Briefmarken

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Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Rote Adenauer-Marke, 1968

Zum ersten Todestag vom ehemaligen Bundeskanzler Adenauer sollte am 19.4.1968 eine scharlachrote Marke mit dem Bild von Adenauer erscheinen. Die Farbwahl mißfiel der Politik und die Ausgabe wurde vor dem Ersttag gestoppt. Drei Monate später erschien am 19.7. eine bildgleiche orangefarbene Marke. Die in wenigen Exemplaren bereits in Umlauf geratene rote Marke wird von Sammlern sehr gesucht. (FAZ 23.11.2010

Missliebige Briefmarken, 1968/69

Ein Brief des Oberhausener Architekten Paul Steven an einen Adressaten in der Sowjetunion wurde aufgrund mißliebiger Briefmarken in einem anderen Umschlag mit anderen Marken zugestellt. Nicht gefallen hatte den Sowjets eine Serie mit Marken "Brandenburger Tor". Der sich in einem anderen Umschlag mit anderen Marken schließlich korrekt zugestellte Brief, war zunächst vom Auslandspostamt in Moskau mit dem roten Stempel "retour" an die deutsche Gegenstelle in Hannover zurückgeschickt und dort ohne die beanstandeten Marken neu versendet worden. Dies war kein Einzelfall. Auch andere Briefmarken wurden zurückgewiesen, so der Einzelwert „Zwanzig Jahre Vertreibung“ (1965), oder die sog. "Vertriebenenmarken". Die Tschechoslowakei schickte Brief mit solchen Marken zurück, Polen beschlagnahmte sie, die DDR überpinselte die Marken mit Farbe, stellt aber die Briefe zu und auch China verweigerte per Stempel die Annahme. Einig in der Ablehnung bestimmter Motive zeigte sich das sozialistische Lager auch im Fall von drei Wertzeichen der Dauerserie „Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten (ab 1964). Polen z.B. protestierte beim Weltpostverein in Bern gegen die Werte "Stettin/Pommern" (5 Pfg), "Königsberg/Preußen (90 Pfg) und Löwenberg/Schlesien (2 Mark), weil diese Briefmarken geeignet seien „Zwietracht zu säen und die Beziehungen zwischen den Ländern zu verschlechtern, indem sie die jetzigen Grenzen in Mitteleuropa in frage stellen“. Als im Spätherbst 1968 die Marken der Serien „Brandenburger Tor" und „Das neue Berlin“ u.a. die West-Berliner Bauwerke wie "Das jüdische Gemeindehaus" (30 Pfennig) und "Die technische Universität" (70 Pfennig) zeigten, wurde diese von den Sowjets für "unerwünscht" erklärt. Die Berliner Marken wurden allerdings nur retourniert, wenn sie auf Sendungen aus der Bundesrepublik klebten, da man BRD und Berlin als getrennt betrachtete. Nicht befördert hingegen wurden generell einige Werte aus der Dauerserie „Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten", wie die Marken "Dresden Sachsen" (10 Pfg), "Neubrandenburg" (60 Pfg)und "Wittenberg" (1 DM), weil sie Motive aus der DDR zeigten. Schließlich wurden von den Sowjets auch Motive der Erinnerungsmarken „50 Jahre deutscher Luftpostverkehr“ zurückgewiesen wie eine Marke mit der Ju 52, schließlich flog die abgebildete Ju Nummer D 2201 Hitler 1932 auch zu seinen ein Wahlkampfauftritten. Ebenfalls, aber aus anderen Motiven, fiel der Sonderwert „Jahr der Menschenrechte" 1968 in Ungnade. (Spiegel: 14 1969)

Von der Sowjetunion abgelehnte bundesdeutsche Briefmarken

Städtewerbung Berlin „Was macht ihr nun?“, 1968/70

Mit einer teuren Werbekampagne wollte die Stadt Berlin das eigene Image aufpolieren. Über eine Frankfurter Werbeagentur wurde deshalb u.a. Ende 1968 eine überregionale Anzeige mit dem Titel „Berlin, was machst Du nun?“ geschaltet. Darauf waren die Postwertzeichen mit den Köpfen von Ebert, Reuter, Hindenburg und Hitler treuherzig nebeneinander montiert. Nach entsprechenden Reaktionen auf diesen Fauxpas wurde die Anzeige zurückgezogen.

