Andere Länder - andere Sitten

Aus Zensur Archiv

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Inhaltsverzeichnis

Ägypten

"Tausendundeine Nacht", 1985

1985 wurde die Urfassung des Klassikers in Ägypten beschlagnahmt, da das Werk ein "Instrument zur Zerstörung der Volksseele" (Sprecher des Kairorer Sittengerichts) sei. Das Buch wurde als "pornographisch" eingestuft ("Verbrennt dieses Buch vor allen Leuten auf einem großen Platz", so der Staatsanwalt) (Spiegel 21 1985)

Illustrationen aus "Tausendundeiner Nacht"

2010 folgte dann ein juristischer Vorstoss: Rechtsanwälte wollten das Buch verbieten und bereifen sich dabei auf die ägyptische Gesetzgebung: Bei Büchern, die gegen den öffentlichen Geschmack verstoßen, sieht das Recht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren vor. (Sdt. 7.5.2010)

Titelblatt des „Spiegel“: zuviel Nackte, 2000/2008

Der „Spiegel“ Nr. 10 2000 wurde in Ägypten zensiert: Die Titelgeschichte über die Singles war ursprünglich mit nackten Frauen und Männer ins Szene gesetzt - Brust und Genitalbereich der Dargestellten wurden einfach überbalkt. (Spiegel 15 2008)

Magdy el-Shafee, Comic „Metro“, Ägypten 2009

Zwei bis drei Bilder mit nackten Brüsten und eine relativ freizügige Sprache haben das Buch zu einem Politikum gemacht und Verleger samt Zeichner vor Gericht gebracht. Metro ist eine dramaturgisch zugespitzte Alltagsgeschichte, die von der Sittenpolizei 2008 beschlagnahmt wurde. Zu dieser Zeit saß der Verleger Sharqawy gerade mal wieder im Gefängnis. (Sdt. 6.4.2009)

Nackte Studentin erzürnt Ägypter

Rote Lackschuhe, Nylonstrümpfe, eine Schleife im Haar - bis auf diese Utensilien posierte Aliaa Magda al-Mahdi, Studentin der Kunst- und Medienwissenschaften, im Netz und brach damit ihrem Heimatland Ägypten ein Tabu.Ihre provokante Aktion brachte ihr Drohungen und wüste Beschimpfungen ein. Selbst liberale Kräfte gingen auf Distanz zu ihr - und Freunde fürchteten um ihre Sicherheit.Das Foto hat die Studentin der Amerikanischen Universität in Kairo in ihrem Blog veröffentlicht, gemeinsam mit weiteren Aktbildern. Auf dem Blog wurden weitere provokante Fotos veröffentlicht: Eines zeigt einen nackten Mann mit Gitarre und dann wieder Mahdi mit gelben Balken vor Augen, Mund und Scham. Sie wehre sich "gegen eine Gesellschaft von Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexueller Belästigung und Heuchelei" - mit einem Aktporträt, das sie nach eigenen Angaben vor Monaten im Haus ihrer Eltern aufgenommen hat.


Ägyptischer Komiker Adel Imam: Drei Monate Gefängnis für Islam-Witze, 2012

Weil er Witze über religiöse Symbole wie Bärte und wallende Kleidungsstücke gemacht hat, wurde der Komiker Adel Imam zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Gericht in Kairo befand den ägyptischen Schauspieler und Autor für schuldig, den Glauben seiner Landsleute zu diffamieren.Der Schuldspruch wurde bezeichnenderweise kurz nach dem Wahlsieg der islamischen Parteien in Ägypten verkündet. Die staatliche Website Ahram Online berichtete, Imam sei wegen eines Films aus dem Jahr 2007 und eines Theaterstücks von 1998 verurteilt worden. In dem Film spielte er einen korrupten Geschäftsmann, in dem Stück einen arabischen Diktator. (Spiegel online 2.2.2012)

Afghanistan

Gefälschtes Zeitungsfoto mit Diktator Amin, 2007

In der "Kabul Times" vom 27.12.2007, am Tag des Einmarsches der russischen Armee in Kabul, wurde auf der Titelseite ein Bild des afghanischen Diktators Hafisullah Amin vom Vortage abgebildet. Er hatte angeblich die russischen Truppen in das Land gerufen. Das Foto zeigt den Diktator zusammen mit dem sowjetischen Postminister Nikolai Talysin in Kabul. Doch das Foto wurde offenkundig gefälscht, wie die Schnittkanten an dem Amin-Konterfei, falsche Größenverhältnisse und, wie sich vor allem an den beiden Tischflächen zeigt, falsche Perspektiven, nahelegen. Der sitzende Amin wurde nachträglich eingefügt. Es wurde darüber spekuliert, ob Amin damals schon tot war. Offiziell wurde sein Todestag mit dem 27.12.1979 angegeben.
Gefälschtes Zeitungsfoto

Arabische Emirate

Selbstzensur bei "Bild", 2008

Die "Seite-eins-Pin-ups" der "Bild"-Zeitung wurden bis 2008 vor der Einfuhr in die Arabischen Emirate von den Behörden mit Filzstift entschärfte. Dann sorgte die "Bild"-Zeitung mit schwarzen Balken selbst dafür, dass nichts "Unanstössiges" in das arabische Land gelangt. Gleiches galt für den Internetauftritt der deutschen Zeitung: nackte Tatsachen blieben im Dunkeln und die Begründung wurde gleich mitgeliefert: "Der Inhalt dieser Seite steht nicht im Einklang mit den religiösen, kulturellen ... Werten der Vereinigten Arabischen Emirate." (Spiegel 13 2008)

Zensiertes Foto in "Bild"

Dresscode für Dubai, 2013

Auf Twitter wurde 2013 eine Kampagne für strengere Kleidervorschriften gestartet, die in Malls und auf Strandpromenaden gelten soll. Zum Hintergrund: Insbesondere Frauen aus dem Westen hatten sich immer häufiger so bekleidet, wie sie es aus ihren Heimatländern kennen. (Spiegel 44 / 2013)

Australien

Kochbuch für Pasta "with salt and freshly ground black people", Australien 2010

In einem australischen Kochbuch wurde das Rezept für Pasta mit "Salt and freshly ground black people" angereichert. Der Herausgeber konterte die Forderung nach einem Neudruck mit dem Verweis, es sei doch keine Absicht gewesen und nur ein alberner Fehler. (daily mail online 18.4.2010)

“Kookaburra Sits In The Old Gum Tree” nicht mehr "gay", 2010

1932 hatte eine Musiklehrerin aus Melbourne, Victoria während dem Kirchenbesuch eine “Eingebung”. Sie ging heim und schrieb ein australisches Lied. Seitdem ist “Kookaburra Sits In The Old Gum Tree” ein beliebtes und oft gesungenes australisches Kinderlied, in dem aber u.a. die Zeile "gay your life must be" vorkommt, was soviel heißt wie "Dein Leben scheint heiter zu sein". Gay aus dem englischen übersetzt heißt heiter, lustig, fröhlich, bunt. In der heutigen Zeit bedeutet gay aus dem englischen übersetzt aber auch homosexuell, schwul, lesbisch. Die Strophe “Gay your life must be” erschien dem Direktor einer Schule in Melbourne, Victoria, Australien deshalb einfach als inadäquat und wurde kurzerhand in “Fun your life must be” umbenannt. Der Schuldirektor wollte sich politisch korrekt verhalten, tat aber genau das Gegenteil mit seiner unüberlegten Reaktion auf die vielen Kinder, die sich auf dem Schulhof gegenseitig mit “gay” beschimpfen. “Wenn immer das Lied gesungen wurde, gab es an der Stelle “gay your life must be!” großes Gelächter”. Durch den Austausch des Wortes geriet Schuldirektor insbesondere bei Lesben und Schwulen in die Kritik. Es wurde gefordert, wieder den ursprünglichen Text zu singen. (Sdt. 6.9.2010)

Keine Popsongs auf Beerdigungen, Australien 2010

Vereinshymnen und Popsongs gehören zu den bevorzugten Liedern für Beerdigungen in Australien. Dem schob ein katholischer Erzbischof 2010 einen Riegel vor. Statt "The Wind Beneath My Wings" und "My Way" kommen nur noch kirchliche Trauerlieder zum Zuge. In mehr als 200 australischen Kirchen dürfen bei Beerdigungen keine Vereinshymnen und Poplieder mehr gespielt werden. Mit seinem Verbot reagierte der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, auf eine Studie, wonach die Hymne der Football-Nationalmannschaft, Bette Midlers "The Wind Beneath My Wings" und Frank Sinatras "My Way" zu den am häufigsten gewünschten Musikstücken bei Trauerzeremonien in Melbourne gehören. Sportgesänge, romantische Balladen und Popsongs seien dem Anlass nicht angemessen, schrieb Erzbischof Hart in seiner Anordnung. (n-tv.de 11.9.2010)

Belgien

100-Franken-Geldnote verweigert, Belgien 1978

Die Wallonen protestierten 1978 gegen die neue 100-Franken-Geldnote, da sie zuviel Flämisches enthalte. Die belgische Nationalbank hatte eine 100-Franken-Note in Umlauf gesetzt, die nach Ansicht vieler Wallonen ein neues Beispiel flämischen Kulturimperialismus sei. Der neue Geldschein sah nicht nur holländischen Guldennoten ähnlich, sondern war auch noch überwiegend mit Mitteilungen in niederländischer Sprache bedruckt. Die belgischen Sprachengesetze aus dem Jahr 1963 schreiben jedoch auch für Banknoten rigorose Zweisprachigkeit vor. Als besondere Provokation musste es den Wallonen erscheinen, dass das den Belgiern in Flandern und in der Wallonie seit Jahrzehnten vertraute Bild des Lütticher Architekten Lobard, der im 16. Jahrhundert wohl französisch sprach, auf der neuen "Honderd Frank"-Note durch das Porträt des blassen flämischen Architekten Hendrik Beyaert ersetzt wurde. Überdies wurde moniert, dass die Unterschriften des Notenbankgouverneurs und seines Vize nur unter ihrer niederländischen Berufsbezeichnung als "De Gouverneur" und "De Schatbewaarder" stehe. Auch würden Blinde die Relief-Punkte über dem Wert des Scheines nur auf der niederländischen Seite erfühlen können.


Traditioneller Weihnachtsbaum auf zentralem Brüsseler Platz abgeschafft, Brüssel 2012

Die Entscheidung, den traditionellen Weihnachtsbaum auf dem zentralen Platz der belgischen Hauptstadt durch eine erleuchtete "elektronische Struktur" in Form eines Christbaums zu ersetzen, hat in Brüssel einen Sturm der Empörung ausgelöst. "Was kommt danach? Die Abschaffung der Ostereier, weil sie sich auf Ostern beziehen?", fragte die Stadträtin Bianca Debaets von den flämischen Christdemokraten. Ihre Partei CD&V mutmaßte, der Weihnachtsbaum sei aus religiösen Beweggründen abgeschafft worden." (Die Welt 12.11.2012)

Brasilien

Picassos Radierungen: zu erotisch, 1973

Brasiliens Militärs verbannten die „erotischen Radierungen“ von Picasso, weil sie „gegen die öffentliche Moral und die guten Sitten“ seien. Schon vorher hatten die Machthaber Kubricks „Uhrwerk Orange“, Antonionis „Zabriski Point“ und Pasolinis „Decameron“ verboten. Auch ein Kirchenfresko in Ferros wurde entfernt: es zeigt Adam und Eva nackt bei der Vertreibung aus dem Paradies. (Spiegel 3 1973)


Beanstandete Postkarten mit Strandschönheiten, 2005

Verboten wurden in Brasilien Postkarten mit Frauen, deren leichte Strandbekleidung wie Tangas, als zu offensiv erachtet wurde. Als Gefahr wurde ausgemacht, dass dadurch u.U. Sextouristen angelockt werden könnten. (WN 3.11.2005)

Verbotene Postkarten

China

Briefmarkenverbot während der Kulturrevolution, China 1969

Während der Kulturrevolution verurteilte Mao das Briefmarken-Sammeln als „westlich-dekadent“. Er löste die staatliche Versandstelle für Briefmarken auf und ließ Briefe ins Ausland nur noch mit Stempeln freimachen. Im Inland kursierten dafür Politmarken. (Spiegel 14 1970)

Politmarke von 1969

Antonioni. "Blow up", 1966/1974

Von der Regierung in China wurde der Film als Provokation empfunden. Als er im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte, versuchte es die Führung zu verhindern, da man meinte, in dem Film würden die Chinesen lächerlich gemacht. (Spiegel 10 1974)

Filmplakat von "Blow up"

Politiker als Spielkarten, 1986

Die chinesischen Spitzenpolitiker Teng Hsiao-ping und Hu Yao-bang wurden in der Zeitschrift „Jiefanf Ribao“ (Befreiungszeitung) zum öffentlichen Objekt der Satire: Auf seiner Karikaturenseite zeigte das Blatt den passionierten Bridge-Spieler Teng mit einer Trumpfkarte und der Aufschrift „Chinas Weg“. Auf dem vor ihm aufgelegten Blatt heißt es „Zur Modernisierung.“ Hu im westlichen Anzug dirigiert ein unsichtbares Orchester, das er in der Unterschrift auffordert, „neue Melodien (zu spielen“. Damit war eine Wende in China erreicht. Denn seit 1949 war es verboten, führende politische Persönlichkeiten zum Thema satirischer Zeichnungen zu machen. Die Partei erlaubte die Karikaturen lediglich las Waffe „im Kampf gegen die inneren und äußeren Feinde und Klassengegner“ (Spiegel 36 1986)

Chinesische Politiker als Spielkarten und Satireobjekt
Chinesische Politiker als Spielkarten und Satireobjekt

Erste Ausstellung von Aktgemälden, China 1989

Viele der weiblichen Modelle hatten sich ohne Wissen von Eltern oder Gatten und nur unter der Bedingung, dass die Bilder nie in der Öffentlichkeit gezeigt würden, für die Sitzungen zur Verfügung gestellt. Doch die "Zentrale Akademie der Künste" zeigte die Arbeiten und sorgte so für einen Eklat: Frauen wurden von Verwandten und Freunden geächtet, zwei Ehemänner reichten die Scheidung ein und 5 der 139 Gemälde mussten vorzeitig aus der Schau entfernt werden. Schwarzmarkthändler verkauften derweil Postkarten mit den Motiven. (Spiegel 2 1989)

Schockierte Besucher in der Ausstellung

China-TV im „Jahr der Schweine“ ohne Schwein, 2007

In China darf zum buddhistischen Neujahrsfest, wenn das „Jahr des Schweins“ beginnt, im Fernsehen nicht mit Schweinen geworben werden. Die Weisung wurde von der Zensurbehörde mit Rücksicht auf die muslimische Minderheit erlassen. Schweine gelten bei Muslimen als unrein. (WN 27.1.2007)

Andy Riley: "Bunny Suicides", Shanghai 2008

Das Nonsens-Buch für Leute mit etwas makabrem Humor zeigt in Bildern eher absurde Versuche, wie ein Hase versucht sich umzubringen. Nachdem zahlreiche Kinder die Vorlagen für Selbstversuche benutzt hatten und ein zwölfjähriger dabei starb, wurde es zurückgezogen. (mail online 12.9.2008]]

Buchcover
Abbildung aus dem Buch
Abbildung aus dem Buch

Tiananmen-Massaker auf google, 2010

Tiananmen-Massaker bezeichnet die gewaltsame Beendigung eines Volksaufstandes, der aus der monatelangen Besetzung des Platzes des himmlischen Friedens in Peking durch eine ursprünglich studentische Demokratiebewegung hervorgegangen war. Am 3. und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. Bei google existieren zwei unterschiedliche Versionen - eine international zugängliche, die die Niederschlagung des Aufstands zeigt, und eine zensierte chinesische, die ein Idyll präsentiert. (Sdt. 14.10.2010]

unzesnierte und zensierte Fassung

"Iron Man 2", 2010

In der Comic-Verfilmung wurden in China alle Hinweise auf die russische Herkunft des bösen Gegenspielers Ivan Vanko gelöscht. Wo "Russland" oder "russisch" erwähnt wurde, wurde der Ton unverständlich. Auch in den chinesischen Untertiteln wurden die Worte nicht erwähnt. Als Justin Hammer, der Vanko beim Gefängnisausbruch hilft, sagt: "Sie verstehen, dass ich kein Russisch spreche", wurde dies umgeändert in "Sie wissen, dass ich ihre Muttersprache nicht spreche." (Sdt. 1.6.2010)

Wang Bo: Häschen-Cartoon, 2011

Der chinesische Multimedia-Künstler brachte 2011 mit einer Fabel den Staat gegen sich auf. Er hatte eine "Neujahrs-Grußkarte" ins Internet gestellt. Der animierte Videoclip zeigt liebe Häschen, die von bösen Tigern gequält werden. Die Raubkatzen liefern am Anfang des Films Milch für Hasenbabys an, die sie grün anlaufen und explodieren lässt. Zum Schluss schlagen die Bunnys blutig zurück. Der Clip endet mit der Botschaft "Sogar Hasen beißen, wenn sie gezwungen werden." Wang stellte sein Werk als "Märchen" vor, das keinerlei Bezug zur Realität habe. Doch etliche Betrachter fühlten sich an den Skandal von 2008 erinnert, als mindestens sechs chinesische Säuglinge durch verseuchtes Milchpulver ums Leben kamen. Die Zensur ein: Der Videoclip wurde verboten, im chinesischen Internet ist die "Grußkarte" nicht mehr zu finden. (Spiegel 5 2011)

Schwarze Liste in China, 2011

Im August 2011 hat das chinesische Ministerium für Kultur rund 100 Songs auf eine schwarze Liste gesetzt, weil sie die "nationale kulturelle Sicherheit" gefährden. Darunter waren u.a Katy Perrys "Last Friday Night", "I want it that way" von den Backstreet Boys und sechs Lieder von Lady Gaga. Die meisten Songs auf der Liste stammten allerdings von chinesischen Künstlern. (Sdt. 26.8.2011)


"Die Gedanken sind frei", China 2013

Der Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Christian Höppner, hat den Leiter des Dresdner Kreuzchors, Peter Kopp, scharf kritisiert, weil dieser auf einer Chinatournee Ende Oktober das Lied „Die Gedanken sind frei“ aus dem Programm gestrichen hatte. Das sei ein „Kniefall vor der autoritären Regierung der Volksrepublik China“. Kopp hatte auf das Freiheitslied verzichtet, weil die Konzertagentur befürchtete, die chinesischen Behörden könnten es bei Vorab-Vorlage der Liedtextübersetzungen ablehnen und die Tournee gefährden. Chorleiter Kopp verteidigte den Schritt mit Hinweis auf die meist minderjährigen Sänger. Höppner sagte hingegen, es sei „schockierend, wenn der künstlerische Erfolg einer Tournee über das Grundverständnis unserer freiheitlich-demokratischen Werte gestellt wird. Freiheit darf nicht verhandelbar sein – auch und gerade in der Kultur.“ (FAZ 6.11.2013)

China zensiert Kröte, weil sie Ex-Präsident Jiang Zemin ähnelt, Peking 2014

Weil sie dem früheren Präsidenten Jiang Zemin ähnelt, wurde eine aufblasbare Kröte 2014 Opfer der chinesischen Internetzensur. Das 22 Meter hohe Kunstobjekt war im Juli im Yuyuantan-Park aufgestellt worden. Kurz danach waren dann alle Berichte über die Kröte, Chinas traditionellen Glücksbringer, im Onlineauftritt der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua und dem Internetportal Seibo verschwunden. Nur auf zweitrangigen Nachrichtenseiten waren sie noch zugänglich. Jiang Zemin war KP-Chef, Staatschef und Vorsitzender der Zentralen Militärkommission. Seine leichten Hängebacken hatten ihm schon früher bei einigen Internetnutzern den Spitznamen "Kröte" eingebracht. (WN 24.7.2014)


Chinesischer Moderator Bi Fujian wegen Mao-Parodie gekündigt, 2015

In einem Video hatte der Moderator sich Mao Zedong lustig gemacht: Ein runder Tisch im Nebenraum eines chinesischen Restaurants, die Schalen und Teller sind leer, das Essen scheint noch nicht serviert zu sein. Der Fernsehmoderator Bi Fujian singt eine chinesische Oper, am Tisch sitzen mehrere Chinesen, auch ein Westler ist unter ihnen. Bi singt "Mit taktischem Geschick den Tigerberg erobern", eine sogenannte Modelloper - eine von acht Pekingopern, die während der Kulturrevolution entstanden und die politischen Erfolge Mao Zedongs und der Kommunistischen Partei preisen. Aber Bi hält sich nicht an den Originaltext. Immer wieder fügt er spöttische Kommentare hinzu. Dann besingt Bi den "Vorsitzenden Mao" mit den Worten: "Ach, erwähn doch nicht diesen alten Hurensohn, er hat uns so viel Elend gebracht." Bi wurde nach dem Auftauchen des Videos gekündigt und ist seit dem Vorfall von der Oberfläche verschwunden. Die Zensurbehörde löschte das Video seiner Opern-Parodie (auf YouTube, das in China gesperrt ist, ist es aber nach wie vor zu sehen), auch hatte sie der Presse die Anweisung erteilt, nicht weiter über den Fall zu berichten. Die "China Discipline Inspection Daily", eine staatliche Tageszeitung, die der Anti-Korruptions-Kommission der KP nahesteht, verkündete jetzt, dass Bi das Image der KP und des ehemaligen Staatsführers beschädigt habe. Wie die Zensurbehörde entschieden habe, handele es sich um einen Vorfall, "der die politische Disziplin schwer verletzt" habe. Weiter heißt es im Originalton: "Die Behörden fordern die Disziplinarkommission von CCTV auf, den Fall ernst zu behandeln und allgemein vor solchem Verhalten zu warnen." Bi hat sich mittlerweile für sein Verhalten entschuldigt. Auf seinem offiziellem Weibo-Account, der chinesischen Version von Twitter, schrieb er, er sei bedrückt und mache sich Selbstvorwürfe. "Als Person des öffentlichen Lebens habe ich eine Lektion gelernt und werde jetzt streng und diszipliniert sein", kündigte er an. (Spiegel online 18.8.2015)

