Erotik und Pornographie

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Hans W. Ulrich: "Die Rasselbande contra Bösenberg" und der "unschamhafte" Wiederbelebungsversuch, 1955

In dem Buch rettete ein Junge ein Mädchen, das zu ertrinken drohte. Die beschriebenen und richtig durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen gerieten in das Visier von Jugendschützern. Das Buch wurde vor allem aus konfessionellen Büchereien wegen der "unschamhaften Szenen" entfernt. Im Zuge der Affäre um "Die Rasselbande" wurde auch die sog. "Geheimbundserie" von Gerhard W. Wolf aus vielen Büchereien zurückgezogen. Ihr wurde zuviel "Eigenständigkeit" in den erzählten Abenteuern der Jugendlichen gegenüber den Normen, Verboten und Mahnungen der Erzieher unterstellt. (Trödler Archiv)

"Unschamhafte" Lebensrettung in "Die Rasselbande contra Bösenberg"


"Pornoflut": Zöller verletzen Briefgeheimnis, 1969

Um der "Pornoflut" aus dem Ausland Herr zu werden, öffneten Zöllner auch 1969 noch Briefe und Päckchen,um sie auf ihren Unzuchtgehalt überprüfen, Sendungen einziehen und an die Staatsanwälte weiterleiten. Dabei war die Gesetzeslage undurchsichtig. Denn als der Bundestag mit dem EGO-WiG auch die Einfuhr unzüchtiger Schriften unter die Strafandrohung des Paragraphen 184 StGB stellte, hatte er es versäumt, die Kompetenz der Zollbehörden im Zollgesetz entsprechend zu erweitern. Stuttgarter Strafkammern vertreten deshalb schon seit Monaten die Ansicht, das Öffnen und Anhalten pornographischer Sendungen sei eine "durch eine andere staatliche Behörde erfolgte Grundrechtsverletzung". Die Schriften seien widerrechtlich erlangte Beweismittel, die nicht beschlagnahmt und im Strafverfahren auch nicht verwertet werden dürfen. So nimmt es nicht wunder, wenn immer mehr Bundesbürger -- von Staatsanwälten darüber informiert, daß an sie adressierte Porno-Sendungen angehalten und eingezogen worden seien -- dagegen Einspruch einlegen und von Unterschlagung reden. Ihre Eingaben haben immer häufiger Erfolg, und dem Kaufmann Götz Alt sprach das Kölner Landgericht gar Schadensersatz von Staats wegen zu, denn seine Bildheftchen waren schon in den Reißwolf gelangt. (Der Spiegel 47 1969)

Beanstandete Hefte

Tomi Ungerer: Fornicon, 1969/70

Die Porno-Satire erschien 1969 und wurde kurz darauf in England verboten. (Der Spiegel online)

Beanstandete Hefte

Lufthansa-Werbung mit Sex-Shop-Motiv, 1973

Weil die Lufthansa ihren Kunden "mal etwas zeigen wollte, was ungewöhnlicher als eine lächelnde Stewardess ist" rückte sie in eine Anzeige für Zeitungen in Europa ein Photo des Frankfurter Flughafen-Sex-Shops ein. Die Londoner "Times", der "Daily Telegraph" sowie die Fachblätter "Travel News" und "Interline News" lehnten eine Veröffentlichung mit der Begründung ab: Für einige unserer Leser beleidigend." (Spiegel 11 1973)

"Das liebste Spiel", 1970

oben: Ruhrzeitung 22.5.1970 - unten Rheinische Post 22.5.1970)

"Spiegel Nr. 37 1975: "Kino der Lüste"

"Widerlich" oder "unerträgliche Zumutung" waren nur einige Urteile, mit denen das Titelblatt (Szene aus "Geschichte der O") des "Spiegels" vom September 1975 in Leserbriefen bedacht wurde. (Spiegel 40 1975)

"Spiegel"-Titel: "Widerlich"

Geldnoten aus Swasiland: pornographisch

1975 ließ der König von Swasiland, Sobhuza II. eigene Swasi-Noten drucken, auf denen elf seiner Töchter barbusig zu sehen waren. Eine derartige zur Schau stellung galt damals im puritanischen Südafrika als pornographisch und wurde entsprechend verurteilt. (Spiegel 4 1975)

