Essen, Kochen, Rezepte

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Inhaltsverzeichnis

Bratpfanne "Emma", 1979

Eigentlich sollte die neue Bratpfanne "Minna" oder "Annette" heißen. Doch die negativen Assoziationen, so fanden die Werbeleute, "jemanden zur Minna machen" etwa oder "Grüne Minna", sprachen gegen den ersten Vorschlag. Und Annette klang ihnen "zu zerbrechlich, zu zierlich und zu feinfühlig". Das neue, spezialemaillierte Küchengerät der Firma Silit wurde deshalb "Emma" getauft. Denn "Emma", fanden die Werbestrategen, das klinge nach treuer Seele und echter Perle, damit assoziiere man Werte wie: "einfach, bieder, verläßlich, resolut und robust". Silit-Marketingchef Joachim Bullermann: "Wer Emma heißt, weiß eben, was im Haushalt Sache ist." "Emma" heißt jedoch auch ein Magazin für Frauen und als dessen Herausgeberin Alice Schwarzer von der namensgleichen Pfanne (Slogan: "Emma wird es nie zu heiß") hörte, reagierte sie. Für Alice Schwarzer war klar, daß da jemand den Zeitschriften-Namen ausnützen und "die Kennzeichnungskraft der Marke Emma zu zerstören, beziehungsweise zu verwässern drohte". Sie verlangte eine Unterlassungserklärung und ging vors Kölner Landgericht. Hinten auf der Schwäbischen Alb beteuerten die Silit-Manager ihre Unschuld. Sie "kennen zwar" Alice Schwarzer, "weil sie mal im Aktuellen Sportstudio aufgetreten ist". Aber daß die Bratpfanne mit dem Frauenmagazin ins Gehege kommen könne, darauf seien sie "bestimmt nicht gekommen". Auch bei Werbesprüchen wie "Emma hat was Gutes oben drauf" sei nicht an lebende Wesen oder jenes Blatt gedacht worden, und überhaupt: "Die Sympathisanten der Zeitschrift", sagt Bullermann nach eingehender Lektüre, "bilden, vorsichtig ausgedrückt, nicht die Zielgruppe unserer Werbung" Die Pfannenpropaganda hat schon rund eine Million Mark gekostet. Hauptwerbemittel sind Funkspots' in denen Marlene Dietrichs "Lola"-Lied aus dem "Blauen Engel" abgewandelt war: "Ich bin die fesche Emma. (Spiegel online 26/1979)

"Eier auf Kohl", 1991

Die Münchner Staatsanwaltschaft ließ 1991 rund 50 Plakate beschlagnahmen, auf denen der Koch Hubig "eigenhändig" ein Ei über einem Kohlkopf zerschlägt. Titel des Koch-Werkes: "Eier auf Kohl". Hubig glaubt sein köchelndes Tun gut abgesichert: "Nach Mozart wurde eine Kugel, nach Bismarck ein Hering benannt." Schließlich sei auch der frühere Innenminister Baum dem Baumkuchen nicht gram, obwohl es im Kochbuch heiße: "Zucker und Eigelb zurühren und tüchtig schlagen." Die Staatsanwälte fanden die Koch-Anregung weniger spaßig. Das Plakat nehme "erkennbar Bezug auf den Besuch des Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl" in Halle und sei eine "öffentliche Aufforderung zu Straftaten". (Spiegel 25 1991)

Weinetiketten: Pornographie-Vorwurf, USA 1996

Die Aktzeichnungen mit einem zehnjährigen Mädchen des Künstlers Balthus waren den weintrinkenden Amerikanern zu pornographisch. Eine Sprecherin des Weingutes Baronesse Philippe de Rothschild (Frankreich) verkündete deshalb 1996 den Druck neuer Etiketten für den 93er Jahrgang des Chateau Mouton Rothschild, der in die USA exportiert wurde. (Sdt. 14.12.1996)