Dänemark

Barbusige Blondinen regeln den Verkehr, 2007

Die Kampagne des „Rates für größere Verkehrssicherheit“ wurde von der Regierung finanziert. In einem Filmbeitrag für das Internet, der vor allem junge Verkehrsteilnehmer ansprechen sollte, regeln barbusige Blondinen den Verkehr in der Kopenhagener Innenstadt (www.speedbandits.dk.) Wie Nummerngirls halten sie Verkehrsschilder in die Höhe, um zur Einhaltung von Tempolimits zu animieren. Kritik kam von der Politik, die einen „Skandal“ fürchtete. Auch im Ausland gab es Unmut. Bei einer internationalen Verkehrskonferenz in Schweden verließen zahlreiche Verkehrsexperten unter Protest den Saal, als der dänische Beitrag gezeigt wurde. Sonst aber bei den usern auf große Resonanz: 7,5, Millionen mal wurde er in kurzer Zeit angeklickt: nebenbei auch von 55 Interessenten aus dem Vatikan. (Spiegel 9 2007)

Szene aus dem "Tempolimit"-Video

DDR

"Die Gottlosen haben keinen Frieden", 1977

Die Herausgeber des auch in der DDR erscheinenden "Losungsbuchs" der evangelischen Herrnhuter Brüdergemeinde musste aufgrund eines Einspruchs der SED-Zensurbehörde den Bibelspruch "Die Gottlosen haben keinen Frieden" mit der Fußnote versehen, dass damit keine SED-Genossen gemeint seien. (Spiegel 5 1977)


Heino: "Leitfigur der Reaktion", DDR 70er/80er

Als "Leitfigur der Reaktion" war der Sänger in der DDR verboten. (FAZ 13.12.2013)

Bracht: Kriegsfibel: Gedichte über die Liebe, 1982

Das Foto von Jane Wyman wurde mit dem dazu gehörendem Text aus der "Kriegsfibel" herauszensiert,

Honecker und die Pornos, 1995

So sehr die DDR es mit der Zensur ernst nahm, vor allem wenn die Sachen aus dem Westen kamen, für die Politik galt das nur bedingt: Honecker ließ sich 4864 Videos für 1,3 Millionen West-Mark für private Zwecke in der Bundesrepublik besorgen. Viele Der Videos stammten aus dem Genre Softporno. U.a. befanden sich in seinem Besitz Werke wie "Black Emanuelle" (laut "Lexikon des erotischen Films" die Geschichte einer dunkelhäutigen Fotografin, die von einem weißen Ehepaar und anschließend von einem kompletten Hockey-Team vernascht wird.) oder "Die schwarze Nymphomanin". (Spiegel 33 1995)

Szene aus "Die schwarze Nymphomanin"

Bundesrepublik Deutschland

DDR-Hymne und die "Tonstörung", 1966

Als bei der Leichtathletik-Europameisterschaft die Nationalhymne der DDR gespielt wurde, blendete die ARD einfach den Ton weg und zeigte dafür eine Tonstörung an. (Prisma Archiv)


"DDR" in Gänsefüßchen, 1969

Für die "FAZ" gab es noch 1969 eine verbindliche Regelung, wie mit der Schreibweise DDR umzugehen sei. Bei "redaktionellen Beiträgen", so Dr. Günther Rühle, "geht es immer mit Anführungszeichen", also "DDR". (Der Spiegel 47 1969)

Farbig beschriftetes Auto = Verbreitung unzüchtiger Schriften, 1970

Wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften" wurde 1970 ein Stuttgarter Student angeklagt. Er hatte sein Auto angemalt und auf dem Kotflügel den Satz "Der Unbekannte ließ die Hände über ihre ... gleiten" und auf dem andern " "... er sagte ihr, sie solle ihre Beine..." geschrieben. Der Student interpretierte vor Gericht die fehlenden Worte mit "Schläfen und übereinanderschlagen". Dennoch erhielt er eine richterliche Rüge. (konkret 4 1970)

Frauen als Nachrichtensprecherinnen unerwünscht, 1971

Bis 1971 waren Frauen im deutschen Fernsehen als Nachrichtensprecherinnen unerwünscht. Beim ZDF drang Wibke Bruns als erste Frau in die Phalanx der Männer ein und löste eine extrem heftige Debatte in der Bevölkerung aus. (Prisma Archiv)

Ulrich Schamoni: Film "Chapeau Claque", 1972

Die Komödie wurde von der FSK als "für Jugendliche nicht geeignet" eingestuft, weil sich der Protagonist den Leistungs- und Konsumzwängen der Gesellschaft entzieht, er bietet damit laut FSK "keinerlei erstrebenswerte Alternative" und verstärke so "die bei vielen Jugendlichen vorhandene negativistische Grundeinstellung" zur Gesellschaft. (Spiegel 19 1972)

Bardame: verboten - Strich: erlaubt, 1975

Noch 1975 galt eine Rechtsverordnung aus dem Jahr 1964, die Bardamen oder "oben-ohne-Kellnerinnen", die mittlerweile laut Gesetz volljährig waren, vor den Kadi führte, denn nach wie vor war den "weiblichen Personen unter 21 Jahren die Beschäftigung mit sittlich gefährdenden Tätigkeiten" verwehrt. So entstand die groteske Situation, dass Frauen zwischen 18 und 21, falls registriert, auf den Strich gehen konnten, aber vom Jugendschutz der Polizei aus Animierstuben geholt wurden, wenn sie dort angestellt waren. Neben Nackt-, Schleier- und Schönheitstanz, galt auch "Tisch- und Bardamentätigkeit" als gefährlich. (Spiegel 25 1975)

Bett-Gewohnheiten von Lehramtsanwärtern auf dem Prüfstand, Hessen 1975

Der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Weber wollte 1975 auch unorthodoxe Sexualpraktiker vom Lehramt per Überprüfung fernhalten. Denn, so der CDUler "Wer in einer Kommune lebt und in Gegenwart von anderen Menschen Intimverkehr hat, (ist) für die Erziehung von Kindern ungeeignet." Deshalb, so seine Forderung, müssten bei der Einstellung zukünftig aus die Sexgewohnheiten mit berücksichtigt werden. (Spiegel 27 1975)

Jugendgefährdende Schriften: "Schwächung der Abwehrkraft", 1976

In Mannheim wurde 1976 eine Kioskbesitzerin wegen der "Verbreitung jugendgefährdender Schriften zu einer Geldstrafe verurteilt. In der richterlichen Begründung hieß es, dass gewisse Publikationen der Erschlaffung der Jugend Vorschub leisten könnten und damit die Abwehrkraft der jungen Deutschen "gegen die asiatischen Barbaren, die uns stärker bedrohen als je zuvor", geschwächt werden könnte. (Spiegel 35 1876)

NRW: Feiertagsgesetz, 2005

Karfreitag 2005: In Köln wollte ein türkischer Kabarettist im „Theater am Tanzbrunnen“ auftreten, und in Düsseldorf sollte im „Theater an der Kö“ die Komödie „Freunde zum Essen“ aufgeführt werden. Beide Veranstaltungen wurden abgesetzt. Grund: In NRW gilt das „Feiertagsgesetz“ nachdem der Karfreitag als „Stiller Feiertag“ gilt und öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel, Umzüge und Veranstaltungen, die nicht mit dem Gottesdienst zusammenhängen und für die kein höheres Interesse der Kunst und der Wissenschaft vorliegt, verboten sind. Dies gilt auch für Vorführungen von Filmen, die nicht karfreitagsgerecht sind. Deshalb muss für Unterhaltung am Karfreitag eine Genehmigung der Ordnungsbehörde eingeholt werden. Bereits 1994 und 1995 wurde in Köln die Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten und das Kabarettistenstück „Tod im Rheinland“ verboten. (FAZ 24.3.2005)

Adventskalender mit Massenmörder Fritz Haarmann, Hannover 2007

Hannover stoppte nach Protesten den Verkauf eines Adventskalenders. Grund: Inmitten weihnachtlicher Idylle ist auf dem Kalender ein Mann mit Hut und Hackebeil zu sehen. Laut Legend handelt es sich um Fritz Haarmann, der vor rund 90 Jahren in Hannover 24 Morde an jungen Männern begangen haben soll. (WN 3.11.2007)

Post Gedenkmünzen für Pieck und Grotewohl, 2008

Mit einer "wertvollen Silber-Gedenkprägung" wollte die Deutsche Bundespost der "Vereinigung" von SPD und KPD (22.4.1946) erinnern. Plasitsch wurden Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck auf der fünften Lieferung der Silber-Edition "60 Deutsche Jahre" abgebildet. Daraufhin forderte u.a. der damalige Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Verkehrsminister Tiefensee (SPD) die Post auf, die "skandalösen Münzen" einzuschmelzen und der SED-Opfer zu gedenken. Die Post reagierte selbstkritisch auf die eigene Idee: Das war vermutlich nicht besonders sensibel", sagte ein Sprecher. Die Auslieferung wurde gestoppt. (FAZ. 23.11.208)

Gedenkmünze der Deutschen Post mit Pieck und Grotewohl

Debauchery: Sänger und Gitarrist Thomas Gurrath und das Lehramt, 2010

Gurrath durfte 2010 wegen seiner musikalischen Nebentätigkeit bei Debauchery in Baden-Württemberg nicht länger als Ethiklehrer unterrichten. Er hatte am 1.1.2010 sein Referendariat am Stuttgarter Hegelgymnasium begonnen. Doch sein Seminarleiter stieß im Zuge von Internetrecherchen auf Plattencover der Band und wurde daraufhin zum Gespräch zu der Schulleiterin beordert. Die bezeichnete ihn als "psychisch krank", ordnete eine "Attestpflicht" für ihn an und informierte das Kollegium und die Fachleiter, damit die "wissen, mit wem sie es zu tun haben". Auch als Gurrath - vor die Alternative gestellt, Lehrer oder Musiker zu sein - sich für das Lehrerdasein entscheided, war die Geschichte nicht beendet. Gurrath sollte erst den "Nachweis erbringen, dass er sich von seiner bisherigen Musikrichtung (...) über einen Zeitraum von drei Jahren distanziert hat." Gurraht erwog eine Klage. (Netzt. Mai 2010)

Debauchery
Debauchery


"Hallo" und "Tschüss" verboten - das heißt "Grüß Gott"!, Passau 2012

Die Passauer Rektorin Petra Seibert erklärte ihre Schule 2012 zur "Hallo- und tschüss-freien Zone". Denn, den norddeutschen Gruß empfand sie als unhöflich. “Wir bemühen uns, ohne diese beiden Grußformeln in unserem Haus auszukommen“, verkündete sie per Aushang in der Mittelschule St. Nikola. “Über ein 'Grüß Gott' und ein freundliches 'Auf Wiedersehen' freuen wir uns jedoch jederzeit.“ Im Freistaat Bayern blieb der große Proteststurm aus. (Sdt. 7.2.2012)


Hai-Fang: Dorf Finning soll sich umbenennen, 2012

Die Tierschutzorganisation Peta forderte 2012, dass sich das bayerische Dorf Finning umbenennt. Peta begründet das damit, dass Finning der englische Begriff für eine äußerst umstrittene Haifang-Methode ist. Deshalb, so die Tierrechtsorganisation, soll Finning in Zukunft nicht mehr Finning heißen, sondern StopFinning. (short news 13.6.2012)

Schützenstreit in Werl, 2014

Der Dachverband der Schützenbruderschaften hatte den türkischstämmigen Mithat Gedik zunächst nicht als Schützenkönig von Werl anerkannt und ihm die Teilnahme am Bezirksschützenfest untersagt. Dann wurde nach intensiver Diskussion entscheiden: Der muslimische Schützenkönig aus Werl behält seine Schützenkette, darf aber nicht an weiteren Turnieren der katholischen Vereine teilnehmen. Das entschied der Vorstand des katholischen Bundes Historischer Deutscher Schützenbruderschaften (BHDS). Der Verband habe „als Ausdruck von Respekt und Integration gegenüber dem Schützenbruder Mithat Gedik beschlossen, ausnahmsweise keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft zu erheben“. Die Ausübung seines Amtes ab Bezirksebene bleibt aber verboten. (FAZ 5.8.2014)

Düsseldorf verbietet IS-KfZ-Kennzeichen, 2016

Begründet wurde die Verweigerung mit den Parallelen zur Abkürzung IS der Terrormiliz Islamischer Staat. Von der Stadtverwaltung Düsseldorf hieß es, seit Anfang April 2016 sei das Nummernschild nicht mehr vergeben worden. Aus dem Umfeld der Zulassungsstelle hieß es zudem, es habe verstärkt Anfragen nach dem Kennzeichen D-IS von Menschen mit nordafrikanischer Herkunft gegeben. Daher habe der Verdacht bestanden, diese Menschen könnten Sympathisanten des Islamischen Staates sein. (RP online 14.4.2016)

Dubai

Zensierter "Spiegel"-Titel "Zwischen Freiheit und Einsamkeit", 2000

Durch schwarze Balken wurde die vielen Nackten auf dem Titelblatt des "Spiegel" 10/2000 in Dubai "entschärft". (Spiegel 15 2008)

Unzensierter und zensierter "Spiegel"-Titel, Dubai 2000

Zensierte Zeitschriften: "Spiegel" 41 und 49 2005 sowie Bunte 48 2005

Mit einem schwarzen Filzstift macht der Zensor Abdullah bin Rashid aus Dubai alles unkenntlich, was zu erotisch erscheint.

Zensierter "Spiegel"-Titel, Dubai 2005
Zensiertes Foto aus dem "Spiegel" 2005
Zensierte Fotos aus "Bunte" 48 2005

SMS mit sexuellem Inhalt, 2010

Küsse in der Öffentlichkeit sind ohnehin verboten. Aber auch dem Verschicken einer privaten SMS mit sexuellem Inhalt folgte 2010 rasch die Strafe: Zu drei Monaten Haft wurden von einem Berufungsgericht eine Flugbegleiterin und ihr Vorgesetzter verurteilt. Das war noch milde, vorher hatte ein anderes Gericht eine sechsmonatige Strafe verhängt. (MZ 18.3.2010)

England

Lennon Graphiken, London 1970

Im „Spiegel“ Nr. 8 1970 wurde von einer Polizeirazzia in London anlässlich einer Ausstellung mit Graphiken von John Lennon berichtet. Lennon hatte sein Eheglück inklusive Cunnilingus mit Yoko Ono zu naturalistisch in Szene gesetzt. (Spiegel 8 1970)

Marilyn Cole: erste Britin nackt im "Playboy", 1972

Die PR-Angestellte hatte sich als erste Britin frontal nackt im "Playboy" für die Ausklappseite ablichten lassen. Dafür bekam sie die Beurteilung "nationale Schande". Während einer Autogrammstunde wurde sie beschimpft und mit einem rohen Ei beworfen. (Spiegel 7 1972)

Marilyn Cole: erste Britin nackt im "Playboy"

Freizeit-Nacktmodell: College Rauswurf, England 1973

Chloe Armstrong, Kinderpflege-Schülerin hoffte auf eine neue Karriere: Das Freizeit-Nacktmodell hatte für Oxfords Unversitätszeitung „Cherwell“ Rücken an Rücken mit deren Chefredakteur David Soskin posiert. Während der Blattmacher mit einer Rüge und einen Geldbuße von einem Pfund davon kam, wurde die Hauptdarstellerin vom College verwiesen. (Spiegel 6 1973)

Foto, das zum Rauswurf führte

Simulierte Vergewaltigung vor Gericht, London 1981

Englische Sittenwächter wollten einen Regisseur wegen eines Sexualvergehens strafrechtlich belangen, dass bloß simuliert war. Zum Hintergrund: In England werden Männer wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ belangt, die andere Männer in Bedürfnisanstalten oder Grünanlagen vergewaltigen. Nun wurde auf der Bühne des Londoner National Theatre eine Vergewaltigung im Drama „The Romans in Britain“ von Howard Brenton, „gespielt“, was zu einer juristischen Auseinandersetzung führte. (Spiegel 30 1981)

Direktorin verbietet Schweine-Abenteuer, London 2003

Die Direktorin einer englischen Grundschule erließ 2003 ein Verbot, nachdem im Unterricht keine Geschichten von den drei kleinen Schweinchen oder Bücher wie "Schweinchen namens Babe" gelesen werden dürfen. Sie befürchtete, dass dadurch die Gefühle muslimischer Kinder an der Schule verletzt werden könnten. (MZ 6.3.2003)

Änderung der Gebärdensprache: Lider zu Schlitzaugen, 1994

In den neunziger Jahren wurden die traditionellen Ausdrucksformen der Tauben nach rassistischen Zeichen untersucht. Das Wort "Jude" wurde in der Sprache der britischen Gehörlosen mit dem gekrümmten Zeigefinger dargestellt, offenbar als Andeutung einer Hakennase. Das Zeichen für "Chinese" indem die Lider zu Schlitzaugen verzerrt werden. Diese Zeichen wollten die Redakteure 1994 aus dem Gehörlosenprogramm der BBC verbannen. Noch nicht in der Diskussion waren andre Zeichen, die ähnlich problematisch gedeutet werden könnten: Iren werden mit einem Fingerschnipsen über der Schulter dargestellt, so als wolle man Schmutz entfernen. Und "Deutsche" mit einem gestreckten Zeigefinger auf der Stirnmitte, der eine Pickelhaube der deutschen Soldaten unter Kaisers Zeiten symbolisiert.(Spiegel 36 1994)

Beispiele aus der Gebärdensprache

Tom und Jerry: Rauchverbot, England 2006

Die englische Regulierungsbehörde der britischen Unterhaltungsindustrie rückte 2006 den beiden Kunstfiguren zu Leibe. Sie wollte Kinder vor dem schlechten Einfluss schützen und verbot den beiden das Rauchen: alle Szenen, in denen die beiden qualmen, wurden in England aus den Filmen geschnitten. Dass die beiden Comic-Figuren mit Schwertern und Äxten aufeinander losgehen und den andern in Säure auflösen, wurde nicht beanstandet. (web 24.8.2006)

Verbotene Szene

John Lennon: „Imagine“, England 2006

Eine kirchliche Schule im südenglischen Exeter verbot 2006 den Schülern die Aufführung von Lennons Song „Imagine“ zum Schuljahresabschluss. Begründung: das Lied sei „unchristlich“ und damit für die Schule ungeeignet. (WN 20.7.2006)

Restaurant „Fat Buddha“ – beleidigend, Durham 2007

In Durham durfte ein Restaurant nicht unter dem Namen „Fat Buddha“ eröffnet werden. Der Rat der Stadt befürchtete, dass Buddhisten sich beleidigt fühlen könnten. (Daily mail online 22.7.2007)

Sterben verboten, England 2008

Britische Parlamentarier dürfen nicht an Ihrem Arbeitsplatz sterben. Wer im Unterhaus endgültig abdankt, handelt einem alten Gesetz zufolge illegal. (MZ 5.2.2008)


"The 3 Little Pigs"-CD Verbot, England 2008

Das Pop-Up-Buch mit einer beigelegten Cd, das die klassische Kindergeschichte nacherzählt, wurde von der Regierung verboten. Grund: die Geschichte um die Schweine könne die Gefühle von Muslimen verletzen. (daily mail online 24.1.2008)

==="The 3 Little Pigs"- Buch und CD

"Pinksticks": Aufruf zum Boykott rosafarbener Geschenke für Mädchen, England, 2009

Die Initiative "Pinkssticks" rief 2009 zum Boykott rosafarbener Geschenke für Mädchen auf, weil die Farbe stereotype Rollenbilder fördere. (Sdt. 11.12.2009)

Benedikt-Kondome und das ideale Besuchsprogramm für den Papst, UK 2010

Englische Regierungsbeamte hatten sich im Vorfeld des Besuchs von papst Benedikt XVI. in Großbritanien Gedanken zu einem "idealen" Besuchsprogramm gemacht. Das Dokument, in dem u.a. die Eröffnung einer Abtreibungsklinik und die Schließung einer Homoehe durch das kirchliche Oberhaupt, sowie die Einführung von Benedikt-Kondomen vorgesehen war, wurde öffentlich. Das britische Außenministerium entschuldigte sich dafür.(Sdt. 26.4.2010)


Rat schlägt Verbot von Schwiegermutterwitzen ("offensiv sexistisch"), UK 2010

Schwiegermutterwitze, einmal das Fundament der britischen Komödie, wurden von dem Londoner Borough of Barnet verboten, weil sie "offensiv sexistisch" und "respektlos" gegenüber den Familienälteren seien zu "Familie Ältesten": "Humor kann unglaublich kultur-spezifisch sein und zu Fehlinterpretationen oder gar Straftaten von anderen Kulturen führen." (daily mail 26.9.2010)