Oshima: "Im Reich der Sinne", 1976

Der Film wurde aufgrund des sog. Pornographieparagraphen 184, Abs. 3, wonach "pornographische Schriften, die Gewalttätigkeiten ... zum Gegenstand haben", in Herstellung und Verbreitung strafbar sind, nach der ersten Vorstellung beim internationalen Filmfestival "Berlinale" beschlagnahmt. (Spiegel 29 1976)

Szene aus "Im Reich der Sinne"

US-Hustler, 1977

Mit einem Paparazzi-Poster von Jackie O. oder Rubriken wie "Arschloch des Monats" hatte Flynt 1974 "Hustler" gestartet. Das Blatt, aus dem Stand erfolgreich. wurde zum Vorreiter eines neuen Typs von Sex-Magazinen, von denen sich mittlerweile fast zwei Dutzend in den USA durchgesetzt haben und die mit "genitalen" Nahaufnahmen aufwarteten. 2,5 Millionen Exemplare verkaufte Verleger Flynt 1977 monatlich von seinem "Hustler" (Preis in der Bundesrepublik: 13 Mark). 1977 wurde er aber wegen der Detailaufnahmen verurteilt. (Spiegel 9 1977)

Krach um „Simplicissimus“, 1981

“Zur Sicherung des Ansehens des Namens ´Simplicissimus´“ so verkündete der Chef des Langen-Müller Verlages, Herbert Fleissner, 1994 müsse er „den Titelbenutzungs-Vertrag fristlos kündigen“. Die zehnte Nummer des wöchentlich herausgegebenen wiederbelebten Satireblattes hatte mit einem Bild, auf dem Prinz Charles und Lady Diana besteigt, geschockt. Fleissner dazu: „Für Pornographie ist der Name „Simplicissimus“ zu schade.“ (Spiegel 26 1981)

„Simplicissimus“ zu "pornographisch"

Ernst Kahl: „Bestiarium Perversum“, 1985

Der eher linke Hamburger Bundbuch-Verlag wollte das Buch, eine Kuriositätensammlung „ungewöhnlicher Freundschaften“ zwischen Tier und Mensch – Mensch und Tier, nicht drucken, da es zu "sexistisch" und "pornographisch". Daraufhin erschien es bei Galgenberg. (Spiegel 30 1985)

Abbildung aus dem umstrittenen "Bestiarium" von Ernst Kahl



Lebensversicherungsgesellschaften Norwegen, 1985

Das Bild mit einem Rentnerpaar in Umarmung gehörte zu einer Werbekampagne der norwegischen Lebensversicherungsgesellschaften, die mit der Serie über Alte das Interesse an Pensionsversicherungen wecken wollte. Über das Pärchen im Bett entrüstete sich Olav Bratlie, Vorsitzender des Pensionisten-Verbandes: "Das grenzt an Pornographie." (Spiegel 4/85)

"The Sun": Das Mädchen von Seite 3, 1986

In der auflagenstarken Boulevardzeitung räkelten sich seit 1930 auf der Seite 3 Pin-ups, die allenfalls mit einem Slip bekleidet waren. Dagegen ging 1986 die Abgeordnete Clare Short mit einem Gesetzentwurf vor, der vorsah, den Abdruck von Fotos unter Strafe zu stellen, wenn diese Modelle "ganz oder teilweise nackt in sexuell aufreizenden Posen" posieren. Short begründete ihr Vorgehen mit dem Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Zahl von Sexualdelikten. Ihr Gesetzentwurf wurde zurückgewiesen. Daraufhin machten sich die Feministinnen in London zum Kampf bereit. Motto: "Wir wollen unseren Seite-3-Pimmel". (Spiegel16 1986)

Mädchen von Seite 3: "Es besteht ein Zusammenhang von Sex-Bildern und der steigenden Anzahl von Sexualverbrechen."

