Politikern und Medienwissenchaftlern. Geplant war, dass fünf Studenten mit der Wette gegeneinander antreten, wer in einem Semester 50 männliche oder weibliche Sexpartner findet. Das Ganze war allerdings kein Reality-Format, sondern eine Schein-Dokumentation (Scripted Reality). Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer dazu: "Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art moderner ´Kopfgeldjagd´zu Sexobjekten degradiert werden." Sie kündigte rechtliche Schritte an. Der Sender regierte und setzte die Sendung erst einmal ab. (WN 11.12.2009)

"Zimmer-frei"-Folge mit Ex-"Titanic"-Chef Martin Sonneborn, 2009

Die Sendung wurde kurzfristig abgesagt. Sonneborn hatte in der Sendung Werbung für seine "Partei" gemacht, J.B. Kerner u.a. als "überbezahlt" bezeichnet und die Zuschauer aufgerufen, seinem Beispiel zu folgen und keine Gebühren mehr an die GEZ zu zahlen. Offiziell wurde die Absetzung aber damit begründet, dass Sonneborn nicht "lustig" gewesen sei. (MZ 9.10.2009)

Sonneborn in "Zimmer-frei"

"Big Brother": Bewohner verbannt, 2010

Ein 28-jähriger Bewohner hatte einem anderen, der in den vergangenen Monaten zwei Tanten und eine Großmutter verloren hatte, vorgeworfen, aus den Schicksalsschlägen Kapital zu schlagen: "Du ziehst hier eine der größten Shows ab. Die größte Show überhaupt. Deine Schicksalsschläge verkaufst du im fernsehen, um Mitleid von den Zuschauern zu kriegen." Diese Sätze wurden als "zutiefst beleidigend, verletzend und pietätlos" gewertet und mit dem Rauswurf durch die Verantwortlichen geahndet. (MZ 23.10.2010)

"Betrüg mich, wenn du kannst", Frankreich 2010

In der Sendung des französischen Senders M6 geht es darum, die Kandidaten zu animieren, ihre Partner zu betrügen. Ein junger Mann, der an der Sendung teilgenommen hatte, gab seinem Partner die Schuld an seinem Freitod. M6 bestritt zwar einen Zusammenhang zwischen Sendung und Suizid, dennoch wurde die Sendung abgesetzt. (Sdt. 9.7.2010)

Medienaufsicht kritisiert Kuppelshows, Nov. 2011

In Fernseh-Kuppelshows wie "Schwer verliebt" von Sat 1 geraten Menschen vor die Kamera, die scheinbar nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Eine Kandidatin erhob 2011 schwere Vorwürfe gegen die Macher. So seien Szenen gestellt und Dialoge erfunden worden. Die Medienaufsicht wurde eingeschaltet. Auch Kurt Beck, der Ministerpräsident aus Rheinland-Pfalz verlangte eine "medienrechtliche Überprüfung" der sog. Kuppelshows im Privatfernsehen: "In manchen Sendungen werden Menschen, die offensichtlich gar nicht wissen, worauf sie sich eingelassen haben, öffentlich bloßgestellt und gedemütigt." Er sei "sehr dafür, dass die zuständige Medienaufsichten prüfen, ob die Grenzen des Zulässigen hier nicht überschritten sind". Eine Sprecherin des Senders von "Schwer verliebt" wies die Vorwürfe zurück: Weder die Kandidatin, die an die Öffentlichkeit ging, noch andere seien "zu Handlungen und Aussagen gedrängt worden". Dass es ein "geheimes Drehbuch" gegeben habe - die Sendung also Scripted Reality sei - wurde von Sat 1 ebenfalls zurückgewiesen. Bei den Verträgen handele es sich um "Standardverträge der Produktionsfirma". Zu Vertragsinhalten äußere man sich grundsätzlich nicht. (Sdt. 24.11.2011)


"Reality Queens auf Safari": Rassismusvorwürfe gegen ProSieben, 2013

In einem offenen Brief beschwerten sich 2013 entwicklungspolitische Organisationen wie das Tanzania-Network.de, das Leipziger Missionswerk oder die Deutsch-Tansanische Freundschaftsgesellschaft über die Show. "Das Format der Sendung verstärkt allgemeinverbreitete Stereotype gegenüber dem ostafrikanischen Land Tansania, schürt gängige Vorurteile und stellt die Menschen des Landes in einer rassistischen und diskriminierenden Form dar", heißt es in dem Brief. Die NGOs kritisieren, dass Tansania bereits im Vorspann der Sendung als ein kleines Land dargestellt werde, in dem "Afrika noch mehr als eine Showkulisse" sei, "die Tiere richtig wild" und "die Naturvölker richtig echt" seien. Das in der Sendung erzeugte Bild von Tansania und dessen Einwohnern sei einfältig, beleidigend und menschenunwürdig. Die Ausstrahlung im deutschen Fernsehen sei inakzeptabel. ProSieben wies die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher sagte, der Sender wolle an dem Format festhalten. Als "Reality Queens" hat ProSieben unter anderem Halb-Promis wie Model Micaela Schäfer und das "Teppichluder" Janina Youssefian nach Tansania geschickt, um dort Spiele zu absolvieren. (Spiegel online 29.8.2013)


„Circus Halli Galli“: Rüge für Joko und Klaas, 2013/14

Die ProSieben-Moderatoren gerieten 2014 ins Visier der Jugendschützer geraten, weil sie mit Matthias Schweighöfer im TV einen Wodka nach dem anderen kippten. So dauerte es während der Sendung „Circus Halli Galli“ nicht lange, bis die Shot-Gläser leer und die drei Männer so betrunken waren. 1,17 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren ließen sich das Spektakel im Oktober 2013 nicht entgehen. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) stellte im August 2014 einen Jugendschutz-Verstoß fest – und rügten Joko und Klaas mit der Begründung: Die beiden hätten „Alkohol gezielt als Spaßmacher eingesetzt”. Solche Szenen beeinträchtigten die Entwicklung von Minderjährigen und dürften erst nach 23 Uhr gezeigt werden. Die Show begann allerdings um 22.10 Uhr. Sie seien aber „Sympathieträger“ und viele Jugendliche würden sich mit ihnen identifizierten. Beide bekamen noch eine zweite Rüge verpasst. Bei „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt” beanstandete die Kommission eine Szene, in der sich Joko den Mund zunähen ließ. Der Sender ProSieben wies zwar darauf hin, dass die Show mit Rücksicht auf den Jugendschutz geteilt worden sei – der zweite Teil begann um 23.05 Uhr. Die KJM sieht darin aber eine „inhaltlich zusammenhängende Sendung”. (WN 19.8.2014)