"Sittsamkeitstüte" für Männermagazine, 2013

Die britische Supermarktkette Cooperative Group plante 2013 Männermagazine mit freizügigen Titelbildern von halbnackten Frauen in verdeckende "Sittsamkeits-Tüten" zu verpacken, um so vor allem Kinder schützen. Ansonsten würden sie aus den Regalen in rund 4000 Cooperative-Filialen verschwinden.Auch die Supermarktkette Tesco hatte erklärt, sie stehe mit den Machern der Magazine in Kontakt. Mit dem Heft "Bizarre" habe man bereits vereinbart, dass es künftig in einer verdeckenden Tüte angeboten werde. Die Reaktionen auf die Idee fielen heftig aus.Die Pläne kämen einer Zensur gleich und unterwanderten das Recht der Öffentlichkeit auf freie Medien, hieß es vom Verlag IPC Inspire, der eine der bekanntesten britischen Männerzeitschriften mit dem Titel "Nuts" herausbringt. Man halte sich beim Titelbild und den Inhalten an alle gesetzlichen Vorgaben. Zudem habe man die Titelbilder bereits seit einigen Wochen auf Motive mit "konservativerem Ton" umgestellt.(dpa 9.8.2013)

Ben Pitcher: Garten und Faschismus, 2014

Die Hörfunksendung "Gardener´s Question Time", eine Art Kummerkasten für britische Hobbygärtner, geriet 2014 in die Kritik des Soziologen Ben Pitcher. Er behauptete die Sendung sei durchsetzt von rassistischen Tönen wie "Reinheit der Erde" oder nicht-heimische Arten", woraufhin Pitcher selbst in die Kritik geriet: unterhalb der Satire. (FAZ 9.8.2014)


BBC vermeidet das Wort "Terrorist",2015

Eine Studie unabhängiger Experten warf dem britischen Rundfunkhaus BBC 2015 vor, nicht fair über Israel zu berichten. Das Senderhaus lehnt es etwa ab, das Wort "Terrorist" im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zu benutzen. Die BBC hatte das unabhängige Gremium selbst damit beauftragt, die Nahost-Berichterstattung des Hauses auf Qualität und Fairness zu überprüfen. Das Experten-Team stellte fest, dass die BBC nicht "vollständig und fair" über Israel berichte, sondern ein "unvollständiges und daher irreführendes" Bild zeichne. Der Bericht rügte die BBC ferner wegen ihrer Abneigung, die Wörter "Terrorist" und "Terrorismus" zu benutzen. Die Experten empfehlen, gewaltsame Angriffe auf Zivilisten, die Terror darstellen und aus politischen oder ideellen Gründen verübt werden, "Terrorismus" zu nennen, "egal, ob sie von einem Staat oder nicht-staatlichen Gruppen verübt werden". (FAZ 3.2.2015)

Frankreich

Satire-Verbot: Zeitschrift "Hara Kiri", 1971

Die Zeitschrift "Hara Kiri" wurde u.a. 1971 aufgrund einer Titelgeschichte verboten, die auf den Tod de Gaulles und den Tanzhallenbrand mit 142 Toten anspielte.Davor hatte es bereits 1960 und im Juni 1966 (für sechs Monate) Verbote gegeben. Einen Prozess wegen einer Werbeparodie zur Air-France-Reklame verlor das Magazin. (Pardon 1/71)

Titelblatt der verbotenen Ausgabe mit der fast identischen Nachfolgezeitschrift
Werbeparodie Air France

Jean-Maire Le Pen: Nackte Tatsachen, 1987

Der ehemalige Führer der rechtsextremistischen "Front National" in Frankreich musste sich erst mit der Tatsache abfinden, dass seine mit ihm in Scheidung lebende Ehefrau sich anspielungsreich als Dienstmädchen nackt im "Playboy" ablichten ließ. Zuvor hatte ihr Ex ihre Unterhaltsforderungen mit dem Verweis auf ihre Möglichkeiten Geld durch putzen zu verdienen gekontert. Dann wurde sein Hinterteil neben dem seiner Frau im Satireblatt "Le Canard enchaine´" veröffentlicht. Überschrift: "Das höllische Paar Po an Po". Vergeblich forderte er eine Beschlagnahme. Dafür drohte Le Pen selbst Ärger, hatte ihn doch ein Amateurfotograf beim Wechseln der Badehose erwischt, was an den Stränden Neukaledoniens zu einer Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses führen kann. (Spiegel 26 1987)

Ehefrau von Le Pen im "Playboy"
Satire: "Das höllische Paar Po an Po"

Verbot von Erotik-Magazinen, 1987

Unter Berufung auf einen fast vergessenen Jugendschutzparagraphen von 1949, drohte das Ministerium von Innenminister Pasqua 18 Sex-Magazinen mit Verbannung von den Kiosken. Darunter befanden sich neben harten Porno-Heften auch das etablierte Schwulen-Sprachrohr "Le Gai Pied" oder auf Hochglanz getrimmte Foto-Erotik-Magazine wie "Photo"-Magazin und "Penthouse". Ein Proteststurm brach los.

Beanstandete Magazine

Namen für Schweine: „Napoleon“ ist verboten, Frankreich 2008

In Frankreich ist per Gesetz geregelt, dass Schweine nicht „Napoleon“ heißen dürfen. (MZ 5.2.2008)

Elektrischer Stuhl in Freizeitpark, 2008

Der Bürgermeister von Fréjus am französischen Mittelmeer war empört. Elie Brun teilte dem Leiter des Luna Parks mit, dass ihm die Attraktion missfalle und er sie verbieten wolle: Ein Schausteller hatte einen Elektrischen Stuhl für 10000 Dollar in den USA gekauft. Im Luna Park sollten Besucher zuschauen, wie ein lebensechte männliche Puppe auf dem Stuhl „stirbt“. Der Plastikmann windet sich, bäumt sich auf und stößt Schreie aus, bis Rauch über dem Stuhl aufsteigt und sein Kopf schwer nach vorne fällt. Auch in Italien hatte ein Elektrischer Stuhl in einem Freizeitpark für Entrüstung gesorgt. Im Juli 2008 protestierten in Mailand mehrere Organisationen gegen den im dortigen Luna Park ausgestellten Hinrichtungsstuhl. Die Attraktion wurde daraufhin verboten. (MZ 25.8.2008)

Elektrischer Stuhl in Freizeitpark

Verbot für Prinzessinnen-Kleid im Disney-Park Paris, 2010

Mutter und Tochter hatten sich für den Besuch im Disney-Park eigens märchenhafte Prinzessinnen-Kleider angezogen und wurden deshalb aus dem Park verwiesen mit der Auflage, sich umzuziehen, denn ansonsten, so die Begründung, könnten die beiden mit tatsächlichen Disney-Figuren verwechselt werden. (Netz 20.4.2010)

Mutter und Tochter im Prinzessinnen-Kleid

Todesanzeige abgelehnt, 2014

Nicole Boucheton war stellvetrende Präsidentin der franzöischen ADMD, die für die in Frankreich verbotene Sterbehilfe kämpft. Sie litt an Krebs und star in der Schweit, "einem humanistischen Land, in dessen Exil sie gezwungen wurde, um nach ihren eigenen Vorstellungen zu sterben." So sollte es auf der Todesanzeige stehen. Die Veröffentlichung in der franzöischen Regionalzeitung "Oust-France" wurde allerdings mit der Begründung abgelehnt, Todesanzeigen seien nicht der Ort für militante Botschaften und Abrechnungen. (FAZ 20.8.2014)

Griechenland

“Stern“-Titel mit schwarzen Balken, Nr. 2 1973: Zuviel Nacktes, 1973

Auf dem Titel sind zwei nackte Männer zu sehen, die zwei Busen tragen. Brustspitzen und Schwänze wurde schwarz gebalkt. (Spiegel 6 1973)

zensierter "Stern"

666: Pass des Teufels, 2010

Die griechische Orthodoxie hält seit zwei Jahrtausenden Ausschau nach der Zahl, ist sie doch die Zahl des Antichristen aus der Apokalypse. In der Offenbarung des Johannes heißt es: 'Wer Verstand hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.' 1997 kam es in Athen zu Protesten Tausender Religiöser gegen das Schengener Abkommen, bei denen die Demonstranten Plakate mit der Zahl 666 vor sich her trugen: Angeblich sollte sich auf dem neuen elektronischen Ausweis verschlüsselt die Teufelszahl wiederfinden. Solche Proteste, bei denen die Politiker gern 'Freimaurer' geschimpft wurden, wiederholten sich in den nächsten Jahren. Misstrauen erregten immer wieder auch die allgegenwärtigen Strichcodes, in denen die Frommen allerlei geheime Botschaften vermuteten. Nun sind für 2011 neue Personalausweise geplant, und wieder ist die Kirche alarmiert. Die Ausweise dürften 'weder sichtbar noch unsichtbar die Zahl 666 enthalten', forderte diese Woche in Athen der Heilige Synod, die oberste Kirchenleitung, nach einem Treffen mit Beamten, Juristen und Computerspezialisten. Die Kirche müsse 'die Integrität des Glaubens' verteidigen, im Übrigen habe die Regierung versichert, sich der Bedenken anzunehmen. (Sdt. 20.11.2010)


"Focus"-Stinkefinger, 2010/2011

Am 22. Februar 2010 betitelte das Nachrichtenmagazin "Focus" seine Ausgabe mit "Betrüger in der Euro-Familie“ und meinte damit die Griechen. Auf dem Titelbild war eine Fotomontage der Statue der Aphrodite von Milos zu sehen, die dem Leser den „Stinkefinger“ zeigte. Sechs Griechen stellten deshalb Strafanzeige.Daraufhin ermittelte die griechische Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung gegen den Herausgeber Markwort, weiteren neun Redakteuren sowie Mitarbeitern von Focus. Den Angeklagten könnten bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafen drohen. (Welt Online vom 20.04.2011)

Hongkong

Tageszeitung "Apple Daily": Hitler-Bild und deutsche Fußball-Nationalmannschaft, Hongkong 1998

In der Zeitung war ein Hitler-Gemälde in Verbindung mit der deutschen Nationalmannschaft dargestellt, der man den Gewinn der Weltmeisterschaft in Frankreich prophezeite. Denn, so die Zeitung, das deutsche Team verkörpere die Qualitäten einer "Rasse, die sich nie geschlagen gibt und grimmig kämpft." Der Artikel erschien ausgerechnet am Vorabend von Jom Haschoah, dem Tag der Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die von den Deutschen ermordet wurden. Nach Protesten entschuldigte sich die Zeitung und erklärte das Bild als "Teil einer künstlerischen Gestaltung." (Spiegel 18 1998)

Indien

Verbotene Malerei, 2006

Der indische Künstler Maqbool Fida Husain lebt in London im Exil, weil in Indien diverse Klagen gegen den Maler anhängig sind. Insbesondere konservative Hindu-Organisationen fühlen sich beleidigt, weil der muslimische Künstler es immer wieder gewagt hatte, Hindu-Göttinnen unbekleidet zu malen. Zunächst wurden seine Gemälde „nur“ zerstört oder beschmiert. Mittlerweile geht selbst die Regierung gegen ihn vor. (FAZ 20.12.06)

Tennisspielerin Sania Mirza: kurze Röcke und ärmelfreie T-Shirts, 2006

Die indische Tennisspielerin Sania Mirza wurde von den Tugendwächtern kritisiert, weil sie zu ihren kurzen Röcken gern mal ärmelfreie T-Shits trug. Islamistische Eiferer meldeten sich per Fatwa zu Wort und bezeichneten diese Tenniskleidung als „unislamisch“, die eine Bedeckung erfordere. Weil die Sportlerin nicht folgte, wurden Strohpuppen mit ihrem Gesicht verbrannt. Mirza musste Leibwächter einstellen. Als der Druck zu groß wurde, gab sie öffentlich Entschuldigung ab. Ähnliches passierte, als der südindische Filmstar Khushboo indischen Männern empfahl, hinfort auf die „altmodische Annahme zu verzichten, dass alle Frauen als „Jungfrauen in die Ehe gehen“ müssten. Ihre zusätzliche Empfehlung, gegen Aids Kondome zu benutzen, wurde als Angriff auf die öffentliche Moral gewertet. Sie erhielt eine Anzeige, musste 200 Dollar Kaution zahlen und sich entschuldigen.(Spiegel 3 2006)

Zuviel Haut: indische Tennisspielerin Mirza

Biertrinkender Jesus in Grundschulbuch, 2010

Die Abbildung löste bei indischen Christen Empörung aus. Der Erzbischof Jala: "Wir sind zutiefst geschockt und empört." Und auch die Regierung verurteilte den "gotteslästerlichen Akt". (Sdt. 23.2.2010)


Handy-Verbot für ledige Frauen, Indien 2010

Unverheiratete Frauen dürfen in einem Dorf im Norden Indiens künftig keine Handys mehr besitzen. Über Mobiltelefone könnten nach hinduistischer Sitte verbotene Ehen angebahnt werden, die häufig zu sogenannten Ehrenmorden führten, erklärte der Dorfrat in Lank zur Begründung. Ledige junge Männer können dagegen weiter Handys benutzen - allerdings nur unter Aufsicht ihrer Eltern. (APA/dapd 24. November 2010)


Indien streitet über Wahlwerbung durch Lotusblüten, 2013

Eine Partei in Indien ist entsetzt über die zahlreichen Lotusblumen, die in den Teichen in voller Herbstblüte stehen. Da die Pflanze das Symbol der Partei BJP ist, sei der Anblick eine unfaire Beeinflussung der Wähler, argumentiert die rivalisierende Kongresspartei. Alle Wasserflächen müssten abgedeckt und die schwimmenden Blüten versteckt werden, schrieb die Partei laut einem Bericht der «Times of India» an die Wahlkommission. Im Bundesstaat Madhya Pradesh stehen bald Wahlen an. Einmalig ist die Forderung keineswegs: Bei den vergangenen Wahlen im Bundesstaat Uttar Pradesh mussten auf Weisung der dortigen Wahlkommission tatsächlich sämtliche Elefanten-Statuen verhängt werden, weil der Dickhäuter das Logo der Partei Bahujan Samaj Party (BSP) darstellt. Der Wahlbeauftragte in Jabalpur war laut dem Bericht zunächst überfordert mit der Anfrage und reichte sie weiter. Alle Teiche abzudecken wäre indes ein großes Unterfangen, da in Madhya Pradesh Lotus für den Verkauf im ganzen Land angepflanzt wird. Die schwimmende Pflanze ist die Nationalblume des Landes und gilt als Zeichen für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit. Ein Sprecher der Lotus-Partei BJP (Bharatiya Janata Party) argumentierte in der Zeitung: Wenn die Blüten abgedeckt werden, dürfen die Menschen auch bald ihre Hände nicht mehr aus den Taschen nehmen. Eine erhobene Hand nämlich ist das Symbol der Kongresspartei. (FAZ 1.11.2013)

Böller mit Gottheit Lakshmi und Hitler, 2014

(Spiegel 1 2014) Der dritte Tag des indischen Lichtfestes Diwali ist der Gottheit Lakshmi gewidmet, zu deren Ehren u.a. Feuerwerkskörper gezündet werden, die u.a. die Gottheit zeigen. Deshalb kam es immer wieder zu Beschwerden, da die abgebrannten Böller nach vollbrachter Tat die zerfetzte Göttin zeigten. Sie wurde daraufhin gegen Hitler ausgetauscht.

Indonesien

“Spiegel“-Zensur: Frauen im Bikini, 1976

Der „Spiegel“-Titel wurde zensiert, weil dort Frauen zuviel Haut gezeigt hatten. (Spiegel 53 1976)

Unzensierte und zensierte Fassung

Proteste gegen den „Playboy“, 2007

Der Lippenstift gilt als Beweis für westliche die Dekadenz und Bilder von Nackten sind verboten. Deshalb wurde in Indonesien der Chefredakteur des „Playboys“ mit zwei Jahren Haftstrafe bedroht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn beschuldigt „die Gesellschaft in Verwirrung gebracht“ und der „Moral des Landes“ geschadet zu haben. Die Anklage wurde aus formaljuristischen Gründen abgewiesen. Die Vereinigung „Front der Islamischen Verteidiger“ hatte für den Fall eines Freispruchs einen „Krieg“ angekündigt. In den beanstandeten „Playboys“ indonesischer Fassung aber waren gar keine nackten Frauen, sondern nur welche mit nackten Beinen und tiefen Dekolletees, was streng gläubige Muslime bereits als Affront werten. (Welt 7.4.2007)Bereits im April 2006 hatten Vertreter der "Islamischen Verteidigungsfront" die Redaktionsräume des „Playboy“ in Jakarta gestürmt und die komplette Einrichtung demoliert. Die Justiz verzichtete auf eine Ahndung des Vergehens. Hernach wurde ein Gesetz gegen „unzüchtiges Benehmen“ vorangetrieben: Frauen sollten demnach auf des zeigen „sensibler Körperteile“ wie Schultern, Beine und Bauchnabel verzichten. Diese sollten nur noch bedeckt gezeigt werden. Auch das „Küssen in der Öffentlichkeit“ sollte mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft werden. Gleiches gilt für „provokative Kunst“. (Sdt. 27.7.2006)

Proteste gegen den "Playboy" in Indonesien - Lippenstift als Beweis

Erotik- und Porno-Videos

Ariel, Luna Maya und Cut Tari, Indonesien 2010

Seit 2008 ist in Indonesien ein strenges Gesetzt gegen Pornographie in Kraft. 2010 tauchte ein Video auf, dass sich rasend schnell über das Netz verbreitete, auf dem die drei Protagonisten beim Sex miteinander zu sehen sind. Ihnen wurde deshalb ein Prozess wegen Herstellung von Pornographie angekündigt, was mit bis zu 12 Jahren Haft bestraft werden kann. (Sdt. 23.6.2010)

Still aus dem Video mit Ariel und Luna

Strafe für schief gesungene Hymne, 2010

Bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe droht auf den Philippinen denjenigen, die die Nationalhymne falsch singen? Wer die Töne nicht richtig trifft oder wem die rechte Inbrunst fehlt, muss mit Strafe rechnen. Das Repräsentantenhaus hat 2010 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet und die sangesstarken Philippiner damit am Dienstag verblüfft. "Lupang Hinirang (auserkorenes Land) sollte im Tempo eines Marsches gesungen werden", befahlen die Parlamentarier und gaben den genauen Takt vor. Wer bei den Tönen daneben haut oder nicht mit genügend Inbrunst singt, muss auch mit einer Strafe rechnen. 100.000 Pesos - rund 1.700 Euro - Geldstrafe oder zwei Jahre Gefängnis. Der Hotelangestellte Mario Damontes hatte kein Problem damit: "Das ist in Ordnung, ich finde auch, das wir Respekt zeigen müssen, wenn wir die Hymne singen." (heute online 5.10.2010)

Irak

Boykott des Staubsaugers "Henry", 2009

Frankreichs Fußballer Henry hatte beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Irland entscheidende Tor eingeleitet, indem er den Ball regelwidrig mit der Hand spielte. Es gab zahlreiche Proteste. Im Irak weigerten sich Putzfrauen sogar, den Staubsauger gleichen Namens "Henry" weiterhin zu verwenden. (Sdt. 25.11.2009, zit. nach Sun)

Iran

Schlipse verboten, 2000

Schlipse galten 2000 den Hütern der islamischen Revolution als Symbol der westlichen Kultur und wurden auf der Urlaubsinsel Kisch verboten. (MZ 8.8.2000)

Heidi Klum bei der WM-Auslosung: zuviel nackte Haut, Iran 2005

Das iranische Fernsehen zeigte die Auslosung zur Fußball-WM zeitversetzt, um die Bilder mit dem tiefdekolletierten Model rauszuschneiden. (MZ 12.12.2005)

Klum während der Auslosung

Sex-Tape mit Schauspielerin Sarah Amir Ebrahimi, Teheran 2006

Gerade im sittenstrengen Iran brach 2006 ein Schmuddel-Video brach alle Verkaufsrekorde und bedrohte den TV-Star Sarah Amir Ebrahimi mit Karriereende und Peitschenhieben. Der attraktive TV Star trat bisher vornehmlich in einer Art iranischer „Lindenstraße“. Dann tauchte ein Sexstreifen auf, der landesweit bei Straßenhändlern reißenden Absatz fand. Das Tape wurde als „Schande für das Land“ tituliert. Nach den strengen Moralvorschriften der islamischen Republik ist ohnehin jegliche intime Nähe zwischen Männern und Frauen in der Öffentlichkeit verboten. Selbst harmloses Kuscheln auf der Parkbank kann junge Paare vor den Richter bringen, erst recht, wenn man nicht verheiratet ist. Sex außerhalb der Ehe wird mit bis zu 100 Peitschenhieben bestraft. Im Fall von Ebrahimi drohte den DVD-Produzenten sogar die Todesstrafe. Weil der Sexstreifen die rigoros verfemte Prostitution fördere, plädierten die Ermittler angeblich für die auch im Iran umstrittene Steinigung. Der Lover der beliebten Schauspielerin wurde bereits verhaftet, doch will er zur Zeit der freizügigen Begegnung mit Ebrahimi eine „Ehe auf Zeit“ geführt haben – mit der nach schiitisch-islamischer Praxis Sex vor der offiziellen Hochzeit oder auch Seitensprünge nicht mehr ganz so sündhaft sind. (Spiegel 48 2006)