Emma: Porno-Ausgaben, 1987

Drei Ausgaben von "Emma" wurde 1987 vom Fachhandel weitgehend boykotiert - wegen "beispielloser pornographischer Darstellungen". * Die Frauen der "Emma"-Redaktion hatten die Ergebnisse ihrer Recherche in Pornostudios und den Produkten der Sexindustrie im Oktober, November und Dezember veröffentlicht. Dargestellt und gezeigt wurden u.a. "Eine Frau, die einer anderen den After leckt. Eine Frau, die in allen zur Verfügung stehenden Löchern Schwänze stecken hat." Gefordert wurde ein verbot der Pornographie. Doch trotz oder gerade wegen dieser mit drastischen Bildern unterlegten Aufklärungsarbeit weigerten sich viele Pressegrossisten und Händler die brisanten Nummer zu vertreiben, zumal die Münchner Anwälte Wolfgang Auer und Wolfdieter Kuner die Zeitschriften-Händler wissen ließen, dass insbesondere der Vertrieb der November-"Emma" strafbar sei. Das Frauenblatt, taten die Anwälte kund, verbreite bei seinem Kampf gegen den Sittenverfall selbst "harte Pornographie". Und dafür gelte nach Paragraph 184 Absatz drei Strafgesetzbuch ein "generelles Vertriebsverbot". Vor allem die Abbildungen auf der Seite 24, Spalten eins und zwei, erregten die Herren. Dort werden, wie der dazugehörige Text richtig vermerkt, "illegale Pornos mit Kindern und Tieren" gezeigt, die sonst nur "unter der Ladentheke" und in Sexshops zu haben sind. "Die gezeigten Bilder sind doch nur Zitate aus einschlägigen Magazinen", verteidigte sich "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer, "die Frauen gemeinhin nicht vertraut sind - aber deshalb zeigen wir das ja." Verunsichert verzichteten Großhändler bundesweit auf die Auslieferung der "Emma". Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) machte Front gegen die Ausgaben. Keine deutsche Publikumszeitschrift stellte VDZ-Sprecher Winfried Reske die "an sich begrüßenswerte" Antiporno-Kampagne, habe jemals "derartige oder auch nur annähernd vergleichbare Bilder" gezeigt. Die zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften sah das aber anders und verzichtete, "Emma" auf den Index zu setzen. "Eine kritische Auseinandersetzung mit der Pornographie ist erwünscht", sagte Oberprüfer Rudolf Stefen. Ob dazu Sodomie-Bilder sinnvoll seien, müsse der Staatsanwalt entscheiden. Aber auch die schritt nicht ein.(Spiegel 47 1987)

Emma 11 1987

Tempo: Vertriebsverbot in Bayern, 1987

"Tempo" brachte 1987 in seiner November-Nummer Enthüllungen über die Geschäfte mit harten Video-Pornos: "In fünf Millionen Wohnzimmern wird täglich gevögelt und geblasen - auf dem Bildschirm." Die bayrischen Grossisten erklärten Teile des Sexreports zur Pornographie mit der Folge, dass "Tempo" einen Monat lang in Bayern nur unter dem Ladentisch gehandelt werden durfte. Ganz nebenbei verschwand damit auch eine andere despektierliche "Tempo"-Geschichte, die in derselben Ausgabe gedruckt ist: ein Bericht über die Verbindungen zwischen dem Münchner Kommerzsender TV Weiß-Blau und Franz Georg Strauß, dem Sohn des bayrischen Ministerpräsidenten. Überschrift: "Strauß jr. - Alpen-Dallas im Bayernland."

Emma 11 1987

Jean-Marc Reiser: "Phantasien" und "Unter Frauen", 1988

Bernd Weber vom Jugendamt in Kassel entdeckte in einem Zeitschriften- und Buchladen neben Asterix auch "Machwerke härteren Kalibers" des französischen Cartoonisten Reiser. "Primitivste Sexualsprache", "schlimme Form der Frauendiskriminierung" und "Sodomie" wurden darin von im ausgemacht und entsprechend gegen die Filialleiterin Anklage wegen der "Verbreitung pornographischer Schriften" erhoben. Bundesweit schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, um mit geballter Staatsmacht gegen die Werke von Reiser vorzugehen. Dessen Werk sprang aber ausgerechnet Alice Schwarzer zur Weite, weil in seinen Werken "die Geschlechter-Verhältnisse offen(ge)legt" werden." (Spiegel 26 1988)

Beanstandete Zeichnung von Reiser

Spiegel-Titel Nr. 44 1988: Lieben Frauen Porno?