Städtewerbung Berlin 1968

Nicht zensiert: fiktive Porno-Briefmarke, 1974

Unbemerkt von der Post wurde wurde fiktive Pornobriefmarke abgestempelt und der Brief dem Adressaten zugestellt. Motiv der Marke: eine Gruppensex-Szene. (Spiegel: 28 1974)

Fiktiv-Briefmarke mit Gruppensex-Motiv

"Faust"-Briefmarke 1979

Der Fuldaer Graphiker Heribert Burkert wurde 1979 von der Bundespost mit der Gestaltung einer Sonderbriefmarke zu „Doctor Johannes Faust" beauftragt. Angeblich lehnte er seine Deutung des Mephisto an einen Holzschnitt aus dem Jahr 1616 an. Nach Sichtung durch den Kunstbeirat wurde Burkert empfohlen, den deutlich erigierten Penis des Satans etwas unauffälliger zu gestalten. Der Künstler entsprach der Auflage der Jury und kürzte das besagte Objekt um "schätzungsweise vier Zentimeter“. Damit nicht genug: Die eigentliche Vorlage stammt nicht aus dem Jahr 1616, sondern aus dem Jahr 1566 und die hatte nichts mit Faust zu tun. (Spiegel: 48 1979 und 50 1979)

Unzensierte (mit Penis) und unzensierte Fassung einer Briefmarke der Bundespost zu "Faust"
Vorlage zum "Faust"-Motiv: Ludovicus Milichius, Zauber-Teuffel", 1566

Verbotenes Friedenszeichen, 1983

Umweltschützer von Greenpeace durften ihre Briefe nicht mit dem internationalen Friedenszeichen stempeln. Die Bundespost fürchtete Schwierigkeiten mit ihren Briefträgern, vor allem weil z.B. ein „Peace“-Zeichen „einen politischen Inhalt“ hat und weil es „die Äußerung zu einer aktuellen Frage darstellt.“ Es „verkörpert und zielt auf ein Bündel politischer Aktivitäten“ etwa „das Einstehen für die Nuklearabrüstung sowie die Kritik an Rüstungskonzepten.“ Das ging Post zu weit. Denn Freistempel durften nach Paragraph 13 der Postordnung „Vermerke politischen Inhalts“ nicht enthalten“ und sind „aus Gründen der Neutralität und Objektivität“ zu unterlassen. Auch ein Stempel des BBU wurde aus diesem Grund abgelehnt, Genehmigt wurde hingegen ein Ministerial-Stempel mit einem Aufdruck zur "Volkszählung" 1983. (Spiegel 13 1983)

Abgelehntes "Peace-Zeichen
Abgelehnter BBU-Stempel
Zugelassener Stempel zur Volkszählung

Sonderbriefmarke des Neo-Nazis Michael Kühnen, 1997/98

Neonazis verbreiteten mit Billigung der Post eine "Gedenkbriefmarke" für den im April 1991 verstorbenen Neonazi-Führer Michael Kühnen. Die Marke wurde von dem früheren Kühnen-Stellvertreter Thomas Brehl in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren verbreitet. Schalterbeamte hatten sich zwar mehrfach geweigert, Briefe zu befördern, die mit dem Kühnen-Konterfei verziert waren. Auf Anfrage Brehls erklärte jedoch die Zentrale Kundenbetreuung der Generaldirektion der Deutschen Post AG, die Kühnen-Marke sei als Briefschmuck prinzipiell zulässig. Eine Bestimmung, wonach politische oder religiöse Parolen auf der Anschriftseite von Briefen verboten seien, gelte seit 1991 nicht mehr. In einem Merkblatt klärte die Post Brehl zusätzlich auf, dass die Neonazis ihre Sondermarke oben links auf dem Kuvert anbringen müssten, um Verwechslungen mit der regulären Briefmarke zu vermeiden. Das Schreiben endet mit der freundlichen Bemerkung: "Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Informationen behilflich sein konnten." (Spiegel 2 1998)