Unzensiertes und zensiertes Etikett

Williamsbirnenlikör "Heltmut´s Birne, Ahlen 1997

Der Ahlener Spirituosenhändler Uwe Dahlhoff brachte 1997 in Anspielung an den damaligen Bundeskanzler diesen Likör auf den Markt, Auf dem Etikett war der Kanzler karikiert dargestellt. Mit der Bitte um "Einstellung der Verwendung der Etiketten" antwortete Kohl auf die Zusendung einer persönlichen Likörprobe. Dahlhoff, der sich schon den Likör "Ballermann6" hatte patentierten lassen, allerdings wollte davon nicht Abstand nehmen und zog sogar eine gerichtliche Auseinandersetzung in Betracht. (WN 4.4.1997)

Milchtüte ist kein Fahndungsplakat, 1997

Margarethe Schreinemakers mußte bei ihrer publicityträchtigen Initiative "Vermißte Kinder - Wir helfen suchen" auf die Hilfe der Polizei verzichten. Nach amerikanischem Muster wurde mit Fotos etwa auf Milch- oder Brötchentüten nach "mittel- bis langfristig verschwundenen Kindern" gefahndet. Von der Polizei verlangte Schreinemakers TV die Schaffung einer "Schnittstelle, die Fotos und Informationen bundesweit sammelt und zur Verfügung stellt". Nach Prüfung durch Polizeiexperten erteilte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Armin Jäger, dem Unternehmen eine Absage. Die "institutionalisierte Zusammenarbeit mit einem einzelnen Medium", schrieb Jäger an Schreinemakers, biete keinen Fahndungsvorteil, da die Polizei bei der Suche nach vermißten Kindern "von den Medien insgesamt in optimaler Weise unterstützt wurde". Neben der Verpflichtung zur Gleichbehandlung der Medien habe die Polizei auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zu berücksichtigen und hier speziell auch die Rechtsprechung zur "sogenannten gefühlsbetonten Werbung". (Spiegel 22 1997)

“Hitler“-Wein, Italien 2003

Protest steigert den Umsatz: Andrea Lunardelli, italienischer Weinhändler, der für seine bizarren Etiketten bekannt ist, freute sich 2003 über gestiegenen Umsatz. Nach Protesten aus Deutschland und Belgien gegen den „Hitler“-Wein zog die Nachfrage deutlich an. Schon sein „Mussolini“-Wein war ein Verkaufsschlager in Italien. Lunardelli sagte dazu: „Verklagt zu werden, war das Beste, was mir passieren konnte.“ Vorwürfe, er betreibe Werbung für die Nazis, wies er zurück, er habe auch Marken „Stalin“ oder „Idi Amin“ im Angebot: „Es ist schon seltsam, Stalin ermordete 15 Millionen Menschen“, so der Weinhändler, „und es gibt nicht das geringste Aufhebens um die Flasche. Aber bei Hitler und Mussolini muss ich vor Gericht.“ (Spiegel 52 2003)

Weinhändler mit "Hitler"-Wein

Bereits in den siebziger Jahren hatte der Neofaschist Valori in seinem römischen Lokal Wein mit dem M von Mussolini oder dem Parteizeichen der neofaschistischen Bewegung MSI (eine Flamme in den Nationalfarben)verkauft.

Valori mit Mussolini-Wein


Sündiges Eis, 2003

In den Niederlanden protestierten Katholiken gegen die Einführung von neuen Eissorten mit dem Namen "Die sieben Sünden". Die neuen Sorten, die Namen wie Eitelkeit, Habsucht, Rache oder Völlerei trugen, seien gotteslästerlich. Auch in Deutschland kam es zu Protesten und Boykotten, (MZ 4.2.2003)

"Starbuck"-Logo zu sexy,USA 2008

Das Logo für den Kaffee fand eine christliche Gruppe in San Diego zu aufreizend und rief deshalb zum Warenboykott auf. (mail online 30.5.2008)