Das Titelblatt wurden von vielen Lesern als "pornographisch" eingestuft. (Spiegel 44/88)

Ungerer: "Die Empfängnis des Kaiserreichs", 1989

Die Veranstalter des 12. französischen Theaterfestivals "Perspectives" in Saarbrücken bestellten 1989 bei Tomi Ungerer ein repräsentatives Plakat zu bestellen. Doch was der Graphiker lieferte, löste Protest aus: eine Allegorie mit Napoleon und Marianne, betitelt "Die Empfängnis des Kaiserreichs". Dem damaligen SPD-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Koebnick erschien "die Frau als erniedrigtes Objekt zur Darstellung politischer Sachverhalte nicht geeignet", deshalb hat er die geplante großflächige Plakatierung des Ungerer-Werks untersagt. Festivalchef Marc Adam erhebt Protest gegen diese "Zensur", Künstler Ungerer macht sich seinen Reim darauf: "Zeigen ist verboten, wissen viele Toten." (Spiegel 10 1989)

"Stop-Aids"-Plakat: "Wir schützen uns, weil wir uns lieben", Schweiz 1994

Der Chef des Bundesamtes für Gesundheitswesen, Thomas Zeltner, wurde wegen eines Plakates für die Aids-Vorbeugung angezeigt: der Vorwurf - Verbreitung von Pornographie. In zahlreichen Landesteilen der Schweiz wurde die Plakate zudem beschmiert, abgerissen oder übersprayt. (Spiegel 38 1994)

Plakatauschnitt: "Stop-Aids"

Sterntitel Nr. 49 1994: Sex brutal

Das Titelbild wurde von vielen Lesern in Lesernbriefen als "pornographisch" eingestuft(Stern 49 1994)

Honecker und die Pornos, 1995

So sehr die DDR es mit der Zensur ernst nahm, vor allem wenn die Sachen aus dem Westen kamen, für die Politik galt das nur bedingt: Honecker ließ sich 4864 Videos für 1,3 Millionen West-Mark für private Zwecke in der Bundesrepublik besorgen. Viele Der Videos stammten aus dem Genre Softporno. U.a. befanden sich in seinem Besitz Werke wie "Black Emanuelle" (laut "Lexikon des erotischen Films" die Geschichte einer dunkelhäutigen Fotografin, die von einem weißen Ehepaar und anschließend von einem kompletten Hockey-Team vernascht wird.) oder "Die schwarze Nymphomanin". (Spiegel 33 1995)

Szene aus "Die schwarze Nymphomanin"

Porno-Report, USA 1996

Elf Damen und Herren erhielten 1996 den Auftrag, "Wesen und Ausmaß der Pornographie in den USA" sowie deren "Einfluß auf die Gesellschaft" zu untersuchen. Heraus kam ein 2000 Seiten dicker Untersuchungsbericht, in dem u.a. Fragen diskutiert wurden, welche Bedeutung die Intimität von einem Mann mit einem Huhn hat oder ob man "Sex mit einer Leiche haben darf, mit der man verheiratet ist?". Als Empfehlung gegen die fortschreitende "Sexualisierung der Gesellschaft" und der damit verbundenen verheerenden Folgen wurde u.a. empfohlen, bei Peepshow zukünftig die Kabinentüren auf zu lassen und Bürgerwehren zum Einsatz gegen Pornohändler einzusetzen. (Spiegel 29 1986)

"Stern"-Titel über die Fotos von Jock Sturges von jugendlichen Nackten, 1996

"Skandal oder Kunst?" lautete der Titel des Stern 25 1996zu den Fotos von Jock Sturges, der nackte Jugendliche ablichtet. Die Reaktionen u.a. in zahlreichen Leserbriefen fielen eindeutig aus: "Sexueller Mißbrauch beginnt bei Fotos wie denen von Hamilton und Sturges" oder "Toller Tip für sonnenheiße Pädophile. so können sie unter dem Deckmäntelchen der Kunst an Frankreichs Küsten ihr schäbiges Ding machen." (Stern 27 1996)

Umstrittener "Stern"-Titel

Andrea L'Arronge versus Playboy, 1997

Die TV-Schauspielerin Andrea L'Arronge zwang 1997 den Bauer Verlag per einstweiliger Verfügung dazu, die Oktober-Ausgabe des PLAYBOY aus dem Handel zu nehmen. Grund: die Veröffentlichung 21 Jahre alter Nacktfotos. (Spiegel 42 1997)