Satire

Gerhard Polt: "Old Schwurhand"-Satire, 1979

1979 wurde ein Manuskript Polts für die Sendung Einwürfe aus der Kulisse, durch Redakteure des ZDF, um einige kritische Stellen über Friedrich Zimmermann (Old Schwurhand) gekürzt. Polt revanchierte sich ein Jahr später bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises, der vom ZDF übertragen wurde. Ihm war jedoch erneut verboten worden, Zimmermann zu erwähnen. So füllte er die ihm als Preisträger für eine Rede eingeräumten 25 Minuten damit, dass er schwieg oder darauf hinwies, wie viele Minuten seiner Redezeit bereits vergangen waren. Ebenfalls 1980 trat er als Gast in der ersten Folge des Scheibenwischer auf, nahm erneut Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem ZDF, sprach über Satire im Fernsehen und zitierte den Programmdirektor mit der Aussage „die Satire soll die Wirklichkeit nicht überzogen widerspiegeln“. (wikipedia und Spiegel 17 1980)

Bayern und Dieter Hildebrandts „Scheibenwischer", 1982/1986

Ärger gab es 1982 mit der Satiresendung, als Hildebrandt un Kollegen über das Prestigeobjekt "Rhein-Main-Donau-Kanal" lästerten. Die bayrische Regierung setzte den Punkt auf die Tagesordnung der Kabinettssitzung und neben zahlreichen Protestnoten setzte es von Stoiber noch eine Drohung mit dem Staatsanwalt. Bayern klingte sich 1986 wegen der der Satire-Sendung „Scheibenwischer“ aus dem Gemeinschaftsprogramm aus. Eigentlich handelt es sich bei der „Scheibenwischer“ um eine Live-Sendung, doch das eingereichte Manuskript reichte aus, um die Sendung als „makaber und degoutant“ bzw. „nicht gemeinschaftsverträglich“ einzustufen. Kritik entzündete sich vor allem an dem gesprochenen Text von Hildebrandt: „Ich wollte etwas Positives über mein Land sagen, da fragten sie mich, wer mich denn eigentlich bezahle. Da sagte ich, es habe immerhin Mängel. Aber es sei doch immerhin kein großes KZ, wie manche behaupten.“ Von den Verantwortlichen in Bayern wurde der Text so ausgelegt, als vergleiche Hildebrandt die BRD mit einem KZ. (Spiegel 4 1982 und 22 1986)


Kölner "Mai-Revue" parodiert Kohl und Reagan bis, 1985

In der Satiresendung ließ man den "amerikanischen Freund" sagen, er wolle Bitburg und Bergen-Belsen im Hubschrauber überfliegen, "I will then fly on to West-Berlin, fly over Spandau Prison and greet Rudolf Hess". Worauf des Kanzlers Stimme entgegnete: "Eine ebenso überfällige wie noble Geste", allerdings, "um dies mal richtigzustellen", habe Reagan nicht Hess gemeint, sondern den Widerstandskämpfer von Hassel. Im übrigen sei die Reise in den Bitburger Luftraum "eine ausgezeichnete Sache: Auch über Gräber hinwegfliegend, bleibt es eine Aussöhnung über Gräbern". Dann wurde aufgeklärt, dass es sich um eine Satire handelte: Der in Deutschland lebende schwarze US-Entertainer Ron Williams imitierte Reagan, den Kanzler sprach ein altbekannter Kohl-Darsteller, Stephan Wald. Aber der "Satire-Vorbehalt" konnte den nun aufbrausenden Entrüstungssturm nicht dämpfen. Hunderte protestierten telephonisch gegen dieses "geschmacklose Kabarett", die "roten Faschisten" gehörten "alle verprügelt". "Bild" entlarvte "politischen Schwachsinn", der konservative "Münchner Merkur" machte die konspirativen Wühlmäuse im "Linkskartell" für die "plumpe Unverschämtheit, dummdreiste Brüskierung des amerikanischen Präsidenten" verantwortlich. FDP-Generalsekretär Haussmann resümierte: "Ein Skandal". Bernhard Worms, CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen, sprach von einer "unglaublichen Beleidigung". In München fragte sich Edmund Stoiber: "Muß sich denn der Bayerische Rundfunk vom WDR alles gefallen lassen?" Schließlich verlangte die Bundesregierung für die "angebliche Satire", die dem "Ansehen der Bundesrepublik Deutschland geschadet" und "unseren Gast beleidigt" habe, eine offizielle Entschuldigung der ARD. (Spiegel 19 1985)

„Rudis Tagesschau“: Helmut Kohl und die Huren, 1986

Für Helmut Kohl war „das Maß des Zumutbaren“ überschritten. Der niederländische Showmaster Rudi Carrell hatte in seiner Nachrichten-Gagparade „Rudis Tagesschau“ in einem Sketch zwei Schauspielerinnen als Prostituierte frohgemut in die Kamera winken lassen. Die Damen des horizontalen Gewerbes begrüßten dabei ihre vermeintlichen Freier mit Rufen wie „Hallo Helmut“ oder Hallo Heiner“. Im Film rückten dann Politiker ins Bild, die in Autos an Frauen vorbeifahren und zurückwinken. Die Nachricht machte, gleichwohl eine Falschmeldung, die Runde: die Aufnahemn seien vor dem Bundeskanzleramt gedreht worden, woraufhin der Bundeskanzler einen Protestbrief an Willibald Hilf, den Vorsitzenden der ARD, losließ: „Sehr geehrter Herr Intendant, beigefügt übersende ich Ihnen einen Zeitungsbericht über eine geplante Sendung von Rudi Carrell. Ich habe in der Zwischenzeit Informationen eingeholt und dabei erfahren, dass offenbar dieser Bericht zutreffend ist. Ich weiß nicht, ob Herr Carrel, um in seiner Sprache zu bleiben `bekloppt` ist oder nicht. Ich weiß nur, dass die zuständigen Programmacher und der zuständige ARD-Sender offensichtlich jeden Sinn für Geschmack, Takt und für das Maß des Zumutbaren verloren haben. Ich bin ganz sicher, dass Herr Carrel sich wohl hüten würde, vor dem Amtssitz meines Kollegen, Ministerpräsident Ruud Lubbers, oder vor dem Amtssitz der niederländischen Königin eine derartige Aufnahme zu filmen. Wenn die Intendanten der ARD glauben, mit solchen Darbietungen dem Publikumsgeschmack entsprechen zu müssen, wäre es ja auch denkbar, dass der Sitz des Intendanten des Südwestfunks in Baden-Baden oder des WDR in Köln oder der Sitz des Intendanten von Radio Bremen für derartige `satirische Späße` ausgesucht wird. Ich darf Sie, sehr geehrter Herr Intendant, sehr dringend bitte, mir so bald wie möglich eine Stellungnahme zu diesem Vorhaben zu übermitteln, da ich die Absicht habe, auf dem Bundesparteitag der CDU in der zu erwartenden Diskussion zu diesem Beispiel an Geschmack- und Taktlosigkeit Stellung zu beziehen. Hochachtungsvoll Helmut Kohl. Geantwortet wurde: "Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, … Herr Intendant Nowottny teilte mir mit, dass diese Informationen nicht zutreffend sind. Es soll zwar in der im nächsten Jahr wieder beginnenden „Rudis Tagesshow` eine Szene geben, in der zwei Damen des ältesten Gewerbes der Welt vorüberfahrenden Politikern zuzwinkern und zuwinken. Diese Situation findet jedoch nicht vor dem Bundeskanzleramt, sondern vor einem neutralen und nicht identifizierbaren Hintergrund statt… ." (Spiegel 49 1986)

"Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter, 1987

Für die Satiresendung hatte Rudi Carrel einen 14 Sekunden-Spot zusammengeschnipselt, der zeigt, wie der ewig mürrisch dreinblickende Chomeini von weiblichen Fans zur Aufmunterung mit Slips und Büstenhalter zugeworfen wird. Nach der Ausstrahlung der Sendung setzte unter den Muslimen eine Protestwelle ein, weil Carrell damit "das geistliche Oberhaupt aller Muslime" (so der Botschafter Irans Salari) beleidigt habe. Selbst die deutsch-iranischen Beziehungen standen auf dem Prüfstand. (Spiegel 9 1987)

Stills aus "Rudis Tagesshow": Ajatollah Chomeini, Slips und Büstenhalter

Grenzen der Satire - Harald Schmidt, ARD 2007

In die Kritik geriet 2007 Harald Schmidts Sat.1-Show aus dem Jahre 1995. Damals hatte er die vermeintliche Gemeinsamkeit von WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, einer Flasche Eierlikör, einer Kloschüssel und der Zeitschrift "Emma" mit den Worten "Die würde kein Mann freiwillig anfassen" herausgestrichen. WDR-Intendantin Monika Piel distanzierte sich von dieser Form der Satire: "Dies entspricht nicht unseren Programmstandarts, und ich dulde es nicht, wenn Menschen in ihrer Persönlichkeit verletzt werde." (MZ 10.9.2007)

Horst Seehofer und sein Seitensprung, 2008

Eine flapsige Anmoderation von ZDF-Nachrichtensprecher Normen Odenthal zu einem Beitrag über den neuen bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, brachte Odenthal eine Rüge von seinem Arbeitgeber ein. In der Sendung „heute nacht“ sagte er: „Horst Seehofer hat in Berlin alles hingeworfen und ist seit heute Ministerpräsident von Bayern. Berlin war für ihn also nur ein Seitensprung – in jeder Beziehung.“ Dies konnte als eine Anspielung auf seine außereheliche Berliner Affäre verstanden werden. (WN 30.10.2008)

"Neues aus der Anstalt" -Komiker Urban Priol zum Tod von Lech Kaczynski, ZDF 2010

In der Satiresendung hatte Priol zum Unfalltod des polnischen Staatspräsidenten gesagt: "Ist da eine Heuchelei im Gange: Wie beliebt er war, der in ganz Europa als Nervensäge belächelte Lech Kaczynski. Mit dem wollte doch keine Sau was zu tun haben." Daraufhin hagelte es Proteste aus Polen. (Spiegel 17 2010)


"Schmähgedicht" von Jan Böhmermann, 2016

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan stellte im April 2016 Strafantrag gegen den Satiriker Jan Böhmermann wegen Beleidigung. Grund für den Strafantrag Erdogans war das Schmähgedicht in der Sendung "ZDF Neo Royal" vom 31. März 2016. Der Strafantrag wurde in dem bereits anhängigen Verfahren "wegen Angriffs gegen Organe und Vertreter ausländischer Staaten" geprüft mit Blick auf den Paragraphen 103 des Strafgesetzbuch (StGB). Darin heßt es: (1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. In dem Schmähgedicht teilte Böhmermann aus Protest gegen Erdogans Reaktion auf die "extra 3"-Satire verbal noch viel härter aus als seine NDR-Kollegen und bezichtigte den türkischen Ministerpräsidenten u.a. der Sodomie. Er selbst wies vorher ausdrücklich darauf hin, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Bei der Staatsanwaltschaft gingen Anzeigen gegen Böhmermann und ZDF-Verantwortliche ein. Die Bundesregierung stellte sich zunächst auf die Seite des türkischen Präsidenten. Über Merkels Sprecher Seibert ließ sie verlauten, dass es sich um einen "bewusst verletzenden Text" handele. Zwar sei auch der hohe Wert der Presse- und Meinungsfreiheit zu beachten, aber diese sei aber schrankenlos. Danach hagelte es Fragen: Denkt Merkel wirklich so? Oder kuscht sie vor Erdogan aus Sorge, dass er das EU-Türkei-Abkommen zur Eindämmung der Flüchtlingskrise platzen lässt, von dem Deutschland profitiert? Ist Merkel erpressbar geworden? Andere Satiriker schalteten sich in die Debatte ein. So veröffentliche Didi Hallervorden einen Song mit dem Titel "Erdogan, zeig mich an", der nur unwesentlich freundlicher als das umstrittene Gedicht von Satiriker Jan Böhmermann klang.U.a. heißt es darin: "Ich sing einfach, was du bist. Ein Terrorist, der auf freien Geist scheißt." Der Schauspieler kommentierte seinen Song mit den Worten: "Jetzt erst recht." (heute de 12.4.2016)

Sex

"Am grünen Strand der Spree", sechziger Jahre

Die fünf Folgen wurden nur in einer geschnittenen Version gezeigt, u.a. fiel der Schere eine Szene zum Opfer, in der Helen Vita andeutungsweise nackt unter der Dusche zu sehen war. (Archiv)