Das umstrittene Logo

“Opus Dei“-Wein, Schweiz 2008

Der bislang „Opus Dei“ genannte Schweizer Rotwein musste umbenannt werden: ein Anwalt der päpstliche Personalprälatur Opus Die hatte die Winzer im Kanton Wallis auf die Änderung gedrängt. (Welt 12.1.2008)


Speisekarte: "Fürther Spezialrezept" für die CSU, 2008

Zur CSU Klausurtagung in Wildbad Kreuth wurde auf der Speisekarte des benachbarten Wirtshauses "Altes Bad" in Anspielung an die CSU-Rebellin Gabriele Pauli das "Fürther Spezialrezept" mit "zarten Lattexhandschuhen ausgerollt" angekündigt. Die CSU war nicht erfreut und verlangte eine Änderung. (MZ 9.1.2008)

"Fürther Spezialrezept"


Restaurant: „Hitler-Cross", Indien 2009

In Indien gibt es ein Restaurant mit dem Namen Adolf Hitler. Mit seinen Gerichten wolle er „so wie Hitler die Welt erobern“ erklärte der Besitzer die umstrittene Namensgebung, die er auch nicht ändern wolle. Insbesondere in Israel hatte sich Kritik geregt, zumal im Eingangsbereich des Restaurants auch noch ein Hitler-Poster aufgehängt war. An der Außenfassade von „Hitler Cross“ prangte ferner ein rot umrandetes Hakenkreuz. Anwohner sagten, der Inhaber habe vor der Neueröffnung mit dem Spruch geworben „Hitler kommt! (Netzzeitung 23.8.2009)

Kochbuch für Pasta "with salt and freshly ground black people", Australien 2010

In einem australischen Kochbuch wurde das Rezept für Pasta mit "Salt and freshly ground black people" angereichert. Der Herausgeber konterte die Forderung nach einem Neudruck mit dem Verweis, es sei doch keine Absicht gewesen und nur ein alberner Fehler. (daily mail online 18.4.2010)

Proteste wegen "Süt" ("Türk-Milch") Aufdruck auf Milch aus Österreich, 2010

Nachdem die niederösterreichische Molkerei (NÖM) in Baden bei Wien im August 2010 vor allem türkische Supermärkte mit Milch belieferte, die eine türkische Aufschrift trugen, setzte ein Proteststurm ein. Ähnlich wie bei der Minarett-Diskussion befürchteten viele Österreicher einen Vormarsch des Islam. (Kurier online 24.8.2010)

TV-Spott zu Mc Donald's mit einer Leiche, USA 2010

In den USA starteten 2010 Ärzte eine Kampagne gegen ungesunde Ernährung. U.a. wurde dazu ein Video für die beliebte "The Daily Show". Es zeigt einen übergewichtigen Toten im Leichenschauhaus, der einen halb gegessenen Hamburger in der Hand hält. Dann wird das berühmte gelbe M der Kette und "Ich liebte es" eingeblendet - eine Abwandlung des Werbespruchs "Ich liebe es". "Ein erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Herzinfarkte. Essen Sie heute Abend vegetarisch", sagt eine Stimme aus dem Off. McDonald's reagierte erbost. "Diese Werbung ist skandalös, verlogen und unseren Kunden gegenüber unfair", sagte Sprecherin Bridget Coffing. "McDonald's vertraut darauf, dass seine Kunden sich von dieser haarsträubenden Propaganda distanzieren und vernünftige Entscheidungen in Sachen Ernährung und Lebensweise treffen." (heute online de 15.9.2010) http://www.youtube.com/watch?v=zUxIXQza-dM (Consequences)