Holger Matthies: Schlossfestspiele, Ettlingen 1998

"Ordinär" und "äußerst geschmacklos", schimpften einige Bürger in der Lokalpresse, sei das neue Plakat für die Schloßfestspiele. Darauf kneift eine Frauenhand prüfend in eine Brustwarze - ein Ausschnitt aus dem weltberühmten Doppelbildnis zweier Edeldamen der Schule von Fontainebleau. "Wir brüsten uns nicht mit alten Erfolgen", ist auf dem Festspielposter zu lesen, der Text verweist unter anderem auf die Uraufführung von "Sofies Welt". Der CDU-Stadtrat Robert Seemann beschwerte sich über "die an der Brustwarze schraubenden Finger", die der Hamburger Grafiker Holger Matthies zum Hauptmotiv des Plakates gemacht hatte. "Ich kann mit dem Plakat leben", erklärte dagegen der Oberbürgermeister Josef Offele. Trotzdem diskutierte der Verwaltungsausschuß des Stadtrats über Aufhängen oder Einstampfen.(Spiegel 9 1998)


Lady Di, 1998

Im Internet gibt es jede Menge von Nacktfotos von Stars,die manipuliert worden sind, wie z.B. die Aufnahmen von Lady Di. Der Fake-Dedektiv Gillian Anderson spürt diesen Fällen auf http://www.lairofluxlucre.com/detective{index.html nach.

Foto von Lady Di manipuliert

Natasha Henstridge Pressefotos zu "Species2", 1998

Auf den ursprünglichen Pressefotos war die Oberweite der Schauspielerin noch deutlich zu erkennen, danach brachte MGM nur noch retuschierte Fotos heraus.

oben Original, unten klein retuschiert

Billy Corben: "Raw Deal - A Question of Content", 2005

Der Dokumentarfilm zeigt, wie schwer es u.a. sein kann, freiwilligen und erzwungenen Sex voneinander zu unterscheiden. Die Szenen in "Raw Deal" sind nicht gestellt, Corbens Film nutzt originales Amateurmaterial, gedreht 1999 im Wohnheim der Studentenverbindung Delta Chi. Die Studenten hatten Stripperinnen angeheuert, darunter die 27-jährige Lisa Gier King. 150 Dollar sollte sie für den Auftritt erhalten, plus Trinkgeld. Lisa strippte. Am nächsten Morgen gab sie an, vergewaltigt worden zu sein. Obwohl ein Video über den gesamten Ablauf vorliegt, lässt sich nicht eindeutig sagen, wo die Grenze zwischen Freiwilligem und Erzwungenen genaue verläuft. Deutsche Sender lehnten die Hard-Core-Szenen des Films ab, im britischen und im niederländischen Fernsehen hingegen wurde der Film ungekürzt gezeigt. (Spiegel 37 2005)

Hard-Core-Szenen aus "Raw Deal"

Béla Faragó: "Wollust", Erlangen 2010

Der Nürnberger Künstler malte in sieben drastischen Bildern die Todsünden. Auf dem Bild "Wollust" zeigte er eine nackte Frau mit gespreizten Beinen, daneben zwei Männern mit erigiertem Penis. Das brachte dem Künstler den Vorwurf der Pornographie ein. Proteste führten dazu, dass das Bild an Sonntagen verhüllt werden sollte. (WN 13.3.2010)

Béla Faragó: "Wollust"

Facebook und die Brustwarzen einer Puppe, 2010

Das Social Network überbalkte die Brustwarzen der Puppe "Ophelia", die die Schmuck-Designerin Victoria Buckley ins Netz gestellt hatte. Bereits früher hatte Facebook die Bilder einer stillenden Mutter entfernt. Nach Protesten der User (Fangruppe "Rettet Ophelia" lenkte Facebook ein und zeigte die Bilder wieder. (Kurier.at 12.7.2010)

Die Puppe "Ophelia"