Dokumentation: „Obszönität als Gesellschaftskritik?“, 1970

Am 20.10.1970 hatten zehn Millionen Bundesbürger kurz vor Mitternacht die Gelegenheit, koitierende Paare, homosexuelle Küsse oder Gruppensex zu sehen. Dann kam die Protestwälle: Bundeskanzler Brandt hatte „kein Verständnis für den Bericht“ und ausgerechnet der bayrische Sex-Filmer Alois Brummer („Dr. Fummel und seine Gespielinnen“) zeigte den ARD Programmdirektor Lothar Hartmann wegen „der Vielzahl derber, geschlechtsbezogener Ausdrücke“ bei der Münchner Staatsanwaltschaft an. Für die Deutschland-Stiftung erhob das geschäftsführende Vorstandsmitglied Kurt Ziesel gleich gegen alle ARD-Intendanten Klage, weil „der Bayrische Rundfunk nicht mehr den Charakter einer Anstalt des öffentlichen Rechts, sondern durch diese Sendung den Charakter eines öffentlichen Bordells angenommen“ habe. “ Das Bundesland Bayern ließ zudem verlautbaren, dass es demnächst das Gemeinschaftsprogramm öfter überprüfen werde, um sich ggfs. aus diesem verabschieden. Das hatte Bayern schon 1961 beim TV-Lustspiel „Lysistra“ getan Der „Pressedienst der Heimatvertriebenen“ sprach von „fortschreitender Zersetzung der öffentlichen Moral“. (Spiegel 47 1970)

Szenen aus "Obszönität"

Godard: „One plus one“ (Unzucht mit Tieren), 1970

Allzu drastische Anspielungen auf Sex wurden von der ARD immer mal wieder zensiert. So wurde aus dem Godard-Film „One plus one“ die Textpassage: „Es ist, als wollte man versuchen, eine Kobra zu ficken“, elektronisch unkenntlich gemacht. Als Begründung hieß es, man wolle keine Unzucht mit Tieren zitieren. (Spiegel 26 1970)

„Sex-Rebellion der Neuen Linken“, 1972

Der ARD-Beitrag über die „Sex-Rebellion der Neuen Linken“ erregte 1972 den "Bayernkurier": „Millionen Fernsehzuschauer wurden in ihren Heimen ahnungslos von diesem Schmutz überfallen.“

„Warhol, Künstler und Filmemacher“ von David Bailey, 1973

1973 gelang es erstmals einem Privatmann, Ross McWhirter, durch eine einstweilige Verfügung einen TV-Beitrag am Sendetag aus dem Programm zu werfen. Weil Film neben Transvestiten und Ausschnitten aus den Warhol-Produktionen "Bike Baby" und "Trash" auch die dralle Warhol-Walküre Brigid Polk nackt, sich ihre Brüste mit Farbe bekleckert und damit eine Leinwand traktiert, wurde die Dokumentation über Warhol abgesetzt. Vom „schlimmsten TV-Schocker aller Zeiten“ („News of the World“) kündeten britische Zeitungen, die den Film vorbesichtigt hatten. In Unkenntnis des Films wandte sich der Zeitungsleser McWhirter an die Justiz, die ebenfalls ohne Augenschein, vier Stunden vor der Sendung die Verfügung erließ. Die Richter waren der Ansicht, dass die gesetzlich zur Wahrung von „guten Geschmack und Anstand“ verpflichteten Aufsichtsratsgremien der Fernsehanstalt, versagt habe. (Spiegel 4 1973)

Szene aus der Warhol-Dokumentation

Panorama über den Film "Snuff", 1976

Das Magazin "Panorama" wollte 1976 eine Dokumentation über die Hintergründe und Auswüchse der Porno-Industrie zeigen. Dazu sollten auch Ausschnitte aus dem Film "Snuff" von Rimmel gezeigt werden. Von der Münchner "Abendzeitung" wurde der Beitrag wie folgt angekündigt: "Heute im Fernsehen: so werden Frauen in Sex-Filmen gequält". Doch die vernichtende Selbstdarstellung der Porno-Industrie konnte wieder einmal nicht gezeigt werden, da die Produzenten des Films mit Klage drohten. (Spiegel 36 1976)

Gilla: "Willst Du mit mir schlafen geh´n" und "Tu es", ZDF 1976

Wegen dieser Songs durfte Gilla in den siebziger Jahren nicht im deutschen Fernsehen auftreten. Der ZDF-Redakteur Dieter Weber, zuständig für die "Hitparade", begründete dies wie folgt: "Moral geht nicht durch die Ohren, und wir sind auch nicht prüde. Aber die Texte von Gilla sind im Rahmen einer Familiensendung nicht tragbar." Und "Pop ´76´"-Macher Jürgen Kliebenstein kommentierte die Hot Pants und Texte von Gilla ("Tu es, ich weiß, du machst es gut") ebenso deutlich: "Da würde es eine gewaltige Protestwelle von schockierten Zuschauern geben, und ich bekäme eins auf den Deckel..." (Bravo Archiv 1976)

Peter Maffay: "Und es war Sommer", ZDF 1976

Als Maffay diesen Titel in der "ZDF-Drehscheibe" vorstellen wollte, wurde er abgeblockt. Die Zeilen "Ich war 16 und sie 31, und über Liebe wusste ich nicht viel, sie wusste alles und sie ließ mich spüren, ich war kein Kind mehr" führten zu einem Verbot: Das ZDF: "Der Text ist eindeutig zweideutig und passt deshalb nicht in unsere Sendung." (Bravo-Archiv 1976)


Chris Roberts: "Hier ist ein Zimmer frei", 1976

Bei der ZDF-Hitparade wurde das Lied zweimal abgelehnt. Insbesondere die Testzeile: "...endlich zogen wir die nassen Kleider aus, so sah ich das Mädchen plötzlich vor mir steh´n und sagte: du, du , du bist schön" erregte Anstoß. Auch bei einige Rundfunkstationen kam das Lied auf die schwarze Liste. Kommentar eines Redakteurs vom Bayrischen Rundfunk: "Da wird doch gebumst, so was kann ich natürlich nicht senden." (Bravo-Archiv 1976)


"Die Konsequenz, 1977

Bei dem Homoseuellen-Film schaltete sich der Bayrische Rundfunk 1977 ab. (Der Spiegel 49 1977

Nina Hagen in „Club2“: öffentliche Selbstbefriedigung, 1979

Im österreichischen Fernsehen zeigte Gast Nina Hagen den Zuschauern, wie man sich als Frau selbst befriedigt (21 Sekunden). Die Vorführung führte zum einem Proteststurm. Die Verantwortlichen reagierten mit Sofortmaßnahmen. Zunächst wurde eine Alkoholverbot im Studio ausgesprochen.(Archiv und Spiegel 20 1982)