Galeriebesucher in Istanbul wegen Alkoholgenusses angegriffen, Türkei 2010

Wütende Anwohner von Istanbul haben die Besucher einer Kunstausstellung angegriffen, weil diese auf offener Straße Alkohol tranken. Fünf Menschen wurden verletzt, als etwa 30 mit Stöcken, Messern und Steinen bewaffnete Männer die Galeriebesucher im Viertel Beyoglu überfielen. Die Angreifer hätten auch Pfefferspray eingesetzt. Die meisten der hunderten von Gästen flüchteten sich in Kunstgalerien, bis die Polizei kam. Diese nahm nach Medienberichten niemanden fest. (Stern de 22.9.2010)

Christliche Ostereier von Geschäften zurückgewiesen, England 2010

Die Ostereier mit eindeutigem Bezug zu Jesus wurden von den englischen Geschäften hinsichtlich ihrer "Neutralität" geprüft. Vor allem große Ketten wandten sich dagegen, dass Lebensmittel mit eindeutig religiösen Botschaften für Kinder geeignet sind. (online 1.10.2010)

Keine ausländischen Gerichte im Fernsehen, Iran 2011

Von der Medienaufsicht wurde im Februar 2011 ein verbot ausgesprochen: in Kochsendungen dürfen keine ausländischen Rezepte präsentiert werden. Darunter allen auch die im Iran beliebten Pizzas und Pastas sowie Hamburger. (WN 7.2.2011)

Behörde untersagte Muttermilch-Eis, 2011

Eine Londoner Behörde zog im Februar 2011 die aus Muttermilch gemachte Sorte "Baby Gaga" aus dem Verkehr. Eine Sprecherin des Rates von Westminister City teilte dazu mit, man habe damit auf zwei Beschwerden reagiert. Darin hieß es, die Lebensmittelbehörde solle darüber entscheiden, ob aus Körperflüssigkeiten anderer Leute hergestelltes Eis gesundheitlich unbedenklich sei. Bis zur Entscheidung der "Food Standards Agency" durfte "Baby Gaga" nicht verkauft. Durch Muttermilch können Viren übertragen werden, beispielsweise das Hepatitis-Virus. Die gewöhnungsbedürftige Kreation war im Londoner Szenestadtteil Covent Garden angeboten worden. Verfeinert mit Vanille aus Madagaskar und geriebener Zitronenschale wurde das Dessert für 14 Pfund (umgerechnet etwa 16,80 Euro) pro Becher verkauft. Die Eissorte hatte sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Die erste Lieferung war nach kurzer Zeit ausverkauft. (Spiegel online 28.2.2011)

Ernährungsmesse Anuga: Stopfleber-Boykott, Juli/August 2011

Was in Frankreich zum Kulturerbe gehört, ist in Deutschland ein Straftatbestand: Stopfleber. Die weltweit führende Ernährungsmesse, die Kölner ANUGA, führt das tierquälerische Mastergebnis nicht mehr im Warenverzeichnis - und französische Produzenten und Politiker sprechen von "Diskriminierung" und "Scheinheiligkeit". (WN 2.8.2011)

Verbot von Ausschank von Sangria in Plastikeimern, Mallorca 2011

Um mehr "Qualitäts-Touristen" nach Mallorca zu locken wurde 2011 der Ausschank von Sangria aus Plastikeimern verboten.2912 sollte dann der zusätzlich der "exzessive Alkoholkonsum am Strand verboten werden.

Peta fordert neuen Namen für „Jägermeister“

Die Tierrechtsorganisation Peta Deutschland forderte 2012 den niedersächsischen Spirituosenhersteller Mast-Jägermeister SE auf, die Bezeichnung „Jägermeister“ aus Image- und Tierschutzgründen in „Waldmeister“ umzubenennen. Begründung: „Die Jagd ist in der heutigen Gesellschaft ein zunehmend umstrittenes Thema, und immer mehr Menschen hinterfragen völlig zu Recht die Sinnhaftigkeit der hinterhältigen Tötung in deutschen Wäldern, der Jahr für Jahr Millionen von Tieren zum Opfer fallen“, schrieb Peta. Hingegen sei „Der ,Waldmeister’ ... ein Heilkraut aus deutschen Wäldern und im Gegensatz zum ,Jägermeister’ mit einem positiven Image behaftet.“ (Der Westen 19.03.2012)