Solistin fliegt wegen Nacktfotos aus dem Wiener Staatsballett, 2010

"Schockiert" war man im Wiener Staatsballett: Die Ballerina Karina Sarkissova ließ sich nackt in einem Magazin ablichten.Die Solistin war bereits wegen anderer Nacktfotos verwarnt worden. Nach der Veröffentlichung neuer Aufnahmen wurde sie gefeuert. Der Direktor störte sich besonders an der Titel-Aufschrift "Die nackte Ballerina - Ballett wie wir es lieben". Der Vorfall sei in der Geschichte der Staatsoper einzigartig. Meyer, der sein Amt erst nach Sarkissovas Rauswurf angetreten hatte, kündigte ein Treffen mit der Tänzerin an, um ihre Darstellung zu hören.Gegenüber österreichischen Medien sagte sie nach ihrem Rauswurf, sie fühle sich als Frau diskriminiert. (zdf online 8.10.2010)

Die Schauspielerin Sibel Kekilli und die „Bild-Zeitung, 2004/05/10

Als im Februar 2004 auf der Berlinale der Film „Gegen die Wand“, in dem Kekilli die Hauptrolle spielt, den „Bambi“-Preis gewann, enthüllte „Bild“, dass die Schauspielerin früher in Pornofilmen mitgearbeitet hatte. Diverse Nacktfotos reicherten die Story an. Daraufhin protestierte der Presserat, und Kekilli erwirkte gegen „Bild“ vor dem Kammergericht Berlin eine einstweilige Verfügung mit Strafandrohung bei neuerlichem Abdruck von Fotos aus Pornofilmen (250 000 Euro oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten). Das Gericht sah in einem im veröffentlichten Foto von „Bild“ (2. November) eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Kekilli ist darauf beim Geschlechtsakt zu sehen. Das Foto wurde mit einem Zitat der Jury des „Bambi“-Preises versehen: „Eindringliche Darstellung“. Auch hier urteilte das Gericht eindeutig, Kekilli sei in „höhnischer Weise herabgesetzt“ worden. Sie selbst bezeichnete den Vorgang bei der „Bambi“-Gala als „Medienvergewaltigung“. (Spiegel 9 2004/Sdt. 29 und 30.1.2005)

Sibel Kekilli: Szene aus einem Porno

2010 wurde damm dem Sender RTL gerichtlich verboten, Szenen aus den Pornofilmen mit Kekilli zu zeigen. RTL hatte in dem Magazin "Exklusiv eine Szene gezeigt, in der Kekilli Sex hat. In der einstweiligen Verfügung gegen den Sender hieß es, dass Kekilli es nach so vielen Jahren nicht mehr zu dulden habe, dass diese Szenen im Fernsehen ausgestrahlt werden. (Spiegel 39 2010)


"Daniel Stamm: "Der letzte Exorzismus" , Uk 2010

Die britische Werbeaufsichtsbehörde verbot im November 2010 das Plakat zu dem Horrorfilm, da es den Eindruck erwecke, dass das auf dem Plakat gezeigte Mädchen Opfer eines Sexualverbrechens geworden sei. (Sdt. 5.11.2010)

Playboy-App ohne Nackte fürs iPad, 2010

Das Männer-Magazin Playboy brachte 2010 eine neue App für das iPad heraus. Wegen Apples strenger Züchtigkeits-Vorschriften allerdings ohne den ansonsten wichtigsten Inhalt: Nackte Frauen. Die App bietet daher weitgehend alle Texte des Magazins, nur nicht alle der Abbildungen. Stattdessen wird man vielleicht Videos erwarten. Diese sind laut ersten Tests jedoch gut versteckt und bieten ebenfalls keine nackten Tatsachen. (Kurier 13.12.2010)


Museum für Volljährige, Paris 2010

Wer die freizügige Schau „Kiss the Past Hello“ in Paris sehen wollte, wurde kontrolliert. Denn die Fotos und Filme des US-Künstlers Larry Clark im Pariser Museum für Moderne Kunst waren für Minderjährige nicht zugänglich. Das Museum hatte sich für diese ungewöhnliche Maßnahme entschieden, weil es Proteste fürchtet. Präsentiert wurden über 200 zum Teil nie gezeigte Originalabzüge, die Clarks gesamtes Provokationsspektrum abbilden. Die Fotos zeigen u.a. masturbierende oder kopulierende Jugendliche, halbstarke Teenager, die mit Waffen spielen, oder Schwangere, die Drogen spritzen. Zuvor hatte der Künstler mit „Kids“ für Aufregung gesorgt. Der Kinofilm von 1995 handelt von HIV-infizierten Jugendlichen und zeigt Minderjährige beim Sex. (Spiegel 40 2010)