Szene aus der "Club 2"-Vorführung von Nina Hagen

Fassbinder: „Berlin Alexanderplatz" (Alfred Döblin), 1980

Das Urteil einiger Zuschauer war vernichtend: Eine "Orgie von dummen Redensarten, "Schmuddel-.Sex“, eine „Orgie von Gewalt, Perversion und Blasphemie“. Fassbinder bekam Morddrohungen aus Hamburg und Köln und lebte zeitweise in München unter Polizeischutz. (Spiegel 45 1980)

ARD-Magazin "Arena" - Thema „Die neuen Nackten“, 1982

Gerade als ein Performance-Künstler sich unbekleidet auf ein Podest stellte, entblößte die Zuschauerin Helga Goetze ihren Busen und verkündet: „Es handelt sich sowieso nur ums Ficken“. Goetze hatte sich heimlich mit einer Perücke in die Live-Sendung des SFB, denn in Berlin war sie wegen ihrer exhibitionistischen Auftritte stadtbekannt. Während ein Großteil des Publikums johlte, fand eine eine hochgeschlossene evangelische CDU-Pfarrersfrau von der Talkrunde den Auftritt „scham- und würdelos“. Woraufhin der wütender Filmemacher Rosa von Praunheim die Frau aus Itzehoe mit der Frage „Wie oft sie in der Woche gebumst“ werde, attackierte. Die Zuschauer am Bildschirm, rund vier Millionen, überschütteten den Sender mit tausenden von Briefen und Anrufen: die Mehrheit „empört, verletzt, sprachlos“. Einige hatte die öffentlich-rechtliche Libertinage so aufgewühlt, „daß wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten“. (Spiegel 37 1982)

Helga Goetze nackt in der "Arena"-Sendung

"Die Schwarzwaldklinik" (Folge: "Gewalt im Spiel"), ZDF 1986

In der Folge wurde am Samstagabend zur besten Sendezeit ein Schwarzwaldmädchen vergewaltigt. Die rächte sich nach dem Motto "Schwanz ab" in Form von Selbstjustiz. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung lose. Die übliche Wiederholung der Sendung am Montag wurde gestoppt. (Spiegel7 1986) Die Folge landete schließlich auf dem Index der Bundesprüfstelle, was wiederum zu einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht führte. (Spiegel 51 1989)

Szenen aus "Gewalt im Spiel"


"Vorwerk"-Staubsauger und Sexpraktiken, 1986

(Spiegel 5/86) Der Staubsauger-Hersteller Vorwerk verklagte 1986 den Hamburger "Chaos Computer Club", weil dieser die Vorwerk-Werbung in Verbindung mit diversen Sexpraktiken gebracht hatte. Die Staubsaugerfirma hatte beim Bildschirmtext unter dem Btx-Anschluß *61700# u.a. mit Slogan wie "Nur saugen allein genügt nicht" oder der Sauger "sei immer schnell zu Hand" "selbst an unzugänglichen Stellen". Unter der Btx-Nummer *655322# wurde die Firma daraufhin "in Zusammenhang mit Onaniepraktiken" erwähnt. Auf der Bildschirmtext-Seite nämlich publiziert der CCC - unter der Schlagzeile "Onanie macht krank" - "zur Abschreckung", wie es hieß, einen Beitrag über "Verletzungen durch Masturbation mit Staubsaugern". Weil "Kobold-Staubsauger der Marke Vorwerk" in dieser Beziehung besonders gefährlich seien, verbreitet das Chaos-Team darin auch "eine kurze Erläuterung über Aufbau und einige technische Daten dieses Typs". Leseprobe: " Der Vorwerk-"Kobold" unter scheidet sich von den " " übrigen Mo dellen vor allem dadurch, daß sich der Motor " " am unteren Ende eines Stieles befindet und während des " " Saugens mit diesem über den Bo den hin- und herbewegt " " wird. Durch diese Konzeption ist der übliche " " Verbindungsschlauch zwi " " schen Saugdüse und Motorgehäuse über flüssig geworden " " ... " " Entfernt man nun die Saugdüse, so trennt ein 11 cm " " langer Ansaugstutzen von 3,2 cm Durchmesser den Propeller " " von der Staubsaugerspitze. Wie die eingehende Exploration " " einiger Patienten ergeben hat führen die Patienten den " " nicht erigierten Penis in den Ansaugstutzen. Durch den " " Luftstrom wird der Penis in Vibration versetzt und " " erigiert. Mit zunehmender Erektion wird der Sog stärker, " " und schließ lich wird der ganze Staubsauger an den " " Unterleib gepreßt und der Penis völlig in den " " Ansaugstutzen gezogen. In diesem Augenblick kommt er mit " " dem rotierenden Propeller in Berührung und wird je nach " " Motorleistung und Schnelligkeit des Ab wehrreflexes, der " " Länge und dem Erek tionszustand unterschiedlich " " traumatisiert. " Vorwerk strengte daraufhin einen Zivilprozeß an.

BTX-Werbung für Vorwerk

Erika Berger: „Eine Chance für die Liebe“, 1987/1992

Im Jahr 1987 begann die Sendereihe auf RTL, in der sich Erika Berger als Erotik-Expertin u.a. über Seitensprünge und Orgasmusschwierigkeiten ausließ. 1989 musste Berger einigen erregten bayrischen Medienwächtern ihre Programminhalte erklären und noch mal drei Jahre später wurde gegen Berger und RTL wegen „Aufforderung zum Exhibitionismus“ in der Nachfolgesendung „Der flotte Dreier“. Zur Anklage kam es nicht (WN 13.8.2009)


Abschied von Emmanuelle, 1998

Bayern wollte 1998 die Ausstrahlung indizierter Filme wie "Robocop", "Der Terminator" oder "Emmanuelle 6" im Fernsehen verbieten. Der bayerische Vorstoß stützte sich auf ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Josef Isensee: Der hält das vorgeschlagene Sendeverbot für verfassungsrechtlich möglich, sagt jedoch auch, die geltende Rechtslage bedürfe überhaupt "keiner Nachbesserung durch den Rundfunkstaatsvertrag". Er verweist darauf, daß die Ausstrahlung indexbetroffener Filme ohnehin rückläufig sei. Hätten die privaten Sender 1994 immerhin 144 Streifen gezeigt, seien es 1995 nur noch 120 gewesen. Die öffentlichrechtlichen Anstalten zeigten in den vergangenen Jahren nur sechs Index-Filme, jeweils in stark überarbeiteter Fassung. Der Rundfunkstaatsvertrag verbietet derzeit die Verbreitung von Sendungen, "die geeignet sind, das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern zu beeinträchtigen". Nach 23 Uhr, so die bisherige Interpretation, seien Kinder schließlich im Bett. Die Kinderkommission des Bundestags hatte ein völliges Ausstrahlungsverbot gefordert, da heute jedes Kind die Sendezeiten mit Hilfe eines Videorecorders umgehen könne. (Spiegel 18 1998)