Szene aus dem umstrittenen Sex-Video

Verbot westlicher Fremdwörter, 2006

2006 verbietet der iranische Präsident Ahmadinedschad westliche Fremdwörter in Regierungs- und Behördenstellen. Alle offiziellen Dokumente, Schulbücher und Zeitungen sollen künftig nach den neuen Regeln raus gegeben werden. Zum Beispiel wurde aus dem im Iran gebräuchlichen „mobile phone“ (handy) ein „Telefon, das man mit sich trägt“, wobei der westliche Begriffe Telefon durch nichts in Farsi, der persischen Sprache, zu ersetzen ist. Aus „Fax“ wurde „Fernschreiben“, ein „Helikopter“ „ein Gerät mit drehbaren Tragflächen“ , aus „Pizza“ ein „dehnbarer Laib“ und aus „Pizza Tonno“ ein „dehnbarer Laib mit Thunfisch und Zwiebeln. (Sdt. 31.7.2006)

Zack Snyder: “300“ (Die Schlacht an der Termophylen), 2007

Der Film über die antike Abwehrschlacht der Griechen gegen die Perser sei eine klare Beleidigung aller Iraner und eine Schande für Hollywood, urteilte der iranische Kulturminister Hussein Safar Harandi. Die Macher wollten sich mit dem Film an den iranischen Menschen rächen und ihre glorreiche Geschichte in Frage stellen. (Welt 5.4.2007)

"Busenbeben" - leicht bekleidete Frauen verantwortlich für Naturkatastrophen, Iran 2010

Ein iranischer Geistlicher behauptete, dass leicht bekleidete Frauen für Naturkatastrophen wie Erdbeben mit verantwortlich seien: "Viele Frauen, die sich nicht zurückhaltend kleiden, führen junge Männer von ihrem Weg ab, korrumpieren ihre Keuschheit und verbreiten Unzucht in der Gesellschaft, die die Gefahr von Erdbeben erhöht". (Prediger Sedighi, Teheran 16.4.2010). Daraufhin starteten Frauen eine Gegeninitiative und riefen den "Boobquake-Day" aus, an dem möglichst viel Haut gezeigt werden solle, um zu beweisen, dass die Erde dann doch nicht bebt. (zdf online 27.4.2010) Doch ausgerechnet an dem Tat erschütterten Erdstöße von einer Stärke 6,9 Taiwan. (Sdt. 29.4.2010)

Busenbeben 2010

"Eine Enzyklopädie des Arabischen Golfs" (Buch), 2010

Auf der Internationalen Teheraner Buchmesse wurde 2010 der ägyptische Stand von den iranischen Behörden geschlossen. Grund: Es hatte einen Streit um die korrekte Benennung des "Persischen Golfs" bei dem o.g. Buchtitel gegeben. (Sdt. 8./9.5.2010)

Keine ausländischen Gerichte im Fernsehen, Iran 2011

Von der Medienaufsicht wurde im Februar 2011 ein verbot ausgesprochen: in Kochsendungen dürfen keine ausländischen Rezepte präsentiert werden. Darunter allen auch die im Iran beliebten Pizzas und Pastas sowie Hamburger. (WN 7.2.2011)


Wider die "vulgäre westliche Kultur": Verbot von Halsketten, 2011

70000 Mann patrouillierten im Juni 2011 durch die Straßen iranischer Städte und vollstrecken Razzien. Gesucht werden Männer, die Halsketten tragen. Werden sie gefunden, droht ihnen eine Geldstrafe oder sogar die Verhaftung. Denn Ketten, so ein neuer Nachtrag in Teherans 'Plan zur Sicherung der Moral' vom Juni 2011, seien 'nicht islamisch'. Sie stellten ein 'kulturelles Problem' dar, das zur 'blinden Imitation der vulgären westlichen Kultur' führe. Nicht nur Ketten tauchen im Katalog des Verbotenen auf, sondern auch mondäne Haarschnitte und kurzärmelige Hemden. Bereits 2001 gab es Berichte über die sog. Moralpolizei des Geistlichen Führers Ajatollah Ali Khamenei, die eine Übernahme westlicher Moden verhindern sollte. Wer 'Zeichen und Symbole der Depravation' öffentlich präsentierte, wurde bestraft. Schon damals wollte das iranische Parlament den Besitz von Hunden kriminalisieren. Ladenbesitzer warnte die Polizei davor, Damenunterwäsche und nackte Mannequins in die Vitrinen zu stellten oder Produkte zu verkaufen, die westliche Prominente zeigten. In Cafés durften Frauen nicht bedient werden, die sich nicht an den Dresscode des Regimes hielten. (sdt. 18.6.2011)

Vorbildliche Frisuren

Iranische Nationalspieler wegen "unmoralischem Jubel" suspendiert, 2011

Beim Torjubel hat ein iranischer Fußballer seinem Teamkollegen an den Po gefasst, beide wurden daraufhin von ihrem Verein gesperrt. Die Club-Verantwortlichen sprechen von einem Bruch "ethischer Tabus in hässlicher Art und Weise". Obwohl beide Spieler diese Geste als Spaß bezeichneten, wurden sie vorläufig ausgeschlossen. Beiden Profis wurde nach Berichten staatlicher Medien zudem das Gehalt um 15 Prozent gekürzt. "Nosrati hat elf Jahre zur Nationalmannschaft gehört, aber das zählt für uns nicht, wenn es zu einem Bruch sozialer und ethischer Tabus in solch hässlicher Art und Weise kommt", sagte ein Persepolis-Sprecher der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. (Spiegel online 1.11.2011)

Barbie-Puppen verboten, 2012

Für Irans Sittenwächter gilt die Barbie-Puppe als Symbol unmoralischer westlicher Kultur. 2012 wurden alle Inhaber von Spielzeuggeschäften angewiesen, die blonden, langbeinigen Puppen nicht mehr zu verkaufen. Ein ranghoher Polizist teilte im Januar 2012 mit, dass bereits dutzende Läden geschlossen wurden, in denen die Puppen angeboten wurden. Die Polizei werde die Offensive gegen die „Symbole der permissiven westlichen Kultur“ fortsetzen, kündigte er an. Bereits seit Jahren unternimmt die Polizei regelmäßig Kampagnen gegen die blonden Barbie-Puppen aus den USA. Zugleich schuf der Iran als Gegenstück eine eigene schwarzhaarige und von Kopf bis Fuß verhüllte Figur namens Sara. Die Aktionen verstehen sich als Kampf des iranischen Regimes gegen „die Invasion der westlichen Kultur“ nennt. Dazu gehören vor allem Filme, Musik, Haarschnitte und Kleidung.(WN 21.1.2012)

Simpsons verboten, 2012

Das iranische Institut für die geistige Entwicklung von Kindern und jungen Erwachsenen verbot 2012 den Verkauf von Simpsons-Puppen. (Sdt. 7.2.2012)

Zensur in Iran: Jugendliche landen nach "Happy"-Tanz im Gefängnis, 2014

Drei junge Männer und drei junge Frauen aus Teheran hatten ihre Version von Pharrell Williams' Song "Happy" aufgenommen und den Clip auf YouTube gestellt. Die Frauen tanzten dabei unverschleiert. Alle sechs Jugendlichen wurden von der Sitten- und Internet-Polizei identifiziert und festgenommen. Nach der Veröffentlichung eines "vulgären Clips im Cyberspace", der gegen die "öffentliche Sittsamkeit" verstoße, seien alle Beteiligten ermittelt und festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die Teheraner Polizei. Die sechs Festgenommenen hätten ihre "kriminellen Taten" gestanden. Ihr "Happy"-Video wurde entfernt, doch andere Nutzer luden Kopien der Teheran-Version von "Happy" hoch. Auf Twitter machten zudem zahlreiche Nutzer unter dem Hashtag #FreeHappyIranians auf das Schicksal der Jugendlichen aufmerksam. Die "BBC" berichtete später, dass die Jugendlichen nach Informationen der International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) wieder freigelassen worden seien. Laut iranischen Gesetzen sind westliche Popmusik, gemeinsamer Tanz unverheirateter Männer und Frauen sowie öffentliches Auftreten der Frauen ohne Schleier verboten. Auch das Internet wird in Iran massiv überwacht, der Zugang zu YouTube ist untersagt. Die eigens gebildete "Moralpolizei" wacht darüber. (spiegel online 22.5.2014)


Peitschenhiebe für Hundehalter, 2015

Konservative Abgeordnete versuchten 2014 den Besitz von Hunden mit bis zu 74 Peitschenhieben zu bestrafen. Begründung: das Spielen oder Spazierengehen mit Hunden oder Affen in der Öffentlichkeit beschädige "die islamische Kultur sowie die Hygiene und den Frieden anderer." (WN8.11.2014)

Irland

"Gott hat immer recht", Blasphemie-Gesetz, 2010

1995 erschien in der irischen Wochenzeitung "Sunday Independent" eine Karikatur, die seit dem Inkrafttreten der Verfassung 1937 wegen mutmaßlicher Blasphemie als einzige Publikation vor den Richter kam: ein dicklicher Priester, der Hostie und Wein an drei prominente Politiker reicht, die sich leicht abwenden und zum Abschied winken. Der Fall wurde wegen mangelnder Definition, was Gotteslästerung denn sei, eingestellt. Seit 1.1.2010 aber gilt ein neues, detailliertes Gesetz, das regelt, wer Gott lästert und was er an Strafe zahlen soll: bis zu 25 000 Euro Strafe bezahlen. Selbst Hausdurchsuchungen sind erlaubt, wenn ein Richter den Verdacht hat, dass verbotenes Material gelagert wird. (Sdt. 11.1.2010]

Islam

Porno und Islam, 2005

In Pakistan besuchen mehr als 60 Prozent aller Internet-Nutzer pornografische Seiten. Als Chomeini 1979 an die Macht kam, hatten die religiösen Eiferer zahlreiche Prostituierte hinrichten lassen. Auch 2005 galt im Iran die Verbreitung von Pornografie als Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wurde. Der Chefzensor Indiens Anand sagte über sein Land: „Es gibt in Indien eine Nachfrage nach solchen Filmen, und wir Zensoren können nicht ständig unseren Daumen auf die Pornografie halten. Indem wir solche Kinos einrichten, würden wir Menschen, die derartige Filme sehen möchten, ein Ventil bieten.“ Im Iran hatten die Mullahs „vorübergehende Ehen“ zugelassen, in eigens für diese Zwecke bestimmten Gebäuden. Das alles gegen Gebühr. (Rushdie im Spiegel 10 2005)

Mäuse: „Soldaten des Teufels“, Saudi-Arabien 2008

Ein islamischer Fernsehprediger aus Saudi-Arabien rief alle gläubigen Muslime auf, Mäuse zu töten. Er riet auch davon ab, Kindern zu erlauben, Zeichentrickfilme mit Micky Maus oder Tom und Jerry anzuschauen. Nach dem islamischen Recht sind Mäuse unerwünschte Tiere, die abzulehnen seien. Der Prediger bezeichnete sie als „Solddaten des Teufels“. (MZ 18.9.2008)

Israel

Lufthansa: Vorwurf des Antisemitismus, 1991

In Zeitungsanzeigen hat der israelische Verband der Reiseunternehmen die Lufthansa des Antisemitismus beschuldigt. „Das ist das wahre Gesicht der deutschen Fluggesellschaft“, überschrieb der Dachverband die Abbildung eines Lufthansa-Cartoons und einer Karikatur aus dem Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“. Hintergrund der Auseinandersetzung war ein dreijähriger Streit zwischen Lufthansa und einer israelischen Billigfluglinie um Discount-Tickets. (Spiegel 19 1991)

Anti-Lufthansa-Anzeige: "Das wahre Gesicht der Lufthansa"


“Mein Kampf“ veröffentlicht, 1995

Die Debatte zur Veröffentlichung hielt sich in Grenzen, gleichwohl es Stimmen gab, die meinten, in Israel solle nicht erscheinen, was selbst in Deutschland verboten ist. Ein Jahr vorher hatte die Übersetzung von Célines Roman „Reise bis ans Ende der Nacht“ eine heftige Debatte ausgelöst. Zu den Gegnern gehörte der Faschismusforscher Zeèv Sternhell, der Céline das Rederecht in der Sprache der Opfer verweigern wollte. Aus demselben Grunde möchte er auch in Israel nicht die Musik Richard Wagners hören.

Sarah Jessica Parker: Werbung für „Lux“-Seife – zu freizügig, Israel 2004

Der Star der Serie „Sex and the City“ erregte mit freizügiger Bekleidung den Zorn israelischer Ultraorthodoxer. Gegen das Werbeposter für „Lux“-Seife und der Schauspielerin im Minikleid und mit Spaghetti-Trägern protestierten die Rabinner. (Spiegel 49 2004)

Werbung für „Lux“-Seife



Verbot von Frauengesang, 2011

In Israel flüchteten strenggläubige Soldaten vor Frauengesang - legitim sagen einige Rabbiner und verlangen gar ein Verbot von weiblichem Gesang in der Armee. Zum Hintergrund: Einem Schutzinstinkt folgend haben in Israel ein paar besonders strenggläubige Offiziersanwärter das Weite gesucht, als bei einer Armee-Feier plötzlich Frauengesang die Zuhörer umschmeichelte. Weil sie um keinen Preis zurückkommen wollten, wurden die Soldaten dann wegen Befehlsverweigerung aus dem Offizierskurs geworfen. Doch die mächtigsten Rabbiner des Landes gaben ihnen Rückendeckung: Sie verlangen von der Militärführung, dass künftig keine Frauen mehr vor religiösen Soldaten singen sollen. (Sdt. 29.9.2011)


Israelische Tageszeitung Haaretz zeigt Westerwelle nur kurz privat, 2012

Das Foto zeigte auf der Internetseite von Haaretz den deutschen Außenminister Guido Westerwelle in blauem Polohemd und heller Sommerhose biertrinkend in einer Schwulenbar im Stadtzentrum von Tel Aviv. Einen Tag später waren Artikel und Foto verschwunden. Die Geschichte fand man danach nur noch als bilderlose Kurzmeldung, wenn man 'Westerwelle' und 'Gay Bar' bei Haaretz eintippte. Auch Twitter-Meldungen mit einem Link zum Haaretz-Artikel waren leer. Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, es habe erst durch die Anfrage vom gelöschten Außenminister erfahren. Die Haaretz-Nachrichtenchefin Noa Landau verteidigte die Löschung: Sie empfand, sagte sie, die Geschichte sei 'reiner Klatsch', und Haaretz sei für Klatsch nicht zu haben. Der Autor des Haaretz-Artikels hingegen ließ auf die Frage, was er von der Löschung Westerwelles halte, vermelden: Das darf man nicht schreiben. (SZ vom 13.09.2012)


Rabbi in Israel: Gläubige sollen Smartphones verbrennen, 2012

Ultraorthodoxe Juden sollen keinen Bildern ausgesetzt werden, die ihren Wertvorstellungen widersprechen. Deshalb wurde 2012 den Smartphones von Apple, Samsung und andern Herstellern der Kampf angesagt. Der einflussreiche Rabbiner Chaim Kaniewski rief seine Anhänger dazu auf, ihre Smartphones zu verbrennen, und die religiöse Zeitung "Yated Neeman" veröffentlichte auf ihrer Titelseite das von Kaniewski verordnete Verbot. Darin untersagte der Rabbiner den Besitz eines Smartphones. Jene, die bereits eines besäßen, müssten es verbrennen, hieß es in seinem Erlass. (APA 26.9.2012)

Rabbi in Israel: Frauen am Steuer - "unzüchtig", 2013

Der Rabbiner Amnon Itzhak war dieser Ansicht, weil ein Auto nur eine Art Kutsche sei, "und es gab niemals Frauen, die ein Kutsche lenkten". Vorher hatte sich bereits der Rabbiner Schmuel Wosner gegen Frauen am Steuer ausgesprochen: Das sei unmoralisch, denn Frauen, die sich an öffentlichen Orten wie Märkten zeigten, könnten andere Menschen in Versuchung führen. (FAZ 16.11.2013)

Italien

“Oben ohne“-Badeverbot, 1983

Immer wieder mussten sich Richter des italienischen Kassationsgerichtshofs, der obersten richterliche Instanz, damit beschäftigten wie viel Textil ein weiblicher Körper an italienischen Stränden bedecken muss. Eine einheitliche Meinung gab es nicht. Nach dem letzten Entscheid 1983 war an sich „oben ohne“ wieder verboten. Doch die Praxis blieb unterschiedlich: manche Badeorte hatten nichts dagegen, andere wohl. Am gefährlichsten war der Strand von Alberese bei Grosseto: in einer Badesaison wurden 100 „Oben-ohne“-Badende festgenommen und mit Geldbußen zwischen 35 und 700 DM oder auch Haftstrafen bis zu einem Monat bedroht. (Spiegel 23 1983)

"Oben-ohne" mal verboten, mal nicht
Italienische Strände an denen es verboten war

Fluchverbot für italienische Fußballer, 2010

Im März 2010 wurden in der italienischen Liga "Serie A" die ersten Sperren wegen gotteslästerlichen Fluchens ausgesprochen. Als erster Sünder überführt wurde Domenico Di Carlo, der Trainer des Erstligisten Chievo Verona, der u.a. das Wort "Dio" (Herrgott) gerufen hatte. Die Worte des Lasters wurden - so der Beweis - von den Lippen abgelesen. (Südt. 4.3.2010)

Verbote am Strand: Laufverbot und Verbot Löcher zu graben, Ravenna/Eryclea 2010

Allein in Italien gibt es 150 örtliche Sonderregelungen, bei verstoß drohen Geldstrafen oder Haft. So ist es im venezianischen Eraclea verboten Löcher in den Sand zu buddeln oder Burgen zu bauen. Am Dante-Strand bei Ravenna darf man auf den ersten 200 Metern nur laufen, nicht liegen. (Sdt. 13.10.2010)

Japan

Montagen: Kanzler Erhard auf Bierglas - General de Gaulle auf Gemüseteller, 1965/66

1965 wurde der französische Staatspräsident General de Gaulle auf der Titelseite des Herrenmagazins "Hoseki" in einer Montage auf einem Gemüseteller präsentiert. Der französische Botschafter intervenierte umgehend und sprach von einer "schere(n) Beleidigung der französischen Nation und des Staatspräsidenten". Ein Jahr später wurde Bundeskanzler Erhard auf der selben Titelseite auf ein volles Bierglas montiert. Bonn reagierte nicht. (Spiegel 30 1966)

Kanzler Erhard auf Bierglas - General de Gaulle auf Gemüseteller

Zensiertes "Spiegel"-Titelblatt, 1975

Das "Spiegel"-Titelblatt mit einem Foto aus dem Film "Geschichte der O" wurde auf der Frontseite des japanischen Magazines "Shu´`kan Yomiuri" nur in einer zensierten Form veröffentlicht. (Quelle: Spiegel 43 1975)
Zensiertes Foto aus dem Film "Geschichte der O"

Werbeposter: Britney Spears - nackt und schwanger, Tokio 2006

Ursprünglich sollte ein Bild der nackten, schwangeren Sängerin nicht auf den Werbeflächen der Tokioer U-Bahn aufgeklebt werden, da es für die japanischen Jugendlichen, so die Befürchtung, ein zu großer Schock sein könnte. Nach Diskussion, die auch in Deutschland geführt wurde, wurde es aber doch zugelassen. (MZ 14.9.06)

Werbeposter: Britney Spears - nackt und schwanger, Tokio 2006



Japaner fordern Unterhose für David-Kopie, Okuizumo 2012/13

Ein japanischer Geschäftsmann schenkte seiner kleinen Heimatstadt Okuizumo im Sommer 2012 zwei fünf Meter hohe Kopien von Michelangelos David und der Venus von Milo. Die Statuen wurden in einem öffentlichen Park aufgestellt. Daraufhin forderten mehrere Einwohner, dass zumindest David seine Blöße mit Unterwäsche bedecken sollte. "Es ist das erste Mal, dass wir so etwas in unserer Stadt haben, wahrscheinlich haben die Statuen einige unserer Bewohner verwirrt", sagte der Stadtverwalter Yoji Morinaga. "Unbekleidete Statuen sind in unserer Gegend sehr selten. Einige Leute glauben nun, dass sie nicht gut seien für ihre Kinder." (Kurier online 6.2.2013)


Kambodscha

Tierisch klingende Hupen verboten, 2007

Die kreativen Hupen, die bellen, wiehern oder wie Hähne krähen, waren 2007 ein Hit, um sich im Verkehrschaos des Landes Gehör zu verschaffen. Die Polizei hingegen machte sie für zahlreiche Unfälle verantwortlich und verbot sie. Verwarnung und "Umerziehung" wurden deshalb angedroht. (WN 31.10.2007)

Kanada

Passbild: Nur noch ernste Gesichter, 2003

Die kanadischen Behörden verfügten aus Sicherheitsgründen, dass auf Passbildern ein neutraler Gesichtsausdruck Pflicht sei. Denn, wer lächle, sei nicht so schnell und klar zu identifizieren. (MZ 28.8.2003)