Rattenplage in New York: Forderung nach einem Essverbot in U-Bahnen, USA 2012

Weil in New York die Ratten sich immer weiter ausbreiteten und sogar in U-Bahnen auftauchten, forderte Bill Perkins, ein Senator des Bundesstaates New York, 2012 ein Eßverbot in U-Bahnen. Damit sollte den Ratten eine Nahrungsgrundlage entzogen werden. Der Vorschlag wurde aber zurückgewiesen, da insbesondere viele Kinder aus armen Familien nur dort frühstücken könnten. (Sdt. 12.6.2012)


Verbot: Blog übers Schulessen, Schottland 2012

Die Schülerin Martha Payne war mit ihrem kritischem Blog über das Schulessen recht erfolgreich. Der Verwaltung der schottischen Grafschaft Argyll, die für das Schulessen verantwortlich ist, ging die Kritik zu weit: sie belegte Martha mit einem Fotografieverbot. Die Schulleiterin habe sie am Donnerstagmorgen in ihr Büro gerufen und ihr gesagt, dass sie keine Bilder von den Schulmahlzeiten mehr machen dürfe, schrieb Martha in ihrem Blog "NeverSeconds". Die Gemeinde verteidigte zunächst ihre Entscheidung. Der Cateringdienst für die Schulen sei ungerechtfertigt attackiert worden, teilte das Argyll and Bute Council am Freitag mit. Mitarbeiter der Firma fürchteten nach hämischen Artikeln in der Presse um ihre Jobs. Deshalb habe das Council entschieden, das Fotografieren in der Kantine zu stoppen. Nach Marthas Eintrag über das Verbot, der mit dem Wort "Goodbye" beginnt, brach jedoch ein Sturm der Entrüstung los. Auf Twitter beschimpften unzählige Menschen die Behörde. "Es gibt wohl schottische Kommunalpolitiker, die brauchen dringend eine Umarmung. Mit einem Stuhl. Auf den Hinterkopf", twitterte ein Nutzer. Die Leserschaft des Blogs wuchs rasant. Das Verbot wurde zurückgenommen, (Sdt. 18.6.2012)


Sushi-Bar "Fukyu" muss Namen ändern, Montreal 2012

Ein Gericht zwang das Restaurant "Fukyu" dazu, seinen Namen zu ändern, weil dem kanadischen Hausbesitzer die sprachliche Nähe zu dem Kraftausdruck "Fuck you" zu sehr aufstoßen war. Daraufhin wurde der Name in ´Kabuki´ geändert. Der Eigentümer der Sushi-Bar hatte seine Namenswahl zuvor noch vor Gericht verteidigt: "Fukyu" sei ein Begriff aus japanischen Kampfsport-Arten. (Spiegel online 16.9.2012)