RTL II-Werbung "Expedition Robinson", (um 2000, keine genaue Angabe möglich)

Eine Vorlage für das Werbeplakat wurde deutlich entschärft. (Archiv)

Plakat
Vorlage

Schnitt im "Tatort": Sex-Szene, 2005

Der Bundesverband Regie BVR hat gegen die kurzfristige Entfernung einer Sex-Szene aus einem Tatort protestiert. Der Saarländische Rundfunk, so der Vorwurf hätte dem Druck der "Bild"-Zeitung nachgegeben, die mehrere Szenen-Fotos aus dem Film unter Empörung abgedruckt hatte: z.B. wie ein Vater im Pool Sex mit seiner Adoptivtocher hat. Der österreichische ORF strahlte den "Tatort" hingegen in Originallänge aus. (WN 17.11.2005)

„Sex and the City“, 2006

Der Sender Pro Sieben musste auf Druck der "Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen" Eingriffe in die TV-Serie „Sex and the City“ vornehmen, die im Vorabendprogramm lief. So wurde das Verb „blasen“ (in der Folge „Glaubensfragen) entfernt, „nackte Hintern“ raus geschnitten (der von der Hauptfigur Carrie in der Folge „Taten oder Worte“). Auch Politiker wie Bayerns damalige Familienministerin Christa Stewens sahen darin eine „sexuelle Zumutung für Kinder." Schließlich wurden die beiden Episoden „Models und Menschen“ und „Der beste Freund der Frau“ ganz aus dem Programm genommen. (Sdt. 22.7.2006)

Lena Meyer-Landrut nackt: RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“, Ausstrahlung: 10. August 2009

Kurz vor ihrem Grand Prix Auftritt tauchten in der Presse Fotos auf, die die singende Schülerin barbusig in einem Pool zeigten. Bilder stammen aus der RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“. Meyer-Landrut bekannte sich zu den Aufnahmen, aber Deutschland diskutierte darüber, ob eine Abiturientin sich vor der Kamera ausziehen darf und anschließend auch noch Deutschland bei einem internationalen Musikwettbewerb vertreten darf. (MZ 6.5.2010)

Meyer-Landrut in der RTL-Dokusoap „Helfen Sie mir!“


"Tagesschau": Wirbel um Bein-Aufnahmen von FDP-Politikerin Katja Suding, 2015

Ein kurzer Kameraschwenk in der ARD-"Tagesschau" sorgte im Januar 2015 für Wirbel: In einem Bericht über das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP wurde Katja Suding, Hamburger Fraktionsvorsitzende der Liberalen, gezeigt. Ein Kameramann filmte dabei für mehrere Sekunden die Beine der 39-Jährigen - erst danach bekamen die Zuschauer das Gesicht von Suding zu sehen. Die Altherren-Ästhetik der ARD sorgte u.a. bei Twitter und auf Facebook für heftige Kritik. Danach reagierte der Sender. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, schrieb in einem Blog-Eintrag selbstkritisch: "Es ist einer dieser Schwenks, die wir in den 80er und frühen 90 Jahren noch gesehen haben und der gerne mal die Vorlage für Altherrensprüche lieferte." Er nehme an, der Kameraschwenk sei von einem Menschen aus der Schule und der Geisteshaltung vergangener Jahrzehnte produziert, der diese Darstellung besonders apart fand. "In jedem Fall aber, und dies ist mein selbstkritisches Fazit, hätten wir diese Einstellung in dem Beitrag beanstanden und austauschen sollen." (WN 8.1.2015)

YouTube zensiert Wetter-Moderatorin, Mexiko 2017

Für die YouTube-Verantwortlichen war ein neues Video der mexikanischen Wetter-Moderatorin Yanet Garcia offenbar zu heiß - für unter 18-Jährige wurde der Beitrag nachträglich gesperrt. (clip.de 31.1.2017)

Werbefernsehen

„Frau im Spiegel": „Alles über Ingrid van Bergens Schuld und Sühne", 1980

Die Schauspielerin Ingrid van Bergen war für schuldig bedunden worden, dass sie 1977 ihren Geliebten Klaus Knaths erschossen hat. Sie wurde wegen Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteilt. Während eines Hafturlaubs gab sie ein Interview mit der Zeitschrift "Frau im Spiegel", dass das Blatt als Werbespot einsetzen wollte. Motto: "lesen Sie exklusiv in ... „“. Gesendet wurde der Spot aber nicht, weil die Werbefernseh-Gesellschaften der Landesrundfunkanstalten die Ausstrahlung ablehnten, da es gegen die „sittliche Überzeugung eines Teils der Bevölerung“ verstoße. (Spiegel 37 1980)

Herrenpflege mit "Care" und einem nackten Mann, 1980

Bayerns Werbefernsehchef Wittmann lehnte eine Spot für "Care" ab, weil dabei mit einem nackten Mann geworben wurde, der seine Blöße jeweils nur haarscharf mit einem Aktenkoffer oder einen Theaterprogramm bedeckt hielt. Im Werbefernsehen von NDR und WDR war der Nackte nur „von fern und von hinten“ zu sehen. (Spiegel 37 1980)

Mainzelmännchen-Verbot, ZDF 1991

Die Werbewirtschaft forderte vom ZDF auf die Mainzelmännchen-Sequenzen zwischen den Werbespots auszusetzen, da - so die Behauptung - durch die Männchen "die Erinnerung an die unmittelbar angrenzenden Werbespots gestört" werde. (Spiegel 20 1991)

Andere Länder

Ägypten

Ägyptisches Staatsfernsehen: “Sprecht nicht mit Ausländern – rettet die Heimat”, 2012

Das Video über angebliche ausländische Spione in Ägypten wurde vom staatlichen ägyptischen Fernsehen, dem Sprachrohrs des obersten Militärrates, ausgestrahlt. Es war dazu gedacht, unter den Ägyptern Paranoia gegenüber Ausländern zu säen. Vor allem aufgrund der Proteste der Internet-Gemeinde wurde das Video zurückgezogen. “Der Spot wird ... nicht mehr gesendet, weil wir fürchten, dass er missverstanden wurde”, erklärte ein Vertreter des staatlichen Fernsehens gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. (Sdt. 12.6.2012)