Hostie für einen Schäferhund, Toronto 2010

Eine Priesterin der anglikanischen Kirche verteilte die Hostie in die Sankt-Peter-Kirche in Toronto gegangen sei an Herrchen und Hund. Die Priesterin Marguerite Rea habe sich hingekniet und dem Schäferhund eine Hostie - Symbol für den Leib Christi - auf die heraushängende Zunge gelegt. Einige anwesende Gläubige fanden das anstößig. Der Vorfall wurde dann in den Medien Thema und immer mehr Menschen beschwerten sich. Die hundefreundliche Priesterin musste sich schließlich beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag vor versammelter Gemeinde entschuldigen. (zdf online 28.7.2010)

Kolumbien

Sammelbilder vom Drogenboss, 2012

In Kolumbien erschienen 2012 Sticker vom Drogenboss Pablo Escobar und weiteren Verbrechern für ein Sammelalbum. In dem Album können auf 16 Seiten Bilder bekannter Schwerverbrecher vornehmlich aus dem Milieu der organisierten Drogenkriminalität eingeklebt werden. Die von fliegenden Händlern in der westlichen Großstadt Medellín verkauften Sammelbildchen gruppieren sich um den einstigen Chef des Medellín-Kartells, Pablo Escobar. Verkauft wurden die Hefte und Sammelbildchen für Kleinstbeträge vor allem in den Armenvierteln der Stadt. Die Sicherheitsbehörden in Medellín kündigten zeitnah an, die Alben und Sticker zu beschlagnahmen. (FOCUS Online 10.8.2012)

Kongo

Kleiderordnung: "Nieder mit dem (europäischen) Anzug, 1971

Der Abacost ist eine an den Stil Mao Zedongs angelehnte Jacke, die während der Revolution im Kongo unter Mobutu Sese Seko ab 1971 als Nationaltracht für die einheimische Führungsschicht vorgeschrieben wurde. Auch Mobutu selbst trug diese Jacke. Der Kragen bleibt im Gegensatz zum chinesischen Vorbild aufgeknöpft. „Abacost“ steht für die Forderung «A bas les costumes! - Nieder mit dem (europäischen) Anzug!» und war als Protest gegen die Kolonisierung durch Europäer zu verstehen.Mit dem beginnenden Machtverlust Mobutus ab 1990 wurden neben dem Abacost auch Anzüge und Krawatten nach westlichem Vorbild wieder offiziell zugelassen.(u.a. Wikipedia)

Kuba

Monopoly, 2010

Das 1935 patentierte Spiel ist bis heute in Nordkorea und Kuba verboten. (Sdt. 25./26.9.2010)

Parfums "Ernesto" und "Hugo": Kuba verbietet Düfte der Revolutionäre, 2014=

Die Parfums sollten Männer mit dem Hauch des Revolutionärs umwehen: Als Hommage an Che Guevara und Hugo Chávez wollte eine kubanische Firma Herrendüfte herstellen. Doch Kubas Regierung ging das zu weit: Die Vorhaben seien despektierlich gegenüber den beiden "heiligen" Symbolfiguren der Revolution. (Spiegel online 30.9.2014)

Kuweit

Zensiertes "Spiegel"-Titelblatt, 1979

1979 wurde das Titelblatt des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" (51/1979) aufgrund der freizügigen Darstellung zum Thema "Privat-Fernsehen - Sex auf allen Kanälen?" geschwärzt. (Quelle: Spiegel 1/2 1980)
Unzensierte und zensierte Fassung

Libanon

“Spiegel“-Titel 42 1973 zur Nahostkrise zensiert

Ursprünglich war auf dem Titel ein Davidstern abgebildet war. Im Libanon wurde der „Spiegel“ zwar verkauft, aber nur mit dem weg geschnittenen Stern.(Spiegel 44 1973)

zensierter "Spiegel"

Malta

"Colonna Mediterranea", Malta 2010

Dass die Keramikskulptur Assoziationen an einen Penis auslösen könnte, führte angesichts des bevorstehenden Papst-Besuches auf Malta zu Forderungen nach einer Entfernung. Lokalpolitiker bezeichneten sie als "peinlich" und "obszön" und schließlich sollte dies doch nicht der erste Eindruck sein, den der Papst von Malte erhalte. Die Skulptur steht in der Nähe des Flughafens. (Kurier 13.4.2010)

"Colonna Mediterranea", Malta 2010

Marokko

Kußfoto auf facebook mit Gefängnis geahndet, Marokko, 2013

In Marokko wurden 2013 zwei Teenager von der Polizei festgenommen worden, weil sie ein Kußfoto auf facebook veröffentlicht hatten. Die Menschenrechtsorganisation RIF berichtete, dass der 15 Jahre alte Schüler und seine 14-jährige Freundin in Nador, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten des Landes, lebten. Das Foto, auf dem der Junge und das Mädchen sich küssen, hatten sie vor ihrer Oberschule aufgenommen. "Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses" lautete die offizielle Begründung für die Festnahme. Marokkanischen Medienberichten zufolge wurde auch der 15-jährige Freund des Pärchens, der das Foto geschossen hatte, verhaftet. Wegen der Festnahme kam es zu zahlreichen Protesten. Viele Sympathisanten protestierten zudem gegen die Verhaftung, indem sie selbst Kußfotos veröffentlichten. (WN7.10.2013)


Mexiko

Werbeverbot für Softdrinks, Mexiko 2014

Juli 2014 führte Mexiko ein schärferes Werbeverbot für kalorienhaltige Erfrischungsgetränke als jede andere Nation ein: Werktags zwischen 14:30 Uhr und 19:30 Uhr und an Wochenenden zwischen 7:30 Uhr morgens bis 19:30 Uhr abends darf für die Kaloriendrinks weder im Fernsehen noch in Kinos geworben werden. (FAZ 22.7.2014)

Niederlande

"Fußballgott": Klage über Sportreporter, NL 1996

Der niederländische "Bund gegen das Fluchen" bezichtigte 1996 Sportjournalisten der Gotteslästerung. Er forderte sie 1996 in einem offenen Brief auf, Begriffe wie "Fußball-Gott" oder "Erlöser" zu verzichten. Der Bund wurde 1917 gegründet und hatte 1997 18000 Mitglieder. (WN 14.5.1996)


Spatz erschossen: RTL-Mitarbeiter erhält Todesdrohungen, Leeuwarden 2005

Bei der Vorbereitung des RTL-Fernsehspektakels "Domino Day 2005" hatte ein verirrter Spatz 23000 von 4 Millionen Dominosteinen umgeworfen. Diese waren aufgebaut worden, um in besagter Sendung live einen Weltrekordversuch zu starten. Nach vergeblichen Versuchen, den Spatz einzufangen, wurde er - möglicherweise von einem Mitarbeiter - mit dem Luftgewehr erschossen. Der erhielt danach Morddrohungen. Tierschützer liefen Sturm. (WN 16.11.2005)

Klage gegen Deo-Hersteller, 2009

In einem Werbespot für eine Deo war ein junger Mann zu sehen, der sich im Badezimmer den Oberkörper ein sprüht. Dann verschwindet der Körper hinter einem braunen Überzug aus Schokolade und auf einmal finden ihn alle Frauen auf der Straße zum "Anknabbern".Ein 26-jähriger Niederländer klagte gegen den Spot auf 30 000 Euro Schadensersatz. Grund: Er hatte jahrelang das Deo benutzt, um eine Partnerin zu finden - sei aber erfolglos gewesen und nun depressiv. /MZ 2.11.2009)


Rassismusvorwurf: Uno fordert Ende des Nikolausfests in den Niederlanden, 2013

Eine Expertengruppe der Uno hatte das Fest als rassistisch eingestuft und die Abschaffung gefordert.Denn: "Die Arbeitsgruppe kann nicht verstehen, warum Niederländer nicht einsehen, dass dies eine Rückkehr zur Sklaverei ist und dass dieses Fest im 21. Jahrhundert aufhören muss", hatte die Vorsitzende der Kommission, Professorin Verene Shepherd, im Fernsehen gesagt. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los. Der niederländische "Sinterklaas" wird traditionell von einer Schar schwarzer Helfer, den "Zwarte Pieten" (Schwarzen Petern), begleitet. Der "Sinterklaas" kommt nach der Legende immer Mitte November in die Niederlande, um den Kindern Geschenke zu bringen. Begleitet wird der weiße Bischof von zahlreichen schwarz angemalten Helfern mit roten Lippen, lockigen Haaren und in bunten Phantasie-Kostümen. Ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender produzierte zudem eine Sendung, die wochenlang in Grundschulen gezeigt wird, in der es um die Abenteuer von "Sinterklaas" und den Scharzen Petern geht. Kindern wird zumeist gesagt, die Helfer des "Sinterklaas" seien schwarz, weil sie durch Schornsteine in Häuser gingen. Das alles sei ein harmloser Spaß, sagen Verteidiger der Tradition. Innerhalb eines Tages unterstützten fast eine Million Niederländer auf Facebook eine "Pietition" für die Tradition. Es sei nur ein Kinderfest, argumentierten Zehntausende Nutzer. Wer den Brauch verurteile, verstehe ihn bloß nicht. Zum Vergleich: Eine andere Facebook-Seite, auf der die Figur des Schwarzen Peters als rassistisch bezeichnet wird, hat seit 2011 lediglich 7000 Likes bekommen. Die große Unterstützung für die Petition zeigt die tiefe Verbundenheit vieler Niederländer mit einem Brauch, der plötzlich bedroht scheint. "Lasst die schönste Tradition der Niederlande nicht verschwinden", heißt es auf der Seite. Regierungschef Mark Rutte sagte, ihm stehe es nicht zu, über die Tradition zu urteilen. "Der Schwarze Peter ist einfach schwarz, das kann ich nicht ändern." (Spiegel online 23.10.2013)

Kim-Briefmarke:zu lange Haare

Nordkorea

Haartracht nur in „sozialistischer Manier“, 2005/2007

Die kommunistische Regierung in Nordkorea sagte 2005 langhaarigen Männern den Kampf an. Sie wurden aufgefordert, ihr Haar zukünftig nur noch in „sozialistischer Manier“ zu tragen. Ansonsten seien sie „blinde Anhänger der Bourgeoisie“ und „unhygienische, antisozialistische Dummköpfe“. Machtinhaber Kim Jong Il setzte selbst mit einem neuen Kurzhaarschnitt ein Zeichen. Unterstützt wurde die Aktion von einem Fernsehsender, der Langhaarsünder mit Namen nennt und öffentlich bloßstellt. (WN 2.2.2005) 2007 wurden die Regeln noch einmal verschärft. Nur fünf Frisuren waren fortan erlaubt, nicht kürzer als einen, nicht länger als fünf Zentimeter. Längere Strähnen allerdings durften über kahle Stellen gekämmt werden: Ausnahme von der Regelung: Diktator Kim Jong Il durfte seine Sturmfrisur hochgekämmt behalten. Für Frauen wurden Kleidungsregeln eingeführt. Sie mußten in der Öffentlichkeit Röcke und Strümpfe tragen und die arme bedecken, Hosen sowie nackte Zehen galten fortan als Tabu. (Spiegel 27 2007)

Kim-Briefmarke:zu lange Haare

"2012" (Katastrophenfilm), 2010

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il ließ den Katastrophenfilm "2012" (in ihm wird die Erde von Naturkatastrophen heimgesucht)verbieten. Er wollte nicht, dass ausgerechnet das Jahr, in dem sich der hundertste Geburtstag von Kim Il-sung, dem Gründer der Nation, jährt und das er selbst als "Jahr der nationalen Größe" ausgerufen hatte, mit dem Untergang der Erde in Verbindung gebracht werden könnte. Schmuggler von chinesischen Raubkopien wurden deshalb ins Gefängnis geworfen. (mailonline 26.3.2010)

Szene aus "2012"

Fußball-WM: Nordkorea - Portugal: 0 - 7: Fernsehsprecher schweigt, Südafrika 2010

Vor dem Spiel hatte der Generalsekretär des nationalen Fußballverbands von Nordkorea gesagt, dass der "liebe Führer" ihm eine "tiefgehende Anleitung" hat zuteil werden lassen, wie der Fußball des Landes zu entwickeln sei, und der Trainer behauptete, er empfange sogar während des Spiels fortlaufend taktische Anweisungen durch den Diktator Kim Jong-il durch ein unsichtbares Handy, das dieser persönlich entwickelt habe. Kim selbst hatte verlautbaren lassen: "Wenn unsere Spieler die Mannschaften anderer Länder schlagen, werden wir die wirkliche Stärke unseres Landes demonstrieren können." Das Spiel wurde als erste Live-Übertragung eines Fußballspiels dann in Nordkorea ausgestrahlt. Nach dem vierten Tor der Franzosen verweigerte der Kommentator in der sechzigsten Minute seinen Dienst und blieb über eine halbe Stunde stumm. Nach dem Schlusspfiff wurde die Übertragung abrupt beendet und Fabrikarbeiter gezeigt, die Kim loben. (Sdt. und FAZ 23.6.2010)

Österreich

Nackte Brust für zum „Spiegel“-Verbot, Österreich 1968

Das Magazin „Der Spiegel“ musste für drei Monate vom Markt verschwinden, weil Sittenwächtern eine nackte Frauenbrust aufstieß.

"Am Stammtisch - ein Heimatfilm", 1988

"Der Waldheim ist ein armer Hund, wie der gequält wird: Das ist der Jud, der bis heute nur Unfrieden stiftet!" - so grölt eine Runde steirischer Zecher in Trachtenjoppen: Originalton aus einer Fernsehdokumentation, die von Elisabeth Spira, einer preisgekrönten Redakteurin des österreichischen Fernsehens (ORF), im Jahr des Gedenkens an "Anschluß" und "Reichskristallnacht" gedreht worden war. "Am Stammtisch - ein Heimatfilm" nannte Spira ihren Stimmungsbericht aus der österreichischen "Waldheimat", der aktuellen Antisemitismus, Fremdenhaß und Frauenfeindlichkeit zum Thema hat. Viermal wurde der Film angesetzt - und immer wieder aus dem Programm geschmissen. Als sich schließlich Zeitungen für den "Eiertanz" ("Neue Arbeiter-Zeitung") zu interessieren begannen, reagierten Spiras Vorgesetzte sauer. Die engagierte Journalistin, selbst Jüdin, die auf einen Sendeplatz insistierte, wurde in einen unfreiwilligen Urlaub geschickt. Begründung eines Programmachers für die Zensur: Der Film sei nach viermaliger Verschiebung nicht mehr aktuell genug. (der Spiegel 51 1988)

„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“, 2005

Die Aktion des Veranstalters „25peaces“ wurde in Österreich heftig diskutiert. SPÖ, FPÖ, Feministinnen und die Boulevardpresse entrüsteten sich über großformatige Plakate, die im öffentlichen Raum anlässlich des turnusmäßigen EU-Vorsitzes Österreichs gezeigt wurden. U.a. wurden die Queen, George W. Bush und Jacques Chirac in eindeutigen Posen präsentiert und in Anlehnung an Courbet eine Frau mit weit gespreizten Beinen und nur mit einem knappen, 15 EU-Sterne tragenden Slip bekleidet, gezeigt. Der österreichische Staatssekretär für Kunst verurteilte die Plakate der Europa-Kampagne als „sexistisch“ und „die Menschenwürde verletzend“. (Welt 30.12.2005)

Plakat aus der Serie:„euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa“

AC/DC Konzert in Wels, Österreich 2009

Gegen ein für den 22.5.2010 geplantes Konzert der australischen Hardrockband auf dem Welser Flugplatz machten Umweltschützer wie der Naturschutzbund Oberösterreich mobil, weil auf dem Areal viele seltene Vogelarten zu finden seien und ein "Desaster für die Brutkolonien" befürchtet wurde. (Kurier Nachrichten 22.12.2009)

Proteste wegen "Süt" ("Türk-Milch") Aufdruck auf Milch aus Österreich, 2010

Nachdem die niederösterreichische Molkerei (NÖM) in Baden bei Wien im August 2010 vor allem türkische Supermärkte mit Milch belieferte, die eine türkische Aufschrift trugen, setzte ein Proteststurm ein. Ähnlich wie bei der Minarett-Diskussion befürchteten viele Österreicher einen Vormarsch des Islam. (Kurier online 24.8.2010)

Solistin fliegt wegen Nacktfotos aus dem Wiener Staatsballett, 2010

"Schockiert" war man im Wiener Staatsballett: Die Ballerina Karina Sarkissova ließ sich nackt in einem Magazin ablichten.Die Solistin war bereits wegen anderer Nacktfotos verwarnt worden. Nach der Veröffentlichung neuer Aufnahmen wurde sie gefeuert. Der Direktor störte sich besonders an der Titel-Aufschrift "Die nackte Ballerina - Ballett wie wir es lieben". Der Vorfall sei in der Geschichte der Staatsoper einzigartig. Meyer, der sein Amt erst nach Sarkissovas Rauswurf angetreten hatte, kündigte ein Treffen mit der Tänzerin an, um ihre Darstellung zu hören.Gegenüber österreichischen Medien sagte sie nach ihrem Rauswurf, sie fühle sich als Frau diskriminiert. (zdf online 8.10.2010)


Innsbrucker Lokal verbietet Gästen das Küssen, 2013

In einem Innsbrucker Lokal hat der Wirt 2013 seinen Gästen ein Kussverbot auferlegt. "Aus Respekt vor unseren Mitarbeitern und internationalen Gästen bitten wir Sie, Zärtlichkeiten in unserem Lokal zu unterlassen", steht auf einer Hinweistafel neben der Hausordnung. Der Wirt selbst kommentierte seinen Entscheidung so: „Wenn Gäste Zärtlichkeiten austauschen, weisen wir sie darauf hin, dass dies in unserem Lokal nicht erwünscht ist. Unterlassen sie es nicht, müssen sie gehen“ Bei der Wirtschaftskammer gingen zwei Beschwerden von rausgeworfenen Paaren ein – aber die Vorgehensweise des Wirts sei rechtens, sagte der stellvertretende Kammer-Geschäftsführer Gernot Liska.(FAZ 3.4.2013)

Pakistan

Striptease für die Emanzipation moslemischer Frauen, Pakistan/England 1991

Zarina Ramzan pakistanische Tänzerin möchte mit Striptease für die Emanzipation moslemischer Frauen kämpfen. Schon mit der Reklame für ihre Show in einem Londoner Nachtclub zog sie sich den Zorn männlicher Fundamentalisten zu. Aufgrund von Todesdrohungen aufgebrachter Muslime heuerte die Tänzerin 36 Bodyguards an. Die Show fand statt. (Spiegel 43 1991)

Striptease für die Emanzipation moslemischer Frauen

Palästina

Bauchtanz-Verbot, 2006

„Bauchtanz bedeutet nackte Frauen. Das ist unislamisch“, sagte der neue Kulturminister Palästinas Abu al-Sabh 2006. Auch Filme aus Israel sollten verboten, wegen der Gefahr einer „moralischen Korruption“. (Spiegel 16 2006)

Fahrverbot auf dem Sozius für Frauen, 2009

Einwohnerinnen des Gaza-Streifens wurde 2009 "aus Sicherheitsgründen und zur Stabilisierung der Traditionen der palästinensischen Gesellschaft" das Fahren auf dem Sozius von der Hamas verboten. (FAZ 11.10.2009)

Polen

Der Papst kommt: Werbestopp in Polen, 2006

Als der Papst Ende Mai 2006 Polen besuchte, mussten einige Unternehmen die Werbetrommel ruhen lassen. Der TV-Sender TVP, der den Papsttrip übertrug, zeigte kein Spots für Alkohol, Hygieneprodukte und Unterwäsche. (Sdt. 22./23.4.2006)

Rußland

Die Simpsons, Russland 2005/6

Ein russischer Anwalt klagte beim Moskauer Stadtgericht gegen die „Simpsons“. Denn, seiner Ansicht nach, propagierten sie Gewalt, Brutalität, Drogenkonsum und vor allem Homosexualität. Weiter hieß es in der Klage, die Serie stelle die Eltern als Debile dar und die Kinder als Idioten. Ständig werde über Sex geredet. Der Anwalt Smykow verlangte, die Ausstrahlung zu verbieten. Die Klage wurde 2005 abgewiesen. Als nächstes will der streitbare Bürger Pepsi Cola verklagen. (Spiegel 1 2006)

„Schwarze Liste“, Russland 2007

Das Bundesregistrierungsamt Rossiskaja Gaseta verfügte eine offizielle „Schwarze Liste“, die alle Werke enthält, deren Verbreitung von 2004 bis 2006 von Gericht wegen verboten war, weil sie „ethnischen, religiösen oder politischen Hass“ schüren würden. Wer die verbotenen Werke verbreitet, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. 2006 hatte Putin die Liste in Auftrag gegeben. Sie soll künftig zweimal im Jahr veröffentlicht werden. Vierzehn Werke wurden darin geächtet, wie z.B. „Musik für Weiße“ der Gruppe „Order“, Das „Buch des Monotheismus“ von Muhammad Ibn Suleiman Al-Tamimi, das als wahhabitische Inspiration für tschertschenische Gotteskrieger gilt, aber auch der Nazi Film „Der Jude“ oder Bücher des Nazis Alexej Dobrowolski. (Sdt. 18.7.2007)

Plakatieren verboten, 2011

Eine Werbekampagne zur Neuauflage der Traditionszeitung "Moskowskije Nowosti" unter dem Motto "Wir nennen die Dinge beim Namen" hat die Schmerzgrenze der politischen Elite Russlands überschritten. Plakate, mit denen das Blatt in Moskau Korruption und Unfreiheit angeprangert hatte, mussten wieder entfernt werden - angeblich aus technischen Gründen. Auf den Werbetafeln waren Zitate russischer und internationaler Dichter und Geistesgrößen zu lesen, darunter jener Satz des Satirikers Michail Saltykow-Schtschedrin: "Es gibt Legionen von Halbstarken, die das Wort Staat im Mund führen, im Kopf aber nur ein Stück vom Staatskuchen abhaben wollen." (Spiegel 13 2011)