Surrend: Margrethe II. und der Gruppensex, Dänemark 2010

Margrethe II.wurde 2010 Opfer einer pornografischen Kunstattacke. Das Kopenhagener Aktionskünstlerduo Surrend malte Dänemarks oberste Familie beim Gruppensex. Für eine Ausstellung in einem Århuser Museum, dessen Schirmherrin die Königin ist, wurde das majestätsbeleidigende Gemälde nicht angenommen. Jan Egesborg von Surrend klagte, das sei "Zensur": "Die Meinungsfreiheit in meinem Land gilt nur, wenn man sich über Muslime lustig machen will." Er fand eine andere Ausstellungsstätte - die deutsche Galerie Caricatura in Kassel erklärte sich bereit, das umstrittene Werk ausstellen. (Spiegel 42 2010)

Skandal an türkischer Uni Das Pornoprojekt, Türkei 2011

Ein Student der Istanbuler Bilgi-Universität reichte als Abschlussarbeit einen Porno ein, was zu einem massiven Streit führte. Der Student Özgün drehte einen Film, den er das "Pornoprojekt" nannte und der unter anderem einen Mann und eine Frau beim Sex zeigt. Die Arbeit wurde mit der Note "D" bewertet, was als "beinahe nichtbestanden" zu werten ist. Dem Magazin Tempo erschien der Akt studentischer Rebellion dennoch so interessant, dass sie ein Interview mit Özgün abdruckte, in dem der frisch Graduierte seine Motivation offenbarte: "Ich wollte die Grenzen akademischer Freiheit austesten." Dann begann ein Medienwirbel, den drei akademische Betreuer Özgüns nicht überlebten: sie wurden gefeuert unter Ihsan Derman, den Dekan und Gründer der Fakultät. "Und hier beginnt der eigentliche Porno", heißt es in Radikal. Bislang gibt es keine offizielle Erklärung, die Unileitung hatte die Dozenten gar nicht persönlich informiert, sondern die Kündigungen einfach im Emailverteiler bekannt gemacht. Danach tobt eine Debatte um akademische Freiheit. (süddt.de 12.1.2011)

Der Papst und die Pornos: Kirche verkauft Weltbild-Verlag, Nov. 2011

Der katholische Verlag Weltbild-Verlag war in die Schlagzeilen geraten, weil er nicht nur mit religiösen Büchern Geld verdiente, sondern auch mit Erotik-Medien. Der Streit um das Erotikangebot von Weltbild war im Oktober 2011 nach einem Bericht des Fachmagazins "buchreport" ausgebrochen. Demnach waren bei Weltbild unter dem Stichwort Erotik mehr als 2.500 Titel zu finden. Die katholische Kirche reagierte mit der Ankündigung, "den Vertrieb möglicherweise pornografischer Inhalte" unterlassen zu wollen. Tatsächlich ergab die Suche mit dem Stichwort Erotik bei weltbild.de kurz nach der Veröffentlichung keine Treffer mehr. Schließlich forderte der Kölner Kardinal Joachim Meisner, dass sich die katholische Kirche von Weltbild trennen soll. "Dafür gibt es für mich gar keine Alternative", sagte er. Es gehe nicht, "dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen". Das sei skandalös. Hier sei "die Welt in einer Weise in die Kirche eingedrungen, die schlicht nicht zu akzeptieren ist". Daraufhin beschlossen die Gesellschafter des Verlags, dass die organisatorischen Maßnahmen für einen Verkauf "ohne jeden Verzug" aufgenommen werden sollen. Die Verlagsgruppe gehört zwölf deutschen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Die Verlagsgruppe hatte den Vorwurf, sie verkaufe Pornografie, Ende Oktober zurückgewiesen. Pornografie sei rechtlich ein eindeutig definierter Begriff, hieß es in einer Stellungnahme. Weltbild biete in seinem Sortiment keine Pornografie an und habe dies auch noch nie getan. (heute de. 22.11.2011)

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