China

Antonioni. "Blow up", 1966/1974

Von der Regierung in China wurde der Film als Provokation empfunden. Als er im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte, versuchte es die Führung zu verhindern, da man meinte, in dem Film würden die Chinesen lächerlich gemacht. (Spiegel 10 1974)

Filmplakat von "Blow up"

England

US-Fernsehsender CBS zeigt Fotos der sterbenden Diana, 2004

Sieben Jahre nach dem Tod von Prinzessin Diana zeigte CBS u.a. Nahaufnahmen der Sterbenden. In England löste die Zurschaustellung eine Welle der Empörung aus. CBS verteidigte die Veröffentlichung damit, dass die Fotos "im journalistischen Kontext der Berichterstattung über Dianas medizinische Untersuchung erfolt sei." (MZ 23.4.2004)

„The Farm“, England um 2005

In der Show wurde gezeigt, wie ein Eber vor laufender Kamera von Rebecca Loos befriedigt wird. Zehn Minuten verfolgten die Kameras, wie die Brünette das Genital rieb. Gage 60 000 Euro. In der englischen „Transen-Show" hatten sechs Männer eine attraktive Frau umgarnt, die sich am Ende als Transsexuelle entpuppte. Die Männer drohten vor der Ausstrahlung mit einer Klage und erhielten hohe Abfindungen.

„Distraction“ um 2005

In der Quissendung mußten Kandidaten unter Ablenkung Fragen beantworten, während sie beispielsweise Stromstöße erleiden und ihre Finger in Mausefallen steckten. Die Show aus England lief auch in den USA, Kanada, Israel und Italien.

TV-Oper: „Jerry Springer: The Opera“, UK 2008

Als obszön, blasphemisch und beleidigend wurde die Sendung in England eingestuft. Besorgte Christen protestieren vor dem Sendegebäude der BBC und fordern, sie nicht auszustrahlen. BBC zeigte das kirchen-kritische Musiktheater dennoch. (Sdt. 15./16.1.2008)

Selbsttötung vor laufender Kamera, England 2008

Eine britische TV-Dokumentation berichtete über Craig Ewert und dessen Selbsttötung durch einen Medikamentencocktail. Ewert, sterbenskrank, wollte seiner Familie die Qualen ersparen. Zur besten Sendezeit wurde gezeigt, wie er vor laufender Kamera den tödlichen Cocktail nimmt, dann schaltete der Gelähmte sein Beatmungsgerät ab. Es entbrannte ein heftiger Streit über Ethik des Tötens und der Darstellung. (WN 12.12.2008)

Prinz Harry und eine fiktive Entführung durch die Taliban, 2010

Ein fiktiver Film über die Entführung von Prinz Harry während eines Einsatzes als Soldat in Afghanistan sorgte 2010 in Großbritannien für Aufregung gesorgt. Die Boulevardpresse war außer sich und vertrat die Ansicht, der Film stelle eine Gefahr für die Nummer 3 der britischen Thronfolge dar, falls er sich zu einem zweiten Einsatz in Afghanistan entschließen sollte. In dem Film ist zu sehen, wie Prinz Harry - dargestellt von Sebastian Reid - von den Taliban als Geisel genommen wird. Im Weiteren geht es vor allem um die Verhandlungen, die eine solche Entführung nach sich ziehen könnte. In einer Szene wird dem Prinzen eine ungeladene Waffe an den Kopf gehalten, in einer anderen ist zu sehen, wie ihn Terroristen für Propagandazwecke benutzen. (Panorama, 07.10.2010, DerWesten)


BBC-Doku über Unruhen in Großbritannien verboten, 2012

Im August 2011 kam es in London und andern britischen Städten zu massiven Jugendunruhen. Ein BBC-Dokumentation über die Jugendunruhen vom August 2011 in mehreren britischen Städten wurde im Juli 2012 durch richterlichen Beschluss auf sämtlichen Medien „bis auf weiteres“ gerichtlich verboten. Auch ein kurzer Ausschnitt, der auf der Webseite der BBC zu sehen war, musste entfernt werden. Ein zweiter BBC-Film, der auf Interviews mit Polizeibeamten basiert, wurde ebenfalls verboten. Der Film des preisgekrönten Dramatikers Alecky Blythe basiert auf vertraulichen Interviews mit 270 Menschen, die an den Unruhen beteiligt waren, und entstand im Rahmen der Studie „Reading the Riots“. (Sdt. 19.7.2012)

Italien

Satire-Show mit Maurizio Crozza, Italien 2006

Der Vatikan machte gegen eine Satire über Papst Benedikt mobil: Der Komiker Crozza war im italienischen Fernsehen in einer Benedikt–Verkleidung zu sehen und dachte über die Exkommunikation Madonnas nach, während Schweizer Gardisten zu Klängen der Pop- Ikone tanzten. Der Privatsekretär des Kirchfürsten Georg Gänswein meinte dazu: „Derartige Dinge haben kein intellektuelles Niveau und beleidigen die Kirchenleute.“ (MZ 16.11.2006)

Japan

Pokémon, Flackerlichtszenen und Photosensibiliät, Japan 1997/2011

Am 16.12.1997 strahlte das japanische Fernsehen eine Pokémon-Sendung aus, in der in einer Szene eine Rakete explodierte. Insgesamt dauerte die Szene nur 6 Sekunden. Sie bestand aus einer schnellen abfolge von Rot und Blau. Anschließend mussten 685 Patienten, die den Film gesehen hatten, in japanischen Krankenhäusern behandelt werden. Manche hatten sich übergeben, andere wurden ohnmächtig oder erlitten eine Art epileptischen Anfall. Daraufhin wurde japanischen Zeichentrickherstellern verboten, Kontrastwechsel, die schneller als fünfmal pro Sekunde auftraten, und Flackerlichter, die länger als zwei Sekunden dauern, zu senden. (FAZ 18.12.2011))

Libanon

Hisbollah schont Jesus

Die "Partei Gottes", deren Miliz als stärkste militärische Kraft im Libanon gilt, sah sich 2010 im Ramadan mit Vorwürfen der Christen im Land konfrontiert. Der maronitische Bischof Beschara Rai beklagte sich bitter über eine TV-Serie, die unter anderem im Hisbollah-Sender al-Manar ausgestrahlt wurde. Die iranische Produktion über das Leben von Jesus verfremde ihren Glauben so sehr, dass wütende Proteste das fragile konfessionelle Gleichgewicht des Landes ins Wanken bringen könnten. In der letzten Folge wird statt Jesus der Verräter Judas gekreuzigt - eine durchaus gängige, wenngleich von den Filmemachern mit antisemitischen Untertönen umgesetzte islamische Interpretation. Für Muslime ist Jesus nicht Gottessohn, sondern einer von zahlreichen Propheten. Von Auferstehung ist im Koran keine Rede. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ordnete persönlich an, die noch nicht gesendeten Teile aus dem Programm zu nehmen. (Spiegel 36 2010)

Niederlande

Single-Show mit Sperma-Spender, um 2007

Wegen mangelnder Quote wurde in den Niederlanden eine Show abgesetzt, in der sich eine Single-Frau einen Spermaspender aus einer Gruppe von Männer aussuchen durfte.