Streit über Stalin-Porträt auf Schulheften,2012

Das Konterfei von Stalin tauchte 2012 plötzlich auf russischen Schulheften auf. Kritiker beklagten daraufhin die Verharmlosung eines Massenmörders. "Schulen sind kein Ort für politische Propaganda", sagte der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow. "Das ist so unzulässig wie ein Hakenkreuz", sekundierte auch der Duma-Abgeordnete Sergej Wolkow am Sonntag in Moskau. Stalin ist vor allem für die Kommunisten nach wie vor eine Symbolfigur: Für sie steht er stellvertretend für eine Zeit sowjetischer Macht und Größe. (Sdt. 2.4.2012)


Handbuch für Arbeitsmigranten,2012

Malerwalze, Besen, Spatel und Pinsel heißen die Hauptfiguren in einem Wegweiser für arbeitssuchende Menschen aus Zentralasien. Die Comic-Helden mit Körpern aus Holz und Metall erhalten dabei von den russischen Einheimischen mit menschlichem Antlitz Tipps und Ratschläge z.B. zu Einreiseregeln, HIV-Prävention oder Verhaltensnormen in Petersburg. Diese Form der Darstellung löste heftige Protest aus. Das Buch wurde als offizielle Broschüre der Petersburger Stadtverwaltung angesehen. Die distanzierte sich allerdings davon, vielmehr sie die regionale gemeinnützige Organisation Wsgljad w Buduschtschee (dt.: „Blick in die Zukunft") dafür verantwortlich. (FAZ 29.10.2012)


Bloodhound Gang Konzert in Odessa, 2013

Die US-Spaßtruppe wurde 2013 von einem Festival wieder ausgeladen, mit Eiern beschmissen, aus ihrem Flieger herausgeholt und Ermittlungen angestellt. Der Grund: In Russland waren Videoaufnahmen aufgetaucht, die einen Auftritt der US-Band in der ukrainischen Hafenstadt Odessa zeigten. Darauf zieht sich Bassist Jared Hasselhoff, Spitzname Evil, eine russische Flagge durch die Hose - er stopft sie vorne rein und zieht sie hinten wieder raus. Dann ruft er ins Publikum: "Erzählt das nicht Putin!" Der russische Kulturminister Wladimir Medinski twitterte daraufhin: "Die Bloodhound Gang packt ihre Sachen, diese Idioten werden nicht in Kuban auftreten." Tatsächlich wurde der Gig mit der Begründung abgesagt, dass man den Auftritt wegen des Flaggenvorfalls gestrichen habe. Hasselhoff selbst nahm einer Pressekonferenz Stellung. Laut der russischen Nachrichtenseite Yuga.ru sagte er, er habe niemanden damit angreifen wollen. Es sei eine Tradition der Band, dass das, was auf die Bühne geworfen werde, durch seine Hose muss. So einfach sei das. (Spiegel de 5.8.13)

Russland schränkt die Rechte sexueller Minderheiten ein: kein Führerschein, 2015

Transsexuelle, Transvestiten und weiteren Gruppen, deren sexuelle Orientierung die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Persönlichkeitsstörungen im Erwachsenenalter“ einstuft, dürfen in Russland keinen Führerschein mehr erwerben. Das geht aus einer Verordnung von Regierungschef Dmitri Medwedew hervor. Auch Augenprobleme und eine Körpergröße von weniger als 1,50 Metern führen fortan zum Verbot der Fahrerlaubnis. Die Regierung will damit nach eigenen Angaben die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. (FAZ 14.1.2015===

Saudi-Arabien

Hermann Hesses Po übermalt, 1979

Ein Bild aus dem "Spiegel" 18 1979, das Hermann Hesses Po blank zeigt, wurde von der Saudischen Zensoren an der nackten Po-Stelle übermalt. (Spiegel 22 1979

übermalter Po von Hesse

Rosanna al Jami: Peitschenhiebe wegen TV-Teilnahme, 2009

Die Journalistin wurde zu 60 Peitschenhieben verurteilt, weil sie an einer Fernsehsendung teilgenommen hatte, in der über Sex gesprochen wurde. Der Beitrag war vom libanesischen Fernsehen ausgestrahlt worden und hatte in Saudi-Arabien für beträchtliches Aufsehen gesorgt. (Sdt. 26.10.2009)

Frau zeigt ihre Augen - Ehemann droht Auspeitschung, 2011

"Unerlaubtes Herumlaufen inmitten von Frauen" - so lautet das Vergehen, wegen dem ein Mann in Saudi-Arabien zu Peitschenhieben verurteilt wurde. Die Religionspolizei hatte von dem Mann gefordert, dass sich seine Frau die Augen verhüllt. Der Konflikt um die Augen der ansonsten komplett verhüllten jungen Frau entbrannte in einem Basar der Stadt Hail. Ein Angehöriger der islamischen Religionspolizei fühlte sich von den Blicken der Frau gestört, die in Begleitung ihres Ehemannes und eines Verwandten ihres Mannes unterwegs war. Wie die saudische Zeitung "Al-Watan" berichtete, forderte er deshalb den Ehemann auf, dafür zu sorgen, dass seine Frau nicht nur ihren Körper, die Haare und das Gesicht mit schwarzen Schleiern bedeckt, sondern auch ihre Augen. Als sich der Mann weigerte, diesem Befehl Folge zu leisten, kam es zum Streit. Der Religionspolizist zückte ein Messer und stach zu. Vor Gericht behauptete der Tugendwächter später, der Mann habe ihn geschlagen. Der Ehemann und sein Verwandter wurden dann beide wegen "unerlaubten Herumlaufens inmitten von Frauen" zu jeweils 30 Peitschenhieben verurteilt. Die Staatsanwaltschaft will das Urteil anfechten. In Saudi-Arabien müssen alle Frauen in der Öffentlichkeit bodenlange Gewänder und schwarze Kopftücher tragen. Viele Frauen binden sich außerdem einen Gesichtsschleier ("Nikab") um, einige legen zusätzlich ein dünnes schwarzes Tuch über die Augen. Ein Gesetz, das vorschreibt, dass Frauen das Gesicht oder sogar die Augen bedecken müssen, gibt es in dem islamischen Königreich aber nicht. (zdf online 4.1.2011)

Janadryiah-Festival 2016

Es gibt einige Dinge, die die Nationalgarde in Saudi-Arabien für nicht akzeptabel hält: Frauen, die Auto fahren. Männer, die tanzen. Alkohol, Jeans und Musikinstrumente, die die Bevölkerung verstören könnten. Auf dem Janadryiah-Festival, dem größten Kulturfest des Landes, sind es Gitarren, die den Unwillen der Sittenwächter wecken. Sie gehören dem deutschen Rap- und Reggae-Künstler Mellow Mark und seinen Musikern. Deutschland ist das Gastland des Festivals. Der Auftritt des Musikers wurde schließlich verboten. (heute online 19.2.2016)

Schweden

Löwe der schwedischen Friedenstruppen: „sexistisch“, 2007

Ein kraftvoller Löwe mit einem Schwert und einem Olivenzweig ist das Symbol der schwedischen Friedenstruppe. Doch die Frauen in der Armee waren dadurch verstört: der Penis des Tieres war deutlich zu sehen. Dadurch fühlten sich etliche Frauen in ihrer Gleichstellung gegenüber ihren männlichen Kollegen benachteiligt und zogen mir einer Klage vor den Europäischen Gerichtshof. Diese Einstellung konnte der Heraldiker Vladimir Segerlund nicht nachvollziehen: Der Löwe mit seinen Genitalien war für ihn ein „kraftvolles und stattliches Symbol“. Ein „beschnittenes Bild“ konnte er sich nicht vorstellen. Aber um die Gefahr einer Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof abzuwenden, befahlen die Verantwortlichen der schwedischen Armee, den Löwen zu kastrieren. Das wiederum rief den Künstler auf den Plan. Der empörte sich und warf den Verantwortlichen mangelndes Geschichtsbewusstsein vor: Den Löwen ohne Genitalien hätten in der Geschichte nur wenige in ihrem Wappen getragen – nämlich ausschließlich jene, die den König verraten hätten. (Netzzeitung 2007)

Löwe mit Penis
Kastrierter Löwe

Schweiz

Frau als „Pappkamerad, 1983

In der Schweiz wurde 1983 der „Pappkamerad“ als nackte Frau dargestellt, was zu wütenden Reaktionen führte. (Spiegel 19 1983)

Nackte Pappkameradin

“Emmanuelle“ – ein TV-Schock, 1984

Die „Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft“ SRG plante für Silvester gegen 2 Uhr früh die Ausstrahlung des Softpornos „Emmanuelle“. Daraufhin meldete sich eine „Vereinigung katholischer Laien“ und forderte die Landesregierung „in aller Schärfe“ auf, „den Schutz des Gemeinwohls wahrzunehmen und eine solche Fernsehsendung zu verbieten“. Die Sittenwächter wollten verhindern, dass die Schweizer – nach den Holländern als zweite in Europa – die Unzucht-Story um den oft hüllenlosen Star Sylvia Kristel sehen durften. Als Leo Schürmann von der SRG sich endgültig für die Ausstrahlung entschied, rief der Bischof Henry Schery, Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz, die Gläubigen zum Gebührenboykott auf. (Spiegel 52 1984)

Szene aus Emmanuelle

Poster-Verbot „Che“, 2006

An vier Schweizer Schulen wurde 2006 im südwestlichen Kanton Waadt das Aufhängen mit dem Konterfei von Che Guevara mit der Begründung verboten, es handle sich um „Politische Propaganda“ (Direktor Jean Mauerhöfer). Der gleiche Direktor hatte aber nichts gegen das Aufhängen von Postern mit Britney Spears, sofern sie denn „ordentlich gekleidet“ sei. (FAS 19.12.2006

Niederländische Tierschützerin will Kuhglocken verbieten, 2015

Mit ihrer Forderung, den Schweizer Kuhglocken-Brauch zu verbieten, löste die in der Schweiz lebende Holländerin Nancy Holten 2015 eine Kontroverse aus. „Für Kühe sind die Glocken in etwa so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“, wettert die dreifache Mutter und Veganerin, die sich auch dagegen engagiert, dass Tiere im Zirkus auftreten. Mit Medienauftritten und der Facebook-Gruppe „Kuhglocken out“ kämpft die 41-jährige Holten seit rund einem Jahr dafür, den Schweizer Nationaltieren das Glockentragen zu ersparen. Damit stößt die Holländerin in ihrer Wahlheimat zwar nicht nur auf taube Ohren. Dennoch ist ein Verbot des „Soundtracks der Alpen“, wie Schweiz-Tourismus-Sprecher Alain Suter das Kuhglockengeläut nennt, bislang eher unwahrscheinlich. Holtens „Out“-Gruppe ist zwar auf fast 2200 Unterstützer gewachsen. Doch die als Reaktion geschaffene Facebook-Gruppe „Pro Kuhglocken“ hat mehr als 17.400 Anhänger. (tagesspiegel 16.7.2015)

Singapur

Haarerlass für Männer, 1972

Die Regierung in Singapur ließ 1972 tausende von Plakaten in Amtsstuben aufhängen, um genau zu dokumentieren, wenn das Haar zu lang und somit ungesetzlich ist: sofern es über die Stirn fällt, die Augenbrauen berührt, die Ohren bedeckt und/oder über einen normalen Hemdkragen fällt. Die Aktion war notwendig geworden, weil z.B. viele Staatsdiener wie Lehrer über mangelnde Anhaltspunkte für eine Beurteilung geklagt hatten. In dem Haarerlass wurde gewarnt: "Männlichen Wesen mit langen Haaren wird es jetzt endlich gezeigt." (Spiegel 30 1972)

Plakat zum Haarerlass

Somalia

Keine Musik in Mogadischu, 2010

Aus Sorge von islamistischen Vergeltungstaten stellten im April 2010 alle 12 Rundfunkstationen Mogadischus die Ausstrahlung von Musik ein. Zuvor hatte eine Rebellengruppe ein Ultimatum gestellt und dazu erklärt, dass die Verbannung von Musik der beste Weg sei, das "Böse zu eliminieren". (Sdt 14.4.2010)

Wo die Fußball-Weltmeisterschaft zur Lebensgefahr wird, Somalia 2010

In Somalia sind nicht nur Kinos und DVDs verboten, auch die Übertragung der Fußballspiele zur WM in Südafrika wurde verboten, dass Anschauen der Spiele via Satellit mit dem Tode bedroht. Die Begründung der Kleriker: "Dieser Sport soll die jungen Generationen blind machen und sie davon abhalten, Allah durch gute Taten zu eher." (Wochenpost 20.6.2010)



Spanien

Spanien und die nackten Brüste, 1976

Solange Diktator Franco lebte, stand die Veröffentlichung von nackten Brüsten in Spanien unter Strafe. Nach seinem Tod wurden die Zeitschriften zunehmend liberaler. Doch als eine Fernsehsprecherin sich im Sexblatt „Portada“ mit einer winzigen spanischen Flagge nur notdürftig bekleidet ablichten ließ und ihr Foto mit „ich mag keine Büstenhalter, schlafe am liebsten nackt und je nach Laune in Begleitung“, kommentierte, setzte ein Sturm der Entrüstung ein. „Ein katholischer Staat und ein katholische Regierung können solch eine Schande nicht hinnehmen“, empörte sich z.B. das Sprachrohr der Ultrarechten, die Zeitschrift „Fuerza Nueva“ und erwog eine Anzeige. Das Bild wurde entschärft. Auch ein "Spiegel"-Titelblatt wurde mit Balken überzogen, weil darauf zuviel Nacktes zu sehen war. (Spiegel 43 1976)

Zensierte "Spiegel"-Ausgabe von 1976
Unzensierte Ausgabe

Satirezeitschrift „El Jueves“: Kronprinzenpaar beim Sex, 2008

Auf dem Titelblatt war der spanische Kronprinz Prinz Felipe mit seiner Ehefrau Letizia beim Sex abgebildet worden. Anlass für die eindeutige Darstellung war die Ankündigung der spanischen Regierung, angesichts der Vergreisung der Gesellschaft, Familien für jedes Neugeboren mit 2.500 Euro zu belohnen. Kommentiert wurden Regierungsankündigung und Darstellung mit den Worten: “Es zeigt sich, dass Wahlen kommen“. Den Prinzen ließ man per Sprechblase verkünden: „Ist die das klar? Wenn du schwanger wirst…. So nahe bin ich in meinem Leben noch nie ans Arbeiten heran gekommen.“ Die Zeitung kritisierte vor allem, dass das Königshaus komplett aus der Staatskasse finanziert wird. Die Ermittlungsrichter sahen die Kritik aber anders: Die Karikatur „verletzt die Ehre und Würde der abgebildeten Menschen“ und ließen die Zeitung beschlagnahmen. Aufgrund dieser Zensur der Printausgabe versuchten so viele Menschen, die Karikatur auf der Webseite von „El Jueves“ zu sehen, dass diese unter dem Ansturm zusammenbrach. Dann wurde sie auf Anweisung der Behörde auch vom Netz genommen. (Netzzeitung 2008) Die verbotene Zeitung selbst wurde zum Sammlerobjekt. Bis zu 2500 Euro wurden für ein Heft geboten. (WN 24.7.07)

Satirezeitschrift „El Jueves“: Titel mit dem Prinzenpaar

"Operation Aphrodite": Sexanzeigen in spanischen Zeitungen, 2010

Die spanische Regierung plante 2010, Sexanzeigen in den Zeitungen zu verbieten. Dem standen aber wirtschaftliche Gründe entgegen. Eine Kommission hatte errechnet, dass die Annoncen der Prostituierten jährlich ca. fünf Millionen Euro einbringen. (Sdt. 26.10.2010)


Sri Lanka

Ärger wegen Buddha-Tattoo

Eine britische Touristin mit einem Buddha-Tattoo auf dem rechten Arm wurde 2014 in Sri Lanka festgenommen und von einem Gericht des Landes verwiesen.Über die Gründe für das Urteil wurden keine Angaben gemacht. Im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka geht die Justiz jedoch immer wieder gegen Ausländer vor, die sich nach ihrer Ansicht respektlos gegenüber religiösen Symbolen verhalten. Im August 2012 waren drei Franzosen zu sechsmonatigen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie eine Buddha-Statue geküsst hatten. Die Strafen wurden jedoch zur Bewährung ausgesetzt. (WN 23.4.2014)

Sudan

Mohammed als Bär, Sudan 2007

Von der Liverpooler Lehrerin Gibbons wurden Fotos verbrannt und Tausende von Demonstranten in Khartun forderten ihre Hinrichtung. Zum Hintergrund: Im September sollten sieben Jahre alte Schüler den Namen des Klassenmaskottchens (ein Teddybär) an der englisch-sprachigen Unity High School in Khartum wählen. Gibbons erster Vorschlag „Faris“ (was so viel wie „Reiter“ heißt) wurde von de Mehrheit der Schüler abgelehnt. Sie schlugen stattdessen den Namen des beliebtesten Jungen der Klasse vor, Mohammed. Eine Schulsekretärin berichtet von dem Vorgang: Gibbons wurde vor Gericht gestellt und zu 15 Tagen Haft verurteilt. Den denkbaren 40 Peitschenhieben und sechs Monaten Haft entging sie nur knapp. „Diese arrogante Frau ist in unser Land gekommen, um unsere Kinder den Hass auf den Propheten Mohammed zu lehren“, wiegelte Prediger Nasir al-Karunri die Gläubigen beim Freitagsgebet auf. (Spiegel 49 2007)

Demonstranten im Sudan wegen eines Teddys

Südafrika

Krank durch nackte Frauen, Südafrika 1973

Der einflussreiche „Südafrikanische Frauenbund“ forderte 1973 von der Regierung schärfere Gesetzt gegen Nacktes in der Werbung nachdem die Fluggesellschaft „Air France“ in dem Johannesburger Wirtschaftsblatt „Financial Mail“ mit dem Bild eines nackten Tahiti-Mädchens geworben hatte. Nach Ansicht der Frauenbund Vorsitzenden Johanna Raath mache es „die westliche Frau krank, wenn sie ihren Körper so entblößt sieht.“ (Spiegel 53 1973)

Werbung der Air France

Beschlagnahmter Zeitschriften: „Spiegel“ und „Playboy“, Johannesburg1978

Im März 1978 wurden einem „Spiegel“-Leser auf dem Jan Smuts Airport (Johannesburg) gleich zwei Zeitschriften wegen sexueller Inhalte beschlagnahmt: ein „Playboy“ und „Der Spiegel“ Nr. 9 1978, der hatte als Titelgeschichte nämlich einen Report zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Sexualkundeunterricht an Schulen (Spiegel 15 1978)

Beschlagnahmter Spiegel
Quittungen der Beschlagnahme

Thailand

Die Tribute von Panem: Studenten in Thailand wegen Film-Gruß festgenommen, 2014

Fünf Studenten aus Thailand sind 2014 festgenommen worden, nachdem sie den Armeechef und selbsternannten Premierminister Prayuth Chan-ocha mit einem Handzeichen aus der Filmreihe "Die Tribute von Panem" gegrüßt haben. Mit drei ausgestreckten Fingern grüßen sich in den Filmen die Bewohner von Distrikt zwölf. Die drei Finger stehen für: Danke, Respekt, auf Wiedersehen. Katniss Everdeen, gespielt von Jennifer Lawrence, zeigt den Gruß zuerst als Reaktion auf den Tod einer Gefährtin, später entwickelt er sich zum Symbol des Widerstands. Einige Thailänder haben das Protestzeichen übernommen, um gegen die Militärregierung zu protestieren. Der Dreifinger-Salut wurde erstmals im Sommer bei einer Demonstration in einem Einkaufszentrum im Bangkoker Stadtteil Asoke dokumentiert. Seither wurden Tausende Bilder mit dem Gruß auf Twitter und Facebook verbreitet. (spiegel online 20.11.2014)

Keine Witze über den Hund des Königs, 2015

Auf der Titelseite der „International New York Times“ in Thailand sollte ein Artikel über die Verhaftung eines jungen Mannes stehen sollen, dem wegen vermeintlicher Beleidigung des Lieblingshundes von König Bhumibol bis zu 37 Jahre im Gefängnis drohen. Doch statt des Berichts prangte ein weißes Geviert auf der Frontseite, in dem allein der Hinweis zu lesen war: „Dieser Artikel wurde von unserer Druckerei in Thailand entfernt.“ Es ist schon der dritte Fall von Zensur dieser Art, den die internationale Ausgabe der „New York Times“ in dem ostasiatischen Land im Dezember 2015 erlebt. Anfang Dezember fehlte auf der ersten Seite der Zeitung ein Artikel, in dem der Korrespondent Thomas Fuller die thailändische Wirtschaft als schwächelnd und die Stimmung im Land als schlecht beschreiben wollte. Nur wenige Tage später blieb ein Beitrag ungedruckt, der sich mit dem Büro befassen wollte, das die Besitztümer des Königs verwaltet. In beiden Fällen hatte die Druckerei, die sich zu den Vorfällen nicht äußert, sich geweigert, die fraglichen Texte ins Blatt zu heben. Stattdessen erschien die Zeitung mit leeren Flecken auf der Seite eins. (FAZ 17.12.2015)