Sinti und Roma fordern Aus für "Zigeunerschnitzel", 2013

(FAZ 9. Oktober 2013) Bereits im August hatte das Forum der Sinti und Roma auf juristischem Weg versucht, Saucenhersteller davon zu überzeugen den Begriff "Zigeunersauce" nicht mehr zu verwenden. Die Bevölkerungsgruppe fühlte sich diskriminiert. Denn der Begriff "Zigeuner" sei insbesondere durch die NS-Vergangenheit negativ behaftet. Zudem habe die Sauce keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in der ungarischen. Zum Verbot des Begriffs kam es dennoch nicht. Die Hersteller betonten, dass sie jede Form von Diskriminierung ablehnten, eine Umbenennung käme aufgrund der langen Tradition aber nicht in Frage. Auch Verbände der Minderheit gingen auf Distanz. "Dass jemand allen Ernstes eine solch hanebüchene Beschwerde erhebt, war für uns bisher nicht vorstellbar", reagierte der Bundesrat der Jenischen Deutschlands. Zuvor hatte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erklärt, dass eine Umbenennung unsinnig sei und die eigentlichen Anliegen ins Lächerliche ziehe. Daraufhin ging das Forum der Sinti und Roma gegen Zigeunerschnitzel vor: Wenn die Bezeichnung der Sauce nicht rassistisch sein soll, dann wenigstens die Kombination mit dem panierten Schnitzel. Helfen sollte dabei ein Sprachforscher, erklärte der Anwalt des Forums Dündar Kelloglu. Bisher wurde jedoch noch kein Wissenschaftler für die Expertise gefunden. Währenddessen bekräftigte die Stadt Hannover ihre bereits früher beschlossene Verbannung der Begriffe "Zigeunersauce" und "Zigeunerschnitzel" von den Speisekarten städtischer Kantinen. Offenbar sieht die niedersächsische Landeshauptstadt tatsächlich rassistisches Potenzial in der uralten Bezeichnung für den Imbiss-Klassiker.

Der Kampf gegen die Zigeunersosse


Kein Bier mit Wal-Mehl, Island 2014

Die Gesundheitsbehörden in Island stoppten den umstrittenen Verkauf von Bier mit Walmehl. Die Walfang-Firma, die das Mehl herstellt, habe keine Lizenz gehabt, es für den Verzehr zu produzieren, sagte Helgi Helgason von der Behörde dem isländischen Rundfunk. „Deshalb müssen wir die Produktion stoppen.“ Eine Brauerei hatte das Bier in Zusammenarbeit mit der Walfang-Firma für das isländische Winterfest Thorrablot zwischen Mitte Januar und Mitte Februar gebraut. Das kleine Brauhaus „Stedji“ hatte das Bier als „sehr gesundes Getränk“ angepriesen, mit dem Menschen zu echten Wikingern würden. Der Besitzer sagte dem Sender RUV, ein Anwalt prüfe den Sachverhalt. „Falls es stimmt, müssen wir die Entscheidung akzeptieren.“ Das Mehl entsteht laut Tierschützern als Nebenprodukt beim Auskochen des Walfleisches zur Ölgewinnung. Die Walschutzorganisation „Whale and Dolphin Conservation“ begrüßte die Entscheidung. (WN 15.1.2014)

Der Kampf gegen die Zigeunersosse

"Lumumba"-Cocktail, 2014

2014 gab es eine Debatte darüber, ob der Name des Cocktails (benannt nach Patrice Lumumba, dem ersten Präsidenten der Republik Kongo) rassistisch sein. ( KulturSpiegel 4/2014)

Werbeverbot für Softdrinks, Mexiko 2014

Juli 2014 führte Mexiko ein schärferes Werbeverbot für kalorienhaltige Erfrischungsgetränke als jede andere Nation ein: Werktags zwischen 14:30 Uhr und 19:30 Uhr und an Wochenenden zwischen 7:30 Uhr morgens bis 19:30 Uhr abends darf für die Kaloriendrinks weder im Fernsehen noch in Kinos geworben werden. (FAZ 22.7.2014)

Aldi nimmt Seife mit Moschee aus dem Sortiment, 2015

2015 nahm „Aldi“ eine Seife aus dem Sortiment, auf deren Verpackung eine Moschee zu sehen ist. Vor allem Muslime hatten vorher zu bedenken gegeben, dass -Kuppel und Minarett-, „diese bedeutungsvolle Abbildung auf irgendeinem Gebrauchsprodukt“ unangebracht sei. "Aldi" reagierte und gab bekannt, dass die Flüssigseife „in Kürze nicht mehr in unseren Filialen erhältlich sein“ werde. Man sei künftig hinreichend sensibilisiert. (Cicero online 21.1.2015)

Unzensierte Aldi-Seife mit Moschee
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