Koran-Film von Geert Wilders, 2008

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende schaltete sich in die Diskussion um den „Koran-Film“ des rechtspopulistischen Parlamentarier Wilders ein: „Es gibt Sorge, hier und im Ausland, dass der Film beleidigend sein könnte, … (so dass er die) öffentliche Ordnung, Sicherheit und Wirtschaft gefährde“, sagte Balkenende. Seine Regierung bereite sich deshalb auf mögliche Reaktionen im In- und Ausland vor. Wilders wollte in seinem zehn Minuten dauernden Film zeigen, wie der Koran von islamistischen Radikalen dazu benutzt wird, zu Gewalt und Intoleranz anzustiften. Es fand sich bis Januar 2008 kein Fernsehsender, der den noch nicht fertig gestellten Film zeigen wollte. (Welt 21.1.2008)


Derrick-Filme abgesetzt, 2013

Der als makelloser TV-Ermittler "Derrick" international berühmt gewordene Horst Tappert war Mitglied der Waffen-SS. Als das ruchbar wurde, stoppte ein niederländischer Fernsehsender Wiederholungen der legendären deutschen Krimi-Serie.

Derrick

Türkei

Zeynep Mansur und das trägerlose Kleid, Türkei 2010

Die türkische Popsängerin hatte für ihren Auftritt in der TV-Sendung "Ceyiz Show" (Aussteuer-Show) ein trägerloses Kleid gewählt. Das befanden die Programmverantwortlichen für zu freizügig, insbesondere da die Sendung auch noch während des Ramadan gesendet werden sollte. Mansur wurde gebeten, sich einen Schal über die Schulter zu legen und nicht zuviel Haut zu zeigen. (Spiegel 36 2010)

Historiensoap "Das prächtige Jahrhundert", 2011

Als "Skandal" und "Verrat an der Geschichte" wurde die Sendung über Sultan Süleyman bezeichnet, die den Regenten als Trinker und Frauenliebhaber darstellte. (Sdt. 11.1.2011)

USA

Jerry Springer Show, 1998

In der Sendung ging es um Sex und Krawall: Geschichten wie "Honey, ich bin eine Hure" oder "Ich schlafe mit meiner Schwester" wurden in einer Art Selbstbezichtigung einem Millionenpublikum vorgeführt, wobei etwaige Kontrahenten aufeinander losgelassen wurden. Da das meist gebrauchte Wort "fuck" Sendeverbot hatte, bestand der Ton zuweilen nur aus "beep, beep". Auch bloße Brüste wurden elektronisch unkenntlich gemacht. Deshalb wurde eine "unzensierte Version ("Zu heiß fürs Fernsehen") auf Video angeboten. (Stern 20 1998)

Unzensierte Szene aus der "Springer"-Show

„Be my baby“, USA 2004

Im Mai 2004 startete der US-Sender ABC die Show, in der ein 16-jähriges schwangeres Mädchen schwanger ihr zukünftiges Kind zur Adoption freigibt.

"South Park" - Prophet als Bär, 2010

Nach einem Gastauftritt von Mohammed in einem Bärenkostüm wurden Trey Parker und Matt Stone, die beiden Erfinder der Zeichentrickserie, von der radikalen US-Muslimgruppe "Revolution Muslim" bedroht. Der Internetprotest der Gruppe wurde begleitet von einem Foto des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh, der 2004 wegen seines islamkritischen Films ermordet worden war. Zitat im Netz: "Wir müssen Matt und Trey warnen, das das was sie machen, dumm ist und sie wahrscheinlich so enden werden wie Theo van Gogh". (heute online 22.4.2010)

Szenen aus der 200. Folge Southpark

Proteste gegen Zeichentrickserie "JC", 2010

Geplant war eine Serie mit Jesus, der als Durchschnittstyp in der heutigen Zeit lebt. Nachdem die Proteste gegen die Darstellung von Mohammed als Bär in "South Park" erfolgreich waren, forderten Christen in den USA bzgl. Jesus "Gleichberechtigung" und einen Stopp der Serie. Jesus war allerdings in "South Park" schon mehrmals aufgetreten. (Sdt. 5./6.6.2010)

F-Wörter und Nipple Gates, 2010

Janet Jackson umschrieb ihren legendären Auftritt beim Superbowl 2004 (sie zeigte für Sekundenbruchteile eine nackte Brust) mit einer "wardrobe-malfunction" ("Fehlfunktion ihrer Garderobe") und Bono, der Sänger von U2 bezeichnete den Gewinn des Golden Globe 2003 als "fucking brilliant" was u.a. zu einer Verschärfung der TV-Richtlinien führte. Der Kongress erhöhte die Geldstrafen auf 325000 Dollar. Als Folge feierten das "bleep" für F-Ausdrücke und "schwarze Balken" für Nacktes Triumphe. Zuweilen brachte die neue Verordnung aber auch Kuriositäten hervor. Ein Sender musste zahlen, weil in einer Serie gezeigte Kuhfladen mit dem Wort "Scheiße" bedacht wurden. (Sdt. 15.7.2010)



Mr. Robot Folge verschoben, 2015

Im August 2015 sollte beim USA Network eigentlich das Staffelfinale von Mr. Robot auf Sendung gehen. Nach dem Attentat, bei dem zwei Reporter in Virginia ums Leben kamen, entschloss sich das Network, die Folge um eine Woche zu verschieben. Denn: „Das gefilmte Staffelfinale von 'Mr. Robot' enthält eine drastische Szene, die den tragischen Ereignissen in Virginia ähnelt. Aus Respekt den Opfern, ihren Familien und Kollegen sowie unseren Zuschauern gegenüber, verschieben wir die heutige Episode. Unsere Gedanken sind bei all jenen, die in dieser schwierigen Zeit betroffen sind.“ (WN 28.8.2015)

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