Türkei

"Spiegel"-Titel: "Aids-Test" entschärft, 1988

Mit Hilfe von einem Layout-Einfall gelang es, den "Spiegel"-Titel über die Sicherheit von Aids-Tests um zuviel Nacktes zu entschärften

"Spiegel"-Titel: "Aids-Test" entschärft

Winnie Puuh (Schwein) Verbot, 2006

Die Kinder-Trickfilm-Serie Winnie Puuh wurde beim türkischen Staatssender TRT nicht gezeigt. Das Problem: In den Filmen spielt ein Schwein die Hauptrolle, was mit der türkischen Kultur nicht zu vereinbaren sei, sagte TRT-Fernsehdirektor Muharrem Sevil. Schweine gelten im Islam als unrein. (Sdt. 28.8.2006)

Bademoden in der Kritik, Türkei 2007

2007 tobte in Istanbul ein heftiger Streit zwischen der Stadtverwaltung und den Herstellern von Bademoden darüber, wie freizügig Werbeplakate für Bademoden sein dürfen. Bikinis z.B. galten als verboten. (Spiegel online 19.5.2007)

Bademoden in der Kritik: Ein Beispiel

Atatürk beleidigt, youtube 2007

Ein Gericht ließ im März 2007 in der Türkei den Zugang zu YouTube sperren. Den Anlass dazu gab ein angeblich aus Griechenland eingespielter Videoclip, in dem der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk als schwul bezeichnet wurde. „Ich bin der Vater der schwulen Türken“, heißt es in dem Video. Daraufhin entstand eine veritable Internetschlacht. (FAZ 12.2.2007)

Beleidigter Atatürk


Image Türkei: Bauchtanz, Schnurrbärte, Krummsäbel, 2009

Der türkische Tourismusminister Günay sorgte sich 2009 um das Image seines Landes und wollte Bauchtanz, Schnurrbärte und Krummsäbel, die seines Erachtens zur sehr Klischees bedienen, aus Werbesports verbannen. (Sdt. 26./27.9.2009)

Tim und Struppi: Kapitän Hadocks Pfeife, Türkei 2010

Ein Privatsender wurde 2010 von den Medienwächtern zu 24000 Euro Strafe verurteilt, weil der Comicheld Kapitän Hadock (Tim und Struppi) Pfeife rauchend dargestellt worden war. (WN 18.2.2010)

Galeriebesucher in Istanbul wegen Alkoholgenuss angegriffen, Türkei 2010

Wütende Anwohner von Istanbul haben die Besucher einer Kunstausstellung angegriffen, weil diese auf offener Straße Alkohol tranken. Fünf Menschen wurden verletzt, als etwa 30 mit Stöcken, Messern und Steinen bewaffnete Männer die Galeriebesucher im Viertel Beyoglu überfielen. Die Angreifer hätten auch Pfefferspray eingesetzt. Die meisten der hunderten von Gästen flüchteten sich in Kunstgalerien, bis die Polizei kam. Diese nahm nach Medienberichten niemanden fest. (Stern de 22.9.2010)

"Frauenverachtende Marschgesänge in der türkischen Armee bislang verboten, 2012

Verse aus Liedern wie 'Ob blond, ob brünett, ein Infanterist kennt kein Pardon', 'Geh weg und hol uns deine Schwester' oder 'Pack dir die Nachbarstochter' waren beim türkischen Militär lange Zeit Usus - im Februar 2012 wurden sie auf einen Index gesetzt. Das Ganze wurde durch den Generalstabschef der Armee veranlasst, der sich vorher mit Familienministerin Fatma Sahin auf die neue Regelung verständigt hatte: der 'Erniedrigung der Frau' im türkischen Soldatenalltag sollte ein Ende gesetzt werden. Der Zeitung Sabah zufolge nahm der Armeechef noch weitere Anregungen der Ministerin auf: Die Rekruten sollen auch über Themen wie Zwangsverheiratungen junger Mädchen, 'Ehrenmorde' und Gleichberechtigung belehrt werden, und zwar von ihren Kommandeuren in der allwöchentlichen Staatsbürgerkunde. (Sdt. 29.2.2012)

Shampoo-Hersteller stoppt Hitler-Werbespot, Türkei 2012t

Eine türkische Werbeagentur stoppte nach Protesten einen Werbespot für ein Haarshampoo mit Filmaufnahmen von Adolf Hitler. U.a. jüdische Gruppen und das Büro des Istanbuler Chefrabbiners hatten den Spot scharf verurteilt. "Wenn Du keine Frauenkleider trägst, warum benutzt Du dann ein Frauenshampoo", hatte eine heiser-brüllende Stimme zu Aufnahmen Hitlers an einem Redepult gesprochen. "Wenn Du ein Mann bist, benutzt Du (....)." Auch von der Website der Agentur wurde der TV-Spot gelöscht. (RP online 5.4.2012)


Erdogan will kein Gollum sein, 2015

Im Internet ist ein Format seit längerem beliebt, bei dem Nutzer die Fotos zweier Menschen kommentarlos nebeneinanderstellen: Mesut Özil neben Hans Rosenthal, Andrea Ypsilanti neben Sarah Palin, Bernie Ecclestone neben Andy Warhol und dergleichen mehr. Deswegen stand 2015 der türkische Arzt Bilgin Ciftci vor Gericht, weil er im Internet Fotopaare verbreitete: rechts der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, links eine fast kahlköpfige gnomenhafte Gestalt mit wenigen, dafür spitzen Zähnen und Glupschaugen. Die Frage war: Hat Ciftci etwa seinen Präsidenten verunglimpft, indem er ihn mit Gollum verglichen hat, einer Gestalt aus dem Kosmos des englischen Dichters J. R. R. Tolkien, wie ihn der Filmregisseur Peter Jackson auf die Leinwand brachte? Während das Gericht noch Experten prüfen lässt, ob der Vergleich mit dem schleimigen und hinterhältigen Rohfischfresser Gollum als Beleidigung einzustufen ist, meldete sich Peter Jackson, Regisseur der Verfilmung des „Herrn der Ringe“, zu Wort, sicher in bester Absicht: Die anstößigen Filmbilder zeigten keineswegs Gollum, sondern den netten Sméagol, Gollums früheres Ich. (FAZ online 5.12.2015)

"Erdowi, Erdowo, Erdoğan", 2016

Die türkische Regierung hat im März 2016 den deutschen Botschafter Martin Erdmann ins Außenministerium zitiert. Der Diplomat musste sich für einen satirischen Beitrag der NDR-Sendung "extra 3" rechtfertigen. Darin wurde unter anderem ein Lied mit dem Titel "Erdowi, Erdowo, Erdoğan" über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gesungen. Die Sendung wurde am 17. März ausgestrahlt. In dem Lied heißt es beispielsweise: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdoğan nicht passt, ist morgen schon im Knast." Oder: "Er lebt auf großem Fuß, der Protz vom Bosporus". (Spiegel online 29.3.2016)

Tunesien

Q-Cover: Zuviel Busen, 2012

Die tunesische Tageszeitung „Ettounissia“ druckte 2012 das Cover der GQ März-Ausgabe nach, auf dem Sami Khedira und seiner Freundin Leba Gercke in leicht gewagter Pose zu sehen sind. Daraufhin wurden drei verantwortliche Journalisten wurden vorübergehend festgenommen, weil sie mit der Veröffentlichung gegen Sitte und Moral verstoßen hätten. Dieses Vergehen kann mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden und einer Geldbuße von rund 600 Euro. Zudem berichteten die Journalisten der „Ettounissia“, dass sie nach der Veröffentlichung des Fotos Morddrohungen erhalten hatten. Die Redaktion wurde daraufhin von polizeilichen Sonderkräften bewacht. (Sdt. 18./19.2.2012)

Ukraine

Hitler-Barbie, 2008

In Kiew wurde eine Art Hitler-Barbie in einer Geschenkbox mit den Daten von Hitlers Geburt und Tod verkauft. In In- und Ausland kam es zu heftigen Protesten. (Daily mail 23.4.2008)

Hitler-Barbie, 2008
Hitler-Barbie, 2008


Ukraine verbietet Mini-Röcke in Regierung, 2010

Frauen im kurzen Rock, mit knalligem Lippenstift und Stöckelschuhen sind in der ukrainischen Regierung nicht länger erwünscht. Auf den Korridoren der Macht in Kiew gilt nun eine neue Kleiderordnung. Die Frauen im Regierungsapparat würden so ihrer wichtigsten Waffen beraubt, kommentierten Medien in Kiew. Die Mitarbeiterinnen dürfen ab sofort auch keine Kleider aus durchsichtigem Stoff oder mit aufreizendem Dekolleté mehr tragen. Erlaubt seien nur noch dezentes Make-up und leichte Düfte. Die neuen Vorschriften für die Frauen legen bis ins Detail fest, dass die Kleider etwa keine "Blümchen" oder "Tupfer", Zeichnungen oder Texte als Muster haben dürften. "Das Make-up sollte der natürlichen Farbe der Haut entsprechen, zurückhaltend und maßvoll sein - Lidschatten, Tönungscreme und Puder sollten besonders dünn und die Wimperntusche feuchtigkeitsbeständig sein", heißt es in der Vorschrift weiter. Die Regierung in Kiew will Medien zufolge auch politische Satiresendungen im Fernsehen sowie politische Karikaturen in Zeitungen verbieten. (oe24.at 5.10.2010)


Klo-Reiniger in den Landesfarben der Ukraine, 2013

Der deutsche Konsumgüterriese Henkel hat mit seiner Werbung für einen Toilettenreiniger in der Ukraine einen Proteststurm ausgelöst und nahm das Produkt daraufhin in Osteuropa vom Markt. Verbraucher in der ehemaligen Sowjet-Republik hatten beklagt, dass der WC-Duftspüler Bref Duo Stick ihrer Flagge gleiche. Eine Henkel-Sprecherin sagte, der Konzern bedauere, dass sich Verbraucher durch das Design verletzt fühlte. (Handelsblatt 14.8.2013)

USA

Test: Das Schamgefühl des amerikanischen Durchschnitts-Mädchens, 1957/63/66

Auf Anthony Comstock (1844 - 1915) geht ein Gesetz zurück, dass den Postversand "obszöner Schriften" noch in den fünfziger und sechziger Jahren in den USA unter Strafe stellte. Comstock war Präsident der einflußreichen "Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters", die unter dem Motto arbeitete: "Lust besudelt den Körper, macht den Geist korrupt, den Willen schwach - die Seele geht zum Teufel." Er selbst behauptete von sich, 160 000 Tonnen erotischer Drucksachen aus dem Postverkehr gezogen zu haben. Von Büchern verlange er "Moral, keine Kunst". Die Frage, was nun Moral oder "obszön" sei, wurde in seiner Nachfolge durch den sog. "Schulmädchen-Test" ermittelt: Bücher und Bilder, die eine Pennälerin erröten lassen, galten als obszön.. Erst 1957 nahm das Oberste Gericht der USA Abstand von dieser Praxis. Fortan wurde der "Errötungstest" durch das Ermitteln eines "lüsternen Interesses" ersetzt. Dieses wurde 1966 dem Verleger Ralph Ginzburg zum Verhängnis. Der hatte eine Zeitschrift 1963 unter dem Titel "Eros" herausgegeben, 40 Mark teuer, "den Wonnen der Liebe und des Sexus geweiht", zeigte erotische Stiche alter Meister oder meisterliche Fotos von Marylin Monroe und ließ sich auch schon mal über das Liebesleben von Napoleon aus. 1966 bestätigte das Oberste Gericht eine Verurteilung Ginzburgs durch untere Instanzen und deren Strafe von fünf Jahren Gefängnis und 112000 Mark Strafe. Die Richter betonten zwar, dass der Inhalt der Zeitschrift vergleichsweise harmlos sei, aber sie prangerten zugleich eine "lüstern-sensualistische" Werbung die "kupplerisch-erotische Neigungen seiner Abonnenten verstärkt" an. Der Beweis: Ginzburg hatte die Zeitschrift auf zwei unbedeutenden Orten namens Middlesex und Intercourse - zu deutsch "Geschlechtsverkehr" verschickt. (Spiegel 23 1966)

Vorlagen zum Test für das Schamgefühl des amerikanischen Durchschnitts-Mädchens

Tänzerin Carmen Perez wegen historischer Aufführung festgenommen, Milwaukee/Wisconsin 1969

Die mexikanische Folklore-Tänzerin der Truppe "Die fliegenden Indianer von Acapulco" zelebrierte auf einem Sommerfest in Milwaukee ein Aztekenopfer. Als Perez sich den Göttern und den Zuschauern mit bloßen Oberkörper darbot, schritt die Polizei ein und verlangte eine dezentere Bekleidung. Perez lehnte mit dem Hinweis ab, dass Nacktheit zum originalen antiken Ritual gehöre. Daraufhin wurde sie nach der Aufführung verhaftet. (Spiegel 32 1969)

Tänzerin Perez während der Aufführung des antiken Opferfestes

Kaffee-Tassen mit einer Drei-Dollar-Note und dem Bild des US-Präsidenten Nixon, USA 1973

1973 beschlagnahmten und vernichteten amerikanische Geheim-Agenten und in San Rafael (Bundesstaat Kalifornien) rund 2000 Kaffee-Tassen, die eine Drei Dollar-Note mit dem Bild des US-Präsidenten Nixon zeigten. Offizielle Begründung: Jegliche Reproduktion amerikanischer Währung verstoße gegen das Gesetz. Allerdings: In den USA gab und gibt es aber keine „Drei Dollar-Noten“. (Spiegel 41 1973)

Beschlagnahmte Kaffeetasse

Volkswagen versus Satireblatt „National Lampoon“; 1973

„Volkswagen of America“ klagte 1973 gegen das amerikanische Satireblatt „The National Lampoon“ auf 30 Millionen Dollar Schadensersatz. Das Magazin hatte zum Scherz ein ganzseitiges Inserat „Wenn Ted Kennedy einen Volkswagen gefahren hätte, könnte er heute Präsident sein“ geschaltet. Die Annonce war mit einem schwimmenden VW-Käfer illustriert, geschaltet und spielte auf den Autounfall Kennedys an, bei dem die Sekretärin des Senator Mary Jo Kopechne, ums Leben gekommen war. Ein VW-Sprecher begründete die Klage damit, dass die Auto-Firma „nicht als Werkzeug für politische Zwecke benutzt“ werden wolle. VW zog aber die Klage zurück, nachdem „The National Lampoon“ einwilligt hatte, alle unverkauften Exemplare einzuziehen. (Spiegel 45 1973)

Satire-Anzeige VW, 1973

USA 1973: Gegen die Sexwelle

Playboy und Penthouse standen bereits 1973 in einigen US-Südstaaten auf dem Index. Dann wurde die Literatur wie „Ulysses“ oder Werke von Henry Miller mit einem Verbot bedroht. Der von Präsident Nixon mit konservativer Mehrheit beschickte Oberste Gerichtshof ermächtige durch ein Grundsatzurteil am 21.6.1973 alle lokalen Instanzen, Bücher, Magazine, Filme etc auf Obszönes zu untersuchen und dann zu verbieten, sowie die Autoren, Händler, Geschäftsführer und Angestellte dieser Erzeugnisse entsprechend streng zu bestrafen. Derweil forderte auch der westdeutsche Bundesrichter Prof. Dr. Günther Willms in einem FAZ Kommentar 1973: „Man müsste den Mut haben, dem Lärm Geldgieriger zum Trotz, die öffentliche Darstellung von Sex generell zu untersagen…“ Das Sex-Musical „Oh, Calcutta“ verschwand aus Londoner Kinos, eine Warhol-Dokumentation aus dem kommerziellen Fernsehen. In Italien wurde nach Gesetzen aus der Ära Mussolini „Der letzte Tango“ verboten, die Hauptdarsteller, Marlon Brando und Maria Schneider, sogar in Abwesenheit zu Haftstrafen verurteilt. Vor allem ein Film war es, der in den US eine Anti-Sexwelle auslöste: „Deep Throat“. Die 73 Minuten Technicolor-Story mit Linda Lovelace in der Hauptrolle, die zu ihrem Vergnügen entdeckt, dass ihre Klitoris tief in ihrer Kehle verborgen ist, machte Filmgeschichte, wurde aber in New York verboten. Ein Kinobesitzer wurde mit einer Geldstrafe von 100 000 Dollar belegt und Müllkutscher weigerten sich in Michigan den Abfall eines Kinos, das „Deep Throat“ auf dem Programm hatte, abzutransportieren. Argument: „Das ist uns zu schmutzig.“ (Spiegel 30 1973)

Szene aus "Oh, Calcutta²
Titel des verbotenen "Playboys"

National Airlines Werbung: „I´m Cheryl, Fly me“, USA 1974

Cheryl Fioravante, Stewardess der US-„National Airlines“ verdingte sich nach Ansicht des amerikanischen Frauenverbandes NOW als „sexueller Aufreißer in einem fliegenden Fleischmarkt“. Besagte Fluggesellschaft hatte ihre 61 Maschinen jeweils mit dem Vornamen einer Stewardess am Bug versehen und in Zeitungsanzeigen und TV-Spots mit Slogans wie „I´m Cheryl, Fly me“ oder „Fly Linda to Miami“ geworben hatte. In bewegten Bildern sprachen gut aussehende Stewardessen schmachtenden Männern verführerisch Sätze wie: „Ich werde Sie fliegen wie noch keine zuvor.“ Regieanweisung: „Stellt euch dabei vor, ihr wäret nackt.“ NOW strengte daraufhin in Miami (Florida) eine Klage wegen Herabsetzung der Frau an. Die Klage wurde abgewiesen. (Spiegel 26 und 38 1974)

National Airlines Werbung: „I´m Cheryl, Fly me“, USA 1974
National Airlines Werbung: „Fly Linda“, USA 1974

USA

James Bond Werbung: „In tödlicher Mission, USA 1981

Verschiedene amerikanische Zeitungen wie der „Boston Globe“ oder die „L.A. Times“ kappten vom Werbeposter für den James Bond Film „In tödlicher Mission“, die weit gespreizten Beine (inkl. des sichtbaren Hinterteils) einer Frau. Noch findiger war das Lokalblatt „Pittsburg Press“: die Redakteure malten dem Bond-Mädchen eine Paar Shorts auf die nackten Oberschenkel. (Spiegel 30 1981)

James Bond Werbung: „In tödlicher Mission", USA 1981 (unzensiert)

Comic: Praktische Hilfe für die Befreiung Nicaraguas“, 1984

1984 lieferte Amerikas CIA den Gegnern des linken Regimes in Nicaragua auf 16 Seiten einen Comic mit 38 schmutzigen Sabotage-Tricks. Darin war zu finden, wie man Molotow-Cocktails herstellt, Krähenfüße streut oder Gatter von Farmen öffnet. Der Comic wendete sich dem eigenen Selbstverständnis nach „an die Bürger des Landes (Contras)“. (Spiegel 43 1984)

Sabotage-Tipps aus den USA
Sabotage-Tipps aus den USA
Sabotage-Tipps aus den USA

Miss America Vanessa Williams: Rücktritt, 1984

Sie war die erste schwarze und erste zurückgetretene Miss, weil nach ihrer Wahl freizügige Fotos aus ihrer Vergangenheit aufgetaucht waren. (Spiegel 7 1984)

Shakespeare zu "unmoralisch", USA 1985

In den USA wurden von den Verlagen 1985 u.a. die Schulbuchausgaben von "Romeo und Julia" und "Hamlet" um "unanständige und peinliche Wendungen", "sexuelle Anspielungen, Flüche" und "schlüpfrige oder ausgesprochen sexuelle Ausdrücke" gekürzt. Im selben Jahr wurden Steinbecks "Von Menschen und Mäusen", Salinger "Fänger im Roggen" sowie das "Tagebuch der Anne Frank" aus den Schulbüchereien verbannt. In Texas wurde eine Schulwörterbuch verboten, weil in ihm das Wort "bed" in seiner verbalen Umschreibung mit "ins Bett gehen" aufgeführt worden war. (Spiegel 41 1985)

Porno-Report, USA 1996

Elf Damen und Herren erhielten 1996 den Auftrag, "Wesen und Ausmaß der Pornographie in den USA" sowie deren "Einfluß auf die Gesellschaft" zu untersuchen. Heraus kam ein 2000 Seiten dicker Untersuchungsbericht, in dem u.a. Fragen diskutiert wurden, welche Bedeutung die Intimität von einem Mann mit einem Huhn hat oder ob man "Sex mit einer Leiche haben darf, mit der man verheiratet ist?". Als Empfehlung gegen die fortschreitende "Sexualisierung der Gesellschaft" und der damit verbundenen verheerenden Folgen wurde u.a. empfohlen, bei Peepshow zukünftig die Kabinentüren auf zu lassen und Bürgerwehren zum Einsatz gegen Pornohändler einzusetzen. (Spiegel 29 1986)

Boston Zoo: Anschauungsunterricht über das Liebesleben der Tiere, vermutlich um 1995

Um die Zoos attraktiver zu machen wurde ein neues Event-Programm kreiert: "Das Liebesleben der Tiere - von der Fliege bis zum Flußpferd" sollte anschaulich in Filmen, Vorträgen, Videos und Führungen an einem Wochenende Thema sein. Die Veranstaltungen waren ausdrücklich nur für Erwachsene ausgewiesen. (Privatarchiv)