Briefmarke für den Neo-Nazi Michael Kühnen

Weihnachtsbriefmarken Weihnachtsmarken und christliche Symbolik, 2015

Verzichtet die Post absichtlich auf christliche Symbolik? Die Antwort auf diese Frage wurde 2015 von einem Leser der FAZ gestellt. Die Redaktion ging deshalb der Frage nach, weshalb die Deutsche Post seit „drei bis vier Jahren“ bei der jährlich erscheinenden Weihnachtsbriefmarke auf die Abbildung christlicher Symbole verzichte und stellte diese Frage an die Post. „Während bis dahin auf der Marke die Geburt Christi dargestellt wurde, meist in Kopie eines Altarbildes, ist seitdem jeder Hinweis auf die christliche Religion verschwunden“, schreibt der Leser. Die diesjährige Marke zum Beispiel zeige „ein erleuchtetes Gebäude, das wohl eine Kirche sein soll“. Doch der Turm trage kein Kreuz, sondern eine Kugel. „Schafft sich Deutschland auch auf diese subtile Weise ab?“, endet der Leserbrief. Die Recherche ergab zunächst, dass die Post mit Blick auf die Motive der allermeisten Briefmarken der falsche Ansprechpartner ist. „Herausgeber ist vielmehr der Bundesminister der Finanzen, der in einem festgelegten Verfahren unter Einbeziehung eines Programms und eines Kunstbeirats über die Motive entscheidet“, heißt es bei der Post in Bonn. Das betreffe auch die offiziellen Weihnachtsmarken mit Zuschlag, die vom Finanzministerium und in Absprache mit den Wohlfahrtsverbänden gestaltet werden. „Im Übrigen ist es letztlich wohl Interpretationssache, denn viele, wenn nicht die allermeisten Betrachter werden eine ,Singende Kirchengemeinde‘ wie auch in den Vorjahren den ,Stern von Bethlehem‘ oder die ,Heiligen Drei Könige‘ vermutlich durchaus mit der christlichen Religion in Verbindung bringen“, glaubt man bei der Post. Und letztlich muss wohl jeder selbst entscheiden, ob diese Motive nicht doch in ihrem Kern Hinweise auf die christliche Religion sind – oder ob sie schon, bewusst oder unbewusst, für die Angehörigen einer Vielzahl von Religionen „weichgespült“ wurden. (FAZ 7.12.2015)

China

Briefmarkenverbot während der Kulturrevolution, China 1969

Während der Kulturrevolution verurteilte Mao das Briefmarken-Sammeln als „westlich-dekadent“. Er löste die staatliche Versandstelle für Briefmarken auf und ließ Briefe ins Ausland nur noch mit Stempeln freimachen. Im Inland kursierten dafür Politmarken. (Spiegel 14 1970)

Politmarke von 1969


Italien

Jux-Briefmarken: "1. Tag der Briefmarken-Fälscher", 1992

Drei arbeitslose Neapolitaner fertigten zum Zwecke der Verwendung, was selbstverständlich verboten ist, in den neunziger Jahren zahlreiche Jux-Briefmarken an - die von der Post anstandslos abgestempelt wurden. Die Zeichnung eines Penis (samt Schriftzug "19. März - Vatertag") gehörte dazu ebenso wie eine Fälschung mit der provokanten Aufschrift "1. Tag der Briefmarken-Fälscher". Erst ein Buch mit "160 Briefmarken, die Italien erschütterten", sorgte für eine entsprechende Öffentlichkeit. Dass Sujets wie der "Tag der Mafia" oder ein "Kongress der Flöhe auf den Hunden" keinen Beamten stutzig machten, erklärt Neapels Postdirektor wie folgt: Eine detaillierte Porto-Prüfung sei "bei den zahlreichen postalisch verewigten Jubiläen wohl zuviel verlangt". (Spiegel 7 1992)

England

Briefmarke mit IRA-Slogan, 1972

Die nordirische IRA überdruckte die offiziellen Briefmarken der englischen Post mit eigenen Protestslogans wie "I gCuimnhe Dhoire 30-1-72" ("In Erinnerung an Derry"), die z.B. an das Massaker im Januar, bei dem 13 Menschen getötet wurden, erinnern sollten. Die englische Post bemerkte es nicht und beförderte die Briefe ohne Zensur. Sie wurden zu begehrten Sammlerstücken. (Spiegel 16 1972)

Briefmarke mit IRA-Slogan

Churchill mit Zigarre und ohne Maschinenpistole, 1974

Die britische Post brachte 1974 eine Marke zum hundertsten Geburtstag von Winston Churchill heraus, die ihn zwar mit seiner obligatorischen Zigarre zeigt, aber nicht mehr der Maschinenpistole, die er auf der Vorlage (Foto) in den Armen hält. (Archiv Spiegel)