Oralverkehr gesetzlich verboten; USA 2000

Nach Angaben der American Civil Liberties Union war noch 2000 in 16 Bundesstaaten der USA der Oralverkehr - auch für Heterosexuelle - verboten (u.a. Florida, Georgia, Massachusetts und Virginia. Weitere 6 Staaten hatten noch entsprechende Gesetze speziell für Homosexuelle. Dabei wurden vom Gesetzgeber die einschlägigen Bestimmungen in blumigen Formulierungen wie "Verbrechen gegen die Natur" oder "sexuelles Fehlverhalten" gekleidet. Oft war die Rede von "Sodomie", womit in den USA nicht wie bei uns der Verkehr mit Tieren verstanden wird, sondern "jeder Kontakt zwischen den Genitalien einer Person und dem Mund oder Anus eines anderen" (so der Sodomieparagraph von Georgia). Angedroht wurden Strafen bis hin zur lebenslänglichen Haft (Michigan). (Drösser, Stimmt´s, Reinbek 2000)

Busenvergrößerung: Keira Knightley, 2005

Die britische Filmschauspielerin (u.a. "Fluch der Karibik 2") wurde 2005 in den USA Opfer von Busenfetischisten. Die Brust der Aktrice war auf Werbefotos für den Film "King Arthur" (2004) digital vergrößert worden. Britische Kinogänger hingegen bekamen nur den kleineren Busen auf Werbefotos zu sehen. (Spiegel o. Nr. 2005)

Keira Knigthley ohne und mit Busenvergrößerung

Elternzeitschrift „Babytalk“ (Ausgabe August) - Baby an Mutterbrust, USA 2006

In Leserbriefen empörten sich hunderte von Amerikanern über das Titelbild einer Elternzeitschrift, das ein Baby an der Brust seiner Mutter zeigt. Man war „entsetzt“ und „beleidigt“. Die Zeitschrift wollte mit dem Titelbild eigentlich eine Diskussion über das Stillen anregen, dass in den USA alles andere als selbstverständlich ist. Nach Angaben der Chefredakteurin Lisa Moran war es das erste Mal, dass eine größere Elternzeitschrift es gewagt hat, eine weibliche Brust nackt auf dem Titel abzubilden. Eine Umfrage der American Dietetic Association hatte zuletzt ergeben, dass 57 Prozent der US Bürger Stillen in der Öffentlichkeit ablehnen. 72 Prozent hielten es für unangebracht stillende Frauen im Fernsehen zu zeigen. (MZ 5.8.2006)

Elternzeitschrift „Babytalk“

Alicia Silverstones Werbespot für vegetarische Ernährung, Texas 2007

Alicia Silverstone, vegetarische Schauspielerin, hatte in einem TV-Werbespot mit nackter Haut für eine Tierschutzorganisation und vegetarische Ernährung geworben. Motto: Meinen makellosen Körper habe ich dem Fleischverzicht zu verdanken. In Texas setzte ein TV-Sender den Spot wegen zuviel nackte Haut ab. (MZ 22.9.2007)

Ächtung des Wortes "Nigger", New York 2007

Der New Yorker Stadtrat ächtete 2007 das Wort "Nigger". Das "N"-Wort, wie es im Amerikanischen politisch korrekt heißt, sollte ganz aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannt werden. Die Initiatoren wollten auch erreichen, dass Musiker, die das Wort gebrauchen, künftig nicht mehr für die höchste amerikanische Musikauszeichnung Grammy nominiert werden können. (Welt 2.3.2007)

Schulverbot wegen Strichmännchen, USA 2007

Weil er ein Strichmännchen mit einer Waffe in der Hand gemalt hat, ist ein Siebenjähriger in New Jersey für einen Tag von der Schule verwiesen worden. Begründung der Lehrer: der Schüler habe gegen die Null-Toleranz-Politik der Schule in Sachen Gewalt und Waffen verstoßen. (Welt 22.10.07)

"Teufelsstraße 666" unbenannt, 2007

Die Route 666 (Laut Johannes-Offenbarung die Zahlenkombination für das Böse schlechthin) wurde 77 Jahre nach der Namensgebung in Highway 491 unbenannt. (WN 30.7.2007)

"Starbuck"-Logo zu sexy, USA 2008

Das Logo für den Kaffee fand eine christliche Gruppe in San Diego zu aufreizend und rief deshalb zum Warenboykott auf. (mail online 30.5.2008)

Das umstrittene Logo

Fische nur nüchtern, Ohio 2008

Der U-Bundesstaat Ohio verbietet per Gesetz seinen Einwohnern Fische betrunken zu machen. (MZ 5.2.2008)


Fallschirmspringverbot an Sonntagen für unverheiratete Frauen, Florida 2008

In Florida ist es unverheirateten Frauen unter Androhung einer Gefängnisstrafe verboten, an Sonntagen Fallschirm zuspringen. (MZ 5.2.2008)

Sarah Pratt: Michael-Jackson-Butterskulptur, Washington 2009

Der Pop-Superstar aus Butter sollte ursprünglich zusammen mit der traditionellen Butter-Kuh des Jahres bei der Landwirtschafts-Ausstellung von Iowa gezeigt werden, was aber zu Protesten führte: Nach Bekanntgabe der Pläne am 30. Juni - fünf Tage nach Jacksons Tod - "haben wir jede Menge Reaktionen bekommen, zumeist negative", sagte Ausstellungschef Gary Slater. Auf der Website der Ausstellung hieß es: "Butter-Bildhauerin Sarah Pratt (...) möchte Michael Jacksons beträchtlichen Beitrag zur Musik- und Tanzszene mit einer Butter-Skulptur der Pop-Ikone würdigen". Nach den Protesten änderten die Ausstellungs-Organisatoren den Ursprungsplan ab: Demnach sollte es zwar weiter eine Jackson-Butterstatue geben, allerdings im Kreise von Butterskulpturen, die in irgendeiner Weise mit dem 40. Jahrestag der Mondlandung von Neil Armstrong zu tun haben. Jackson solltee in diesem Rahmen gewürdigt werden, weil er der "erste Pop-Star war, der den choreographierten Moonwalk (etwa: Mondspaziergang) perfektioniert und bekannt gemacht hat". (AFP)

Barbusige "Justitia" verhüllt, 2010

Der ehemalige US-Justizminister hielt seine Pressekonferenzen immer in der Eingangshalle seines Ministeriums ab, wo im Hintergrund eine barbusige "Justitia"-Statue stand. Das missfiel dem frommen Minister so sehr, dass die Statue mit einem Vorhang aus blauem Samt zum Preis von 8000 Dollar verhüllt werden musste. (Sdt. 8.3.2010)

Apps für das iPhone und das Wort "Pussy", 2010

Der Computerhersteller Apple führt eine rigide Zensur bei seinen Apps z.B. für das iPhone. Zunächst wurde die Zurschaustellung von Brustwarzen nicht mehr toleriert, dann folgten 2010 Bademoden, enge Eistänzer-Hosen und generell zuviel Haut. Ziel sei es angeblich gewesen, pornographische Inhalte zu verbannen. Auch suspekte Worte gerieten in das Visier der Apple-Zensoren. So wurde die App eines Programmierers entfernt, da deren Titel u.a. das Wort "Pussy" enthielt - es handelte sich um eine Diasho von Katzenbildern. (welt.de. 10.3.2010)

Nackte Venus als Schneefrau angezeigt, New Jersey, 2010

Nach heftigem Schneefall hatte eine Familie in New Jersey im Vorgarten ihre eigene Venus aus Schnee gebaut - nackt, wie das Vorbild. Aufgrund einer anonymen Anzeige schritt die Polizei ein: Die Venus musste angezogen werden und erhielt einen Bikini. (Mail Foreign Service 4.3.2010)

Nackte Venus
Venus mit Bikini nach Polzeieinsatz

Cono - Streit in den USA, 2010

Wann darf ein Hochschullehrer in den USA das spanische Wort cono gebrauchen? Darüber musste 2010 ein Richter in den USA entscheiden, weil der dominikanische Hochschullehrer Garcia das Wort zu häufig verwendet hatte, wurde er suspendiert und zu 15000 Dollar Geldstrafe verdonnert. Das Wort cono ist vor allem unter Latinos sehr verbreitet und wird in Spanien als beliebter Ausdruck für das weibliche Sexualorgan verwendet. Es hat aber auch die Bedeutung von "ach, du liebe Zeit". (Sdt. 2.12.2010)

Tabakbranche klagt gegen vorgeschriebene Warnhinweise, 2011

Die Warnhinweise sollten mit drastischen Bildern auf die Gefahren des Rauchens hinweisen. Dagegen klagten vier der fünf größten US-Tabakfirmen gegen die Regierung in Washington eingereicht. Mit den neuen Hinweisen seien sie gezwungen, Warnungen der Regierung vor dem Rauchen besser sichtbar anzubringen als ihren eigenen Markennamen, erklärten die Unternehmen. Nie zuvor in den USA seien Hersteller eines legal produzierten Produkts verpflichtet worden, auf ihrer eigenen Verpackung und in ihrer Werbung eine emotional aufgeladene Botschaft der Regierung zu übermitteln, mit der erwachsene Verbraucher dazu gedrängt werden, ihre Produkte zu meiden, hieß es in der Klage. Vorher hatte die US-Drogenbehörde (FDA) neun neue Warnungen gebilligt, die abwechselnd auf die Packungen gedruckt werden sollen - jeweils auf die gesamte obere Hälfte der Vorder- und der Rückseite. Sie zeigten unter anderem das Bild einer Leiche mit zugenähtem Brustkorb.

Steinbrück: Zensierter Stinkefinger, 2013

Die Deutsche Welle zensierte das Cover des Magazins der Süddeutschen mit dem Stinkefinger von Steinbrück. "Vieles, was wir in Deutschland als normal ansehen, ist im Rest der Welt nicht normal", erklärte dazu C. Lanz, der Multimediadirektor der Deutschen Welle. Neben den USA gebe es auch in einigen asiatischen sowie in arabischen Ländern strenge Rechtsvorschriften. In der Vergangemheit hatte der Sender u.a. schon barbusige Badende am Ostseestrand gepixelt.


Redskins: rassistisch, 2013

(FAZ 18.10.2013) US-Präsident Barack Obama setzte sich 2013 für eine Namensänderung der Redskins ein. Doch: Die „Redskins“, das Football-Team der US-Hauptstadt mit dem Maskottchen des rothäutigen Indianers samt Federschmuck, sollen auch in Zukunft ihren Traditionsnamen tragen, der übersetzt „Rothäute“ heißt – wenn es nach dem Besitzer des Klubs geht. Zumal viele Fans lautstark und unübersehbar für ihr Indianeremblem eintreten. Im „FedExField“, dem Stadion in Landover östlich der Stadt, hing gerade ein Transparent vor den gelb-roten Rängen: „Lasst unseren Namen in Ruhe.“ Am Parkplatz hatten Fans die Versicherung von Snyder in den Vereinsfarben Gelb und Rot-Braun auf eine Betonwand gepinselt: „Wir werden den Namen nie ändern.“ Eine Umfrage zeigt zudem große Unterstützung bei der Bevölkerung. Der US-Präsident aber hielt dagegen: „Wenn ich Besitzer des Teams wäre und ich wüsste, dass es einen Namen meines Teams gibt, der – selbst wenn er seine eigene Geschichte hat – eine relevant große Personengruppe brüskiert, ich würde darüber nachdenken, ihn zu ändern.“ Indianergruppen, eine Fraktion von Sportjournalisten, die den Namen bereits boykottiert, und eine Handvoll Kongressabgeordneter jubelten daraufhin. Schon lange verabschiedete sich der Klub Schritt für Schritt von seinem alten Image. Die Cheerleader tanzen keine obskuren Regentänze mehr, wenn ihrem Team ein Touchdown gelingt. Die schwarzen Zöpfe der Tänzerinnen gehören ebenso der Vergangenheit an wie der Federschmuck der Klubband. Und erst recht ausgedient hat der alte Schlachtruf, der sich etwa so übersetzen ließ: „Skalpiert sie, flutet sie.“ Das Skalpieren wurde schon vor langer Zeit gegen „schlagt sie“ ausgetauscht. Die Perspektive der Indianer und anderer Namens-Kritiker ist klar. Der Begriff „Redskin“ sei eine herabwürdigende Benennung von Indianern. Einige Indianer gehen in ihrer Klage noch weiter. Für sie erinnert der Begriff „Rothaut“ an jene Kopfgeldjäger, die die abgeschnittene Kopfhaut eines Indianers als Beweis für dessen Ermordung vorwiesen. Er sei eine schmerzvolle Erinnerung an das Blutvergießen an ihrem Volk, sagt eine Navajo-Indianerin. Ein Sprecher der Oneida, Ray Halbritter, nannte deshalb Obamas Äußerungen „nichts weniger als historisch“. Der Name der „Redskins“ sei „ein veraltetetes Zeichen von Teilung und Hass“.

Hitler-Bus, 2015

Islamgegner wollten 2015 in der US-Grossstadt Philadelphia mit einem Bild von Adolf Hitler Stimmung gegen Muslime machen. Auf dem Plakat mit der Aufschrift «Islamischer Judenhass: Es steht im Koran» ist ein Bild von 1941 zu sehen, auf dem der Nazi-Führer sich mit dem Grossmufti Amin al-Husseini unterhält. Der Palästinenserführer gehörte zu den wichtigsten Verbündeten Hitlers im arabischen Raum. Die Busgesellschaft der Stadt lehnte die Anti-Islam-Werbekampagne ab, da man keine Plakate wolle, die Menschen und Gruppen in irgendeiner Art diskreditieren. Die Initianten zogen vor Gericht – und erhielten Recht. Wie der «Philadelphia Inquirer» berichtet, begründete Richter Mitchell Goldberg seinen Entscheid damit, dass für die Kampagne das Recht auf Meinungsfreiheit gelte. (FAZ 14.3.2015)


Einzelhändler stoppen Verkauf der Konföderierten-Flagge, 2015

Die Flagge aus Bürgerkriegszeiten (1861-1865) steht Kritikern zufolge für die Bereitschaft der damals zusammengeschlossenen Südstaaten, in den Krieg gegen die nördlichen US-Bundesstaaten zu ziehen, um die Sklaverei beibehalten zu können. Befürworter sehen sie dagegen unter anderem als Symbol, um der Kriegsopfer ihrer Vorfahren zu gedenken. 2015 kam die Debatte über die Flagge auch im Einzelhandel an. Der US-Einzelhändler Walmart stoppet den Verkauf von Artikeln mit der Konföderierten-Flagge. "Wir wollen nie jemanden mit unseren Produkten angreifen", sagte ein Walmart-Sprecher. Walmart hatte die Flagge selbst und andere Artikel wie T-Shirts oder Gürtelschnallen mit dem Abzeichen bislang im Angebot. Laut CNN verkaufen auch Ebay und Amazon solche Produkte. (heute de. 23.6.2015)


Streit um Oben-Ohne-Models auf dem Times Square, NY 2015

Meist sind sie sind bis auf einen Tanga und etwas Körperfarbe nackt und posieren gegen Bargeld mit Touristen. Bei den Besuchern des Times Square sind die »Straßenkünstlerinnen» mit den patriotischen Stars und Stripes auf dem Busen und den charakteristischen Buchstaben N und Y auf den Pobacken beliebt. Nicht so bei New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo: Nach Dauerklagen in der Presse über den Verfall von Anstand und Moral sowie über illegale, aggressive Betteleien plante Cuomo 2015 die spärlich bemalten Mädchen von dem berühmten Platz verbannen.


Fälle von Political Correctness 2008-2015

In New York protestierten Jurastudenten gegen Kurse über den Straftatbestand der Vergewaltigung, weil schon das Wort "Rape" Empfindungen verletzen könnte. 2008 war ein Student aus Indiana des Rassismus bezichtigt worden, weil auf dem Buch, das er las, Mitglieder des Ku-Klux-Klans abgebildet waren, es handelte sich um ein Buch gegen die rassistische Vereinigung. An der Rutgers Universität verlangten Studenten 2014, vor Virginia Wools Roman "Mrs. Dalloway" zu warnen, weil darin ein Selbstmord vorkommt. Und an der Columbia Universität wurde gegen Ovids "Matamorphosen" protestiert, weil es darin zuviele sexuelle Übergriffe von Göttern auf Menschen gab. (FAZ 14.10.2015)

Vereinigte Arabische Emirate, 2015

Fatwa: One-Way-Flüge zum Mars verboten, 2014

Eine solche Reise stelle eine "reale Gefahr für das Leben" dar, denn "es besteht die Möglichkeit, dass eine Person, die zum Mars reist, dort nicht überleben kann." Deshalb wurde den Muslimen eine solche Reise bei Strafe ("im Jenseits ähnlich wie beim Suizid") verboten. (FAZ 21.2.2014)

Kritik an Selena Gomez wegen Fotos in Moschee,2015

Die Bilder, die der Superstar auf seinem Profil beim Online-Bilderdienst Instagram hochlud, seien respektlos, meinten zahlreiche Kommentatoren. Einige betonten, dass die Regeln des Gotteshauses Lachen untersagen würden. Ein Foto zeigt die Schauspielerin mit einer Gruppe von Freunden, alle in Schwarz und die Frauen mit Kopftüchern, auf dem Gelände der Scheich-Said-Moschee in Abu Dhabi. Das US-Promiportal tmz.com berichtete, dass ein zweites Foto, dass Gomez mit entblößtem Knöchel gezeigt habe, wieder gelöscht worden sei. Erst im Herbst 2013 hatte Superstar Rihanna bei einem Besuch derselben Moschee Ärger bekommen. Die Pop-Diva hatte sich zwar komplett verhüllt, trotzdem flog sie nach einem kurzen Foto-Shooting aus der Scheich-Said-Moschee. Die Aufpasser fanden die Posen der Sängerin «unpassend». (FAZ 3.1.2015)

Vietnam

Strafe für vietnamesische Airline nach Bikini-Show an Bord, 2012

Mit Bikini-Mädchen an Bord feierte der vietnamesische Billigflieger Vietjet seinen ersten Flug zum Küstenort Danang. Die zuständige Luftfahrtbehörde verdonnerte die Airline zu einer 1000 Dollar Strafe. Grund: die Show hätte angemeldet werden müssen. Auf dem Flug waren zehn leicht bekleidete Damen den Mittelgang entlang flaniert. Es sei ihr erster Flug in eine Stadt mit Strand gewesen, deshalb wollten sie die Passagiere mit tanzenden Bikini-Mädchen aufheitern» sagte ein Sprecher der Airline.

Weißrußland

"Rammstein"-Konzert, 2010

Da die Band "Homosexualität, Masochismus und andere Widerwertigkeiten" propagiere, befürchtete der Gesellschaftsrat für Sittlichkeit eine Zersetzung der Moral und einen Angriff auf die Landesehre. Die Forderung: Das Konzert solle verboten werden. (Sdt. 23.2.2010)

Schwarze Liste: Kultur unerwünscht, 2011

In Weißrussland kursierte 2011 eine schwarze Liste, in der z.B. kritischer Theater, Literaten oder Bands zu finden sind wie die bekannten weißrussische Bands N.R.M., Krambambulja, Lyapis Trubeckoi oder das Theaterprojekt "Belarus Free Theatre", der Song-Schreiber Zmicier Wajzjukjewytsch und die russische Dissidenten-Rockband DDT. Auch Namen wie Neil Tennant, dem Sänger der britischen Pet Shop Boys, sowie die der Hollywood-Schauspieler Jude Law und Kevin Spacey sind dort zu finden. Letztere hatten sich im Rahmen eines Videoprojektes für künstlerische Freiheiten in Weißrussland eingesetzt. Anfang März 2011 hatten viele offizielle Medien die Liste mit dem Hinweis erhalten, dass die auf der Liste stehenden Künstler unerwünscht" seien. Die Band Krambambulja veröffentlichte daraufhin auf ihrer Facebook-Seite die Information eines Jugendradiosenders. In der heißt es, dass der Sender angehalten wurde, "die Kompositionen der Bands Lyapis Trubeckoi, Krambambulja, Tarakany und so weiter nicht in Jugendprogrammen zu verwenden". Denn, so heißt es: "Das Werk dieser Gruppen und Künstler beeinflusst negativ die normale Entwicklung und die Sozialisierung der Jugend." In kürzester Zeit wurden bereits vier Konzerte abgesagt: eines von Lyapis Trubeckoi in der Stadt Gomel, eines von Wajzjukewytsch in Brest und Konzerte von Krambambulja und der Rock-Band Nejro Djubel in Minsk. (Sdt. 29.3.2011)

Weltorganisationen

Die Uno-Wetterorganisation WMO hat 2015 den Namen "Isis" von einer Liste von Namen zur Benennung pazifischer Wirbelstürme getilgt. Isis ist nicht nur der Name einer altägyptischen Göttin, sondern bezeichnet auch die Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS). Auf der alphabetischen Hurrikan-Namensliste für den östlichen Nordpazifik wurde "Isis" durch "Ivette" ersetzt, teilte WMO-Sprecherin Clare Nullis mit. Bezeichnungen werden in der Regel gestrichen, wenn ein Sturm viele Todesopfer forderte. So wurde etwa zuletzt der Name "Odile" durch "Odalys" ersetzt, nachdem durch den Hurrikan "Odile" in Mexiko 2014 elf Menschen ums Leben gekommen waren. (spiegel online 20.4.2015)

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