Briefmarke und Vorlage

Hochverrat: Briefmarken mit Motiven der Königen umgedreht geklebt, England, 2009

Aufgrund des Treason Falony Acts von 1848 kann in England immer noch als Hochverrat gewertet werden, wenn man eine Briefmarke mit dem Porträt der Königin auf dem Kopf stehend aufklebt. Die Bestimmung sollte Monarch und Krone schützen und wurde nie offiziell aufgehoben. Als Strafe droht im Höchstfall lebenslange Haft. (Sdt. 13.8.2009)


Frankreich

Marianne Briefmarke, 2013

Die neue "Marianne"-Briefmarke sorgte 2013 in Frankreich für Diskussionsstoff: Die Nationalfigur der Französischen Revolution ähnelt Inna Schewtschenko, Aktivistin der ukrainischen Frauenbewegung Femen. Eine kleine konservative christliche Partei rief nach der Enthüllung der Briefmarke zum Boykott auf. Designer Olivier Ciappa sagte, der Kopf sei "eine Mischung realer Personen", die bekannte Femen-Aktivistin allerdings nicht die "einzige Inspiration". Die als Nationalsymbol verehrte "Marianne" verkörpert Freiheit und die französische Republik. (heute online 16.7.2013)

Mexiko

"Bimbo"-Marke 2005

Die Karikatur über Schwarze löste in den USA eine Welle der Empörung aus und sorgte für diplomatische Verwicklungen. (Sdt. 25.7.2005)

Beanstandete Briefmarke aus Mexiko
Beanstandete Briefmarken aus Mexiko

Palästina

Guerilla-Post: Kampftätigkeit der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP). 1970

Die Gruppe, die durch zahlreiche Flugzeugentführungen bekannt wurde, brachte 1970 eigene Briefmarken mit Motiven über den Kampf und Anti-Israel-Symbolen heraus. Jordanien und der Weltpostverein verweigerten die Anerkennung. (Spiegel 44 1970)

Briefmarke der PFLP

Schweden

Rüge wegen "Saufmotiv", Schweden 1977

Ove Rainer, Generaldirektor der schwedischen Post, wurde im schwedischen Reichstag wegen eines „Saufmotivs“ auf einer Briefmarke gerügt: die Marke zeigt den verstorbenen schwedischen Sänger Calle Schevens und die Noten seiner bekanntesten Lieder - „Da mische ich friedlich den Kaffee in den Schnaps“. (Spiegel 5 1977)

Briefmarke mit "Saufmotiv"

Seychellen

Sex-Briefmarke

Die Briefmarke in Verbindung mit der Königin sieht erstmal harmlos aus: ist sie - ob zufällig oder gewollt, sei dahingestellt, aber nicht: Die Palmenblätter fügen sich zu dem Wort "Sex".

Briefmarke: Palmen zu SEX

UN

Briefmarke zur Verbrechensbekämpfung,1990

Heftige Vorwürfe mussten sich die Vereinten Nationen gefallen lassen, nachdem sie eine Briefmarke aus der Serie "Verbrechensbekämpfung" herausgegeben hatten, auf der orthodoxe Juden mit schwarzen Hüten zu sehen waren, wie diese gerade Diebesgut wegschafften. „Millionen von Juden in der ganzen Welt“, so lautete der Protest, würden dadurch beleidigt. (Spiegel 38 1990)

UN-Briefmarke zur Verbrechensbekämpfung

Jackson Pollock als Nichtraucher, 1999

Zu Ehren von Pollock wurde 1999 in den USA eine Briefmarke herausgegeben, die den Maler bei der Arbeit zeigt, allerdings ohne Zigarette, die der bekennende Kettenraucher auf der Fotovorlage im Mundwinkel hatte. (Spiegel 7 1999)

Briefmarke: Pollock ohne Zigarette
Vorlage: Pollock mit Zigarette

USA

Briefmarke zur Erinnerung an die Französische Revolution, 1988/89

Für eine Briefmarke zur Erinnerung an die Französische Revolution vor 200 Jahren wählte der U.S. Postal Service als Motiv die Liberte von Delacroix aus. Auf den Vorlagen für die Marke fiel aber ein wichtiges Detail behördlicher Prüderie zum Opfer: Dem über dem Mieder wogenden baren Busen der Freiheit fehlt der Nippel. Man habe sich, so ein Sprecher der Post, nur an der französischen Marke orientiert. Frankreichs Postler hingegen waren entschlossen, die wahre Blöße des Originals zu zeigen.

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